Eine der bekannten Analysen, die wir auch in der Viveka-Chudamani finden â wir werden ja nicht durch alle Verse durchgehen können â und zum Herausfinden werden wir jetzt den letzten Vers nehmen, âJivo Brahmaiva Naparahâ, ist herausfinden, âWer bin ich?â mit Hilfe der so genannten Subjekt-Objekt-Analyse. Viele von euch haben das vielleicht schon sehr hĂ€ufig von mir gehört, manche haben es noch nicht gehört. Es ist etwas Wichtiges und etwas, was man sich immer wieder sagen kann, dass man bewusst wird. Denn eigenartigerweise, selbst wenn man mal vorĂŒbergehend das halbwegs verstanden hat, nachher vergessen wir es wieder. So Ă€hnlich, angenommen, man ist in irgendeinem fremden Land und da ist man eigentlich nur vorĂŒbergehend und man hat niemanden sonst, da kann es sein, dass man vergisst, wer man eigentlich ist. Was auch immer dieses âeigentlichâ sein sollte. Aber tief im Hintergrund kommt das öfters mal wieder. Die Subjekt-Objekt-Analyse, eine der Form von Atma-AnAtma–Viveka, die Unterscheidung vom Selbst und Nicht-Selbst, beruht eben darauf, es gibt den Wahrnehmenden und es gibt das Wahrgenommene. Der, der wahrnimmt, nimmt etwas wahr, was wahrgenommen wird. Und da beginnt man dann erstmal mit dem Grundaxiom, derjenige, der wahrnimmt, dass ist das Bewusstsein, das, was wahrgenommen wird, ist etwas anderes zunĂ€chst mal. NatĂŒrlich, vom höheren Vedanta-Standpunkt aus ist alles Brahman und da Brahman Atman ist, bin ich sowieso auch alles. Aber jetzt fĂŒr die Zwecke dieser Analysen gilt es erstmal, sich zu lösen von begrenzten Identifikationen. Also, Subjekt, der Wahrnehmende, Objekt, das Wahrgenommene. âIch bin derjenige, der wahrnimmt. Ich bin nicht derjenige, der wahrgenommen wird.â Wir können einfach anfangen mit meinem Lieblingsbeispiel. Bin ich diese Uhr? Antwort offensichtlich, nein. Warum bin ich nicht diese Uhr? Ich nehme die Uhr wahr. Ich sehe die Uhr, ich kann sie riechen, schmecken, fĂŒhlen, hören. Gut, diese Uhren machen normalerweise keinen LĂ€rm, es sei denn, man stellt sie irgendwo ein, aber man kann sie einstellen, dann machen sie auch LĂ€rm. Also, ich nehme diese Uhr wahr. Ich bin jemand anderes als diese Uhr. Das ist erstmal ein extrem banales Beispiel und so fangen wir an, denn nachher können wir dann etwas schwieriger werden. Ich bin nicht diese Uhr, ich nehme die Uhr wahr. Jetzt auch noch etwas, die Uhr, also das, was wahrgenommen wird, ist in stĂ€ndiger VerĂ€nderung begriffen. Der, der wahrnimmt, ist nicht in stĂ€ndiger VerĂ€nderung begriffen, wir werden dort nachher noch mal darauf zu sprechen kommen. Wenn wir natĂŒrlich jetzt sagen wĂŒrden, âIch bin eine Persönlichkeit.â und âIch bin dieser Körper.â, dann wĂŒrde man natĂŒrlich sagen, âIch bin schon in VerĂ€nderung begriffen.â Gestern habe ich mit Narayani und Eva-Maria zusammen bei uns im Appartement gegessen und dann haben wir von der guten alten Zeit gesprochen und tatsĂ€chlich, vor 27 Jahren, als wir uns erstmals gesehen hatten, waren wir jĂŒnger gewesen. Oder irgendwann mal habe ich mit Narayani zusammen Asanas vorgemacht in einer YogavorfĂŒhrung. Ist inzwischen auch 24 Jahre her. Aber der, der wahrnimmt, im Sinne von Bewusstsein, bleibt immer noch gleich. Also derjenige, der wahrnimmt, im Sinne von Bewusstsein, bleibt gleich, aber das lassen wir noch erstmal. Aber das Wahrgenommene, das verĂ€ndert sich in jedem Fall. Jetzt gibt es ein Problem und zwar das Problem, was genannt wird, Identifikation und Besitz. Denn das ist nicht irgendeine Uhr, sondern das ist meine Uhr. Wieso ist das meine Uhr? Weil sie noch nicht geklaut wurde, das ist eine sehr gute Antwort. Ich muss da jetzt aufpassen. In dem Fall habe ich sie irgendwo im Internet bestellt und habe sie dann irgendwo bezahlt und deshalb kann ich sagen, das ist meine Uhr. Andererseits angenommen, ich hĂ€tte die Uhr gefunden, wĂ€re es dann meine Uhr? Vielleicht juristisch nicht, aber vom subjektiven GefĂŒhl schon. So hier im Haus werden ja eine Menge Dinge verloren und nach einer gewissen Zeit wird dann gesagt, dann können sich die Mitarbeiter aus dem Fundus dort bedienen und wenn man das eine Weile gehabt hat, dann wird man sagen, âDas ist mein.â Mindestens subjektiv wird man das spĂŒren. Jetzt in dem Moment, wo ich sage, âDas ist meine Uhr.â, dann wird es schon schwierig. Noch mehr als statt âmeine Uhrâ, kann man sich auch darĂŒber definieren und sagen, âIch bin der UhrentrĂ€ger.â Jetzt, in dem Moment, wo ich sage âmeinâ, kommen noch weitere Probleme. Z.B. die Uhr kann geklaut werden. Jetzt angenommen, ich sage, âDas ist meine Uhr.â und die Uhr wird geklaut, dann tut mir das Herz weh und ich sage, âWieso wird mir die Uhr geklaut? Warum meine Uhr? Was ist die Welt so schlecht. Dieser Ashram taugt nichts und in diesem Ashram wird eine Uhr geklaut. Wie kann das sein?â Es gibt ein kosmisches Gesetz, wo viele Menschen zusammen sind, wird viel Karma erzeugt und ausgearbeitet. Wenn ich mich identifiziere, dann fĂ€ngt das Leiden an. Und da gibt es eben das eine, wo man sagt, âDas ist Besitz. Ich besitze diese Uhr.â und jetzt wird die Uhr geklaut und dann tut mir das weh, weil es meine Uhr ist. NatĂŒrlich, âmeinâ ist jetzt nicht nur Geld. Manche Menschen trauern, wenn irgendwas, was ihnen gehört, abhanden kommt, sehr viel mehr als nur der Wert. Da stecken noch Emotionen dran, âmeine Uhrâ. FĂŒr diese Uhr habe ich sogar einigermaĂen – sonst habe ich mir die immer relativ schnell gekauft. In ein GeschĂ€ft und einfach gesagt, âDarf keinen Krach machen, muss einen Timer haben und die Sekundenzeiger mĂŒssen gut sichtbar sein, damit man das Pranayama gut ansagen kann.â Aber in dem Fall bin ich erst in zwei GeschĂ€fte gegangen, die hatten nicht, was ich wollte. Dann bin ich ins Internet. Also ich habe da einigermaĂen dort Forschungsarbeit betrieben, âWas könnte die beste Uhr dort sein?â Da steckt Zeit dran usw. Wenn die Uhr dann geklaut wĂ€re, dann, âMeine gute Uhr.â Die hat so einige tolle Funktionen. âSie wird immer attraktiver.â, ich glaube, jetzt muss ich sehr darauf aufpassen. Allerdings muss ich sagen, ein paar Funktionen, die ich gedacht habe, dass sie hilfreich sind, sind nicht sehr hilfreich. Z.B. die Temperatur. Die zeigt eigentlich die Temperatur an, aber ich habe nicht bedacht, die zeigt die Temperatur meines Handgelenkes an. Nach dieser Uhr haben wir jetzt 27 Grad. Also, diese Funktion nutzt einem nichts. Und dass es 1025 Millibar momentan ist, das sagt jetzt auch nicht ĂŒbermĂ€Ăig viel. Wenn man jetzt sagt, âSie ist mein.â und sie wird einem genommen oder sie geht kaputt oder jemand steigt drauf und mir ist schon mal eine Uhr kaputtgegangen. Als ich YogaschĂŒler war, habe ich die Uhr neben meine Matte gelegt und dann ist dort der Yogalehrer draufgetreten und die Uhr war kaputt. Das war in dem Fall besonders tragisch, denn ich war verantwortlich, die Leute morgens zu wecken, da gab es nĂ€mlich noch einen Weckdienst. Das war wĂ€hrend meiner Yogalehrerausbildung. Aber es hat eine positive Wirkung gehabt. Da habe ich gelernt, ich kann auf Kommando aufwachen. Ich habe so gesagt, âBitte liebes Unterbewusstsein, lass mich am nĂ€chsten Tag dann und dann aufwachen.â Aber viele Menschen identifizieren sich ĂŒber ihren Besitz und kriegen dann Probleme. Und jetzt nicht nur identifizieren, sondern sie definieren sich. Angenommen, ich identifiziere mich mit etwas und dann habe ich vielleicht einen besonderen Anzug und eine besondere Brille und eine besondere Uhr und vielleicht noch besondere, was weiĂ ich noch und jetzt kommt das irgendwie abhanden. Manche Menschen fĂŒhlen sich dann wie nackt, weil sie nicht diesen Körperschmuck haben, den sie denken, den sie brauchen. Ein anderes Beispiel. Viele Menschen heutzutage definieren sich ĂŒber ihre Autos. Ich bin immer noch dabei und versuche herauszufinden, wie sich das anfĂŒhlt, denn ich habe noch nie in meinem Leben ein Auto besessen. Ich fahre zwar auch ab und zu mal Auto, denn Yoga-Ashrams haben eben auch ein Auto und dann fahre ich auch mal, aber es war nie meins. Deshalb, fĂŒr mich ist ein Auto ein Fortbewegungsmittel, das nach Möglichkeit zu vermeiden ist. Wenn irgend möglich, fahre ich lieber mit dem Fahrrad oder mit dem Zug, das ist mir sympathischer, aber notfalls fahre ich auch mit dem Auto, das ist letztlich auch egal. Aber ich habe irgendwann mal so in âPsychologie heuteâ einen Artikel gelesen ĂŒber Mensch und Auto. FrĂŒher hatte ich gedacht, nur MĂ€nner sind so verrĂŒckt, sich mit dem Auto zu identifizieren, da stand drin, Frauen sind mindestens genauso verrĂŒckt. Manche kennen die Geschichte, die ich gerne an der Stelle erzĂ€hle. Irgendwann, als ich im Westerwald war, haben wir mal ein besonders gutes Auto gehabt. Meistens kriegen wir ja entweder geschenkte Autos, wenn jemand sagt, âMit dem Auto kann ich nichts mehr anfangen, dann schenke ich es mal Yoga Vidya.â oder wir kaufen halt irgendwelche Gebrauchtwagen und da ist die Obergrenze, was wir uns als Verein leisten können, relativ niedrig. Also, wir haben meistens alte Autos. Aber irgendwann hat uns jemand ein gutes Auto geschenkt und das war so ein Honda Civic und damals war der irgendwo relativ gut und dort bin ich zu einer Autowaschanlage gefahren und dann kam dort jemand und sagte, âWie viel Kubikzentimeter haben Sie?â oder âWie viel Kubik haben Sie?â Da habe ich mich umgedreht und habe gedacht, âSoll ich jetzt eine mathematische Rechnung aufstellen? 1,74 Meter mal 30 mal 40.â Aber der hat gar nicht meine Verwirrung bemerkt. Dann hat er gesagt, âMeins hat soundso viel Kubikzentimeter und so viel Liter.â und dann, nach einer Weile, habe ich herausgekriegt, der hatte auch einen Honda Civic und offensichtlich gab es da verschiedene Formen davon und die einen haben mehr Kubik und andere haben weniger Kubik. Jedenfalls, er hat weiter auf mich eingeredet und nach einer Weile habe ich dann auch versucht, mich einzustimmen und habe auch irgendwie gesagt⊠Wir haben uns wunderbar verstanden dann. Ich habe mich richtig fröhlich und beschwingt gefĂŒhlt, so eine menschliche NĂ€he, wie zwei BrĂŒder waren wir dort gewesen in dem Moment und alles nur, weil wir das gleiche Auto hatten. Aber er hat nicht gesagt, âWie viel Kubikzentimeter hat Ihr Auto?â, sondern âWie viel Kubik haben Sie?â und âIch habeâŠâ Also, so weit kann Identifikation irgendwo gehen. Und irgendwo hat er sich dann auch gefreut, dass sein Auto offensichtlich ein paar Kubik mehr hatte. Das hat ihn noch etwas gönnerhafter werden lassen und auĂerdem war offensichtlich, dass er mehr wusste als ich, so war ich sein jĂŒngerer Bruder, dem er jetzt so einige Tipps auch fĂŒr die Pflege des Autos gegeben hat. Und dann irgendwo, ein paar Tage spĂ€ter, hat ein anderer Mitarbeiter des Ashrams das Auto irgendwo an einer Leitplanke entlang gefahren, so war das Auto schon nicht mehr so gut. Ein anderes Mal ist jemand rĂŒckwĂ€rts gegen einen Baum gefahren. Und was dann dem Auto den Rest gegeben hatte, irgendwann ist der Bach ĂŒber die Ufer getreten und das war die einzige Zeit, wo dann der Parkplatz einen Meter unter Wasser gestanden hat und dann ist das Auto abgesoffen. Ich muss zugeben, so ein bisschen traurig war ich auch und ich muss zugeben, seitdem dieses Erlebnis war mit diesen einen Menschen, der mir irgendwo erzĂ€hlt hat, wie toll ich doch wĂ€re mit meinen Kubikzentimetern und wie viel PS ich habe, hat es mir doch ein bisschen weh getan, jedes Mal als ich gehört habe, dass ausgerechnet dieses Auto wieder irgendwo eine Schramme hatte und dann noch eine gröĂere Schramme und schlieĂlich – den Geist aufgeben, kann man nicht sagen. Man hat aber immer noch einen guten Preis, selbst als der Motor nicht mehr funktioniert hatte, gekriegt. Eines dieser Altautos wĂ€re teurer als was wir fĂŒr diesen nicht funktionierenden, wo der Motor kaputt war, links und hinten Dellen waren, noch gekriegt haben. Also, Identifikation. Wenn wir jetzt vom yogischen Standpunkt ausgehen, sagen wir, âIch bin natĂŒrlich nicht mein Besitz. Ich bin unanhĂ€ngig von meinem Besitz. Und mir gehört auch nicht wirklich etwas.â In meinem Fall kann ich das einfach sagen, weil das Auto gehörte mir ja tatsĂ€chlich nicht, es gehörte dem Verein. Aber selbst wenn es einem persönlich gehört, es ist immer nur – ihr erinnert euch – eine Mietsache von unbestimmter Mietdauer, die jederzeit einseitig gekĂŒndigt werden kann. Und zwar ohne Schadensersatz. In jedem Moment kann uns alles, was wir denken, was uns gehört, weggenommen werden. Wenn wir das von vorneherein wissen, dann kann man sich sehr wohl erfreuen, wenn man sich an einem Auto erfreuen kann, oder an seinem Fahrrad oder was auch immer man hat, Hose, Hemd, iPhone oder die schöne Wohnung, die schönen Möbel, die schöne Frisur. Man kommt gerade vom Friseur und hat sich die Haar fĂ€rben lassen und legen lassen und rollen lassen und zusĂ€tzliche StrĂ€hnen reinbauen lassen und dann kommt irgendwo ein Regen oder noch schlimmer, man kommt in die Wohnung und Farbe tropft runter, weil der LebensgefĂ€hrte einem ein besonderes Geschenk machen wollte, das dann aber nicht ganz so ankommt, weil dann die wunderbare Frisur kaputt ist und man jetzt gerade gedacht hat, âJetzt bin ich ein neuer Mensch.â Man war beim Friseur gewesen. Also, alles Dinge von beschrĂ€nkter Mietdauer. Aber wir haben auch eine bestimmte Verantwortung dafĂŒr und deshalb gilt es natĂŒrlich, mit den Dingen, die uns anvertraut wurden, verantwortungsbewusst umzugehen.
Teil 80 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€Ăig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. <
Wer bin ich? Die Geschichte von Janaka und Ashtavakra
Es gibt dort eine schöne Geschichte von Janaka und Ashtavakra, eine meiner Lieblingsgeschichten. Ashtavakra war ein groĂer Heiliger, Janaka war König von Videha und der Janaka ist fĂŒr eine Weile in den Ashram von Ashtavakra gegangen, um dort ĂŒber Vedanta zu lernen. Und am Ende des Kurses sagte Janaka, âWas hĂ€ttest du gerne als Dakshina?â Dakshina ist so die Gabe, die man dem Lehrer gibt. Im alten Indien war nicht ĂŒblich, dass man vorher einen Preis bezahlt, sondern am Ende der Lehrperiode gibt man dem Lehrer ein Dakshina. Und je nachdem, wie vermögend jemand war, konnte das mehr oder weniger sein. Jetzt der Janaka wusste, der Ashtavakra, weil er ein sehr bekannter und groĂer Lehrer war, der hatte eigentlich mehr, als er gebraucht hat und der hat alles, was er bekommen hat, auch gleich wieder weitergegeben. So im alten Indien, die groĂen Lehrer, das war wie so eine Umverteilungsinstitution. Die reichen Leute haben viel gegeben, als Dankbarkeit fĂŒr die Lehren, und die haben das dann verteilt an die Armen. Und der Janaka wusste jetzt nicht, was kann er dem Ashtavakra geben und sagte, âDu kannst dir aussuchen, was du haben willst. Was auch immer es sei, ich werde es dir geben, wenn es mir irgendwie möglich ist.â Ashtavakra schaute ihn an und sagte, âAlles, egal, was ich will?â Janaka, der diesen Blick von Ashtavakra kannte, hat geschluckt und sagte, âJaâ, er atmete zweimal und sagte, âMein Wort gilt.â Und dann sagte Ashtavakra, âO.k. ĂŒberschreibe mir dein Königreich.â Janaka atmete fĂŒnfmal durch und sagte, âO.k., mein Wort gilt.â Dann sagte Ashtavakra, âO.k.â und zu seinen SchĂŒlern, âBringt mir Pergamentâ – oder was es auch immer damals dort gab – âund Siegelwachs.â und dann kam der König und hat dort unterschrieben, âHiermit ĂŒberschreibe ich mein ganzes Königreich auf Dauer dem Ashtavakra.â Dann sagte Ashtavakra, âO.k., danke dir. Du kannst gehen.â Gut, Janaka ging. Als er fast auĂer Sichtweite war und fast auĂer Hörweite, schrie Ashtavakra ihm noch mal zu und sagte, âJanaka, komm zurĂŒck!â Janaka kam langsam zurĂŒck, dann sagte Ashtavakra, âWeiĂt du, was soll ich mit einem Königreich anfangen? Regiere du das Königreich fĂŒr mich. Und du bekommst eine besondere Aufgabe. ErzĂ€hle niemandem davon, dass das Königreich mir gehört. Tue so, als ob das Königreich dir gehört, als ob du der König bist und meine SchĂŒler werde ich auch zum Schweigen verpflichten. Aber ich habe hier dieses Dokument. Es kann jeden Moment passieren, dass ich in dein Königreich gehe und jemand anderes als König einsetze. Und jetzt gehe!â Der Janaka hat jetzt das Königreich regiert. Er wusste, âEs ist nicht mein Königreich. Es ist das Königreich meines Gurus.â Und natĂŒrlich, da er so groĂe Hochachtung vor seinem Guru hatte, hat er das Königreich so gut regiert, wie er konnte. Er durfte nicht sagen, dass es nicht sein Königreich ist, also hat er so getan, als ob es sein Königreich wĂ€re. Aber tief im Hintergrund wusste er, âEs ist nicht mein Königreich.â und so konnte er das Königreich verhaftungslos regieren und gilt deshalb als ein gutes Beispiel von jemanden, der Karma Yoga und Jnana Yoga miteinander verbunden hat und dann die Selbstverwirklichung erreicht hat, obgleich er im Luxus eines Königs gelebt hat. Und irgendwo, wenn man König ist, damit man seine AutoritĂ€t hat, gilt es auch durchaus, die ganzen Insignien eines Königs dann auch zu tragen.
Teil 81 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€Ăig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. <