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Aufgestiegene Meister

Frage: „Kommen die aufgestiegenen Meister wieder?“ Da m üsstest du die fragen, die von den aufgestiegenen Meistern sprechen. Ich spreche nicht von aufgestiegenen Meistern, die wiederkommen. Also die Frage war, „Wie ist das mit der Reinkarnation, mit dem Karma.“ und eigentlich war es keine Frage, sie hat nur eine Feststellung gemacht und hat so mehr oder weniger… Solange wir uns identifizieren mit einer Einzelseele, dann kann der Körper ruhig sterben, dann gehen wir in die Astralwelt und wir inkarnieren uns wieder und wieder und wieder, bis wir irgendwann erkennen, „Aham Brahmasmi“ und bis dahin inkarnieren wir uns wieder und wieder. Wenn wir aber jetzt die Verwirklichung erreicht haben, dann inkarnieren wir uns ja nicht wieder. Dann ist die Frage, „Wie ist es dann mit den aufgestiegenen Meistern, von denen es heißt, dass sie wieder kommen?“ Da ist meine Antwort, kann ich nichts dazu sagen, müsste sie die fragen, die über aufgestiegene Meister sprechen. Im Yoga spricht man nicht über aufgestiegene Meister, die wiederkommen.

Hinduismus, Yoga und Vedanta

Die Frage ist, um es für alle noch mal zu wiederholen, „Wie steht Vedanta in Beziehung zum Hinduismus?“ Und das ist eine äußerst schwierige, eine äußerst komplexe, denn Hinduismus ist nicht so einfach zu definieren. Manche Religionswissenschaftler bezweifeln, dass man überhaupt eine Religion namens Hinduismus postulieren kann. Ein anderer hat mal gesagt, Hinduismus ist der Sammelname aller nichtdoktrinären Religionen Indiens. Doktrinär sind Religionen, die einer Doktrin folgen, die man klar definieren kann. Also z.B. Buddhismus, Jainismus, Sikhismus, Zoroastrismus, um einige der alten zu nennen. Gut, Sikhismus ist nicht so alt, nur 500 Jahre alt. Die haben alle einen Gründer, die haben relativ überschaubare Schriften und da gibt es ein Philosophiesystem, vielleicht eine Anzahl von unterschiedlichen Richtungen, aber dennoch definierbar. Währendessen, Hinduismus ist äußerst schwierig zu definieren. Es gibt im Hinduismus theistische Richtungen, die einen Schöpfergott postulieren. Es gibt atheistische Richtungen, die sagen, es gibt überhaupt keinen Gott im Universum. Es gibt die https://wiki.yoga-vidya.de/Adwaita Richtung, eben wie https://wiki.yoga-vidya.de/Adwaita Vedanta. Es gibt Hindutraditionen, die an Reinkarnation glauben. Es gibt Hindutraditionen, die nicht an Reinkarnation glauben. Es gibt die sechs Schulen der Philosophie, wozu Vedanta dazugehört, das sind die orthodoxen. Es gibt eine Anzahl von nicht-orthodoxen. Es gibt Teile des Hinduismus, die gehen vom Kastensystem als gottgegeben aus. Es gibt andere, die sagen, Kastensystem ist nicht gottgegeben und hat es in dieser Region Indiens auch nicht gegeben. Also, es ist ein sehr großes Sammelsurium und ich habe gerade vor kurzem so eine Vortragsreihe gehört von der Oxford Universitiy for Hindu Studies. Und da wird in langer Breite ausgeführt, was ist überhaupt Hinduismus? Und der Schluss nach vielen Vorlesungen ist, man weiß es nicht. Und dann sagen manche, Hinduismus ist erst im 12./13. Jahrhundert entstanden, wie wir es heute kennen. Andere sagen, nein, die Veden sind konstituierend für den Hinduismus. Aber dann gibt es Strömungen im Hinduismus, die halten von den Veden herzlich wenig. Die sagen, das sind nur irgendwelche Vorschriften. Und auf all dieser Basis ist es jetzt schwierig, zu sprechen über Beziehung von Vedanta und Hinduismus, weil „Hinduismus“ eher ein Konzept der westlichen Orientalisten war und nicht ein Konzept der Inder selbst. Der Name „Hinduismus“ – habe ich es in diesem Seminar auch schon gesagt, wo der herkommt? Es gab einen Fluss namens Sindu und alle, die um den Fluss Sindus und dort hinter gewohnt haben, wurden als die Inder bezeichnet und die Religionen von all den Leuten, die dort wohnten hießen Hindus. Als die Griechen das gehört haben, haben sie auch die Buddhisten und die Jains auch alles zu Hindus gezählt. Also alle Religionen, die die Menschen um den Sindu und dort hinter hatten, das waren eben die hinduistischen Religionen. Und so kann man jetzt nicht sagen, dass Vedanta die Philosophie des Hinduismus ist, man kann nur sagen, Vedanta ist eine der großen Philosophierichtungen in Indien. Es wird als eine der sechs Philosophiesysteme bezeichnet. Wenn ihr mal die Weiterbildung A wählt, dann werdet ihr die anderen fünf lernen und systematisch dort lernen. Oder das Buch von Heinrich Zimmer „Religionen und Philosophien Indiens“, da wird das auch genauer beschrieben. Vedanta ist vielleicht im modernen Indien die populärste Philosophie. Aber in diesem Sinne ist Vedanta Philosophie und keine Religion. Allerdings ist Vedanta eng verknüpft mit Jnana Yoga und damit ist es ein spirituelles Übungssystem. Aber eine Religion, im westlichen Sinne, ist es auch wieder nicht. Im westlichen Sinne ist eine Religionsgemeinschaft etwas, wo man eine eindeutige Zugehörigkeit hat. Man kann nicht gleichzeitig Christ und Moslem sein. Wenn man Christ werden will, dann ist man kein Moslem mehr und wenn man zum Islam sich bekehren will, muss man dem Christentum abschwören. Also, für ein klassisches Verständnis von einer Religion gibt es ein Eintrittsritual, was typischerweise den Austritt aus anderen Religionen beinhaltet, mindestens aus dem Verständnis der meisten Religionen. Man kann eintreten, man kann austreten. Wenn man drin ist, muss man bestimmte Pflichten beachten und es gibt – mindestens im westlichen Verständnis – wieder irgendeine Organisation, irgendeine Gemeinde, Gemeinschaft, es gibt alle möglichen Dinge, die dort zu tun sind und all das gibt es im Vedanta nicht. Und dann kommt eben noch dazu, Vedanta ist eben nicht an Hinduismus gebunden. Wir hatten vorher die Unterschiede zu Buddhismus oder eigentlich die Gemeinsamkeiten besprochen. Es gibt manche große Vedanta-Meister, die waren gleichzeitig Buddhisten und Vedanta-Meister. Und manche werden als Sufi-Meister und als Vedantins bezeichnet. Also es ist, Vedanta ist eben auch wieder religionsübergreifend.

Wer erreicht Vollkommenheit im Yoga?

„Vollendung kann nur erhoffen, wer die Voraussetzungen im Wesentlichen erfüllt. Ort und Zeit sind lediglich Begleitumstände.“ (Viveka Chudamani Vers 14, von Sankara)
Also, wenn wir zum Höchsten kommen wollen, dann brauchen wir bestimmte Voraussetzungen. So ähnlich, wenn ihr diese 9-tägige-Weiterbildung mitmachen wolltet, brauchtet ihr auch eine Voraussetzung. Welche nämlich? Abgeschlossene Yogalehrerausbildung. Natürlich, es braucht noch mehr. Ihr braucht einen menschlichen Körper. Eigentlich nicht. Wir wissen ja nicht, wie viele hier noch zuhören, ohne im menschlichen Körper zu sein. In einem anderen Seminar wird gerade über Karma und Reinkarnation gesprochen. Aber es gibt noch andere Voraussetzungen. Aber ähnlich auch, um die Wahrheit zu erfahren, braucht es auch bestimmte Voraussetzungen. Ort und Zeit ist jetzt nicht ganz so erheblich.
„Wer das Wesen des Selbst zu erkennen wünscht, muss deshalb nachdenken, forschen und abwägen, nachdem er einen von Barmherzigkeit erfüllten Meister aufgesucht hat, den Höchsten unter den Kennern der absoluten Wirklichkeit.“

Überwinde den Tod – durch Erfahrung Gottes

Wir wollen jetzt einen Sprung machen in der Viveka Chudamaini zum 85. Vers.Sankaracharya schreibt::
„Für den Befreiungssuchenden sind die Illusion, der Körper zu sein und ähnliche Irrtümer, der große Tod. Wer diese Selbsttäuschung überwunden hat, ist reif für den Zustand höchster Glückseligkeit. Besiege den großen Tod in Gestalt der Vernarrtheit in Körper, Frau, Kinder, Freunde, Verwandte. Die Weisen, welche diese Vernarrtheit überwunden haben, erreichen das höchste Bewusstsein Gottes.“
Also, er wird jetzt noch etwas massiver. Sankaracharya will uns hier Vairagya geben, Viveka geben, denn der typische Mensch neigt zu Verhaftung. Und natürlich, das lehrt ja die Bhagavad Gita, ist es wichtig, seine Pflichten zu erfüllen, es ist wichtig, das zu tun, was zu tun ist. Patanjali sagt, „Ja, es ist auch o.k., die Dinge zu genießen und Erfahrung gehört zu diesem Universum dazu und wir sind ja noch nicht mal unsere Verhaftungen.“, aber Sankaracharya will uns hier, wie er sagt, aus der Vernarrtheit herausbringen. Liebe ist eine Sache, Vernarrtheit ist eine andere. Liebe zu seinen Mitmenschen ist etwas Wichtiges und natürlich die Liebe ist je nach Beziehung auch wieder anders. Die Liebe zu den Kindern wird anders sein, als die Liebe zu dem Ehemann, Ehefrau, als zu den Eltern und die Liebe wird anders sein, die man hat zu seinen Yogaschülern und zu seinem Arbeitgeber usw. Aber Verhaftung ist das, was einen in den Tod bringt. Es führt zur Beschränkung unserer Bewusstheit und führt dann dazu, dass man zu allen möglichen Leiden kommt. Also, er erwähnt hier jetzt die besonders großen Vernarrtheiten, die mit dem Körper in Verbindung stehen, eben Partner, Partnerin, Ehefrau, Ehemann, Kinder – Kinder vielleicht noch mal ganz besonders schwierig, denn das sind natürlich dann „meine Kinder“. Und wehe der Vater kriegt irgendwann raus, „Es sind doch nicht meine Kinder.“ Was hat sich geändert in dem Moment? Eigentlich nichts und dennoch alles. Wenn man von Reinkarnation ausgeht und ihr erinnert euch, dieses eine Gedicht von Sankara, das ich schon erwähnt hatte, „Wieder wirst du geboren, wieder wirst du sterben, jeder Mensch, den du siehst, war schon mal deine Mutter, jeder Mensch, den du siehst, war schon mal dein Vater, jeden, den du siehst, war schon mal dein Kind, jeder war schon mal dein Bruder, jeder war schon mal deine Schwester, genug, genug. Wann hast du genug?“ Wir haben natürlich eher eine Neigung, nur diese Inkarnation zu sehen. Und natürlich, in dieser Inkarnation hat man eine besondere Verantwortung für die Kinder, die man in die Welt setzt und für Verwandte usw. Aber eine Verantwortung ist eine Sache, eine besondere Liebe gehört dazu, aber Vernarrtheit und Verhaftung ist eine andere Sache. Dort gilt es, darüber hinauszuwachsen.