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Hatha Yoga, Kundalini Yoga und Vedanta

Bleibt noch Hatha und Kundalini Yoga. Natürlich, Hatha Yoga kann man auch sagen, Körper ist irgendwo gut, wenn der halbwegs gesund und ein bisschen entspannt ist, dann hat man irgendwo mehr Zeit, um die Selbstverwirklichung zu erreichen. Jetzt haben wir einen physischen Körper und wir haben irgendwo ein menschenwürdiges Dasein, wo wir uns keine Gedanken machen müssen, ob wir morgen noch leben. Wir leben in einer spirituellen Tradition, wir haben einen Meister. Es könnte doch nichts Besseres geben, als in diesem Leben ein bisschen länger zu bleiben, wer weiß, wie es im nächsten Leben ist. Also besser, wir gehen sorgsam mit dem Körper um, dass wir noch in diesem Leben uns verwirklichen. Und auch, wenn es jetzt nach verschiedenen empirischen Studien nur irgendwas zwischen 6 und 12 Jahren ist, was man mittels Yogapraxis in seinen verschiedenen Aspekten an gesunden Jahren seinem Leben hinzufügen kann, sind es 6 bis 12 Jahre. Das ist doch schon mal etwas. Wenn man bedenkt, normalerweise Durchschnittslebenserwartung ist 80. Die ersten 18 Jahre ist man irgendwo Kind und Jugendlicher. Gut, es gibt solche, die kommen früher auf den Weg, manche etwas später. Dann verschläft man die Hälfte des Lebens. Dann ist man so viel beschäftigt mit Essen und Trinken und Broterwerb und dann hat man noch die und die Krankheiten und dann macht man noch all diese komischen Reisen und irgendwann wird man vielleicht auch zum Pflegefall und wenn man dann das Ganze zusammenrechnet, wie viele Minuten haben wir tatsächlich, um nach dem Höchsten bewusst zu streben. Und dann könnte man sagen, die zusätzlichen 6 bis 12 Jahre könnten sogar in einer Inkarnation die Minutenzahl, in denen wir wirklich ernsthaft nach dem Höchsten streben, verdoppeln und dann ist das nicht mehr nur noch unser Leben um zehn Prozent verlängern, sondern die Chancen zur Verwirklichung zu verdoppeln. Aber Hatha Yoga, auch als Aspekt vom Kundalini Yoga, dient ja eben nicht hauptsächlich um gesünder zu sein und länger zu leben, es dient hauptsächlich um das Prana in die höheren Chakras zu bringen. Ist das Prana in den höheren Chakras, dann fällt es leichter, zu überlegen und zu fragen, „Wer bin ich?“, dann fällt es leichter, zu spüren, „Satchidananda Swarupoham“. Am Ende von einer Yogastunde, wenn das Prana ausgedehnt ist und weit ist und wenn man überlegt, „Wer bin ich?“, ist es leichter zu sagen, „Aham Brahmasmi“, als am Ende von einer Disco oder irgendwas anderem. Also, Hatha, Kundalini Yoga hebt die Schwingungsebene, sodass der Geist klarer wird und aus diesem Grund hat ja Sankaracharya auch ein Werk über Pranayama geschrieben und an einigen Stellen im Viveka-Chudamani schreibt er darüber. Er schreibt eben zum einen, Pranayama hilft, den Geist zur Harmonie zu bringen und zu erheben, dass er für das Studium von Vedanta geeignet erscheint, dann sagt er aber auch, allein durch egal wie viel Pranayamas, wird die Selbstverwirklichung nicht erreicht. Letztlich muss man sich immer wieder fragen, „Wer bin ich? Was ist wirklich?“ und zur Erkenntnis kommen, „Aham Brahmasmi. Ayam Atman Brahman. Prajnanam Brahman. Satchidananda Swarupoham.“

Identifiziere dich nicht mit deinem Prana, der Lebensenergie

Wer bin ich? Bin ich mein Prana? Nein, ich bin nicht mein Prana. Auch wenn viele Menschen, gerade die Hatha Yoga und Kundalini Yoga üben, sich stark darüber definieren. „Ah, dieses Gefühl in den Fingern und dieses Strahlen und diese Weite im Herzen und die Lichter, die ich sehe vor meinem dritten Auge. Oder diese unglaubliche Schwingung, die ich dort überall wahrnehme, wenn ich Kapalabhati übe oder einfach nur die Augen schließe und so diese Energie fühle.“ Und dann kommt vielleicht mal eine Krankheit oder irgendwo eine Notwendigkeit, mehr Seva zu üben. Oder manchmal, auch ohne irgendwas zu ändern, plötzlich ist diese ekstatische Erfahrung weg. Wer bin ich? Immer noch ich. Ich bin nicht das Prana.

Vedanta Analyse: Bin ich der Körper?

Wir gehen aber jetzt weiter. Ich habe jetzt sehr lange Zeit mit äußeren Dingen, mit denen man sich identifiziert, verbracht und diese Prinzipien können wir dann relativ einfach auch verwenden für anderes. Nämlich die Frage, „Bin ich meine Hand?“ Antwort, „Nein, ich bin nicht meine Hand. Ich kann meine Hand sehen. Ich kann sie riechen. Ich kann sie schmecken. Ich kann sie hören.“ Es gibt den Zen-Koan, das wäre das Klatschen einer Hand. Also, ich kann darüber nachdenken, aber ich bin nicht die Hand. Angenommen, ich würde die Hand bei einem Unfall verlieren, wer bin ich? Immer noch ich. Angenommen, ich würde sagen, „Ich mag meine Hand nicht. Narendras Hand mag ich lieber.“ Dann sagt Narendra, „Das trifft sich gut, ich hätte auch mal gerne eine andere Hand.“ Und angenommen, irgendjemand würde uns dann viel Geld geben, müssten wir in irgendein anderes Land fahren, die würden die Hände ändern. Wer bin ich jetzt? Niemand anderes. Ich bin immer noch ich. Angenommen, ich hätte ein Herzproblem und bekäme dann ein Affenherz, wer wäre ich? Immer noch ich. Es gibt bestimmte Studien, die zeigen, dass durchaus, nachdem man eine Herztransplantation hatte, dass man irgendwie emotional und die Persönlichkeit anders ist als vorher. Manche sagen sogar, der Charakter ändert sich in die Richtung, wie der, dessen Herz man hat. Wird manchmal bezweifelt. Manchmal wird gesagt, so eine leicht signifikante Sache könnte dort sein, man überlegt, warum, aber das Ich ist weiter gleich. Mit Narendras Hand, mit einem Affenherz, mit einer Schweineleber, einer Ziegenniere, mit Bluttransfusionen von drei anderen Menschen, wer bin ich? Immer noch ich. Ich werde vielleicht sagen, „Früher war ich anders, aber jetzt bin ich so.“ Angenommen ich denke, ich war jetzt schon die Hälfte meines Lebens Mann, wäre doch mal schön, das Leben als Frau zu erfahren. Ein paar Hormone, ein paar Operationen, dann bin ich nicht mehr Sukadev, sondern Sukadevi, werde dann vielleicht ein paar Locken dort gedreht haben, etwas andere Kleidung, wer bin ich? Immer noch ich. Ich werde mich vielleicht anders fühlen und anders reagieren, aber ich werde immer noch ich sein. All das kann sich verändern. Und Narayani hat auch ein paar Fotos mitgebracht, wie man das halt so macht, wenn man sich einmal im Jahr sieht. Dann hat sie auch Bilder von vor 25 Jahren gezeigt und da sage ich dann, „Ah, da bin ich.“ Sie hat sogar Fotos gezeigt von vor 30 Jahren, sie und Swami Vishnu. Da habe ich erst geguckt, „Und das bist du?“ Was heißt das, dass ich sage, „Das bist du.“ Das ist ein Stück Papier, „Das bist du.“ Inzwischen hat sie mehr weiße als graue Haare, damals hatte sie nur dunkelbraune Haare, damals hat sie noch ein paar Kilo weniger gehabt, obgleich sie ja weiter schlank ist. Was ist gleich geblieben? Letztlich, „ich“ bleibt weiter gleich. Das Bewusstsein bleibt gleich. Gehen wir noch weiter. Bin ich mein Prana? Viele Menschen definieren sich über ihr Prana. Oder vielleicht noch mal beim Körper. Angenommen, man definiert sich sehr stark über seinen Körper, z.B. die wunderbar glatte Haut. Was passiert im Alter? Irgendwann ist sie nicht mehr so wunderbar glatt. Man kann dann zwar noch ein bisschen Botox spritzen und die ein oder andere Creme, aber irgendwann klappt das auch nicht mehr. Oder angenommen, man definiert sich über seine wunderschönen blonden Haare, irgendwann sind die weiß. Man kann sie zwar blond färben, aber irgendwo ist es nicht das Gleiche. Oder man definiert sich über seine Sportlichkeit, dass man Marathon laufen kann. Irgendwann ist das auch vorbei. Oder es gibt einen kleinen Unfall. Oder man hat nicht mehr genügend Zeit, kann ja auch mal passieren. Man kann nicht mehr jeden Tag zwei Stunden laufen. Also, wenn man sich darüber definiert, dann wird man immer irgendwann unglücklich. Alles, was mit dem Körper zusammenhängt, ist in Veränderung begriffen oder könnte sich verändern. Manche Eigenschaften bleiben vielleicht bis zum Ende und manchmal stirbt man vielleicht, ohne vorher krank zu sein. Man kann auch einen Unfalltod oder plötzlichen Herztod sterben, aber die Möglichkeit ist immer da. Nicht identifizieren, als Instrument sehen und nutzen als Gabe Gottes, temporäre Leihgabe Gottes und wissen, „Was auch immer wir dort haben, das bin ich nicht wirklich.“

Erlebte, erfahrene Unterscheidungskraft als Vedanta Mittel

Man würde sagen, es ist eine erfahrene und erlebte Unterscheidung. Also einfach nur, intellektuell das zu erkennen, reicht ja nicht aus. Das wäre sehr einfach. Ich kann sehr wohl unterscheiden, aber dennoch im nächsten Moment vergisst man all das. Swami Sivananda würde manchmal sagen, die machen intellektuelle Gymnastik und sich selbst und anderen machen sie etwas vor. Aber es ist tatsächlich, eigentlich der Jnana-Yoga-Weg in Reinstform wäre, man fragt sich, „Bin ich das? Bin ich das nicht?“ Ramana Maharishi hat ja diesen reinen Jnana-Yoga-Weg gelehrt. Wenn da jemand mit Liebeskummer zu ihm hingegangen ist, hat er ihm gesagt, „Frage dich, wer hat Liebeskummer? Bist du der Liebeskummer? Bist du die Emotionen? Frage dich, wer bin ich? Wer ist es, der sich des Liebeskummers bewusst ist? Wer ist derjenige, der sich dieser Emotionen bewusst ist? Wer ist derjenige, der zu mir hinkommt und jetzt Hilfe für den Liebeskummer braucht?“ Oder wenn jemand zu ihm hingegangen ist und gefragt hat, „Meister, ich habe Krebs. Was soll ich tun?“ „Frage dich, wer ist es, der Krebs hat? Überlege, was hat überhaupt Krebs, du oder dein Körper? Und dann frage dich, wer ist es, der denkt, dass er Krebs hätte? Wer ist es, der denkt, dass er der Körper ist, der Krebs hat?“ Das ist der Jnana-Yoga-Weg und indem man sich das immer wieder fragt, wird es irgendwann nicht nur intellektuell. Und dadurch, dass es dann nicht mehr nur intellektuell ist, plötzlich kann man tatsächlich sich davon lösen. Und immer weniger identifiziert man sich dann mit seinen Emotionen, immer mehr kommt man zu dieser Unterscheidung. Vielleicht auch noch eines. Der ganzheitliche Yogi bemüht sich ja, den Körper gesund zu halten. Aber dann gibt es Menschen, die dann, wenn jemand krank ist denken, Yoga funktioniert nicht. Und dann hat man wieder ein Problem. Die Aufgabe des Yogas ist nicht, den Körper ewig leben zu lassen. Die Aufgabe ist, mit Yoga sorgen wir dafür, dass der Körper länger gesund ist und einen weniger von der Meditation abhält und einen irgendwie ein bisschen wohler fühlen lässt. Aber jetzt zu probieren, den Körper ewig leben zu lassen, ist unsinnig. Oder Yoga hilft einen, mehr Prana zu haben. Aber wir werden trotzdem nicht immer soviel Prana haben, wie wir wollen. Yoga hilft uns, dass wir uns irgendwie wohler fühlen. Aber wenn es uns jetzt ständig darum geht, „Wie kann ich mich wohl fühlen lassen?“ kommen wir nie zu dem, worum es eigentlich geht. So ähnlich wie, es ist gut, sich um sein Fahrrad zu kümmern, dann braucht man nicht ständig die Reifen zu wechseln und dann braucht man nicht ein neues Fahrrad auszusuchen. Also, wenn man sich vorbeugend um die Gesundheit des Fahrrads kümmert, hat man längere Zeit, dann kriegt man nicht irgendwann, 70 Kilometer vom Ashram weg, platzt der Reifen und man weiß jetzt nicht, wie kommt man zurück. Also, wenn man vorher immer darauf aufgepasst hat. Aber jetzt zu probieren, das Fahrrad dauerhaft leben zu lassen – vielleicht mit dem Fahrrad geht es sogar noch, man kann ja die Teile leichter austauschen als bei diesem Körper, aber es wäre ein unsinniges Bemühen.

Wahrheit wird erlangt durch intensives Nachdenken

„Sicherheit in Bezug auf Wahrheit erlangt man durch intensives Nachdenken und aus den Lehren des Meisters, nicht durch Baden in heiligen Wassern, nicht durch Almosen geben und nicht durch Hunderte von Pranayamas.“ (Viveka Chudamani von Sankaracharya Vers 13)
Also hier der Jnana-Yoga-Ansatz, der Ansatz, der sagt, wir kommen zur höchsten Wahrheit durch intensives Nachdenken, Analyse, eben durch Viveka. Es ist ja Viveka-Chudamani der Text. Und nicht irgendwie nachdenken, sondern wir lesen die Schriften und wir hören die Interpretationen eines Meisters, wir denken darüber nach und es wird mehr als zu einer intellektuellen Beschäftigung, es kommt zu einer tiefen Verwirklichung. Und nicht durch Rituale allein. Gut, Baden in heiligen Flüssen, ich vermute, das ist jetzt weniger das, was ihr typischerweise macht. Wir haben zwar hier nebendran die Werre und letztlich Ricky, das ist der Hund von mir, der versucht da auch öfters drin zu baden, meistens kommt er sehr schlammig dann raus, aber damit hat er bisher noch nicht die Selbstverwirklichung erreicht. Und selbst diejenigen, die nach Rishikesh fahren und dann im Ganges ihr Bad nehmen, auch dadurch wird man nicht selbstverwirklicht. Oder ich habe einen Bruder, der ist um den Berg Kailash herumgegangen. Er sagt, das war sicher seine intensivste Kopfweherfahrung und zwischendurch gab es auch sehr erhabene Momente, aber es würde nicht auf die Idee kommen, es nochmals zu machen und die Wahrheit ist ihm dort auch nicht sehr viel näher gekommen. Aber es ist natürlich eine Grenzerfahrung. Eine Grenzerfahrung kann einen manchmal aus seinem Normalen herausbringen und dann kann man überlegen, „Wer bin ich?“ Ebenso natürlich Asana, Pranayama, Pujas, Homas, Mantrasingen, Kirtan und all das, ist nicht etwas, was an sich einen zur Verwirklichung bringt. All das bereitet einen vor. Vom Kundalini-Yoga-Standpunkt würde man sagen, es hebt das Prana in die höheren Chakras. Ist das Prana in den höheren Chakras, dann fällt es leichter, zu fragen, „Wer bin ich?“ Ihr wisst alle, wenn ihr eine Weile weniger geübt habt – ich weiß nicht, ob ihr es alle wisst, vielleicht der ein oder andere von euch hat noch nie weniger geübt, sondern immer mindestens viel – aber jetzt für die unter euch, die vielleicht nicht regelmäßig zwei, drei Stunden täglich üben, sondern vielleicht ab und zu mal weniger, wissen, wenn man weniger übt, sinkt das Prana, die Lebensenergie und dann fällt es auch schwerer, erhabener zu denken. Dann plötzlich scheint das alles so weit weg, „Wer bin ich? Ich muss mich jetzt um Beruf kümmern. Ich muss mich um meinen Freund kümmern. Ich muss mich vielleicht darum kümmern, dass ich überhaupt noch einen Freund habe oder wieder einen bekomme.“ All das ist natürlich wichtig, aber es kann sein, dass das nur noch wichtig ist. Wenn das Prana erhöht ist, dann fällt es leichter, die Frage zu stellen, „Wer bin ich?“ Das ist eben auch wichtig, dass wir das so verstehen. Swami Vishnu-devananda hat gerne fortgeschritteneren Aspiranten gesagt, „Verwechselt nicht Mittel und Zweck.“ Zweck ist die Erfahrung des höchsten Selbst. Mittel ist Asana, Pranayama usw.

Swami Vishnu-devananda und seine Schüler

Ich habe ja Swami Vishnu-devananda selbst gekannt und ich habe mit vielen Menschen gesprochen, die dort in den Ashram gekommen sind. Verschiedene Menschen haben verschiedenes gesehen. Die einen haben gesehen: Da ist so ein Inder mit dunkler Hautfarbe, übergewichtig und haben dann gefragt, warum ist ein Yogalehrer übergewichtig? Das war ihre wichtigste Frage. Weiter als bis dahin sind sie gar nicht gekommen. Dann gab es Andere, die haben ihn gesehen als jemanden, der so ein überschäumendes Temperament hatte, dessen Freude ansteckend sein konnte, der aber auch, wenn Schüler nachlässig waren, auch mal schimpfen konnte. Diese Menschen haben dann nur dieses gesehen und fanden das entweder gut oder dachten, wie kann es sein, dass ein Meister auch mal lauter wird. Andere wiederum haben gesehen, dass von Swami Vishnu-devananda ein unglaubliches Prana ausgeht, wenn man in seiner Nähe ist, wenn man sich auf ihn eingestimmt hatte, man brauchte einfach nur vor ihm zu sein. Wenn man dann vor ihm saß – es gibt jetzt keine Prana-Einheit – aber nehmen wir mal an, der Prana-Level, den man subjektiv empfinden kann, ist zwischen null und hundert und man hatte vorher einen Prana-Level von fünf, also ziemlich ausgelaugt. Dann brauchte man sich bloß vor ihn hinzusetzen und ihn anzuschauen und sich zu öffnen, dann war der Prana-Level innerhalb von einer halben Stunde auf 50-60 gestiegen. Es bedurfte aber eines Einstimmens darauf. Aber es funktionierte auch anders. Ich habe es so oft erlebt, wenn er mit dem Taxi irgendwo hingefahren wurde und der Taxifahrer am Anfang grummelnd und schlechter Laune war, hat Swami Vishnu-devananda ein paar Worte mit ihm gesprochen, manchmal auch nicht, aber es war interessant: wenn sie Swami Vishnu-devananda aus dem Taxi rausgelassen haben, hat ihr Gesicht gestrahlt und sie waren irgendwie glücklich. Sogar auch, wenn er gar kein Wort gesprochen hat, hat seine Energie ausgestrahlt. So gab es Menschen, die das Prana von Swami Vishnu-devananda gesehen haben. Er war einfach ein Kraftwerk, dem die Energie nie ausgeht. Ich habe bis heute keinen Menschen getroffen, der annähernd eine solche Energieausstrahlung hatte wie Swami Vishnu-devananda und ich kenne durchaus eine Reihe von großen Yogameistern. Natürlich ist das subjektiv geprägt. Ich hatte mich ja besonders auf Swami Vishnu-devananda eingestimmt. Vermutlich wird es andere Schüler geben, die das genauso von ihrem Meister behaupten. Aber ich behaupte trotzdem, Swami Vishnu-devananda war dieses unglaubliche Pranahaus, das er ausgestrahlt hat und ich möchte sogar sagen, er strahlt es bis heute aus. Wenn man mal wenig Energie hat, braucht man bloß das Foto von Swami Vishnu-devananda anzuschauen. Man kann darum bitten, dass Energie in einen einströmt, dann strömt die Energie auch.

Viveka Chudamanani – die ersten Verse

Eines der wichtigsten Werke von SankaraSwami Vishnu-devananda nannte es das wichtigste Werk von Sankara überhaupt – ist das Viveka Chudamani.

Viveka heißt Unterscheidungskraft. Mani heißt Edelstein.
(Ihr kennt ja Manipura Chakra, Mani ist der Edelstein, Pura heißt die Stadt dort und Manipura Chakra ist die Stadt der Edelsteine. Das heißt, Manipura Chakra steht für die Entfaltung der Talente und der Fähigkeiten, den Mut, seine Fähigkeiten auch umzusetzen und in den Dienst anderer zu stellen, auch die Kraft, Einfluss auf andere auszuüben. Das sind alles verschiedene wertvolle Edelsteine – Mani.)

Aber es ist nicht nur Viveka Mani, sondern Chudamani und Chuda ist ein ganz besonderer Edelstein. In dieser Übersetzung hier heißt er Kronjuwel. Chuda ist der wertvollste Edelstein. Die Inder in früheren Zeiten waren sehr schmuckorientiert. Das seht ihr zum Teil, wenn ihr Bilder von Krishna, Ganesha, Lakshmi anseht. Dort haben früher die Menschen ihr ganzes Geld in Gold und Edelsteine gebracht. Aber dort wird ausgedrückt: Der größte Edelstein, den es überhaupt gibt, Chudamani, das ist das Wissen, die Weisheit, die höchste Verwirklichung.