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Warum erscheint Gott als relative Welt?

Eine Frage, die gestern manifest gestellt worden ist, eine Frage, die ich mehr oder weniger zwischendurch anklingen lassen hatte, ist, „Warum, was ist der Sinn überhaupt von all dieser relativen Welt?“ Ich hatte euch auch gesagt, wirklich eine echte logisch, klare, stringente, nachvollziehbare Begründung, die gleichzeitig auch zufrieden stellend ist, gibt es nicht wirklich. Denn die logisch-stringenten Erklärungen, stellen uns nicht zufrieden. Die eine wäre, die Welt gibt es nicht. Zu fragen, „Warum gibt es die Welt?“, wäre so zu fragen, „Warum hat die Krähe Zähne?“ Eine Krähe hat keine Zähne, die Welt gibt es nicht, deshalb, die Frage ist unsinnig. Die zweite logisch-korrekte Antwort ist, eine Frage letztlich nach dieser höheren Wirklichkeit, ist eine Frage, die im Relativen nicht beantwortet werden kann, daher sollte sie nicht gestellt werden und wenn sie gestellt wird, sollte man sie nicht beantworten. Das steht in Schriften drin. Oder Buddha hat die Frage, nach dem Warum der Welt, so beantwortet, „Wenn in einem Haus Feuer ist, dann überlegst du nicht, wie das Haus gebaut worden ist, aus welchen Steinen das Haus besteht und wie der Fußboden aufgebaut ist, sondern du rennst raus.“ Und so, wenn du spürst, you are on fire, du brennst, du merkst, die Beschränktheit ist nicht o.k., dann gilt es nicht, zu sehr zu überlegen, warum die Welt, sondern es gilt, wie kommen wir raus. Aber auch diese Antwort ist nicht wirklich zufrieden stellend letztlich. Wir beschäftigen uns ja mit so vielen anderen Fragen, die vom Absoluten her auch nicht übermäßig sinnvoll sind. Und so geben uns die Meister noch andere Gründe, warum und wieso. Die Bhakta sagen, es ist Lila Gottes, Spiel Gottes. Und so spielen wir dieses Spiel mit und sind die Spielgefährten Gottes oder auch die Spielfiguren Gottes, je nach dem, was euch besser gefällt. Vom Raja Yoga her gibt uns Patanjali verschiedene Begründungen. Die eine ist, der Purusha ist in die Prakriti hineingegangen, um sich seiner Selbst bewusst zu werden und die Kräfte zu erfahren, die in ihm und in der Prakriti drin sind. Und das heißt zum einen, um diesen Sinn zu erfüllen, gilt es, besonders bewusst zu sein, es gilt, besonders auch die Kräfte, die wir haben, zur Entfaltung zu bringen. Patanjali Yoga ist das Gegenteil von einem Zurückziehen, sondern es gilt, seine Kräfte durchaus zu entfalten, in die Welt hineinzubringen und letztlich als Diener Gottes dann darzubringen. Und es gilt auch, letztlich Erkenntnisse zu sammeln und das heißt auch bewusst zu sein. Und diese Bewusstheit steckt auch in dem nächsten drin, wo Patanjali sagt, die Welt hat zweierlei Sinn für den Purusha. Zum einen, ihr Bhoga zu geben und Apavarga. Das heißt, Erfahrungen zu geben und auch zur Befreiung zu führen. Und so ist Patanjali durchaus Propagator eines intensiv gelebten Lebens, die Erfahrungen bewusst zu machen und des Weiteren aber auch die Lektionen anzunehmen, die uns aufrütteln und aufwecken. Wenn wir nämlich nur Erfahrungen machen würden, würden wir vielleicht drin stecken bleiben. So ist das Universum auch immer wieder da, um uns aufzuwecken. Wir sollten uns aber weder in der Erfahrung, noch in der Entfaltung der Kräfte, noch im intensiven Leben, noch in der Selbstanalyse irgendwo verheddern und stecken bleiben, sondern immer wieder erkennen: Brahma Satyam. Brahman allein ist wirklich. Jagan Mithya, die Welt, so wie wir sie wahrnehmen ist unwirklich. Und Jivo Brahmaiva Naparah, das Selbst ist nichts anderes als Brahman. Oder in der Übersetzung von Friedrich Rückert, „In drei Sätzen sei es verkündet, was man in tausend Büchern findet. Brahman ist wirklich, die Welt ist Schein, das Selbst ist nichts als Brahman allein.“

Essenz des Viveka Chudamani

Heute ist der letzte Tag dieses 9-tägigen Seminars, Yogalehrerweiterbildung. Viveka-Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung oder auch der Kronjuwel der Unterscheidung. Wir haben uns die letzten 9 Tage beschäftigt mit den höchsten Fragen, die man sich stellen kann. Die Fragen, „Wer bin ich? Was ist die Welt? Was ist Gott?“ Wir sind dabei verschiedene Unterscheidungsformen durchgegangen anhand eines sehr wichtigen Textes, eben Viveka Chudamani, „Wer bin ich und wer bin ich nicht? Atma-AnAtmaViveka. Was ist wirklich, was ist unwirklich? Satya-Mithya-Viveka. Was ist wahre Freude, was ist nur vorübergehendes Vergnügen?“ Die haben wir nicht ganz so intensiv behandelt, aber es ist in dem anderen mit eingeschlossen. „Ananda-Sukha-Viveka.“

Karma Yoga und Vedanta

Ein nächster wichtiger Yogaweg ist Karmayoga. Und in seinem Kapitel „Vedanta“ aus dem Buch „Göttliche Erkenntnis“ betont Swami Sivananda den Karmayogaaspekt sogar am allermeisten vom Vedanta und da sagt er auch, „Ich glaube an praktischen Vedanta. Wenn man nur Texte liest und zitiert und Vorträge hält, das ist nur intellektuelle Gymnastik oder Lingual Diarrhoea, Sprechdurchfall.“ Dann sagt er auch, „Zu viele Worte, die steigen dir zu Kopf.“ Müsst ihr natürlich wissen, das ist so eine indische Tradition, wo Vedantalehrer sind, die müssen gute Vorträge geben können, die werden dann in hoher Ehrerbietung gehalten, aber wehe nachher, das Essen hat nicht die richtige Temperatur. Also, Karmayoga heißt dann hier, handeln daraus, liebe deinen Nächsten wie dich selbst, liebe deinen Nächsten als dein Selbst. Und diene anderen, weil es hilft, das individuelle Bewusstsein zu überwinden. Und indem wir anderen dienen, ist das dann auch nicht arrogant, wo wir sagen, „Ah, ich großartiger Mensch, ich diene dir kleinem Hilfsbedürftigen.“, sondern im Gegenteil ist es so, wir danken dem anderen für die Gelegenheit, ihnen zu dienen, denn, indem wir anderen dienen, weiten wir unser Bewusstsein aus. Eine der einfachsten Weisen, sich mit anderen verbunden zu fühlen, ist, ihnen zu dienen, anderen zu helfen. Und wer wirklich sein Leben dem Dienst anderer geweiht hat, hat das sicher schon gespürt diese Verbundenheit. Gut, manchmal fühlt man sich dann vielleicht auch ausgenutzt und manchmal fühlt man Undankbarkeit oder manchmal fühlt man die Ohnmacht, so viel Leid in dieser Welt, so wenig, was man tun kann. Aber gerade dann braucht man auch wieder Vedanta. Indem man erkennt, auch das Leiden der Welt dient einem Zweck, nämlich dem Zweck aufzuwachen, Erfahrungen zu machen, zu wachsen und wir können dort nur demütig sein, wir können das Leid mildern, was wir mildern können, wir können auch nur Diener sein in den Händen Gottes und wir können auch wissen, auch wenn jemand offensichtlich leidet, tief im Hintergrund bleibt er immer Satchidananda. Auch im größten Leiden bleibt Satchidananda. Das ist ein bisschen komplex, aber Vedanta und Karma Yoga gehören irgendwie zusammen. Karma Yoga bedarf entweder Jnana Yoga oder Bhakti Yoga. Karma Yoga allein lässt einen verzweifeln, sowohl vor der Unendlichkeit des Leidens, vor der Ohnmacht, das ausreichend zu ändern, wie auch der Undankbarkeit der Welt. Das können wir entweder als Diener tun oder wir können es aus dem Jnana Yoga heraus machen und so können wir wirklich dienen. Und Dienen heißt dann natürlich auch, wir müssen auch mal Rollen spielen. Z.B. eine Mutter muss auch mal das Kind schimpfen, muss auch mal so tun, als ob sie ärgerlich ist. Auch ein spiritueller Lehrer muss auch mal streng mit seinen Schülern sein. Je nach Temperament ist das vielleicht stärker, ist es vielleicht schwächer. Swami Vishnu-devananda und Swami Krishnananda haben vielleicht ihre Lektionen an ihren Schülern etwas burschikoser gesagt. Ein Swami Chidananda war da vielleicht etwas subtiler, aber Lektionen waren da. Auch ein Swami Sivananda konnte Menschen gegenüber auch streng sein. Er hat auch Menschen aus dem Ashram verwiesen, hat sie nach Hause geschickt, hat sie versetzt, hat ihnen gesagt, „So geht es nicht.“, hat irgendwo gesagt, „Du praktizierst wie ein Egoist, tu mal was Nützliches.“, also, all das hat er auch gesagt. Aber er hat es gesagt, während er mit ihnen gefühlt hat und gewusst hat, „Wir sind alle eins. Jetzt ist aber das Karmaspiel Lehrer-Schüler. Dort habe ich als Lehrer bestimmte Aufgaben und ich muss dort meinem Schüler bestimmte Lektionen dort sagen.“

Meister und Schüler – Guru und Chela

Frage: „Wenn Brahman das Bewusstsein aller Wesen ist, dann gibt es keinen Unterschied zwischen Guru und Chela, zwischen Guru und Schüler. Dann lehren doch letztlich die Meister sich selbst.“ Antwort: Ja, sie wirken durch sich selbst und sie lehren sich selbst, wenn wir jetzt vom Vedanta ausgehen

136. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Aufgestiegene Meister

Frage: „Kommen die aufgestiegenen Meister wieder?“ Da m üsstest du die fragen, die von den aufgestiegenen Meistern sprechen. Ich spreche nicht von aufgestiegenen Meistern, die wiederkommen. Also die Frage war, „Wie ist das mit der Reinkarnation, mit dem Karma.“ und eigentlich war es keine Frage, sie hat nur eine Feststellung gemacht und hat so mehr oder weniger… Solange wir uns identifizieren mit einer Einzelseele, dann kann der Körper ruhig sterben, dann gehen wir in die Astralwelt und wir inkarnieren uns wieder und wieder und wieder, bis wir irgendwann erkennen, „Aham Brahmasmi“ und bis dahin inkarnieren wir uns wieder und wieder. Wenn wir aber jetzt die Verwirklichung erreicht haben, dann inkarnieren wir uns ja nicht wieder. Dann ist die Frage, „Wie ist es dann mit den aufgestiegenen Meistern, von denen es heißt, dass sie wieder kommen?“ Da ist meine Antwort, kann ich nichts dazu sagen, müsste sie die fragen, die über aufgestiegene Meister sprechen. Im Yoga spricht man nicht über aufgestiegene Meister, die wiederkommen.

Der Atman, das wahre Ich, ist nicht der Handelnde

„Gib unverzüglich die fixe Idee auf, das Ich und der Täter zu sein. Diese, mit einem schwachen Widerschein der Seele verbundene Denkweise beraubt dich der Verwurzelung im Selbst. Aus der Verwechslung des begrenzten Ichs mit dem Selbst, widerfährt dir als Verkörperung des Glücks und des inneren Bewusstseins, die Seelenwanderung mit viel Leid, Geburt, Alter und Tod. (Sankaracharya im Viveka Chudamani „Kronjuwel der Unterscheidung“, Vers 305)

Vedanta und Christentum

Genauso wäre dann auch die Frage, was ist der Unterschied zwischen Christentum und Vedanta? Antwort, die Unterschiede innerhalb des Christentums sind erheblich größer, als die Unterschiede zwischen Vedanta und Christentum. Die Schwierigkeit, die man oft im Dialog mit Christen hat, ist, dass sie immer ihr Verständnis von Christentum als „das Christentum“ bezeichnen. Dann heißt es, „Wir Christen glauben an das.“, als ob alle Christen so glauben würden. Und auch hier gibt es https://wiki.yoga-vidya.de/Adwaita-Richtungen im Christentum. Sowie Johannes vom Kreuz, Theresa von Avila, Jakob Böhme, Swedenborg und Meister Eckard, da gibt es keinen Unterschied zur Vedanta. Natürlich, wenn man dann Karl Barth nimmt, da gibt es extreme Unterschiede zwischen der Philosophie oder der Theologie. Karl Bad gilt als einer der bedeutendsten protestantischen Theologen des 20. Jahrhunderts. Da gibt es erhebliche Unterschiede. Wenn man aber Jörg Zink nimmt, einen anderen großen evangelischen Theologen, da gibt es wiederum kaum einen Unterschied zum Vedanta. Deshalb, die Unterschiede sind eigentlich weniger zwischen Kulturen und großen spirituellen Systemen, sondern innerhalb einer Religion gibt es riesen Unterschiede. Und wenn wir in die – behaupte ich natürlich – Essenz aller Religionen hingehen, dann behaupten sie alle Ähnliches.

Buddhismus und Vedanta, Jnana Yoga

Frage: Was sind „Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Buddhismus und Vedanta bzw. Jnana Yoga?“ Gut, Gemeinsamkeiten sind ähnlich. Selbst und Nicht-Selbst, dann zwischen Wirklichen und Unwirklichen. Was gibt es für Unterschiede? Ich bin da kein guter, da zu fragen, denn ich habe immer mehr die Neigung die Gemeinsamkeiten zu sehen und weniger die Unterschiede. Und ich meine, die Unterschiede innerhalb des Buddhismus sind größer, als die Unterschiede zwischen Buddhismus und Vedanta. Im Buddhismus gibt es die verschiedensten Schulen. Fängt schon an von Theravada- und Mahayana-Tradition. Mahayana, die dann Gottesverehrung kennt. Theravada, die eigentlich sehr stark eine Mischung aus Raja Yoga und Jnana Yoga ist, wobei der Raja Yoga sehr stark betont ist. Dann gibt es im Buddhismus philosophische Richtungen, wie z.B. Nagarjuna als Lehrer und letztlich die Lehren von Nagarjuna sind sehr ähnlich wie von Sankaracharya. Manchmal wird so gesagt, im Vedanta sagen wir, es gibt ein Selbst und im Buddhismus gibt es die Lehre des Nicht-Selbst. Das heißt, es gibt gar kein Selbst. Aber diese Lehre wird ein bisschen überbetont, denn wenn man so ein bisschen die buddhistischen Texte und die Lehre anschaut, was meinen sie, es gibt kein Selbst? Das heißt, die Persönlichkeit und das Ego, das sind alles Illusionen. Und letztlich gibt es keine individuelle Person. Das ist mit dieser Lehre des Nicht-Selbst gemeint. Wenn man dann weiter hingeht, Buddha sagt gar nicht, ob es jetzt tatsächlich ein dauerndes Bewusstsein gibt oder nicht und dann gibt es eben einige dieser https://wiki.yoga-vidya.de/Adwaita-Traditionen im Buddhismus, die auch von einem höheren Selbst sprechen. Da ist es reines Bewusstsein, ist aber nicht individuell. Also da, für meine Begriffe, gibt es eigentlich zwischen den https://wiki.yoga-vidya.de/Adwaita-Buddhismus-Richtungen und Vedanta keinen Unterschied, nur unterschiedliche Worte. Es ist immer nur die Frage, was vergleicht man mit was?

Das Bewusstsein, die Seele, das Selbst ist jenseits allen Wandels

„Verschieden von der Natur und ihrem ständigen Wandel, dem Wesen nach reines Bewusstsein, die ganze sichtbare und unsichtbare Welt erhellend, unwandelbar stahlt die höchste Seele in den Zuständen des Wachens, des Träumens und des Tiefschlafs, das Ich des Ichs, der unmittelbare Zeuge des Gemüts oder der unmittelbare Beobachter des Gemüts. Erkenne mit beherrschtem Denken und reinem Herzen klar jenes Selbst, die Seele der Seele, als Das, was du wirklich bist.“ (Viveka Chudamani, Vers 135, geschrieben von Sankaracharya)
Auch noch mal wichtig, „Erkenne das Selbst, die Seele der Seele, als Das, was du wirklich bist.“ Ist auch ein Paradox. Ich erkenne jetzt die Seele. Ich erkenne das Selbst. Ich will das Selbst verwirklichen. Eigentlich ist das ein unkorrekter Ausdruck. So ähnlich, wie ich sagen würde, „Ja, jetzt setze ich mich auf die Bühne hin.“ Was muss ich machen, um jetzt auf der Bühne zu sitzen? Nichts, ich sitze auf der Bühne. Jetzt zu sagen, „Ich werde jetzt das Selbst erkennen.“ oder „Ich nehme es mir jetzt vor als großes Projekt, ich werde das Selbst erkennen. Ich werde das Selbst verwirklichen.“ Das macht eigentlich genauso viel Sinn, wie wenn ich jetzt sage, „Ich nehme jetzt das große Projekt auf mich, ich setze mich auf die Bühne hin.“ und noch mehr, „Und ich stelle zwei Mikrofone vor mich hin. Und ich fange an zu sprechen, einen Vortrag zu geben. Das nehme ich mir jetzt vor.“ Was muss ich machen, um jetzt zwei Mikrofone vor mir zu haben? Nichts, sie sind vor mir. Was muss ich machen, um einen Vortrag zu halten? Einfach weiterreden. Was muss ich machen, um mein Selbst zu verwirklichen? Nichts. Einfach das sein, was ich jetzt schon bin. Daher, zu sagen, „Ich muss jetzt mein Selbst erkennen.“, das ist irgendwo inkorrekt und dennoch ist es eine nützliche Arbeitshypothese. Auf eine gewisse Weise ist das auch so wie das Beispiel von dem Schusterjungen. Manche kennen die Geschichte, ich werde sie jetzt sehr verkürzt darstellen. Ihr könnt die auch ausführlicher nachlesen in dem Buch „Yogageschichten“. Ein sehr reicher Mann hatte ein Kind. Das Kind ist entführt worden. Ein Lösegeld ist zwar bezahlt worden, aber dennoch, das Kind ist nicht zurückgegeben worden und stattdessen von Nordindien nach Südindien geschleppt worden. Dort ist das Kind aufgewachsen und es dachte, es wäre ein Schusterjunge. Es hatte aber ein Medaillon dabeigehabt und dann kommt  irgendwann ein Reisender und sagt, „Du bist kein Schusterjunge, sondern du bist der Sohn des reichsten Menschen von Nordindien. Du bist damit – weil Nordindien damals reicher war als Südindien – der reichste Mensch deiner Zeit.“ Was nutzt ihm das in diesem Moment? Und angenommen, der kann den auch davon überzeugen. Nehmen wir jetzt an, es war vor der Erfindung von Wire Transfer, also Onlineüberweisung, nehmen wir an, es war vor zweitausend Jahren, wo das Ganze passiert ist und wo es noch nicht mal so gute Straßen zwischen Nord- und Südindien gab. Aber angenommen, er kann ihn überzeugen, da ist das Medaillon, da sind die Muttermale. Nehmen wir an, er hat sogar ein Gemälde von ihm als Baby, weil der war reich und nehmen wir an – es war zwar in Indien nicht so, aber nehmen wir an, es wäre so gewesen – die reichen Inder lassen ihre Babys auch malen. Er zeigt ihm also ein Bild. Er sieht genau die Muttermale an genau der gleichen Stelle. Er sieht, dass irgendwie die Schädelform doch irgendwo damit einhergeht. Er zeigt ihm ein Bild von seinem Vater, der auch gemalt wurde und er ist ihm wie aus dem Gesicht geschnitten und außerdem, noch dazu, zeigt er ihm Geburtsurkunde und Medaillon stimmt auch. Jetzt weiß er, „Ich bin reich.“ Was hat er davon? Nichts und doch alles. Er weiß, „Ich muss jetzt nicht als armer Schuster weiter mein Dasein fristen. Ich bin reich, andererseits kann ich mir davon noch nichts kaufen.“ Denn es nutzt nichts, wenn er selbst davon überzeugt ist und selbst wenn er andere davon überzeugt, nutzt es nichts. Die werden ihm trotzdem nichts geben, weil die wissen ja nicht, ob jetzt dieser Mann, dessen Vater dreitausend Kilometer nördlich lebt, ob der jetzt irgendwie was dafür bezahlt. Außerdem, wer weiß, ob ein Bote ankommen würde. Also, selbst wenn er das seinen Freunden sagt und vielleicht feiern die es sogar, die werden ihm deshalb keinen Kredit einräumen und der örtliche Kaufmann auch nicht. Er kann nichts sich davon kaufen. Dennoch, in dem Moment, wo er weiß, „Ich bin es.“, weiß er auch, „Und jetzt muss ich es nur umsetzen, ich muss es verwirklichen.“ Wie verwirklicht er es? Er muss dort hin gehen. Er muss sich auf den Weg machen. Und dummerweise, auf dem Weg dorthin, muss er auch essen und er muss trinken und er muss irgendwo seinen Körper hinlegen. Also, er kann auch nicht schnurstracks nach oben gehen. Als armer Schusterjunge muss er zwischendurch Gelegenheitsarbeiten annehmen, muss sein Geld verdienen, weiter gehen und er muss irgendwo betteln und das dauert dann seine Zeit. Aber er weiß, irgendwann wird er ankommen und dann braucht er sich keine finanziellen Sorgen mehr zu machen. Deshalb wird er vielleicht die ganzen Mühen auch gerne auf sich nehmen. Es ist was anderes, als wenn er irgendwo nicht weiß, wie er sein Geld verdienen soll und deshalb bettelt oder ob er weiß, „Ich bin sehr reich und ich muss nur hinkommen.“ und bettelt deshalb. Es ist etwas Unterschiedliches.

Das Selbst, die Seele, das Bewusstsein überlebt den Tod

„Auch wenn sich der Körper auflöst, löst Er sich nicht auf. Genau so wenig wie der Raum zerbricht, wenn der Topf oder das Glas zerbricht.“ (Viveka Chudamani von Sankara)
Angenommen, ich lasse jetzt das Glas fallen, dann bleibt immer noch alles gleich. Ein weiteres Beispiel, wofür man das Topfbeispiel auch verwendet, klappt jetzt hier mit diesen Töpfen nicht ganz so, ist auch letztlich das Beispiel „Ton und Topf„. Wir können zum einen das Glas nehmen als Raum innen und außen, aber eine andere Analogie ist auch, wir können auch sagen, Brahman ist wie Ton, und die Formen, die wir haben, sind wie ein Topf. Nehmen wir auch das Beispiel „Glas“. Ich habe jetzt hier ein Glas. Wer von euch hat noch irgendwas aus Glas? Eine Brille aus Glas. Mindestens das habe ich. Also, hier habe ich ein Glas. Hat jemand ein anderes Glas, als das hier? Haben alle ähnliche Gläser. Aber du kannst mir mal so ein Glas geben. Jetzt haben wir hier zwei Gläser. Was ist gleich und was ist unterschiedlich zwischen den Gläsern? Gleich ist, sie sind aus dem gleichen Material. Glas besteht ja aus irgendeiner Form von Siliziumdioxid. Also, nehmen wir an, besteht zum größten Teil aus Siliziumdioxid. Also, was ist hier gleich? Siliziumdioxid. Was ist unterschiedlich? Die Form, in die es gegossen ist. Es ist zwar sehr ähnlich, aber es ist doch nicht genau gleich. Wenn ich da so von unten dort drüber fahre mit der Hand, fühlt sich so leicht unterschiedlich an. Und das rechte Glas ist etwas durchsichtiger als das linke. Jetzt können die beiden sich streiten und können sagen, „Ich bin das bessere Glas, denn ich bin klarer, ich bin reiner.“ Und er sagt, „Warum kann ich nicht genauso rein sein wie der andere. Das ist ungerecht. Der andere ist reiner als ich und ich bin dreckiger.“ Oder vielleicht sagt er, „Ich habe etwas mehr Persönlichkeit. Ich bin nicht einfach nur durchlässig, ich habe auch etwas.“ Und dann sagt der eine, „Ich bin durchsichtiger und ich habe bessere Persönlichkeit.“ Wer ist besser? Und dann lasse ich dieses fallen. Und dann, was passiert mit dem Siliziumdioxid, wenn ich das fallen lasse? Es ist genauso Siliziumdioxid wie vorher. Und wenn ich dann das Siliziumdioxid wieder einschmelze und daraus dann einen Glashammer mache. Was ist mit dem Siliziumdioxid passiert? Nichts, es bleibt weiter Siliziumdioxid. Es nimmt nur verschiedene Formen an. Und angenommen, ich mache jetzt daraus zwei Gläser? Dann habe ich zwei Upadhis, aber es bleibt immer noch Siliziumdioxid. Und so müssen wir sehen, eigentlich um die Analogie von Brahman und Körpern zu verstehen, braucht man beide Analogien. Die eine Analogie, Brahman manifestiert sich als die verschiedenen Formen im Universum und zum anderen aber auch, Brahman ist das reflektierte Licht hinter allen Formen. Die Formen mögen sich verändern, Brahman bleibt gleich. Aber je nach Form, die Brahman annimmt und durch die dann Brahman gespiegelt wird, scheint es dann auch noch mal unterschiedliche Bewusstseine zu geben, obgleich es nur ein einziges Bewusstsein gibt.
119. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Das Selbst ist ewig, unveränderlich, allumfassend

Das Selbst ist ewig, unveränderlich, allumfassend

„Er wird nicht geboren, er stirbt nicht, er wächst nicht, er schwindet nicht, er ändert sich nicht, er ist ewig. Auch wenn sich der Körper auflöst, löst er sich nicht auf. Genauso wenig, wie sich der Raum auflöst, wenn der Topf zerbricht.“ (Viveka Chudamani von Sankaracharya)
Das ist auch so eine Analogie. Analogie zwischen Raum und Gefäß. Jetzt könnt ihr mal gucken. Hier habt ihr ein Glas. Innerhalb des Glases ist Raum und außerhalb des Glases ist Raum. Jetzt könnt ihr mal gucken. Was passiert jetzt mit dem Raum? Was ist mit dem Raum passiert innerhalb vom Glas? Nichts. Mal tut man in den Raum Wasser rein, mal tut man das Wasser raus, an dem Raum ändert sich nichts. Jetzt passt mal auf. Jetzt ist da Raum drin. Beobachtet den Raum genau! I got him. Jetzt habe ich den Raum da drin und jetzt bewege ich den Raum von hier nach dort. Richtig? Und jetzt stelle ich den Raum auf den Kopf. Jetzt stelle ich ihn seitlich. Habe ich wirklich den Raum bewegt? Was habe ich bewegt? Das Glas. Das Glas bewege ich im Raum. Der Raum ist überall. Ich stelle den Raum nicht auf den Kopf, sondern Raum ist überall. Der Raum innerhalb des Glases und der Raum außerhalb des Glases ist alles identisch. Oder jetzt seht ihr einen Körper hier. Ich bin jetzt hier. Und jetzt bin ich da. Und jetzt passt noch mal auf. Jetzt bin ich wieder hier. Richtig? Nein. Ich bin überall. Nur dieser Körper hat sich von hier nach dort bewegt. Das eigentliche Ich hat sich nirgendwo hinbewegt. Heißt, nichts passiert. Das ist so ähnlich auch, manche können vielleicht sehen, da reflektiert sich etwas. Seht ihr das? Könnt ihr hier die Reflexion wahrnehmen? Und jetzt mache ich so. Ändert sich bei der Reflexion nichts. Ich muss jetzt so rum machen. Merkt ihr etwas? Die Reflexion ändert sich. Aber ändert sich dieses Licht? Und angenommen, jetzt nehme ich statt dem hier, nehme ich jetzt diesen Hammer. Da gibt es auch eine Reflexion. Sehr ihr die? Ist die anders oder gleich wie hier? Irgendwie sieht sie anders aus. Und jetzt wandert die Reflexion auch. Irgendwo vor kurzem hatten wir so ein interessantes Phänomen. Dort hatten wir den Swami MuktAnanda drüben im Saraswati raum und da gab es so eine Stehlampe und in der hat sich irgendwie die Abendsonne so reflektiert, dass um ihn herum ein Heiligenschein entstanden ist. Auf manchen Fotos sieht das dann ganz lustig aus. Es ist eine Reflexion und die manifestiert sich dann als Heiligenschein von einer bestimmten Perspektive aus. Daran könnt ihr sehen, gleiche Lampe, unterschiedliche Reflexion, kann sogar von hier nach dort hinwandern. Genauso auch wie der Mond, ist ein anderes Beispiel. Der Mond ist mal voller und mal leerer, mal ist er halb, mal ist er mondsichelförmig, er scheint sogar manchmal größer und manchmal kleiner, das hängt irgendwie mit der Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre zusammen, vielleicht auch von der Entfernung des Mondes zur Erde. Weder wird der Mond größer, noch kleiner, noch verändert sich das Licht der Sonne, es ist nur die Reflexion, die sich ändert. Und mal ist der Mond hier, mal sieht es aus, als ob er dort ist. Gut, der Mond bewegt sich jetzt auch, aber eigentlich, dass der Mond auf der einen Seite aufgeht und auf der anderen untergeht und vermutlich auch im Osten aufgeht und im Westen untergeht, das hängt mit der Bewegung der Erde zusammen. Und so ähnlich auch, die Reflexion des Bewusstseins hängt von den Upadhis ab. Das Bewusstsein selbst bewegt sich nicht, es ändert sich nicht. Dieser Körper hier mag sich verändern. Dieser Körper hier wächst und – was hat er dort gesagt – wird irgendwann geboren und irgendwann stirbt er. Dieser Körper wächst irgendwann, er schwindet irgendwann. Also hier „schwinden“, ist jetzt nicht gemeint, dass er stirbt oder sich auflöst, sondern irgendwo, er schwindet im Sinne von, Zähne schwinden, Augenlicht schwindet, Hörkraft schwindet, Hirnfähigkeiten schwinden, Hautfett schwindet, eine Weile, Bauchfett steigt, irgendwann schwindet es. Vor kurzem war ich in der Kirche gewesen, da war die so genannte Jubelkonfirmation. Das heißt, da ist die eiserne, die diamantene und noch eine andere Konfirmation. Also 60ste, 65ste und 70ste Konfirmation. 60ste Konfirmation, da waren eine ganze Menge. Die 65ste, das waren nur halb so viel. Und bei der 70sten Konfirmation war dort nur ein Ehepaar. Die 60ste Konfirmation, da hatten relativ viele Übergewicht. Bei der 65sten hatten kaum noch Leute Übergewicht. Und bei der 70ste Konfirmation waren alle sehr schlank. Vielleicht sterben die Dickeren früher oder im Alter nimmt man doch wieder an Gewicht ab. Das fand ich ganz interessant, zu sehen. Also, Körper ändern sich. Körper schwinden irgendwann. Auch die Anzahl von Körpern schwindet. Oder als wir hier ins Haus eingezogen sind, gab es 16 Senioren, die hier noch gewohnt haben, weil sie irgendwie 1998 bis 2000 hier eingezogen sind, um ihren Lebensabend zu verbringen. Jetzt haben wir noch zwei Senioren. Sie sind nicht ausgezogen, weil es ihnen nicht gefallen hat, sondern sie sind alle gestorben.

Meditiere über das Höchste Selbst, den Atman, die Seele

Ich möchte heute Morgen einige Verse aus dem Viveka-Chudamani lesen und ihr könnt diese Verse in ihrer starken Kraft auf euch wirken lassen. Es sind Verse, geschrieben von einem Meister, der in diesem Bewusstsein der Unendlichkeit tatsächlich gelebt hat. Für den das nicht eine Philosophie war, sondern lebendige Erfahrung. Das ist immer wichtig, dass wir uns das auch vergegenwärtigen. Wenn wir über den unendlichen Brahman sprechen, das ist nicht irgendein Konzept der Philosophie, sondern es ist lebendige Erfahrung. Wenn wir über Atman sprechen und das höchste Selbst und die wahre Natur, ist das nicht irgendetwas, was sich mal jemand ausgedacht hat und was in der Tradition überliefert wird und wir überlegen, „Was sagt uns das heute?“, sondern es ist etwas, das große Meister jederzeit, also auch in unserem Zeitalter, erfahren haben und uns sagen, das zu erfahren und dort hinzukommen, das ist das Erstrebenswerteste, was es gibt. Im Grunde genommen, alle Bestrebungen des Menschen sind nur Wege dorthin oder es sind Pervertierungen dieses höchsten Ziels oder es sind Umwege, um zu diesem höchsten Ziel zu kommen. Bewusst oder unbewusst strebt jeder Mensch danach. Und deshalb auch, wenn man diese hohen Aussagen auf sich wirken lässt, auf der einen Seite könnte man sagen, sie sprechen aus einem Bewusstseinszustand heraus, den wir noch nie erfahren haben. Das ist so auch eine gewisse Schwierigkeit. Angenommen, man spricht zu einem Acht- oder Neunjährigem über Verliebtheitsgefühl, der kann damit nichts anfangen, er hat so was noch nicht gehabt. Deshalb kann man auch sagen, angenommen, ein Meister spricht zu uns über die höchste Verwirklichung, dann können wir auch sagen, sagt uns auch nichts, wir haben so etwas noch nicht gehabt. Aber das ist nur eine Seite. Denn auf der anderen Seite haben wir es doch gehabt und auf der anderen Seite ist das das Bewusstsein, was in uns angelegt ist. Es ist das, was tatsächlich wichtig ist.
Und ich lese jetzt einige dieser Verse.
Vers 129, auch wenn es zunächst noch mal eine Wiederholung von gestern ist.
„Durch dessen bloße Gegenwart der grobstoffliche Körper, die Sinne, das Denken und die Intuition in ihren Bereichen wie gelenkt arbeiten. Der ewig Erleuchtete, durch den alle Dinge, vom Ichgefühl bis zum grobstofflichen Körper, die Sinnesobjekte und die Gefühle, wie Wohlbefinden, wie ein Gegenstand, z.B. ein Krug, klar wahrgenommen werden.“
Vers 131
„Das ist das innerste Selbst, die höchste Seele, der uranfängliche Geist, der immerwährende, ungeteilte Freude genießt, der Ewige, Unveränderliche, das reine Bewusstsein, wodurch die Sprache und die Lebenskräfte belebt werden und tätig sind.“