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Die 4 Mahavakyas im Vedanta

Ich möchte heute Morgen zunächst ein paar grundlegende Aussagen von Sankaracharya noch mal systematisieren, bevor wir im Viveka-Chudamani fortfahren. Die drei wichtigen Sätze von Sankaracharya, die die ganze Vedantaphilosophie zusammenfassen sind wie? Das sind die vier Mahavakyas. Wir können ja anfangen, erstmal die vier Mahavakyas. Das sind die großen Aussagen, die in den Upanishaden gefunden wurden. „Maha – großartige, Vakyas – Aussprüche“ Wie heißen die noch mal? „Tat Tvam Asi. – Das bist du. Aham Brahmasmi. – Dieses Selbst ist Brahman oder Ich bin (Aham) Ich bin Asmi dieses Brahman.“ Das dritte ist, „Prajnanam Brahman. – Bewusstsein ist Brahman.“ Und das vierte ist, „Ayam Atman Brahma. – Dieses Selbst ist Brahman.“ Da steht meistens „Brahma“. Die Orientalisten und auch die Yogameister haben irgendwann bei der Transkription ins Englische einen Unterschied gemacht zwischen Brahma und Brahman. Brahma ist der Brahma, das ist der Schöpfer, und wenn es im Sanskrti Neutrum ist, „das Brahma“, was aus dem Kontext hervorgeht, dann wurde das eben als Brahman übersetzt. Also, was ihr z.B. in der Yogalehrerausbildung gelernt habt, Brahma ist der Schöpfer und Brahman ist das Absolute, ist eigentlich so eine gewisse Konvention, die man gemacht hat, damit solche, die nicht den ganzen Kontext kennen, wissen, wovon man spricht. Die Mahavakyas sind keine Mantras, die Mantracharakter haben. Man nutzt sie als Denkstütze, aber natürlich, dann würde man sagen, „Ayam Atman Brahma“, kann man auch sagen oder „Prajnanam Brahma“. Das sind also die vier Mahavakyas. Noch mal zusammen. „Tat Tvam Asi. – Das bist du.“ Und dann, „Aham Brahmasmi. – Ich bin dieses Brahman. Prajnanam Brahma. – Bewusstsein ist Brahman.“ und „Ayam Atma Brahman. – Dieses Selbst ist Brahman.“

Sankara trifft seinen Guru Govinda, erreicht Nirvikalpa Samadhi und schreibt Vedanta Werke

So ging Sankara zu Govindacharya und der nahm ihn als seinen Schüler auf und Sankara lernte von ihm. Er lernte von ihm die wahre Bedeutung der Schriften. Er lernte von ihm, seinen Intellekt zu nutzen. Er lernte von ihm auch die Kunst der vedantischen Analyse und Debatte. Er lernte von ihm Meditationstechniken. Er lernte, sich ganz auf seinen Meister einzustimmen und erfuhr so Nirvikalpa Samadhi etwa im Alter von 20 Jahren. Dann sagte Govindashaya, jetzt gehe nach Varanasi, die großartige Stadt des Lernens und dort schreibe die Kommentare zu Brahmasutra, zu Upanishaden und Bhagavad Gita. Wenn du diese vollendet hast, dann schreibe noch ein paar weitere Werke über Vedanta und mache dann Vedanta bekannt. Aber zunächst geh zu dieser Stadt der Gelehrten, diskutiere auch mit anderen Meistern und dann schreibe deine Kommentare. So verbrachte Sankara die nächsten Jahre damit, seine großartigen Kommentare zu schreiben und einige Grundwerke über Vedanta zu verfassen. Eine Woche, bevor er sein 24. Lebensjahr abgeschlossen war, kam ein alter Mann mit einem langen weißen Bart und langen weißen Haaren nach Varanasi und er hatte eine solche Ausstrahlung, es war, als würde er gar nicht die Erde berühren, während er ging, und es war so, als ob um ihn herum Licht ausstrahlte. Eine erhabene Ausstrahlung. Und so wie er die Straßen entlang ging, hörte aller Lärm auf und alle hörten auf zu tun, was sie gerade taten. Davon ging eine solche Erhabenheit aus. Er ging schnurstracks dorthin, wo Sankaracharya lebte und Sankaracharya sah diesen Mann, verneigte sich vor ihm und dieser Mann sagte ohne weitere Einleitung: Ich habe erfahren, du hast einen Kommentar geschrieben über das Brahmasutra. Ich fordere dich heraus zu zeigen, dass dein Kommentar der richtige ist. Man kann sagen, dass es in Indien üblich war, dass jeder Meister, der etwas auf sich hielt, einen Kommentar über die Upanishaden schrieb, über die Bhagavad Gita und über das Brahmasutra. Das ist bis heute eine Tradition, auch Swami Sivananda hat einen Kommentar über die Upanishaden, über die Bhagavad Gita und auch über das Brahmasutra geschrieben. Auch über mehr Schriften, aber diese gelten im Vedanta als die drei Hauptschriften und die müssen auch in jedem Zeitalter wieder neu interpretiert werden. Deshalb soll auch immer wieder ein Kommentar dazu geschrieben werden. Man kann durchaus sagen, dass die Kommentare von Swami Sivananda ähnlich sind wie die von Sankaracharya. Einfacher zu verstehen für Menschen von heute. Aber sehr nah am Sankara-Kommentar.

Sankara trifft den Vedanta Meister Gaudapada

Es gibt ein schönes Gedicht von ihm, in dem er sagt: So oft bist du schon geboren worden, so oft bist du schon gestorben. Jeder, den du triffst, war schon mal deine Mutter, jeder, den du triffst, war schon mal dein Vater, jeder, den du triffst, war schon mal dein Bruder und deine Schwester. Genug, genug, wann hast du endlich genug, die gleichen Menschen in unterschiedlichen Konstellationen immer wieder zu treffen? Triff ihre wahre Natur, ihr wahres Selbst. Erfahre dich als das Selbst von allem.

Wichtigste Vedanta Werke von Sankara

Das waren einige Aspekte von Sankara. Besonders bekannt ist Sankara für die Kommentare zu den sogenannten drei wichtigsten Schriften des Jnana Yoga. Wie heißen die? Ihr kennt die vier wichtigsten klassischen Schriften, ihr kennt außerdem die vier wichtigsten Yogaschriften. Aber was sind jetzt die drei wichtigsten Schriften des Vedanta, des Jnana Yoga? Erstens, die müsst ihr kennen: Upanishaden. Zweitens Brahmasutra. Drittens, die kennt ihr auch – eins und drei kennt ihr: Bhagavad Gita. Das habt ihr irgendwann mal gehört… Also: Upanishaden, Bhagavad Gita und Brahmasutra. Manche Indologen behaupten sogar, nur diese Kommentare sind ganz sicher von Sankaracharya. Alles andere kann auch von jemand anders sein. Nur weil zum Teil der Stil ein anderer ist und zum Teil auch der Inhalt der Philosophie ein bisschen gemäßigt ist. Das kann man auch sagen. Aber aus meiner eigenen Erfahrung als Lehrender weiß ich: Wenn man unterrichtet, ändert sich im Lauf der Jahre etwas – wie man etwas erklärt und was man dort erzählt und wie man vielleicht mehr auf die Eigenarten von Menschen eingeht. Angenommen ich hätte mein erstes Buch mit 19 geschrieben, da hatte ich das vorgehabt. Ich habe es dann doch nicht vollendet und habe das, was ich geschrieben habe, irgendwann weggeworfen beziehungsweise habe ich es nicht wirklich weggeworfen – es ist in irgendeinem Zentrum verloren gegangen. Damals gab es noch keine Computer, das ging mit Schreibmaschine. Wenn ich heute ein Buch schreibe, ist das nicht mehr identisch mit damals. Der Stil wäre sogar anders, der Inhalt auch. Und so waren diese drei seine Erstwerke, Kommentare zu den drei Schriften. Und danach kommen drei Hauptschriften von ihm. Das ist Viveka Chudamani, das zweite ist Atma Bodha und das dritte ist Tattwa Bodha. Viveka Chudamani gilt dabei als sein letztes großes Werk. Man kann sagen, es ist wie die Essenz seiner Lehren und so geschrieben, dass ein Mensch es einfach verstehen kann und auch den ganzen ganzheitlichen Yoga mit einbeziehen kann. Von der Lebensgeschichte her, die kann ich euch ja vielleicht morgen Abend erzählen. Dann haben wir jetzt genügend Zeit, mehr vom Sankara Vidchaya, vom Bhakti, von den Legenden und Wundertaten, was dort alles gewesen ist. Damit werden wir uns dann beschäftigen.