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Ist das Vergängliche wertlos – Wie hilft das Leben im Endlichen dem Leben im Unendlichen?

Das im vorigen Beitrag Gesagte heißt nicht, dass das Vergängliche deshalb wertlos ist. Auf einer relativen Ebene macht man die Erfahrungen. Oder man hat eine Beziehung gehabt und hat sich Jahre toll verstanden. Vor kurzem hatte ich so ein Beratungsgespräch gehabt. Jetzt hat er sich auseinander gelebt mit seiner Partnerin und sie hatten irgendwo zwei Kinder. Gut, der eine ist schon über zwanzig und der andere ist aber irgendwie zehn oder elf und irgendwo hat er erst gedacht, „Hat er sein ganzes Leben jetzt verschwendet?“ Er hat 25 Jahre mit dieser Frau zusammengelebt und jetzt stellt er irgendwo fest, Wege ganz anders. Letztlich über Yoga hat er einen Trost gefunden. Also, die Beziehung ist auseinander gegangen, bevor er mit Yoga begonnen hat. War alles umsonst? Hat er die falsche Frau geheiratet? Ich habe mit ihm gesprochen und er hat gesagt, er hat sie sehr wohl geliebt, es waren sehr schöne Zeiten auch dabei, es waren aber auch sehr schlimme Zeiten, aber irgendwo seit ein paar Jahren war es mehrheitlich schlimm. Als die Frau dann gegangen war, dann war es ganz extrem schlimm. Ein furchtbares Leid, furchtbare Emotionen. War alles wertlos? Also, nach meiner Meinung nach nicht. Und Patanjali würde auch sagen, nein, es ist nicht wertlos, sondern jede Erfahrung ist wertvoll, selbst Liebeskummer ist wertvoll, Leiden ist wertvoll, all das sind wertvolle menschliche Erfahrungen. Patanjali sagt ja, wir sind deshalb in dieser manifesten Welt der Dualität auch, um Erfahrungen zu machen. Wir sind da, um Erfahrungen zu machen und die Kräfte zu entfalten, die in uns und in der Natur irgendwo angelegt sind. Die Schwierigkeit ist nur, wir vergessen, wir sind dafür da, Erfahrungen zu machen und stattdessen, wir haften uns an.  Das Leben massiert uns auf allen Ebenen. Unser Geist hat eine wunderbar klebrige Natur. Und wir wünschen, dass alles so bleibt, wenn es mal schön ist. Auch im Deutschen gibt es ja dieses Lied, irgendein Bundespräsident hat das mal gesungen, „Ich wäre ja so gerne noch geblieben, aber der Wagen, der rollt.“ Mehr kenne ich jetzt auch nicht. Nicht, dass ich in Verruf hier komme. Ich kenne doch noch ein paar mehr. „Hoch auf dem gelben Wagen…“, aber wir werden das jetzt nicht weiter singen. Man kann nichts festhalten. Auch die Menschen eben verändern sich. Der Mensch, mit dem man irgendwie zusammenlebt, vor ein paar Jahren war der irgendwie anders. Mindestens hat man das irgendwo gedacht. Vielleicht war er gar nicht so anders. Tief im Inneren war er gleich. Aber man selbst ändert sich in seinen Werten, der andere ändert sich in seinen Werten und nicht immer in der gleichen Richtung. Der Versuch, den anderen so zu beeinflussen, dass er sich so verändert, wie man es gerne hätte – ich glaube, diejenigen von euch, die funktionierende Partnerschaften haben wissen, den gibt man besser auf. Auch die Kinder verändern sich, wisst ihr auch. Erst waren sie ganz klein, werden größer, irgendwie noch größer. Wo ich jetzt hier in Bad Meinberg seit sechs Jahren bin, erlebe ich das irgendwo umso mehr. Es sind nämlich ein paar Kinder, die sind hier schon seit sechs Jahren. Der Krishna (ein Sohn einer Mitarbeiterin bei Yoga Vidya Bad Meinberg) wird dieses Jahr achtzehn. Als er hierher kam, war er logischerweise zwölf. Da war er ganz anders als heute. Oder ein ehemaliger Mitarbeiter aus dem Kölner Zentrum war heute da mit seiner Tochter. Ich kannte sie noch, als sie ganz klein war. Sie kam regelmäßig her, aber jetzt war sie eben eine Weile nicht mehr da und in der Zwischenzeit ist sie riesengroß geworden. Riesengroß ist übertrieben, aber sie ist nicht mehr Kleinkind, sondern sie ist Kind und irgendwie habe ich sie so als Minikind noch gesehen. Aber sie hat mich wieder erkannt. Da war ich ganz stolz drauf. Also, Menschen ändern sich, gehen andere Wege und das ist manchmal für die Eltern am allerschwierigsten. Man würde ja gerne den Kindern alle schwierigen Erfahrungen ersparen, oder? Und dann stellt man fest, Kind macht alle Fehler, die man entweder selbst nicht gemacht hat oder die man selbst gemacht hat oder alle Fehler, vor denen man die Kinder beschützen wollte, vielleicht nicht alle, wenn man genauer nachdenkt, aber mindestens einige.