Schlagwort-Archive: Prakriti

Brahman ist das Ziel der Evolution

Die Richtung und Ziel von Evolution ist, dass Brahman Brahman verwirklicht – Brahman verwirklicht Brahman – aufhört zu träumen oder sich bewusst sein, „Ich bin das unsterbliche Selbst. Selbst wenn ich noch im Traum bin, Brahman bleibt Brahman.“
Immerhin, es hat jetzt acht Tage gedauert, bis diese Frage gekommen ist, obgleich ich sie an mehreren Stellen schon beantwortet hatte. „Warum gibt es diese Welt? Warum hat Brahman die Welt geschaffen?“ Da gibt es jetzt verschiedene Antworten. Die beste Antwort ist, Brahman hat keine Welt geschaffen. Die Welt existiert nicht. Deshalb zu fragen, „Warum hat Brahman die Welt geschaffen?“, ist so ähnlich wie zu fragen, „Warum hat eine Krähe Zähne?“ Warum hat eine Krähe Zähne? Eine Krähe hat keine Zähne. Oder ein anderes Beispiel. Ich weiß nicht, wie man das auf Deutsch korrekt übersetzt. Why does a barren woman have children? Warum hat eine unfruchtbare Frau Kinder? Antwort, unfruchtbare Frau hat keine Kinder. Warum hat Brahman die Welt geschaffen? Es gibt keine Welt. Deshalb zu fragen, „Warum hat Brahman die Welt geschaffen?“ ist genauso sinnvoll wie zu fragen, „Warum hat eine Krähe Zähne?“ Dann gibt es eine andere Antwort und das ist jetzt im Bhakti Yoga Lila. Gott hat irgendwo gedacht, „Wäre doch schön eine Welt zu schaffen.“ Und dann hat Gott die Welt geträumt und das Ganze ist dann ein kosmisches Spiel und wir sind alle Teil in diesem kosmischen Spiel, in diesem kosmischen Traum. Kann man natürlich sagen, was ist das jetzt für ein Verständnis von Brahman? Wenn Brahman sich langweilt, dann ist er nicht Brahman. Brahman kann per Definitionem sich nicht langweilen. Deshalb diese Aussage, Gott spielt, macht  irgendwo keinen Sinn. Eine zweite, genauso gute Antwort wie die erste ist, es ist eine transzendente Frage, auf die es im Relativen keine Antwort gibt. Dann, wenn du verwirklicht bist, weißt du es, kannst es aber nicht in Worten ausdrücken. Und solange du nicht verwirklicht bist, kannst du es auch nicht erfassen. Oder Buddha hat mal so geantwortet, „Solche Fragen sollten nicht gestellt werden und wenn sie gestellt werden, sollte man sie nicht beantworten.“ Patanjali hat dort eine Antwort gegeben, auch wenn sie genauso wenig logisch ist wie die Antwort der Bhaktas. Da wird auch gefragt, „Warum hat sich Purusha mit Prakriti verbunden, um so dieses Universum zu schaffen?“ Dort heißt es, „Der Grund der Vereinigung oder der Verbindung von Prakriti mit Purusha ist, dass Purusha Kenntnis seiner wahren Natur erlangt und die Kräfte erkennt, die in ihm und in der Prakriti stecken.“ Also, man könnte dort sagen, es gab diesen unendlichen Purusha, Satchidananda, Sein, Wissen, Glückseligkeit. Und dann wollte er irgendwo bewusst erkennen, „Wer bin ich?“ und dazu musste er sich erst widerspiegeln in der Prakriti und sich dann verfangen in der Prakriti und dann in diesem ganzen Prozess des Zurückkehrens weiß dann Purusha nachher, wer er ist. Und außerdem wollte er dann auch erfahren, welche Kräfte in ihm und in der Prakriti stecken. Und so sind wir auch hier in diesem Universum, um die Kräfte zu erfahren, die in uns und in der Prakritit drinstecken. Und die Welt ist dann dazu geschaffen, dass sie uns Bhoga und Aparivarga gibt, also Vergnügen und Erfahrungen gibt und auch die Erfahrungen, die nötig sind, dass wir wieder herauskommen. Man könnte sagen, irgendwo das unsterbliche Selbst wollte sich mal spiegeln, aber um zu verhindern, dass es sich in der Spiegelung verliert, hat es veranlasst, dass ihm die Prakritit die Erfahrungen gibt, die ihn auch wieder herausholen. Ähnliche Analogie wie, Indra, der König der Götter wollte sich als Keiler inkarnieren. Er hat aber dann seine Adjutanten gebeten, sie mögen ihn dort wieder rausholen, falls er sich darin verliert. Und er hat sich dann verloren. Erinnert ihr euch noch an die Geschichte? Das ist eine der drastischen Geschichten, die euch in Erinnerung bleiben. Aber ich muss ehrlich zugeben, einen wirklich überzeugenden Grund für diese Welt habe ich noch nicht gefunden. Auch wenn diese Bhakti und Raja Yoga Erklärungen vielleicht irgendwo den Emotionen ein bisschen helfen, so ganz umsonst ist es jetzt nicht. Im Raja Yoga, Patanjali würde sagen, dass wir so einen Schöpfungszyklus durchlaufen, letztlich ist es für irgendwas gut. Das tröstet einen. Und der Bhakta würde sagen, es ist Spiel Gottes und mit Gott können wir gerne spielen und schauen, dass wir mit Gott spielen und das erfreut das Herz des Bhaktas. Die Antworten des Jnana Yogis, die Antworten eins und drei, die befriedigen uns emotionell nicht, was nicht heißt, dass sie deshalb schlechter wären. Nicht immer ist das, was uns emotionell mehr befriedigt, das Bessere.

Vairagya, Nichtanhaften, im Jnana Yoga

Vairagya ist der innere Abstand gegenüber den Dingen der Sinneserfahrungen, die vergänglich sind und gesehen, gehört oder sonst wie wahrgenommen werden, vom Körper bis zum Schöpfergott.“ (Viveka Chudamani von Sankaracharya)
Sankara hat ein paar Verse vorher noch mal Vairagya anders definiert, nämlich, „Gleichgültigkeit darüber, ob man in diesem Leben oder im Jenseits in den Genuss der Früchte für Mühen und getaner Arbeit kommt.“ Das halte ich noch mal für eine besonders schöne Definition. Also, nicht an den Früchten hängen, ist Vairagya. Also, wir können ein sehr engagiertes Leben führen und gerade Meister des ganzheitlichen Yogas, wie Swami Sivananda und Swami Vishnu-devanandadevAnanda, haben ja diesen engagierten Yoga auch gelehrt. Und hier wiederum kommt Patanjali ins Spiel, der ja sogar sagt, wir kommen deshalb in dieses Leben, zum einen, um Erfahrungen zu machen und zum anderen, um die Kräfte zu erfahren, also zum einen, verschiedenste Erfahrungen zu machen und zum anderen, die Kräfte zu erfahren, die in uns stecken und in der Prakriti. Patanjali hat ja durchaus so einen modernen Ansatz, es geht darum, sich zu entfalten, mehr zu tun und zu schauen, „Was steckt noch in mir drin?“ und das dort umzusetzen. Also, Patanjali ist das Gegenteil von, sich aus allem zurückziehen, „Ich will nicht diesen Stress im Beruf haben und Stress in der Familie, auch keinen Stress, ein Yogazentrum zu leiten. Ich mache drei Stunden am Tag ein bisschen irgendetwas, ansonsten lebe ich von Sozialhilfe, Erbschaft, von dem, was mein Mann nach Hause transportiert oder wie auch immer.“ Ich habe gestern jemanden mit starker Kaphastörung erlebt. Habt ihr das alles mitgekriegt die drei? Ich glaube, alle konnten irgendwo genial mit Vata-, Pitta- und Kaphaübersteuerung… Also, das ist nicht das, was das ganzheitliche Yoga lehrt, sich aus allem zurückzuziehen. Gut, ein reiner Jnana Yogi könnte das vielleicht auch machen.