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Vairagya als Quelle der Gelassenheit im Vedanta

Ein nächstes, was er dann aber sagt, ist, „Losgelöstheit, Vairagya ist der innere Abstand gegenüber den Dingen der Sinneserfahrung.“ Also, wir sind irgendwo gelöst. Man kann sagen, es gibt zwei Grade von Vairagya und das ist jetzt eine Temperamentfrage. Die eine Vairagya ist so weit, dass man so weit losgelöst ist, dass man nicht durch die ganzen Emotionen durchgeht. Und ich kannte auch jemanden, das war ein direkter Schüler von Swami Sivananda, das war so ein reiner Vedantin, ein Swami BrahmAnanda, und der war diese Art von Vedantin. Die Grundemotion von ihm war eine Heiterkeit bis zu einer Amüsiertheit. Ich weiß nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt. Er war so ein Verstehender, der konnte alles verstehen und annehmen und er hat nie einen beurteilt oder erst recht nicht verurteilt, aber er war auch von nichts dort berührt. Ich habe ihn gekannt als er irgendwo, ich glaubt, Mitte 80 war er gewesen, aber er hat Vedantavorträge gegeben, er hat über Bhagavad Gita und das Nareshwari und noch eine andere Schrift dort gesprochen. Er hat jeden Morgen und Abend hat er mit uns dort dieses Nirwana Sharakam rezitiert, also die sechs Strophen zur Befreiung, die wir ja gestern auch rezitiert haben. Und er hatte auch schon diverse körperliche Gebrechen und hatte auch irgendwo körperliche Schmerzen gehabt, aber das hat ihm nichts ausgemacht. Manchmal tat es ihm dann irgendwie so weh, dass er irgendwo Assistenten brauchte, auf die er sich stützen musste und das hat ihn irgendwo amüsiert und er hat gesagt, „This body here can‘t walk anymore. Dieser Körper kann nicht mehr richtig laufen.“ und dann fing er an zu lachen und sagte, „This knee hurts.“, dann fing er an zu lachen, „Die Knie hier“ oder „This knee produces pain. Dieses Knie produziert Schmerzen.“ Aber er hat dort keine Schmerzen im Gesicht gehabt, sondern er fing dann an zu lachen. Oder wenn jemand ihm Liebeskummer erzählt hatte, auch das hat man ihm dann erzählt und da hat er dann gefragt, „Frag dich, wer hat Liebeskummer?“, wie ich es euch vorher erzählt hatte. Aber es war nicht so, dass er gesagt hätte, „Wie kommst du dazu, Liebeskummer zu haben, wo du doch ein Vedanta-Schüler bist und schon so viele Vorträge gehört hast?“ Er fand das irgendwo erheiternd. Nicht arrogant erheiternd. Er war auf seine Weise sehr bescheiden, aber dennoch stand er über den Dingen. Also das ist ein Grad von Vedanta. Aber es gibt diesen zweiten Grad von Vedanta und der ist einfacher. Man geht durch die Emotionen, man geht durch Höhen und Tiefen, man empfindet das und parallel, während man da durchgeht, hat man ein Vairagya und eine Viveka dahinter, wo man weiß, „Spielt auch keine allzu große Rolle. Ich bin es nicht wirklich.“ Und es ist jetzt auch nicht erheblich, „Ich muss nicht ständig gleichmütig sein.“, auch daran kann man hängen, an der Emotion des Gleichmuts. Selbst daran müssen wir nicht hängen. Wir müssen auch nicht an der Belohnung hängen, dass jedes Mal, wenn wir die Yogastunde machen, dass wir genauso toll uns fühlen. Und jede Meditation ist so großartig. Natürlich, noch weniger muss man an dem Thema der Yogastunde hängen. Da haben einige gestern Morgen irgendwo eine unfreiwillige Lektion bekommen. Ich hoffe, dass ihr nicht die gleiche Lektion wiederholt habt. Anscheinend hat gestern Morgen die fortgeschrittene Gruppe nicht die Mahavakyas gehabt. Und es ist ja dann auch gut, dass ihr es mir dann sagt. Aber wenn man so darauf ist und dann nachher noch Tage danach wettert, das wäre nicht gut. Ein bisschen enttäuscht zu sein, ist auch gut. Darüber zu lächeln, dass man sieht, „Mein Geist ist enttäuscht.“, ist auch gut. Es dann zu sagen, damit künftig die Sachen besser organisiert werden, ist auch gut. Denn angenommen, man würde nichts sagen, dann hätten vielleicht heute auch wieder mindestens eine Gruppe, eine ganz andere Yogastunde gehabt. Ich hoffe, ihr versteht, wie das Ganze gemeint ist mit diesem Vairagya.

Teil 76 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. <

Engagement ist gut – und besser noch gepaart ohne Anhaften

Engagiert sein, ist gut. Und ein engagiertes Leben ist gut. Intensive Erfahrungen manchen – oder es muss auch nicht intensiv sein – aber Erfahrungen machen ist gut. Patanjali hat ja auch diesen Ansatz, obgleich auch er dann irgendwann von Viveka Khyati spricht, als eine der Mittel zur Befreiung. Aber es geht eben darum, nicht an den Früchten zu hängen. Also z.B., irgendwo sich zu engagieren und seine Partnerschaft zu entwickeln, ist gut. Wenn sie trotzdem in die Brüche geht, dann ist es halt so. Dann hat man eine Weile Liebeskummer, eine Weile Trennungsschmerz und danach geht es dann auch weiter. Diese Erfahrung von dem Leiden in der Trennungsphase war auch eine wichtige Erfahrung. Man soll auch nicht daran hängen, dass es immer nur schön ist. Oder man hat ein Kind und das Kind geht irgendwann aus dem Haus. Ist auch normal, dass man dann vielleicht ein bisschen trauert oder vorübergehend vielleicht froh ist und dann kommt doch die Trauer wieder rein. Gut, manche hoffen, dass der 30-jährige Sohn endlich irgendwann das Haus verlässt. Muss auch gar nicht sein. Mehrgenerationenhaushalte waren durchaus auch in früheren Zeiten sehr üblich. Aber dann anschließend loslassen. Oder Belohnung. Jetzt hat man in diesem Leben so viel Gutes getan und hat sich um sein Kind so gekümmert und jetzt ist man 70, 80 Jahre und undankbare Menschen. Ist nicht einfach für Mütter und Väter. Und diejenigen von euch, die Kinder haben, die wissen, was ihre Eltern für einen gemacht haben, denn man weiß ja, was man selbst für die Kinder gemacht hat und so viele andere Dinge, die man macht. Und eben noch nicht mal daran hängen, dass wir dann mit gutem Karma belohnt werden. Manchmal fragen Menschen, „Warum ich? Ich war in meinem ganzen Leben so freundlich und dann passiert mir so was Schlimmes.“ Noch schlimmer natürlich z.B., ihr habt ein Yogazentrum aufgebaut, ihr habt einen Schüler gehabt, der war hoffnungslos kaputt bei der ersten Yogastunde. Ihr habt viele Stunden auch Einzelberatungen gemacht, so vieles. Ihr habt, weil er wenig Geld hatte, ihm irgendwo die Kursgebühren reduziert und alles ermöglicht und persönlich assistieren lassen, Yogalehrerausbildung vielleicht sogar machen lassen und dann macht ausgerechnet der, zwei Blöcke weiter, ein eigenes Yogazentrum auf. Und kurz vorher spricht er mit allen euren Schülern und versucht, die noch dazu mitzunehmen. Das passiert gar nicht mal so selten. Erwartet keine Dankbarkeit. Undankbarkeit ist der Welten Lohn. Glücklicherweise nicht nur, Dankbarkeit gibt es auch, aber so häufig erlebt man eben auch Undankbarkeit. Und viele sagen dann, „Nie mehr werde ich mich um jemanden kümmern.“ Oder ein bisschen banaler, irgendwann hatte ich so jemanden in der zweijährigen Yogalehrerausbildung. Sie hat gesagt, sie hat kein Geld und außerdem hat sie aber auch nicht die Möglichkeit, mitzuhelfen. Wir haben ja in den Yoga-Vidya-Zentren oft die Möglichkeit, gegen Mithilfe zu begünstigten Kursgebühren. Ich hab mich breitschlagen lassen und irgendwo hat sie es dann für die Hälfte gekriegt und nach einem Jahr hat sie mir dann stolz irgendwo erzählt, jetzt hätte sie sich einen Pelzmantel gegönnt und das wäre sie sich wert gewesen. Mehrere Tausend Euro. Die gleiche Frau, die mir gesagt hat, sie hätte kein Geld. Daneben, dass ich es für unethisch halte, sich einen Pelzmantel zu kaufen. Ich muss zugeben, das hat mich geärgert. Schon ein paar Tage. Und es hat dazu geführt, dass ich niemandem mehr die Yogalehrerausbildung so stark vergünstigt gegeben habe, ohne dass er mindestens mithilft. Aber trotzdem, nicht hängen an allem. Also, das ist Vairagya. Und Vairagya hilft, man kommt auch darüber wieder weg und weiß, so ist halt die Welt. Und wir wollen keine Löhne erwarten für etwas. Wir helfen noch nicht mal anderen, um ein gutes Karma zu bekommen. Könnte man ja auch machen. Aber Krishna sagt das ja in der Bhagavad Gita, „Wer anderen Gutes tut, um deshalb belohnt zu werden, entweder in diesem Leben, im nächsten Leben oder zwischen zwei Leben, der hat seinen Lohn darin.“, aber spirituell wachsen tun wir nicht. So drückt es ja auch Jesus aus, wo er irgendwo sagt, wer irgendwo Spenden gibt und damit groß rumposaunt. Das ist nichts Schlechtes. Besser, man gibt Spenden und posaunt damit rum, anstatt man gibt keine Spenden. Und irgendwo ein gutes Karma kriegt man auch, nur spirituell wachsen tut man nicht übermäßig.

Teil 75 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. <

Vairagya, Nichtanhaften, im Jnana Yoga

Vairagya ist der innere Abstand gegenüber den Dingen der Sinneserfahrungen, die vergänglich sind und gesehen, gehört oder sonst wie wahrgenommen werden, vom Körper bis zum Schöpfergott.“ (Viveka Chudamani von Sankaracharya)
Sankara hat ein paar Verse vorher noch mal Vairagya anders definiert, nämlich, „Gleichgültigkeit darüber, ob man in diesem Leben oder im Jenseits in den Genuss der Früchte für Mühen und getaner Arbeit kommt.“ Das halte ich noch mal für eine besonders schöne Definition. Also, nicht an den Früchten hängen, ist Vairagya. Also, wir können ein sehr engagiertes Leben führen und gerade Meister des ganzheitlichen Yogas, wie Swami Sivananda und Swami Vishnu-devanandadevAnanda, haben ja diesen engagierten Yoga auch gelehrt. Und hier wiederum kommt Patanjali ins Spiel, der ja sogar sagt, wir kommen deshalb in dieses Leben, zum einen, um Erfahrungen zu machen und zum anderen, um die Kräfte zu erfahren, also zum einen, verschiedenste Erfahrungen zu machen und zum anderen, die Kräfte zu erfahren, die in uns stecken und in der Prakriti. Patanjali hat ja durchaus so einen modernen Ansatz, es geht darum, sich zu entfalten, mehr zu tun und zu schauen, „Was steckt noch in mir drin?“ und das dort umzusetzen. Also, Patanjali ist das Gegenteil von, sich aus allem zurückziehen, „Ich will nicht diesen Stress im Beruf haben und Stress in der Familie, auch keinen Stress, ein Yogazentrum zu leiten. Ich mache drei Stunden am Tag ein bisschen irgendetwas, ansonsten lebe ich von Sozialhilfe, Erbschaft, von dem, was mein Mann nach Hause transportiert oder wie auch immer.“ Ich habe gestern jemanden mit starker Kaphastörung erlebt. Habt ihr das alles mitgekriegt die drei? Ich glaube, alle konnten irgendwo genial mit Vata-, Pitta- und Kaphaübersteuerung… Also, das ist nicht das, was das ganzheitliche Yoga lehrt, sich aus allem zurückzuziehen. Gut, ein reiner Jnana Yogi könnte das vielleicht auch machen.

74. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Die vier Vivekas im Vedanta Jnana Yoga

Also noch mal zusammenfassend die vier wichtigen Vivekas. Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen. Das ist vielleicht die schwierigste und die betont Sankara hier zunächst mal als erstes. Aber die zweite, vielleicht noch wichtigere, die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen, die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst, die Unterscheidung zwischen Vergnügen und wahrer Wonne. Letztlich sind alle Unterscheidungen verschiedene Unterscheidungen des Gleichen. Ewig und vergänglich, Ananda und Sukha, Selbst und Nicht-Selbst, ist ja letztlich alles das Gleiche. Das, was ewig ist, ist das Selbst, ist das, was Ananda ist und das ist die Wahrheit. Also, im Grunde genommen sind es eigentlich vier Weisen, wie man die gleiche Sache unterscheiden kann. Und ihr könnt das selbst überlegen, was euch am meisten liegt. Glücklicherweise muss man nicht alle vier machen. Und es gibt manche Menschen, die irgendwo einen Zugang besser zu einem haben, aber zu dem anderen haben sie keinen Zugang. Da wäre mein Tipp, entwickelt vor allem diese Viveka, zu der ihr am leichtesten Zugang habt, denn es bleibt, wie du eben gesagt hast, das Ewige ist letztlich das Wirkliche, ist Ananda und ist das Selbst. Manchen liegt eine Unterscheidung besonders zu machen und andere nutzen verschiedene Formen der Unterscheidung je nach Lebensumständen.
Wir sind jetzt beim 21. Vers von über 500. Aber ich meine, es ist gut, sich an diesen Teilen etwas aufzuhalten, wir werden dann nachher irgendwann ein bisschen beschleunigen und letztlich gilt es, dass ihr die Viveka-Chudamani auch dann selbst lest und nutzt. Aber wenn ihr diese Grundlagen habt, fällt der Rest leicht. Auf einer gewissen Weise kann man ja auch sagen, ihr habt ja auch schon alle Grundlagen. Vermutlich habe ich euch bis jetzt nichts Neues erzählt. Das ist der Nachteil beim Jnana Yoga. Eigentlich heißt es, „In drei Sätzen sei es verkündet, was man in Tausend Büchern findet, Brahman ist wirklich, die Welt ist Schein, das Selbst ist nichts als Brahman allein.“ Alles andere ist Zugabe. Aber um in der Viveka sich zu vertiefen, dazu ist es notwendig, von allen möglichen anderen Gesichtspunkten, das immer wieder zu hören.

73. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Sukha Ananada Viveka – Unterscheidung zwischen vergänglichem und ewigem Glück

Wir hatten bis jetzt behandelt: Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen. Unterscheidung zwischem zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen. Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst. Jetzt fehlt noch eine Unterscheidung. Zwischen dem, was dauerhaft glücklich macht und dem, was nur vorübergehend glücklich macht. Letztlich die Unterscheidung zwischen Sukha und Ananda, wobei die Ausdrücke nicht immer so konsequent getrennt sind. Also wir finden z.B. in der Pratama Sotra „Sat Chit Sukham“ als Ausdruck des Selbst. Also „Sukha“ kann je nach Kontext auch wie „Ananda“ verwendet werden. Aber zwischen Vergnügen und Wonne. Die Wonne ist letztlich unsere wahre Natur, Vergnügen ist gespiegelte Freude und weil es gespiegelt ist und letztlich das Objekt, das es spiegelt vergänglich ist, ist auch die Freude vergänglich. Freude an sich ist eigentlich ein Ausdruck unseres höchsten Wesens. Und angenommen, man schaut eine Rose an und freut sich, die Freude an sich ist einfach eine Widerspiegelung der Freude, die wir selbst haben oder man kann auch sagen, die Freude, die hinter allem ist, auch die Rose. Aber angenommen, man bräuchte bloß eine Rose, um dauerhaft glücklich zu sein, dann müssten wir einfach ein paar Rosen dort hinstellen und eine Rose gibt ein Glücksgefühl, zwei Rosen doppelt soviel Glück und wenn wir dann hundert Rosen hinstellen, dann hundertfaches Glück. Klappt das so? Ihr wisst alle, nein. Vielleicht erinnern sich manche daran, euer Liebster hat euch zum ersten Mal in euerem Leben eine Rose gebracht. Wie war das? Himmlisch. Und angenommen, er bringt dann jeden Tag eine neue Rose und vielleicht sogar jeden Tag eine mehr. Wie ist das? Irgendwie langweilig, er könnte sich auch mal was anderes einfallen lassen. Also, äußere Objekte können vorübergehend einem Freude geben und die vedantische Interpretation von Freude ist ja, dass sie einem vorübergehend Gedankenstille beschert und deshalb strahlt die Freude des Selbst hervor. Also auch die Rose, die man kriegt von seinem Freund. Oder angenommen, euer Mann hat euch seit zwei Jahren keine Rose mehr geschenkt, ihr kommt nächsten Sonntag nach Hause – oder er holt euch sogar hier ab. Er kommt mit dem Auto hierher gefahren und bringt euch zwanzig rote Rosen, dann seid ihr? Es hängt jetzt von der Art der Beziehung ab. Aber jetzt nehmen wir an, ihr habt nicht dieses gesunde oder ungesunde Misstrauen, dann seid ihr erstmal glücklich. Ist jetzt das Glück von den Rosen oder wegen dem Mann oder wegen was ist es? Yogis würden sagen, in dem Moment sind die Gedanken ruhig. Weil die Gedanken ruhig sind, strahlt Ananda, Wonne dort hervor. Und das ist unsere wahre Natur. Wenn man sich Sorgen macht, dann verhüllen die Gedankenwolken das innere Glück. Sind dann vorübergehend die Sorgen weg, dann kann die Freude des Selbst von sich aus ausstrahlen. Und wenn wir das wissen, dann können wir zum einen die Freuden auch genießen. Dann freut man sich über eine Rose, dann freut man sich, wenn einer einem einen Gefallen tut, ein Kompliment macht, wenn ein Wunsch in Erfüllung geht. Aber wir brauchen nicht daran zu hängen, es ist nicht, dass unser Glück jetzt daran hängt. Angenommen, ihr kommt dann am nächsten Sonntag nach Hause, ihr habt erwartet, dass ihr irgendwo freundlich willkommen geheißen werdet und stattdessen steht so ein Zettel auf dem Küchentisch und da steht, „Ich bin heute Abend zu Freunden gegangen. Vorräte findest du im Kühlfach.“ Dann ist man natürlich typischerweise erstens enttäuscht und zweitens vielleicht misstrauisch. Es lag immerhin ein Zettel da und immerhin ist wenigstens im Gefrierfach irgendwas Essbares. Vielleicht nicht das, was einem schmeckt, nachdem man vielleicht neun Tage oder neun Jahre von Frischkost gelebt hat, aber immerhin hat jemand noch gedacht. Auch hier wird man dann weiter Emotionen haben, aber es ist jetzt nicht so, dass man weiß, „Mein Glücksgefühl hängt jetzt dauerhaft daran.“, sondern, „Meine wahre Natur ist Satchidananda. Bleibt wieder, bleibt so.“ Und letztlich, vom Raja Yoga wissen wir dann, es reicht aus, wenn wir unseren Geist konzentrieren auch auf etwas. Wenn wir unseren Geist konzentrieren auf etwas, in dem Moment sind wir glücklich. Und so ist es durchaus auch o.k., auch ein solches vorübergehendes Glück zu haben, wenn einem irgendetwas Spaß macht. Z.B., ihr seht, ich nehme hier ja alles Mögliche auf und ich muss zugeben, irgendwie amüsiert mich das jetzt alles und angenommen, das funktioniert jetzt, dass mit diesem Mikro die Videoaufnahmen endlich mal einen gescheiten Sound haben und dieses Hintergrundrauschen weg ist. Das ärgert mich irgendwo, dass immer noch keine Möglichkeit gefunden worden ist, dass die Videoaufnahmen wirklich einen guten Sound haben. Angenommen, das wird funktionieren und ich stelle das fest, dann bin ich glücklich. Angenommen, ich stelle nachher fest, dass die ganze Aufnahme verhunzt ist, denn das ist jetzt ein neuer Versuch und ich hatte nicht die Zeit, das vorher auszuprobieren, dann bin ich tatsächlich in dem Moment unglücklich. Aber ich weiß, mein Glück hängt jetzt nicht dauerhaft davon ab und ich werde jetzt nicht explodieren. Oder angenommen, ich stelle nachher fest, die Kabelverbindung, die Steckverbindung hat nicht richtig gesessen. Und wenn ich dann die Kopfhörer aufsetze und die linke Seite ist schön und aus dem rechten kommt dieses Rauschen, dann weiß ich, die Katrin hat den Stecker nicht richtig hineingesteckt, dann werde ich mich erstmal ärgern, denn letztlich, wenn eine Aufnahme nicht funktioniert hat, kann ich ja nicht das Ganze irgendwo hineintun und vermutlich dieses werde ich auch nicht ganz öffentlich zur Verfügung stellen können, aber irgendwo so eine ganz Viveka-Chudamani-Reihe auch als Video, wäre doch ganz schön. Oder zur Verbesserung, dass die Audioaufnahmen besser sind für Mantras, habe ich mir eigentlich vor drei Wochen so ein neues MP3-Gerät angeschafft. Ich bin bis heute nicht dazu gekommen, es auszuprobieren. So ein bisschen was ärgert mich das. Und angenommen, in einer Woche werde ich ja nicht mehr ganz so viel unterrichten, da hoffe ich, dass ich die Zeit habe, das auszuprobieren und mich irgendwie dort hinzusetzen. Und angenommen, ich stelle dann fest, es klappt, dann bin ich auch erstmal glücklich. Angenommen, ich stelle fest, es ist ein Fehlkauf, wie irgendein anderes Mirko für eine Videokamera, dann bin ich erstmal vorübergehend unglücklich. Aber das sind alles harmlose Spielereien. Also, nichts von dem macht mich jetzt dauerhaft glücklich oder unglücklich. Ich muss zugeben, angenommen, ein Teamleiter sagt mir, „Ich will Yoga Vidya verlassen.“, das trifft mich etwas stärker. Oder ein langjähriger Mitarbeiter, muss noch nicht mal Teamleiter sein, einen, den ich noch dazu längere Zeit kenne, der mich schon öfters um Rat gefragt hat, der in den ersten Reihen sitzt, wenn ich Vorträge gebe, da entsteht auch eine bisschen stärkere auch emotionale Nähe, das trifft dann schon stärker. Das ist dann nicht eine Spielerei, sondern da kann ich auch ein, zwei Tage oder eine Woche irgendwo ein emotionales Leiden dort spüren. Bei all dem ist dennoch im Hinterkopf, wo ich weiß, das sind Erfahrungen, die kommen und die Erfahrungen gehen. Hinter allem bleibt eines gleich, nämlich Ananda, Wonne. Die bleibt gleich. Satchidananda bleibt. Die anderen Erfahrungen sind auch da. Sie mögen auch kommen und gehen und wir brauchen nicht zu warten, bis wir all unsere Emotionen und Gedanken unter Kontrolle haben, bis wir die Kundalini vollständig erweckt haben und ins Sahasrara Chakra gebracht haben, wir brauchen nicht so lange warten, wir können jetzt diese Unterscheidung üben und diese Unterscheidung kann einem gleich schon eine gewisse Ruhe geben, einen gewissen Gleichmut und letztlich eine gewisse Bewusstheit, Moksha ist jetzt schon da. Wir brauchen nicht die Verwirklichung auf in hundert Leben zu verschieben. Auch nicht, „Wenn ich noch dreißig Jahre ausreichend die Luft anhalte, dann bin ich glücklich. Letztlich kann diese Viveka und das ist das Schöne am Jnana Yoga, letztlich genauso wie im Bhakti, beim Bhakti kann man auch sagen, „Alles ist Gott. Ich bringe alles Gott dar. Gott ist immer da.“ Gestern hat mir auch noch jemand gesagt, „Muss es denn entweder Jnana oder Bhakti sein?“ Antwort, das kann auch beides zusammen sein. Mensch ist ausreichend vielschichtig. Auf der einen Ebene können wir sagen, „Sarvam Kalvidam Brahman. Alles ist wahrhaftig Brahman.“ Und wir können auch sagen, „Neti Neti. Ich bin nicht dieses und ich bin nicht jenes.“ Auf einer anderen Ebene können wir sagen, „Alles ist wahrhaftig Gott. Alles ist für Gott. Alles tue ich für Gott. Ich lasse alles los. Alles, was kommt, ist Gott. Die schönen, wie auch die weniger schönen Dinge sind Gott.“ Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen platt, wenn ich es jetzt so sage, „Gott liebt mich, egal, was ich mache.“

72. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Erlebte, erfahrene Unterscheidungskraft als Vedanta Mittel

Man würde sagen, es ist eine erfahrene und erlebte Unterscheidung. Also einfach nur, intellektuell das zu erkennen, reicht ja nicht aus. Das wäre sehr einfach. Ich kann sehr wohl unterscheiden, aber dennoch im nächsten Moment vergisst man all das. Swami Sivananda würde manchmal sagen, die machen intellektuelle Gymnastik und sich selbst und anderen machen sie etwas vor. Aber es ist tatsächlich, eigentlich der Jnana-Yoga-Weg in Reinstform wäre, man fragt sich, „Bin ich das? Bin ich das nicht?“ Ramana Maharishi hat ja diesen reinen Jnana-Yoga-Weg gelehrt. Wenn da jemand mit Liebeskummer zu ihm hingegangen ist, hat er ihm gesagt, „Frage dich, wer hat Liebeskummer? Bist du der Liebeskummer? Bist du die Emotionen? Frage dich, wer bin ich? Wer ist es, der sich des Liebeskummers bewusst ist? Wer ist derjenige, der sich dieser Emotionen bewusst ist? Wer ist derjenige, der zu mir hinkommt und jetzt Hilfe für den Liebeskummer braucht?“ Oder wenn jemand zu ihm hingegangen ist und gefragt hat, „Meister, ich habe Krebs. Was soll ich tun?“ „Frage dich, wer ist es, der Krebs hat? Überlege, was hat überhaupt Krebs, du oder dein Körper? Und dann frage dich, wer ist es, der denkt, dass er Krebs hätte? Wer ist es, der denkt, dass er der Körper ist, der Krebs hat?“ Das ist der Jnana-Yoga-Weg und indem man sich das immer wieder fragt, wird es irgendwann nicht nur intellektuell. Und dadurch, dass es dann nicht mehr nur intellektuell ist, plötzlich kann man tatsächlich sich davon lösen. Und immer weniger identifiziert man sich dann mit seinen Emotionen, immer mehr kommt man zu dieser Unterscheidung. Vielleicht auch noch eines. Der ganzheitliche Yogi bemüht sich ja, den Körper gesund zu halten. Aber dann gibt es Menschen, die dann, wenn jemand krank ist denken, Yoga funktioniert nicht. Und dann hat man wieder ein Problem. Die Aufgabe des Yogas ist nicht, den Körper ewig leben zu lassen. Die Aufgabe ist, mit Yoga sorgen wir dafür, dass der Körper länger gesund ist und einen weniger von der Meditation abhält und einen irgendwie ein bisschen wohler fühlen lässt. Aber jetzt zu probieren, den Körper ewig leben zu lassen, ist unsinnig. Oder Yoga hilft einen, mehr Prana zu haben. Aber wir werden trotzdem nicht immer soviel Prana haben, wie wir wollen. Yoga hilft uns, dass wir uns irgendwie wohler fühlen. Aber wenn es uns jetzt ständig darum geht, „Wie kann ich mich wohl fühlen lassen?“ kommen wir nie zu dem, worum es eigentlich geht. So ähnlich wie, es ist gut, sich um sein Fahrrad zu kümmern, dann braucht man nicht ständig die Reifen zu wechseln und dann braucht man nicht ein neues Fahrrad auszusuchen. Also, wenn man sich vorbeugend um die Gesundheit des Fahrrads kümmert, hat man längere Zeit, dann kriegt man nicht irgendwann, 70 Kilometer vom Ashram weg, platzt der Reifen und man weiß jetzt nicht, wie kommt man zurück. Also, wenn man vorher immer darauf aufgepasst hat. Aber jetzt zu probieren, das Fahrrad dauerhaft leben zu lassen – vielleicht mit dem Fahrrad geht es sogar noch, man kann ja die Teile leichter austauschen als bei diesem Körper, aber es wäre ein unsinniges Bemühen.

 

71. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Nitya Anitya Viveka – Die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen

Alles vergänglich. Daher Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen. Etwas bleibt gleich und das ist das Bewusstsein. Das bleibt in einem selbst gleich, das bleibt in den Kindern gleich, das bleibt in dem Partner gleich, selbst in dem, von dem man sich getrennt hat, es bleibt hinter allem gleich. Man soll nicht daran hängen, das ist Viveka. Und wenn man das weiß, kann man die Welt leichter annehmen. Man kann sie mit Lächeln annehmen. Sogar sein eigenes Leid kann man irgendwo annehmen. Mensch ist ja etwas sehr Komplexes. Man kann zum einen leiden. Eine Teilnehmerin hat mir irgendwo einen Zettel geschrieben, dass es ihr irgendwo nicht so gut geht – ich weiß jetzt nicht, wer es ist – und wenn jemand eine persönliche Frage hat, ist eigentlich am besten, ihr sprecht mich irgendwie nach dem Vortrag an oder man kann so sprechen, ihr könnt mir auch gerne einen Brief schreiben, aber ich kenne weder eure Namen noch eure Gesichter und ich kann jetzt auch nicht jeden einzelnen ansprechen. Aber man kann leiden und trotzdem Vedantin sein. Das ist paradox. Man kann auf der einen Seite in den Emotionen sein, man kann weinen, aber tief im Hintergrund kann man wissen, auch diese Emotion geht vorbei. Man wird nicht ewig weinen. Irgendwann wird auch das vorbeigehen und manchmal geht das sehr schnell vorbei und manchmal dauert es ein bisschen länger. Das Ewige und das Vergängliche. Und übrigens, auch angenommen, ihr befindet euch gerade in einem euphorischen Gemütszustand, was gilt auch dort? Verhaftet euch nicht daran, auch der geht vorbei. Mag man auch nicht gerne. Jetzt hofft man, „Ja, jetzt habe ich es. Satchidananda Swarupoham, meine wahre Natur, Sein, Wissen und Glückseligkeit und jetzt bin ich zu neunzig Prozent Glückseligkeit, noch zehn Prozent mehr, dann bin ich dauerhaft glücklich.“ Aber wir müssen aufpassen. Samadhi und Befreiung heißt nicht Dauereuphorie. Zwar ist es schon so, dass die großen Meister mehrheitlich Freude ausstrahlen. Swami Sivananda sieht nicht nur auf den Bildern so aus, sondern es haben mir viele erzählt. Verschiedene Menschen haben Verschiedenes über Swami Sivananda erzählt, was sie besonders an ihm fanden, alle haben gesagt, eines haben sie immer gesehen, er war jemand, der Glück ausgestrahlt hat und Freude. Aber er hatte auch körperliche Schmerzen gehabt. Und auch in einem Buch beschreibt der Swami Venkatesananda, einer der langjährigsten Schüler von Swami Sivananda war von einem tollwütigen Hund gebissen worden und hatte die Tollwut bekommen und wurde dann ins Krankenhaus gebracht. Und erst schien es so, als ob der wieder gesund würde. Dann hat Swami Sivananda noch glücklicher ausgesehen als sonst. Und dann kam jemand und ist rein mit einem traurigen Gesicht und Swami Sivananda hat ihn angeschaut und hat gesagt, „Er ist tot?“ und dann hat der andere nur genickt. Und Swami Sivananda sah offensichtlich schockiert aus und irgendwo sehr traurig auch. Also, er war auch dieser Emotionen fähig, aber die ging dann bei ihm schneller vorbei. Am Abend wurde dann der Körper vorbeigebracht und dann wurde noch das Mantra gesungen und die Totenzeremonie, wie es für einen Swami angemessen war, wurde gemacht. Und am nächsten Tag war Swami Sivananda wieder his usual self, also wieder normal aus diesem Glücksgefühl heraus. Bis wir diese höchste Erkenntnis haben, das höchste Jnana, bis dahin gehen wir über Höhen und Tiefen, auf himmelhoch jauchzend folgt manchmal zu Tode betrübt und letztlich, mindestens bis zu Nirvikalpa Samadhi behalten auch Menschen ihr Temperament bei. Das ist auch etwas, was wichtig ist. Manchmal rede ich mir da den Mund fusselig, ich erzähle in diesem Sommer immer wieder das Gleiche, weil, Menschen haben unrealistische Erwartungen ans Yoga. Also angenommen, ihr habt eine Neigung zu himmelhoch jauchzen, zu Tode betrübt und ihr denkt, Yoga würde euch zu einen dauerhaft gleichmäßig glücklichen Menschen machen, werde ich euch enttäuschen müssen. Das wird nicht funktionieren. Da braucht ihr nicht hinauszurennen. Vielleicht wird es euch gelingen, dass ihr diese Natur besser annehmen könnt. Vielleicht werdet ihr dann, wenn ihr gerade in diesem „zu Tode betrübt – Zustand“ seid, wissen, „Das geht vorbei, ist halt Temperament von mir. Und die Gedanken, die ich jetzt gerade habe, von Weltenschmerz“ und bei manchen sogar bis Selbstmordgedanken und –wunsch oder mindestens möglichst schnell sterben zu wollen oder vor allen wegzurennen oder sich in einem Mauseloch zu verkriechen oder was auch immer die Phantasie dabei ist oder diese Phantasien, dass alles schlimm ist und alles… Ihr wisst, in einem anderen Teil des Geistes wisst ihr, „Mein Temperament ist gerade in dieser Weise manifestiert, wird vorbeigehen.“ Und dann kann man diesen Zustand von Weltenschmerz bewusst empfinden, man kann dennoch sich leicht davon lösen. Vielleicht kann man auch lernen, in diesem Zustand anders zu praktizieren, sodass man nicht ganz so tief fällt, denn oft fällt man deshalb besonders tief, weil man vorher himmelhoch jauchzend war und hat gedacht, „Das dauert jetzt ewig.“ Und dann, „Ach, Yoga bringt doch gar nichts. Alles umsonst. Alles schlecht. Jetzt habe ich Yoga geübt und es hat überhaupt nichts gebracht.“ Und dann diese Sinnfrage. Das ist das, was es dann besonders schlimm macht. Wegen einer unrealistischen Erwartung. Stattdessen weiß man, „Ah, Gemütszustand ist vergänglich. Ich habe Höhen und ich habe Tiefen. Ich kann auf die Tiefen vielleicht ein bisschen anders eingehen, dass sie nicht ganz so tief ist, aber ich habe auch nur eine beschränkte Fähigkeit, auf meinen Gemütszustand einzuwirken.“ Und so nimmt man das an und weil man es annimmt, wird es wieder nicht ganz so schlimm. Man kann auch noch vieles andere machen, aber ich halte es für besonders wichtig, man nimmt sein Temperament an. Und dann gibt es solche, die sind insgesamt melancholisch, ein melancholischer Gemütszustand. Und das heißt, dann hören sie, wie andere erzählen, wie toll sie beim Mantrasingen in höhere Gemütszustände kommen und welche Erfahrungen Menschen in den Asanas und Pranayamas haben und wie tolle Naturerlebnisse sie haben und sagen, „Und ich?“ und dann hat man vielleicht die ein oder andere kleine schöne Erfahrung, aber es ist nicht so, wie andere das so erzählen, euphorisch. Es gibt manche Menschen, die unglaublich euphorische Erfahrungen machen, wenn sie hier im Ashram sind und die Zeit danach. Und dann gibt es solche, die mehr gleichmütig sind usw. Dann könnt ihr euch noch weiter überlegen, wie euer Temperament ist. Man kann es definieren in diesem alten Griechischen. Da gibt es sanguinisch, melancholisch, cholerisch, phlegmatisch. Man kann es mit Vata, Pitta und Kapha definieren. Man kann es nach dem DISG-Modell definieren. Da gibt es die Dominanten und die Innovativen und die Sozialen und die Gewissenhaften. Oder es gibt diese Big Five, von denen habt ihr vielleicht auch gehört. Extrovertiert, introvertiert ist das eine und das zweite ist auch gewissenhaft oder nicht gewissenhaft. Das nächste ist verträglich, unverträglich, Offenheit oder nicht Offenheit. Und auch das ist bis zu einem gewissen Grade angeboren. Ein bisschen was kann man ändern. Und vermutlich, mit viel Anstrengung, kann man mehr verändern. Und über zehn Leben können wir sehr viel verändern. Aber ihr braucht nicht warten. Ihr müsst euren Gemütszustand nicht verändern, um die Selbstverwirklichung zu erreichen. Und das ist wiederum die gute Nachricht. Ihr könnt bis zu einem gewissen Grade Einwirkung haben und deshalb macht man ja Asanas und Pranayama und Meditation und mit mehr Prana ist vieles mehr erträglich, vor allem sein eigener Gemütszustand und auch die Gemütszustände der anderen um einen herum, aber all das ist dennoch in der Veränderung begriffen. Und das Beste wäre zu sehen, die Unterscheidung zwischen dem Vergänglichen und dem Ewigen. Und damit hängt dann eng zusammen, die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst. „Ich bin nicht dieser Körper. Ich tue eine Menge für diesen Körper, aber ich bin nicht dieser Körper.“ und was wir im Yoga machen, ist ja eine ganze Menge. Asanas, Pranayama, gute Ernährung. Wir schleppen ihn manchmal an die frische Luft und setzen ihn auf ein Fahrrad und bewegen die Beine, man schläft gesund und probiert alle möglichen gesunden Tees und Kräuter und dieses und jenes, all das machen wir für dieses Ding dort hier. Was aber mehr ist als ein Ding, es ist ein Organismus und es ist gut, sich darum zu kümmern, nur, „Ich bin nicht der Körper.“ Körper ist in Veränderung begriffen. Wir haben eine gewisse Aufgabe und Verantwortung für diesen Körper. Ähnlich wie, ich habe auch ein Fahrrad und ich kümmere mich auch ums Fahrrad. Vor kurzem habe ich erfahren, man muss die Reifen auf mindestens 3,5 Bar oder so ähnlich aufpumpen und ein Grund, weshalb die Mäntel meiner Fahrräder alle ein bis zwei Jahre ausgetauscht werden mussten, war, ich habe die nicht ausreichend aufgepumpt. Jetzt einmal alle zwei Wochen fahre ich zur Tankstelle und sorge dafür, dass dort mindestens 3,5 Bar oder so ähnlich ist und hoffe, dass dann nicht so häufig die Mäntel platzen bei den Reifen. Ich fahre viel Fahrrad. Und so kümmert man sich um alles Mögliche. Und einmal im Jahr, entweder muss man das Fahrrad generalüberholen lassen oder ich bringe es dann zu irgendeinem Laden und der schmiert dann alles und reinigt alles und tauscht alles Mögliche aus. Und dann kann man mit dem Fahrrad länger umgehen. So ähnlich hat man einen Pranakörper und um den muss man sich auch kümmern und dafür sorgen, dass man mehr Prana hat. Mehr Prana hilft dann auch, dass die Emotionen anders sind und dass der Geist klarer ist und dann funktioniert das auch mit der Viveka ein bisschen einfacher. „Aber all das bin ich nicht.“ Es ist vergänglich und da müssen wir auch immer aufpassen und deshalb werfen manchmal reine Vedantins den ganzheitlichen Yogis etwas vor, nämlich, dass sie sich zu sehr an die Mittel klammern und zu sehr mit ihren Upadhis beschäftigt sind und weniger sich um ihr höchstes Selbst kümmern. Also, ich bin einer, der den ganzheitlichen Yoga propagiert, aber ich sehe manchmal auch die Schwierigkeiten.

 

70. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Ist das Vergängliche wertlos – Wie hilft das Leben im Endlichen dem Leben im Unendlichen?

Das im vorigen Beitrag Gesagte heißt nicht, dass das Vergängliche deshalb wertlos ist. Auf einer relativen Ebene macht man die Erfahrungen. Oder man hat eine Beziehung gehabt und hat sich Jahre toll verstanden. Vor kurzem hatte ich so ein Beratungsgespräch gehabt. Jetzt hat er sich auseinander gelebt mit seiner Partnerin und sie hatten irgendwo zwei Kinder. Gut, der eine ist schon über zwanzig und der andere ist aber irgendwie zehn oder elf und irgendwo hat er erst gedacht, „Hat er sein ganzes Leben jetzt verschwendet?“ Er hat 25 Jahre mit dieser Frau zusammengelebt und jetzt stellt er irgendwo fest, Wege ganz anders. Letztlich über Yoga hat er einen Trost gefunden. Also, die Beziehung ist auseinander gegangen, bevor er mit Yoga begonnen hat. War alles umsonst? Hat er die falsche Frau geheiratet? Ich habe mit ihm gesprochen und er hat gesagt, er hat sie sehr wohl geliebt, es waren sehr schöne Zeiten auch dabei, es waren aber auch sehr schlimme Zeiten, aber irgendwo seit ein paar Jahren war es mehrheitlich schlimm. Als die Frau dann gegangen war, dann war es ganz extrem schlimm. Ein furchtbares Leid, furchtbare Emotionen. War alles wertlos? Also, nach meiner Meinung nach nicht. Und Patanjali würde auch sagen, nein, es ist nicht wertlos, sondern jede Erfahrung ist wertvoll, selbst Liebeskummer ist wertvoll, Leiden ist wertvoll, all das sind wertvolle menschliche Erfahrungen. Patanjali sagt ja, wir sind deshalb in dieser manifesten Welt der Dualität auch, um Erfahrungen zu machen. Wir sind da, um Erfahrungen zu machen und die Kräfte zu entfalten, die in uns und in der Natur irgendwo angelegt sind. Die Schwierigkeit ist nur, wir vergessen, wir sind dafür da, Erfahrungen zu machen und stattdessen, wir haften uns an.  Das Leben massiert uns auf allen Ebenen. Unser Geist hat eine wunderbar klebrige Natur. Und wir wünschen, dass alles so bleibt, wenn es mal schön ist. Auch im Deutschen gibt es ja dieses Lied, irgendein Bundespräsident hat das mal gesungen, „Ich wäre ja so gerne noch geblieben, aber der Wagen, der rollt.“ Mehr kenne ich jetzt auch nicht. Nicht, dass ich in Verruf hier komme. Ich kenne doch noch ein paar mehr. „Hoch auf dem gelben Wagen…“, aber wir werden das jetzt nicht weiter singen. Man kann nichts festhalten. Auch die Menschen eben verändern sich. Der Mensch, mit dem man irgendwie zusammenlebt, vor ein paar Jahren war der irgendwie anders. Mindestens hat man das irgendwo gedacht. Vielleicht war er gar nicht so anders. Tief im Inneren war er gleich. Aber man selbst ändert sich in seinen Werten, der andere ändert sich in seinen Werten und nicht immer in der gleichen Richtung. Der Versuch, den anderen so zu beeinflussen, dass er sich so verändert, wie man es gerne hätte – ich glaube, diejenigen von euch, die funktionierende Partnerschaften haben wissen, den gibt man besser auf. Auch die Kinder verändern sich, wisst ihr auch. Erst waren sie ganz klein, werden größer, irgendwie noch größer. Wo ich jetzt hier in Bad Meinberg seit sechs Jahren bin, erlebe ich das irgendwo umso mehr. Es sind nämlich ein paar Kinder, die sind hier schon seit sechs Jahren. Der Krishna (ein Sohn einer Mitarbeiterin bei Yoga Vidya Bad Meinberg) wird dieses Jahr achtzehn. Als er hierher kam, war er logischerweise zwölf. Da war er ganz anders als heute. Oder ein ehemaliger Mitarbeiter aus dem Kölner Zentrum war heute da mit seiner Tochter. Ich kannte sie noch, als sie ganz klein war. Sie kam regelmäßig her, aber jetzt war sie eben eine Weile nicht mehr da und in der Zwischenzeit ist sie riesengroß geworden. Riesengroß ist übertrieben, aber sie ist nicht mehr Kleinkind, sondern sie ist Kind und irgendwie habe ich sie so als Minikind noch gesehen. Aber sie hat mich wieder erkannt. Da war ich ganz stolz drauf. Also, Menschen ändern sich, gehen andere Wege und das ist manchmal für die Eltern am allerschwierigsten. Man würde ja gerne den Kindern alle schwierigen Erfahrungen ersparen, oder? Und dann stellt man fest, Kind macht alle Fehler, die man entweder selbst nicht gemacht hat oder die man selbst gemacht hat oder alle Fehler, vor denen man die Kinder beschützen wollte, vielleicht nicht alle, wenn man genauer nachdenkt, aber mindestens einige.

69. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Viveka, die Unterscheidungskraft, als wichtige Voraussetzung und Mittel im Jnana Yoga

Im 20. Vers des Viveka Chudamani, beschreibt Sankara Viveka, die Unterscheidungskraft.
Brahman, die absolute Wahrheit ist wahr, die Welt ist ein Trugbild, lautet das Urteil. Das wird als Unterscheidung, Viveka, zwischen Vergänglichem und Unvergänglichem verkündet.“
Also, es gibt verschiedene Formen von Viveka und diese kann man immer wieder anwenden und eigentlich das ganze Werk ist letztlich Viveka-Chudamani, die Entwicklung dieser Unterscheidungskraft. Hier erwähnt er zunächst mal die Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen. Und darüber hatten wir schon mal heute Morgen einiges gesprochen. Wenn man eine Schlange in einem Seil sieht, dann ist das Trug. Die Schlange war unwirklich, das Seil war wirklich. Erinnert ihr euch noch dumpf an heute Morgen? Die Frage ist dann, ist das Seil jemals zur Schlange geworden? Nein, das Seil war immer Seil gewesen. Dennoch, war die Schlange für einen wirklich gewesen? Antwort, ja. Sie hat sogar den Herzschlag beeinflusst, die Hautfarbe beeinflusst, den Gemütszustand beeinflusst. Also auch etwas Unwirkliches kann eine sehr starke Wirkung auf einen haben. Und ich glaube, ihr kennt auch noch andere Beispiele, wo ihr euch in irgendwas getäuscht habt und dass das eine sehr starke Wirkung auch euch hatte. Also, die Schlange war niemals, es gab immer nur das Seil. Und das öfters mal sich zu vergegenwärtigen, „So wie ich die Welt wahrnehme, so ist sie nicht wirklich.“ Wir können weiter schauspielerisch tätig sein in der Welt, es gibt weiter Lila, es gibt weiter Karma, es gibt weiter Lektionen zu lernen, man wird weiter Liebeskummer haben, man wird weiter sich freuen über all das, aber man weiß im Hintergrund, das ist nicht wirklich, das ist Lila. Also Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen. Die zweite Unterscheidung ist vielleicht etwas leichter, nämlich die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen. Mindestens ist es erstmal leicht, zu erkennen, was vergänglich ist. Frage, ist der Körper ewig oder vergänglich? Wie ihr alle wisst, er ist recht vergänglich. Und ich glaube, mit steigendem Alter wir man sich dessen mehr und mehr bewusst. Heute Morgen war ich mal in der Kirche gewesen und da war gerade eine so genante Jubelkonfirmation. Das heißt, da war goldene, diamantene und eiserne Konfirmation. Nein, goldene wäre 50. Ich habe es jetzt vergessen. Also jedenfalls 60-, 65- und 70-jährige Konfirmation. Die, die 60-jährige Konfirmation hatten, da waren viele da. Die, die 65-jährige Konfirmation hatten, waren nur noch zur Hälfte da. Und 70 Jahre Konfirmation hatten nur noch zwei. Oder auch, als wir hier eingezogen sind, gab es hier sechzehn Senioren in den Appartements. Jetzt gibt es noch zwei. Die meisten sind zwischendurch ausgezogen, sind zum Pflegefall geworden, sind entweder zu ihren Kindern oder zu Altersheimen, sie sind alle gestorben. Also den Auszug aus dem Haus hier, ins Pflegeheim oder zur Pflege bei den Kindern, haben sie nicht viel erlebt. Also, vergänglich. Körper ist vergänglich. Aber wir müssen nicht warten, bis der Körper ganz tot ist, sondern ihr wisst auch, vieles andere ist vergänglich. Haarfarbe ist irgendwann vergänglich. Man kann sich  künstliche Haarfarbe geben oder sie ganz abschneiden, dann braucht man sich um Haarfarbe keine Gedanken zu machen. Auch die Menge an Haaren ist – mindestens für die meisten – vergänglich. Die Zähne sind vergänglich, wie manche von euch vielleicht gemerkt haben. Letztlich, die Glätte der Haut ist vergänglich. Gesundheit ist vergänglich. All das ist vergänglich. Auch die Menschen, mit denen man zusammenlebt, sind in der Veränderung begriffen. Natürlich sind sie auch vergänglich. Je älter man ist, umso mehr merkt man das. Irgendwo vor kurzem hatte ich mich mal mit meiner Mutter unterhalten, vor einem halben Jahr ist sie umgezogen in eine neue Wohnung, weg von dem kleinen Dorf, in ihren Geburtsort, etwa zehn Kilometer weiter. Also nicht großer Umzug, aber für sie war das etwas ganz Bedeutsames und Großartiges. Sie hat gedacht, jetzt hat sie dann ihre ganzen Freundinnen aus der Jugendzeit, die waren nämlich alle in diesem etwas größeren Ort. Braucht nicht mehr Autofahren, hat jetzt leichter Menschen, mit denen sie zusammen spaziert. Und dann hat sie mir das Leid geklagt, eigentlich ist sie unter all denen die einzige, die noch flott spazieren kann. Also, sie hatte gedacht, sie zieht um, um Gesellschaft zu haben, um zu spazieren und jetzt stellt sie fest… Aber es gibt etwas, das ist ewig. Was ist ewig? Letztlich Bewusstsein und die Seele. Gut, die meisten von euch sind noch nicht in diesem Alter, sondern ihr seid vielleicht noch im Alter, wo das weniger eine Rolle spielt. Aber die meisten von euch sind in einem Alter, wo sie Eltern haben, die in diesem Alter sind und damit seid ihr typischerweise auch mit diesen Fragen relativ stark konfrontiert. Aber auch Besitz, wisst ihr alle, ist auch vergänglich. Vor kurzem war diese Weltwirtschaftskrise, eine Kernschmelze hätte passieren können. Also, es war durchaus möglich, dass vor einem Jahr die ganze Weltwirtschaft ganz den Bach runter gegangen wäre. Irgendwo, wenn man dem glauben kann, den Wirtschaftswissenschaftler, wenn dort damals die Hypo Real Estate Bank vor die Hunde gegangen wäre, dann wäre die Weltwirtschaft vorm Abgrund gewesen. Das hätte alle Banken in Europa mit in den Abgrund geworfen. Deshalb, irgendwo jeder Deutsche bürgt dort mit 2000 Euro für diese Bank, vielleicht sind es auch nur 1000 Euro, aber dennoch, es sind gigantische Beträge, mit denen gebürgt worden ist. Oder wenn die Amerikaner noch eine weitere Bank hätten hopsgehen lassen, nach den Lehman Brothers, würden wir hier anders sein als jetzt. Da wären alle Alterssicherungen, die man aufgebaut hat, vielleicht kaputt. Vielleicht. Vielleicht haben uns auch die Politiker nur was vorgemacht. Und eine ganze Menge hat eine ganze Menge verloren. Eine ganze Menge Menschen haben eine ganze Menge Geld verloren. Alles ist äußerlich vergänglich. Und vom Yogastandpunkt aus ist nicht wichtig – und das kommt ja nachher bei Vairagya, das hat er ja auch vorher genannt mit Vairagya, das heißt, „Die Gleichgültigkeit daran, ob man in diesem Leben oder im Jenseits in den Genuss der Früchte für Mühen und getaner Arbeit kommt.“, das ist Vairagya. Also, vom yogischen Standpunkt aus heißt es deshalb nicht, dass wir nicht uns bemühen sollten. Angenommen, man bemüht sich, einen Naturkostladen erfolgreich zu führen oder sein Yogazentrum zum Blühen zu bringen oder seinen Handwerksbetrieb oder bemüht sich um beruflichen Aufstieg, weil man irgendwo merkt, da ist ein Drive dahinter und man spürt, das will man machen. All das ist etwas, damit erfüllt man letztlich sein Karma, damit stärkt man seine geistigen Kräfte, damit erfährt man das, was man erfahren soll, damit lernt man die Lektionen, nur man weiß, nichts von dem, was man erreicht, ist dauerhaft. Manchmal sagen Menschen, „Oh, jetzt habe ich soviel gemacht, jetzt habe ich meinen Naturkostladen aufgebaut. Jetzt hat direkt daneben ein Naturkostsupermarkt aufgemacht und mein Geschäft macht Pleite. Alles umsonst.“ War alles umsonst? Nein. Die Energie, die man hineingesteckt hat, die Lektionen, die man gelernt hat, die Erfahrungen, die man gemacht hat, die hat man gemacht und die sind irgendwo wichtig. Und natürlich, ein Naturkostbesitzer wird viele Menschen irgendwo positiv beeinflusst haben auf ihrem Weg. Man wird vielen Menschen entscheidende Impulse gegeben haben. Also, es war nicht alles umsonst. Oder mein Vater hat irgendwann mal ein großes Unternehmen aufgebaut, alles zusammen über 2000 Beschäftigte an mehreren Standorten, die viertgrößte Polstermöbelfirma europaweit, große Pläne gehabt und noch Expansion zu allem Möglichen und dann Pleite. War alles umsonst? Die Erfahrungen, die er gemacht hat und die ganzen Mitarbeiter dort, waren wertvolle Erfahrungen. Und danach hat er noch mal klein angefangen und irgendwo ein Unternehmen neu aufgebaut. Irgendwo zuerst mal mit 10 Beschäftigten und irgendwann sind es wieder 100 Beschäftigte geworden und dann sind es wieder weniger Beschäftigte geworden. Obgleich ich zugeben muss, ein bisschen Masochismus war fast dabei. Da war er inmitten dieses riesen Unternehmens, wo früher mal 2000 Leute beschäftigt waren und was inzwischen in eine Konkursmasse gegangen ist und irgendwo dort in der Mitte hat er in dem kaputtesten Gebäude das neue Unternehmen begonnen. Gut, inzwischen sieht es auch wieder anders aus. Aber Dinge kommen und Dinge gehen. Viveka, die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen.

 

68. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Die vier Eigenschaften eines Yogi

„Vier Voraussetzungen wurden in diesem Zusammenhang von den Weisen verkündet. Nur wenn sie erfüllt sind, ist Vollkommenheit erreichbar. Wo sie fehlen, kommt man nicht ans höchste Ziel. Zuerst wird die Unterscheidung zwischen Vergänglichem und Unvergänglichem genannt, Viveka. Als nächstes die Gleichgültigkeit darüber, ob man in diesem Leben oder im Jenseits in den Genuss der Früchte für Mühen und getaner Arbeit kommt, Vairagya. Schließlich die sechs Tugenden, wie Stille der Gedanken und Gefühle, Samadhi Shadkam oder Shatsampat und die Sehnsucht nach Erlösung, Mumukshutwa. So weit ist es klar.“, behauptet Sankara im 18. Vers des Viveka Chudamani.

67. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Sei weise und entwickle die Eigenschaften eines Yogi

„Weise und inspiriert ist ein Mensch, der geschickt im Abwägen von Pro und Kontra ist. Wer die genannten Eigenschaften besitzt, der erfüllt die Voraussetzungen zur Selbsterkenntnis.“ (Viveka Chudamani von Sankara, Vers 16)
Der 17. Vers wiederum gilt als besonders wichtig, da beschreibt er die Sadhana-Chatushtaya, die vier Eigenschaften – Chatushtaya, die Vierheit – für den spirituellen Weg, Sadhana.
Sankara schreibt:
„Als geeignet für die Suche nach der absoluten Wirklichkeit gilt, wer zwischen Wirklichem und Unwirklichem unterscheiden kann (Viveka), wer Losgelöstheit besitzt (Vairagya), wer die sechs Tugenden der Gleichmut besitzt, das ist Shatsampat oder hier Samadhi Shadkam genannt und wer sich nach Erlösung sehnt (Mumukshutwa).“ (Viveka Chudamani, Vers 17)
Also Viveka. Viveka, die Unterscheidungskraft. Vairagya, ein sehr schwer zu übersetzendes Wort. Der Sankara wird es gleich definieren, aber es wird meistens als Losgelöstheit bezeichnet oder Entsagung oder Nichtanhaften oder Verhaftungslosigkeit. Shatsampat, die sechs edlen Tugenden der Gleichmut. Und Mumukshutwa, der intensive Wunsch nach Befreiung. Swami Vishnu-devananda hat gerne gesagt, wenn man überprüfen will, ob man auf dem spirituellen Weg Fortschritte macht, dann sollte man schauen, ist man in diesen vier Eigenschaften gewachsen. Es ist nicht, wie fortgeschritten man in den Asanas ist. Also, ob man jetzt den Skorpion beherrscht oder nicht, das besagt nicht, ob man auf dem spirituellen vorangeschritten ist. Auch nicht, wie viel Minuten man die Luft anhalten kann in Kapalabhati, wie viel Stunden man meditieren kann, auch nicht, welchen Teil der Wirbelsäule man spürt, auch nicht, wie viele Bilder man in der Meditation sieht, auch nicht, wie laut die inneren Anahata-Klänge sind. All das besagt nicht, wie weit wir auf dem spirituellen Weg sind. Aber wir können sehen, sind wir in diesen vieren gewachsen. Und das kann man sich öfters fragen. So vielleicht alle halbe Jahre kann man mal schauen, „Wie ist es mit meinem Viveka? Wie ist es mit meinem Vairagya? Wie ist es mit meinem Shatsampat? Wie ist es mit meinem Mumukshutwa? Habe ich dort Fortschritte gemacht oder Rückschritte oder bin ich gleich geblieben?“ Shatsampat, die sechs edlen Tugenden der Gleichmut.

66. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Wer erreicht Vollkommenheit im Yoga?

„Vollendung kann nur erhoffen, wer die Voraussetzungen im Wesentlichen erfüllt. Ort und Zeit sind lediglich Begleitumstände.“ (Viveka Chudamani Vers 14, von Sankara)
Also, wenn wir zum Höchsten kommen wollen, dann brauchen wir bestimmte Voraussetzungen. So ähnlich, wenn ihr diese 9-tägige-Weiterbildung mitmachen wolltet, brauchtet ihr auch eine Voraussetzung. Welche nämlich? Abgeschlossene Yogalehrerausbildung. Natürlich, es braucht noch mehr. Ihr braucht einen menschlichen Körper. Eigentlich nicht. Wir wissen ja nicht, wie viele hier noch zuhören, ohne im menschlichen Körper zu sein. In einem anderen Seminar wird gerade über Karma und Reinkarnation gesprochen. Aber es gibt noch andere Voraussetzungen. Aber ähnlich auch, um die Wahrheit zu erfahren, braucht es auch bestimmte Voraussetzungen. Ort und Zeit ist jetzt nicht ganz so erheblich.
„Wer das Wesen des Selbst zu erkennen wünscht, muss deshalb nachdenken, forschen und abwägen, nachdem er einen von Barmherzigkeit erfüllten Meister aufgesucht hat, den Höchsten unter den Kennern der absoluten Wirklichkeit.“

Teil 65 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. <