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Shatsampat, die sechs edlen Tugenden im Vedanta

Sankara wird euch jetzt auf einem höheren Niveau erklären, wie man diese sechs Eigenschaften interpretieren kann:
„Sama, Ruhe des Geistes heißt, dauerndes Verharren im wahren, eigenen Ziel, indem man sich von den zahllosen Gegenständen der Sinneswahrnehmung loslöst und sich deren Mangel immer wieder vor Augen führt.“ (Viveka Chudamani)
Sama heißt Ruhe des Geistes. Eine andere Möglichkeit ist und das ist eigentlich eine Variation von Vairagya, man macht sich bewusst, alles in dieser Welt hat seine Probleme, nichts macht einen dauerhaft glücklich, alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. Der Mensch, der einen heute anlächelt, später stellt er einem das Bein und freut sich, wenn man im Dreck liegt. Ich lasse es jetzt dabei.
23. Vers
„Dama, Selbstbeherrschung heißt, das Festhalten der Sinne und Sinnesorgane in den betreffenden Zentren, indem man sich von den zahllosen Gegenständen der Sinneswahrnehmung abwendet.“
Also, wenn man merkt, da ist ein Cafe und da gibt es den tollen Kirschkuchen und dann schaut man woanders hin und geht weiter. Oder angenommen, ihr macht einen Spaziergang durch den Kurpark von Bad Meinberg, dann kommt ihr erst eben hier durch das Silvaticum, schöne Bäume, geht unter der Brücke durch, wunderschöner See, ihr geht weiter und dann seht ihr einen schönen Brunnentempel, ihr geht noch weiter, links ein Eiscafe. Genau, wenn ihr dort standhaltet, kommt direkt danach rechts eine Konditorei, dort haltet ihr vielleicht auch noch stand. Ihr geht etwas weiter, links kommt eine andere Konditorei, vor der hält man übrigens besser stand. Wenn man rechts geht, rentiert es sich wenigstens. Dama hieße, man geht einfach weiter und lässt sich von nichts beeinflussen und beeindrucken. Und das ist auch durchaus eine gute Übung. Manchmal macht man einfach etwas deshalb nicht, einfach weil man einen Wunsch danach hat. Also nicht nur, weil es einen anderen Grund gibt. Also z.B. gegen Kuchen gibt es ja einige gute Gründe. Bauch oder Zucker oder Eier oder ich weiß nicht, was deutsche Konditoren noch in den Kuchen reinsetzen. Es sind nicht nur biologisch-ökologisch natürliche Zutaten. Und der Naturkostladen hat typischerweise immer geschlossen, wenn ihr frei habt. Es sei denn, ihr verzichtet aufs Frühstück oder kürzt es ab. Aber nicht nur aus anderen Gründen, sogar selbst am Naturkostladen, wenn da Hundertprozent gesunde Sachen sind, und seit es Yoga Vidya gibt, haben die den Anteil an Süßigkeiten etwa verdoppelt, ist mir aufgefallen. Vor sechs Jahren waren da wenige Regale mit Süßigkeiten, jetzt sind dort relativ viele gesunde Süßigkeiten drin. Und irgendwie scheinen die sogar zu wissen, was wir hier anbieten, denn die bieten anderes dort an. Und ich komme auch nie dorthin, ohne einen Mitarbeiter dort zu treffen oder einen Gast. Aber selbst wenn es Hundertprozent gesund ist, auch mal sagen, „Ich esse es trotzdem nicht.“ Oder ihr habt einen Wunsch nach irgendetwas und dann macht es einfach deshalb nicht, um nicht Sklave eures Geistes zu sein, um zu sagen, „Ich bin Herr oder Frau im Haus.“
„Vollkommene Ruhe, Uparati, bedeutet, dass das Denken nicht auf äußere Sinneseindrücke reagiert.“
Also, Uparati hat so verschiedene Bedeutungen. Hier sagt er, vollkommene Ruhe, es heißt aber eben auch Abwenden, es heißt auch Überdruss, es ist ein vielschichtiges Wort dort. Also hier, Denkorgan reagiert nicht auf äußere Sinneseindrücke.
Titiksha – wird hier übersetzt von diesem Übersetzer als Langmut – nennt man das Ertragen aller Art von Leiden, ohne den Gedanken an Rache, ohne Angst und Kummer und ohne Klagen. Titiksha ist auch eine gute Übung und im Grunde genommen, wenn wir uns Titiksha als eine der wichtigen Eigenschaften anschauen, dann können wir irgendwo Leiden auch was Positives abgewinnen. Also angenommen, es kommt eine Krankheit. Da kann man sagen, „Aha, schön, dass der Körper jetzt eine Krankheit hat. Eine gute Gelegenheit, Titiksha zu üben.“ Ist vielleicht sogar mit Schmerzen verbunden. Eine gute Gelegenheit, Titiksha zu üben. Wobei ich euch jetzt nicht raten würde, auf Schmerzmittel zu verzichten. Die heutige Medizin sagt ja, wenn man Schmerzen hat und die Ursache dann irgendwo kennt und auch was an der Ursache macht, dann sollte man sogar relativ früh Schmerzmittel nehmen, dass kein Schmerzgedächtnis entsteht. Und das machen manchmal naturverbundene Menschen falsch, sie nehmen dann lange Zeit keine Schmerzmittel und nachher muss man Hämmer nehmen. Und wenn man einmal ein Aspirin genommen hätte, hätte vielleicht eine Tablette ausgereicht, dass irgendwo ein kleiner Unfall nicht zur chronischen Problematik wird. Noch besser ist natürlich, man schafft es mit einer Affirmation, den Schmerz zu beseitigen und mit einer Entspannung und damit verbundenen Affirmation. Aber jetzt jenseits dieser, mindestens heutigen medizinischen Empfehlung, die vielleicht in einem Jahr wieder überholt ist, wenn äußeres Leiden kommt, dann kann man das annehmen und sagen, es ist eine gute Übung, um stark zu werden. So irgendwo, mindestens als Junge hat man so gehört, „Was dich nicht umbringt, macht dich stark.“ Ich weiß nicht, Mädchen, haben die das auch gehört? Ja, auch. „Nur die harten kommen in den Garten.“, den Ausdruck habe ich nicht gehört, der war vielleicht in einer anderen Gegend Deutschlands populär. Stimmt natürlich nicht immer. Aber irgendwo, Stärke des Geistes heißt auch eben, mit widrigen Umständen umgehen zu können. Und auch heißt es, Gold wird im Feuer rein. Oder, der Schmied macht die Kunstgegenstände, indem er das Eisen erst heiß macht und dann feste draufschlägt. Und irgendwo macht das auch unser Karma. Ab und zu mal wirft es uns in den Ofen und anschließend werden wir links und rechts und oben und unten draufgehauen. Das ist jetzt keine sehr romantische oder freundliche Ausdrucksweise. Ich weiß auch nicht, warum die mir jetzt gerade einfällt, denn so häufig gebrauche ich ja so etwas nicht. Vielleicht um meine bisherige freundliche Ausdrucksweise etwas auszugleichen. Aber so passiert es ja öfters. Das Leben ist ja so. Es ist nicht so, dass unser Schicksal uns immer mit Samthandschuhen anfasst, sondern manchmal geschehen schlimme Dinge und manchmal hat man das Gefühl, dass man in einen Feuerofen reingeworfen ist, den man nicht aushält. Und manchmal hat man das Gefühl, dass man links und rechts verprügelt wird. Es gibt vielleicht sogar Menschen, die physisch verprügelt wurden. Und das sind alles Dinge, die prägen uns. Aber letztlich, was danach folgt ist, Shraddha sagt, wir wissen nicht, warum und wieso und ich halte die Frage, „Warum passiert mir das?“ nicht für eine sehr hilfreiche Frage. Wenn man davon ausgeht, auf irgendeine Art und Weise wachse ich daran, das ist das, was Titiksha ermöglicht. Also hier, man lernt, Leiden anzunehmen. Auch Swami Sivananda hat ja in seinem berühmten Lied, fängt an mit „Serve, love, give, purify, meditate, realize. Be good, do good, be kind, be compassionate. Adapt, adjust, accommodate. Bear insult, bar injury, highest Yoga. Trage Kränkungen, trage Beleidigungen und Schmähungen, das ist höchstes Yoga.“ Das ist ein Zeichen, wir sind ein bisschen vorangekommen. Das ist letztlich eine einfache Weise für Titiksha. Eigentlich gibt es ja Schlimmeres als Leute, die einen irgendwo beleidigen. Aber viele Menschen und ich merke es gerade auf dem spirituellen Weg, vielleicht andere genauso, aber spirituelle Menschen sind manchmal nicht nur gekränkt, wenn man ihnen ein kränkendes Wort sagt, sondern sogar, wenn man sie nicht lobt, sind sie schon gekränkt. Oder Menschen erwarten Anerkennung für alles Mögliche. Titiksha, wir halten all das aus. Und ihr könnt sehen, wie weit seid ihr gekommen und wenn euch heute etwas nicht mehr so ärgert wie vor zehn Jahren, dann seid ihr einen guten Weg vorangekommen.

Nächstenliebe und Vedanta Jnana Yoga

Liebe deinen nächsten wie dich selbst.“ So heißt es in der Bibel. So ist die Lehre fast aller Religionen. Das heißt, man sollte auch sich selbst lieben. Nicht selbstverliebt sein.. Aber auch der eigene Charakter ist irgendwo liebenswert und verstehbar. Da hat ja die moderne psychologische Forschung und die Evolutionsbiologie und die Paläontopsychologie uns auch einiges geholfen. Wisst ihr, was Paläontopsychologie ist? Paläonto ist die Steinzeit, Paläontopsychologie wird jetzt momentan in der Populärpsychologie relativ populär. Da wird so alles erklärt aus der Steinzeit heraus. Also z.B. angenommen, man hat sich in der Steinzeit irgendwo gefreut und es ist alles toll und man hat das Leben genossen und hat die Schönheit der Natur gesehen und den Himmel und es war alles so meditativ, voller Vertrauen dort und dann kam ein Säbelzahntiger und man fand den auch ganz toll und dann wurde man gefressen und konnte seine Gene nicht weitergeben. Dagegen jemand, der hat was Schönes gesehen und er hat gedacht, „Das mag jetzt schön sein, aber wo ist der Säbelzahntiger?“, der hat überlebt. Und deshalb hat heute die Mehrheit der Menschen, wenn irgendwas schön ist, können wir es kurz genießen und dann schauen wir, wo ist der Haken dort hinter. Und wenn irgendwo alles gut ist, irgendwie werden wir in Sicherheit gewiegt, da muss irgendwas Schlimmes noch kommen. Oder angenommen, man hat ein kleines Geräusch gehört. Der eine, der sich gedacht hat, „Geräusche hin oder her, ist nicht weiter tragisch. Ich bleibe jetzt ruhig und genieße weiter meinen Atem oder die Schönheit der Rose vor mir.“ Gut, normale Rosen gab es damals nicht, aber es gab auch schöne Blumen. Und dann kam der Bär und hat einen gefressen. Währenddessen der andere, der hat irgendwas gesehen, ist zusammengezuckt, „Was ist da los irgendwo im Wald?“ und der hat überlebt. Deshalb, diejenige, die sich wegen Kleinigkeiten aufregen, hatten in früheren Zeiten einen Überlebensvorteil. Wenn ihr also merkt, dass ihr euch öfters über Kleinigkeiten aufregt, jetzt wisst ihr, warum. Und noch dazu, in einer Horde von Menschen ist es eigentlich durchaus gut, wenn es ein paar gibt, die so ein bisschen gleichmütiger sind, aber es muss ein paar geben, die sich wegen jeder Kleinigkeit sofort aufregen und erschrecken. Wenn dort nämlich eine Horde von zehn bis dreißig Menschen ist – was man annimmt, so groß waren so die Horden, mit denen die Menschen durch die Gegend gelaufen sind – und da reicht es ja aus, wenn da eins, zwei oder drei so hochschrecken. Dann können sie die anderen warnen. Und deshalb, wenn ihr also feststellt, ihr gehört zu denen – früher hat man, glaube ich, HB-Männchen oder so ähnlich gesagt – die wegen jeder Kleinigkeit an die Decke springen, dann wisst ihr, „Ja, in früheren Zeiten war mein Temperament überlebensnotwendig für meinen Stamm.“ Ist vielleicht heute nicht mehr ganz angemessen, aber durchaus menschlich verständlich. Oder auch, zu jeder Horde braucht es ein paar Unkonventionelle, die immer alles von einem anderen Blickwinkel aus gesehen haben und mit denen die anderen nichts anfangen konnten. Aber die haben dann die verrückten Erfindungen gemacht. Deshalb sind wir heute nicht mehr in der Steinzeit, weil irgendjemand mal auf die verrückte Idee gekommen ist, statt vor dem Feuer wegzurennen, sich das mal anzugucken und zu schauen, könnte das vielleicht für irgendwas nützlich sein. Vollkommen verrückte Idee. Wenn ihr also Menschen seid, die öfters verrückte Ideen haben und deshalb bei anderen immer wieder anecken, dann wisst ihr, ist irgendwo überlebensnotwendig gewesen. Und das wisst ihr nicht nur für euch selbst, sondern ihr könnt auch sagen, das gilt auch für eure Mitmenschen. Da gibt es dort jemanden vielleicht in eurem Team oder in eurer Familie, der sich wegen jeder Kleinigkeit immer furchtbar aufregt , da wisst ihr, „Aha, Frühwarnsystem.“ Ab und zu mal kann da ja auch was dran sein. Oder jemand reagiert immer über oder irgendjemand hat diese verrückten Ideen und kann bei nichts bleiben, dann wisst ihr, hat auch irgendwo seine Funktion. Und nicht nur, es hatte seine Funktion, es hat auch häufig heute seine Funktion.

Seele, was ist das?

Es gibt im Deutschen immer so eine Schwierigkeit, was ist Seele? Normalerweise, wenn wir im Yogakontext das Wort „Seele“ haben, ist damit Atman gemeint. Und wenn man die Psyche und den Geist nimmt, dann ist damit irgendwo eben Chitta gemeint, also die Persönlichkeit, Gedanken, Emotionen, Gefühle, Unterbewusstsein, es wird oft als der Geist bezeichnet. Was man hier als versunkene Seele bezeichnet, dass ist das, was sonst eben als Geist bezeichnet wird. Also, fest gegründet im Yoga. Also schon eine regelmäßige Praxis, das ist auch dort notwendig. Manche nehmen die vorigen Verse so als Ausrede, nichts zu praktizieren. „Ich will alleine das höchste Selbst erkennen, durch Werke ist nichts zu erreichen.“, da macht man sich irgendwie etwas vor. Und es gibt ja auch eine so genannte Neo-https://wiki.yoga-vidya.de/Adwaita-Bewegung. Habt ihr von der schon mal gehört? https://wiki.yoga-vidya.de/Adwaita heißt Nicht-Zweiheit. Und irgendwo sind sie begründet auf Ramana Maharshi, der hat ja im Wesentlichen gesagt, „Erkenne dich selbst. Frage, wer bin ich?“ Und Swami Sivananda hat es so gesagt, „Frage, wer bin ich, erkenne dein Selbst und sei frei.“ Und so diese Neo-https://wiki.yoga-vidya.de/Adwaita-Bewegung hat so einige Lehrer hervorgebracht, die nicht dieses systematische Vedantastudium haben, sich nicht auf Schriften beziehen, nicht die Vorübungen und die Reinigungstechniken und die Praktiken haben, sondern alleine sagen, „Du bist jetzt schon befreit. Du bist jetzt schon eins. Es gibt nichts, was zu tun ist, es sind keine Praktiken nötig, keine Yogaübungen, keine Meditation, gar nichts. Höre einfach auf, dich zu identifizieren mit deinem Körper, deiner Psyche, deinen Emotionen, deiner Persönlichkeit und dann bist du frei.“ Klingt gut, oder? Endlich mal jemand, der uns den Stress wegnimmt. Was ist das Problem dabei? Es hört sich gut an, aber auf die Dauer funktioniert es doch nicht. Und ich habe jetzt auch so einiges beobachtet, ich habe einige dieser Lehrer – ich will jetzt keine Namen nennen – beobachtet. Als die begonnen haben zu lehren, haben sie immer alles einfach dargestellt. Als zweites kam so der Schritt, sie haben festgestellt, so einfach erreichen es die Schüler nicht, dann haben sie längere Retreats gemacht und haben gesagt, „Ihr müsst bei mir sein und ich werde euch in diese höchste Verwirklichung hineinführen.“ Nach ein paar Jahren fangen sie dann an zu sagen, man muss regelmäßig meditieren. Ein paar Jahre weiter empfehlen sie auch sonstige spirituelle Praktiken und einen reinen Lebensstil, uneigennütziges Dienen und irgendwann kommen dann auch noch spirituelle Lieder und Gesänge dazu und wo landen sie irgendwann? Bei einem ganzheitlichen Yogaweg. Und ich halte das für eine positive Entwicklung. Eine ganze Reihe von denen, die längere Zeit dabei sind. Es gibt aber auch andere, die irgendwann vor lauter Frust aufhören, zu unterrichten. Oft sind es solche, die irgendwo versehentlich über die Verwirklichung gestolpert sind. Manchmal verheimlichen sie aber, dass sie schon zehn Jahre vorher lang praktiziert haben. Aber dann plötzlich, aus heiterem Himmel, nachdem sie schon gar nicht mehr gedacht haben, sie können die Verwirklichung erreichen, plötzlich, aus heiterem Himmel, sie tatsächlich erreicht haben. Daher denkt nicht, es gibt diesen ganz einfachen Weg, wo man nichts zu machen braucht, einfach gemütlich leben kann und nur fragen, „Wer bin ich?“, sein Selbst erkennen und frei ist. Letztlich ist es doch ein Weg von tiefer Konsequenz, den man auch gehen muss. Daher sagt schon Sankaracharya, „Fest begründet im Yoga, verwurzelt in der vollendeten Einsicht“, also nicht vollständig drin, sondern verwurzelt. Man weiß, „Ja, es gibt etwas Höheres.“ und dann soll die im Geburtenkreislauf versunkene Seele mit dem reinen Selbst auch emporgehoben werden. So wie Krishna in der Bhagavad Gita sagt, man erhebe sein Selbst mit dem Selbst, man erniedrige nicht sein Selbst mit dem Selbst. „Im Ozean des Geburtenkreislaufs versunken“ Wir sind immer wieder versunken. Versunken, in den Problemen des Alltags, versunken, in den Problemen in der Familie, versunken, in den Problemen im Beruf, versunken, in den Problemen des Yogazentrums, versunken in den Problemen des Selbstmitleids. Ihr könnt euch noch weiter überlegen, wo eure Seele versunken sein kann. Aber wir können sie emporheben und das ist auch letztlich etwas praxisnah. Vedanta ist auch etwas praxisnah, es hat auch eine Wirkung und zwar eine sofortige Wirkung. Wir brauchen nicht wirklich all unsere Probleme dauerhaft aufzuarbeiten. Wir müssen nicht alle Störungen unserer Psyche, die wir in diesem Leben und in hundert anderen Leben angesammelt haben, lösen. Das ist auch manchmal, der westliche Mensch sammelt die ersten 18 Jahre seines Lebens Probleme und die nächsten 70 Jahre reflektiert er darüber. Wir kommen nur so nicht dauerhaft weiter. Es mag mal vorübergehend hilfreich sein, es kann auch manchmal neue Erkenntnisse geben und manchmal auch hilfreich sein, darüber nachzudenken, aber wir sollten dort nicht den größten Teil unseres Lebens damit verbrauchen, die ersten 12 Jahre unseres Lebens auszuarbeiten. Es gibt letztlich keine Kindheit ohne Probleme. Angenommen, die Eltern waren streng, dann gibt es Probleme. Angenommen, die Eltern waren sehr konsequent, dann gibt es Probleme. Angenommen, die Eltern hatten einen Laissez-faire-Erziehungsstil, dann gibt es erst recht Probleme. Und angenommen, die Eltern waren eigentlich sehr liebevoll und deshalb inkonsequent, dann gibt es auch Probleme. Und angenommen, die Eltern waren teilweise konsequent, teilweise inkonsequent, teilweise laissez-faire und teilweise streng, was gibt es dann? Alle Probleme. 95 Prozent aller Eltern bemühen sich, ihren Kindern das Beste zu geben, was sie geben können. Und 95 Prozent der Kinder haben im späteren Alter das Gefühl, dass ihre Eltern ihnen so viele Probleme geschaffen haben. Jeder, der jemals eine Psychoanalyse mitgemacht hat, wird sicher auf massig Probleme kommen, die die Eltern guten Glaubens einem mitgegeben haben. Also, ich will jetzt nicht nur meckern darüber, es kann auch hilfreich sein, manche Handlungstendenzen zu erkennen, die aus der Kindheit begründet sind, dann kann man sich manchmal leichter davon lösen, man kann vielleicht über sich ein bisschen mehr lächeln und ein bisschen mitfühlender mit sich sein, dafür ist es irgendwo gut. Aber wirklich unsere versunkene und im Schlamm steckengebliebene Seele können wir erheben mit dem reinen Selbst, indem wir uns nicht mit dem Vergänglichen identifizieren, sondern wissen, hinter allem ist das unendliche Selbst.

Strebe nach Erleuchtung

Im 8. Vers Viveka Chudamani sagt Sankara, der große Meister von Yoga und Vedanta.
„So möge der Weise nach Erlösung streben, indem er dem Wunsch nach Glück aus äußerlichen Dingen entsagt, einen wahren geistigen Lehrer aufsucht und sich auf die von ihm verkündeten Lehren konzentriert.“
Also, weise. Wer ist weise? In diesem Sinne, wie es Sankara hier versteht, ihr alle. Ihr schaut jetzt ungläubig. Also, der Weise, der die vorigen Sachen irgendwo kapiert hat. Das Wertvollste ist, die Verwirklichung zu erreichen. Wertvolle Vorbedingungen haben wir irgendwo. Glück erreichen wir nicht durch Geld und Reichtum, Unsterblichkeit auch nicht und Werke allein machen auch nicht dauerhaft glücklich. Wenn ihr das erkannt habt, dann seid ihr in diesem Sinne weise. Und dann könnt ihr euch mal auf die Schultern klopfen, mindestens geistig, und sagen, „Ja, etwas habe ich verstanden.“ Wenn ihr das habt, dann noch mal, Wunsch nach Glück aus äußeren Dingen entsagen. Er sagt jetzt nicht, dass man allen äußeren Dingen entsagen soll, nur dass man dem Wunsch nach Glück aus äußeren Dingen entsagt. Es spricht nichts dagegen, kleine Dinge zu tun, um glücklich zu sein, logisch. Ein paar Asanas machen, macht glücklich. Ein paar Pranayamas machen, macht glücklich. Als ich euch gesagt habe, wir beginnen den Vortrag mit einer Viertelstunde Tiefenentspannung – euere Gesichter sahen so glücklich aus. Und ich hoffe, wenn ihr mit eurem Partner, eurer Partnerin zusammen seid, gibt es mindestens ab und zu mal kleinere und intensivere Glücksmomente. Wenn ihr mit euren Kindern zusammen seid oder wenn ihr euren Beruf macht oder wenn ihr in eurem Haus seid oder wenn ihr in der Natur spazieren geht oder wenn ihr vielleicht in eurem Auto fahrt oder mit dem Fahrrad fahrt oder was auch immer, irgendwo, man kann kleineres Glück dort haben und nach kleinerem Glück auch streben. Man muss übrigens nicht. Es gibt auch den melancholischen Aspiranten, der immer die Hohlheit hinter allem sieht, aber weiß, „Irgendwann erreiche ich die Selbstverwirklichung. Nicht in dieser Welt macht mich glücklich, alles ist hohl. Jedes Auto verpestet die Luft und in jedem Fahrrad ist potenziell der Unfall vorprogrammiert. Jeder Mensch, der heute freundlich ist, morgen schimpft er. Alle Kunden, die freundlich sind, wollen nur bessere Konditionen. Alle Geschäftsleute, die freundlich sind, wollen nur das eigene Geld. Der Chef ist nur freundlich, dass man mehr arbeitet und eigentlich ist er die Mehrheit der Zeit unfreundlich. Und alles Leben ist Leiden.“ Wenn ihr diese Einstellung habt, ist auch o.k., ist die melancholische Grundeinstellung, aber man muss sie nicht haben. Man kann sich auch an kleineren und größeren Dingen erfreuen und man kann auch nach dem kleinen Glück streben, als vorübergehendes Glück so im Hintergrund, „Wenn ich erstmal so dieses gewisse Glück habe, dann kann ich nach dem größeren und dauerhaften Glück leichter streben. Aber ich nehme nicht an – und das ist eben wichtig – dass äußere Dinge mich dauerhaft glücklich machen.“ Also, wenn man dann z.B. irgendwo gedacht hat – nennt mir mal irgendwas, wo ihr euch vorstellt, da könnte man denken, dass einem das großes und dauerhaftes Glück schenken könnte. Also nicht ewig dauernd, aber schon ein bisschen länger als ein paar Minuten. „Tiefschneefahren in Kanada“ Und dann setzt man alles daran, nach Kanada zum Tiefschneefahren zu kommen und dann landet man dort und ausgerechnet in diesem Winter hat es entweder keinen Schnee oder irgendwo gab es eine kleine Temperaturschwankung und es ist eher ein Eisgemisch als ein Schnee. Oder es gibt einen Blizzard, die sind in Kanada gar nicht so selten und eine Woche lang kommt man nicht raus. Das hatte ich mal in Kanada erlebt eine Woche lang. Nachher lagen drei Meter Schnee dort und das heißt, im Erdgeschoss konnte man gar nichts mehr sehen, nur zwischendurch mussten wir immer wieder aufs Dach. In Kanada bauen sie interessanterweise immer Flachdächer, deshalb muss man dort ständig Schnee runterschippen. Und angenommen, man ist jetzt in der Woche gekommen, dann kann man sagen, „O.k., es war eine schöne Idee, aber sollte nicht sein. War zu kurz.“ Oder man fährt den Schneehang runter und bricht sich ein Bein. Also, „Oh, jetzt habe ich zwei Jahre dafür geopfert, allen Plänen nach dem perfekten Tiefschneefahrurlaub und jetzt ist alles nichts geworden.“ Als Yogi kann man das mit Gelassenheit nehmen. Man kann sagen, „Gut, auch wieder was gelernt.“ Es kann sein, dass man tatsächlich dann im Tiefschnee fährt und es ist wirklich toll. Jeden Morgen fährt man hin und jeden Abend. Und was stellt man nach zwei Wochen fest? Irgendwie wird es auch langweilig. Und dann stellt man fest, die, die dort im Ort alle wohnen, die fahren dort gar nicht so viel Tiefschnee. Also, man kann es machen, man kann es genießen, aber man ist nicht besessen davon und weil man nicht davon besessen ist, wird man auch nicht so unglücklich, wenn es zum einen nicht möglich ist, zum anderen, wenn es einem weggenommen wird, zum anderen, wenn es doch nicht so großartig war, wie man es gedacht hat.
Also, man möge nach Erlösung streben, man möge dem Wunsch nach Glück aus äußeren Dingen entsagen, einen geistigen Meister aufsuchen und sich auf die von ihm verkündeten Lehren konzentrieren.
So seid ihr jetzt in der Tradition Sankaracharyas und Swami Sivananda. Ihr seid in dieser Tradition und ihr bemüht euch, diese Lehren zu verstehen, euch darauf zu konzentrieren, um zum Höheren zu kommen.
„Fest gegründet im Yoga, verwurzelt in der vollendeten Einsicht, soll er die im Ozean des Geburtenkreislaufs versunkene Seele mit dem reinen Selbst emporheben.“

Viveka Chudamani Vers 4 – Verpasse keine wertvolle Chance und praktiziere Yoga Vedanta

„Wem die schwer erhältliche menschliche Geburt irgendwie zuteil geworden ist und dazu noch eine mannhafte Natur, wer den tiefen Sinn der heiligen Schriften kennt, verblendeten Geistes aber nicht nach Erlösung seiner Seele strebt, der tötet letztlich seine Seele, der richtet sich zugrunde, er hält am Unwirklichen fest.“
Im Kommentar heißt es, jetzt nimmt Sankaracharya den Vorschlaghammer zur Hand. Irgendwo will er uns ein bisschen durchrütteln. Er will die Dinge in die richtige Perspektive setzen. Jetzt haben wir menschliche Geburt und ihr habt auch alle, was hier übersetzt wird als mannhafte Natur, also eine mutige Natur. Ihr seid auch fähig, etwas in die Hand zu nehmen und etwas zu bewegen. Ihr seid nicht einfach nur deprimierte, ängstliche Menschen. Ihr habt schon mal was von den Schriften gehört. Ihr habt alle eine Yogalehrerausbildung gemacht und wenn ihr jetzt nicht nach der Erlösung strebt, dann richtet ihr eigentlich das Tiefste, was in euch ist, zugrunde und haltet euch fest an dem Unwirklichen.
„Wer aber ist so töricht, dass er das eigene Interesse missachtet, nachdem er den schwer erlangbaren menschlichen Körper erhalten hat.“
Das eigene Interesse ist eigentlich welches Interesse? Selbstverwirklichung. Wenn wir das schon haben, einen menschlichen Körper, außerdem die Natur, die nach dem Höchsten strebt oder streben könnte und auch die Fähigkeit dazu, weil man irgendwo Kraft dazu hat, wäre doch töricht, jetzt nicht danach zu streben und es wäre töricht, sich immer wieder ablenken zu lassen. So viele Dinge macht man, um sich abzulenken. Und ich erlebe das so häufig unter spirituellen Aspiranten. Manchmal ist das auch so ein kleines Problem sogar hier im Haus. Wir bieten diese vielen Seminare an. Eigentlich sind sie so gedacht, dass zum einen Menschen aus allen verschiedenen Interessenlagen hierher kommen. Zum anderen, dass Menschen ein breites Arsenal bekommen, um anderen zu helfen. Auch, dass Menschen in verschiedenen Interessenlagen dorthin kommen. Dann erlebe ich es oft, Menschen haben eine Aspiration, haben ein spirituelles Interesse und dann plötzlich sind sie nur noch interessiert, wie man Pranaheilung macht und wie man Magen-Darm-Krankheiten heilt und wie man mit psychischen Beschwerden umgeht usw. Und vergessen, worum geht es? Verwirklichung. Oder dann stellt man plötzlich fest, da gibt es noch eine andere Energietechnik und eine andere Meditationstechnik, dann gibt es noch diese Sache und jene Sache und natürlich gibt es auch außerhalb von Yoga Vidya noch weitere spirituelle Schlaraffenländer, wo man alles so findet. Und wenn man das alles in Perspektive sieht, ist es ja gut. Man kann von verschiedener Warte aus immer wieder nach dem Höchsten streben. Und es ist gut, Verschiedenes zu kennen, um anderen helfen und dienen zu können, deshalb bieten wir es ja auch an. Ich will ja jetzt nicht über unser Programm schimpfen, das ich ja letztlich zu verantworten habe. Ich könnte ja sagen, das wird nicht mehr gemacht. Wir machen nur noch Anfängerkurs, Mittelkurs, Fortgeschrittenenkurs, Yogalehrerausbildung und ab da nur noch Streben nach dem Höchsten. Alle anderen Kurse, Seminare, Ausbildungen sind Ablenkungen, werden abgesetzt, dann wäre wir vielleicht kleiner, aber dafür feiner. Aber so ist es ja nicht. Die haben ja alle ihren Sinn und es ist gut, auf viele Weisen Menschen helfen zu können und Yoga in verschiedensten Kontexten unterrichten zu können. Wir müssen nur aufpassen, dass es uns nicht ablenkt von dem, worum es wirklich geht.

Viveka Chudamani – 2. Vers dieses Jnana Yoga Vedanta Textes

Der zweite Vers ist einer der bekannten Verse, der letztlich auch ein Kommentar ist zu einer Manu Smriti. Sri Kartikeyan hat, als er hier regelmäßig war, keine Vortragsreihe ausgelassen, ohne darüber zu sprechen. Er sagte, es gibt drei wertvolle Dinge in dieser Welt: manushyatam mumukshutyam mahapurusha samshreya. Das Werk heißt ja Viveka Chudamani und Chudamani heißt Kleinod. Und jetzt sagt er eben gleich: Was sind die drei wertvollsten Dinge in diesem Universum?

Manushyatam: man kann es übersetzen als menschenwürdiges Dasein.
Mumukshutyam: der Wunsch nach Befreiung
Mahapurusha samshreya: die liebevolle Fürsorge durch ein Maha Purusha, in diesem Kontext heißt es, durch eine großartige Seele, also die liebevolle Fürsorge von jemandem, der einen auf dem spirituellen Weg begleitet. Was das genau bedeutet, darüber schreibt er in den nächsten Versen.

Viveka Chudamanani – die ersten Verse

Eines der wichtigsten Werke von SankaraSwami Vishnu-devananda nannte es das wichtigste Werk von Sankara überhaupt – ist das Viveka Chudamani.

Viveka heißt Unterscheidungskraft. Mani heißt Edelstein.
(Ihr kennt ja Manipura Chakra, Mani ist der Edelstein, Pura heißt die Stadt dort und Manipura Chakra ist die Stadt der Edelsteine. Das heißt, Manipura Chakra steht für die Entfaltung der Talente und der Fähigkeiten, den Mut, seine Fähigkeiten auch umzusetzen und in den Dienst anderer zu stellen, auch die Kraft, Einfluss auf andere auszuüben. Das sind alles verschiedene wertvolle Edelsteine – Mani.)

Aber es ist nicht nur Viveka Mani, sondern Chudamani und Chuda ist ein ganz besonderer Edelstein. In dieser Übersetzung hier heißt er Kronjuwel. Chuda ist der wertvollste Edelstein. Die Inder in früheren Zeiten waren sehr schmuckorientiert. Das seht ihr zum Teil, wenn ihr Bilder von Krishna, Ganesha, Lakshmi anseht. Dort haben früher die Menschen ihr ganzes Geld in Gold und Edelsteine gebracht. Aber dort wird ausgedrückt: Der größte Edelstein, den es überhaupt gibt, Chudamani, das ist das Wissen, die Weisheit, die höchste Verwirklichung.

Sankara geht auf Wanderschaft um Jnana Yoga und Vedanta zu verbreiten

Das tat Sankara. Er verließ Varanasi. Er reiste durch die verschiedenen Gegenden Indiens – ich hatte euch ja gestern schon einiges erzählt über das, was Sankara alles bewirkt hat als großer Reformator. Er machte alles das in acht Jahren. Mit 32 Jahren verließ er auch seinen physischen Körper. Also ein sehr kurzes Leben, ein sehr intensives Leben und eines mit sehr großem Einfluss.

Teil 13 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war “Viveka Chudamani von Sankaracharya”. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.

Sankara trifft seinen Guru Govinda, erreicht Nirvikalpa Samadhi und schreibt Vedanta Werke

So ging Sankara zu Govindacharya und der nahm ihn als seinen Schüler auf und Sankara lernte von ihm. Er lernte von ihm die wahre Bedeutung der Schriften. Er lernte von ihm, seinen Intellekt zu nutzen. Er lernte von ihm auch die Kunst der vedantischen Analyse und Debatte. Er lernte von ihm Meditationstechniken. Er lernte, sich ganz auf seinen Meister einzustimmen und erfuhr so Nirvikalpa Samadhi etwa im Alter von 20 Jahren. Dann sagte Govindashaya, jetzt gehe nach Varanasi, die großartige Stadt des Lernens und dort schreibe die Kommentare zu Brahmasutra, zu Upanishaden und Bhagavad Gita. Wenn du diese vollendet hast, dann schreibe noch ein paar weitere Werke über Vedanta und mache dann Vedanta bekannt. Aber zunächst geh zu dieser Stadt der Gelehrten, diskutiere auch mit anderen Meistern und dann schreibe deine Kommentare. So verbrachte Sankara die nächsten Jahre damit, seine großartigen Kommentare zu schreiben und einige Grundwerke über Vedanta zu verfassen. Eine Woche, bevor er sein 24. Lebensjahr abgeschlossen war, kam ein alter Mann mit einem langen weißen Bart und langen weißen Haaren nach Varanasi und er hatte eine solche Ausstrahlung, es war, als würde er gar nicht die Erde berühren, während er ging, und es war so, als ob um ihn herum Licht ausstrahlte. Eine erhabene Ausstrahlung. Und so wie er die Straßen entlang ging, hörte aller Lärm auf und alle hörten auf zu tun, was sie gerade taten. Davon ging eine solche Erhabenheit aus. Er ging schnurstracks dorthin, wo Sankaracharya lebte und Sankaracharya sah diesen Mann, verneigte sich vor ihm und dieser Mann sagte ohne weitere Einleitung: Ich habe erfahren, du hast einen Kommentar geschrieben über das Brahmasutra. Ich fordere dich heraus zu zeigen, dass dein Kommentar der richtige ist. Man kann sagen, dass es in Indien üblich war, dass jeder Meister, der etwas auf sich hielt, einen Kommentar über die Upanishaden schrieb, über die Bhagavad Gita und über das Brahmasutra. Das ist bis heute eine Tradition, auch Swami Sivananda hat einen Kommentar über die Upanishaden, über die Bhagavad Gita und auch über das Brahmasutra geschrieben. Auch über mehr Schriften, aber diese gelten im Vedanta als die drei Hauptschriften und die müssen auch in jedem Zeitalter wieder neu interpretiert werden. Deshalb soll auch immer wieder ein Kommentar dazu geschrieben werden. Man kann durchaus sagen, dass die Kommentare von Swami Sivananda ähnlich sind wie die von Sankaracharya. Einfacher zu verstehen für Menschen von heute. Aber sehr nah am Sankara-Kommentar.

Sankara trifft den Vedanta Meister Gaudapada

Es gibt ein schönes Gedicht von ihm, in dem er sagt: So oft bist du schon geboren worden, so oft bist du schon gestorben. Jeder, den du triffst, war schon mal deine Mutter, jeder, den du triffst, war schon mal dein Vater, jeder, den du triffst, war schon mal dein Bruder und deine Schwester. Genug, genug, wann hast du endlich genug, die gleichen Menschen in unterschiedlichen Konstellationen immer wieder zu treffen? Triff ihre wahre Natur, ihr wahres Selbst. Erfahre dich als das Selbst von allem.

Sankara nimmt Sannyas und wird ein Entsagter, ein Yoga Mönch

So ähnlich war es auch bei Sankara. Während er dann in diesem See schwamm, kam plötzlich ein Krokodil. Das Krokodil biss ihn und hatte das ganze Bein in seinem Maul. Krokodile sind langsame Tiere, sie können sehr schnell sein, aber wenn sie ihre Beute haben, dann kann es eine Weile dauern, bis es weitergeht. So war also das Bein von Sankara im Maul des Krokodils und Sankara schrie so laut er konnte “Mutter, Mutter!!” Aber nicht “Hilfe”, wie andere es vielleicht rufen würden. Er rief “Mutter, Mutter! Erlaube mir jetzt zu entsagen!” Denn es heißt, bevor man den physischen Körper verlässt, sollte man allem entsagt haben. Oder wie Swami Vishnu-devananda es manchmal gesagt hat: Better quit before you are fired. Kündige, bevor dir gekündigt wird. Das ist im Amerikanischen, im Deutschen ist es ja umgekehrt. In Amerika macht es sich im Lebenslauf ausgesprochen schlecht, wenn man gekündigt wird und es macht sich ausgesprochen gut, wenn man selbst gekündigt hat. Egal, was in den Zeugnissen drin steht – wenn dort steht, dass der Arbeitgeber jemandem gekündigt hat, macht sich das nicht gut. Deshalb wird typischerweise ein freundlicher Arbeitgeber sagen: Wir sind nicht zufrieden mit ihrer Arbeitsleistung, wir würden ihnen kündigen – aber sie haben noch die Chance, selbst zu kündigen. Dort gibt es ja auch kein Kündigungsrecht oder so was. Bei uns ist allerdings eher umgekehrt: Wenn man überlegt, dass man gerne den Job wechseln möchte, bittet man den Arbeitgeber um die Kündigung, dann kriegt man wenigstens Arbeitslosengeld. Das ist eine andere Mentalität.

Die Jugend von Sankara, des großen Yoga Meisters

Sankara wurde dann zum Dorflehrer. Er lehrte andere Kinder und auch Jugendliche, sogar die Lehrer selbst lehrte er. Aber er entwickelte auch den Wunsch, nicht nur zu lehren, sondern er entwickelte den Wunsch, auch zu entsagen, das Höchste zu erreichen. Denn er dachte: Was nützt mir alles Wissen der Schriften? Was nützt es mir, wenn ich in der Theorie weiß, was Brahman ist? Was nützt es mir, wenn ich die Upanishaden verstehe, wenn ich sie nicht voll verwirklicht habe?

So wollte er einen Guru finden, einen spirituellen Lehrer. Aber seine Mutter sagte zu ihm: Du, du bist jetzt das Einzige, was ich noch habe. Du kannst jetzt nicht weggehen. Warte und bleibe bitte bei mir, solange ich noch lebe. So blieb Sankara dort und trug letztlich zum Lebensunterhalt der Familie bei über das Lehren und die anderen Gaben, Dakshina, also Gaben für den Lehrenden. So verbrachte er die nächsten Jahre. Als die 16 Jahre um waren – ihr erinnert euch, die Mutter hatte das inzwischen längst wieder vergessen – schwamm Sankara in dem örtlichen See. Er war zwar hochweise, aber er war auch ein Junge und er liebte es zu schwimmen und zu rennen und verschiedene Dinge zu machen.