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Wie kann Maya überwunden werden? Wie ist die Welt entstanden?

„Maya kann durch Erkenntnis der reinen nichtdualen, absoluten Wirklichkeit überwunden werden. So wie der Irrtum, es handle sich um eine Schlange, durch das Erkennen des Seils aufgehoben wird. Die bekannten Grundeigenschaften von Maya sind Rajas, Tamas und Sattwa mit ihren entsprechenden Wirkungen.“
Es ist ja oft die Frage, „Wie ist diese Welt entstanden?“ Wenn ihr das jetzt hört, was Sankara sagt über Maya und wie ist die Welt entstanden, letztlich, wir wissen es nicht. Er sagt ja, Maya ist weder existent, noch nicht existent. Sie besteht weder aus Teilen, noch ist sie ungeteilt. Sie ist jenseits von Zeit und Raum, schafft aber letztlich Zeit und Raum. Und den Weisen ist sie an ihren Wirkungen erkennbar. Wir können also erkennen, was dort draus geworden ist. Es ist letztlich, man kann auch sagen, wenn der Träumende anfängt zu träumen, dann, in dem Moment, wird die Welt geschaffen. Wenn man jetzt aber beobachten will, „Was veranlasst den Träumenden in diesem Moment zu träumen?“
Plötzlich ist die Frage, „Was ist dieses unsterbliche Selbst?“ Alle sind von dieser Frage sehr intensiv ergriffen und wollen sich nicht mit Maya beschäftigen.
So ähnlich die Frage, ich glaube, Narayani hat irgendwann mal euch die Aufgabe gegeben, „Überlegt, ob ihr beim Einatmen oder beim Ausatmen einschlaft.“ Wer ist beim Einatmen eingeschlafen? Wer ist beim Ausatmen eingeschlafen? Wie ist dieser Prozess des Einschlafens? Habt ihr den schon mal genau beobachtet?
Es ist jetzt nicht so, dass du erst eingeschlafen bist und dann überlegst, „Habe ich gerade ein- oder ausgeatmet?“ Oder so ähnlich auch wie die Frage, „Schläft man auf der linken Seite oder auf der rechten Seite ein?“ Gut, wer die ganze Zeit auf einer Seite liegt, der weiß es, aber die meisten Menschen liegen nicht auf einer Seite und dann weiß man nicht, auf welcher Seite liegend man eingeschlafen ist. Genauso die Frage, „Wie ist diese Maya passiert?“, ist nicht in Worte fassbar. Brahma hat plötzlich geträumt. Deshalb, die Maya bleibt stets und beständig unergründbar. Gehen wir zum Vers 124. (nächstes Mal)

Was ist Maya?

Das ist ein besonders wichtiger Vers.
„Maya, die Welt des Scheins und deren Ursache ist die Macht der höchsten Gottheit mit dem Namen „die Unoffenbarte“ (Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, vom großen Jnana Yoga und Vedanta Meister Sankaracharya geschrieben um ca. 810 n.Chr, 108. Vers.).
Die Maya ist anfanglose Unwissenheit, besteht aus den drei Grundeigenschaften der Natur, Sattwa, Rajas und Tamas, ist jenseits von Raum und Zeit und nur von Weisen an ihren Wirkungen erkennbar. Durch sie wird das ganze Universum erschaffen.

Teil 1 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. <

Ego, Ich, Ichbewusstsein, Ahamkara im Licht von Vedanta

„Das Ichbewusstsein, das sollte man wissen, bezieht alles auf sich selbst, erlebt sich als Handelnden und Erfahrenden und erfährt in Verbindung mit den Grundeigenschaften der Natur, Sattwa, Rajas und Tamas und den drei Zuständen, Wachen, Träumen und Tiefschlaf.“ (Sankara im Viveka Chudamani)
Ich lese jetzt aus einem bestimmten Grund die Verse über Ahamkara. Ich habe praktisch das übersprungen, was über Chitta, Buddhi und Manas geht. Ahamkara ist das Ego und das ist ein Teil vom Antarkarana. Das ist jetzt eine interessante Geschichte. Antarkarana ist das innere Instrument und ein Instrument ist ja nichts Schlechtes. Und zu dem inneren Instrument gehört auch Ahamkara, also das Ichgefühl, wo auch das Selbstwertgefühl dabei ist, das Selbstbewusstsein, Identifikation usw. Und das ist Teil des Antarkarana. Wenn es Teil des Antarkarana ist, das Antarkarana, das innere Instrument, und das innere Instrument letztlich was Gutes ist, ist also auch das Ego erstmal nichts Schlechtes. Denn wir müssen ja realistisch sagen, um in dieser Welt handeln zu können, brauchen wir mindestens etwas Ahamkara. Schon wenn ich hier jetzt so sitze – angenommen, ich hätte jetzt gar kein Ahamkara, dann würde der Körper hier sitzen und ich würde mich als das universelle Selbst hinter allen fühlen, könnte man vielleicht kurz mal fühlen, den Körper von Narendra, mal kurz den Körper von Suguna, mal kurz in den Körper von Raphaela, mal kurz in den Körper von Peter und von der Anna, aber dann gäbe es die Frage, „Warum soll ich mit diesem Körper irgendwas machen? Ich bin das Bewusstsein hinter allem. Was soll ich mit diesem Körper hier anstellen?“ Also, ein bisschen Ahamkara ist nötig, damit ich die Aufgaben erfüllen kann. Und so, dieses unendliche Selbst spiegelt sich in Ahamkara wider und so brauche ich so ein bisschen, mindestens eine kleine sattvige Identifikation mit diesem Körper, um dort handeln zu können. Das ist erstmal gut so. Problematisch wird es nur, wenn dieses Ahamkara sehr fest und klebrig wird. Das ist wie, ihr erinnert euch an die Analogie eines Schauspielers. Angenommen, ihr würdet Wallenstein spielen, ein Schauspiel von Schiller. Ihr würdet jetzt Wallenstein spielen in Schillers Schauspiel „Wallenstein“. Da müsst ihr so ein bisschen euch wie Wallenstein fühlen. Ihr müsst euch in ihn hineinversetzen. Und wenn ihr die Rolle spielt, dann müsst ihr wirklich so spüren, wie hat Schiller diesen Wallenstein gemeint. Also, ein bisschen Wallenstein-Ahamkara braucht man dort. Aber angenommen, dass Schauspiel wäre zu Ende und ihr würdet euch weiter verhalten wie Wallenstein, zu Astrologen gehen und machtgierig sein, über Leichen gehen und was der sonst noch alles an Eigenschaften hatte, dann würdet ihr nicht sehr beliebt werden in eurer Familie. Und letztlich wird man euch vielleicht sogar in die geschlossene Anstalt einweisen. Jemand, der denkt, „Ich bin Wallenstein.“, aber nicht Wallenstein ist, ist doch verrückt. So ähnlich auch, wir sind hier, um unseren Part zu spielen, aber wir sind alle irgendwo verrückt geworden. Wir denken, „Ich bin der und der.“ Spirituelle Menschen sagen noch, „Ich habe ein höchstes Selbst. Ich bin eins mit Gott.“ Versteht ihr, wo der Fehler dort liegt? „Ich habe ein höheres Selbst. Ich habe zum einen einen physischen Körper, zweitens habe ich ein höheres Selbst.“ Und wer bin ich? Da gibt es ein Selbst und da gibt es ein Ich und „Ich habe das Selbst.“ Oder, „Ich spüre die Verbindung mit Gott.“ Da gibt es Gott, da gibt es mich und da gibt es eine Verbindung. Wie wäre es korrekt? „Ich bin das unsterbliche Selbst. Und ich habe einen Körper. Und ich habe eine Persönlichkeit. Und ich bin eins mit Gott.“ oder „Ich bin Gott.“ Klingt jetzt dumm. Können wir so nicht sagen, ohne dass es komisch klingt. Sagen wir, „Ich bin Brahman.“, da bewegen wir uns nicht auf Glatteis und emotionaler und religiöser und theologischer Schwierigkeiten. „Ich bin Brahman und dieser Brahman scheint jetzt vorübergehend widergespiegelt zu sein.“ Und dieses Widergespiegeltsein und diese Identifikation damit, ist erstmal nicht ganz so schlecht. Die Schwierigkeit ist, sie wird zu krass. Und diese Identifikation kann noch dazu tamasig sein und sie kann rajasig sein. Wir identifizieren uns mit diesem Körper und mit diesem Geist und sagen, „Ich bin nicht gut genug. Keiner mag mich. Ich bin hässlich, ich bin dick, ich bin faltig, ich bin, was noch. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Außerdem bin ich müde und träge, in einem falschen Film.“ Tamasiges Ego. Der ein oder andere erinnert sich an solche Zeiten, wo es das mal gegeben hat. Und dann gibt es ein rajasiges Ego. „Was bin ich doch für ein toller Hecht. Ich bin viel klüger als andere.“ oder vielleicht nicht klüger, aber, „Ich bin spiritueller als andere. Andere sind noch nicht so weit.“ oder „Ich bin demütiger als andere. Ich identifiziere mich weniger als andere. Ich bin eine bessere Yogalehrerin, ein liebevollerer Mensch, ein verhaftungsloserer Mensch.“ All das ist rajasiges Ego. Vielleicht ein bisschen besser als ein tamasiges Ego. Vielleicht ein bisschen leichter, dort herauszukommen, denn gerade das rajasige Ego kriegt ja ausreichend schnell irgendeine Nadel hineingestochen und dann hat sich die Sache erstmal wieder. Dann tut es weh und dann begibt man sich entweder wieder ins tamasige Ego oder vielleicht gelingt es einem, dass man dann durch den Rückstoß des Ballons vorübergehend ein bisschen in Brahman katapultiert wird. Dann gibt es noch ein sattviges Ego, dann gibt es noch mal verschiedene Grade von sattvigen Ego, aber so ein leichtes, sanftes sattviges Ego, wo man irgendwo sich erinnert, „Ich bin das unsterbliche Selbst. Im Wachbewusstsein spiele ich jetzt den Part. Ich heiße sowieso und mache das und das.“ und mit einem gewissen Abstand, Heiterkeit, kann man dann durch alles durchgehen. Vielleicht wird man sich dann so richtig hineinsteigern, wie ein guter Wallenstein-Schauspieler auch, aber danach weiß man, „Ich bin es nicht wirklich.“ und man ist dann auch gegenüber den anderen Schauspielern nicht böse, denn die spielen auch nur ihren Part im kosmischen Drama. Und danach meditieren wir, verlassen die Identifikation. Wir müssen auch nicht warten bis zur Meditation. Man kann ja zwischendurch mal innehalten oder auch beim Spazieren, ein bisschen amüsiert sehen, „Körper geht, Atem atmet und ich bin das unsterbliche Selbst hinter allem.“ „Hand nimmt die Nahrung, Mund beißt, Magen verdaut. Ich bin das Bewusstsein hinter allem.“ „Körper ist in einer Asana. Atem läuft. Prana schwingt. Ich bin das Bewusstsein hinter allem.“ Und im Alltag wird man manchmal nicht diese Art von Bewusstheit haben, manchmal muss man sich voll hineinbegeben und so tun, als ob man sich identifiziert, danach kommt man wieder raus. Und wann kommen wir spätestens raus aus dieser Identifikation mit dem physischen Körper? Glücklicherweise müssen wir nicht solange warten, bis zum letzten Atemzug. Im Moment, wo wir einschlafen, ist die Identifikation mit dem physischen Körper vorübergehend weg.
Und das führt uns zu einer anderen Analyse, die wir morgen machen werden, nämlich Jagan Mithya, die Welt ist unwirklich. Und um das zu verstehen, ist auch wieder Wach-, Traum-, Tiefschlafzustand, geänderte Bewusstseinszustände hilfreich. Und letztlich auch die moderne Physik und Wahrnehmungspsychologie kann uns auch helfen, zu verstehen, was heißt Jagan Mithya. Es heißt eben nicht, dass es keine Welt gibt, aber es heißt, so, wie wir die Welt wahrnehmen, so ist sie nicht. Und es ist möglich, das wahrzunehmen, was wirklich ist.