Schlagwort-Archive: Meditation

Vom Selbst, dem Atman, der Höchsten Seele

„Vom dem das Universum durchdrungen wird, den aber nichts durchdringt. Der Leuchtende, dessen Wesen Licht ist, den das Universum widerspiegelt, das ist Dieser. Durch dessen bloße Gegenwart der grobstoffliche Körper, die Sinne, das Denken und die Intuition in ihren Bereichen wie gelenkt arbeiten. Der ewig Erleuchtete, durch den alle Dinge, vom Ichgefühl bis zum grobstofflichen Körper, die Sinnesobjekte und die Gefühle, wie Wohlbefinden, wie ein Gegenstand, z.B. ein Krug, klar wahrgenommen werden. Das ist das innerste Selbst, die höchste Seele, der Uranfängliche, der immerwährende, ungeteilte Freude genießt, der Ewige, der Unveränderliche, das reine Bewusstsein, wodurch die Sprache und die Lebenskräfte belebt werden und tätig sind.“ (Viveka Chudamani von Sankara)

Das Selbst, der Atman, ist der Wissende

„Der alles weiß, was im Wach-, Taum- und Tiefschlaf-Zustand geschieht. Der das Gemüt sowie dessen vorhandene oder fehlende Regungen und das Ego kennt. Das ist Dieser. Der selber alles sieht, den aber niemand sieht. Der das Gemüt erleuchtet, den das Gemüt aber nicht erleuchtet. Das ist Dieser.“ (Viveka Chudamani von Sankaracharya).
Das sind jetzt so Verse, die immer einen Refrain haben. Ich will gerade noch mal gucken, wie der auf Sanskrit heißt. „Iti Ayam. Das ist Dieser.“ „Iti – das“ Jedenfalls, dieses „Iti Ayam.“ muss da sein, „Das ist Dieser.“ So wie „Ayam Atman Brahman. – Dieses Selbst ist Brahman.“ Also der, der all das beobachtet, sich dessen bewusst ist, das ist Dieser. Der alles sieht, den aber niemand sieht. Der das Gemüt erleuchtet, den das Gemüt aber nicht erleuchtet, das ist Dieser. Also, wir nehmen hier alles wahr und wer das wahrnimmt, das ist Dieser, dieses Selbst. Aber das Selbst kann nicht gesehen werden. Wir können das Selbst nicht sehen, wir können es nicht hören, wir können es nicht riechen, wir können es nicht schmecken, wir können es noch nicht mal fühlen, noch nicht mal in unserem Herzen. Wir können die Reflexion fühlen, dann sind wir in Anandamaya Kosha. Aber wir können das Selbst nur sein. In dem Moment, wo wir uns nichts anderem bewusst sind, sondern nur sind, in dem Moment ist das Selbst. Aber wir können nicht sagen, dass das Selbst sich selbst wahrnimmt. So ähnlich, wie wir jetzt unseren Hinterkopf nicht sehen können. Können wir mal probieren. Schaut mal euren Hinterkopf an. Geht nicht. Oder schaut mal eure Augen an. Die von eurem Nachbarn, das geht, aber schaut mal eure eigenen Augen an. Geht nicht. Ihr könnt einen Spiegel nehmen, dann sehen wir die Reflexion der Augen im Spiegel. Oder manche schauen gerade in ihre Brille rein, also ich kann da meine Augen nicht sehen, ich weiß nicht, ob du das siehst? Auch nicht. Aber wir können ins Fenster gucken und da kann man die Augen sehen. Wir sehen die Augen in der Reflexion und vielleicht an diesem Fenster könnt ihr sie sehen, aber nicht sehr deutlich. Man kann sagen, wenn das Upadhi reiner ist, dann kann man die Reflexion klarer sehen. Ist das Upadhi unreiner, dann kann man die Reflexion weniger sehen. So wie, eine der Fensterscheiben ist etwas getrübt, dann sieht man es noch weniger. „Das, was das Gemüt erleuchtet, den das Gemüt aber nicht erleuchtet, das ist Dieser.“ Also Gemüt, im Sinne von Manas und auch im Sinne unseres Geistes. Also, ohne Bewusstsein macht unser Gemüt gar nichts. Angenommen, euer Bewusstsein ist weg, wie sind eure Emotionen in dem Moment? Nehmen wir an, ihr seid in Ohnmacht gefallen, Bewusstsein ist weg, welche emotionalen Zustände habt ihr dort, wie viele Gedanken sind in dem Moment da? Oder ist euch schon mal passiert, euer Bewusstsein war woanders und als ihr zurückgekommen seid mit eurem Bewusstsein, habt ihr erlebt, was für ein unglaubliches emotionales Chaos dort ist, während ihr mit eurem Bewusstsein wo anders wart? Ist euch das schon mal passiert? Nein. In dem Moment, wo das Bewusstsein weg ist, in dem Moment gibt es auch kein emotionales Chaos. Darauf beruht ja auch das Prinzip der Ablenkung. Wenn wir unser Bewusstsein mit etwas anderem beschäftigen, dann ist erstmal Ruhe. Natürlich, mag sein, dass da im Unterbewusstsein noch irgendetwas arbeitet und schmort und wenn man sich nicht damit beschäftigt, dann kommt es nachher doppelt und dreifach. Manchmal, aber auch nicht immer. Tatsächlich hat sich für viele Situationen die Ablenkung als ein gutes Manöver dort gezeigt. Angenommen, man hat eine schlechte Angewohnheit, man hat irgendwo vielleicht verstanden, warum man sie sich angewöhnt hat, man ist darauf irgendwie eingegangen, man hat sie mit etwas Klügerem ersetzt. Man hat sich etwas vorgenommen, dann kommt wieder der Wunsch, was macht man dann? Ablenkungsmanöver. Nicht darüber nachdenken, nicht schon wieder sagen, nicht eine Begründung geben, sich nicht über sich selbst ärgern, warum das wieder da ist, nicht wieder Für und Wider abwägen, sondern sagen, „Ich habe mich entschieden. Danke, liebes Unterbewusstsein, dass du mir treu bist und den gleichen Wunsch und die gleiche Handlungstendenz wieder vorschlägst. Ich danke dir, ich habe mich anders entschieden und jetzt beschäftige ich mich mit etwas anderem.“ Also, die ganzen Emotionen, alles ist da, solange Bewusstsein da ist. Deshalb, Bewusstsein erleuchtet das Gemüt, aber das Gemüt kann nicht das Bewusstsein erleuchten. Es ist nicht möglich, wirklich das Bewusstsein irgendwo zu erspüren und zu erfühlen. „Ich erfühle jetzt das Bewusstsein.“ Mit wem identifizieren wir uns jetzt? Mit den Gefühlen. So wie manche sagen, „Ich habe eine Seele.“ und „Ich habe ein Bewusstsein.“, genauso, „Ich habe ein gelbes Hemd an.“ Erstens habe ich ein Bewusstsein, zweitens habe ich eine Seele und drittens habe ich ein Hemd an. Ich habe also drei Attribute. Und viertens habe ich noch eine Brille. Das könnte ich noch endlos fortsetzen. Aber die ersten beiden Aussagen sind unsinnig. Nicht, „Ich habe eine Seele.“, nicht, „Ich habe ein Bewusstsein.“, sondern Bewusstsein manifestiert sich als ich. Und dann, wenn dieses Ich, Ahamkara, dann da ist, dann identifiziert es sich mit allem Möglichen anderen und denkt, es hat alles Mögliche. Aber ich habe kein Bewusstsein, ich bin Bewusstsein. Nicht ich habe eine Seele, sondern das wahre Ich ist die Seele. Und diese Seele kann nicht wahrgenommen, nicht gesehen, nicht erspürt, ertastet und sonst was werden. Nur dann, wenn die Seele sich mit nichts anderem beschäftigt, in dem Moment ist sie selbst strahlend und in dem Moment ist sie da. Aber sie kann reflektiert werden und deshalb kann man doch sagen, wir können Gott erspüren und wir können uns selbst erfahren und erfühlen im Herzen. Aber in Wahrheit fühlen wir nicht uns, sondern die Reflexion und das ist dann Anandamaya Kosha.

Was ist die Höchste Seele? Was ist Atman?

„Das Selbst, die höchste Seele.“ Hier werden es sehr schöne Verse, von denen man sich ergreifen lassen kann. „Nun verkünde ich dir das Wesen der höchsten Seele. Wenn der Mensch Das erkennt, wird er frei von Bindungen und erlangt den höchsten Zustand der Erlösung.“ (Viveka Chudamani Vers 124, von Sankara, dem großen Jnana Yoga Meister des Vedanta)
Hier sagt er nochmals, darum geht es letztlich. Das suchen wir bewusst oder unbewusst. Erst dann werden wir dauerhaft glücklich sein.
„Es existiert jemand, etwas, das unabhängig und ewig ist. Die Grundlage des Ichbewusstseins, Beobachter der drei Bewusstseinszustände, Wachen, Träumen, Schlafen, verschieden von den fünf Hüllen der Seele.“
Also, es existiert jemand. Aber jemand, wird man vielleicht sagen, ist das jetzt männlich oder weiblich? Es ist weder männlich noch weiblich, es ist Bewusstsein. Deshalb schiebt er noch hinterher, etwas. Und das ist unabhängig von allem, was passiert. Unabhängig von Wachen, Träumen, Schlafen. Unabhängig von schön und nicht schön. Unabhängig von, ob wir jetzt träumen, schlafen oder wachen. Im Wachzustand leben wir in einer Welt. Im Traumzustand leben wir in einer anderen Welt. Im Tiefschlafzustand gibt es keine Welt, derer wir uns bewusst sind. Aber jemand bleibt gleich. Wenn im Tiefschlaf nicht jemand da wäre, dann würden wir uns am nächsten Tag nicht erinnern, dass wir geschlafen haben. Verschieden von den fünf Hüllen der Seele. Erinnert euch, die Annamaya Kosha, die Nahrungshülle, Pranamaya Kosha, die Energiehülle, Manomaya Kosha, die geistig-emotionale Hülle, Vijnanamaya Kosha, die wird als intellektuelle Hülle bezeichnet, wo Ego und Buddhi, also Vernunft ist, Anandamaya Kosha, die Wonnehülle, wo wir uns identifizieren mit der ersten Avidya, die noch wonnevoll ist. Mal identifizieren wir uns mehr mit diesem Körper und spüren die Knie und den Rücken oder genießen die Schönheit der Nase. Mal identifizieren wir uns mehr mit der Pranamaya Kosha und spüren so, wie die Wirbelsäule warm wird, das Herz irgendwo vibriert, das dritte Auge leuchtet und die ganze Welt in ein Strahlen gehüllt ist. Oder umgekehrt, wenn wir uns ohne Energie fühlen und bedauern, dass es nicht so ist, wie vor zwei Wochen. Mal identifizieren wir uns mit unserer Manomaya Kosha. „Keiner mag mich.“ oder „Ich brauche das unbedingt.“ oder „Dem zeige ich es.“, Manomaya Kosha. Da habe ich jetzt rajasige und tamasige Emotionen genommen. Es gibt auch sattvige. Mal identifizieren wir uns mit unserer Vijnanamaya Kosha, unseren intellektuellen Fähigkeiten, unserer klaren Vernunft. „Die anderen sind alle so emotional. Ich dagegen, ich bin über all das hinaus.“ Identifikation Vijnanamaya Kosha. Mal identifizieren wir uns mit der Anandamaya Kosha. „Ich gehe in tiefe Meditation. Ich habe immer wieder diese überbewussten, ausgedehnten Bewusstseinszustände. Gott ist mir erschienen. Er ist aber mir erschienen, nicht jemand anderes. Ich identifiziere mich mit dieser Anandamaya Kosha, mit diesen außergewöhnlichen Körper- und Geist erstmal transzendierenden Bewusstseinszuständen, die so wonnevoll sind.“, wo wir doch so viel besser dann sind als andere. Aber Hochmut kommt vor dem Fall. Auf dieses so genannte spirituelle Ego folgt irgendwann der spirituelle Absturz. So identifizieren wir uns vielleicht mal mehr mit dem einen und mehr mit dem anderen und die meisten von euch identifizieren sich nicht nur mit einem davon, sondern eben mit allen Koshas. Und wer bleibt jetzt gleich, wenn man sich mal mit der einen, mal mit der anderen Kosha identifiziert? „Jemand bleibt gleich.“, sagt er hier. „Verschieden von den fünf Hüllen der Seele.“ Alle der fünf Hüllen der Seele sind Instrumente, Karanas, inneres Antarkarana, äußeres Bahirkarana, sind eigentlich unsere Instrumente. Wir nutzen diese Instrumente. Sie werden auch Fahrzeuge genannt. Wir sind derjenige, der das Fahrzeug fährt und nicht das Auto.

Wie kann Maya überwunden werden? Wie ist die Welt entstanden?

„Maya kann durch Erkenntnis der reinen nichtdualen, absoluten Wirklichkeit überwunden werden. So wie der Irrtum, es handle sich um eine Schlange, durch das Erkennen des Seils aufgehoben wird. Die bekannten Grundeigenschaften von Maya sind Rajas, Tamas und Sattwa mit ihren entsprechenden Wirkungen.“
Es ist ja oft die Frage, „Wie ist diese Welt entstanden?“ Wenn ihr das jetzt hört, was Sankara sagt über Maya und wie ist die Welt entstanden, letztlich, wir wissen es nicht. Er sagt ja, Maya ist weder existent, noch nicht existent. Sie besteht weder aus Teilen, noch ist sie ungeteilt. Sie ist jenseits von Zeit und Raum, schafft aber letztlich Zeit und Raum. Und den Weisen ist sie an ihren Wirkungen erkennbar. Wir können also erkennen, was dort draus geworden ist. Es ist letztlich, man kann auch sagen, wenn der Träumende anfängt zu träumen, dann, in dem Moment, wird die Welt geschaffen. Wenn man jetzt aber beobachten will, „Was veranlasst den Träumenden in diesem Moment zu träumen?“
Plötzlich ist die Frage, „Was ist dieses unsterbliche Selbst?“ Alle sind von dieser Frage sehr intensiv ergriffen und wollen sich nicht mit Maya beschäftigen.
So ähnlich die Frage, ich glaube, Narayani hat irgendwann mal euch die Aufgabe gegeben, „Überlegt, ob ihr beim Einatmen oder beim Ausatmen einschlaft.“ Wer ist beim Einatmen eingeschlafen? Wer ist beim Ausatmen eingeschlafen? Wie ist dieser Prozess des Einschlafens? Habt ihr den schon mal genau beobachtet?
Es ist jetzt nicht so, dass du erst eingeschlafen bist und dann überlegst, „Habe ich gerade ein- oder ausgeatmet?“ Oder so ähnlich auch wie die Frage, „Schläft man auf der linken Seite oder auf der rechten Seite ein?“ Gut, wer die ganze Zeit auf einer Seite liegt, der weiß es, aber die meisten Menschen liegen nicht auf einer Seite und dann weiß man nicht, auf welcher Seite liegend man eingeschlafen ist. Genauso die Frage, „Wie ist diese Maya passiert?“, ist nicht in Worte fassbar. Brahma hat plötzlich geträumt. Deshalb, die Maya bleibt stets und beständig unergründbar. Gehen wir zum Vers 124. (nächstes Mal)

Was ist Maya?

Das ist ein besonders wichtiger Vers.
„Maya, die Welt des Scheins und deren Ursache ist die Macht der höchsten Gottheit mit dem Namen „die Unoffenbarte“ (Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, vom großen Jnana Yoga und Vedanta Meister Sankaracharya geschrieben um ca. 810 n.Chr, 108. Vers.).
Die Maya ist anfanglose Unwissenheit, besteht aus den drei Grundeigenschaften der Natur, Sattwa, Rajas und Tamas, ist jenseits von Raum und Zeit und nur von Weisen an ihren Wirkungen erkennbar. Durch sie wird das ganze Universum erschaffen.

Teil 1 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war “Viveka Chudamani von Sankaracharya”. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. <

Sat Chid und Ananda – Atman, das Selbst im Vedanta

„Wie komme ich von Chid und Sat auf Ananda?“ Chid ist erstmal klar, ist Bewusstsein, Traum muss Bewusstsein sein. Sat ist auch klar, es muss etwas geben, sonst gäbe es nichts, was man darüberprojizieren kann. Und irgendwas muss da sein, sonst könnte auch Bewusstsein nicht sein. Auch im Bewusstsein ist ja irgendwo Sein drin. Deshalb, Sat und Chid hängen zusammen. Ananda ist jetzt das Ganze, man kann es letztlich auch wieder von seiner eigenen Bewusstheit aus nehmen. Es ist nicht einfach irgendein neutrales Universum, das einfach nur ist und bewusst ist. Es ist nicht so ein lebloses Universum. Es ist jetzt kein reines Sein mit einer Bewusstheit dabei, sondern da steckt etwas dahinter und das ist Ananda. Man kann auch verschiedene Analogien bringen. Letztlich ist es die Erfahrung eines Selbstverwirklichten. Und nicht nur eines Selbstverwirklichten. Wer von euch in der Meditation schon mal dieses Gefühl hatte von Verbundenheit, von Ausdehnung. Wer die Erfahrung gemacht hat, jenseits des physischen Körpers und jenseits der Persönlichkeit. Ist die Erfahrung einfach eine neutrale, auf einer Glückskala 0, weder minus 5, noch plus 5, sondern einfach 0? Wer schon einmal so einen Meditationszustand andeutungsweise erfahren hat, Glückszustand ist höher als alles, was man in einem physischen Universum beschreiben kann. In dem Moment, wo man sich der Verbundenheit mit allem bewusst ist, ist Ananda da. In dem Moment, wo wir uns getrennt fühlen von anderen, ist das Gegenteil da. Und wenn wir uns ganz einsam fühlen, ist es am allerschlimmsten. Wenn man sich fühlt, „Ich bin anders als alle, keiner mag mich und ich bin ganz getrennt von allem.“
Also, auf den relativen Ebenen kann man es so erklären. Natürlich, auf der absoluten Ebene gibt es kein Gefühl. Nein, die Welt ist nicht vom Herzen, die Welt ist Sein, Wissen und Glückseligkeit. Herz ist letztlich in der Täuschung.
Dann lese ich noch mal ein paar Verse. Zunächst nochmals drei Verse, die über Maya gehen.

Vedanta Frage: Ist die Welt mehr als ein Traum?

Und wir können noch einen Schritt weitergehen und das ist Traum, eine der im Jnana Yoga meistbenutzten Analogien. Angenommen, wir würden jetzt träumen. Wir würden jetzt träumen, wir sind im Haus Yoga Vidya bei einem Seminar, „Viveka-Chudamani“. Jetzt Preisfrage, woher wüssten wir, dass wir träumen und dass es nicht wirklich ist? Also, im Traum weiß ich nicht, dass ich träume. Wenn wir träumen, denken wir, dass es eine Wirklichkeit ist. Ich spreche jetzt von dem „echten“ Traum. Es gibt natürlich auch Träume, dann weiß man, dass man träumt. Die ganze Sache erscheint einem so ein bisschen verdächtig und so weiß man, das ist irgendwo nicht so richtig. Aber im „echten“ Traum, dort wissen wir nicht, dass wir träumen und es erscheint alles als Wirklichkeit. Ich bin einer der jetzt in dem so genannten Wachzustand so öfters mal auch überlegt, „Wache oder träume ich? Ist die Welt wirklich oder ist sie unwirklich?“ Und mir erscheint öfters das Ganze so wie ein ablaufender Traum und dann löse ich mich mal so ein bisschen davon und richte meinen Geist auf das, was hinter diesem ablaufenden Traum ist. Und es passiert mir dann auch öfters im Traum, dass ich überlege, „Ist das jetzt wirklich oder unwirklich?“ und manchmal frage ich mich im Traum, „Träume ich oder bin ich wach?“ Und paradoxerweise komme ich dann im Traum fast immer zum Schluss, „Ich bin wach.“ Und manchmal im Traum geschehen Dinge, die irgendwie komisch sind. Manchmal im Traum, wenn ich dann Asanas übe, bin ich dann flexibler als Narayani und manchmal wundere ich mich dort, warum ich jetzt heute wieder so viel flexibler bin. Da ist zum Teil noch die Erinnerung an den Wachzustand, aber dann ist Traum und dann überprüfe ich und gucke, „Kann das überhaupt sein?“ und stelle dann fest, „Ja, ist tatsächlich so.“ Oder manchmal in der Meditation, wo ich dann sitze, plötzlich habe ich das Gefühl, ich hebe ein bisschen ab und dann überlege ich, „Kann das überhaupt sein oder ist es im Traum?“, aber irgendwo ansonsten erscheint alles ganz normal. Oder auch im Traum habe ich manchmal schöne Meditationserfahrungen und manchmal auch keine schönen Meditationserfahrungen, manchmal sind Dinge schön, manchmal nicht so schön. Manchmal unterrichte ich auch Yogastunden im Traum. Und immer dann, wenn ich zum Schluss komme, „Träume ich jetzt oder kann das so sein?“ und dann zu dem Schluss komme, „Ja, es ist anscheinend doch wirklich.“, dann wache ich kurz danach auf. So ein bisschen wie, das Schicksal sagt mir, „Siehste, so kannst du dich täuschen.“ Jetzt angenommen, wir würden jetzt träumen und wir würden uns mit anderen Menschen unterhalten. Würden die jetzt individuelles Bewusstsein haben oder nicht haben? Also, wenn ihr mit anderen Menschen im Traum sprecht, wie verhalten die sich? „Normal“ Was ist normal? Also, sie verhalten sich wie im Wachzustand. Also, alle Personen in eurem Traum, was sind die eigentlich? Manifestationen eures Geistes. Unterbewusstsein schafft die Kreaturen des Traumes. Und das Interessante ist, euer Unterbewusstsein schafft diese Traumwelt, schafft die ganzen Einzelseelen der Traumwelt, schafft die ganzen Naturgesetze, schafft die Welt. Wie alt ist übrigens die Welt des Traumes? Ich muss immer lachen, wenn Menschen sagen, „Ich habe in 10 Minuten mehrere Tage geträumt.“ Ist das richtig? Angenommen, ihr träumt, dann träumt ihr ein Universum und wie alt ist dieses Universum? Milliarden und Abermillarden Jahre, vielleicht sogar ewig. Im Moment, wo ihr im Traum seid, ist es ja nicht so, dass ihr euch erinnert, „Vor drei Tagen gab es nichts, vor drei Tagen ist das Universum plötzlich gekommen und da waren wir so und so.“, sondern sowie man im Traum ist, kann man sich ja auch an die Vergangenheit erinnern, aber nicht nur an die Vergangenheit erinnern. Angenommen, ihr wärt ein Physiker im Traum, ist sogar möglich, dass die Traumwelt anderen physikalischen Gesetzmäßigkeiten folgt wie die Wachwelt und ihr könnt sogar dann vielleicht im Traum als Geophysiker oder Astrophysiker ein Alter der Welt bestimmen. Also, wir schaffen die gesamte Welt, Jagad. Wir schaffen die Einzelseelen, die sich wie Einzelseelen verhalten, mit psychischen Störungen und allem. All das können wir schaffen. Und dann schaffen wir noch dazu einen, mit dem wir uns typischerweise identifizieren. Manchmal gibt es vielleicht auch Träume, wo man irgendwo so eine Art Landschaftsbilder, wo man die Beobachterperspektive hat, aber meistens im Traum identifiziert man sich mit einer Traumgestalt und sagt, „Ich bin diese Person.“ Relativ häufig mag sie sogar ähnlich aussehen, wie im Wachbewusstsein, aber nicht immer. Wer von euch hat schon mal geträumt und da war er jemand, der doch ein gutes Stück anders ausgesehen hat als im Wachzustand? Gar nicht mal so viel. Die meisten scheinen sich im Traumzustand ähnlich zu sehen, wie im Wachzustand oder können sich nicht mehr so ganz daran erinnern. Aber es gibt die Möglichkeit, dass man im Traumzustand jemand ganz anderes ist. Jetzt sagen die Yogis, die Wachwelt ist letztlich nur ein Traum. Und hier können wir auch die ganzen Jnana-Yoga-Ausdrücke finden. Eine einzige Wirklichkeit hinter der ganzen Welt, Brahman, das Bewusstsein an sich. Atman ist dann die Seele, die sich manifestiert als Jiva. Man fühlt sich im Traum als Individuum. Man hat verschiedene Upadhis, ein Aussehen usw., mit dem man sich identifiziert. Es gibt im Traum ein Jagad, ein Universum. Und in diesem Universum gibt es dann verschiedene Dichtigkeitsstufen, physisches, astrales, kausales Universum. Es gibt verschiedene Einzelseelen, mit denen wir kommunizieren.

Das Selbst ist Satchidananda – Sein Wissen Glückseligkeit

Aber ihr kennt die drei Beschreibungen des Selbst. Wie nennen die sich? Sat, Chid und Ananda. Ich vermute, irgendwo habt ihr das schon Tausend Mal gehört. Sat, reines Sein. Chid, reine Bewusstheit. Ananda, reine Wonne. Also Sat, reines Sein. Nicht irgendein Sein, sondern reines Sein, absolutes Sein. Vom Lateinischen her, absolut heißt losgelöst. Wir identifizieren uns jetzt mit einem beschränkten Körper. Damit ist es ein begrenztes Sein. Und der Körper reflektiert unser unendliches Sein und deshalb haben wir Sehnsucht nach dem unbeschränkten Sein. Mensch ist letztlich nicht zufrieden mit dem, was er hat. Irgendwo weiß er, es muss mehr geben. Und egal, wie viel Euro man hat, und egal, wie viel Macht man hat, und egal, wie viel man weiß, man will immer mehr. Man kann diesen Wunsch nach mehr irgendwie betäuben und sich zufrieden geben, aber im Inneren des Menschen weiß man irgendwo, „Ich bin nicht so beschränkt.“ Und es ist auch in der Meditation möglich und ich vermute, die Mehrheit von euch hat solche Erfahrungen mindestens schon mal gehabt, es ist möglich, sich als reines Sein zu erfahren. Es ist möglich, mal nicht die Beschränkungen des Körpers zu spüren. Viele haben das schon andeutungsweise erfahren in der Ausdehnungsmeditation, manche vielleicht schon beim ersten Aufenthalt hier im Haus Yoga Vidya, wo ja in der ersten Woche ist ja meistens irgendwo auch die Ausdehnungsmeditation dabei oder die Ausdehnungsentspannung. Manche sind dort plötzlich in der Meditation mal hineingefallen in einen Zustand, wo man plötzlich den Körper nicht mehr spürt und irgendwo eine Weite und Verbundenheit fühlt. Und aus dieser Reflektion, „Es gibt ein Sein, aber ich bin nicht der Körper.“, weiß man, „Ich bin.“ Aus der Erfahrung in der Meditation, dass dieses Sein unendlich ist, daher können wir aus der Erfahrung schließen, „Ich bin absolutes Sein.“ Und noch etwas. Aus der Analyse von Subjekt-Objekt, kommt auch klar hervor, wir können gar nichts Beschränktes wirklich sein vom Standpunkt des Bewusstseins aus. Alles, was in Zeit und Raum ist, ist beobachtbar. Angenommen, ihr hättet eine bestimmte Ausdehnung. Ihr sagt, „Gut, ich bin nicht der Körper, aber ich bin der Astralkörper. Ich bin drei Meter breit.“ Jemand mit einer guten Aura hat drei Meter Breite. Deshalb braucht ihr euch jetzt nicht Gedanken zu machen, habt ihr fünf Zentimeter oder zwanzig mehr oder weniger. Astralkörpermäßig ragen wir weit über alle Fettdatus hinaus. Wenn wir uns jetzt wahrnehmen würden als drei Meter Durchmesser, dann könnte ich das wahrnehmen, dann könnte ich sagen, „Bis wohin rage ich?“ und dann auch, „Und wer beobachtet, bis wohin ich rage? Von wo aus merke ich, dass ich bis dahin rage?“ Versteht ihr das? Also alles, was beschränkt ist, da gibt es ein Bewusstsein, dass das beobachtet, wie weit es beschränkt ist und damit bin ich nicht das Beschränkte. Oder auch in Zeit begrenzt. Wenn wir jetzt überlegen, „Wann bin ich in die Existenz gekommen?“ Und dann würde man fragen, „Und wer beobachtet, ab wann man in die Existenz gekommen ist?“ Wenn ich beobachte, dass ich irgendwann in die Existenz gekommen bin, muss es jemanden geben, der beobachten kann, ab wann man in die Existenz gekommen ist. Damit ist Bewusstsein an sich nicht beschränkt. Es ist weder durch Raum beschränkt und es ist nicht durch Zeit beschränkt. Ist das nachvollziehbar? Also angenommen, etwas wäre beschränkt. Dann müsste es jemanden geben, der diese Beschränktheit wahrnehmen würde. Und wenn es jemanden gibt, der die Beschränktheit wahrnimmt, dann bin ich nicht der, der  beschränkt ist, sondern ich bin derjenige, der die Beschränktheit wahrnimmt. Egal, was es sein mag, alles, was beschränkt ist, wird wahrgenommen werden vom Bewusstsein. Ansonsten gäbe es diese Beschränktheit nicht. Die Beschränktheit gibt es nur in dem Maße, wie es ein Bewusstsein gibt, welches diese Beschränktheit wahrnimmt. Und das heißt, mit anderen Worten, Bewusstsein kann nicht beschränkt sein. Es kann weder beschränkt sein zeitlich, wie auch räumlich. Das wäre jetzt die intellektuelle Analyse. Und diese deckt sich mit den Meditationserfahrungen von Menschen in erweiterten Bewusstseinszuständen, in die man manchmal hineinrutscht. Und dann kommen wir noch zu einem weiteren und damit kommen wir fast schon zu dieser Aussage, „Aham Brahmasmi. Ayam Atman Brahman.“ Wenn ich dann tatsächlich unbeschränkt bin, zeitlich unbeschränkt, räumlich unbeschränkt, kann es dann andere geben, die auch zeitlich und räumlich unbeschränkt sind? Vom Logischen her – geht nicht. Es kann nicht zwei geben, die gleichzeitig ewig und unendlich sind. Das ist eine logische Unmöglichkeit. Und damit ist intellektuell auch klar, es kann nicht mehrere Bewusstseine geben. Das ist ja im Deutschen so, das ist im Sanskrit so, das ist im Englischen so, im Lateinischen so. Da gibt es kein Plural von Bewusstsein. Es gibt nicht Bewusstseine. Es gibt letztlich nur ein kosmisches Bewusstsein und dieses kosmische Bewusstsein spiegelt sich in diesem Körper, spiegelt sich in diesem Geist, in dieser Persönlichkeit, in diesen Emotionen, aber „Ich bin es nicht.“ Also, „Ich bin nicht dieser Körper, Geist, Persönlichkeit, sondern ich bin das Bewusstsein. Das wiederum bin ich.“ Und damit gibt es nur eine einzige kosmische Weltenseele, die nennt sich Brahman und das Selbst von jedem einzelnen ist nichts anderes als Brahman. Auch das können wir auf diese Weile intellektuell schließen und auch das deckt sich wieder mit der Erfahrung in Nirvikalpa Samadhi. In Nirvikalpa Samadhi nehmen wir uns selbst wahr, als das Bewusstsein hinter allem. Im Kleinen haben wir alle eine Verbindung. Wir können uns gegenseitig irgendwo erspüren. Natürlich, wie bei allem kann das auch mit Täuschung verbunden sein. Die moderne Neurobiologie postuliert dort das Konzept der Spiegelneuronen. Wir können uns in andere hineinversetzen, aber vom Standpunkt des Yogas muss das nicht unbedingt mit Spiegelneuronen zu tun haben – obgleich das eine Konzept das andere auch nicht ausschließt – sondern es ist das gleiche Bewusstsein in jedem. Und wenn Liebe besonders stark ist, dann strahlt diese Verbundenheit des Bewusstseins einen Moment lang aus. Und die großen Heiligen, Weisen und Propheten, die spüren diese Einheit auch im Alltag. So wie Jesus dann sagt, „Liebe deinen Nächsten wie dich Selbst.“ Und was dort in der griechischen Urfassung der Bibel steht, wobei Jesus natürlich Aramäisch gesprochen hat, aber es gibt keine aramäische Urschrift der Bibel. Das kann man auch übersetzen, „Liebe deinen Nächsten als dein Selbst.“ Oder, „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“, hat ja auch nicht Jesus erfunden, das steht ja auch schon im Alten Testament. Und auch was dort im Hebräischen steht, kann man auch übersetzen als, „Liebe deinen Nächsten als dein Selbst.“ Und damit sind wir schon sehr vedantisch. Also wir sind und wir sind unendlich, wir sind bewusst, wir sind nicht einfach irgendwas. Angenommen, wir wären nur irgendwie und wären uns nicht bewusst, dann würden wir nicht merken, dass es uns gibt. Wäre jetzt auch kein Sinn, hier überhaupt zu sein, Chit.
„Ich bin ein Kristallisationskern von Bewusstsein in Raum und Zeit.“ Man würde eher sagen, „Ich bin das unendliche Bewusstsein, dass sich widerspiegelt in einem Körper-Geist-Kontinuum und deshalb scheinbar in Raum und Zeit existiert.“

Vairagya als Quelle der Gelassenheit im Vedanta

Ein nächstes, was er dann aber sagt, ist, „Losgelöstheit, Vairagya ist der innere Abstand gegenüber den Dingen der Sinneserfahrung.“ Also, wir sind irgendwo gelöst. Man kann sagen, es gibt zwei Grade von Vairagya und das ist jetzt eine Temperamentfrage. Die eine Vairagya ist so weit, dass man so weit losgelöst ist, dass man nicht durch die ganzen Emotionen durchgeht. Und ich kannte auch jemanden, das war ein direkter Schüler von Swami Sivananda, das war so ein reiner Vedantin, ein Swami BrahmAnanda, und der war diese Art von Vedantin. Die Grundemotion von ihm war eine Heiterkeit bis zu einer Amüsiertheit. Ich weiß nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt. Er war so ein Verstehender, der konnte alles verstehen und annehmen und er hat nie einen beurteilt oder erst recht nicht verurteilt, aber er war auch von nichts dort berührt. Ich habe ihn gekannt als er irgendwo, ich glaubt, Mitte 80 war er gewesen, aber er hat Vedantavorträge gegeben, er hat über Bhagavad Gita und das Nareshwari und noch eine andere Schrift dort gesprochen. Er hat jeden Morgen und Abend hat er mit uns dort dieses Nirwana Sharakam rezitiert, also die sechs Strophen zur Befreiung, die wir ja gestern auch rezitiert haben. Und er hatte auch schon diverse körperliche Gebrechen und hatte auch irgendwo körperliche Schmerzen gehabt, aber das hat ihm nichts ausgemacht. Manchmal tat es ihm dann irgendwie so weh, dass er irgendwo Assistenten brauchte, auf die er sich stützen musste und das hat ihn irgendwo amüsiert und er hat gesagt, „This body here can‘t walk anymore. Dieser Körper kann nicht mehr richtig laufen.“ und dann fing er an zu lachen und sagte, „This knee hurts.“, dann fing er an zu lachen, „Die Knie hier“ oder „This knee produces pain. Dieses Knie produziert Schmerzen.“ Aber er hat dort keine Schmerzen im Gesicht gehabt, sondern er fing dann an zu lachen. Oder wenn jemand ihm Liebeskummer erzählt hatte, auch das hat man ihm dann erzählt und da hat er dann gefragt, „Frag dich, wer hat Liebeskummer?“, wie ich es euch vorher erzählt hatte. Aber es war nicht so, dass er gesagt hätte, „Wie kommst du dazu, Liebeskummer zu haben, wo du doch ein Vedanta-Schüler bist und schon so viele Vorträge gehört hast?“ Er fand das irgendwo erheiternd. Nicht arrogant erheiternd. Er war auf seine Weise sehr bescheiden, aber dennoch stand er über den Dingen. Also das ist ein Grad von Vedanta. Aber es gibt diesen zweiten Grad von Vedanta und der ist einfacher. Man geht durch die Emotionen, man geht durch Höhen und Tiefen, man empfindet das und parallel, während man da durchgeht, hat man ein Vairagya und eine Viveka dahinter, wo man weiß, „Spielt auch keine allzu große Rolle. Ich bin es nicht wirklich.“ Und es ist jetzt auch nicht erheblich, „Ich muss nicht ständig gleichmütig sein.“, auch daran kann man hängen, an der Emotion des Gleichmuts. Selbst daran müssen wir nicht hängen. Wir müssen auch nicht an der Belohnung hängen, dass jedes Mal, wenn wir die Yogastunde machen, dass wir genauso toll uns fühlen. Und jede Meditation ist so großartig. Natürlich, noch weniger muss man an dem Thema der Yogastunde hängen. Da haben einige gestern Morgen irgendwo eine unfreiwillige Lektion bekommen. Ich hoffe, dass ihr nicht die gleiche Lektion wiederholt habt. Anscheinend hat gestern Morgen die fortgeschrittene Gruppe nicht die Mahavakyas gehabt. Und es ist ja dann auch gut, dass ihr es mir dann sagt. Aber wenn man so darauf ist und dann nachher noch Tage danach wettert, das wäre nicht gut. Ein bisschen enttäuscht zu sein, ist auch gut. Darüber zu lächeln, dass man sieht, „Mein Geist ist enttäuscht.“, ist auch gut. Es dann zu sagen, damit künftig die Sachen besser organisiert werden, ist auch gut. Denn angenommen, man würde nichts sagen, dann hätten vielleicht heute auch wieder mindestens eine Gruppe, eine ganz andere Yogastunde gehabt. Ich hoffe, ihr versteht, wie das Ganze gemeint ist mit diesem Vairagya.

Erlebte, erfahrene Unterscheidungskraft als Vedanta Mittel

Man würde sagen, es ist eine erfahrene und erlebte Unterscheidung. Also einfach nur, intellektuell das zu erkennen, reicht ja nicht aus. Das wäre sehr einfach. Ich kann sehr wohl unterscheiden, aber dennoch im nächsten Moment vergisst man all das. Swami Sivananda würde manchmal sagen, die machen intellektuelle Gymnastik und sich selbst und anderen machen sie etwas vor. Aber es ist tatsächlich, eigentlich der Jnana-Yoga-Weg in Reinstform wäre, man fragt sich, „Bin ich das? Bin ich das nicht?“ Ramana Maharishi hat ja diesen reinen Jnana-Yoga-Weg gelehrt. Wenn da jemand mit Liebeskummer zu ihm hingegangen ist, hat er ihm gesagt, „Frage dich, wer hat Liebeskummer? Bist du der Liebeskummer? Bist du die Emotionen? Frage dich, wer bin ich? Wer ist es, der sich des Liebeskummers bewusst ist? Wer ist derjenige, der sich dieser Emotionen bewusst ist? Wer ist derjenige, der zu mir hinkommt und jetzt Hilfe für den Liebeskummer braucht?“ Oder wenn jemand zu ihm hingegangen ist und gefragt hat, „Meister, ich habe Krebs. Was soll ich tun?“ „Frage dich, wer ist es, der Krebs hat? Überlege, was hat überhaupt Krebs, du oder dein Körper? Und dann frage dich, wer ist es, der denkt, dass er Krebs hätte? Wer ist es, der denkt, dass er der Körper ist, der Krebs hat?“ Das ist der Jnana-Yoga-Weg und indem man sich das immer wieder fragt, wird es irgendwann nicht nur intellektuell. Und dadurch, dass es dann nicht mehr nur intellektuell ist, plötzlich kann man tatsächlich sich davon lösen. Und immer weniger identifiziert man sich dann mit seinen Emotionen, immer mehr kommt man zu dieser Unterscheidung. Vielleicht auch noch eines. Der ganzheitliche Yogi bemüht sich ja, den Körper gesund zu halten. Aber dann gibt es Menschen, die dann, wenn jemand krank ist denken, Yoga funktioniert nicht. Und dann hat man wieder ein Problem. Die Aufgabe des Yogas ist nicht, den Körper ewig leben zu lassen. Die Aufgabe ist, mit Yoga sorgen wir dafür, dass der Körper länger gesund ist und einen weniger von der Meditation abhält und einen irgendwie ein bisschen wohler fühlen lässt. Aber jetzt zu probieren, den Körper ewig leben zu lassen, ist unsinnig. Oder Yoga hilft einen, mehr Prana zu haben. Aber wir werden trotzdem nicht immer soviel Prana haben, wie wir wollen. Yoga hilft uns, dass wir uns irgendwie wohler fühlen. Aber wenn es uns jetzt ständig darum geht, „Wie kann ich mich wohl fühlen lassen?“ kommen wir nie zu dem, worum es eigentlich geht. So ähnlich wie, es ist gut, sich um sein Fahrrad zu kümmern, dann braucht man nicht ständig die Reifen zu wechseln und dann braucht man nicht ein neues Fahrrad auszusuchen. Also, wenn man sich vorbeugend um die Gesundheit des Fahrrads kümmert, hat man längere Zeit, dann kriegt man nicht irgendwann, 70 Kilometer vom Ashram weg, platzt der Reifen und man weiß jetzt nicht, wie kommt man zurück. Also, wenn man vorher immer darauf aufgepasst hat. Aber jetzt zu probieren, das Fahrrad dauerhaft leben zu lassen – vielleicht mit dem Fahrrad geht es sogar noch, man kann ja die Teile leichter austauschen als bei diesem Körper, aber es wäre ein unsinniges Bemühen.

Sei weise und entwickle die Eigenschaften eines Yogi

„Weise und inspiriert ist ein Mensch, der geschickt im Abwägen von Pro und Kontra ist. Wer die genannten Eigenschaften besitzt, der erfüllt die Voraussetzungen zur Selbsterkenntnis.“ (Viveka Chudamani von Sankara, Vers 16)
Der 17. Vers wiederum gilt als besonders wichtig, da beschreibt er die Sadhana-Chatushtaya, die vier Eigenschaften – Chatushtaya, die Vierheit – für den spirituellen Weg, Sadhana.
Sankara schreibt:
„Als geeignet für die Suche nach der absoluten Wirklichkeit gilt, wer zwischen Wirklichem und Unwirklichem unterscheiden kann (Viveka), wer Losgelöstheit besitzt (Vairagya), wer die sechs Tugenden der Gleichmut besitzt, das ist Shatsampat oder hier Samadhi Shadkam genannt und wer sich nach Erlösung sehnt (Mumukshutwa).“ (Viveka Chudamani, Vers 17)
Also Viveka. Viveka, die Unterscheidungskraft. Vairagya, ein sehr schwer zu übersetzendes Wort. Der Sankara wird es gleich definieren, aber es wird meistens als Losgelöstheit bezeichnet oder Entsagung oder Nichtanhaften oder Verhaftungslosigkeit. Shatsampat, die sechs edlen Tugenden der Gleichmut. Und Mumukshutwa, der intensive Wunsch nach Befreiung. Swami Vishnu-devananda hat gerne gesagt, wenn man überprüfen will, ob man auf dem spirituellen Weg Fortschritte macht, dann sollte man schauen, ist man in diesen vier Eigenschaften gewachsen. Es ist nicht, wie fortgeschritten man in den Asanas ist. Also, ob man jetzt den Skorpion beherrscht oder nicht, das besagt nicht, ob man auf dem spirituellen vorangeschritten ist. Auch nicht, wie viel Minuten man die Luft anhalten kann in Kapalabhati, wie viel Stunden man meditieren kann, auch nicht, welchen Teil der Wirbelsäule man spürt, auch nicht, wie viele Bilder man in der Meditation sieht, auch nicht, wie laut die inneren Anahata-Klänge sind. All das besagt nicht, wie weit wir auf dem spirituellen Weg sind. Aber wir können sehen, sind wir in diesen vieren gewachsen. Und das kann man sich öfters fragen. So vielleicht alle halbe Jahre kann man mal schauen, „Wie ist es mit meinem Viveka? Wie ist es mit meinem Vairagya? Wie ist es mit meinem Shatsampat? Wie ist es mit meinem Mumukshutwa? Habe ich dort Fortschritte gemacht oder Rückschritte oder bin ich gleich geblieben?“ Shatsampat, die sechs edlen Tugenden der Gleichmut.

Frage zum Karma

“Hat die Art, wie man etwas erledigt, einen Einfluss auf das Karma? Wenn man sich durch etwas durchquält, ist das besser oder schlechter, als wenn es einem irgendwo leicht fällt?”
Die Art, wie wir etwas erledigen, hat natürlich einen Einfluss auf unser Karma. Denn mal angenommen, wir haben eine bestimmte Aufgabe und wir erledigen sie halbherzig, dann haben wir unsere Aufgabe nicht erfüllt. Dann kommt sie nachher noch mal wieder und zwar mit Zinseszins. Deshalb sollte man nichts halbherzig machen. Was man macht, sollte man so gut machen, wie man es kann und natürlich, wie es in der Situation angemessen ist. Was wir nicht erledigen, das kommt dann später.