Vedanta Analyse: Bin ich der Körper?

Wir gehen aber jetzt weiter. Ich habe jetzt sehr lange Zeit mit Ă€ußeren Dingen, mit denen man sich identifiziert, verbracht und diese Prinzipien können wir dann relativ einfach auch verwenden fĂŒr anderes. NĂ€mlich die Frage, „Bin ich meine Hand?“ Antwort, „Nein, ich bin nicht meine Hand. Ich kann meine Hand sehen. Ich kann sie riechen. Ich kann sie schmecken. Ich kann sie hören.“ Es gibt den Zen-Koan, das wĂ€re das Klatschen einer Hand. Also, ich kann darĂŒber nachdenken, aber ich bin nicht die Hand. Angenommen, ich wĂŒrde die Hand bei einem Unfall verlieren, wer bin ich? Immer noch ich. Angenommen, ich wĂŒrde sagen, „Ich mag meine Hand nicht. Narendras Hand mag ich lieber.“ Dann sagt Narendra, „Das trifft sich gut, ich hĂ€tte auch mal gerne eine andere Hand.“ Und angenommen, irgendjemand wĂŒrde uns dann viel Geld geben, mĂŒssten wir in irgendein anderes Land fahren, die wĂŒrden die HĂ€nde Ă€ndern. Wer bin ich jetzt? Niemand anderes. Ich bin immer noch ich. Angenommen, ich hĂ€tte ein Herzproblem und bekĂ€me dann ein Affenherz, wer wĂ€re ich? Immer noch ich. Es gibt bestimmte Studien, die zeigen, dass durchaus, nachdem man eine Herztransplantation hatte, dass man irgendwie emotional und die Persönlichkeit anders ist als vorher. Manche sagen sogar, der Charakter Ă€ndert sich in die Richtung, wie der, dessen Herz man hat. Wird manchmal bezweifelt. Manchmal wird gesagt, so eine leicht signifikante Sache könnte dort sein, man ĂŒberlegt, warum, aber das Ich ist weiter gleich. Mit Narendras Hand, mit einem Affenherz, mit einer Schweineleber, einer Ziegenniere, mit Bluttransfusionen von drei anderen Menschen, wer bin ich? Immer noch ich. Ich werde vielleicht sagen, „FrĂŒher war ich anders, aber jetzt bin ich so.“ Angenommen ich denke, ich war jetzt schon die HĂ€lfte meines Lebens Mann, wĂ€re doch mal schön, das Leben als Frau zu erfahren. Ein paar Hormone, ein paar Operationen, dann bin ich nicht mehr Sukadev, sondern Sukadevi, werde dann vielleicht ein paar Locken dort gedreht haben, etwas andere Kleidung, wer bin ich? Immer noch ich. Ich werde mich vielleicht anders fĂŒhlen und anders reagieren, aber ich werde immer noch ich sein. All das kann sich verĂ€ndern. Und Narayani hat auch ein paar Fotos mitgebracht, wie man das halt so macht, wenn man sich einmal im Jahr sieht. Dann hat sie auch Bilder von vor 25 Jahren gezeigt und da sage ich dann, „Ah, da bin ich.“ Sie hat sogar Fotos gezeigt von vor 30 Jahren, sie und Swami Vishnu. Da habe ich erst geguckt, „Und das bist du?“ Was heißt das, dass ich sage, „Das bist du.“ Das ist ein StĂŒck Papier, „Das bist du.“ Inzwischen hat sie mehr weiße als graue Haare, damals hatte sie nur dunkelbraune Haare, damals hat sie noch ein paar Kilo weniger gehabt, obgleich sie ja weiter schlank ist. Was ist gleich geblieben? Letztlich, „ich“ bleibt weiter gleich. Das Bewusstsein bleibt gleich. Gehen wir noch weiter. Bin ich mein Prana? Viele Menschen definieren sich ĂŒber ihr Prana. Oder vielleicht noch mal beim Körper. Angenommen, man definiert sich sehr stark ĂŒber seinen Körper, z.B. die wunderbar glatte Haut. Was passiert im Alter? Irgendwann ist sie nicht mehr so wunderbar glatt. Man kann dann zwar noch ein bisschen Botox spritzen und die ein oder andere Creme, aber irgendwann klappt das auch nicht mehr. Oder angenommen, man definiert sich ĂŒber seine wunderschönen blonden Haare, irgendwann sind die weiß. Man kann sie zwar blond fĂ€rben, aber irgendwo ist es nicht das Gleiche. Oder man definiert sich ĂŒber seine Sportlichkeit, dass man Marathon laufen kann. Irgendwann ist das auch vorbei. Oder es gibt einen kleinen Unfall. Oder man hat nicht mehr genĂŒgend Zeit, kann ja auch mal passieren. Man kann nicht mehr jeden Tag zwei Stunden laufen. Also, wenn man sich darĂŒber definiert, dann wird man immer irgendwann unglĂŒcklich. Alles, was mit dem Körper zusammenhĂ€ngt, ist in VerĂ€nderung begriffen oder könnte sich verĂ€ndern. Manche Eigenschaften bleiben vielleicht bis zum Ende und manchmal stirbt man vielleicht, ohne vorher krank zu sein. Man kann auch einen Unfalltod oder plötzlichen Herztod sterben, aber die Möglichkeit ist immer da. Nicht identifizieren, als Instrument sehen und nutzen als Gabe Gottes, temporĂ€re Leihgabe Gottes und wissen, „Was auch immer wir dort haben, das bin ich nicht wirklich.“

Teil 83 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€ĂŸig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. <

Wichtiger Vedanta Tipp: Identifiziere dich mit nichts

Wir brauchen jetzt keinen Guru, der uns allen Besitz wegnimmt und nachher sagt, „Du kriegst ihn als Verwalter.“, es ist nĂ€mlich schon so. Nichts gehört uns. Alles gehört auf einer relativen Ebene betrachtet Gott, wir sind die Verwalter und es kann uns jederzeit weggenommen werden. Das Ă€ndert schon eine ganze Menge. Diese Sache allein kann dazu fĂŒhren, dass wir verhaftungsloser handeln. Könnt ihr darĂŒber nachdenken und immer dann, wenn ihr merkt, dass ihr euch ĂŒber einen Verlust Ă€rgert oder immer dann, wenn etwas nicht so ist, wie ihr es gerne hĂ€ttet, könnt ihr euch ĂŒberlegen, „Ja, es gehört nicht mir.“ Aber dann, wenn ihr daran denkt, „Es gehört eh nicht mir, es ist mir ganz egal.“, dann könnt ihr auch wieder sehen, „Ja, aber verantwortungsbewusst gilt es trotzdem zu handeln.“ Das besagt auch das Karma. Verantwortungslos handeln fĂŒhrt nur dazu, dass man die Aufgabe nochmals bekommt. An diesem banalen Beispiel des Besitzes kann man auch noch etwas anderes sehen. Denn, wenn man sich ĂŒber etwas definiert, dann will man auch, dass andere das besonders anerkennen. Z.B. angenommen, man definiert sich ganz besonders ĂŒber sein neues, tolles Auto, was will man dann? Das andere sagen, „Oh, du hast aber ein tolles Auto. Ein Elektroauto oder Biogaselektroauto, das nur aus nachwachsenden Rohstoffen ist. Dein Umweltbewusstsein, das möchte ich auch haben.“ Also angenommen, man definiert sich so, dann freut man sich. Wehe, man fĂ€hrt das Auto und niemand bemerkt es und man erzĂ€hlt so wie beilĂ€ufig, dass man sich jetzt ein Elektroauto gekauft hat und keinen interessiert es. Und warum will man eigentlich dafĂŒr anerkannt werden? Warum braucht man das? Die Jnana Yogis haben dafĂŒr eine tiefe BegrĂŒndung, nĂ€mlich, tief im Inneren wissen wir, „Eigentlich habe ich mit diesem Auto nichts zu tun. Eigentlich habe ich mit meinem Hemd nichts zu tun. Eigentlich habe ich mit meiner Frisur nichts zu tun. Ich brauche deshalb BestĂ€tigung.“ Ohne Ă€ußere BestĂ€tigung kann diese Identifikation schwierig aufrechterhalten werden. Wir brauchen also Leute, die uns bewundern fĂŒr unseren Besitz, die den anerkennen, damit wir irgendwo daraus Zufriedenheit haben. Denn tief im Inneren wissen wir, „Es stimmt nicht. Ich bin nicht meine Kleidung. Ich bin nicht mein Haus. Ich bin nicht meine Frisur. Ich bin nicht mein Auto.“ Und deshalb brauchen wir andere, die uns dafĂŒr anerkennen. Es ist nicht immer so. Sicherlich ist es nicht immer so. Als ich nachher nicht wusste, „Was mache ich denn jetzt?“ und dann habe ich gesagt, „Was findest du denn am besten?“ und dann hat sie gesagt, „Das ist eine schöne Uhr.“, das hat mich gefreut. Wenn sie jetzt gesagt hĂ€tte, „Keine schöne Uhr.“, dann hĂ€tte ich sie trotzdem getragen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob sie wirklich das eine schöne Uhr findet, denn sie kennt mich dann auch. Bei so persönlichen Dingen fĂ€llt es mir schwierig, was zu entscheiden, denn letztlich ist mir das auch ziemlich egal, was ich fĂŒr eine Uhr habe. An Dingen erfreue ich mich nicht wirklich dran. Es gibt andere Sachen, die mir große Freude schenken, aber irgendwo, dass sie gesagt hat, „Das ist eine schöne Uhr., war doch ein richtiger Kauf. Das ist selbstverstĂ€ndlich gut. Es mag vielleicht auch irgendwo etwas geben, gerade wo du dich mehr definierst, als wo du dich einfach nur kurzfristig daran erfreust, wo du vielleicht auch hoffst, dass andere das auch anerkennen. Vielleicht. Vielleicht bist du aber auch schon so weit Yogi, dass du dich mit nichts identifizierst und den Ananda-Aspekt von Gott im Universum öfters genießen willst, aber weißt, es ist temporĂ€r, „Jetzt genieße ich es, wo es ist, wenn es nachher vergeht, ist es vorbei, macht mir auch nichts aus.“ Das wĂ€re z.B. typische Freude eines Jnana Yogis. Er freut sich, solange es einem gegeben wird, wenn es verschwindet, ist nicht weiter tragisch. Ich will jetzt aber zum nĂ€chsten Schritt gehen, aber du hattest dich schon eine Weile gemeldet. Man sagt ja, Marketing funktioniert danach, dass man nach Sehnsucht nach Anerkennung geht, wo dann in der Werbung gezeigt wird, die Kinder sind der Mutter dankbar. Dann hofft man, wenn man den Kindern das kauft, sind die Kinder dankbar usw. Noch eine Frage. Gerade fĂŒr Kinder ist das ganz besonders. Als spirituelle Aspiranten wollen wir irgendwie darĂŒber hinausgehen. Das heißt nicht, dass nicht unsere Psyche vielleicht Lob und Anerkennung weiter gebrauchen kann. Nur, wir sollten uns nicht damit identifizieren. Wenn wir nĂ€mlich abhĂ€ngig werden davon, dass Menschen uns loben oder anerkennen, dann ist unser GlĂŒck sehr stark von anderen abhĂ€ngig. Und auch noch mehr, andere können uns auch manipulieren. Vielleicht gerade auch noch eine andere Anekdote, wo mir dieses Prinzip klar geworden ist. Als ich irgendwann mal in Los Angeles ein Yogazentrum geleitet habe, ich war da gerade 22 Jahre, und irgendwie damals war so die Zeit, wo Mastercard und Kreditkarten begonnen haben und gerade in Amerika fingen die Leute alle an, mit Kreditkarten zu bezahlen. Da wollten wir fĂŒr das Yogazentrum auch, dass wir das Merchant Agreement fĂŒr Kreditkarten bekommen konnten. Weil die Bank aber dort letztlich bĂŒrgen muss und man könnte ja auch theoretisch von Kreditkarten dort mehr Geld abziehen als eigentlich verlangt ist, dann könnte man weglaufen, dann muss die Bank irgendwie ein Vertrauen haben. Und jedenfalls, wir haben das beantragt und die Bank hat es abgelehnt. Dann habe ich noch mal den Bankberater persönlich gesprochen und der hat gesagt, geht nicht. Und dann habe ich das einem unserer Yogalehrer gesagt, der war gleichzeitig Rechtsanwalt und der hat mir gesagt, „Ich zeige dir das, wie das geht.“ Und der hat dann so ein Konferenz-Call gemacht, also, wo er mich am Telefon hatte und den Bankdirektor und er hat vorher so ein paar Erkundigungen eingezogen ĂŒber den Bankdirektor und dann hat er erstmal angefangen, „Hallo, ich möchte mal mit Ihnen sprechen und mich Ihnen vorstellen. Ich bin Yogalehrer in dem und dem Yogazentrum.“ Er hat bewusst auf Rechtsanwalt verzichtet, er wollte mir nĂ€mlich noch zeigen, dass das geht, auch ohne, dass er Rechtsanwalt ist. Und er sei dort Yogalehrer und die Bank, wir seien ja schon lange Kunden dort und jetzt sei er der neue Leiter dieser Bank und er hĂ€tte ja schon viel Gutes ĂŒber ihn gehört. Und irgendwo so ein paar Sachen, was der schon fĂŒr positive Dinge beeinflusst hĂ€tte und die Schalterbeamten wĂŒrden schon ein bisschen anders aussehen und es sei sehr viel organisierter, man wĂŒrde schon sehen, wenn man reinkommt, ist es sauberer. Also, er hat ihm Honig in den Mund geschmiert. Ich bin vor Scham fast versunken hinter meinem Hörer. Vermutlich so wĂŒrde es in Deutschland nicht funktionieren, da mĂŒsste man sich vermutlich etwas anderes einfallen lassen. Aber jedenfalls, nachher hat er dann gesagt, so ganz beilĂ€ufig, er wollte jetzt ja auch noch mal sagen, das Zentrum, das wĂŒrde ja jetzt besonders gut laufen, da gĂ€be es jetzt auch einen neuen Leiter und das wĂŒrde er sicherlich in seinen BankauszĂŒgen sehen, es wĂŒrde dort florieren und hĂ€tte Umsatzsteigerung von dreißig Prozent und jetzt wĂ€re dort halt auch nötig, dort so ein Merchant Agreement zu haben und irgendein Schalterbeamter, vermutlich noch vom alten Leiter, der hĂ€tte dort einen Fehler gemacht. Da könnte er ja mal hingucken und vielleicht wĂ€re es doch schön, wenn er da noch mal gucken könnte. Das war alles. Drei Tage spĂ€ter, ohne weitere Sachen, die gemacht werden mussten, kam das Merchant Agreement unterschrieben zurĂŒck und wir hatten die Möglichkeit, Kreditkarten anzunehmen. Da habe ich aber auch gedacht, muss ich aufpassen. Das ist ja das Gabelstaplerprinzip. Kennt ihr das? Jemanden hochheben, dann kann man ihn dort hintransportieren, wo man ihn gerne hĂ€tte. Das wird durchaus in Amerika hĂ€ufiger verwendet als in Deutschland. In Deutschland hat man mehr das „Tritt in den Hintern“-Prinzip. Man tritt jemanden so lange, bis man ihn da hat, wo man ihn gerne hĂ€tte. Eigentlich hat das amerikanische Gabelstaplerprinzip mehr Charme, meine ich, als das, was in Deutschland doch hĂ€ufiger angewendet wird. Aber wir sollten uns weder vom einen noch vom anderen manipulieren lassen. Und wir sollten nicht abhĂ€ngig sein vom Lob anderer. Aber natĂŒrlich, wir können andere – jetzt, wir wollen andere nicht manipulieren – aber natĂŒrlich, ihr lernt ja auch als Yogalehrer, es gilt, positives Feedback den Teilnehmern zu geben und dann werden sie auch Yoga lieben und mögen.

Teil 82 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€ĂŸig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. <

Wer bin ich?

Eine der bekannten Analysen, die wir auch in der Viveka-Chudamani finden – wir werden ja nicht durch alle Verse durchgehen können – und zum Herausfinden werden wir jetzt den letzten Vers nehmen, „Jivo Brahmaiva Naparah“, ist herausfinden, „Wer bin ich?“ mit Hilfe der so genannten Subjekt-Objekt-Analyse. Viele von euch haben das vielleicht schon sehr hĂ€ufig von mir gehört, manche haben es noch nicht gehört. Es ist etwas Wichtiges und etwas, was man sich immer wieder sagen kann, dass man bewusst wird. Denn eigenartigerweise, selbst wenn man mal vorĂŒbergehend das halbwegs verstanden hat, nachher vergessen wir es wieder. So Ă€hnlich, angenommen, man ist in irgendeinem fremden Land und da ist man eigentlich nur vorĂŒbergehend und man hat niemanden sonst, da kann es sein, dass man vergisst, wer man eigentlich ist. Was auch immer dieses „eigentlich“ sein sollte. Aber tief im Hintergrund kommt das öfters mal wieder. Die Subjekt-Objekt-Analyse, eine der Form von Atma-AnAtmaViveka, die Unterscheidung vom Selbst und Nicht-Selbst, beruht eben darauf, es gibt den Wahrnehmenden und es gibt das Wahrgenommene. Der, der wahrnimmt, nimmt etwas wahr, was wahrgenommen wird. Und da beginnt man dann erstmal mit dem Grundaxiom, derjenige, der wahrnimmt, dass ist das Bewusstsein, das, was wahrgenommen wird, ist etwas anderes zunĂ€chst mal. NatĂŒrlich, vom höheren Vedanta-Standpunkt aus ist alles Brahman und da Brahman Atman ist, bin ich sowieso auch alles. Aber jetzt fĂŒr die Zwecke dieser Analysen gilt es erstmal, sich zu lösen von begrenzten Identifikationen. Also, Subjekt, der Wahrnehmende, Objekt, das Wahrgenommene. „Ich bin derjenige, der wahrnimmt. Ich bin nicht derjenige, der wahrgenommen wird.“ Wir können einfach anfangen mit meinem Lieblingsbeispiel. Bin ich diese Uhr? Antwort offensichtlich, nein. Warum bin ich nicht diese Uhr? Ich nehme die Uhr wahr. Ich sehe die Uhr, ich kann sie riechen, schmecken, fĂŒhlen, hören. Gut, diese Uhren machen normalerweise keinen LĂ€rm, es sei denn, man stellt sie irgendwo ein, aber man kann sie einstellen, dann machen sie auch LĂ€rm. Also, ich nehme diese Uhr wahr. Ich bin jemand anderes als diese Uhr. Das ist erstmal ein extrem banales Beispiel und so fangen wir an, denn nachher können wir dann etwas schwieriger werden. Ich bin nicht diese Uhr, ich nehme die Uhr wahr. Jetzt auch noch etwas, die Uhr, also das, was wahrgenommen wird, ist in stĂ€ndiger VerĂ€nderung begriffen. Der, der wahrnimmt, ist nicht in stĂ€ndiger VerĂ€nderung begriffen, wir werden dort nachher noch mal darauf zu sprechen kommen. Wenn wir natĂŒrlich jetzt sagen wĂŒrden, „Ich bin eine Persönlichkeit.“ und „Ich bin dieser Körper.“, dann wĂŒrde man natĂŒrlich sagen, „Ich bin schon in VerĂ€nderung begriffen.“ Gestern habe ich mit Narayani und Eva-Maria zusammen bei uns im Appartement gegessen und dann haben wir von der guten alten Zeit gesprochen und tatsĂ€chlich, vor 27 Jahren, als wir uns erstmals gesehen hatten, waren wir jĂŒnger gewesen. Oder irgendwann mal habe ich mit Narayani zusammen Asanas vorgemacht in einer YogavorfĂŒhrung. Ist inzwischen auch 24 Jahre her. Aber der, der wahrnimmt, im Sinne von Bewusstsein, bleibt immer noch gleich. Also derjenige, der wahrnimmt, im Sinne von Bewusstsein, bleibt gleich, aber das lassen wir noch erstmal. Aber das Wahrgenommene, das verĂ€ndert sich in jedem Fall. Jetzt gibt es ein Problem und zwar das Problem, was genannt wird, Identifikation und Besitz. Denn das ist nicht irgendeine Uhr, sondern das ist meine Uhr. Wieso ist das meine Uhr? Weil sie noch nicht geklaut wurde, das ist eine sehr gute Antwort. Ich muss da jetzt aufpassen. In dem Fall habe ich sie irgendwo im Internet bestellt und habe sie dann irgendwo bezahlt und deshalb kann ich sagen, das ist meine Uhr. Andererseits angenommen, ich hĂ€tte die Uhr gefunden, wĂ€re es dann meine Uhr? Vielleicht juristisch nicht, aber vom subjektiven GefĂŒhl schon. So hier im Haus werden ja eine Menge Dinge verloren und nach einer gewissen Zeit wird dann gesagt, dann können sich die Mitarbeiter aus dem Fundus dort bedienen und wenn man das eine Weile gehabt hat, dann wird man sagen, „Das ist mein.“ Mindestens subjektiv wird man das spĂŒren. Jetzt in dem Moment, wo ich sage, „Das ist meine Uhr.“, dann wird es schon schwierig. Noch mehr als statt „meine Uhr“, kann man sich auch darĂŒber definieren und sagen, „Ich bin der UhrentrĂ€ger.“ Jetzt, in dem Moment, wo ich sage „mein“, kommen noch weitere Probleme. Z.B. die Uhr kann geklaut werden. Jetzt angenommen, ich sage, „Das ist meine Uhr.“ und die Uhr wird geklaut, dann tut mir das Herz weh und ich sage, „Wieso wird mir die Uhr geklaut? Warum meine Uhr? Was ist die Welt so schlecht. Dieser Ashram taugt nichts und in diesem Ashram wird eine Uhr geklaut. Wie kann das sein?“ Es gibt ein kosmisches Gesetz, wo viele Menschen zusammen sind, wird viel Karma erzeugt und ausgearbeitet. Wenn ich mich identifiziere, dann fĂ€ngt das Leiden an. Und da gibt es eben das eine, wo man sagt, „Das ist Besitz. Ich besitze diese Uhr.“ und jetzt wird die Uhr geklaut und dann tut mir das weh, weil es meine Uhr ist. NatĂŒrlich, „mein“ ist jetzt nicht nur Geld. Manche Menschen trauern, wenn irgendwas, was ihnen gehört, abhanden kommt, sehr viel mehr als nur der Wert. Da stecken noch Emotionen dran, „meine Uhr“. FĂŒr diese Uhr habe ich sogar einigermaßen – sonst habe ich mir die immer relativ schnell gekauft. In ein GeschĂ€ft und einfach gesagt, „Darf keinen Krach machen, muss einen Timer haben und die Sekundenzeiger mĂŒssen gut sichtbar sein, damit man das Pranayama gut ansagen kann.“ Aber in dem Fall bin ich erst in zwei GeschĂ€fte gegangen, die hatten nicht, was ich wollte. Dann bin ich ins Internet. Also ich habe da einigermaßen dort Forschungsarbeit betrieben, „Was könnte die beste Uhr dort sein?“ Da steckt Zeit dran usw. Wenn die Uhr dann geklaut wĂ€re, dann, „Meine gute Uhr.“ Die hat so einige tolle Funktionen. „Sie wird immer attraktiver.“, ich glaube, jetzt muss ich sehr darauf aufpassen. Allerdings muss ich sagen, ein paar Funktionen, die ich gedacht habe, dass sie hilfreich sind, sind nicht sehr hilfreich. Z.B. die Temperatur. Die zeigt eigentlich die Temperatur an, aber ich habe nicht bedacht, die zeigt die Temperatur meines Handgelenkes an. Nach dieser Uhr haben wir jetzt 27 Grad. Also, diese Funktion nutzt einem nichts. Und dass es 1025 Millibar momentan ist, das sagt jetzt auch nicht ĂŒbermĂ€ĂŸig viel. Wenn man jetzt sagt, „Sie ist mein.“ und sie wird einem genommen oder sie geht kaputt oder jemand steigt drauf und mir ist schon mal eine Uhr kaputtgegangen. Als ich YogaschĂŒler war, habe ich die Uhr neben meine Matte gelegt und dann ist dort der Yogalehrer draufgetreten und die Uhr war kaputt. Das war in dem Fall besonders tragisch, denn ich war verantwortlich, die Leute morgens zu wecken, da gab es nĂ€mlich noch einen Weckdienst. Das war wĂ€hrend meiner Yogalehrerausbildung. Aber es hat eine positive Wirkung gehabt. Da habe ich gelernt, ich kann auf Kommando aufwachen. Ich habe so gesagt, „Bitte liebes Unterbewusstsein, lass mich am nĂ€chsten Tag dann und dann aufwachen.“ Aber viele Menschen identifizieren sich ĂŒber ihren Besitz und kriegen dann Probleme. Und jetzt nicht nur identifizieren, sondern sie definieren sich. Angenommen, ich identifiziere mich mit etwas und dann habe ich vielleicht einen besonderen Anzug und eine besondere Brille und eine besondere Uhr und vielleicht noch besondere, was weiß ich noch und jetzt kommt das irgendwie abhanden. Manche Menschen fĂŒhlen sich dann wie nackt, weil sie nicht diesen Körperschmuck haben, den sie denken, den sie brauchen. Ein anderes Beispiel. Viele Menschen heutzutage definieren sich ĂŒber ihre Autos. Ich bin immer noch dabei und versuche herauszufinden, wie sich das anfĂŒhlt, denn ich habe noch nie in meinem Leben ein Auto besessen. Ich fahre zwar auch ab und zu mal Auto, denn Yoga-Ashrams haben eben auch ein Auto und dann fahre ich auch mal, aber es war nie meins. Deshalb, fĂŒr mich ist ein Auto ein Fortbewegungsmittel, das nach Möglichkeit zu vermeiden ist. Wenn irgend möglich, fahre ich lieber mit dem Fahrrad oder mit dem Zug, das ist mir sympathischer, aber notfalls fahre ich auch mit dem Auto, das ist letztlich auch egal. Aber ich habe irgendwann mal so in „Psychologie heute“ einen Artikel gelesen ĂŒber Mensch und Auto. FrĂŒher hatte ich gedacht, nur MĂ€nner sind so verrĂŒckt, sich mit dem Auto zu identifizieren, da stand drin, Frauen sind mindestens genauso verrĂŒckt. Manche kennen die Geschichte, die ich gerne an der Stelle erzĂ€hle. Irgendwann, als ich im Westerwald war, haben wir mal ein besonders gutes Auto gehabt. Meistens kriegen wir ja entweder geschenkte Autos, wenn jemand sagt, „Mit dem Auto kann ich nichts mehr anfangen, dann schenke ich es mal Yoga Vidya.“ oder wir kaufen halt irgendwelche Gebrauchtwagen und da ist die Obergrenze, was wir uns als Verein leisten können, relativ niedrig. Also, wir haben meistens alte Autos. Aber irgendwann hat uns jemand ein gutes Auto geschenkt und das war so ein Honda Civic und damals war der irgendwo relativ gut und dort bin ich zu einer Autowaschanlage gefahren und dann kam dort jemand und sagte, „Wie viel Kubikzentimeter haben Sie?“ oder „Wie viel Kubik haben Sie?“ Da habe ich mich umgedreht und habe gedacht, „Soll ich jetzt eine mathematische Rechnung aufstellen? 1,74 Meter mal 30 mal 40.“ Aber der hat gar nicht meine Verwirrung bemerkt. Dann hat er gesagt, „Meins hat soundso viel Kubikzentimeter und so viel Liter.“ und dann, nach einer Weile, habe ich herausgekriegt, der hatte auch einen Honda Civic und offensichtlich gab es da verschiedene Formen davon und die einen haben mehr Kubik und andere haben weniger Kubik. Jedenfalls, er hat weiter auf mich eingeredet und nach einer Weile habe ich dann auch versucht, mich einzustimmen und habe auch irgendwie gesagt
 Wir haben uns wunderbar verstanden dann. Ich habe mich richtig fröhlich und beschwingt gefĂŒhlt, so eine menschliche NĂ€he, wie zwei BrĂŒder waren wir dort gewesen in dem Moment und alles nur, weil wir das gleiche Auto hatten. Aber er hat nicht gesagt, „Wie viel Kubikzentimeter hat Ihr Auto?“, sondern „Wie viel Kubik haben Sie?“ und „Ich habe
“ Also, so weit kann Identifikation irgendwo gehen. Und irgendwo hat er sich dann auch gefreut, dass sein Auto offensichtlich ein paar Kubik mehr hatte. Das hat ihn noch etwas gönnerhafter werden lassen und außerdem war offensichtlich, dass er mehr wusste als ich, so war ich sein jĂŒngerer Bruder, dem er jetzt so einige Tipps auch fĂŒr die Pflege des Autos gegeben hat. Und dann irgendwo, ein paar Tage spĂ€ter, hat ein anderer Mitarbeiter des Ashrams das Auto irgendwo an einer Leitplanke entlang gefahren, so war das Auto schon nicht mehr so gut. Ein anderes Mal ist jemand rĂŒckwĂ€rts gegen einen Baum gefahren. Und was dann dem Auto den Rest gegeben hatte, irgendwann ist der Bach ĂŒber die Ufer getreten und das war die einzige Zeit, wo dann der Parkplatz einen Meter unter Wasser gestanden hat und dann ist das Auto abgesoffen. Ich muss zugeben, so ein bisschen traurig war ich auch und ich muss zugeben, seitdem dieses Erlebnis war mit diesen einen Menschen, der mir irgendwo erzĂ€hlt hat, wie toll ich doch wĂ€re mit meinen Kubikzentimetern und wie viel PS ich habe, hat es mir doch ein bisschen weh getan, jedes Mal als ich gehört habe, dass ausgerechnet dieses Auto wieder irgendwo eine Schramme hatte und dann noch eine grĂ¶ĂŸere Schramme und schließlich – den Geist aufgeben, kann man nicht sagen. Man hat aber immer noch einen guten Preis, selbst als der Motor nicht mehr funktioniert hatte, gekriegt. Eines dieser Altautos wĂ€re teurer als was wir fĂŒr diesen nicht funktionierenden, wo der Motor kaputt war, links und hinten Dellen waren, noch gekriegt haben. Also, Identifikation. Wenn wir jetzt vom yogischen Standpunkt ausgehen, sagen wir, „Ich bin natĂŒrlich nicht mein Besitz. Ich bin unanhĂ€ngig von meinem Besitz. Und mir gehört auch nicht wirklich etwas.“ In meinem Fall kann ich das einfach sagen, weil das Auto gehörte mir ja tatsĂ€chlich nicht, es gehörte dem Verein. Aber selbst wenn es einem persönlich gehört, es ist immer nur – ihr erinnert euch – eine Mietsache von unbestimmter Mietdauer, die jederzeit einseitig gekĂŒndigt werden kann. Und zwar ohne Schadensersatz. In jedem Moment kann uns alles, was wir denken, was uns gehört, weggenommen werden. Wenn wir das von vorneherein wissen, dann kann man sich sehr wohl erfreuen, wenn man sich an einem Auto erfreuen kann, oder an seinem Fahrrad oder was auch immer man hat, Hose, Hemd, iPhone oder die schöne Wohnung, die schönen Möbel, die schöne Frisur. Man kommt gerade vom Friseur und hat sich die Haar fĂ€rben lassen und legen lassen und rollen lassen und zusĂ€tzliche StrĂ€hnen reinbauen lassen und dann kommt irgendwo ein Regen oder noch schlimmer, man kommt in die Wohnung und Farbe tropft runter, weil der LebensgefĂ€hrte einem ein besonderes Geschenk machen wollte, das dann aber nicht ganz so ankommt, weil dann die wunderbare Frisur kaputt ist und man jetzt gerade gedacht hat, „Jetzt bin ich ein neuer Mensch.“ Man war beim Friseur gewesen. Also, alles Dinge von beschrĂ€nkter Mietdauer. Aber wir haben auch eine bestimmte Verantwortung dafĂŒr und deshalb gilt es natĂŒrlich, mit den Dingen, die uns anvertraut wurden, verantwortungsbewusst umzugehen.

Teil 80 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€ĂŸig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. <

Wer bin ich? Die Geschichte von Janaka und Ashtavakra

Es gibt dort eine schöne Geschichte von Janaka und Ashtavakra, eine meiner Lieblingsgeschichten. Ashtavakra war ein großer Heiliger, Janaka war König von Videha und der Janaka ist fĂŒr eine Weile in den Ashram von Ashtavakra gegangen, um dort ĂŒber Vedanta zu lernen. Und am Ende des Kurses sagte Janaka, „Was hĂ€ttest du gerne als Dakshina?“ Dakshina ist so die Gabe, die man dem Lehrer gibt. Im alten Indien war nicht ĂŒblich, dass man vorher einen Preis bezahlt, sondern am Ende der Lehrperiode gibt man dem Lehrer ein Dakshina. Und je nachdem, wie vermögend jemand war, konnte das mehr oder weniger sein. Jetzt der Janaka wusste, der Ashtavakra, weil er ein sehr bekannter und großer Lehrer war, der hatte eigentlich mehr, als er gebraucht hat und der hat alles, was er bekommen hat, auch gleich wieder weitergegeben. So im alten Indien, die großen Lehrer, das war wie so eine Umverteilungsinstitution. Die reichen Leute haben viel gegeben, als Dankbarkeit fĂŒr die Lehren, und die haben das dann verteilt an die Armen. Und der Janaka wusste jetzt nicht, was kann er dem Ashtavakra geben und sagte, „Du kannst dir aussuchen, was du haben willst. Was auch immer es sei, ich werde es dir geben, wenn es mir irgendwie möglich ist.“ Ashtavakra schaute ihn an und sagte, „Alles, egal, was ich will?“ Janaka, der diesen Blick von Ashtavakra kannte, hat geschluckt und sagte, „Ja“, er atmete zweimal und sagte, „Mein Wort gilt.“ Und dann sagte Ashtavakra, „O.k. ĂŒberschreibe mir dein Königreich.“ Janaka atmete fĂŒnfmal durch und sagte, „O.k., mein Wort gilt.“ Dann sagte Ashtavakra, „O.k.“ und zu seinen SchĂŒlern, „Bringt mir Pergament“ – oder was es auch immer damals dort gab – „und Siegelwachs.“ und dann kam der König und hat dort unterschrieben, „Hiermit ĂŒberschreibe ich mein ganzes Königreich auf Dauer dem Ashtavakra.“ Dann sagte Ashtavakra, „O.k., danke dir. Du kannst gehen.“ Gut, Janaka ging. Als er fast außer Sichtweite war und fast außer Hörweite, schrie Ashtavakra ihm noch mal zu und sagte, „Janaka, komm zurĂŒck!“ Janaka kam langsam zurĂŒck, dann sagte Ashtavakra, „Weißt du, was soll ich mit einem Königreich anfangen? Regiere du das Königreich fĂŒr mich. Und du bekommst eine besondere Aufgabe. ErzĂ€hle niemandem davon, dass das Königreich mir gehört. Tue so, als ob das Königreich dir gehört, als ob du der König bist und meine SchĂŒler werde ich auch zum Schweigen verpflichten. Aber ich habe hier dieses Dokument. Es kann jeden Moment passieren, dass ich in dein Königreich gehe und jemand anderes als König einsetze. Und jetzt gehe!“ Der Janaka hat jetzt das Königreich regiert. Er wusste, „Es ist nicht mein Königreich. Es ist das Königreich meines Gurus.“ Und natĂŒrlich, da er so große Hochachtung vor seinem Guru hatte, hat er das Königreich so gut regiert, wie er konnte. Er durfte nicht sagen, dass es nicht sein Königreich ist, also hat er so getan, als ob es sein Königreich wĂ€re. Aber tief im Hintergrund wusste er, „Es ist nicht mein Königreich.“ und so konnte er das Königreich verhaftungslos regieren und gilt deshalb als ein gutes Beispiel von jemanden, der Karma Yoga und Jnana Yoga miteinander verbunden hat und dann die Selbstverwirklichung erreicht hat, obgleich er im Luxus eines Königs gelebt hat. Und irgendwo, wenn man König ist, damit man seine AutoritĂ€t hat, gilt es auch durchaus, die ganzen Insignien eines Königs dann auch zu tragen.

Teil 81 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€ĂŸig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. <

Die drei wichtigsten Vedanta LehrsÀtze

Dann die drei SĂ€tze des Sankara. Die drei großen SĂ€tze der Vedanta. „Brahma Satyam Jagan Mithya Jiva Brahmaiva Naparah. – Brahman allein ist wirklich. Jagad, die Welt, so wie wir sie wahrnehmen ist unwirklich, ist eine TĂ€uschung. Jivo Brahmaiva Napara. Jiva – das Individuum, Napara – ist nichts anderes, Na – nichts, Apara – anderes, Brahma – als Brahman, Aiva – allein. Dieses Selbst ist nichts als Brahman allein.“ Und im Grunde genommen, dieses ganze Werk, Viveka-Chudamani, will uns beschreiben, wieso das eigentlich so ist und auch, wie wir dort hinkommen. Dann ist eben auch die Aussage, solange wir im Relativen gefangen sind, so lange wir uns mit etwas identifizieren, was wir nicht wirklich sind, solange ist Leid da, solange gibt es Unzufriedenheit, solange wissen wir, irgendwas stimmt nicht. Das ist so Ă€hnlich, angenommen, ihr wĂŒrdet morgens aufwachen, hĂ€ttet vergessen, wer ihr seid. Irgendjemand erzĂ€hlt euch dann und irgendwo tief im Hinterkopf wisst ihr die ganze Zeit, irgendwas stimmt nicht. Ihr wisst nicht, was und warum, aber ihr wisst, irgendwie stimmt was nicht. Und nehmen wir sogar an, vielleicht hat euch irgendjemand irgendwelche Drogen gegeben. Und eigentlich seid ihr ein enthusiastischer, kreativer KĂŒnstler und jemand gibt euch Drogen. Ihr habt am nĂ€chsten Tag vergessen, wer ihr eigentlich seid und dann wird euch am nĂ€chsten Tag eingeredet, ihr seid ein Finanzbuchhalter. Und dann mĂŒsst ihr Finanzbuchhaltung machen. Irgendwie merkt ihr, da stimmt was nicht. Ihr wisst nicht, warum, ihr wisst nicht, wieso, aber ihr wisst, da stimmt was nicht. Und jetzt könntet ihr alle möglichen Techniken machen, um glĂŒcklich zu sein. Jeden Morgen aufwachen und sagen, „Ich bin glĂŒcklich.“ Ihr könntet jeden Morgen zehn Runden Kapalabhati machen. Ihr könnt euch noch vieles einfallen lassen, was man noch machen kann, um sich glĂŒcklich zu machen. Solange ihr tief im Hinterkopf wisst, irgendwas stimmt dort nicht, solange werdet ihr nicht dauerhaft glĂŒcklich sein. So ist es auch, solange wir nicht aufwachen und erkennen, wer wir wirklich sind, solange wir uns mit etwas identifizieren, was wir nicht sind, solange sind wir unglĂŒcklich. Es ist deshalb auch nicht irgendwo von theoretischer Bedeutung, sondern es ist von essentieller, wichtiger Bedeutung, zu erkennen, wer man wirklich ist.

Teil 79 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€ĂŸig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. <

Die 4 Mahavakyas im Vedanta

Ich möchte heute Morgen zunĂ€chst ein paar grundlegende Aussagen von Sankaracharya noch mal systematisieren, bevor wir im Viveka-Chudamani fortfahren. Die drei wichtigen SĂ€tze von Sankaracharya, die die ganze Vedantaphilosophie zusammenfassen sind wie? Das sind die vier Mahavakyas. Wir können ja anfangen, erstmal die vier Mahavakyas. Das sind die großen Aussagen, die in den Upanishaden gefunden wurden. „Maha – großartige, Vakyas – AussprĂŒche“ Wie heißen die noch mal? „Tat Tvam Asi. – Das bist du. Aham Brahmasmi. – Dieses Selbst ist Brahman oder Ich bin (Aham) Ich bin Asmi dieses Brahman.“ Das dritte ist, „Prajnanam Brahman. – Bewusstsein ist Brahman.“ Und das vierte ist, „Ayam Atman Brahma. – Dieses Selbst ist Brahman.“ Da steht meistens „Brahma“. Die Orientalisten und auch die Yogameister haben irgendwann bei der Transkription ins Englische einen Unterschied gemacht zwischen Brahma und Brahman. Brahma ist der Brahma, das ist der Schöpfer, und wenn es im Sanskrti Neutrum ist, „das Brahma“, was aus dem Kontext hervorgeht, dann wurde das eben als Brahman ĂŒbersetzt. Also, was ihr z.B. in der Yogalehrerausbildung gelernt habt, Brahma ist der Schöpfer und Brahman ist das Absolute, ist eigentlich so eine gewisse Konvention, die man gemacht hat, damit solche, die nicht den ganzen Kontext kennen, wissen, wovon man spricht. Die Mahavakyas sind keine Mantras, die Mantracharakter haben. Man nutzt sie als DenkstĂŒtze, aber natĂŒrlich, dann wĂŒrde man sagen, „Ayam Atman Brahma“, kann man auch sagen oder „Prajnanam Brahma“. Das sind also die vier Mahavakyas. Noch mal zusammen. „Tat Tvam Asi. – Das bist du.“ Und dann, „Aham Brahmasmi. – Ich bin dieses Brahman. Prajnanam Brahma. – Bewusstsein ist Brahman.“ und „Ayam Atma Brahman. – Dieses Selbst ist Brahman.“

Teil 78 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€ĂŸig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. <

Entwickle Gleichmut gegenĂŒber den Sinneserfahrungen

Sankaracharya schreibt von der GleichgĂŒltigkeit, „gegenĂŒber allen Dingen der Sinneserfahrungen, die vergĂ€nglich sind und gesehen, gehört oder sonst wie wahrgenommen werden, vom Körper bis zum Schöpfergott.“ Also, es geht sehr weit. Betrifft nicht nur Dinge der physischen Welt. Auf der einen Ebene gibt es natĂŒrlich Dinge, und da nehme ich an, da seid ihr inzwischen etwas losgelöst. Obgleich ich feststelle, so ganz stimmt das auch nicht. Manche Menschen erwarten, dass sie in irgendeiner Form eine Belohnung kriegen oder viele wollen eine Anerkennung haben und hĂ€ngen daran. Manche hĂ€ngen an irgendwelchen eben, dass es irgendwo VergnĂŒgen ist und auf eine gewisse Weise, Asanas sind auch ein VergnĂŒgen. Wir können an so vielem hĂ€ngen. Alles, was Erwartungen sind. Deshalb finde ich das so schön, diese erste Definition, die er dort hatte, nicht an den FrĂŒchten der Handlungen hĂ€ngen. Im Grunde genommen sagt das ja der Krishna an allen möglichen Stellen immer wieder. Und hier eben auch, „Vom Körper bis zum Schöpfergott.“ Da mĂŒsst ihr wissen, so im indischen Glauben denkt man, irgendwann, wenn man ausreichend gutes Karma angehĂ€uft hat, muss man sich nicht wieder in diesem physischen Körper inkarnieren, mit all seinen Leiden und Gebrechen. Dann können wir uns inkarnieren als Engelswesen, dann werden wir vielleicht ein Engel. Man braucht nicht krank zu werden. Ein Engel kriegt keine Schlangenbisse. Er kriegt keine ErkĂ€ltung, keine Grippe, bricht sich nicht die Beine, hat keine RĂŒckenprobleme, keine Ischiasbeschwerden, keine Borreliose, keine Schweinegrippe, kein Rheuma, Arthritis usw., keinen Krebs. Also, es hat schon seine Vorteile, so einen Engelskörper zu haben. Und dann gibt es niedere Engel und es gibt höhere Engel. Und so in der indischen Mythologie heißt es dann, wenn man den großen Wunsch hat, ein Leben zu haben, ohne körperliche Gebrechen und gute Handlungen gemacht hat – also viele uneigennĂŒtzige Dinge getan hat – aber gleichzeitig den großen Wunsch, ein Leben ohne Krankheit und körperliche Gebrechen zu haben, dann inkarniert man sich als Engelswesen. Wenn man dabei wenig Prana hat, dann ist man ein niederes Engelswesen und wenn man aber viel Pranayama geĂŒbt hat, dann inkarniert man sich als höheres Engelswesen. Es gibt sogar Schriften, die beschreiben, wie viel Pranayama man machen muss, um Indra zu werden. Und wie viel Tapas. Oder um ein Manu von einem Zeitalter zu werden usw. Oder sogar, wir können dann in einem neuen Zeitalter Brahma werden, ein Schöpfergott. Vom vedantischen Standpunkt aus ist das alles unerheblich. Wir sollten nicht die spirituellen Praktiken machen, um im nĂ€chsten Leben zum Engelswesen zu werden. Um so besser, da vermutlich die Mehrheit von euch nicht an so was glaubt. Oder vielleicht der ein oder andere von euch nicht an so etwas glaubt. Also, spielt keine Rolle, ob ihr daran glaubt oder nicht, es ist nicht Ziel der Yogapraktiken, ein Engel zu werden. Auch nicht, in den Himmel zu kommen, im Sinne von, es gibt ja auch im Christentum dann irgendwo, man kommt in den Himmel und dann spielt man Harfe und lobpreist
 Ich weiß, an welchen Film ihr jetzt alle denkt. Ich glaubt, Karl Valentin oder irgendjemand der „Luja sag i“ oder so Ă€hnlich. Ein Bayer im Himmel. Ein MĂŒnchner im Himmel. Ich weiß, schon als Kind habe ich mir ĂŒberlegt, als ich dort irgendwie gelesen habe, wie so der Himmel sein soll oder in der Kirche, der Pfarrer hat durchaus ausgemalt, wie der Himmel ist. Der erste Pfarrer, das war noch einer von der alten Schule, der hat ĂŒber die Hölle gewettert und den Himmel ausgemalt und wie man dann zu FĂŒĂŸen Gottes sitzt. Da habe ich so ĂŒberlegt, „Wie viele können dort zu FĂŒĂŸen von Gott gleichzeitig sitzen? Irgendwie muss es doch ĂŒbervölkert sein inzwischen.“ Oder diese Himmelsausmalungen. Oder selbst auch in Indien, die sind ja nicht besser mit ihren Ausmalungen von den Himmeln, wo dann irgendwo der weiße Elefant ist und dann, als besonders wichtig gilt so ein Sonnenschirm dort. Unser Regenschirm, den wir ja haben, ist ja erfunden worden von den Indern. Aber nicht als Regenschirm, sondern als Sonnenschirm. Dann hat man nur festgestellt, im Monsun sind die auch ganz hilfreich und die EnglĂ€nder haben dann natĂŒrlich festgestellt, in England sind solche Schirme ganz besonders hilfreich und dann sind sie auch nach Deutschland gekommen. Ein solches Leben, wenn man ĂŒberlegt, wĂ€re letztlich langweilig. Und wie dann die Himmel beschrieben werden, das kann nicht das Ziel der Existenz sein und in Indien heißt es dann ja auch, damit ist es nicht geschafft. Dann heißt es sogar, man muss dann, wenn man Engelswesen war, sich noch mal inkarnieren in einem menschlichen Körper, um dann zum Höchsten zu kommen. Aber ganz so eindeutig sind da die Schriften nicht, es gibt auch solche, die sagen, man kann auch als Engelswesen dann die Verhaftung an den Engelskörper lösen, um dann von dort direkt zu Brahman zu kommen. Aber manche sagen, vom Engelskörper muss man zurĂŒck zum menschlichen Körper, um noch mal alles VergĂ€ngliche richtig zu spĂŒren und dann zu sagen, „Wieder Engel zu werden und dann wieder zurĂŒckzukehren, ist es nicht wert, ich will nur zum Höchsten kommen.“ Daher, volles Vairagya ist der Gleichmut gegenĂŒber alldem.

77. Teil der Niederschrift von VortrĂ€gen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmĂ€ĂŸig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. FĂŒr fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Vairagya als Quelle der Gelassenheit im Vedanta

Ein nĂ€chstes, was er dann aber sagt, ist, „Losgelöstheit, Vairagya ist der innere Abstand gegenĂŒber den Dingen der Sinneserfahrung.“ Also, wir sind irgendwo gelöst. Man kann sagen, es gibt zwei Grade von Vairagya und das ist jetzt eine Temperamentfrage. Die eine Vairagya ist so weit, dass man so weit losgelöst ist, dass man nicht durch die ganzen Emotionen durchgeht. Und ich kannte auch jemanden, das war ein direkter SchĂŒler von Swami Sivananda, das war so ein reiner Vedantin, ein Swami BrahmAnanda, und der war diese Art von Vedantin. Die Grundemotion von ihm war eine Heiterkeit bis zu einer AmĂŒsiertheit. Ich weiß nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt. Er war so ein Verstehender, der konnte alles verstehen und annehmen und er hat nie einen beurteilt oder erst recht nicht verurteilt, aber er war auch von nichts dort berĂŒhrt. Ich habe ihn gekannt als er irgendwo, ich glaubt, Mitte 80 war er gewesen, aber er hat VedantavortrĂ€ge gegeben, er hat ĂŒber Bhagavad Gita und das Nareshwari und noch eine andere Schrift dort gesprochen. Er hat jeden Morgen und Abend hat er mit uns dort dieses Nirwana Sharakam rezitiert, also die sechs Strophen zur Befreiung, die wir ja gestern auch rezitiert haben. Und er hatte auch schon diverse körperliche Gebrechen und hatte auch irgendwo körperliche Schmerzen gehabt, aber das hat ihm nichts ausgemacht. Manchmal tat es ihm dann irgendwie so weh, dass er irgendwo Assistenten brauchte, auf die er sich stĂŒtzen musste und das hat ihn irgendwo amĂŒsiert und er hat gesagt, „This body here can‘t walk anymore. Dieser Körper kann nicht mehr richtig laufen.“ und dann fing er an zu lachen und sagte, „This knee hurts.“, dann fing er an zu lachen, „Die Knie hier“ oder „This knee produces pain. Dieses Knie produziert Schmerzen.“ Aber er hat dort keine Schmerzen im Gesicht gehabt, sondern er fing dann an zu lachen. Oder wenn jemand ihm Liebeskummer erzĂ€hlt hatte, auch das hat man ihm dann erzĂ€hlt und da hat er dann gefragt, „Frag dich, wer hat Liebeskummer?“, wie ich es euch vorher erzĂ€hlt hatte. Aber es war nicht so, dass er gesagt hĂ€tte, „Wie kommst du dazu, Liebeskummer zu haben, wo du doch ein Vedanta-SchĂŒler bist und schon so viele VortrĂ€ge gehört hast?“ Er fand das irgendwo erheiternd. Nicht arrogant erheiternd. Er war auf seine Weise sehr bescheiden, aber dennoch stand er ĂŒber den Dingen. Also das ist ein Grad von Vedanta. Aber es gibt diesen zweiten Grad von Vedanta und der ist einfacher. Man geht durch die Emotionen, man geht durch Höhen und Tiefen, man empfindet das und parallel, wĂ€hrend man da durchgeht, hat man ein Vairagya und eine Viveka dahinter, wo man weiß, „Spielt auch keine allzu große Rolle. Ich bin es nicht wirklich.“ Und es ist jetzt auch nicht erheblich, „Ich muss nicht stĂ€ndig gleichmĂŒtig sein.“, auch daran kann man hĂ€ngen, an der Emotion des Gleichmuts. Selbst daran mĂŒssen wir nicht hĂ€ngen. Wir mĂŒssen auch nicht an der Belohnung hĂ€ngen, dass jedes Mal, wenn wir die Yogastunde machen, dass wir genauso toll uns fĂŒhlen. Und jede Meditation ist so großartig. NatĂŒrlich, noch weniger muss man an dem Thema der Yogastunde hĂ€ngen. Da haben einige gestern Morgen irgendwo eine unfreiwillige Lektion bekommen. Ich hoffe, dass ihr nicht die gleiche Lektion wiederholt habt. Anscheinend hat gestern Morgen die fortgeschrittene Gruppe nicht die Mahavakyas gehabt. Und es ist ja dann auch gut, dass ihr es mir dann sagt. Aber wenn man so darauf ist und dann nachher noch Tage danach wettert, das wĂ€re nicht gut. Ein bisschen enttĂ€uscht zu sein, ist auch gut. DarĂŒber zu lĂ€cheln, dass man sieht, „Mein Geist ist enttĂ€uscht.“, ist auch gut. Es dann zu sagen, damit kĂŒnftig die Sachen besser organisiert werden, ist auch gut. Denn angenommen, man wĂŒrde nichts sagen, dann hĂ€tten vielleicht heute auch wieder mindestens eine Gruppe, eine ganz andere Yogastunde gehabt. Ich hoffe, ihr versteht, wie das Ganze gemeint ist mit diesem Vairagya.

Teil 76 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€ĂŸig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. <

Engagement ist gut – und besser noch gepaart ohne Anhaften

Engagiert sein, ist gut. Und ein engagiertes Leben ist gut. Intensive Erfahrungen manchen – oder es muss auch nicht intensiv sein – aber Erfahrungen machen ist gut. Patanjali hat ja auch diesen Ansatz, obgleich auch er dann irgendwann von Viveka Khyati spricht, als eine der Mittel zur Befreiung. Aber es geht eben darum, nicht an den FrĂŒchten zu hĂ€ngen. Also z.B., irgendwo sich zu engagieren und seine Partnerschaft zu entwickeln, ist gut. Wenn sie trotzdem in die BrĂŒche geht, dann ist es halt so. Dann hat man eine Weile Liebeskummer, eine Weile Trennungsschmerz und danach geht es dann auch weiter. Diese Erfahrung von dem Leiden in der Trennungsphase war auch eine wichtige Erfahrung. Man soll auch nicht daran hĂ€ngen, dass es immer nur schön ist. Oder man hat ein Kind und das Kind geht irgendwann aus dem Haus. Ist auch normal, dass man dann vielleicht ein bisschen trauert oder vorĂŒbergehend vielleicht froh ist und dann kommt doch die Trauer wieder rein. Gut, manche hoffen, dass der 30-jĂ€hrige Sohn endlich irgendwann das Haus verlĂ€sst. Muss auch gar nicht sein. Mehrgenerationenhaushalte waren durchaus auch in frĂŒheren Zeiten sehr ĂŒblich. Aber dann anschließend loslassen. Oder Belohnung. Jetzt hat man in diesem Leben so viel Gutes getan und hat sich um sein Kind so gekĂŒmmert und jetzt ist man 70, 80 Jahre und undankbare Menschen. Ist nicht einfach fĂŒr MĂŒtter und VĂ€ter. Und diejenigen von euch, die Kinder haben, die wissen, was ihre Eltern fĂŒr einen gemacht haben, denn man weiß ja, was man selbst fĂŒr die Kinder gemacht hat und so viele andere Dinge, die man macht. Und eben noch nicht mal daran hĂ€ngen, dass wir dann mit gutem Karma belohnt werden. Manchmal fragen Menschen, „Warum ich? Ich war in meinem ganzen Leben so freundlich und dann passiert mir so was Schlimmes.“ Noch schlimmer natĂŒrlich z.B., ihr habt ein Yogazentrum aufgebaut, ihr habt einen SchĂŒler gehabt, der war hoffnungslos kaputt bei der ersten Yogastunde. Ihr habt viele Stunden auch Einzelberatungen gemacht, so vieles. Ihr habt, weil er wenig Geld hatte, ihm irgendwo die KursgebĂŒhren reduziert und alles ermöglicht und persönlich assistieren lassen, Yogalehrerausbildung vielleicht sogar machen lassen und dann macht ausgerechnet der, zwei Blöcke weiter, ein eigenes Yogazentrum auf. Und kurz vorher spricht er mit allen euren SchĂŒlern und versucht, die noch dazu mitzunehmen. Das passiert gar nicht mal so selten. Erwartet keine Dankbarkeit. Undankbarkeit ist der Welten Lohn. GlĂŒcklicherweise nicht nur, Dankbarkeit gibt es auch, aber so hĂ€ufig erlebt man eben auch Undankbarkeit. Und viele sagen dann, „Nie mehr werde ich mich um jemanden kĂŒmmern.“ Oder ein bisschen banaler, irgendwann hatte ich so jemanden in der zweijĂ€hrigen Yogalehrerausbildung. Sie hat gesagt, sie hat kein Geld und außerdem hat sie aber auch nicht die Möglichkeit, mitzuhelfen. Wir haben ja in den Yoga-Vidya-Zentren oft die Möglichkeit, gegen Mithilfe zu begĂŒnstigten KursgebĂŒhren. Ich hab mich breitschlagen lassen und irgendwo hat sie es dann fĂŒr die HĂ€lfte gekriegt und nach einem Jahr hat sie mir dann stolz irgendwo erzĂ€hlt, jetzt hĂ€tte sie sich einen Pelzmantel gegönnt und das wĂ€re sie sich wert gewesen. Mehrere Tausend Euro. Die gleiche Frau, die mir gesagt hat, sie hĂ€tte kein Geld. Daneben, dass ich es fĂŒr unethisch halte, sich einen Pelzmantel zu kaufen. Ich muss zugeben, das hat mich geĂ€rgert. Schon ein paar Tage. Und es hat dazu gefĂŒhrt, dass ich niemandem mehr die Yogalehrerausbildung so stark vergĂŒnstigt gegeben habe, ohne dass er mindestens mithilft. Aber trotzdem, nicht hĂ€ngen an allem. Also, das ist Vairagya. Und Vairagya hilft, man kommt auch darĂŒber wieder weg und weiß, so ist halt die Welt. Und wir wollen keine Löhne erwarten fĂŒr etwas. Wir helfen noch nicht mal anderen, um ein gutes Karma zu bekommen. Könnte man ja auch machen. Aber Krishna sagt das ja in der Bhagavad Gita, „Wer anderen Gutes tut, um deshalb belohnt zu werden, entweder in diesem Leben, im nĂ€chsten Leben oder zwischen zwei Leben, der hat seinen Lohn darin.“, aber spirituell wachsen tun wir nicht. So drĂŒckt es ja auch Jesus aus, wo er irgendwo sagt, wer irgendwo Spenden gibt und damit groß rumposaunt. Das ist nichts Schlechtes. Besser, man gibt Spenden und posaunt damit rum, anstatt man gibt keine Spenden. Und irgendwo ein gutes Karma kriegt man auch, nur spirituell wachsen tut man nicht ĂŒbermĂ€ĂŸig.

Teil 75 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€ĂŸig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. <

Vairagya, Nichtanhaften, im Jnana Yoga

„Vairagya ist der innere Abstand gegenĂŒber den Dingen der Sinneserfahrungen, die vergĂ€nglich sind und gesehen, gehört oder sonst wie wahrgenommen werden, vom Körper bis zum Schöpfergott.“ (Viveka Chudamani von Sankaracharya)
Sankara hat ein paar Verse vorher noch mal Vairagya anders definiert, nĂ€mlich, „GleichgĂŒltigkeit darĂŒber, ob man in diesem Leben oder im Jenseits in den Genuss der FrĂŒchte fĂŒr MĂŒhen und getaner Arbeit kommt.“ Das halte ich noch mal fĂŒr eine besonders schöne Definition. Also, nicht an den FrĂŒchten hĂ€ngen, ist Vairagya. Also, wir können ein sehr engagiertes Leben fĂŒhren und gerade Meister des ganzheitlichen Yogas, wie Swami Sivananda und Swami Vishnu-devanandadevAnanda, haben ja diesen engagierten Yoga auch gelehrt. Und hier wiederum kommt Patanjali ins Spiel, der ja sogar sagt, wir kommen deshalb in dieses Leben, zum einen, um Erfahrungen zu machen und zum anderen, um die KrĂ€fte zu erfahren, also zum einen, verschiedenste Erfahrungen zu machen und zum anderen, die KrĂ€fte zu erfahren, die in uns stecken und in der Prakriti. Patanjali hat ja durchaus so einen modernen Ansatz, es geht darum, sich zu entfalten, mehr zu tun und zu schauen, „Was steckt noch in mir drin?“ und das dort umzusetzen. Also, Patanjali ist das Gegenteil von, sich aus allem zurĂŒckziehen, „Ich will nicht diesen Stress im Beruf haben und Stress in der Familie, auch keinen Stress, ein Yogazentrum zu leiten. Ich mache drei Stunden am Tag ein bisschen irgendetwas, ansonsten lebe ich von Sozialhilfe, Erbschaft, von dem, was mein Mann nach Hause transportiert oder wie auch immer.“ Ich habe gestern jemanden mit starker Kaphastörung erlebt. Habt ihr das alles mitgekriegt die drei? Ich glaube, alle konnten irgendwo genial mit Vata-, Pitta- und KaphaĂŒbersteuerung… Also, das ist nicht das, was das ganzheitliche Yoga lehrt, sich aus allem zurĂŒckzuziehen. Gut, ein reiner Jnana Yogi könnte das vielleicht auch machen.

74. Teil der Niederschrift von VortrĂ€gen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmĂ€ĂŸig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. FĂŒr fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Die vier Vivekas im Vedanta Jnana Yoga

Also noch mal zusammenfassend die vier wichtigen Vivekas. Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen. Das ist vielleicht die schwierigste und die betont Sankara hier zunĂ€chst mal als erstes. Aber die zweite, vielleicht noch wichtigere, die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem VergĂ€nglichen, die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst, die Unterscheidung zwischen VergnĂŒgen und wahrer Wonne. Letztlich sind alle Unterscheidungen verschiedene Unterscheidungen des Gleichen. Ewig und vergĂ€nglich, Ananda und Sukha, Selbst und Nicht-Selbst, ist ja letztlich alles das Gleiche. Das, was ewig ist, ist das Selbst, ist das, was Ananda ist und das ist die Wahrheit. Also, im Grunde genommen sind es eigentlich vier Weisen, wie man die gleiche Sache unterscheiden kann. Und ihr könnt das selbst ĂŒberlegen, was euch am meisten liegt. GlĂŒcklicherweise muss man nicht alle vier machen. Und es gibt manche Menschen, die irgendwo einen Zugang besser zu einem haben, aber zu dem anderen haben sie keinen Zugang. Da wĂ€re mein Tipp, entwickelt vor allem diese Viveka, zu der ihr am leichtesten Zugang habt, denn es bleibt, wie du eben gesagt hast, das Ewige ist letztlich das Wirkliche, ist Ananda und ist das Selbst. Manchen liegt eine Unterscheidung besonders zu machen und andere nutzen verschiedene Formen der Unterscheidung je nach LebensumstĂ€nden.
Wir sind jetzt beim 21. Vers von ĂŒber 500. Aber ich meine, es ist gut, sich an diesen Teilen etwas aufzuhalten, wir werden dann nachher irgendwann ein bisschen beschleunigen und letztlich gilt es, dass ihr die Viveka-Chudamani auch dann selbst lest und nutzt. Aber wenn ihr diese Grundlagen habt, fĂ€llt der Rest leicht. Auf einer gewissen Weise kann man ja auch sagen, ihr habt ja auch schon alle Grundlagen. Vermutlich habe ich euch bis jetzt nichts Neues erzĂ€hlt. Das ist der Nachteil beim Jnana Yoga. Eigentlich heißt es, „In drei SĂ€tzen sei es verkĂŒndet, was man in Tausend BĂŒchern findet, Brahman ist wirklich, die Welt ist Schein, das Selbst ist nichts als Brahman allein.“ Alles andere ist Zugabe. Aber um in der Viveka sich zu vertiefen, dazu ist es notwendig, von allen möglichen anderen Gesichtspunkten, das immer wieder zu hören.

73. Teil der Niederschrift von VortrĂ€gen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmĂ€ĂŸig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. FĂŒr fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Sukha Ananada Viveka – Unterscheidung zwischen vergĂ€nglichem und ewigem GlĂŒck

Wir hatten bis jetzt behandelt: Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen. Unterscheidung zwischem zwischen dem Ewigen und dem VergĂ€nglichen. Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst. Jetzt fehlt noch eine Unterscheidung. Zwischen dem, was dauerhaft glĂŒcklich macht und dem, was nur vorĂŒbergehend glĂŒcklich macht. Letztlich die Unterscheidung zwischen Sukha und Ananda, wobei die AusdrĂŒcke nicht immer so konsequent getrennt sind. Also wir finden z.B. in der Pratama Sotra „Sat Chit Sukham“ als Ausdruck des Selbst. Also „Sukha“ kann je nach Kontext auch wie „Ananda“ verwendet werden. Aber zwischen VergnĂŒgen und Wonne. Die Wonne ist letztlich unsere wahre Natur, VergnĂŒgen ist gespiegelte Freude und weil es gespiegelt ist und letztlich das Objekt, das es spiegelt vergĂ€nglich ist, ist auch die Freude vergĂ€nglich. Freude an sich ist eigentlich ein Ausdruck unseres höchsten Wesens. Und angenommen, man schaut eine Rose an und freut sich, die Freude an sich ist einfach eine Widerspiegelung der Freude, die wir selbst haben oder man kann auch sagen, die Freude, die hinter allem ist, auch die Rose. Aber angenommen, man brĂ€uchte bloß eine Rose, um dauerhaft glĂŒcklich zu sein, dann mĂŒssten wir einfach ein paar Rosen dort hinstellen und eine Rose gibt ein GlĂŒcksgefĂŒhl, zwei Rosen doppelt soviel GlĂŒck und wenn wir dann hundert Rosen hinstellen, dann hundertfaches GlĂŒck. Klappt das so? Ihr wisst alle, nein. Vielleicht erinnern sich manche daran, euer Liebster hat euch zum ersten Mal in euerem Leben eine Rose gebracht. Wie war das? Himmlisch. Und angenommen, er bringt dann jeden Tag eine neue Rose und vielleicht sogar jeden Tag eine mehr. Wie ist das? Irgendwie langweilig, er könnte sich auch mal was anderes einfallen lassen. Also, Ă€ußere Objekte können vorĂŒbergehend einem Freude geben und die vedantische Interpretation von Freude ist ja, dass sie einem vorĂŒbergehend Gedankenstille beschert und deshalb strahlt die Freude des Selbst hervor. Also auch die Rose, die man kriegt von seinem Freund. Oder angenommen, euer Mann hat euch seit zwei Jahren keine Rose mehr geschenkt, ihr kommt nĂ€chsten Sonntag nach Hause – oder er holt euch sogar hier ab. Er kommt mit dem Auto hierher gefahren und bringt euch zwanzig rote Rosen, dann seid ihr? Es hĂ€ngt jetzt von der Art der Beziehung ab. Aber jetzt nehmen wir an, ihr habt nicht dieses gesunde oder ungesunde Misstrauen, dann seid ihr erstmal glĂŒcklich. Ist jetzt das GlĂŒck von den Rosen oder wegen dem Mann oder wegen was ist es? Yogis wĂŒrden sagen, in dem Moment sind die Gedanken ruhig. Weil die Gedanken ruhig sind, strahlt Ananda, Wonne dort hervor. Und das ist unsere wahre Natur. Wenn man sich Sorgen macht, dann verhĂŒllen die Gedankenwolken das innere GlĂŒck. Sind dann vorĂŒbergehend die Sorgen weg, dann kann die Freude des Selbst von sich aus ausstrahlen. Und wenn wir das wissen, dann können wir zum einen die Freuden auch genießen. Dann freut man sich ĂŒber eine Rose, dann freut man sich, wenn einer einem einen Gefallen tut, ein Kompliment macht, wenn ein Wunsch in ErfĂŒllung geht. Aber wir brauchen nicht daran zu hĂ€ngen, es ist nicht, dass unser GlĂŒck jetzt daran hĂ€ngt. Angenommen, ihr kommt dann am nĂ€chsten Sonntag nach Hause, ihr habt erwartet, dass ihr irgendwo freundlich willkommen geheißen werdet und stattdessen steht so ein Zettel auf dem KĂŒchentisch und da steht, „Ich bin heute Abend zu Freunden gegangen. VorrĂ€te findest du im KĂŒhlfach.“ Dann ist man natĂŒrlich typischerweise erstens enttĂ€uscht und zweitens vielleicht misstrauisch. Es lag immerhin ein Zettel da und immerhin ist wenigstens im Gefrierfach irgendwas Essbares. Vielleicht nicht das, was einem schmeckt, nachdem man vielleicht neun Tage oder neun Jahre von Frischkost gelebt hat, aber immerhin hat jemand noch gedacht. Auch hier wird man dann weiter Emotionen haben, aber es ist jetzt nicht so, dass man weiß, „Mein GlĂŒcksgefĂŒhl hĂ€ngt jetzt dauerhaft daran.“, sondern, „Meine wahre Natur ist Satchidananda. Bleibt wieder, bleibt so.“ Und letztlich, vom Raja Yoga wissen wir dann, es reicht aus, wenn wir unseren Geist konzentrieren auch auf etwas. Wenn wir unseren Geist konzentrieren auf etwas, in dem Moment sind wir glĂŒcklich. Und so ist es durchaus auch o.k., auch ein solches vorĂŒbergehendes GlĂŒck zu haben, wenn einem irgendetwas Spaß macht. Z.B., ihr seht, ich nehme hier ja alles Mögliche auf und ich muss zugeben, irgendwie amĂŒsiert mich das jetzt alles und angenommen, das funktioniert jetzt, dass mit diesem Mikro die Videoaufnahmen endlich mal einen gescheiten Sound haben und dieses Hintergrundrauschen weg ist. Das Ă€rgert mich irgendwo, dass immer noch keine Möglichkeit gefunden worden ist, dass die Videoaufnahmen wirklich einen guten Sound haben. Angenommen, das wird funktionieren und ich stelle das fest, dann bin ich glĂŒcklich. Angenommen, ich stelle nachher fest, dass die ganze Aufnahme verhunzt ist, denn das ist jetzt ein neuer Versuch und ich hatte nicht die Zeit, das vorher auszuprobieren, dann bin ich tatsĂ€chlich in dem Moment unglĂŒcklich. Aber ich weiß, mein GlĂŒck hĂ€ngt jetzt nicht dauerhaft davon ab und ich werde jetzt nicht explodieren. Oder angenommen, ich stelle nachher fest, die Kabelverbindung, die Steckverbindung hat nicht richtig gesessen. Und wenn ich dann die Kopfhörer aufsetze und die linke Seite ist schön und aus dem rechten kommt dieses Rauschen, dann weiß ich, die Katrin hat den Stecker nicht richtig hineingesteckt, dann werde ich mich erstmal Ă€rgern, denn letztlich, wenn eine Aufnahme nicht funktioniert hat, kann ich ja nicht das Ganze irgendwo hineintun und vermutlich dieses werde ich auch nicht ganz öffentlich zur VerfĂŒgung stellen können, aber irgendwo so eine ganz Viveka-Chudamani-Reihe auch als Video, wĂ€re doch ganz schön. Oder zur Verbesserung, dass die Audioaufnahmen besser sind fĂŒr Mantras, habe ich mir eigentlich vor drei Wochen so ein neues MP3-GerĂ€t angeschafft. Ich bin bis heute nicht dazu gekommen, es auszuprobieren. So ein bisschen was Ă€rgert mich das. Und angenommen, in einer Woche werde ich ja nicht mehr ganz so viel unterrichten, da hoffe ich, dass ich die Zeit habe, das auszuprobieren und mich irgendwie dort hinzusetzen. Und angenommen, ich stelle dann fest, es klappt, dann bin ich auch erstmal glĂŒcklich. Angenommen, ich stelle fest, es ist ein Fehlkauf, wie irgendein anderes Mirko fĂŒr eine Videokamera, dann bin ich erstmal vorĂŒbergehend unglĂŒcklich. Aber das sind alles harmlose Spielereien. Also, nichts von dem macht mich jetzt dauerhaft glĂŒcklich oder unglĂŒcklich. Ich muss zugeben, angenommen, ein Teamleiter sagt mir, „Ich will Yoga Vidya verlassen.“, das trifft mich etwas stĂ€rker. Oder ein langjĂ€hriger Mitarbeiter, muss noch nicht mal Teamleiter sein, einen, den ich noch dazu lĂ€ngere Zeit kenne, der mich schon öfters um Rat gefragt hat, der in den ersten Reihen sitzt, wenn ich VortrĂ€ge gebe, da entsteht auch eine bisschen stĂ€rkere auch emotionale NĂ€he, das trifft dann schon stĂ€rker. Das ist dann nicht eine Spielerei, sondern da kann ich auch ein, zwei Tage oder eine Woche irgendwo ein emotionales Leiden dort spĂŒren. Bei all dem ist dennoch im Hinterkopf, wo ich weiß, das sind Erfahrungen, die kommen und die Erfahrungen gehen. Hinter allem bleibt eines gleich, nĂ€mlich Ananda, Wonne. Die bleibt gleich. Satchidananda bleibt. Die anderen Erfahrungen sind auch da. Sie mögen auch kommen und gehen und wir brauchen nicht zu warten, bis wir all unsere Emotionen und Gedanken unter Kontrolle haben, bis wir die Kundalini vollstĂ€ndig erweckt haben und ins Sahasrara Chakra gebracht haben, wir brauchen nicht so lange warten, wir können jetzt diese Unterscheidung ĂŒben und diese Unterscheidung kann einem gleich schon eine gewisse Ruhe geben, einen gewissen Gleichmut und letztlich eine gewisse Bewusstheit, Moksha ist jetzt schon da. Wir brauchen nicht die Verwirklichung auf in hundert Leben zu verschieben. Auch nicht, „Wenn ich noch dreißig Jahre ausreichend die Luft anhalte, dann bin ich glĂŒcklich. Letztlich kann diese Viveka und das ist das Schöne am Jnana Yoga, letztlich genauso wie im Bhakti, beim Bhakti kann man auch sagen, „Alles ist Gott. Ich bringe alles Gott dar. Gott ist immer da.“ Gestern hat mir auch noch jemand gesagt, „Muss es denn entweder Jnana oder Bhakti sein?“ Antwort, das kann auch beides zusammen sein. Mensch ist ausreichend vielschichtig. Auf der einen Ebene können wir sagen, „Sarvam Kalvidam Brahman. Alles ist wahrhaftig Brahman.“ Und wir können auch sagen, „Neti Neti. Ich bin nicht dieses und ich bin nicht jenes.“ Auf einer anderen Ebene können wir sagen, „Alles ist wahrhaftig Gott. Alles ist fĂŒr Gott. Alles tue ich fĂŒr Gott. Ich lasse alles los. Alles, was kommt, ist Gott. Die schönen, wie auch die weniger schönen Dinge sind Gott.“ Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen platt, wenn ich es jetzt so sage, „Gott liebt mich, egal, was ich mache.“

72. Teil der Niederschrift von VortrĂ€gen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmĂ€ĂŸig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. FĂŒr fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Erlebte, erfahrene Unterscheidungskraft als Vedanta Mittel

Man wĂŒrde sagen, es ist eine erfahrene und erlebte Unterscheidung. Also einfach nur, intellektuell das zu erkennen, reicht ja nicht aus. Das wĂ€re sehr einfach. Ich kann sehr wohl unterscheiden, aber dennoch im nĂ€chsten Moment vergisst man all das. Swami Sivananda wĂŒrde manchmal sagen, die machen intellektuelle Gymnastik und sich selbst und anderen machen sie etwas vor. Aber es ist tatsĂ€chlich, eigentlich der Jnana-Yoga-Weg in Reinstform wĂ€re, man fragt sich, „Bin ich das? Bin ich das nicht?“ Ramana Maharishi hat ja diesen reinen Jnana-Yoga-Weg gelehrt. Wenn da jemand mit Liebeskummer zu ihm hingegangen ist, hat er ihm gesagt, „Frage dich, wer hat Liebeskummer? Bist du der Liebeskummer? Bist du die Emotionen? Frage dich, wer bin ich? Wer ist es, der sich des Liebeskummers bewusst ist? Wer ist derjenige, der sich dieser Emotionen bewusst ist? Wer ist derjenige, der zu mir hinkommt und jetzt Hilfe fĂŒr den Liebeskummer braucht?“ Oder wenn jemand zu ihm hingegangen ist und gefragt hat, „Meister, ich habe Krebs. Was soll ich tun?“ „Frage dich, wer ist es, der Krebs hat? Überlege, was hat ĂŒberhaupt Krebs, du oder dein Körper? Und dann frage dich, wer ist es, der denkt, dass er Krebs hĂ€tte? Wer ist es, der denkt, dass er der Körper ist, der Krebs hat?“ Das ist der Jnana-Yoga-Weg und indem man sich das immer wieder fragt, wird es irgendwann nicht nur intellektuell. Und dadurch, dass es dann nicht mehr nur intellektuell ist, plötzlich kann man tatsĂ€chlich sich davon lösen. Und immer weniger identifiziert man sich dann mit seinen Emotionen, immer mehr kommt man zu dieser Unterscheidung. Vielleicht auch noch eines. Der ganzheitliche Yogi bemĂŒht sich ja, den Körper gesund zu halten. Aber dann gibt es Menschen, die dann, wenn jemand krank ist denken, Yoga funktioniert nicht. Und dann hat man wieder ein Problem. Die Aufgabe des Yogas ist nicht, den Körper ewig leben zu lassen. Die Aufgabe ist, mit Yoga sorgen wir dafĂŒr, dass der Körper lĂ€nger gesund ist und einen weniger von der Meditation abhĂ€lt und einen irgendwie ein bisschen wohler fĂŒhlen lĂ€sst. Aber jetzt zu probieren, den Körper ewig leben zu lassen, ist unsinnig. Oder Yoga hilft einen, mehr Prana zu haben. Aber wir werden trotzdem nicht immer soviel Prana haben, wie wir wollen. Yoga hilft uns, dass wir uns irgendwie wohler fĂŒhlen. Aber wenn es uns jetzt stĂ€ndig darum geht, „Wie kann ich mich wohl fĂŒhlen lassen?“ kommen wir nie zu dem, worum es eigentlich geht. So Ă€hnlich wie, es ist gut, sich um sein Fahrrad zu kĂŒmmern, dann braucht man nicht stĂ€ndig die Reifen zu wechseln und dann braucht man nicht ein neues Fahrrad auszusuchen. Also, wenn man sich vorbeugend um die Gesundheit des Fahrrads kĂŒmmert, hat man lĂ€ngere Zeit, dann kriegt man nicht irgendwann, 70 Kilometer vom Ashram weg, platzt der Reifen und man weiß jetzt nicht, wie kommt man zurĂŒck. Also, wenn man vorher immer darauf aufgepasst hat. Aber jetzt zu probieren, das Fahrrad dauerhaft leben zu lassen – vielleicht mit dem Fahrrad geht es sogar noch, man kann ja die Teile leichter austauschen als bei diesem Körper, aber es wĂ€re ein unsinniges BemĂŒhen.

 

71. Teil der Niederschrift von VortrĂ€gen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmĂ€ĂŸig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. FĂŒr fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.