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Das Selbst ist der Beobachter, Sakshi

„Der Beobachter der Gedanken und Gefühle, der stets ändernden Zustände des Egos, der Vorgänge und Abläufe in Körper, Sinnen und Lebenskräften, handelt nicht und ändert sich in keiner Weise, auch wenn er deren Gestalt annimmt wie Feuer im glühenden Eisen.“ (Viveka Chudamani von Sankaracharya).
Also, das Selbst ist hinter allem, hinter allen Gedanken, hinter allen Gefühlen, hinter allen ändernden Zuständen des Egos. Mal sind wir ganz toll, „Ich bin ein toller Hecht.“, mal, „Oh, ob ich das alles noch mitkriege, ob ich das alles packe.“ bis, „Ich tauge nichts. Keiner mag mich. Ich bin nicht gut genug.“ Also, sattviges, rajasiges, tamasiges Ego. All das bedarf auch eines Bewusstseins dahinter. All das bedarf der Seele. Ein mangelndes Selbstwertgefühl ohne eine Seele, macht keinen Sinn. „Der Vorgänge und Abläufe im Körper“, also Körper, alles Mögliche läuft ab. „In Sinnen und Lebenskräften“ Also dieses Selbst handelt nicht. In Wahrheit, wenn wir sagen, „Ich hebe einen Hammer hoch.“, ist nicht korrekt. Nicht ich hebe einen Hammer hoch, sondern die Hand hebt den Hammer hoch. Man kann sagen, stimmt jetzt auch nicht. Die Hand allein könnte auch nichts. Wenn ich jetzt hier eine Hand hinlege und dann Pathologie irgendwo, schneidet mir meine Hand ab und sagt, „Jetzt heb mal den Hammer hoch.“, geht nicht. Also, der Körper muss dran sein. Aber der Körper allein macht es auch nicht. Angenommen, wir haben jetzt irgendwo so eine Leiche dort liegen, die hebt auch jetzt nicht plötzlich den Hammer hoch. Also, muss man auch lebendig sein. Irgendjemand muss der Hand sagen, sie muss den Hammer hoch geben. Es muss ein Prana sein, welches den Befehl irgendwie überträgt. Deshalb, Bewusstsein ist schon nötig, damit der Hammer hier hochgehoben wird. Nur, nicht das Bewusstsein hebt den Hammer hoch. Das Bewusstsein ist letztlich die Ursache, dass dort der Arm den Hammer hochhebt. Also angenommen, man ist im Tiefschlaf, dann wird man auch nicht plötzlich einen Hammer hochheben. Es gibt Schlafwandler, aber ein Schlafwandeln ist eher Traumbewusstsein als Tiefschlaf. Also angenommen, ihr fragt jemanden, „Schläfst du?“ und der antwortet, „Ja.“, dann wisst ihr, er schläft nicht. Und angenommen, jemand sagt, „Schläfst du?“ und er sagt nichts, dann, entweder er schläft oder er hat keine Lust, sich jetzt um die Zeit auf unangenehme Diskussionen einzulassen. Wenn jemand nicht antwortet, wissen wir noch nicht, ob er schläft oder nicht. Aber wenn er antwortet, dann wissen wir, er schläft nicht. Und das sind nicht so ganz einfache philosophische Fragen. Also Handlung, ohne dass ein Selbst daran beteiligt ist, geht letztlich nicht. Andererseits handelt das Selbst nicht. Und deshalb heißt es dort, Er handelt nicht, denn nicht das Selbst verändert irgendetwas. Auch nicht, das Selbst gibt die Befehle, denn die Befehle gehen vom Geist aus. Andererseits, ohne dass ein Selbst, ein Bewusstsein dabei ist, tut dieser Körper erstmal nichts. Gut, man kann sagen, angenommen jemand ist im Koma, dann tut der Körper schon etwas, er atmet und er hat Pulsschlag, man kann ihn noch künstlich ernähren und künstlich beatmen und alles Mögliche andere machen. Also, so viel klappt noch irgendwie. Allerdings würden die Yogis sagen, auch dafür bedarf es irgendwo eines Bewusstseins, das im Hintergrund ist. Wenn das Bewusstsein den Körper ganz verlässt, dann stirbt er. Wobei auch das nicht korrekt ist, denn Bewusstsein kann nichts verlassen, denn Bewusstsein ist überall. Man kann sagen, wenn das Bewusstsein mit dem Astralkörper den Körper verlässt, ganz verlässt, dann passiert der Tod und dann nutzen die ganzen Wiederbelebungsmaßnahmen auch nichts und die künstlichen Lebenserhaltungsmaßnahmen. Wenn jetzt die Verbindungen zwischen Astralkörper und physischen Körper nur ganz schwach sind, dann kann der physische Körper noch am Leben gehalten werden. Und der Astralkörper macht nur so lange Sinn, wie dort Bewusstheit dort hinter ist. Das sind Sachen, die man sich öfters mal fragen kann. Das sind auch Sachen, über die man meditieren kann. Sachen, derer man sich zwischendurch bewusst werden kann. Vielleicht heute, wo ihr heute noch mal einen Tag im Ashram seid und vielleicht noch nicht alle Probleme des täglichen Lebens auf euch einprasseln, was vielleicht am Montag dann passieren wird. Wo ihr dann überlegt, „Ja, Selbst, Handlung, Gedanken, Persönlichkeit, Prana. Wie hängt das alles zusammen? Ich als Bewusstsein mache nichts, dennoch, ich kann meiner Hand sagen, geh hoch.“ Und die Hand macht das auch manchmal, ohne dass man es besonders merkt. So eine Art Zwischenbewusstsein, so unterbewusst. Oder, viele von euch bewegen sich. Jetzt ist die Kamera auf mich gerichtet. Angenommen, ich würde die Kamera auf euch richten und nachher macht man das mit Fast Forward und dann ist hier wie ein Hampelmanntheater. Mensch, so lange er wach ist, bewegt sich. Das soll jetzt nichts Schlechtes sein. Irgendwo braucht das der Körper. Halbbewusst. Und ihr seid euch den größten Teil der Bewegungen gar nicht so bewusst. Aber ein bisschen Halbbewusstheit ist da, Unbewusstsein ist da, etwas aus dem Chitta, im Sinne von Unterbewusstsein, geschieht, irgendwo muss ein bisschen Bewusstsein da sein, ansonsten, in der Ohnmacht bewegt sich der Mensch nicht mehr.
Also, noch mal die Frage. „Wenn man stirbt, muss irgendein Restbewusstsein im Körper drin sein.“ Sagen wir, so 2 Prozent? Also, 98 Prozent Bewusstsein nehmen wir mit und 2 Prozent lassen wir da und das vergammelt dann mit dem Körper. Bewusstsein ist nicht teilbar, denn letztlich, alles ist Bewusstsein. Hier müssen wir wieder aufpassen. Letztlich, selbst der Körper an sich ist nur Bewusstsein, selbst wenn er zerfällt ist er nur Bewusstsein. Nur die Seele, im Sinne von, die jetzt bewusst ist, die sich jetzt reflektiert durch den Astralkörper, die verlässt vollständig den physischen Körper. Und das ist jetzt wieder die individuelle Seele. Aber wir könnten auch, wenn wir jetzt mit unserer Bewusstheit die Grenzen von Ahmankara und Buddhi und Manas und Chitta verlassen würden, könnten wir erkennen, auch der tote Körper ist nichts anderes als Bewusstsein. Jetzt im Praktischen, unser Atman wirkt durch Antarkarana, dort sieht es so aus, als ob das Bewusstsein vollständig den Körper verlässt. Aber natürlich, jedes Eintelteil des Universums reflektiert auch wieder Bewusstsein. So kann man sagen, jede einzelne Zelle reflektiert ja auch Bewusstsein. Auf eine gewisse Weise hat jede einzelne Zelle ein Einzelbewusstsein und die einzelne Zelle lebt ja noch ein bisschen länger als der Gesamtkörper. Also, manche Zellen kann man noch Stunden nachher aus dem Körper herausnehmen, andere muss man innerhalb von ein paar Minuten herausnehmen, um sie transplantieren zu können. Also, manche Einzelzellen haben noch reflektiertes Bewusstsein ein bisschen länger. Aber nicht im Sinne wie der Mensch, als ein Egobewusstsein, sondern eben eher so, wie Bakterien und Einzelzellen auch ein Einzelbewusstsein haben, hat dann irgendwo im menschlichen Körper jede Zelle ein Einzelbewusstsein, jedes Organ hat ein Einzellbewusstsein, der Körper als Ganzes hat ein Bewusstsein usw. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass, zu Beginn der Schöpfung werden 3.426.238.416217 Einzelseelen geschaffen und jede dieser Einzelseelen muss sich dann langsam erlösen. Und wenn dann all diese Billionen erlöst sind, dann löst sich das Universum auf. So ist es nicht. Es gibt nicht eine beschränkte Anzahl von Einzelseelen, sondern was es gibt, wie viele Seelen gibt es übrigens? Eine einzige. Letztlich, es gibt nur die Seele. Und diese Seele träumt das ganze Universum, manifestiert sich damit als das ganze Universum. Denn, aus was könnte Bewusstsein diese Welt schaffen, wenn nichts existiert außer Bewusstsein? Bewusstsein kann nur die Welt aus Bewusstsein schaffen. Und dann kommt das große Paradoxon. Nachdem dann das Bewusstsein die Welt erträumt hat, reflektiert sich das Bewusstsein in jedem Einzelteil dieser Schöpfung. Und dann, jede einzelne Reflexion in dieser Schöpfung will dann wieder zurückkehren zum höchsten Bewusstsein. Und jedes Mal, wenn eine neue Welle entsteht, reflektiert sich die Bewusstheit wieder da drin. Und jedes Mal, wenn in diesem Bewusstsein dort eine neue Pflanze entsteht, gibt es ein reflektiertes Bewusstsein in dieser Pflanze. Und jedes mal, wenn dieses Einzelbewusstsein der Pflanze dann sich inkarniert in einem Insekt usw., geht es dann immer weiter. Und deshalb, jede einzelne Zelle hat eine gewisse Einzelbewusstheit, jedes einzelne Organ hat eine Einzelbewusstheit, jede Pflanze hat eine Einzelbewusstheit, jedes Stück Stein hat eine Einzelbewusstheit und da jedes Upadhi die Seele an sich spiegelt, scheint diese Einzelseele dann wieder nach Erlösung zu streben und zu verschmelzen mit dem Höchsten.
„Also, die Einzelseele wächst?“ Die Einzelseele, letztlich wächst sie nicht. Man kann sagen, die Upadhis, die wachsen. Wo wir natürlich auch aufpassen müssen. Wir schauen uns jetzt ein Staubkorn im Universum an. Und auf diesem Staubkorn gibt es jetzt mehr Menschen als vor hundert Jahren. Und noch mehr Menschen als vor Tausend Jahren. Dafür gibt es weniger Affen. Dafür gibt es weniger Säbelzahntiger. Dafür gibt es mehr Kakerlaken. Und ich glaube, auch die Anzahl von Mäusen hat sich erhöht. Die Anzahl von Spatzen hat sich auch erhöht. Dafür hat die Anzahl von Bären stark abgenommen. Also, wir können jetzt nicht wirklich sagen – und das Ganze ist jetzt ein Stück Erde und wenn man das jetzt vom Standpunkt der Milchstraße aus sieht. Wie sehr hat sich diese Galaxie geändert? Und wenn man es vom Standpunkt des gesamten Universum aus sieht. Wie sehr hat sich das Leben verändert in den letzten hundert Jahren? Gar nicht. Und wir wissen nicht, auf wie vielen Planeten es intelligentes Leben gibt. Ich hatte so vor kurzem ja gesagt, man kann davon ausgehen, dass größeres intelligentes Leben nur auf dieser Erde ist. Vom astrophysikalischen Standpunkt aus. Nur ganz korrekt war ich dort nicht, da hat mich nachher jemand darauf aufmerksam gemacht. Das gilt nur in dieser Schwingungsfrequenz, in diesem Schwingungsspektrum, das wir jetzt gerade untersuchen. Wir nehmen ja Schwingungsspektrum nur innerhalb von einem bestimmten kleinen Fenster wahr. Auf einem anderen Schwingungsspektrum, was auch physische Materie sein könnte und wo es vielleicht ganz andere Existenzen gibt, könnte es durchaus auf anderen Planeten Leben geben. Und in manchen Schriften wird das sogar irgendwo so beschrieben. Gut, noch dazu, wenn wir dann in die Astralwelten gehen. Nur, all das ist letztlich nichts anderes als eine Manifestation von Brahman. Letztlich, das Universum bleibt irgendwo doch ein Mysterium. Zum einen, es gibt eine unendliche Seele. Das ganze Universum ist nichts anderes als eine Manifestation von Brahman. Es erscheint nur so zu sein wie ein Traum. Aus diesem Traum können wir aufwachen und wir sehen das Ganze als Brahman. Innerhalb dieses Universums, welches ein Traumuniversum ist, gibt es verschiedene Einzelseelen, die nichts anderes sind als eine Manifestation von Brahman und zurückstreben nach der Verwirklichung von Brahman. Aber es ist nicht eine gewisse Einzelseelenanzahl, sondern jeder Teile dieses Universums, jedes Mal, wenn es einen neuen, einzelnen Teil gibt, ist er Brahman und zum anderen reflektiert er Brahman. Und jedes reflektierte Chaitanya, das reflektierte Bewusstsein, will wieder zurückkehren zum Ursprungsbewusstsein.

Das Selbst der Atman, erhellt mit seinem Glanz die ganze Welt

„In diesem Körper, in der Reinheit des Gemüts, in der Tiefe der Erkenntnis, im unoffenbarten Raum, leuchtet das strahlende Licht wie die Sonne hoch am Himmel, mit seinem Glanz die ganze Welt erhellend.“ (Viveka Chudamani, Vers 132)
Also, dieses höchste Bewusstsein manifestiert sich auch im Vergänglichen. Also in diesem Körper, was da als Bewusstsein ist, das ist das höchste Selbst. Besonders manifestieren, wenn das Gemüt rein ist. So wie Patanjali auch ausdrückt, „Yogas Chitta Vritti Nirodha. Tada Drastuh Svarupe Vasthanam. – Ist unser Geist zur Ruhe gebracht, dann ruht der Sehende in seinem wahren Wesen.“ Oder an einer anderen Stelle vergleicht Patanjali den Geist, im Sinne von Chitta, was hier in der Übersetzung vom Viveka-Chudamani oft als „Gemüt“ übersetzt wird, er vergleicht das wie ein Kristall. Ein Kristall reflektiert etwas. Also, in unserem Denken und Fühlen wird etwas reflektiert. Und was reflektiert wird, ist letztlich unsere Seele, unser höchstes Bewusstsein. Und je nachdem, wie der Kristall beschaffen ist, wird diese Seele reiner reflektiert oder auch unreiner oder auch farbenprächtiger. Es gibt Kristalle, die brechen alles, diese Prismas, dann wird alles kunterbunt. Es gibt Kristalle, die sind orange oder rot, so wie Rosenquarz und dann kommt das Ganze etwas rötlich gefärbt raus. Oder es gibt andere, die machen alles ein bisschen milchig und ein bisschen bleicher. Aber was gespiegelt wird, das ist unser Selbst. Und damit ist auch jeder Gemütszustand, den wir erfahren, letztlich eine Spiegelung des Selbst. Er wird geprägt durch das Instrument, durch das es gespiegelt wird, aber was gespiegelt wird, ist weiter das Selbst. Und ist das Gemüt rein, sattvig, dann stahlt dieses Selbst in reiner Form durch. „In der Tiefe der Erkenntnis“, also das bezieht sich jetzt auf die Vijnanamaya Kosha. Auch in der Erkenntnis können wir etwas wahrnehmen. Und die höchste Erkenntnis, da wird nicht mehr gesagt „Ich erkenne etwas.“, sondern es ist nur Chid, Bewusstheit, und damit auch reines Wissen. „Das im unoffenbarten Raum leuchtet, wie das strahlende Licht der Sonne hoch am Himmel.“ Also, im unoffenbarten Raum. Jetzt geht er noch ein Stück weiter, es entspricht auch so der Anandamaya Kosha, Karana Sharira, Wonnehülle, Kausalkörper. Es ist jenseits von den Manifestationen, jenseits von Zeit und Raum. Wenn es uns gelingt, in der Meditation einen Zustand zu erfahren, jenseits von Denken und Fühlen, dort sind wir im unoffenbarten Raum, also noch nicht manifesten. Wir sind aber noch nicht verschmolzen. Aber in diesem Bewusstseinszustand, der auch als Sarvikalpa Samadhi oder Samprajnata Samadhi bezeichnet wird, in diesem Zustand, dort erleben wir wie ein Licht, eine Freude, wir erfahren das Selbst. „Mit diesem Glanz die ganze Welt erhellend.“ Also, aus dem Unoffenbarten geht es auch in diese Welt und ohne dieses Bewusstsein können wir uns der Welt gar nicht bewusst werden, genauso wenig wie der Emotionen. Also, ich hatte gestern Abend so das Beispiel gebraucht, stellt euch mal vor, ihr habt Emotionen und ihr seid euch dessen nicht bewusst. Ist so was denkbar? Angenommen, ihr seid furchtbar wütend, aber ihr bemerkt, ihr seid irgendwo in einem anderen Bewusstsein. Ist das möglich, auf der einen Seite wirklich furchtbar wütend zu sein und ohnmächtig zur gleichen Zeit? Entweder man ist wütend oder man ist ohnmächtig. Beides zugleich geht nicht. Man kann zwar unbewusst sein, aber ein Ärger, ohne dass es jemanden gibt, der ihn fühlt, macht keinen Sinn. Und selbst wenn man sagt, „Es schmort auf dem Unterbewusstsein usw.“, gut, aber dann ist es nicht in dem Moment Ärger. Wir merken dieses Schmoren erst dann, wenn wir schmoren. Also, es muss jemand da sein, um es zu erfahren. Angenommen, ihr habt die Augen offen und alles Licht kommt rein, aber euer Bewusstsein ist ganz woanders. Man kann auch mit offenen Augen eingeschlafen sein. Seht ihr dann die Blumen und alles? Oder anders ausgedrückt, kann man im Tiefschlaf sein und sich furchtbar über etwas freuen? Kann man im Tiefschlaf sein und gerade die höchsten philosophischen Gedanken haben? Nein. Alles, was existiert, bedingt das Bewusstsein. Ohne Atman ist keine Erfahrung möglich. Und ohne Atman können wir auch die Welt nicht erleben. Letztlich sogar, ohne Atman gibt es keine Welt.

Vom Selbst, dem Atman, der Höchsten Seele

„Vom dem das Universum durchdrungen wird, den aber nichts durchdringt. Der Leuchtende, dessen Wesen Licht ist, den das Universum widerspiegelt, das ist Dieser. Durch dessen bloße Gegenwart der grobstoffliche Körper, die Sinne, das Denken und die Intuition in ihren Bereichen wie gelenkt arbeiten. Der ewig Erleuchtete, durch den alle Dinge, vom Ichgefühl bis zum grobstofflichen Körper, die Sinnesobjekte und die Gefühle, wie Wohlbefinden, wie ein Gegenstand, z.B. ein Krug, klar wahrgenommen werden. Das ist das innerste Selbst, die höchste Seele, der Uranfängliche, der immerwährende, ungeteilte Freude genießt, der Ewige, der Unveränderliche, das reine Bewusstsein, wodurch die Sprache und die Lebenskräfte belebt werden und tätig sind.“ (Viveka Chudamani von Sankara)

Vedanta Frage: Ist die Welt mehr als ein Traum?

Und wir können noch einen Schritt weitergehen und das ist Traum, eine der im Jnana Yoga meistbenutzten Analogien. Angenommen, wir würden jetzt träumen. Wir würden jetzt träumen, wir sind im Haus Yoga Vidya bei einem Seminar, „Viveka-Chudamani“. Jetzt Preisfrage, woher wüssten wir, dass wir träumen und dass es nicht wirklich ist? Also, im Traum weiß ich nicht, dass ich träume. Wenn wir träumen, denken wir, dass es eine Wirklichkeit ist. Ich spreche jetzt von dem „echten“ Traum. Es gibt natürlich auch Träume, dann weiß man, dass man träumt. Die ganze Sache erscheint einem so ein bisschen verdächtig und so weiß man, das ist irgendwo nicht so richtig. Aber im „echten“ Traum, dort wissen wir nicht, dass wir träumen und es erscheint alles als Wirklichkeit. Ich bin einer der jetzt in dem so genannten Wachzustand so öfters mal auch überlegt, „Wache oder träume ich? Ist die Welt wirklich oder ist sie unwirklich?“ Und mir erscheint öfters das Ganze so wie ein ablaufender Traum und dann löse ich mich mal so ein bisschen davon und richte meinen Geist auf das, was hinter diesem ablaufenden Traum ist. Und es passiert mir dann auch öfters im Traum, dass ich überlege, „Ist das jetzt wirklich oder unwirklich?“ und manchmal frage ich mich im Traum, „Träume ich oder bin ich wach?“ Und paradoxerweise komme ich dann im Traum fast immer zum Schluss, „Ich bin wach.“ Und manchmal im Traum geschehen Dinge, die irgendwie komisch sind. Manchmal im Traum, wenn ich dann Asanas übe, bin ich dann flexibler als Narayani und manchmal wundere ich mich dort, warum ich jetzt heute wieder so viel flexibler bin. Da ist zum Teil noch die Erinnerung an den Wachzustand, aber dann ist Traum und dann überprüfe ich und gucke, „Kann das überhaupt sein?“ und stelle dann fest, „Ja, ist tatsächlich so.“ Oder manchmal in der Meditation, wo ich dann sitze, plötzlich habe ich das Gefühl, ich hebe ein bisschen ab und dann überlege ich, „Kann das überhaupt sein oder ist es im Traum?“, aber irgendwo ansonsten erscheint alles ganz normal. Oder auch im Traum habe ich manchmal schöne Meditationserfahrungen und manchmal auch keine schönen Meditationserfahrungen, manchmal sind Dinge schön, manchmal nicht so schön. Manchmal unterrichte ich auch Yogastunden im Traum. Und immer dann, wenn ich zum Schluss komme, „Träume ich jetzt oder kann das so sein?“ und dann zu dem Schluss komme, „Ja, es ist anscheinend doch wirklich.“, dann wache ich kurz danach auf. So ein bisschen wie, das Schicksal sagt mir, „Siehste, so kannst du dich täuschen.“ Jetzt angenommen, wir würden jetzt träumen und wir würden uns mit anderen Menschen unterhalten. Würden die jetzt individuelles Bewusstsein haben oder nicht haben? Also, wenn ihr mit anderen Menschen im Traum sprecht, wie verhalten die sich? „Normal“ Was ist normal? Also, sie verhalten sich wie im Wachzustand. Also, alle Personen in eurem Traum, was sind die eigentlich? Manifestationen eures Geistes. Unterbewusstsein schafft die Kreaturen des Traumes. Und das Interessante ist, euer Unterbewusstsein schafft diese Traumwelt, schafft die ganzen Einzelseelen der Traumwelt, schafft die ganzen Naturgesetze, schafft die Welt. Wie alt ist übrigens die Welt des Traumes? Ich muss immer lachen, wenn Menschen sagen, „Ich habe in 10 Minuten mehrere Tage geträumt.“ Ist das richtig? Angenommen, ihr träumt, dann träumt ihr ein Universum und wie alt ist dieses Universum? Milliarden und Abermillarden Jahre, vielleicht sogar ewig. Im Moment, wo ihr im Traum seid, ist es ja nicht so, dass ihr euch erinnert, „Vor drei Tagen gab es nichts, vor drei Tagen ist das Universum plötzlich gekommen und da waren wir so und so.“, sondern sowie man im Traum ist, kann man sich ja auch an die Vergangenheit erinnern, aber nicht nur an die Vergangenheit erinnern. Angenommen, ihr wärt ein Physiker im Traum, ist sogar möglich, dass die Traumwelt anderen physikalischen Gesetzmäßigkeiten folgt wie die Wachwelt und ihr könnt sogar dann vielleicht im Traum als Geophysiker oder Astrophysiker ein Alter der Welt bestimmen. Also, wir schaffen die gesamte Welt, Jagad. Wir schaffen die Einzelseelen, die sich wie Einzelseelen verhalten, mit psychischen Störungen und allem. All das können wir schaffen. Und dann schaffen wir noch dazu einen, mit dem wir uns typischerweise identifizieren. Manchmal gibt es vielleicht auch Träume, wo man irgendwo so eine Art Landschaftsbilder, wo man die Beobachterperspektive hat, aber meistens im Traum identifiziert man sich mit einer Traumgestalt und sagt, „Ich bin diese Person.“ Relativ häufig mag sie sogar ähnlich aussehen, wie im Wachbewusstsein, aber nicht immer. Wer von euch hat schon mal geträumt und da war er jemand, der doch ein gutes Stück anders ausgesehen hat als im Wachzustand? Gar nicht mal so viel. Die meisten scheinen sich im Traumzustand ähnlich zu sehen, wie im Wachzustand oder können sich nicht mehr so ganz daran erinnern. Aber es gibt die Möglichkeit, dass man im Traumzustand jemand ganz anderes ist. Jetzt sagen die Yogis, die Wachwelt ist letztlich nur ein Traum. Und hier können wir auch die ganzen Jnana-Yoga-Ausdrücke finden. Eine einzige Wirklichkeit hinter der ganzen Welt, Brahman, das Bewusstsein an sich. Atman ist dann die Seele, die sich manifestiert als Jiva. Man fühlt sich im Traum als Individuum. Man hat verschiedene Upadhis, ein Aussehen usw., mit dem man sich identifiziert. Es gibt im Traum ein Jagad, ein Universum. Und in diesem Universum gibt es dann verschiedene Dichtigkeitsstufen, physisches, astrales, kausales Universum. Es gibt verschiedene Einzelseelen, mit denen wir kommunizieren.

Was ist Moksha? Was ist Selbstverwirklichung?

An einer späteren Stelle wird Sankara auch sprechen über die höchste Befreiung. Aber Selbstverwirklichung, Gottverwirklichung heißt wirklich Moksha und Selbstverwirklichung. Dann ist die Frage, was heißt Moksha? Was heißt Selbstverwirklichung? Ist dort wirklich jeder Anschein einer eigenartigen Gewohnheit vorbei? So kann man es nicht sehen. Der Körper hat seine Grenzen, das Hirn hat seine Grenzen, die Psyche hat ihre Grenzen. Wir dürfen nicht denken, dass Vollkommenheit heißt, dass man auf irgendeiner physischen, emotionalen und geistigen Ebene eine wie auch immer geartete Vollkommenheit erreicht hat. Es heißt, wir sind aufgewacht. Es heißt, wir wissen: Ich bin das unsterbliche Selbst. Ich bin der Atman. Man ist so weit aufgewacht, dass man sich nicht mehr inkarnieren muss. Es ist die Befreiung oder Nirvikalpa Samadhi oder Selbstverwirklichung. Gottverwirklichung heißt: Ich weiß, ich bin Satchidananda. Ich bin Sein, Wissen und Glückseligkeit. Aham Brahmasmi, ich bin Brahman. Ayam Atma Brahman, dieses Selbst ist Brahman. Wir wissen das und es ist ein dauerhaftes Wissen, es verlässt uns auch niemals mehr. Egal, was passiert, Harahalame Almasta Sat Chid Ananda Hum. Was auch immer passiert, ich weiß das.

Strebe nach Erleuchtung

Im 8. Vers Viveka Chudamani sagt Sankara, der große Meister von Yoga und Vedanta.
„So möge der Weise nach Erlösung streben, indem er dem Wunsch nach Glück aus äußerlichen Dingen entsagt, einen wahren geistigen Lehrer aufsucht und sich auf die von ihm verkündeten Lehren konzentriert.“
Also, weise. Wer ist weise? In diesem Sinne, wie es Sankara hier versteht, ihr alle. Ihr schaut jetzt ungläubig. Also, der Weise, der die vorigen Sachen irgendwo kapiert hat. Das Wertvollste ist, die Verwirklichung zu erreichen. Wertvolle Vorbedingungen haben wir irgendwo. Glück erreichen wir nicht durch Geld und Reichtum, Unsterblichkeit auch nicht und Werke allein machen auch nicht dauerhaft glücklich. Wenn ihr das erkannt habt, dann seid ihr in diesem Sinne weise. Und dann könnt ihr euch mal auf die Schultern klopfen, mindestens geistig, und sagen, „Ja, etwas habe ich verstanden.“ Wenn ihr das habt, dann noch mal, Wunsch nach Glück aus äußeren Dingen entsagen. Er sagt jetzt nicht, dass man allen äußeren Dingen entsagen soll, nur dass man dem Wunsch nach Glück aus äußeren Dingen entsagt. Es spricht nichts dagegen, kleine Dinge zu tun, um glücklich zu sein, logisch. Ein paar Asanas machen, macht glücklich. Ein paar Pranayamas machen, macht glücklich. Als ich euch gesagt habe, wir beginnen den Vortrag mit einer Viertelstunde Tiefenentspannung – euere Gesichter sahen so glücklich aus. Und ich hoffe, wenn ihr mit eurem Partner, eurer Partnerin zusammen seid, gibt es mindestens ab und zu mal kleinere und intensivere Glücksmomente. Wenn ihr mit euren Kindern zusammen seid oder wenn ihr euren Beruf macht oder wenn ihr in eurem Haus seid oder wenn ihr in der Natur spazieren geht oder wenn ihr vielleicht in eurem Auto fahrt oder mit dem Fahrrad fahrt oder was auch immer, irgendwo, man kann kleineres Glück dort haben und nach kleinerem Glück auch streben. Man muss übrigens nicht. Es gibt auch den melancholischen Aspiranten, der immer die Hohlheit hinter allem sieht, aber weiß, „Irgendwann erreiche ich die Selbstverwirklichung. Nicht in dieser Welt macht mich glücklich, alles ist hohl. Jedes Auto verpestet die Luft und in jedem Fahrrad ist potenziell der Unfall vorprogrammiert. Jeder Mensch, der heute freundlich ist, morgen schimpft er. Alle Kunden, die freundlich sind, wollen nur bessere Konditionen. Alle Geschäftsleute, die freundlich sind, wollen nur das eigene Geld. Der Chef ist nur freundlich, dass man mehr arbeitet und eigentlich ist er die Mehrheit der Zeit unfreundlich. Und alles Leben ist Leiden.“ Wenn ihr diese Einstellung habt, ist auch o.k., ist die melancholische Grundeinstellung, aber man muss sie nicht haben. Man kann sich auch an kleineren und größeren Dingen erfreuen und man kann auch nach dem kleinen Glück streben, als vorübergehendes Glück so im Hintergrund, „Wenn ich erstmal so dieses gewisse Glück habe, dann kann ich nach dem größeren und dauerhaften Glück leichter streben. Aber ich nehme nicht an – und das ist eben wichtig – dass äußere Dinge mich dauerhaft glücklich machen.“ Also, wenn man dann z.B. irgendwo gedacht hat – nennt mir mal irgendwas, wo ihr euch vorstellt, da könnte man denken, dass einem das großes und dauerhaftes Glück schenken könnte. Also nicht ewig dauernd, aber schon ein bisschen länger als ein paar Minuten. „Tiefschneefahren in Kanada“ Und dann setzt man alles daran, nach Kanada zum Tiefschneefahren zu kommen und dann landet man dort und ausgerechnet in diesem Winter hat es entweder keinen Schnee oder irgendwo gab es eine kleine Temperaturschwankung und es ist eher ein Eisgemisch als ein Schnee. Oder es gibt einen Blizzard, die sind in Kanada gar nicht so selten und eine Woche lang kommt man nicht raus. Das hatte ich mal in Kanada erlebt eine Woche lang. Nachher lagen drei Meter Schnee dort und das heißt, im Erdgeschoss konnte man gar nichts mehr sehen, nur zwischendurch mussten wir immer wieder aufs Dach. In Kanada bauen sie interessanterweise immer Flachdächer, deshalb muss man dort ständig Schnee runterschippen. Und angenommen, man ist jetzt in der Woche gekommen, dann kann man sagen, „O.k., es war eine schöne Idee, aber sollte nicht sein. War zu kurz.“ Oder man fährt den Schneehang runter und bricht sich ein Bein. Also, „Oh, jetzt habe ich zwei Jahre dafür geopfert, allen Plänen nach dem perfekten Tiefschneefahrurlaub und jetzt ist alles nichts geworden.“ Als Yogi kann man das mit Gelassenheit nehmen. Man kann sagen, „Gut, auch wieder was gelernt.“ Es kann sein, dass man tatsächlich dann im Tiefschnee fährt und es ist wirklich toll. Jeden Morgen fährt man hin und jeden Abend. Und was stellt man nach zwei Wochen fest? Irgendwie wird es auch langweilig. Und dann stellt man fest, die, die dort im Ort alle wohnen, die fahren dort gar nicht so viel Tiefschnee. Also, man kann es machen, man kann es genießen, aber man ist nicht besessen davon und weil man nicht davon besessen ist, wird man auch nicht so unglücklich, wenn es zum einen nicht möglich ist, zum anderen, wenn es einem weggenommen wird, zum anderen, wenn es doch nicht so großartig war, wie man es gedacht hat.
Also, man möge nach Erlösung streben, man möge dem Wunsch nach Glück aus äußeren Dingen entsagen, einen geistigen Meister aufsuchen und sich auf die von ihm verkündeten Lehren konzentrieren.
So seid ihr jetzt in der Tradition Sankaracharyas und Swami Sivananda. Ihr seid in dieser Tradition und ihr bemüht euch, diese Lehren zu verstehen, euch darauf zu konzentrieren, um zum Höheren zu kommen.
„Fest gegründet im Yoga, verwurzelt in der vollendeten Einsicht, soll er die im Ozean des Geburtenkreislaufs versunkene Seele mit dem reinen Selbst emporheben.“