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Warum erscheint Gott als relative Welt?

Eine Frage, die gestern manifest gestellt worden ist, eine Frage, die ich mehr oder weniger zwischendurch anklingen lassen hatte, ist, „Warum, was ist der Sinn überhaupt von all dieser relativen Welt?“ Ich hatte euch auch gesagt, wirklich eine echte logisch, klare, stringente, nachvollziehbare Begründung, die gleichzeitig auch zufrieden stellend ist, gibt es nicht wirklich. Denn die logisch-stringenten Erklärungen, stellen uns nicht zufrieden. Die eine wäre, die Welt gibt es nicht. Zu fragen, „Warum gibt es die Welt?“, wäre so zu fragen, „Warum hat die Krähe Zähne?“ Eine Krähe hat keine Zähne, die Welt gibt es nicht, deshalb, die Frage ist unsinnig. Die zweite logisch-korrekte Antwort ist, eine Frage letztlich nach dieser höheren Wirklichkeit, ist eine Frage, die im Relativen nicht beantwortet werden kann, daher sollte sie nicht gestellt werden und wenn sie gestellt wird, sollte man sie nicht beantworten. Das steht in Schriften drin. Oder Buddha hat die Frage, nach dem Warum der Welt, so beantwortet, „Wenn in einem Haus Feuer ist, dann überlegst du nicht, wie das Haus gebaut worden ist, aus welchen Steinen das Haus besteht und wie der Fußboden aufgebaut ist, sondern du rennst raus.“ Und so, wenn du spürst, you are on fire, du brennst, du merkst, die Beschränktheit ist nicht o.k., dann gilt es nicht, zu sehr zu überlegen, warum die Welt, sondern es gilt, wie kommen wir raus. Aber auch diese Antwort ist nicht wirklich zufrieden stellend letztlich. Wir beschäftigen uns ja mit so vielen anderen Fragen, die vom Absoluten her auch nicht übermäßig sinnvoll sind. Und so geben uns die Meister noch andere Gründe, warum und wieso. Die Bhakta sagen, es ist Lila Gottes, Spiel Gottes. Und so spielen wir dieses Spiel mit und sind die Spielgefährten Gottes oder auch die Spielfiguren Gottes, je nach dem, was euch besser gefällt. Vom Raja Yoga her gibt uns Patanjali verschiedene Begründungen. Die eine ist, der Purusha ist in die Prakriti hineingegangen, um sich seiner Selbst bewusst zu werden und die Kräfte zu erfahren, die in ihm und in der Prakriti drin sind. Und das heißt zum einen, um diesen Sinn zu erfüllen, gilt es, besonders bewusst zu sein, es gilt, besonders auch die Kräfte, die wir haben, zur Entfaltung zu bringen. Patanjali Yoga ist das Gegenteil von einem Zurückziehen, sondern es gilt, seine Kräfte durchaus zu entfalten, in die Welt hineinzubringen und letztlich als Diener Gottes dann darzubringen. Und es gilt auch, letztlich Erkenntnisse zu sammeln und das heißt auch bewusst zu sein. Und diese Bewusstheit steckt auch in dem nächsten drin, wo Patanjali sagt, die Welt hat zweierlei Sinn für den Purusha. Zum einen, ihr Bhoga zu geben und Apavarga. Das heißt, Erfahrungen zu geben und auch zur Befreiung zu führen. Und so ist Patanjali durchaus Propagator eines intensiv gelebten Lebens, die Erfahrungen bewusst zu machen und des Weiteren aber auch die Lektionen anzunehmen, die uns aufrütteln und aufwecken. Wenn wir nämlich nur Erfahrungen machen würden, würden wir vielleicht drin stecken bleiben. So ist das Universum auch immer wieder da, um uns aufzuwecken. Wir sollten uns aber weder in der Erfahrung, noch in der Entfaltung der Kräfte, noch im intensiven Leben, noch in der Selbstanalyse irgendwo verheddern und stecken bleiben, sondern immer wieder erkennen: Brahma Satyam. Brahman allein ist wirklich. Jagan Mithya, die Welt, so wie wir sie wahrnehmen ist unwirklich. Und Jivo Brahmaiva Naparah, das Selbst ist nichts anderes als Brahman. Oder in der Übersetzung von Friedrich Rückert, „In drei Sätzen sei es verkündet, was man in tausend Büchern findet. Brahman ist wirklich, die Welt ist Schein, das Selbst ist nichts als Brahman allein.“

Die vier Mittel der Befreiung – Sadhana Chatushthaya

Sankara fährt dann fort. „Wenn man zu einem Lehrer geht, braucht man vier Eigenschaften, Viveka, Vairagya, Mumukshutva und Shatsampat.“ Also, man sollte schon eine gewisse Viveka haben. Die Viveka führt letztlich zur höchsten Befreiung, aber schon Viveka am Anfang ist wichtig. Schon am Anfang sollte man sich einer gewissen Sache bewusst werden, eben „Ich bin nicht dieser Körper. Ich werde nicht glücklich sein durch die eine oder andere Wunscherfüllung. Und diese Welt, so wie sie sich mir darstellt, kann nicht wirklich wirklich sein.“ Das ist schon etwas, was man als Schüler vom Jnana Yoga schon von Anfang an irgendwo mindestens angedeutet haben sollte. Als zweites, Vairagya. Viveka, kann man sagen, ist mehr intellektuell und vernunftmäßig und Vairagya ist herzensmäßig. Vom Inneren heraus fühlen, „Wunscherfüllung allein und ein materiell gelebtes Leben oder das so genannte normale Leben, macht mich nicht dauerhaft glücklich.“ Das ist ein essentielles Wissen, „Auch wenn jetzt der Weihnachtsmann kommen würde und mir alle Wünsche erfüllen würde oder wenn jetzt eine Fee kommen würde und sagen würde, du hast drei Wünsche frei, wir wissen, äußere Wünsche machen mich nicht glücklich.“, Vairagya. Dritte, Shatsampat, die edlen Tugenden der Gleichmut. Wir sind sie alle durchgegangen, von einem praktischen Standpunkt aus, wie auch von dem höheren Standpunkt aus, den Sankara dort entwickelt. Letztlich auch aus der Überzeugung, dass nichts Äußeres einen glücklich macht, kommt auch eine gewisse Shatsampat, dann kann man auch gleichmütig sein gegenüber all diesem Äußeren. Wobei es die Gleichmut 1. Grades und 2. Grades gibt. Die erste ist, die Emotionen werden einen gar nicht erst unruhig machen und das zweite ist, man weiß, „Ich bin nicht die Emotionen und ich behalte die höhere Gleichmut, selbst wenn ich zwischendurch explodiere.“ Schließlich Mumukshutva, darüber habe ich gesprochen. Er erwähnt Mumukshutva immer wieder. Wenn wir uns so ausgestattet haben mit diesen vier Eigenschaften, dann gilt es, gerade die Viveka immer weiter zu entwickeln und uns immer wieder bewusst zu machen, „Ich bin nicht der Körper. Ich bin nicht die Wünsche. Ich bin nicht die Psyche. Ich bin nicht das Prana. Ich bin nicht die Emotionen. Ich bin nicht die Persönlichkeit. Sondern meine wahre Natur ist Brahman.“
So kommen wir über Viveka zu den vier Mahavakyas: Tat Tam Asi. – Das bist du. Das, das wir nicht beschreiben können. Ahambrahmasmi. – Ich bin Brahman. Ayam Atma Brahman. – Dieses Selbst ist Brahman. Und Prajnanam Brahman. Was ist Brahman? Brahman ist Bewusstsein. Dieses Bewusstsein kann man auch nennen, Satchidananda, Sein, Wissen und Glückseligkeit.
Aus dieser Bewusstheit heraus kann man dann leben. Es gilt, das auch in den Alltag umzusetzen und ich kann euch da durchaus empfehlen, noch mal das Kapitel „Vedanta“ aus Swami Sivanandas Buch „Göttliche Erkenntnis“ durchzulesen, da beschreibt er das auch noch mal sehr ausführlich von einem praktischen Standpunkt aus, wo er klar sagt, Vedanta darf nicht nur einfach intellektuelle Gymnastik sein. Es darf nicht Ligual Diarrhoea sein, also Sprechdurchfall, sondern aus dieser Vedanta kommen auch praktische Konsequenzen. Es gilt, es umzusetzen im Alltag und diese Umsetzung, die steht jetzt für euch wieder bevor. Zu arbeiten an Viveka, Vairagya, Shatsampat, Mumukshutva. Uneigennützig dienen im Sinne von, das Selbst aller Wesen ist gleich, inmitten aller Veränderungen des Lebens, das eine kosmische Selbst zu erfahren, sein Karma abzuarbeiten, damit wir letztlich auch auf beschränkte Weise unsere Mission im Leben erfüllen. Wenn wir nicht immer uns der höchsten Wirklichkeit bewusst sein können, dann gilt es, sie zu verehren. Das ist das, was Krishna ja in der Bhagavad Gita in jedem Kapitel macht, wo er über Jnana Yoga schreibt oder spricht. Jedes Mal, wenn Krishna über Jnana Yoga spricht, sagt er zum Schluss, „Und wenn es dir nicht gelingt, dir ständig deines Selbst bewusst zu sein, dann verehre Gott. Und wenn du nicht immer die eine Seele hinter allem wahrnehmen, erkennen, fühlen kannst, dann verehre sie halt. Und wenn du all das nicht so ganz kapierst, dann habe einfach Vertrauen und verehre es.“ Und so gilt es, diese verschiedenen Standpunkte zu integrieren. Und ich bin immer wieder darauf eingegangen, auf diese Sätze von Hanuman. Als Rama ihn gefragt hatte, „Wer bist du?“, hat Hanuman geantwortet, „Auf der physischen Ebene bin ich Dein Diener. Auf einer geistigen Ebene bin ich ein Teil von Dir. Auf der höchsten Ebene bin ich Du.“ Der Mensch ist äußerst komplex und so gilt es, auf all diesen Ebenen zu wirken. Wenn wir nur eine dieser Ebenen berücksichtigen, ist es letztlich unvollständig. Und gerade für jemanden, der im aktiven Leben steht, gilt es aus allen drei Ebenen heraus zu handeln. Angenommen, ihr wärt Wandermönch, dann könntet ihr vielleicht nur aus dem dritten heraus handeln. Aber vom Karmischen her ist das, glaube ich, keiner von euch und die meisten von euch, vermutlich alle, sind irgendwo auch im Alltag beschäftigt und so gilt es, die Handlungen Gott zu widmen, sich als Gottes Diener zu empfinden, als Diener die Dinge tun, so gut, wie man kann, auch seine Fähigkeiten zu entwickeln. Auf einer anderen Ebene zu erkennen, „Ich bin Teil Gottes. Alles, was ich tue, ist letztlich Teil des kosmischen Ganzen. Gott möge durch mich hindurch wirken.“ Auf der höchsten Ebene sind wir eins. Auf die wir uns immer wieder zurückbesinnen können, sowohl in der Meditation, als auch zwischendurch im Alltag, woraus dann eine heitere Einstellung zum Leben geschieht.

Bewusstsein – wo und was ist das?

Frage: „Wo ist mein Bewusstsein?“
Antwort: Mein Bewusstsein, dein Bewusstsein, Bewusstsein ist für uns alle da. Aber die Frage ist natürlich, „Wo ist meine Begrenztheit? Wo ist meine Individualität im Tiefschlaf?“ Und das ist eben das Interessante, im Tiefschlaf gibt es keine Individualität. Und so wird häufig, und das habe ich jetzt während diesem Seminar etwas weniger gemacht, vielleicht deshalb, weil die letzten Jnana Yogis, die hier im Ashram waren, diese Tiefschlafanalogie in epischer Breite gebraucht haben, habe ich das jetzt diesmal weniger gebraucht. Aber die Analogie des Tiefschlafs ist tatsächlich eine Analogie, die auch Sankara in einigen Versen vom Viveka-Chudamani behandelt und wo ihr in beiden Kommentaren, sowohl in diesem Kommentar, wie auch im Kommentar von Raphael dort, viel noch dazu hört. Also, im Tiefschlaf ist die Erfahrung nicht unterschiedlich. Angenommen, Narendra fällt in den Tiefschlaf, er hatte einen wunderbaren Tag. Angenommen, Sharada, sie hatte einen noch wunderbareren Tag. Und angenommen, Klaus-Dieter, der jetzt nicht hier ist, und ich meine jetzt auch keinen Konkreten, ich will jetzt keinen Konkreten nennen, der hat eine ganz schlimme Erfahrung gehabt, er wurde heute entlassen, die Frau hat sich von ihm getrennt und der Vermieter hat ihn rausgeworfen und der Kredit wurde gekündigt und er hat erfahren, dass er Blutkrebs hat. Alles an einem Tag. Jetzt angenommen, all das ist vorgestern passiert und er hatte schon eine schlaflose Nacht, aber heute Nacht schläft er. Frage, wer fühlt sich besser im Tiefschlaf, Sharada oder Hans-Dieter? Im Tiefschlaf fühlen sie sich beide gleich. Nur dann, wenn sie wieder aufwachen ist die Erfahrung schon ziemlich extrem anders. Aber vielleicht träumt dann Hans-Dieter, dass er König von Ägypten ist und alles wunderbar ist. Oder dass er auf einer einsamen Insel ist, wo er alles hat, was er braucht und genauso, wie er gerne sein will. Von niemandem gestört, wunderbare, was weiß ich. Dann ist letztlich die Frage. Und nehmen wir an, Sharada hat stattdessen irgendeinen Albtraum. Jetzt, wer ist insgesamt glücklicher? Hans-Dieter, er hat den schönen Tiefschlaf gehabt, nachdem er eine Nacht nicht schlafen konnte. Er hat einen schönen Traum gehabt und dann kommt er ins normale Wachbewusstsein und fühlt sich ganz elendig. Oder jemand anderes, tolle Wacherfahrung, aber Albtraum. Wessen Leben ist besser? Antwort, Ahambrahmasmi. In Wahrheit bleibt alles Brahman.

Verwirklichte Gurus und Reinkarnation

Frage: „Werden verwirklichte Gurus, Erleuchtete, große Meister, wiedergeboren? Wie ist die Erfahrung von Jivanmuktas?“ Da bin ich eigentlich schon mal darauf eingegangen. Ich merke jetzt irgendwo, ich wiederhole mich, aber das ist auch nichts Falsches. Krishna wiederholt sich in der Bhagavad Gita auch ständig und Arjuna stellt in jedem halben Kapitel die gleiche Frage und da auch Krishna nicht müde ist, die gleiche Frage auch mit der gleichen Antwort zu versehen, dann werde ich als kleiner Yogi das auch machen können. Also, bei den großen Meistern, auf der einen Ebene sind sie eins mit dem Unendlichen geworden und sie inkarnieren sich nicht wieder. Sie existieren nicht mehr als Einzelseele. Auf der anderen Seite hinterlassen die großen Meister eben starke Gedankenformen. Und sie existieren nicht mehr als Ego, aber letztlich Gott wirkt dann durch diese Gestalten der Meister hindurch. Und so kann man zu Swami Sivananda beten und Visionen von ihm haben und geführt werden und Berufungserlebnisse haben und von ihm geführt werden. Aber er ist nicht mehr eine Einzelseele mit egoistischen Wünschen, sondern Sivananda ist irgendwo verschmolzen mit dem Absoluten und daher, wenn man an Sivananda denkt, dann denkt man letztlich an das Absolute. Man könnte es in der Ausdrucksweise von Sheldrake sagen, es wird so wie ein morphisches Feld, durch das dann Gott letztlich hindurchwirkt..

Vedanta und Christentum

Genauso wäre dann auch die Frage, was ist der Unterschied zwischen Christentum und Vedanta? Antwort, die Unterschiede innerhalb des Christentums sind erheblich größer, als die Unterschiede zwischen Vedanta und Christentum. Die Schwierigkeit, die man oft im Dialog mit Christen hat, ist, dass sie immer ihr Verständnis von Christentum als „das Christentum“ bezeichnen. Dann heißt es, „Wir Christen glauben an das.“, als ob alle Christen so glauben würden. Und auch hier gibt es https://wiki.yoga-vidya.de/Adwaita-Richtungen im Christentum. Sowie Johannes vom Kreuz, Theresa von Avila, Jakob Böhme, Swedenborg und Meister Eckard, da gibt es keinen Unterschied zur Vedanta. Natürlich, wenn man dann Karl Barth nimmt, da gibt es extreme Unterschiede zwischen der Philosophie oder der Theologie. Karl Bad gilt als einer der bedeutendsten protestantischen Theologen des 20. Jahrhunderts. Da gibt es erhebliche Unterschiede. Wenn man aber Jörg Zink nimmt, einen anderen großen evangelischen Theologen, da gibt es wiederum kaum einen Unterschied zum Vedanta. Deshalb, die Unterschiede sind eigentlich weniger zwischen Kulturen und großen spirituellen Systemen, sondern innerhalb einer Religion gibt es riesen Unterschiede. Und wenn wir in die – behaupte ich natürlich – Essenz aller Religionen hingehen, dann behaupten sie alle Ähnliches.

Das Selbst, die Seele, das Bewusstsein überlebt den Tod

„Auch wenn sich der Körper auflöst, löst Er sich nicht auf. Genau so wenig wie der Raum zerbricht, wenn der Topf oder das Glas zerbricht.“ (Viveka Chudamani von Sankara)
Angenommen, ich lasse jetzt das Glas fallen, dann bleibt immer noch alles gleich. Ein weiteres Beispiel, wofür man das Topfbeispiel auch verwendet, klappt jetzt hier mit diesen Töpfen nicht ganz so, ist auch letztlich das Beispiel „Ton und Topf„. Wir können zum einen das Glas nehmen als Raum innen und außen, aber eine andere Analogie ist auch, wir können auch sagen, Brahman ist wie Ton, und die Formen, die wir haben, sind wie ein Topf. Nehmen wir auch das Beispiel „Glas“. Ich habe jetzt hier ein Glas. Wer von euch hat noch irgendwas aus Glas? Eine Brille aus Glas. Mindestens das habe ich. Also, hier habe ich ein Glas. Hat jemand ein anderes Glas, als das hier? Haben alle ähnliche Gläser. Aber du kannst mir mal so ein Glas geben. Jetzt haben wir hier zwei Gläser. Was ist gleich und was ist unterschiedlich zwischen den Gläsern? Gleich ist, sie sind aus dem gleichen Material. Glas besteht ja aus irgendeiner Form von Siliziumdioxid. Also, nehmen wir an, besteht zum größten Teil aus Siliziumdioxid. Also, was ist hier gleich? Siliziumdioxid. Was ist unterschiedlich? Die Form, in die es gegossen ist. Es ist zwar sehr ähnlich, aber es ist doch nicht genau gleich. Wenn ich da so von unten dort drüber fahre mit der Hand, fühlt sich so leicht unterschiedlich an. Und das rechte Glas ist etwas durchsichtiger als das linke. Jetzt können die beiden sich streiten und können sagen, „Ich bin das bessere Glas, denn ich bin klarer, ich bin reiner.“ Und er sagt, „Warum kann ich nicht genauso rein sein wie der andere. Das ist ungerecht. Der andere ist reiner als ich und ich bin dreckiger.“ Oder vielleicht sagt er, „Ich habe etwas mehr Persönlichkeit. Ich bin nicht einfach nur durchlässig, ich habe auch etwas.“ Und dann sagt der eine, „Ich bin durchsichtiger und ich habe bessere Persönlichkeit.“ Wer ist besser? Und dann lasse ich dieses fallen. Und dann, was passiert mit dem Siliziumdioxid, wenn ich das fallen lasse? Es ist genauso Siliziumdioxid wie vorher. Und wenn ich dann das Siliziumdioxid wieder einschmelze und daraus dann einen Glashammer mache. Was ist mit dem Siliziumdioxid passiert? Nichts, es bleibt weiter Siliziumdioxid. Es nimmt nur verschiedene Formen an. Und angenommen, ich mache jetzt daraus zwei Gläser? Dann habe ich zwei Upadhis, aber es bleibt immer noch Siliziumdioxid. Und so müssen wir sehen, eigentlich um die Analogie von Brahman und Körpern zu verstehen, braucht man beide Analogien. Die eine Analogie, Brahman manifestiert sich als die verschiedenen Formen im Universum und zum anderen aber auch, Brahman ist das reflektierte Licht hinter allen Formen. Die Formen mögen sich verändern, Brahman bleibt gleich. Aber je nach Form, die Brahman annimmt und durch die dann Brahman gespiegelt wird, scheint es dann auch noch mal unterschiedliche Bewusstseine zu geben, obgleich es nur ein einziges Bewusstsein gibt.
119. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Das Selbst ist ewig, unveränderlich, allumfassend

Das Selbst ist ewig, unveränderlich, allumfassend

„Er wird nicht geboren, er stirbt nicht, er wächst nicht, er schwindet nicht, er ändert sich nicht, er ist ewig. Auch wenn sich der Körper auflöst, löst er sich nicht auf. Genauso wenig, wie sich der Raum auflöst, wenn der Topf zerbricht.“ (Viveka Chudamani von Sankaracharya)
Das ist auch so eine Analogie. Analogie zwischen Raum und Gefäß. Jetzt könnt ihr mal gucken. Hier habt ihr ein Glas. Innerhalb des Glases ist Raum und außerhalb des Glases ist Raum. Jetzt könnt ihr mal gucken. Was passiert jetzt mit dem Raum? Was ist mit dem Raum passiert innerhalb vom Glas? Nichts. Mal tut man in den Raum Wasser rein, mal tut man das Wasser raus, an dem Raum ändert sich nichts. Jetzt passt mal auf. Jetzt ist da Raum drin. Beobachtet den Raum genau! I got him. Jetzt habe ich den Raum da drin und jetzt bewege ich den Raum von hier nach dort. Richtig? Und jetzt stelle ich den Raum auf den Kopf. Jetzt stelle ich ihn seitlich. Habe ich wirklich den Raum bewegt? Was habe ich bewegt? Das Glas. Das Glas bewege ich im Raum. Der Raum ist überall. Ich stelle den Raum nicht auf den Kopf, sondern Raum ist überall. Der Raum innerhalb des Glases und der Raum außerhalb des Glases ist alles identisch. Oder jetzt seht ihr einen Körper hier. Ich bin jetzt hier. Und jetzt bin ich da. Und jetzt passt noch mal auf. Jetzt bin ich wieder hier. Richtig? Nein. Ich bin überall. Nur dieser Körper hat sich von hier nach dort bewegt. Das eigentliche Ich hat sich nirgendwo hinbewegt. Heißt, nichts passiert. Das ist so ähnlich auch, manche können vielleicht sehen, da reflektiert sich etwas. Seht ihr das? Könnt ihr hier die Reflexion wahrnehmen? Und jetzt mache ich so. Ändert sich bei der Reflexion nichts. Ich muss jetzt so rum machen. Merkt ihr etwas? Die Reflexion ändert sich. Aber ändert sich dieses Licht? Und angenommen, jetzt nehme ich statt dem hier, nehme ich jetzt diesen Hammer. Da gibt es auch eine Reflexion. Sehr ihr die? Ist die anders oder gleich wie hier? Irgendwie sieht sie anders aus. Und jetzt wandert die Reflexion auch. Irgendwo vor kurzem hatten wir so ein interessantes Phänomen. Dort hatten wir den Swami MuktAnanda drüben im Saraswati raum und da gab es so eine Stehlampe und in der hat sich irgendwie die Abendsonne so reflektiert, dass um ihn herum ein Heiligenschein entstanden ist. Auf manchen Fotos sieht das dann ganz lustig aus. Es ist eine Reflexion und die manifestiert sich dann als Heiligenschein von einer bestimmten Perspektive aus. Daran könnt ihr sehen, gleiche Lampe, unterschiedliche Reflexion, kann sogar von hier nach dort hinwandern. Genauso auch wie der Mond, ist ein anderes Beispiel. Der Mond ist mal voller und mal leerer, mal ist er halb, mal ist er mondsichelförmig, er scheint sogar manchmal größer und manchmal kleiner, das hängt irgendwie mit der Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre zusammen, vielleicht auch von der Entfernung des Mondes zur Erde. Weder wird der Mond größer, noch kleiner, noch verändert sich das Licht der Sonne, es ist nur die Reflexion, die sich ändert. Und mal ist der Mond hier, mal sieht es aus, als ob er dort ist. Gut, der Mond bewegt sich jetzt auch, aber eigentlich, dass der Mond auf der einen Seite aufgeht und auf der anderen untergeht und vermutlich auch im Osten aufgeht und im Westen untergeht, das hängt mit der Bewegung der Erde zusammen. Und so ähnlich auch, die Reflexion des Bewusstseins hängt von den Upadhis ab. Das Bewusstsein selbst bewegt sich nicht, es ändert sich nicht. Dieser Körper hier mag sich verändern. Dieser Körper hier wächst und – was hat er dort gesagt – wird irgendwann geboren und irgendwann stirbt er. Dieser Körper wächst irgendwann, er schwindet irgendwann. Also hier „schwinden“, ist jetzt nicht gemeint, dass er stirbt oder sich auflöst, sondern irgendwo, er schwindet im Sinne von, Zähne schwinden, Augenlicht schwindet, Hörkraft schwindet, Hirnfähigkeiten schwinden, Hautfett schwindet, eine Weile, Bauchfett steigt, irgendwann schwindet es. Vor kurzem war ich in der Kirche gewesen, da war die so genannte Jubelkonfirmation. Das heißt, da ist die eiserne, die diamantene und noch eine andere Konfirmation. Also 60ste, 65ste und 70ste Konfirmation. 60ste Konfirmation, da waren eine ganze Menge. Die 65ste, das waren nur halb so viel. Und bei der 70sten Konfirmation war dort nur ein Ehepaar. Die 60ste Konfirmation, da hatten relativ viele Übergewicht. Bei der 65sten hatten kaum noch Leute Übergewicht. Und bei der 70ste Konfirmation waren alle sehr schlank. Vielleicht sterben die Dickeren früher oder im Alter nimmt man doch wieder an Gewicht ab. Das fand ich ganz interessant, zu sehen. Also, Körper ändern sich. Körper schwinden irgendwann. Auch die Anzahl von Körpern schwindet. Oder als wir hier ins Haus eingezogen sind, gab es 16 Senioren, die hier noch gewohnt haben, weil sie irgendwie 1998 bis 2000 hier eingezogen sind, um ihren Lebensabend zu verbringen. Jetzt haben wir noch zwei Senioren. Sie sind nicht ausgezogen, weil es ihnen nicht gefallen hat, sondern sie sind alle gestorben.

Das Selbst ist der Beobachter, Sakshi

„Der Beobachter der Gedanken und Gefühle, der stets ändernden Zustände des Egos, der Vorgänge und Abläufe in Körper, Sinnen und Lebenskräften, handelt nicht und ändert sich in keiner Weise, auch wenn er deren Gestalt annimmt wie Feuer im glühenden Eisen.“ (Viveka Chudamani von Sankaracharya).
Also, das Selbst ist hinter allem, hinter allen Gedanken, hinter allen Gefühlen, hinter allen ändernden Zuständen des Egos. Mal sind wir ganz toll, „Ich bin ein toller Hecht.“, mal, „Oh, ob ich das alles noch mitkriege, ob ich das alles packe.“ bis, „Ich tauge nichts. Keiner mag mich. Ich bin nicht gut genug.“ Also, sattviges, rajasiges, tamasiges Ego. All das bedarf auch eines Bewusstseins dahinter. All das bedarf der Seele. Ein mangelndes Selbstwertgefühl ohne eine Seele, macht keinen Sinn. „Der Vorgänge und Abläufe im Körper“, also Körper, alles Mögliche läuft ab. „In Sinnen und Lebenskräften“ Also dieses Selbst handelt nicht. In Wahrheit, wenn wir sagen, „Ich hebe einen Hammer hoch.“, ist nicht korrekt. Nicht ich hebe einen Hammer hoch, sondern die Hand hebt den Hammer hoch. Man kann sagen, stimmt jetzt auch nicht. Die Hand allein könnte auch nichts. Wenn ich jetzt hier eine Hand hinlege und dann Pathologie irgendwo, schneidet mir meine Hand ab und sagt, „Jetzt heb mal den Hammer hoch.“, geht nicht. Also, der Körper muss dran sein. Aber der Körper allein macht es auch nicht. Angenommen, wir haben jetzt irgendwo so eine Leiche dort liegen, die hebt auch jetzt nicht plötzlich den Hammer hoch. Also, muss man auch lebendig sein. Irgendjemand muss der Hand sagen, sie muss den Hammer hoch geben. Es muss ein Prana sein, welches den Befehl irgendwie überträgt. Deshalb, Bewusstsein ist schon nötig, damit der Hammer hier hochgehoben wird. Nur, nicht das Bewusstsein hebt den Hammer hoch. Das Bewusstsein ist letztlich die Ursache, dass dort der Arm den Hammer hochhebt. Also angenommen, man ist im Tiefschlaf, dann wird man auch nicht plötzlich einen Hammer hochheben. Es gibt Schlafwandler, aber ein Schlafwandeln ist eher Traumbewusstsein als Tiefschlaf. Also angenommen, ihr fragt jemanden, „Schläfst du?“ und der antwortet, „Ja.“, dann wisst ihr, er schläft nicht. Und angenommen, jemand sagt, „Schläfst du?“ und er sagt nichts, dann, entweder er schläft oder er hat keine Lust, sich jetzt um die Zeit auf unangenehme Diskussionen einzulassen. Wenn jemand nicht antwortet, wissen wir noch nicht, ob er schläft oder nicht. Aber wenn er antwortet, dann wissen wir, er schläft nicht. Und das sind nicht so ganz einfache philosophische Fragen. Also Handlung, ohne dass ein Selbst daran beteiligt ist, geht letztlich nicht. Andererseits handelt das Selbst nicht. Und deshalb heißt es dort, Er handelt nicht, denn nicht das Selbst verändert irgendetwas. Auch nicht, das Selbst gibt die Befehle, denn die Befehle gehen vom Geist aus. Andererseits, ohne dass ein Selbst, ein Bewusstsein dabei ist, tut dieser Körper erstmal nichts. Gut, man kann sagen, angenommen jemand ist im Koma, dann tut der Körper schon etwas, er atmet und er hat Pulsschlag, man kann ihn noch künstlich ernähren und künstlich beatmen und alles Mögliche andere machen. Also, so viel klappt noch irgendwie. Allerdings würden die Yogis sagen, auch dafür bedarf es irgendwo eines Bewusstseins, das im Hintergrund ist. Wenn das Bewusstsein den Körper ganz verlässt, dann stirbt er. Wobei auch das nicht korrekt ist, denn Bewusstsein kann nichts verlassen, denn Bewusstsein ist überall. Man kann sagen, wenn das Bewusstsein mit dem Astralkörper den Körper verlässt, ganz verlässt, dann passiert der Tod und dann nutzen die ganzen Wiederbelebungsmaßnahmen auch nichts und die künstlichen Lebenserhaltungsmaßnahmen. Wenn jetzt die Verbindungen zwischen Astralkörper und physischen Körper nur ganz schwach sind, dann kann der physische Körper noch am Leben gehalten werden. Und der Astralkörper macht nur so lange Sinn, wie dort Bewusstheit dort hinter ist. Das sind Sachen, die man sich öfters mal fragen kann. Das sind auch Sachen, über die man meditieren kann. Sachen, derer man sich zwischendurch bewusst werden kann. Vielleicht heute, wo ihr heute noch mal einen Tag im Ashram seid und vielleicht noch nicht alle Probleme des täglichen Lebens auf euch einprasseln, was vielleicht am Montag dann passieren wird. Wo ihr dann überlegt, „Ja, Selbst, Handlung, Gedanken, Persönlichkeit, Prana. Wie hängt das alles zusammen? Ich als Bewusstsein mache nichts, dennoch, ich kann meiner Hand sagen, geh hoch.“ Und die Hand macht das auch manchmal, ohne dass man es besonders merkt. So eine Art Zwischenbewusstsein, so unterbewusst. Oder, viele von euch bewegen sich. Jetzt ist die Kamera auf mich gerichtet. Angenommen, ich würde die Kamera auf euch richten und nachher macht man das mit Fast Forward und dann ist hier wie ein Hampelmanntheater. Mensch, so lange er wach ist, bewegt sich. Das soll jetzt nichts Schlechtes sein. Irgendwo braucht das der Körper. Halbbewusst. Und ihr seid euch den größten Teil der Bewegungen gar nicht so bewusst. Aber ein bisschen Halbbewusstheit ist da, Unbewusstsein ist da, etwas aus dem Chitta, im Sinne von Unterbewusstsein, geschieht, irgendwo muss ein bisschen Bewusstsein da sein, ansonsten, in der Ohnmacht bewegt sich der Mensch nicht mehr.
Also, noch mal die Frage. „Wenn man stirbt, muss irgendein Restbewusstsein im Körper drin sein.“ Sagen wir, so 2 Prozent? Also, 98 Prozent Bewusstsein nehmen wir mit und 2 Prozent lassen wir da und das vergammelt dann mit dem Körper. Bewusstsein ist nicht teilbar, denn letztlich, alles ist Bewusstsein. Hier müssen wir wieder aufpassen. Letztlich, selbst der Körper an sich ist nur Bewusstsein, selbst wenn er zerfällt ist er nur Bewusstsein. Nur die Seele, im Sinne von, die jetzt bewusst ist, die sich jetzt reflektiert durch den Astralkörper, die verlässt vollständig den physischen Körper. Und das ist jetzt wieder die individuelle Seele. Aber wir könnten auch, wenn wir jetzt mit unserer Bewusstheit die Grenzen von Ahmankara und Buddhi und Manas und Chitta verlassen würden, könnten wir erkennen, auch der tote Körper ist nichts anderes als Bewusstsein. Jetzt im Praktischen, unser Atman wirkt durch Antarkarana, dort sieht es so aus, als ob das Bewusstsein vollständig den Körper verlässt. Aber natürlich, jedes Eintelteil des Universums reflektiert auch wieder Bewusstsein. So kann man sagen, jede einzelne Zelle reflektiert ja auch Bewusstsein. Auf eine gewisse Weise hat jede einzelne Zelle ein Einzelbewusstsein und die einzelne Zelle lebt ja noch ein bisschen länger als der Gesamtkörper. Also, manche Zellen kann man noch Stunden nachher aus dem Körper herausnehmen, andere muss man innerhalb von ein paar Minuten herausnehmen, um sie transplantieren zu können. Also, manche Einzelzellen haben noch reflektiertes Bewusstsein ein bisschen länger. Aber nicht im Sinne wie der Mensch, als ein Egobewusstsein, sondern eben eher so, wie Bakterien und Einzelzellen auch ein Einzelbewusstsein haben, hat dann irgendwo im menschlichen Körper jede Zelle ein Einzelbewusstsein, jedes Organ hat ein Einzellbewusstsein, der Körper als Ganzes hat ein Bewusstsein usw. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass, zu Beginn der Schöpfung werden 3.426.238.416217 Einzelseelen geschaffen und jede dieser Einzelseelen muss sich dann langsam erlösen. Und wenn dann all diese Billionen erlöst sind, dann löst sich das Universum auf. So ist es nicht. Es gibt nicht eine beschränkte Anzahl von Einzelseelen, sondern was es gibt, wie viele Seelen gibt es übrigens? Eine einzige. Letztlich, es gibt nur die Seele. Und diese Seele träumt das ganze Universum, manifestiert sich damit als das ganze Universum. Denn, aus was könnte Bewusstsein diese Welt schaffen, wenn nichts existiert außer Bewusstsein? Bewusstsein kann nur die Welt aus Bewusstsein schaffen. Und dann kommt das große Paradoxon. Nachdem dann das Bewusstsein die Welt erträumt hat, reflektiert sich das Bewusstsein in jedem Einzelteil dieser Schöpfung. Und dann, jede einzelne Reflexion in dieser Schöpfung will dann wieder zurückkehren zum höchsten Bewusstsein. Und jedes Mal, wenn eine neue Welle entsteht, reflektiert sich die Bewusstheit wieder da drin. Und jedes Mal, wenn in diesem Bewusstsein dort eine neue Pflanze entsteht, gibt es ein reflektiertes Bewusstsein in dieser Pflanze. Und jedes mal, wenn dieses Einzelbewusstsein der Pflanze dann sich inkarniert in einem Insekt usw., geht es dann immer weiter. Und deshalb, jede einzelne Zelle hat eine gewisse Einzelbewusstheit, jedes einzelne Organ hat eine Einzelbewusstheit, jede Pflanze hat eine Einzelbewusstheit, jedes Stück Stein hat eine Einzelbewusstheit und da jedes Upadhi die Seele an sich spiegelt, scheint diese Einzelseele dann wieder nach Erlösung zu streben und zu verschmelzen mit dem Höchsten.
„Also, die Einzelseele wächst?“ Die Einzelseele, letztlich wächst sie nicht. Man kann sagen, die Upadhis, die wachsen. Wo wir natürlich auch aufpassen müssen. Wir schauen uns jetzt ein Staubkorn im Universum an. Und auf diesem Staubkorn gibt es jetzt mehr Menschen als vor hundert Jahren. Und noch mehr Menschen als vor Tausend Jahren. Dafür gibt es weniger Affen. Dafür gibt es weniger Säbelzahntiger. Dafür gibt es mehr Kakerlaken. Und ich glaube, auch die Anzahl von Mäusen hat sich erhöht. Die Anzahl von Spatzen hat sich auch erhöht. Dafür hat die Anzahl von Bären stark abgenommen. Also, wir können jetzt nicht wirklich sagen – und das Ganze ist jetzt ein Stück Erde und wenn man das jetzt vom Standpunkt der Milchstraße aus sieht. Wie sehr hat sich diese Galaxie geändert? Und wenn man es vom Standpunkt des gesamten Universum aus sieht. Wie sehr hat sich das Leben verändert in den letzten hundert Jahren? Gar nicht. Und wir wissen nicht, auf wie vielen Planeten es intelligentes Leben gibt. Ich hatte so vor kurzem ja gesagt, man kann davon ausgehen, dass größeres intelligentes Leben nur auf dieser Erde ist. Vom astrophysikalischen Standpunkt aus. Nur ganz korrekt war ich dort nicht, da hat mich nachher jemand darauf aufmerksam gemacht. Das gilt nur in dieser Schwingungsfrequenz, in diesem Schwingungsspektrum, das wir jetzt gerade untersuchen. Wir nehmen ja Schwingungsspektrum nur innerhalb von einem bestimmten kleinen Fenster wahr. Auf einem anderen Schwingungsspektrum, was auch physische Materie sein könnte und wo es vielleicht ganz andere Existenzen gibt, könnte es durchaus auf anderen Planeten Leben geben. Und in manchen Schriften wird das sogar irgendwo so beschrieben. Gut, noch dazu, wenn wir dann in die Astralwelten gehen. Nur, all das ist letztlich nichts anderes als eine Manifestation von Brahman. Letztlich, das Universum bleibt irgendwo doch ein Mysterium. Zum einen, es gibt eine unendliche Seele. Das ganze Universum ist nichts anderes als eine Manifestation von Brahman. Es erscheint nur so zu sein wie ein Traum. Aus diesem Traum können wir aufwachen und wir sehen das Ganze als Brahman. Innerhalb dieses Universums, welches ein Traumuniversum ist, gibt es verschiedene Einzelseelen, die nichts anderes sind als eine Manifestation von Brahman und zurückstreben nach der Verwirklichung von Brahman. Aber es ist nicht eine gewisse Einzelseelenanzahl, sondern jeder Teile dieses Universums, jedes Mal, wenn es einen neuen, einzelnen Teil gibt, ist er Brahman und zum anderen reflektiert er Brahman. Und jedes reflektierte Chaitanya, das reflektierte Bewusstsein, will wieder zurückkehren zum Ursprungsbewusstsein.

Das Selbst der Atman, erhellt mit seinem Glanz die ganze Welt

„In diesem Körper, in der Reinheit des Gemüts, in der Tiefe der Erkenntnis, im unoffenbarten Raum, leuchtet das strahlende Licht wie die Sonne hoch am Himmel, mit seinem Glanz die ganze Welt erhellend.“ (Viveka Chudamani, Vers 132)
Also, dieses höchste Bewusstsein manifestiert sich auch im Vergänglichen. Also in diesem Körper, was da als Bewusstsein ist, das ist das höchste Selbst. Besonders manifestieren, wenn das Gemüt rein ist. So wie Patanjali auch ausdrückt, „Yogas Chitta Vritti Nirodha. Tada Drastuh Svarupe Vasthanam. – Ist unser Geist zur Ruhe gebracht, dann ruht der Sehende in seinem wahren Wesen.“ Oder an einer anderen Stelle vergleicht Patanjali den Geist, im Sinne von Chitta, was hier in der Übersetzung vom Viveka-Chudamani oft als „Gemüt“ übersetzt wird, er vergleicht das wie ein Kristall. Ein Kristall reflektiert etwas. Also, in unserem Denken und Fühlen wird etwas reflektiert. Und was reflektiert wird, ist letztlich unsere Seele, unser höchstes Bewusstsein. Und je nachdem, wie der Kristall beschaffen ist, wird diese Seele reiner reflektiert oder auch unreiner oder auch farbenprächtiger. Es gibt Kristalle, die brechen alles, diese Prismas, dann wird alles kunterbunt. Es gibt Kristalle, die sind orange oder rot, so wie Rosenquarz und dann kommt das Ganze etwas rötlich gefärbt raus. Oder es gibt andere, die machen alles ein bisschen milchig und ein bisschen bleicher. Aber was gespiegelt wird, das ist unser Selbst. Und damit ist auch jeder Gemütszustand, den wir erfahren, letztlich eine Spiegelung des Selbst. Er wird geprägt durch das Instrument, durch das es gespiegelt wird, aber was gespiegelt wird, ist weiter das Selbst. Und ist das Gemüt rein, sattvig, dann stahlt dieses Selbst in reiner Form durch. „In der Tiefe der Erkenntnis“, also das bezieht sich jetzt auf die Vijnanamaya Kosha. Auch in der Erkenntnis können wir etwas wahrnehmen. Und die höchste Erkenntnis, da wird nicht mehr gesagt „Ich erkenne etwas.“, sondern es ist nur Chid, Bewusstheit, und damit auch reines Wissen. „Das im unoffenbarten Raum leuchtet, wie das strahlende Licht der Sonne hoch am Himmel.“ Also, im unoffenbarten Raum. Jetzt geht er noch ein Stück weiter, es entspricht auch so der Anandamaya Kosha, Karana Sharira, Wonnehülle, Kausalkörper. Es ist jenseits von den Manifestationen, jenseits von Zeit und Raum. Wenn es uns gelingt, in der Meditation einen Zustand zu erfahren, jenseits von Denken und Fühlen, dort sind wir im unoffenbarten Raum, also noch nicht manifesten. Wir sind aber noch nicht verschmolzen. Aber in diesem Bewusstseinszustand, der auch als Sarvikalpa Samadhi oder Samprajnata Samadhi bezeichnet wird, in diesem Zustand, dort erleben wir wie ein Licht, eine Freude, wir erfahren das Selbst. „Mit diesem Glanz die ganze Welt erhellend.“ Also, aus dem Unoffenbarten geht es auch in diese Welt und ohne dieses Bewusstsein können wir uns der Welt gar nicht bewusst werden, genauso wenig wie der Emotionen. Also, ich hatte gestern Abend so das Beispiel gebraucht, stellt euch mal vor, ihr habt Emotionen und ihr seid euch dessen nicht bewusst. Ist so was denkbar? Angenommen, ihr seid furchtbar wütend, aber ihr bemerkt, ihr seid irgendwo in einem anderen Bewusstsein. Ist das möglich, auf der einen Seite wirklich furchtbar wütend zu sein und ohnmächtig zur gleichen Zeit? Entweder man ist wütend oder man ist ohnmächtig. Beides zugleich geht nicht. Man kann zwar unbewusst sein, aber ein Ärger, ohne dass es jemanden gibt, der ihn fühlt, macht keinen Sinn. Und selbst wenn man sagt, „Es schmort auf dem Unterbewusstsein usw.“, gut, aber dann ist es nicht in dem Moment Ärger. Wir merken dieses Schmoren erst dann, wenn wir schmoren. Also, es muss jemand da sein, um es zu erfahren. Angenommen, ihr habt die Augen offen und alles Licht kommt rein, aber euer Bewusstsein ist ganz woanders. Man kann auch mit offenen Augen eingeschlafen sein. Seht ihr dann die Blumen und alles? Oder anders ausgedrückt, kann man im Tiefschlaf sein und sich furchtbar über etwas freuen? Kann man im Tiefschlaf sein und gerade die höchsten philosophischen Gedanken haben? Nein. Alles, was existiert, bedingt das Bewusstsein. Ohne Atman ist keine Erfahrung möglich. Und ohne Atman können wir auch die Welt nicht erleben. Letztlich sogar, ohne Atman gibt es keine Welt.

Die Welt ist unwirklich – Adhyaropa im Vedanta

Das klassische Beispiel, das ich noch mal erwähnen will für die Unwirklichkeit der Welt, ist welches? Schlange und Seil. Also angenommen, wir treten über ein Seil und denken, es ist eine Schlange, dann haben wir Angst. Ist das Seil jemals zur Schlange geworden? Nein. Ist aber für denjenigen, der die Schlange gesehen hat, war die Schlange für ihn wirklich? Ja. Dennoch ist das Seil niemals zur Schlange geworden und die Schlange nicht zum Seil. Da gibt es einen bekannten Ausdruck dafür, das nennt sich Adhyaropa, super imposition, wird es auf Englisch übersetzt. In deutscher Terminologie wird es manchmal als Projektion bezeichnet oder auch als Darüberstülpung, man stülpt eine Bedeutung über etwas, was es nicht hat. Oder die zweite Analogie ist Stein und Hund. Angenommen, ein Mensch geht spät abends… Das Beispiel gibt es in verschiedener Form. Angenommen, es gibt einen Landstreicher. Der geht so an der Mauer von einem großen Anwesen vorbei und er sieht dort wunderschöne Mangobäume. Und da sind reife Mangos und sie duften. Dann denkt er, „Ach, da könnte ich mir doch ein paar nehmen.“ Und gerade als er dabei ist, sich über die Mauer drüber zu schwingen, dort sieht er einen Hund. Einen großen Hund, zähnefletschend, eine Pfoten gehoben und sofort springt er wieder runter. Dann geht er ein bisschen weiter und ein bisschen weiter ist keine Mauer, sondern ein Gitter und da sieht er immer noch diesen Hund. Zähnefletschend, schreckerregend, Pfote oben, bereit zu springen. Dachte er, „Das ist jetzt aber komisch, der sitzt da jetzt schon eine ganze Weile.“ Er schaut noch ein bisschen näher und dann stellt er fest, das ist kein Hund, sondern eine Statue. Und als er das sieht, dass da eine Statue ist, dann verliert er alle Angst, er klettert drüber und genießt diese wunderbare Mango. Ähnliche Analogie in diesem Leben. Wir haben vor allem Möglichen Ängste, weil wir alles Mögliche auf diese Welt drauf projizieren. Wenn wir aber erkennen, dass diese ganze Welt Brahman ist, dann brauchen wir keine Ängste zu haben. Eine nächste Analogie ist eine modernere Analogie, die aber von diversen Jnana-Yogameistern verwendet wird. Es ist die Analogie vom Kinofilm. Angenommen, wir gehen in einen Kinofilm. Und dann setzen wir uns hin und dann sehen wir ein ganzes Drama ablaufen. Was ist in dem ganzen Kinofilm wahr geblieben? Was bleibt da die ganze Zeit? Die Leinwand bleibt. Alles andere ist nicht real. Tut sich irgendwas auf der Leinwand? Gibt es dort irgendeinen großen Helden, der dort kämpft mit den bösen Verbrechern, der den Mörder findet? Nichts davon. Es bleibt immer Leinwand. Aber wenn Menschen in diesen Film reinkommen, dann weinen sie, sie lachen, sie erschrecken, sie freuen sich und – mindestens wenn es ein Hollywood-Film ist – gibt es irgendwie zum Schluss ein Happy End und alle gehen dann freudig beschwingt aus dem Kino. Aber was ist die ganze Zeit auf der Leinwand passiert? Nichts. So ähnlich, die Leinwand ist wie Brahman, auch das Licht ist wie Brahman. Maya ist dann wie dieser Film. Maya scheint dieses Licht teilweise wegzunehmen und dann manifestieren sich all diese Formen. Und letztlich der Filmdirektor, der das Ganze entwickelt hat, ist wie Ishwara und wir, die wir dort gefangen sind in diesem Film und dazu geht man ja in den Film, dass man alles andere vergisst und nach Möglichkeit sich auch identifiziert, wir werden kleine Jiva. Typischerweise identifiziert man sich mit einer Person in dem Film. Mit wem typischerweise? Mit der Hauptperson. Und zwar letztlich egal, ob die Hauptperson wirklich ein Held ist oder ein Verbrecher. Manche von euch haben sich vielleicht beschäftigt mit der Theatertheorie von Berthold Brecht. Er wollte das ja gerade umgekehrt machen. Er wollte vermeiden, dass die Zuschauer sich mit einem Menschen identifizieren und den toll finden. Wenn ihr „Mutter Courage“ z.B. gesehen habt. Er hat alle möglichen Elemente eingebaut, denn eigentlich „Mutter Courage“ ist ja mehr gedacht, so soll man nicht sich verhalten wie Mutter Courage. Das ist genauso, wie ein Mensch sich nicht verhalten soll. Das wollte er sehr genau damit zeigen. Aber was macht man als Zuschauer, wenn man Mutter Courage anschaut? Man fühlt mit dieser Frau, man versteht sie und irgendwo bangt man mit ihr. Letztlich, Mensch hat eine Neigung, sich zu identifizieren. Wenn wir in ein Schauspiel gehen, mit irgendjemand müssen wir uns identifizieren, ansonsten würde es langweilig. Und genauso, wir sind jetzt in diesem Schauspiel der Welt, muss man sich halt mit irgendjemandem identifizieren, am nahe liegendsten ist, mit diesem Körper und diesem Geist. Man könnte sich auch mit einem anderen Körper und einem anderen Geist identifizieren. Machen wir auch, wir machen es nämlich, indem der nebenan ist, aber gleichzeitig mit dem. Die beste Analogie ist meiner Ansicht nach allerdings immer noch Traum. Wir sind in einem Traum. Aus dieser Traumanalogie können wir auch noch mal schließen, was ist die Welt wirklich? In einem Traum, gibt es dort – jetzt vom Wachzustand aus gesehen – Materie? Hat es im Traum Materie gegeben? Nein. Hat es dort Bausteine gegeben? Ziegelsteine oder Beton, aus den die Gebäude bestehen? Nein. Haarfärbemittel? Auch nicht. Woraus besteht all das? Letztlich besteht alles aus der Einbildung des Träumenden. Das einzige, was wirklich ist und aus dem ist alles gemacht, das ist die Einbildung des Träumenden. Und letztlich kann man sagen und wie lange existiert der Traum und die Traumwelt? Solange sich da jemand des Traumes bewusst ist. In dem Moment, wo man sich des Traumes nicht mehr bewusst wird, was passiert mit all der Materie des Traumes, mit all den Millionen von Bäumen und Planeten und Sternen? Mit einem Schlag alle weg. Man kann sich natürlich noch fragen, was passiert dort tatsächlich? Vielleicht leben die weiter. Ist auch so die Frage, angenommen, ihr habt irgendwo ein Computerspiel gespielt und ihr schaltet den Computer ab. Was passiert mit den anderen Figuren? Angenommen, es gibt ja diese virtuelle Realität namens Sekond Life. Angenommen, die Firma, die das betreibt, eines Tages stellt sie alles ab. Was passiert mit diesen Zigmillionen von Avataren, wie sie heißen, also künstlich geschaffenen Individuen. Was passiert mit denen? Mit einem Schlag alle weg. Also, im Traum ist eigentlich nur das Bewusstsein da. Und so können wir als Analogie hier

Vedanta im Alltag

Wir kommen zum letzten Teil dieses Seminars, dieser Weiterbildung, der Beschäftigung mit dem Viveka-Chudamani und da ist es noch mal besonders wichtig, dass ihr euch vergegenwärtigt, dass das Studium dieser Schrift und die Behandlung mit diesen großartigen Weisheiten etwas Wichtiges ist. Es mag zwischendurch etwas theoretisch klingen und man mag überlegen manchmal, „Was hat das mit meinem praktischen Leben zu tun?“, aber es hat sehr viel mit dem praktischen Leben zu tun, es hat sehr viel mit dem Alltag zu tun, es hilft uns nämlich, das zu erkennen, was tatsächlich wichtig ist. Auf gewisse Weise ist Jnana Yoga nicht der Aufregendste alle Wege. Es gibt keine Farben der Chakras, es gibt nicht ständig irgendwas Neues und angenommen, ich hätte euch jetzt während dieser Woche mit Sanskrit-Worten bombardiert und euch alles über Jahad Lakshana, Jahad-Ajahad Lakshana und Bhagatyaga Lakshana und die 22 Nyayas und noch mal alle Wiederholungen aller 5 Koshas, wäre sehr theoretisch gewesen. Obgleich ich das vielleicht auch irgendwann mal mache. Aber nicht umsonst habe ich am Anfang relativ viel interpretiert über dieses Mumukshutwa und das gilt es sich wieder bewusst zu machen. Mumukshutwa, der intensive Wunsch nach Befreiung. Manchmal kommen dann natürlich auch verschiedene Prüfungen auf dem Weg. Am Anfang sagt man, „Ja, ich will die Befreiung erreichen.“, aber wehe, es gab nicht genügend Kartoffeln. „Ich bin eins mit dem Unendlichen. Ich bin nicht dieser Körper, nicht diese Gedanken.“ aber wehe, jemand hat mich schräg angeschaut. Man kann ruhig sich ärgern, man kann ruhig schlechter Laune sein, alles o.k. Vom Jnana-Yoga-Standpunkt aus ist das letztlich unerheblich. Auch – erinnert euch – es gibt die Shatsampat 1. Grades und 2. Grades. 1. Grades wäre diese Gleichmut, man wird gar nicht mehr berührt davon. Shatsampat höheren Grades oder einfacheren Grades, könnte man auch sagen, ist, man hat ruhig auch Emotionen, aber man identifiziert sich nicht damit. Denn letztlich sind auch die Emotionen nicht unsere eigenen Emotionen, die laufen irgendwo ab. Geärgert haben sich schon so viele andere Menschen. Glaubt ihr das? Oder glaubt ihr, dass euer persönlicher Ärger der einzige ist in diesem Universum? Mindestens ist er der schlimmste oder der besonderste, oder? Oder, dass euer Wunsch nach irgend etwas so besonders ist? Letztlich laufen kosmische Geschehen in jedem einzelnen ab. Das ist so ähnlich, angenommen, ihr fahrt mit dem Zug von hier nach Kassel-Wilhelmshöhe und dann schaut man dort raus und man sieht, wie wunderschön die Landschaft ist und aus jedem Fenster guckt jemand anderes raus und sieht die gleiche Landschaft. Ist das jetzt meine persönliche Erfahrung? Wie viel Millionen Fahrgäste haben schon die schöne Landschaft dort gesehen. Letztlich läuft Erfahrung ab, aber wir sind nicht diese Erfahrung. Und wenn ihr jetzt die Intensität von Mumukshutwa und die Intensität des Wunsches, die Wahrheit zu erfahren, weiter steigert, dann kann es noch die nächsten Tage besonders tief werden und kann besonders viel bedeuten.

Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Welt

Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Welt. Jeder lebt in seinem eigenen Universum. Und vielleicht haben die Universen, die wir haben, gewisse Gemeinsamkeiten und so können wir miteinander kommunizieren. Sie haben sicherlich vieles Getrenntes voneinander und das macht es letztlich faszinierend. Es ist einer der faszinierenden Beschäftigungen, meine ich mindestens, Menschen zu verstehen in ihrem eigenen Universum. Wobei die Behauptung, Menschen zu verstehen, ist eine Anmaßung. Meint ihr, man kann einen anderen Menschen Hundertprozent verstehen? Preisfrage. Wer von euch versteht sich selbst Hundertprozent? Ich versuche seit 35 Jahren, mich zu verstehen. Ich bin mir bis heute immer wieder für eine Überraschung gut. Immer dann, wenn ich glaube, jetzt habe ich wieder einen essentiellen Bestandteil meines Denk-, Reaktions- und Fühlschemata verstanden und kann das künftig besser voraussagen, läuft es wieder anders. Wenn man sich selbst nicht verstehen kann – und es ist auch nicht nötig, sich vollständig zu verstehen. Es ist hilfreich, sich in groben Zügen zu verstehen und seine eigenen Reaktionen irgendwie einschätzen zu können, wertschätzen zu können, vielleicht nicht Sklave davon zu werden, aber letztlich auch wissen, so ganz hundertprozentige Herrschaft über unseren eigenen Geist ist weder möglich noch notwendig. Und das macht es vielleicht faszinierend. Ähnlich auch mit anderen Menschen. Es ist faszinierend mal so ein bisschen das andere Universum kennen zu lernen und da möchte ich euch durchaus ermutigen. Das hilft dem Jnana-Yoga-Verständnis, wenn man sieht, verschiedene Menschen, gleiche Situation, unterschiedliches Erleben. Angenommen z.B., ich würde euch jetzt den Nachmittag sagen, ihr habt zwar frei, aber jetzt schreibt mal vier Stunden genau, wie war die Erfahrung dieser Woche für euch. Was habt ihr wahrgenommen? Wie war es? Was waren eure emotionalen Reaktionen darauf? Wie findet ihr das Ganze? Was ist sonst noch gelaufen. Wir hätten dort festgestellt, so viele faszinierende Universen. Und man sollte sein eigenes Universum dort nicht so ernst nehmen. Swami Vishnu-devananda hat so zwei Sachen manchmal gesagt, „Don’t trust your mind.“ Und das zweite ist, „Don’t take yourself too seriously.“ Also, „Traue deinem eigenen Geist nicht.“ Das klingt jetzt vielleicht nicht ganz so positiv, aber das ist eben gemeint. Denke nicht, dass so, wie du die Welt wahrnimmst, dass sie so ist, sondern lächle darüber, „Aha, ich habe das jetzt so und so wahrgenommen. Ich denke, der Mensch meint das so und so.“ Im Grunde genommen, ein Zeichen für einen Schizophrenen ist, dass er fest der Überzeugung ist, „Das ist so und so und nicht anders und wenn andere etwas anderes behaupten, dann haben die Unrecht.“ Zeichen eines reifen Aspiranten ist, er nimmt die Welt so und so wahr, mag irgendwo hilfreich sein, die Welt so und so wahrzunehmen, er weiß, andere nehmen sie anders wahr und die haben auch ihren Grund. Natürlich, man muss dann auch handeln. Man kann jetzt nicht einfach nur verharren in dieser wunderbaren Faszination, dass jeder Mensch alles anders sieht, manchmal muss man auch Entscheidungen treffen. Also z.B., Vater von einem Teenager wird feststellen, „Mein Universum ist so, das Universum meines Sohnes ist so. Der mag seine Gründe haben, sein Universum so wahrzunehmen. Ich habe meine Gründe, mein Universum so wahrzunehmen. Ich bin der Erziehungsberechtigte. Ich werde jetzt bestimmen, wo es langgeht. Im vollen Bewusstsein, dass das, was ich da sage, im Universum meines Filius zu Schmerzen und Rebellion führen wird.“ Versteht ihr, was ich meine? So müssen wir dann irgendwie handeln und eben sagen, „Ich bin halt jetzt dein Vater und ich bestimme das in der Situation.“ Ob das immer geht, ist eine andere Sache. Ab Teenager-Alter vielleicht noch weniger. Aber manchmal, diejenigen die Teenager haben – die sehe ich mit einem besonders melancholischen Lächeln hier – die haben so etwas schon öfters versucht. Aber es ist ein Unterschied, ob man sagt, „Die Jugend von heute, keinen Benimm mehr. Zu meiner Zeit war es ganz anders. Die verbringen jetzt heute die ganze Zeit in „world of warcraft“ oder irgendwo jettend im Computer oder Anschauen von zweifelhaften Seiten. Zu meiner Zeit war das ganz anders.“ Nur, wer sich noch erinnern kann an seine Jugend, der weiß, was die Eltern damals gesagt haben. Und ihr könnt euch bewusst sein, was die Großeltern euren Eltern zu ihrer Jugend gesagt haben. Und mit die ältesten schriftlichen Zeugnisse der Menschheit sagen, früher war alles besser und die Jugend von heute taugt nichts. Es ist also beständig seit 3000 v. Chr. schlechter geworden, in der Wahrnehmung von denen, die über die Teenagerzeit hinausgegangen sind. Objektiv wissen wir, es ist nicht schlechter geworden. Die Zeit heute ist besser, als die vor 70 Jahren. Überlegt mal, was da war. Die Zeit heute ist besser, als vor 90 Jahren, wer ein bisschen Geschichtsverständnis hat. Und besser als vor 200 Jahren, behaupte ich jetzt hier in meinem geistigen Universum. Aber wenn andere anderes meinen, haben die ihr Universum. Wir leben also in verschiedenen Universen und wir können, wenn wir mit anderen Menschen zu tun haben, durchaus eben sagen, „Du wohnst in einem anderen Universum, ich kann es ein bisschen verstehen. Dennoch muss ich jetzt sagen, in dem Fall habe ich die Verantwortung und in diesem Kontext ist mein Universum das Entscheidende.“ Ich gebe euch ein anderes Beispiel. Ich bin ja hier Leiter des Ashrams und dort habe ich manchmal auch Aufgaben, die nicht nur angenehm sind. Früher habe ich z.B. auch 4-wöchige-Yogalehrerausbildungen geleitet und da gibt es ab und zu mal jemand, der hat gesagt, „Ich bin hier in der Natur und da sind so schöne Bäume. Ich finde es viel besser, als morgens dort zu sitzen und den ganzen Tag zu sitzen, dort morgens einen Spaziergang zu machen und dort mit den Vögeln zu kommunizieren und den Bach zu spüren und zur Quelle zu gehen und mich an einen Baum zu setzen. Ist doch viel besser.“ Jetzt könnte ich reagieren oder hätte reagieren können, „Die Yogaschüler von heute. Undisziplinierter Haufen. Zu meiner Zeit vor 28 Jahren war das anders. Als ich die Yogalehrerausbildung gemacht habe, um 4:00 Uhr waren da fünf bis sechs Leute schon aufgestanden. Ich habe Pranayama gemacht erstmal 2 Stunden vor 6:00 Uhr und der andere hat zwei Stunden Asanas gemacht. Der nächste hat zwei Sunden Harmonium gespielt und der nächste hat zwei Stunden meditiert. Die Jugend von heute oder die Schüler von heute, denen muss ich es jetzt zeigen und sagen,  undisziplinierter Mensch, der du bist. Uneinsichtig. Unreif.“ Dann wäre ich selbst unreif. Oder ich kann eben sagen, „Du magst ganz recht haben. Vielleicht ist es für dich schön, morgens spazieren zu gehen. Vielleicht ist es für dich schön, mit Bäumen und Blumen zu kommunizieren. Und vielleicht solltest du in Yogaferien überwechseln. Da kannst du das nämlich sehr gut machen. Du bist jetzt in einer Yogalehrerausbildung und damit gelten die Regeln der Yogalehrerausbildung. So wie die Richtlinien sind und die Richtlinien sind aus gutem Grunde so. Und die Yogalehrerausbildung ist ein eigenes Konzept und sie führt, wenn man sich daran hält, zu einer gewissen inneren Transformation, sie führt dazu, dass man klassisches Yoga in der Tradition von Swami Sivananda und Swami Vishnu-devanandadevAnanda versteht und erfährt.“ Aber deshalb, der andere, der das andere denkt, ist ja deshalb nicht schlecht. Und wenn er dann aussteigt, dann bin ich nicht böse. Ich bedauere es manchmal, denn ich habe es noch nie erfahren, dass jemand nach vier Wochen gesagt hat in der Abschlussrunde oder auch schriftlich, „Ich wünschte, ich wäre nach fünf Tagen ausgestiegen oder nach drei Tagen.“ Aber sehr häufig kommt es, dass sie dann sagen, „Nach einem oder zwei Tagen wollte ich fliehen und habe mir gedacht, wo bin ich hier hineingeraten, aber ich bin mir selbst dankbar, dass ich durchgehalten habe.“ Ich hoffe, ihr versteht, was ich damit meine. Das ist auch so eine Jnana-Yoga-Einstellung. Es gibt keine objektive Wirklichkeit und es gibt letztlich nicht objektiv richtig und objektiv falsch. Was in dem einen Kontext richtig ist, ist in einem anderen Kontext unrichtig. Auch wenn wir z.B. von Ahimsa sprechen, jetzt von der Ethik, ist auch eine Frage. Da gibt es auch wieder Kontexte, wo es richtig ist oder unrichtig. Einen Menschen umzubringen ist richtig oder nicht richtig? Grundsätzlich klar, unrichtig, ethisch falsch. Aber angenommen, dort gibt es jemanden, der hat eine Atombombe und ist auf einem Hochhaus und hat den Zünder und will ihn gerade rausnehmen. Gegenüber hat die Polizei einen Scharfschützen postiert. Ist es jetzt richtig, wenn die Polizei diesen, der gerade die Hand an diesen Zünder hat, erschießt oder ist es falsch? Ich glaube, hier wird fast jeder der Meinung sein, es ist richtig. Es wäre sogar falsch, wenn der Schütze zögern würde. Aber in einem anderen Weltanschauungskontext könnte man es wieder anders sehen. Nur in dem Weltanschauungskontext des Yogas und im Weltanschauungskontext des Rechtssystems der Bundesrepublik Deutschland, die glücklicherweise weitestgehend, mindestens in ihren Grundsätzen, identisch sind, dort gelten diese Prinzipien. Aber das heißt nicht, dass sie in jedem Kontext die richtigen wären. Dennoch, aus einem Kontext heraus muss man Entscheidungen treffen, ohne den anderen zu verurteilen. Das ist durchaus auch etwas, was wir ja in der heutigen Zeit nicht nur in Yogakreisen haben, sondern insgesamt. Menschen haben unterschiedliche Motive, die Motive haben ihre Begründung, Begründungen in der Grundstruktur des Menschen, Begründungen in Genen, Begründungen in ihrer Erziehung, Begründung in wie auch immer. Jeder Mensch hat irgendwelche nachvollziehbaren Gründe, warum er so handelt, wie er handelt, dennoch, im zwischenmenschlichen Zusammenleben ist halt manches angemessen und manches nicht angemessen. All das gehört zur Viveka von Satya und Mithya. Und wenn ihr darüber so ein bisschen nachdenkt, hoffe ich, dass ihr künftig noch mehr von euch selbst abstrahieren könnt. Never trust your mind, also, trau deinen eigenen Geist nicht. Also nicht im Sinne, alles was man denkt, dass man das gleich für wahr hält und jede Emotion, die geschieht, für angemessen hält, das ist der eine Aspekt. Never trust your mind and don‘t take yourself zu seriously, nimm dich selbst nicht zu ernst. Das, was man denkt und fühlt, ist eine Möglichkeit der Wahrnehmung. Durchaus in seinem Kontext auch eine gute, aber manchmal muss man auch nicht danach handeln. Und das ist eben auch wieder das, was der Jnana Yogi kann, auch in dieser Viveka Atma-AnAtma, er kriegt eine Wahrnehmung, die auch emotional sein kann und er sagt, „O.k., das sagen mir jetzt also meine Gedanken, das sagen mir meine Emotionen, aber ich bin das nicht. Ich habe eine gewisse Freiheit dem zu folgen oder nicht zu folgen und ich habe auch die Freiheit zu sagen, das glaube ich jetzt nicht, dass das so korrekt ist.“ Die Unterscheidung geht aber noch weiter. Also, Interpretation, Wahrnehmung, Reflexion im eigenen Universum.