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Wahrheit wird erlangt durch intensives Nachdenken

„Sicherheit in Bezug auf Wahrheit erlangt man durch intensives Nachdenken und aus den Lehren des Meisters, nicht durch Baden in heiligen Wassern, nicht durch Almosen geben und nicht durch Hunderte von Pranayamas.“ (Viveka Chudamani von Sankaracharya Vers 13)
Also hier der Jnana-Yoga-Ansatz, der Ansatz, der sagt, wir kommen zur höchsten Wahrheit durch intensives Nachdenken, Analyse, eben durch Viveka. Es ist ja Viveka-Chudamani der Text. Und nicht irgendwie nachdenken, sondern wir lesen die Schriften und wir hören die Interpretationen eines Meisters, wir denken darüber nach und es wird mehr als zu einer intellektuellen Beschäftigung, es kommt zu einer tiefen Verwirklichung. Und nicht durch Rituale allein. Gut, Baden in heiligen Flüssen, ich vermute, das ist jetzt weniger das, was ihr typischerweise macht. Wir haben zwar hier nebendran die Werre und letztlich Ricky, das ist der Hund von mir, der versucht da auch öfters drin zu baden, meistens kommt er sehr schlammig dann raus, aber damit hat er bisher noch nicht die Selbstverwirklichung erreicht. Und selbst diejenigen, die nach Rishikesh fahren und dann im Ganges ihr Bad nehmen, auch dadurch wird man nicht selbstverwirklicht. Oder ich habe einen Bruder, der ist um den Berg Kailash herumgegangen. Er sagt, das war sicher seine intensivste Kopfweherfahrung und zwischendurch gab es auch sehr erhabene Momente, aber es würde nicht auf die Idee kommen, es nochmals zu machen und die Wahrheit ist ihm dort auch nicht sehr viel näher gekommen. Aber es ist natürlich eine Grenzerfahrung. Eine Grenzerfahrung kann einen manchmal aus seinem Normalen herausbringen und dann kann man überlegen, „Wer bin ich?“ Ebenso natürlich Asana, Pranayama, Pujas, Homas, Mantrasingen, Kirtan und all das, ist nicht etwas, was an sich einen zur Verwirklichung bringt. All das bereitet einen vor. Vom Kundalini-Yoga-Standpunkt würde man sagen, es hebt das Prana in die höheren Chakras. Ist das Prana in den höheren Chakras, dann fällt es leichter, zu fragen, „Wer bin ich?“ Ihr wisst alle, wenn ihr eine Weile weniger geübt habt – ich weiß nicht, ob ihr es alle wisst, vielleicht der ein oder andere von euch hat noch nie weniger geübt, sondern immer mindestens viel – aber jetzt für die unter euch, die vielleicht nicht regelmäßig zwei, drei Stunden täglich üben, sondern vielleicht ab und zu mal weniger, wissen, wenn man weniger übt, sinkt das Prana, die Lebensenergie und dann fällt es auch schwerer, erhabener zu denken. Dann plötzlich scheint das alles so weit weg, „Wer bin ich? Ich muss mich jetzt um Beruf kümmern. Ich muss mich um meinen Freund kümmern. Ich muss mich vielleicht darum kümmern, dass ich überhaupt noch einen Freund habe oder wieder einen bekomme.“ All das ist natürlich wichtig, aber es kann sein, dass das nur noch wichtig ist. Wenn das Prana erhöht ist, dann fällt es leichter, die Frage zu stellen, „Wer bin ich?“ Das ist eben auch wichtig, dass wir das so verstehen. Swami Vishnu-devananda hat gerne fortgeschritteneren Aspiranten gesagt, „Verwechselt nicht Mittel und Zweck.“ Zweck ist die Erfahrung des höchsten Selbst. Mittel ist Asana, Pranayama usw.

64. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Der Menchliche Geist aus der Sicht von Vedanta und Jnana Yoga

„Die Gesamtheit der geistig-seelischen Kräfte des Antarkarana wird je nach ihrer Funktion, Denken, Manas, Vernunft, Buddhi, Ichgefühl, Ahamkara oder Gedächtnis, Unterbewusstsein, Chitta, genannt.“ (Sankara im Viveka Chudamani, Kleinod der Unterscheidung)
Ich gehe jetzt davon aus, ihr habt das alle schon viel gehört und ihr wisst, was es ist. Aber zur Wiederholung, Ahamkara, Buddhi, Manas und Chitta, hier verstanden Chitta im engeren Sinne. Im weiteren Sinne ist ja Chitta, so wie es Patanjali z.B. versteht, der ganze Geist. Also das, was Sankara als Antarkarana, also inneres Instrument, bezeichnet, das ist bei Patanjali das Chitta und bei Sankara ist Chitta das Unterbewusstsein bzw. das Gedächtnis. Und auch das ist wiederum hilfreich und ich will es jetzt hier nicht weiter ausbauen. Wenn ihr die Raja-Yoga-9-Tages-Weiterbildung mitmacht, da wird da etwas mehr darüber gesprochen, da lernt ihr etwas mehr darüber. Aber es hilft auch wieder, sich davon etwas zu lösen, sich nicht so viel zu identifizieren.
Also zunächst, Manas ist das, was so abläuft an nahezu automatischen Gedankenprozessen. Und am stärksten sind dort Worte, Bilder und Gefühle. Angenommen, ich habe so in die Hände geklatscht, da habt ihr etwas gehört. Vielleicht habt ihr gesagt, „Was ist dieser Knall?“, vielleicht habt ihr irgendwas gesehen, manche haben ja in eine andere Richtung vorher geguckt, haben dann ein Bild gehabt, was das ist. Als erfahrene Meditierende seid ihr nicht so stark zusammengezuckt wie andere. Es gab ja irgendwann so eine Studie, die hat gezeigt, dass der Startle Reflex bei erfahrenen Meditierenden weniger stark entwickelt ist, als bei anderen. Das heißt, man erschrickt nicht so schnell. Und das hat auch einen Einfluss auf die Stressresistenz. Nichtsdestotrotz, ein Gefühl war trotzdem auch irgendwo dabei. Also, Worte, Bilder, Gefühle, das ist so im Manas da und das ist natürlich auch eng verbunden mit dem Unterbewusstsein, also mit dem Gedächtnis und auch Neigungen und im Unterbewusstsein sind ja auch VAsanas, Wünsche, dort sind Samskaras, Eindrücke, all das ist da. Und dann kommt irgendwann auch noch die Buddhi, die versucht aus dem Ganzen einen Sinn zu machen, sie benutzt die Vernunft und dann kommt Ahamkara und identifiziert sich damit. Ich werde noch ein ganz klassisches Beispiel gebrauchen. Was ist das, was ich in der Hand habe? „Eine elektromagnetische Welle.“, „Ein Atom.“, „Brahman.“, „Ein Fussel.“ Also, da ist tatsächlich ein Fussel und außerdem ist dort noch zusammen mit dem Fussel etwas von einem Buchweizen, denn da ist Buchweizenstreu drin. Was war das Ganze jetzt? Also, ihr habt zuerst hingeguckt und habt etwas gesehen, also ist durch eure Jnana Indriyas irgendeine Information hingegangen. Die meisten von euch haben im Wesentlichen nur gesehen, da ist irgendeine Hand und da guckt er hin und außerdem habt ihr was gehört, Jnana Indriyas. Dann kam es ins Manas. Also, da habt ihr etwas gehört und etwas gesehen und dann habt ihr überlegt, „Was könnte das sein?“, geht also ins Chitta herunter und habt dort irgendwelche Informationen abgerufen und manche haben innerlich irgendwo vielleicht etwas gedacht, „Das könnte es sein.“, dann kommt irgendwann die Buddhi ins Spiel und sagt, „Ja, das kann es sein, das kann es nicht sein.“ und bei der Mehrheit von euch hat die Buddhi gesagt, „Nicht entscheidbar, zu wenig Informationen.“ Und dann kommt Ahamkara und sagt, „Ich weiß es.“ oder „Ich weiß es nicht.“ Aber dann kommt noch eine zweite Entscheidung, nämlich, sagt man jetzt etwas oder nicht. Ich habe ja die Frage an euch alle gestellt und nur etwas mehr als eine Handvoll von euch hat irgendwas gesagt. Von Atom, über Brahman. Auch das wiederum ist etwas, was im inneren Instrument dort geht. Gut, ich habe eine Frage gestellt, normalerweise, was macht man, wenn man eine Frage hört? Antworten. Aber wenn eine Frage an viele gestellt wird, dann antworten typischerweise nicht alle. Aber wer antwortet typischerweise, wenn eine Frage an viele gestellt wird? Derjenige antwortet, der es gewohnt ist, in einer solchen Situation zu antworten. Das hängt schlicht und ergreifend von den Samskaras ab. Und ich bin überzeugt, diejenigen, die jetzt auf solche rhetorischen Fragen öfters antworten, in anderen Kontexten antworten die auch. Und vermutlich haben sie schon in der Schule früher geantwortet. Also, um überhaupt etwas zu antworten, gibt es die Samskaras im Chitta, aber dann geht es noch weiter. Und dann kann aber Buddhi, die Vernunft, sagen, „Ja, antworte.“ und lässt den Impuls durch oder sie sagt, „Nein, jetzt sage ich mal nichts.“ Oder die Buddhi kann auch sagen, „Ja, ich habe mir ja vorgenommen, Schüchternheit zu überwinden und ich mache das jetzt, indem ich jetzt was sage.“ Auch wenn ich nicht weiß, ob es sinnvoll ist oder nicht, kann die Buddhi sagen, „Jetzt sage ich was, ob ich will oder nicht.“ und die Buddhi kann auch sagen, „Ich halte jetzt den Mund, auch wenn ich da sonst immer etwas spreche.“ Und dann kommt noch Ahamkara und identifiziert sich. Und z.B., wie hat sich der Madava gefühlt, als ich gesagt habe, „Ja, es ist ein Fussel.“? Also, er hat ein bisschen Glücksgefühl empfunden. Ich war ja froh, dass einer etwas erraten hatte. Also, es ist anders, als wenn ich jetzt einen Computer gehabt hätte und dem dort eine Analyse gegeben hätte und der hätte gesagt, „Mit 99,83 Prozent Wahrscheinlichkeit ist das ein Teppichfussel von einem reinen Schurwollteppich.“ Und dann gebe ich dem Computer ein „richtig“ und wie wird er antworten? Er wird gar nichts damit anfangen können. Ein Mensch hat ein bisschen Identifikation und deshalb sucht er dort Bestätigung. Auch einige von euch, die vielleicht gedacht haben, „Es muss ein Teppichfussel sein.“, selbst die, die nichts gesagt haben, die haben sich dennoch irgendwo bestätigt und gut gefühlt. Vielleicht haben sie sogar gedacht, „Hätte ich das doch gesagt.“ Also, das ist das Spiel unseres Geistes. Aber so sind die Kategorien unseres Geistes letztlich. Wir nehmen Sachen wahr. Das, was wir wahrnehmen, wird irgendwo an der Oberfläche unseres Geistes widergespiegelt. Denn z.B., wenn ihr jetzt hier dort hinguckt und einen schwarzen Stift seht, ich glaube, auch ganz hinten könnt ihr noch einen schwarzen Stift sehen, mindestens wenn ihr, nicht so wie ich, wenn ich da hinten wäre, ohne Brille würde ich nichts sehen, aber ihr seht entweder besser oder habt eine Brille auf. Also ihr wisst, schwarzer Stift. Aber dieses Schwarz ist ja nicht eine Farbe, die hier ist, sondern dass dort Schwarz entsteht, ist Manas. Also das, was dort entsteht auf der Oberfläche unseres Geistes, das ist eben Manas. Und das wird dann eben verglichen mit dem, was im Unterbewusstsein drin ist und dann kann Buddhi sagen, „Ja, es ist ein Stift.“ Und dann kann Ahamkara sagen, „Ich weiß.“ Und dann, mit einem Stift können auch verschiedene Samskaras verbunden sein und dann denkt man vielleicht an irgendetwas, dann werden Erinnerungen wachgerufen, dann können da sogar Gefühle mit verbunden sein usw.
Das Ganze dient jetzt dazu, dass wir uns lösen können von diesen Identifikationen. Das ist jetzt ein Unterschied, z.B. wenn Patanjali über diese Prinzipien spricht, dann will er uns damit helfen, dass wir dieses innere Instrument auch gut nutzen können. Wie können wir unseren Geist positiver machen? Wenn Sankara im Viveka Chudamaini darüber schreibt, dann deshalb, damit wir uns davon lösen. Und dann könnt ihr z.B. den nächsten halben Tag, wenn ihr zwischendurch bemerkt, „Ja, da sind die Gedanken.“, könnt ihr sagen, „Aha, da sind Gedanken in meinem Geist. Das ist erstmal Manas, das heißt, einfache Worte, Bilder, Gefühle, aber ohne dass ich nachdenke.“ Und das wird geprägt durch Eindrücke aus dem Unterbewusstsein. „Aha, ich reagiere jetzt deshalb etwas stärker, wegen dem Eindruck aus dem Unterbewusstsein. Aha, da identifiziere ich mich ganz besonders stark.“, denn wir identifizieren uns ja mit manchem stärker und mit manchem etwas weniger stark, „Wo geht das Ahamkara hin?“ Und dann können wir auch mal schauen, „Ja, ich kann auch meine Buddhi bewusst verwenden. Ich muss nicht einfach dem folgen, was in meinem Manas von selbst hineinkommt.“ Das ist übrigens das, was man annimmt, was Menschen von Tieren unterscheidet, Buddhi und Ahamkara. Der Mensch hat sehr viel mehr dieses Gefühl eines eigenständigen, getrennten Selbst, dieses Selbstbewusstsein, wie es in der Biologie bezeichnet wird und Psychologie. Das ist beim Menschen stärker ausgeprägt. Man nimmt heute an, dass höhere Tiere – was auch immer „höher“ heißen soll – auch ein gewisses Selbstbewusstsein haben. Ursprünglich hat man dort nur die Affen dazugezählt, heute nimmt man an, auch Hunde haben ein gewisses Selbstbewusstsein, auch Papageien, auch Wale, auch Delphine, alle paar Jahre wird eine Tierart dazugefügt, die auch fähig ist, Selbstbewusstsein zu haben. Aber sehr viel weniger als der Mensch. Auch wie die Vernunft dort etwas bewirken kann, wird auch wieder klar. Z.B. normale Tiere sind Reizreaktionsmustern sehr stark unterworfen. Der Mensch dagegen ist auch Reizreaktionsmustern unterworfen, er kann aber auch mal innehalten und sagen, „Warum mache ich das eigentlich? Will ich nicht mehr. Ich lasse es sein.“ Oder angenommen, jemand liebt Schokolade und jetzt stellt er fest, „Das ist irgendwo für meinen Körper nicht so gut.“, dann kann er sagen, „Ich lasse es.“ Ein Hund kommt jetzt nicht auf die Idee und sagt jetzt, „Diese besonderen Hirsekringel, die ich besonders mag, die esse ich jetzt einfach nicht mehr. Ich will einfach mal eine Weile keine Hirsekringel essen. Nicht deshalb, weil sie mir nicht schmecken, sondern einfach deshalb, weil ich zeigen will, ich bin nicht Sklave meiner Sinnesorgane.“ Ein Hund kommt dort nicht auf die Idee, aber ein Mensch kann auf die Idee kommen. Ricky ist ein vegetarischer Hund. Man kann Hunde sehr gesund und gut vegetarisch ernähren. Er lebt jetzt seit dreieinhalb Jahren vegetarisch und es ist kein Problem.

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Handlungsorgane aus Sicht von Vedanta und Jnana Yoga

Aber zum anderen auch, wir handeln in fünf Kategorien und dafür stehen die fünf Tatorgane. Die fünf Tatorgane gelten ja in der Vedanta-Philosophie auch nicht als Attribute des physischen Körpers, eigentlich ist jetzt schon der Übergang zum Astralkörper, Sukshma Sharira und tz Pranamaya und Manomaya Kosha dort. Natürlich, die Sinnesorgane haben erstmal physische Korrelate. Wenn die nicht funktionieren, können wir normalerweise auf dieser Welt keine Wahrnehmungen machen. Wir brauchen in dieser Welt diese fünf Luken in diesen Planeten, in diese physische Welt. Genauso auch, wir brauchen den physischen Körper, um etwas zu tun. Aber es heißt, der physische Körper ist auch wieder nur die Verlängerung von dem, was feinstofflich angelegt ist. Und man kann auch die physischen Verlängerungen von dem, was feinstofflich angelegt ist, noch weiter verlängern. Und dann haben wir als erstes die Stimme. Wir können sprechen. Das ist eines, was wir machen können. Wir können kommunizieren. Zum Kommunizieren können wir natürlich noch anderes verwenden. Wir sprechen natürlich auch mit Gesichtsausdruck oder ich verwende ja auch hier, wenn ich spreche, öfters die Hand und ob ich jetzt so hier hocke oder ob ich jetzt so über die Vedanta-Philosophie spreche, angenommen ich würde es euch jetzt so sagen, „Der Mensch nimmt alles wahr in seinen fünf Sinnen und das Selbst ist unsterblich und diese Welt ist nur unwirklich.“ Das wirkt anders als wenn ich sage, „Hört auf, euch zu identifizieren mit diesem beschränkten Körper! Erfahrt euer wahres Selbst! Das ist Satchidananda.“ Also, Körperhaltung hat da noch einen Einfluss. Natürlich muss auch die Überzeugung dabei sein. Aber wir können noch zusätzliche Mittel haben, z.B. ich habe jetzt hier noch diese Verstärkung. So kann ich also auch die Menschen in der hintersten Reihe dort erreichen. Angenommen, ich würde das nicht machen, dann würdet ihr mich weniger hören, dann müsste ich mich mehr anstrengen und das würde ich öfters vergessen. Und dann habe ich hier auch noch ein Mikrofon und hier ein Video. Das wird vielleicht alles irgendwann ins Internet gestellt, also kann ich noch mit mehr Menschen kommunizieren. Das ist jetzt ganz lustig. Hier spreche ich rein, das geht hinten in die Anlage, von der Anlage geht es wieder dorthin und danach wird das vielleicht auch als Hörsendung irgendwo hingestellt. Aber es ist im Grunde genommen alles nur eine Ausdehnung des Sprechorgans, Kommunikation. Also eines, was der Mensch macht, ist, er kommuniziert ganz banal. Als zweites, Hände. Hände steht jetzt, Dinge tun und verändern. Also das erste ist, er kommuniziert, zweitens, er tut und verändert Dinge. Vielleicht hat er dafür noch einen Bagger oder vielleicht hat er dafür noch eine Schaufel oder was auch immer. Also, wir können das noch weiter ausbauen, aber zunächst mal, wir können Dinge tun. Dann haben wir Füße und Füße steht für Fortbewegung. Man kann zwar auch Fußballspielen damit, aber als Grundsinn sind die Füße dazu da, sich fortzubewegen. Und natürlich, in unserer heutigen Zeit, bewegen wir uns nicht nur mit Füßen, sondern wir haben auch noch Fahrräder, mit denen kann man sich fortbewegen, die meisten haben irgendwelche Autos, manche fliegen mit dem Flugzeug, aber im Grunde genommen geht es nur darum, sich fortzubewegen. Dann Anus, der steht für Ausscheidung, letztlich auch Abfall produzieren. Man könnte aber auch noch sagen, Anus ist eigentlich das Ende des ganzen Verdauungskanals. Man kann eben auch sagen, Mensch isst und produziert Abfall. Gut, für uns ist es vielleicht Abfall. Natürlich, normalerweise das, was der Mensch an Abfall produziert, mindestens in einer natürlichen Umgebung, ist für andere Lebewesen Nahrung. Und das, was für andere Abfall ist, ist dann für den Menschen vielleicht Nahrung. Und dann Genitalien, also Fortpflanzung. Im weiteren Sinne ist aber Fortpflanzung auch, etwas ganz Neues schaffen. Also, Genitalien ist jetzt nicht nur für die physische Fortpflanzung, sondern der Mensch will auch kreativ tätig sein. Und im Grunde genommen können wir sagen, auf diesen fünf Ebenen sind die Fähigkeiten des Menschen, etwas zu tun und auf diesen fünf Ebenen sind auch die typischen Wünsche. Wir wollen kommunizieren, wir wollen irgendwas tun, wir wollen uns fortbewegen, wir wollen essen und letztlich, ob wir das wollen, Müll produzieren und wir wollen fortpflanzen und schöpferisch tätig werden.
Aber das sind alles Organe und das sind nicht wir selbst. Und angenommen, das Auge erblindet, dann heißt es nicht, dass wir weniger da sind, sondern es heißt, ein Sinn ist weniger gut oder vielleicht fällt weitestgehend aus, nicht vollständig aus, denn wer nicht blind geboren ist, der hat ja weiter die Möglichkeit, innere Bilder zu erzeugen. Und nicht nur die Möglichkeit, sondern er erzeugt ja auch innere Bilder. Und das ist dann, wie ich gesagt hatte, der Übergang zum inneren Instrument, Antarkarana.

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Sinnesorgane aus der Sicht von Vedanta

„Ohren, Haut, Augen, Nase und Zunge sind die Sinnesorgane, weil sie Sinnesobjekte wahrnehmen. Die Stimme, Hände und Füße, Anus und Genitalien sind Tatorgane, weil sie für die Tätigkeiten gebraucht werden.“
Also, wie heißen die Sinnesorgane auf gut Sanskrit? Jnana Indriyas oder kurz Jnanendriyas. Jnana Indriyas, Organe des Wissens, der Erkenntnis, aber jetzt hier der relativen Erkenntnis und Jnana Indriyas, sagen die Meister so ein bisschen, damit die westlichen Aspiranten und auch indische Aspiranten, die Sanskrit nicht so gut kennen, das schneller wissen können. Eigentlich wird das zusammengeschrieben und dann wird aus „a“ und „i“ wird „e“ und deshalb Jnanendriyas und Karmendriyas. Aber um es zu vereinfachen wird meistens jetzt in den Büchern gesagt, Karma Indriyas und Jnana Indriyas. Und diese Sinne, die prägen, wie wir die Welt wahrnehmen. Das ist auch noch mal wichtig, gerade wenn wir auch überlegen, „Was ist wirklich, was ist unwirklich?“, wo Sankaracharya später nochmals darauf eingeht. Erst geht er hier auf AnAtmaAtmaViveka ein, die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst. Aber so, wie wir die Welt wahrnehmen, so ist sie ja nicht. Selbst vom physikalischen Standpunkt aus ist alles Schwingung und ein bestimmtes Spektrum vom Schwingung können wir sehen als Farben. Ein bestimmtes Spektrum von Schwingungen der Luft hören wir als Klänge. Bestimmte Partikel in der Luft – nicht alle Partikel, bestimmte Partikel – nehmen wir als Geruch wahr. Jetzt der Geschmack ist noch eine ganz lustige Geschichte. Geschmack ist so eine Verbindung, wird auf der Zunge wahrgenommen. Aber auf der Zunge werden nur wie viele Geschmäcker wahrgenommen? Man kann süß, salzig, sauer, bitter und, das hat man jetzt in letzter Zeit entdeckt, scharf wahrnehmen. In der Schule haben wir nur vier gelernt, aber man hat festgestellt, die deutschen Biologen haben ja nichts Scharfes gehabt früher, deshalb wusste man auch nicht, es gibt noch einen Sinn für Scharfes, aber das sind die fünf Geschmäcker, die die Zunge wahrnehmen kann. Und dann der Rest, was z.B. eine Kartoffel von einem Kohlrabi unterscheidet, ist nicht diese, sondern das riechen wir. Und dann zusätzlich noch die Textur hat auch noch Einfluss. Und dann aus diesem, was die Zunge gibt an Wahrnehmungen von diesen fünf plus die Textur, was dann Zunge und Gaumen und Wangen geben plus der Geruchssinn, das zusammen verschmilzt dann im Hirn als Geschmack. Schon eine komische Geschichte. Oder genauso auch Fühlen. Wir können heiß und kalt fühlen, wir können natürlich Berührung empfinden und wir können Schmerzen empfinden. Ich glaube, das sind im Wesentlichen die Empfindungen des Fühlsinns, der über die ganze Haut verteilt ist. Und so nehmen wir die Welt wahr in diesen fünf, man kann sagen, Dimensionen. Was anderes nehmen wir nicht wahr. Man kann zwar dann äußere Instrumente dort nehmen und mit denen können wir dann auch Dinge wahrnehmen, die außerhalb von unserem Spektrum liegen. Also, man kann Schwingungen, die wir nicht sehen können, können wir dann auf einem Computerbildschirm sichtbar machen oder man kann diese in Zahlen ausdrücken und dann irgendwo erfahrbar machen. Aber letztlich, diese Sinnesorgane, die sind das, was uns die Welt erfahren lässt. Wir können die Sinnesorgane verbessern, z.B. mit einer Brille. Man kann sie ausdehnen, z.B. mit einem Telefonhörer. Man kann sie täuschen, mit verschiedensten optischen Täuschungen und sie werden ja auch immer wieder getäuscht und die Sinne sind ja auch nicht zuverlässig, aber so nehmen wir die Welt wahr. Das kann uns auch wieder helfen, uns davon zu lösen. Unsere Sinnesorgane sind letztlich wie, angenommen, wir hätten ein Raumschiff, mit dem wir durch die Welt fliegen und dann gibt es irgendwo so ein paar Gucklöcher und da kann man die Welt irgendwie wahrnehmen und ein paar Instrumente und damit sieht man, was da draußen vorgeht. So sind wir hier mit unserem Weltraumschiff und nehmen so ein bisschen was wahr. Das ist das eine, das Wahrnehmen.

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Vedanta über die Merkmale des Physischen Körpers

„Der grobstoffliche Körper hat die Merkmale von Geburt, Alter und Tod. Verschiedenartige Zustände wie Größe, Kindheit usw.“ – interessante Aufzählung – „ist an Vorschriften bezüglich Kasten und Lebensabschnitte gebunden, vielerlei Krankheiten unterworfen und erfährt Unterschiede in der Behandlung, wie Verehrung, Verachtung und Hochschätzung.“ Also, Körper hat all das. Das gehört irgendwo dazu. Er hat Geburt, irgendwann ist er geboren, irgendwann wächst er, irgendwann wird er älter, irgendwann schrumpft er und irgendwann stirbt er. Manche Körper sind kleiner, manche sind größer, manche sind dicker, manche sind dünner, manche haben dunklere Hautfarbe, manche haben hellere Hautfarbe. Dann gibt es verschiedene Vorschriften bezüglich der Lebensumstände. Wir mögen jetzt glücklicherweise nicht diese Kasten haben, die es früher in Indien gegeben hat, aber je nach dem, in welcher sozialen Schicht ihr seid, kleidet ihr den Körper anders oder je nach dem, ob ihr jetzt gerade einem Bankberuf nachgeht oder eine Yogastunde gebt oder ins Fitnessstudio geht oder hier ins Yoga-Vidya-Zenter geht, die gleichen Menschen werden auch noch ihren Körper irgendwie anders dekorieren. Verschiedene Lebensabschnitte, irgendwie in jedem Lebensabschnitt ist man ein bisschen anders. Der Körper hat verschiedene Krankheiten und mal sagt jemand, „Oh, siehst du toll aus.“ Mal sagt jemand, „Früher hast du mal besser ausgesehen.“ oder sagt vielleicht gar nichts mehr und dann denkt man sich selbst etwas. Oder die Haarfarbe kann mal so sein und mal so sein, je nachdem, zu welchem Friseur man gerade geht. Also, all das sind körperliche Attribute. Und da gilt es, etwas Vairagya oder auch etwas Sama dem gegenüber zu haben, ein bisschen Gleichmut.

59. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Das Physische Universum existiert im Wachbewusstsein

„Der Zustand, in dem die grobstofflichen Dinge erlebt werden, ist das Wachbewusstsein der Seele.“ (Sankaracharya im Kronjuwel der Unterscheidung, Viveka Chudamani). Also, im Wachbewusstsein können wir diesen Körper hier erfahren. Wenn wir träumen, dann erfahren wir nicht diesen Körper. Da wird er noch darauf eingehen.
„Die einzelne Seele genießt durch diesen Körper mit den äußeren Sinnesorganen grobstoffliche Objekte in vielerlei Gestalt, wie Blumenkränze, Sandelholz, Frauen, Männer, deshalb wird dieser Körper im Wachzustand verherrlicht.“ Gut, vielleicht mag das jetzt für euch, Blumenkränze und Sandelholz, Parfüm, nicht unbedingt das sein, was euch in besonderem Maße genießen lässt, aber ich glaube, ihr könntet dort andere Dinge ergänzen.
„Wisse, dass dieser grobstoffliche Körper, von dem der Umgang mit der ganzen Außenwelt abhängt, für den Menschen wie das Haus für den Hausherrn ist.“ Also, hier mäßigt er die Ausdrucksweise etwas, denn Haus ist auch etwas Gutes, wir wohnen in diesem Haus. Man kann auch sagen, es ist wie ein Schneckenhaus. Schnecken haben auch ein Haus, das sie herumtragen und das sie irgendwie brauchen.

58. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Identifiziere dich nicht mit dem Körper – erfahre Atman

Jetzt lese ich euch einen Vers, den ich zwar nicht mag, ich lese ihn euch trotzdem vor.

„Dieser grobstoffliche Körper, eine Anhäufung von Haut, Fleisch, Blut, Muskeln, Fett, Mark und Knochen und voll von Urin und Kot, ist widerlich.“ (Sankaracharya im Viveka Chudamani, dem Kleinod der Unterscheidung)
Also hier:
„Dieser Körper, der aus Haut, Fleisch, Blut, Arterien, Fett, Mark, Knochen, besteht, durchdrungen von verunreinigten Substanzen, ist nicht angenehm.“
Vielleicht sollte ich dort fortsetzen. Der Raphael, der das übersetzt hat, hat vermutlich schon für westliche Aspiranten das Ganze etwas gemäßigt, wo er ja auch viel unterrichtet. Währenddessen, wer das übersetzt hat, war, glaube ich, weniger am Unterrichten.
Gut, ich hatte vorher gesagt, so mag ich den auch nicht, „ist widerlich“, ist sicherlich jetzt nicht angemessen. Der menschliche Körper ist das größte Wunder, was man sich dort vorstellen kann, die komplexeste Struktur im Universum ist das menschliche Gehirn und jede Zelle ist ein Wunder. Nur, vielleicht wenn man sagt, „unangenehm“, ich glaube, das können manche von euch nachvollziehen. Mit steigendem Alter kann das ein immer höherer Prozentsatz der Menschen nachvollziehen. Es gibt auch junge. Also, bei mir war es eher so, als Teenager war mir mein Körper unangenehm, er hat ständig Kopfweh produziert und Magen-Darm-Probleme und Heuschnupfen und Hautprobleme und Rückenprobleme und Knieprobleme. Das hatte ich als Teenager. Dann bin ich Vegetarier geworden. Eigentlich nur aus Mitgefühl mit Tieren, weil ich gesagt habe, für mich soll kein Tier mehr umkommen. Dass es auch gesund sein könnte, die Idee hatte ich dort damals nicht. Aber dann, das Kopfweh und Magenprobleme weg und Heuschnupfen auch und dann habe ich mit Yoga angefangen und dann sind die Knie- und die Rückenprobleme verschwunden. Aber wenn ich mit Menschen spreche, es gibt solche, die trotz Yoga die ein oder andere körperliche Beschwerde haben und mit steigendem Alter gibt es davon auch mehr von der Sorte. Und manche haben das große Glück, schon in jüngerem Alter das zu erfahren, dann fällt es leichter, sich von dem Körper zu lösen. Ich kann mich erinnern, es gab mal eine enge Schülerin vom Swami Vishnu-devananda, die ist irgendwann erblindet und das hat sie dem Swami Vishnu-devananda so ein bisschen mit Trauer erzählt und hat gesagt, irgendwas Medizinisches gab es da und es war nicht zu ändern und die Yogaaugenübungen haben auch nicht mehr geholfen und da hat der Swami Vishnu gelacht und hat gesagt, „One sense less to tanscendent. Ein Sinn weniger zu transzendieren.“ Das klingt jetzt erstmal herzlos, aber es war ja auch eine enge Schülerin, das war jetzt nicht irgendjemand und eine, die so was vertragen konnte und sie hat mir nachher erzählt, das, was der Swami Vishnu-devananda ihr scheinbar so herzlos gesagt hat, sofort hatte sie Trost gehabt, sofort war ihr klar, dass das was Gutes ist. Wenn ihr also irgendwo Schmerzen habt, auf der einen Seite könnt ihr euch freuen, ihr erkennt früher als andere, dass dieser Körper unangenehme Erfahrungen mit sich bringt. Und wenn ihr das nicht wisst, dann sprecht mit euren Eltern, sofern sie noch leben, oder erinnert euch an die letzten Tage und Jahre eurer Eltern, wenn sie nicht mehr leben, oder Großeltern oder Tanten oder Onkeln, der Körper ist nicht so angenehm, wie manche sich das als 20-, 30-jährige vorstellen. Aber er ist unser Raumanzug. Und deshalb, man muss sich darum kümmern und es ist was Großartiges, also können wir Erfahrungen machen.

56. Teil der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.

Überwinde den Tod – durch Erfahrung Gottes

Wir wollen jetzt einen Sprung machen in der Viveka Chudamaini zum 85. Vers.Sankaracharya schreibt::
„Für den Befreiungssuchenden sind die Illusion, der Körper zu sein und ähnliche Irrtümer, der große Tod. Wer diese Selbsttäuschung überwunden hat, ist reif für den Zustand höchster Glückseligkeit. Besiege den großen Tod in Gestalt der Vernarrtheit in Körper, Frau, Kinder, Freunde, Verwandte. Die Weisen, welche diese Vernarrtheit überwunden haben, erreichen das höchste Bewusstsein Gottes.“
Also, er wird jetzt noch etwas massiver. Sankaracharya will uns hier Vairagya geben, Viveka geben, denn der typische Mensch neigt zu Verhaftung. Und natürlich, das lehrt ja die Bhagavad Gita, ist es wichtig, seine Pflichten zu erfüllen, es ist wichtig, das zu tun, was zu tun ist. Patanjali sagt, „Ja, es ist auch o.k., die Dinge zu genießen und Erfahrung gehört zu diesem Universum dazu und wir sind ja noch nicht mal unsere Verhaftungen.“, aber Sankaracharya will uns hier, wie er sagt, aus der Vernarrtheit herausbringen. Liebe ist eine Sache, Vernarrtheit ist eine andere. Liebe zu seinen Mitmenschen ist etwas Wichtiges und natürlich die Liebe ist je nach Beziehung auch wieder anders. Die Liebe zu den Kindern wird anders sein, als die Liebe zu dem Ehemann, Ehefrau, als zu den Eltern und die Liebe wird anders sein, die man hat zu seinen Yogaschülern und zu seinem Arbeitgeber usw. Aber Verhaftung ist das, was einen in den Tod bringt. Es führt zur Beschränkung unserer Bewusstheit und führt dann dazu, dass man zu allen möglichen Leiden kommt. Also, er erwähnt hier jetzt die besonders großen Vernarrtheiten, die mit dem Körper in Verbindung stehen, eben Partner, Partnerin, Ehefrau, Ehemann, Kinder – Kinder vielleicht noch mal ganz besonders schwierig, denn das sind natürlich dann „meine Kinder“. Und wehe der Vater kriegt irgendwann raus, „Es sind doch nicht meine Kinder.“ Was hat sich geändert in dem Moment? Eigentlich nichts und dennoch alles. Wenn man von Reinkarnation ausgeht und ihr erinnert euch, dieses eine Gedicht von Sankara, das ich schon erwähnt hatte, „Wieder wirst du geboren, wieder wirst du sterben, jeder Mensch, den du siehst, war schon mal deine Mutter, jeder Mensch, den du siehst, war schon mal dein Vater, jeden, den du siehst, war schon mal dein Kind, jeder war schon mal dein Bruder, jeder war schon mal deine Schwester, genug, genug. Wann hast du genug?“ Wir haben natürlich eher eine Neigung, nur diese Inkarnation zu sehen. Und natürlich, in dieser Inkarnation hat man eine besondere Verantwortung für die Kinder, die man in die Welt setzt und für Verwandte usw. Aber eine Verantwortung ist eine Sache, eine besondere Liebe gehört dazu, aber Vernarrtheit und Verhaftung ist eine andere Sache. Dort gilt es, darüber hinauszuwachsen.

55. Teil der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.

Verhaftungen führen zum Leiden

„Sinnesobjekte sind in ihrer Wirkung noch verheerender als das Gift einer schwarzen Kobra. Gift tötet den, der es einnimmt, wogegen die Sinnesobjekte sogar den töten, der mit den Augen schaut.“ (Sankara im Viveka Chudamani)
Er gebraucht jetzt natürlich eine recht krasse Sprache. Sankara stammt aus Südindien, ich glaube sogar Kerala, und neigt deshalb zu einer etwas blumigen und manchmal etwas übertreibenden Sprache, denn man sollte sich jetzt nicht an diesen massiven Worten aufhängen, sondern er will uns ja damit mit Unterscheidungskraft ausstatten. Und eben auch erkennen, wenn wir an den Sinnen hängen und wenn wir ohne Unterscheidungskraft einfach folgen, was sie uns sagen, dann führen sie uns ins Verderben. Und ich glaube, die meisten können tatsächlich daran denken, wann sie in solche Verderben gekommen sind. Natürlich auch einfach das Hängen an sich, denn die Sinne bleiben ja nicht so. Wir sind vielleicht in der glücklichen Lage, dass wir heute Sinne kompensieren können. Also z.B. als 10-jähriger konnte ich gut sehen und irgendwann zwischen 15 und 17 ist mein Sehsinn schlecht geworden, also brauche ich eine Brille. Angenommen, ich hätte keine Brille, dann könnte ich herzlich wenig von euren Gesichtsausdrücken sehen. Also habe ich eine Brille und kann es kompensieren. Inzwischen muss ich die Brille abnehmen, wenn ich lesen will. Gestern hat Narayani gesagt, ich sollte mich damit abfinden, dass es so ist und sollte das lernen, das jetzt mit Würde zu machen. Das habe ich gestern im Restaurant ein bisschen geübt. Oder angenommen, man hört nicht mehr gut, dann kann man sich Hörgeräte anschaffen. Aber irgendwann riecht man nicht mehr gut. Das ist übrigens sehr viel verbreiteter, als Menschen wissen. Wenn man nicht mehr gut riecht, dann schmeckt auch das Essen nicht mehr gut. Man nimmt an, dass das einer der Gründe ist, weshalb ganz alte Menschen weniger essen. Das Essen schmeckt ihnen einfach nicht mehr, weil sie nicht mehr richtig riechen. Also, irgendwo ab 80 nehmen Menschen ab und irgendwo, ich glaube, fast die Hälfte der Männer und ein Viertel der Frauen über 80 riecht kaum mehr etwas und damit schmeckt auch das Essen nicht mehr so. Also, verschiedene Sinne nehmen ab, können verschwinden. Wir können sie heute – mindestens einige davon – kompensieren, andere nicht. Wenn wir daran hängen, sind wir in Probleme.

„Nur wer sich von den schweren Fesseln der Begierde nach Sinnesobjekten befreit, die nicht ohne große Mühe zu sprengen sind, erfüllt die Voraussetzung zur Erlösung. Kein anderer, selbst wenn er alle sechs Schulen der Philosophie kennt. Die Erlösung Suchenden, die ans andere Ufer des Ozeans der Wiedergeburten gelangen möchten, deren Entsagung aber nicht echt ist, packt der Haifisch in Gestalt der Begieren am Hals, reißt sie mit Gewalt zurück und ertränkt sie mitten im Ozean.“
Den letzten lese ich jetzt besser nicht, der ist nicht sehr freundlich formuliert. Aber heute Nachmittag.

Teil 54 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. <

Bindung führt zum Leiden – strebe mit Yoga nach Befreiung

„Gebunden an die fünf Sinnesobjekte, wie Töne und Laute, gehen das Reh, der Elefant, die Motte, der Fisch und die Biene diese fünf nur wegen ihres eigenen Sinnesobjektes in den Tod. Und was wird mit dem Menschen, der allen fünf Sinnesobjekten unterworfen ist.“ (Viveka Chudamani von Sankaracharya, das Kleinod der Unterscheidung 76. Vers).
Da gibt es jeweils so Geschichten, die der Leser von Sankaras Zeit im Kopf hat, die z.B. in der Avadhuta Gita beschrieben werden. Da gibt es das Reh. Also, für das Reh ist es der Ton, es fällt auf den melodiösen Lockruf des Jägers herein. Das war im alten Indien so eine Weise, wie Jäger gejagt haben. Sie haben den Ruf eines Rehs dort wiederholt. Die konnten sowohl den Ruf eines weiblichen Rehs, als auch eines männlichen Rehs wiederholen und dann sind die gegengeschlechtlichen Rehe dann hingekommen und dann wurde das Reh mit Pfeil und Bogen erledigt. Also, Verhaftung an den Hörsinn kann ins Verderben führen. Dann der Elefant sucht Berührung mit dem Weibchen, dass an einem Baum angebunden ist. Also, so wurden Elefanten im alten Indien gejagt. Da wurde ein Elefant genommen und dieser wurde dann angebunden und dann kam der andere Elefant, der hat es zuerst gesehen, aber nachher wollte er dann das Elefantenweibchen oder das Weibchen das Männchen auch berühren und wenn die dann so in liebevoller Berührung waren, kamen dann die Menschen und haben Ketten an die Beine angelegt. War keine ungefährliche Weise, aber so wurden anscheinend früher Elefanten gejagt. Oder Motten sehen Licht und fliegen geradewegs in die Flamme hinein, also Sehsinn. Das erleben wir hier auch manchmal im Sivananda-Saal, da haben wir ja diese Lampen und wenn ihr ab und zu mal was riecht, dann wisst ihr, da ist wieder eine Motte oder eine Fliege in eine dieser Lampen hineingegangen. Der Fisch ist der Geschmackssinn. Sie wollen unbedingt den Regenwurm fressen und landen am Angelhaken. Und die Bienen sammeln Honig, vom Blütenduft angelockt und werden dann vom Züchter oder vom Imker beraubt. Oder eigentlich bezieht es sich auf etwas anderes, denn in der Avadhuta Gita, eine Biene, spät am Abend, will eigentlich zurück in den Bienenstock fliegen und dann riecht sie noch eine ganz besonders gute Blüte. Sie geht dort hin und die Blüte verschließt sich, wie es ja manche Blüten machen. Die Biene ist also gefangen in der Blüte, ein Elefant kommt und zertritt die Blüte und mit der Blüte die Biene gleich mit. Also, in der Avadhuta Gita erzählt der Dattatreya von seinen 24 Gurus und fünf davon greift Sankaracharya hier auf. Also, Tiere haften an einem Sinn und der Mensch haftet an allen fünf Sinnen. Und jeder der fünf Sinne kann uns ins Verderben führen. Natürlich, jeder dieser fünf Sinne kann einen auch an Gott erinnern, aber jeder der fünf Sinne, wenn wir daran verhaftet sind, kann einen auch ins Verderben führen. Die Sinnesobjekte zu genießen und dankbar dafür zu sein, ist eine Sache. Daran verhaftet zu sein und uns von diesem Sinnesobjekt dann ins Verderben führen zu lassen, ist eine andere Weise.
„Die Biene macht ihre Arbeit.“ Natürlich, alle Tiere brauchen ihre Sinne und der Mensch braucht auch alle fünf Sinne. Deshalb haben wir sie ja, sonst hätten wir ja nicht diese Sinnesorgane bekommen. Das Problem ist nur, wenn man daran verhaftet ist. Natürlich, die Tiere haben keine Wahl. Aber eine Biene, angenommen, sie wäre mit Vernunft ausgestattet, dann hätte vielleicht gerade diese Biene gesagt, „Ja, es wird langsam dunkel. Ich weiß, diese Art von Blüte wird abends wieder zugehen und deshalb sollte ich jetzt nicht mich in Gefahr begeben und dann dort in diese Blüte hineingehen. Besser, ich komme morgen wieder.“ Aber Menschen sind vernunftmäßig ausgestattet und man macht das trotzdem. Könnt ihr euch mal überlegen, vielleicht seid ihr alle mit großer Vernunft ausgestattet und macht so was niemals. Aber der ein oder andere weiß, wenn er das und das isst, dann wird es die und die Wirkung haben und isst es trotzdem. Ich weiß nicht, ob ihr das noch nachvollziehen könnt oder ob ihr an jemanden denken könnt, bei dem es so geht. Oder man hört etwas, z.B. eine Kritik, man weiß, eigentlich wäre es klüger, nichts zu machen, trotzdem reagiert man auf das, was man hört.

Teil 53 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. <

Löse dich von den Fesseln der Sinnesbegierde

„Jene Unvernünftigen, welche mit den starken, äußerst schwer zerreißbaren Fesseln der Begierde an den Sinnesobjekten gebunden sind, kommen und gehen im Kreislauf der Geburten tief hinunter und hoch hinauf, von ihrem Karma mit Macht getrieben.“ ( 75. Vers Viveka Chudamani von Sankaracharya)
Also, es gibt in dieser Welt ab und zu mal Unvernünftige, die an ihren Körper gebunden sind und an ihre Sinnesobjekte gebunden sind. Solange wir uns identifizieren mit diesen Sinnesobjekten und Begierden danach haben, solange werden wir uns immer wieder inkarnieren. Und hier, so ein Grund, warum man sich weiter inkarniert, sind Wünsche. Und ein zweiter Grund, den er dort nennt, ist Karma. Also, bestimmte Handlungen, die wir gemacht haben, erzeugen Karma, dann haben wir Wünsche, Begierden, das sind zwei Gründe, weshalb wir auf diese Welt kommen. Und dann Patanjali erwähnt auch noch zwei andere Aspekte, die letztlich das bestimmen, was wir erfahren. Das eine ist letztlich, wir brauchen die Erfahrungen, die uns helfen, uns aufzuwecken und dann gibt es auch eben die Aufgabe, unsere Talente und Fähigkeiten und Kräfte irgendwo zu entfalten. Und all das zusammen, kann man sagen, bestimmt unser Leben. Wir kommen hierher in diese Welt, um Erfahrungen zu machen. Wir nehmen diesen Raumanzug an, um Erfahrungen zu machen. Wir nehmen diesen Raumanzug an, um Dinge zu tun und auch unsere Kräfte irgendwo zu entfalten und Talente zu entfalten, weshalb übrigens ein faules Leben zu führen nicht ein Weg zur Befreiung ist. Wir kommen auf diese Welt auch, um letztlich unsere Wünsche und Begierden zu befriedigen. Und wir kommen auch auf die Welt, um die Resultate unserer Handlungen zu erfahren. Auf vieles davon haben wir erstmal wenig Einfluss, auf manches haben wir Einfluss. Und eines, worauf man einen gewissen Einfluss hat, sind unsere Wünsche und Begierden und wenn wir eben erkennen, „Ich bin nicht dieser Körper. Ich bin nicht diese Gedanken.“, dann lösen wir uns etwas von diesen Begierden.

Teil 52 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. <

Astralkörper in der Vedanta Analyse

„Nachdem sich diese feinstofflichen Elemente mit je einem Teil jedes anderen Elementes verbunden haben, werden sie grobstofflich und sind die Ursache des grobstofflichen Körpers. Ihre feinstofflichen Teile bilden die fünf Sinnesobjekte, wie Töne, Gegenstände der Berührung, Formen, Farben, Geschmäcke und Gerüche, wodurch die Seele Freude und Leid erfährt.“ (Viveka Chudamani von Sankaracharya 74. Vers)
Das ist jetzt die so genannte Theorie von Panjikaran von Quintuplikationen oder Verfünffachungen, auf die ich jetzt nicht weiter eingehen will, denn sie hilft jetzt auch nicht übermäßig viel weiter. Wir können sie aber als Klassifikationsmethode nehmen und deshalb will ich sie nur andeutungsweise nennen. Also, die Klassifikationsmethode hilft uns auch wieder, uns davon zu lösen. Wir können den physischen Körper in die sieben Dhatus einteilen, eine Einteilungsmöglichkeit. Wir können ihn einteilen in die Teile, Füße, Beine usw. Und wir können ihn einteilen in die fünf Elemente und da haben wir Erde und Erde sind die festen Bestandteile, also z.B. die Knochen sind relativ feste. Dann haben wir Wasser und Wasser sind die flüssigen Bestandteile, z.B. Blut ist flüssig oder Lymphe ist flüssig und selbst die Zellen, außer den Knochenzellen, sind größtenteils flüssig. Also so eine Körperzelle, da ist drum herum eben die Zellmembran und drinnen sind alle möglichen Proteine und anderes. Aber Größenteils ist das flüssig oder gelartig. Wie ihr leicht merkt, ihr könnt mal eure Muskeln hier – das ist nicht fest, eigentlich ist das hier größtenteils flüssig. Jetzt nicht ganz so flüssig wie Wasser, eher wie so weiches Kerzenwachs oder fast flüssiges Kerzenwachs oder wie kühles Öl, das ein bisschen grobflüssig ist. Also, flüssige Bestandteile. Dann gibt es Luft und Luft sind die gasförmigen Bestandteile, die sind vor allem natürlich in den Lungen drin. Dann gibt es Feuer. Was ist Feuer? Die Körperwärme. Das ist der Feuerbestandteil dort. Und dann gibt es Äther und was ist Äther? Äther könnte man sagen, ist der Raum, den der Körper einnimmt. Aber eine andere Interpretation, eine modernere, es ist das ganze elektromagnetische Spektrum. Damit der Körper funktioniert, geben die Nervenzellen ständig irgendwelche Impulse ab, die im Hirn alle möglichen Impulse geben, also, die Kommunikation im physischen Körper geschieht im Wesentlichen über elektromagnetische Impulse. Gut, auch über chemische Botenstoffe. Also, eine Mischung aus chemischen Botenstoffen und elektromagnetischen Impulsen, kann man sagen, das ist der physische Körper. Das gilt also als die groben Elemente und dann gibt es die feinstofflichen Elemente und das sind dann die fünf Sinne und insbesondere die so genannten Jnana Indriyas, die werden eingeteilt in fünf Elemente. Da gibt es den Tastsinn und Tastsinn ist Erde, Feuer, Wasser, Luft oder Äther? Die Ayurveda-Leute müssten das am meisten wissen. Fangen wir mit Leichterem an. Sehsinn ist Feuer. Hörsinn müsste Luft sein. Ich bewege mich jetzt auf Glatteis und habe gehofft, hier gibt es ausreichend Ayurveda-Gesundheitsberater. Habe ich mich auf euer Wissen dort verlassen. Erde ist Riechen? Ich schreibe es mir mal auf und mit eurem geballten Wissen hier, werden wir doch darauf kommen. Also, Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Feuer ist jedenfalls Sehen. Wer weiß was weiteres? Wasser ist Schmecken. Erde ist Riechen. Müssen wir nur noch Hören und Fühlen zuordnen. Luft ist Fühlen und Äther ist Hören. Wenn wir auf die Welt kommen, riechen wir als erstes, deshalb Erde. Dann als nächstes kommen wir zur Muttermilch und deshalb schmecken wir. Dann sehen wir etwas. Ich würde eigentlich sagen, eher fühlen wir etwas, deshalb schreien wir ja schon. Und dann zum Schluss kommt der Äther, das Hören. Hören noch vorher. Eigentlich schon im Mutterleib hören wir und eigentlich im Mutterleib fühlen wir schon, also die sind schon vorher da und die drei kommen dann nachher. Wie auch immer, es soll ja eine Klassifikation sein, die uns hilft, uns davon zu lösen.

 

51. Teil der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.