Schlagwort-Archive: Liebe

Wo gibt es Erleuchtete, verwirklichte Gurus?

Ist das Konzept der Verwirklichung etwas Abstraktes oder gibt es tatsächlich Leute, die das verwirklicht haben? Gibt es hier in Deutschland auch Verwirklichte oder geht das nur in Indien, vielleicht nur in einer bestimmten Region Indiens, vielleicht nur im Himalaja?“ Es gibt auch in Deutschland Verwirklichte, klar.
„Wie sieht ein Verwirklichter aus?“ Das kann ich klar sagen. Ein Verwirklichter hat typischerweise, also die meisten Verwirklichten haben zwei Beine, zwei Arme, eine Nase, zwei Augen. Solange sie jung sind, haben sie auch noch Haare. Es gibt auch mal den einarmigen oder einbeinigen Verwirklichten, aber die Mehrheit sieht so aus, wie alle anderen auch. Woran kann man es aber erkennen? Letztlich, man kann es an der Handlung erkennen und letztlich in der Bhagavad Gita wird es ja so beschrieben. Wer also in verschiedensten Situationen irgendwo gleichmütig bleibt. Für wen Gold und ein Stück Lehm das Gleiche ist. Wer allen gegenüber im Geist der Liebe begegnet. So können wir sie letztlich sehen und solche Menschen gibt es. Die gibt es auch in Deutschland. Die rennen jetzt typischerweise nicht posaunend durch die Gegend, wobei es auch solche gibt, die es auch sagen. Wenn sie gefragt werden, „Hast du die Verwirklichung erreicht.“, dann sagen sie „Ja, ich habe sie erreicht und du auch.“ Solche gibt es. Die Mehrheit der Verwirklichten hält das eher, im Amerikanischen sagt man „lo qui“, also die sprechen da nicht so groß. Deshalb, die Mehrheit der Verwirklichten, von denen weiß man noch nicht mal etwas. Aber es kann sein, dass in eurer direkten Umgebung so ein Verwirklichter ist. Das könnt ihr vielleicht an seiner Liebe und seinem Gleichmut erkennen und dass ihn größere Katastrophen nicht wirklich erschüttern und größere Glücksfälle auch nicht.

Liebe, Vedanta und Jnana Yoga

Frage: „Wenn Liebe die Grundemotion ist, wie können die anderen Gefühle dort entstehen?“
Wenn sich das universelle Bewusstsein spiegelt in Einzelupadhis, dann wird das, was kosmisch ist, nachher im Kleineren gespiegelt. Also, wenn wir das universelle Sein sind und das Sein spiegelt sich in diesem Körper, dann denke ich, „Ich bin der Körper und der Körper ist beschränkt. Wenn ich das universelle Ananda bin und dann spiegelt sich dieses Ananda in diesem Körper-Geist und dann habe ich kleine Freuden.“ Angenommen, ich bin das kosmische Bewusstsein, welches allwissend ist, eben, es weiß alles, es wird sich widerspiegeln in diesem Upadhi, dann habe ich ein beschränktes Wissen. Und angenommen, diese kosmische, universelle Liebe spiegelt sich wider in diesem kleinen Individuum, dann wird das zur kleinen Liebe. Und auf jeder dieser Ebenen wissen wir, das ist nicht ausreichend. Irgendwo ist man sich bewusst, „Diese Beschränkung, die mein Körper hat und mein Geist hat, das ist nicht o.k.“ Eigentlich müsste ich mehr haben. Deshalb ist der Mensch nie mit irgendwas zufrieden. Er will immer mehr haben. Er kann diesen Drang irgendwo abtöten, er kann ihn ertränken, er kann mit Vernunft sagen, „Verhalte dich doch vernünftig und strebe nicht nach immer mehr.“ und es kann sich dann irgendwo auf bestimmten Ebenen manifestieren, dann will man immer mehr Geld oder immer mehr Anerkennung oder immer mehr Spielzeuglokomotiven. Menschen haben verschiedenste Weisen irgendwo diesem Gefühl, „Es reicht nicht aus.“ zu entgehen, weil sie wissen, „Eigentlich bin ich universell kosmisch.“ Genauso auch, wir haben ein bisschen Wissen. Was wir wissen, reicht nie aus. Deshalb ist der Mensch immer wieder neugierig, will etwas Neues wissen. Aber egal, wie viel Äußeres wir wissen, es wird uns nicht ausreichen. Genauso auch, wir haben so kleine Freuden, gutes Kharoupdessert. Vielleicht habt ihr einen schönen Nachmittag gehabt. Vielleicht diese und jene kleine Vergnügen – es reicht nicht aus, wir wollen mehr haben. Genauso auch, kleine Liebe. Wir mögen diesen Menschen und wir mögen jenen Menschen – es reicht nicht aus. Wir wollen kosmische, universelle Liebe haben und dann ist da ein Mensch. Und ein Mensch ist auch nur beschränkte Liebe. Kein Mensch kann uns die Liebe geben und wiedergeben, die wir eigentlich wollen. Folglich ärgern wir uns, denn wir wollen immer mehr haben. Das ist eine Interpretation. Natürlich kann man das auch noch ergänzen mit der Evolutionsbiologie und der Traum ist ja auch so aufgebaut, dass er irgendwo sich selbst erhält und fortpflanzt. Es wäre ja schlimm, wenn Brahma jede Einzelheit sich ausdenken müsste. In unserem Traum muss man ja auch nicht jede Sache bewusst ausdenken, da gibt es Gesetzmäßigkeiten und die laufen und da haben dann natürlich auf einer beschränkten Ebene auch Ärger und Angst und all das andere auch ihren evolutionsmäßigen Sinn. Aber von einem höheren Philosophischen ist das einfach ein Ausdruck dessen, dass wir wissen, diese Beschränktheit ist nicht ausreichend und ist nicht o.k. Jetzt können wir uns mit allen Menschen streiten, die unserem Anspruch von kosmischer, bedingungsloser Liebe nicht entsprechen oder wir können aufhören, im Beschränkten nach so etwas zu suchen und geben uns im Beschränkten mit beschränkten Manifestationen der Liebe zufrieden und erkennen letztlich, dass auch scheinbar grausame Handlungen oft aus einem Bedürfnis nach Liebe entspringen. Narayani hat irgendwann mal so gesagt, man sollte mal davon ausgehen, von der Arbeitshypothese, dass alle Handlungen, die ein Mensch macht, entweder aus dem Wunsch, Liebe zu geben oder Liebe zu erfahren oder zu erhalten, gemacht werden. Diese beiden Grundmotivationen. Wenn man da so ein bisschen guckt, wird man das tatsächlich sehen können. Da machen die Leute die verquersten Sachen, aber wenn man ehrlich ist, man macht ja manchmal auch verquere Sachen. Oder habt ihr noch nie eine verquere Sache gemacht? Andere machen verquere Sachen, man selbst macht verquere Sachen, so hält sich die Maya aufrecht.

Quantenphysik und Vedanta

Das ist übrigens auch eine der vielen philosophischen Interpretationen der Quantenphysik. Auch dort gibt es solche, die sagen, alles im Universum kann man noch in weitere Teilchen aufteilen. Nichts ist aber dauerhaft wirklich. Letztlich, wenn man in die ganz kleinen Dinge kommt, gibt es nur noch Wahrscheinlichkeitswolken und die Wahrscheinlichkeitswolken werden beeinflusst von dem, der sich dieser Sachen bewusst ist. Das ist ja die Heisenbergsche Unschärferelation, mindestens den Namen habt ihr alle schon mal gehört, manche haben sich sogar damit beschäftigt. Ich habe mich auch mal damit beschäftigt, muss aber zugeben,  inzwischen weiß ich es nicht mehr so genau und vermutlich habe ich es nie so ganz kapiert, denn es ist mehr oder weniger nur von so ein paar Büchern, aber nicht vom Physik-Universitätsunterricht. Im Wesentlichen sagt es, man kann von einem Teilchen entweder den Ort oder die Richtung und Geschwindigkeit feststellen. Nicht beides. Wenn man die Geschwindigkeit feststellt, weiß man nicht, wo der Ort ist und wenn man den Ort feststellt, weiß man nicht, wo die Geschwindigkeit ist. Und in dem Moment, wo man den Ort misst, dann beeinflusst man das Teilchen. Es gibt nicht so was wie eine objektive Wirklichkeit, welches der Beobachter neutral wahrnimmt, sondern der Beobachter an sich legt mit der Art der Beobachtung fest, wie sich die Wirklichkeit tatsächlich darstellt. Das, was letztlich das Universum schafft, erhält, zerstört, auflöst und beeinflusst und letztlich bestimmt, ist Bewusstsein. Da gibt es sogar moderne Philosophen, die sich auf die Erkenntnisse der Quantenphysik berufen. Es ist jetzt nicht die momentan vorherrschende Theorie, vor dreißig Jahren war die noch mal etwas mehr vorherrschend und dann gibt es andere, aber sie wird weiterhin ernsthaft diskutiert. So ähnlich wie die andere Theorie, die ich euch ja mal vorgestellt hatte, dass jemand sagt, die Welt verhält sich wie eine Computeranimation. So ein künstliches Leben, wo irgendjemand das geschaffen hat, denn, es gibt so viele Zufälle, damit es Leben auf dieser Erde gibt und dass das Leben weiter existiert, trotz aller möglichen kosmischen Katastrophen, da muss irgendjemand dort eingreifen, dass das so funktioniert. Ob wir den jetzt als Computerprogrammierer bezeichnen, ob wir den als Brahma, den Schöpfer, bezeichnen, ob wir ihn als Schöpfergott oder Göttin bezeichnen oder Ishwara oder universelle Intelligenz, ist letztlich egal. Also besteht diese Welt aus Bewusstsein und damit haben wir wieder Chid. Die Welt besteht aber nicht nur aus Bewusstsein, sondern da existiert auch etwas. Und deshalb kommen wir auch wieder nicht nur auf Chid, sondern es existiert etwas und das nennt sich dann Sat, auf gut Sanskrit. Also, etwas existiert, damit diese Projektion der Welt entstehen kann, irgendetwas muss da sein, was projiziert. Angenommen, ihr wolltet jetzt einen Kinofilm schaffen, irgendwas muss da sein. Da muss eine Leinwand da sein, da muss Licht da sein, da muss dieser Film da sein. Gut, heute digital produzierte Filme und projizierte Filme brauchen jetzt nicht mehr so einen Film, der abläuft, aber irgendwas muss da sein. Illusion entsteht, aber damit eine Illusion entstehen kann, muss etwas da sein. Deshalb, diese Welt ist Bewusstsein. Und jetzt kommt auch noch etwas dazu. Jetzt kommt logischerweise das dritte und das ist Ananda. Ananda ist letztlich auch wieder Wonne und Freude ist hinter dem Ganzen. Und in Ananda steckt irgendwo auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Und deshalb, auch in der projizierten Schöpfung gibt es auch etwas, was sich dann eben manifestiert, es manifestieren sich kleine Freuden, es manifestiert sich aber auch Liebe. Und auch dort habe ich mal so eine interessante auch wieder philosophische Interpretation von Astrophysik gelesen. Und da wurde so beschrieben, das Universum verhält sich so, als ob die Sterne sich lieben und man könnte eigentlich das Verhalten der Schwerkraft verstehen als Kraft der Liebe und das würde sich irgendwie anziehen. Das ist jetzt nicht Vedanta, aber es würde sich damit durchaus auch vertragen. Also, ganzes Universum, es gibt ein kosmisches Sein, es besteht aus Bewusstheit und letztlich ist es Freude und Liebe und alle Einzelgestalten werden irgendwo geträumt und jetzt sind wir irgendwo in diesem kosmischen Traum drin und damit sind wir im ganzen Schlamassel. Man kann natürlich sagen, „Ich bin nicht im Schlamassel, mir geht es gut.“ Das können wir so gut sagen. Aber wenn ich z.B. dieses „Om Tryambakam“ wieder sehe und irgendwie, es vergeht keine Woche, ohne dass wir für irgendjemanden „Om Tryambakam“ singen, der Krebs hat. Also, Leiden ist da und dort zu verstehen, „Ich bin nicht der Körper, ich bin nicht die Gedanken, nicht die Emotionen, all das ist ein Traum, der abläuft. Innerhalb des Traumes spiele ich meine Rolle, aber ich kann auch mir bewusst werden, ich bin Bewusstsein und ich kann mir bewusst werden, alles, war mir widerfährt, ist eigentlich auch nur Bewusstsein.“

Der Geist, die Psyche, im Lichte von Vedanta

„Das Gemüt, das in den Augen und anderen Organen wohnt, leuchtet nur als Widerschein des höchsten Lichtes, weil es den Körper fälschlicherweise für das Ich hält.“ (Viveka-Chudamani, Vers 103)
Ich habe jetzt auch wieder einige Verse übersprungen, wo er über Antarkarana spricht, über das innere Instrument, über unseren Geist und dann sagt er, unser Geist ist eine Widerspiegelung des höchsten Lichtes. Also alles, was wir innerlich dort handeln und tun und unsere beschränkte Bewusstheit, ist eine Widerspiegelung des höchsten Lichtes. Und dann identifizieren wir uns noch dazu mit diesem Körper. Und dann geht es ja noch weiter. Und dann identifizieren wir uns mit unserem Besitz. Und wir identifizieren uns auch noch über unsere Mitmenschen. „Mein Mann, mein Kind, meine Mutter, mein Chef, meine Schüler, mein Lehrer, mein usw.“ Auch hier, ich hatte gerade vorher über Liebe gesprochen, wenn wir uns zu sehr identifizieren, gibt es wieder ein Problem, denn wir identifizieren uns ja noch nicht mal mit der Person, so wie sie ist, sondern wir identifizieren uns mit dem Bild der Person. Z.B. in der Zweierbeziehung gibt es am Anfang eine Wahrnehmungsverschiebung. Es gibt irgendwelche Hormone, die werden ausgeschüttet, die sorgen dafür, dass man sich ähnlicher wahrnimmt, als man ist und dann denkt man noch, „Gut, achtzig Prozent sind wir gleich, zehn Prozent faszinierend anders und das ist auch gut so, und die restlichen zehn Prozent, die krieg ich auch noch hin.“ So in der Vorstellung, „Den anderen werde ich schon noch erziehen.“ Und das denken dann beide. Konsequenz ist – muss nicht gleich Trennung sein. Ich muss erstmal eine Langfristperspektive eröffnen. Aber Konsequenz ist, nach einer Weile ist diese Wahrnehmungsverschiebung vorbei, diese verschiedenen Verliebtheitshormone sind weg, die Pranaverbindung nicht mehr ganz so intensiv, die Erinnerung an frühere Gemeinsamkeiten aus früheren Leben, derer man sich nicht bewusst ist, dass es aus früheren Leben ist, verblasst etwas und beide verändern sich etwas. Und plötzlich ist man stärker anders und der andere weigert sich, allen Erziehungsversuchen zu folgen. Und deshalb, wenn die Identifikation sehr stark ist, gibt es dann Probleme. Oder wenn einer sich nur über den anderen definiert. Es heißt, dass es in früheren Zeiten bei Frauen so war, dass sie sich nur über den Mann identifiziert haben. Andererseits, wenn man Romane aus der Zeit von Goethe und Schiller liest, das hat auch schon damals nicht gestimmt. Aber mindestens denken manche so, dass das mal so gewesen ist. Aber wenn man diese Art von enger Identifikation hat, dann ist es eben Liebe, die zu Leid führen muss. Oder genauso auch bei Kindern, genauso auch bei Eltern, die sind eigenständige Persönlichkeiten. Und wenn man noch  dazu auf einer relativen Ebene sagt, „Jeder, den ich sehe, war schon mal meine Mutter.“ Ich weiß nicht, habt ihr schon mal darüber nachgedacht? Ich habe euch das jetzt schon mehrmals erzählt. Habt ihr schon mal rumgeguckt, „Aha, Mami vom früheren Leben. Papi vom früheren Leben. Sohn, Tochter, Bruder, Schwester.“ Bei Millionen von Leben und wo es noch dazu heißt, dass wir durchaus in ähnlichen Clustern uns wieder inkarnieren. Also jeder, mit dem wir jetzt zu tun haben, war schon mal Mutter oder Vater. Wenn ich euch das so oft erzähle, dann versuche ich euch ja tatsächlich zu animieren, mal zu überlegen, „Ah, Mami, Papi.“ So innerlich. Das hilft dann auch. Verbundenheit und es hilft einen auch etwas, sich von Verhaftungen zu lösen. Natürlich, wer jetzt in diesem Leben tatsächlich Kinder ist, hat man eine besondere Verantwortung. Also, viele Identifikationen sind möglich und wir wollen uns davon lösen.

Liebe, was ist das?

„Was ist Liebe? Ist es die Illusion einer Emotion oder verbinden wir uns mit dem Bewusstsein?“ Du sprichst jetzt davon, auf der einen Seite gibt es mich, auf der anderen Seite gibt es das Bewusstsein. Jetzt verbinde ich mich mit dem Bewusstsein. Nein, so ist es nicht, sondern, ich bin Bewusstsein. Man kann sagen, auf der einen Seite, Liebe ist eine Widerspiegelung. Und damit könnte man sagen, sie ist illusorisch. Aber auf einer anderen Ebene ist es eben die Widerspiegelung der Verbundenheit auf eine relative Weise. Man kann auch sagen, wenn man Liebe spürt, dann ist das Verbundenheit, dann leuchtet vorübergehend die Einheit auf. Die kann man dann nachher fehl interpretieren und reine physiologische Bedingungen dort setzen und manches beruht ja schlicht darauf, irgendwelche physiologischen Mechanismen ermöglichen es dem Bewusstsein, sich etwas weiter zu fühlen und irgendwo nicht nur mit diesem Körper sondern mit einem oder zwei oder drei Körpern, je nach Größe der Familie, sich zu identifizieren. Aber es ist auch die kleine Liebe, gegen die zwar Sankaracharya relativ vehement wettert, insbesondere in ein paar Versen, die ich euch verheimlicht habe, die müsst ihr dann selbst lesen, könnt euch dann alleine darüber ärgern, die sollen uns Vairagya geben. Aber von einem anderen Standpunkt und das wiederum sagt er ja in anderen Versen – ich widerspreche ja jetzt Sankaracharya nicht, sondern man kann zu Vedanta hingehen über Neti Neti, nicht dies, nicht dies oder über Iti Iti, dies und dies. Wir können also zum einen sagen, Liebe zwischen zwei Menschen ist Verhaftung oder wir können sagen, es ist ein begrenztes Aufblitzen der Verbundenheit der Seele. Beide Ausdrücke wären korrekt. Kannst es dir jetzt aussuchen, was für dich besser passt. Vielleicht bei frisch Verliebten passt besser die eine und bei solchen, bei denen gerade Beziehungsprobleme da sind, passt besser die andere Interpretation. Sind beide korrekt. Solange es uns eben dazu führt, uns nicht darauf zu beschränken und zu glauben, in diesem Kleinen und Begrenzten dort ist jetzt alles da.

Das Selbst ist Satchidananda – Sein Wissen Glückseligkeit

Aber ihr kennt die drei Beschreibungen des Selbst. Wie nennen die sich? Sat, Chid und Ananda. Ich vermute, irgendwo habt ihr das schon Tausend Mal gehört. Sat, reines Sein. Chid, reine Bewusstheit. Ananda, reine Wonne. Also Sat, reines Sein. Nicht irgendein Sein, sondern reines Sein, absolutes Sein. Vom Lateinischen her, absolut heißt losgelöst. Wir identifizieren uns jetzt mit einem beschränkten Körper. Damit ist es ein begrenztes Sein. Und der Körper reflektiert unser unendliches Sein und deshalb haben wir Sehnsucht nach dem unbeschränkten Sein. Mensch ist letztlich nicht zufrieden mit dem, was er hat. Irgendwo weiß er, es muss mehr geben. Und egal, wie viel Euro man hat, und egal, wie viel Macht man hat, und egal, wie viel man weiß, man will immer mehr. Man kann diesen Wunsch nach mehr irgendwie betäuben und sich zufrieden geben, aber im Inneren des Menschen weiß man irgendwo, „Ich bin nicht so beschränkt.“ Und es ist auch in der Meditation möglich und ich vermute, die Mehrheit von euch hat solche Erfahrungen mindestens schon mal gehabt, es ist möglich, sich als reines Sein zu erfahren. Es ist möglich, mal nicht die Beschränkungen des Körpers zu spüren. Viele haben das schon andeutungsweise erfahren in der Ausdehnungsmeditation, manche vielleicht schon beim ersten Aufenthalt hier im Haus Yoga Vidya, wo ja in der ersten Woche ist ja meistens irgendwo auch die Ausdehnungsmeditation dabei oder die Ausdehnungsentspannung. Manche sind dort plötzlich in der Meditation mal hineingefallen in einen Zustand, wo man plötzlich den Körper nicht mehr spürt und irgendwo eine Weite und Verbundenheit fühlt. Und aus dieser Reflektion, „Es gibt ein Sein, aber ich bin nicht der Körper.“, weiß man, „Ich bin.“ Aus der Erfahrung in der Meditation, dass dieses Sein unendlich ist, daher können wir aus der Erfahrung schließen, „Ich bin absolutes Sein.“ Und noch etwas. Aus der Analyse von Subjekt-Objekt, kommt auch klar hervor, wir können gar nichts Beschränktes wirklich sein vom Standpunkt des Bewusstseins aus. Alles, was in Zeit und Raum ist, ist beobachtbar. Angenommen, ihr hättet eine bestimmte Ausdehnung. Ihr sagt, „Gut, ich bin nicht der Körper, aber ich bin der Astralkörper. Ich bin drei Meter breit.“ Jemand mit einer guten Aura hat drei Meter Breite. Deshalb braucht ihr euch jetzt nicht Gedanken zu machen, habt ihr fünf Zentimeter oder zwanzig mehr oder weniger. Astralkörpermäßig ragen wir weit über alle Fettdatus hinaus. Wenn wir uns jetzt wahrnehmen würden als drei Meter Durchmesser, dann könnte ich das wahrnehmen, dann könnte ich sagen, „Bis wohin rage ich?“ und dann auch, „Und wer beobachtet, bis wohin ich rage? Von wo aus merke ich, dass ich bis dahin rage?“ Versteht ihr das? Also alles, was beschränkt ist, da gibt es ein Bewusstsein, dass das beobachtet, wie weit es beschränkt ist und damit bin ich nicht das Beschränkte. Oder auch in Zeit begrenzt. Wenn wir jetzt überlegen, „Wann bin ich in die Existenz gekommen?“ Und dann würde man fragen, „Und wer beobachtet, ab wann man in die Existenz gekommen ist?“ Wenn ich beobachte, dass ich irgendwann in die Existenz gekommen bin, muss es jemanden geben, der beobachten kann, ab wann man in die Existenz gekommen ist. Damit ist Bewusstsein an sich nicht beschränkt. Es ist weder durch Raum beschränkt und es ist nicht durch Zeit beschränkt. Ist das nachvollziehbar? Also angenommen, etwas wäre beschränkt. Dann müsste es jemanden geben, der diese Beschränktheit wahrnehmen würde. Und wenn es jemanden gibt, der die Beschränktheit wahrnimmt, dann bin ich nicht der, der  beschränkt ist, sondern ich bin derjenige, der die Beschränktheit wahrnimmt. Egal, was es sein mag, alles, was beschränkt ist, wird wahrgenommen werden vom Bewusstsein. Ansonsten gäbe es diese Beschränktheit nicht. Die Beschränktheit gibt es nur in dem Maße, wie es ein Bewusstsein gibt, welches diese Beschränktheit wahrnimmt. Und das heißt, mit anderen Worten, Bewusstsein kann nicht beschränkt sein. Es kann weder beschränkt sein zeitlich, wie auch räumlich. Das wäre jetzt die intellektuelle Analyse. Und diese deckt sich mit den Meditationserfahrungen von Menschen in erweiterten Bewusstseinszuständen, in die man manchmal hineinrutscht. Und dann kommen wir noch zu einem weiteren und damit kommen wir fast schon zu dieser Aussage, „Aham Brahmasmi. Ayam Atman Brahman.“ Wenn ich dann tatsächlich unbeschränkt bin, zeitlich unbeschränkt, räumlich unbeschränkt, kann es dann andere geben, die auch zeitlich und räumlich unbeschränkt sind? Vom Logischen her – geht nicht. Es kann nicht zwei geben, die gleichzeitig ewig und unendlich sind. Das ist eine logische Unmöglichkeit. Und damit ist intellektuell auch klar, es kann nicht mehrere Bewusstseine geben. Das ist ja im Deutschen so, das ist im Sanskrit so, das ist im Englischen so, im Lateinischen so. Da gibt es kein Plural von Bewusstsein. Es gibt nicht Bewusstseine. Es gibt letztlich nur ein kosmisches Bewusstsein und dieses kosmische Bewusstsein spiegelt sich in diesem Körper, spiegelt sich in diesem Geist, in dieser Persönlichkeit, in diesen Emotionen, aber „Ich bin es nicht.“ Also, „Ich bin nicht dieser Körper, Geist, Persönlichkeit, sondern ich bin das Bewusstsein. Das wiederum bin ich.“ Und damit gibt es nur eine einzige kosmische Weltenseele, die nennt sich Brahman und das Selbst von jedem einzelnen ist nichts anderes als Brahman. Auch das können wir auf diese Weile intellektuell schließen und auch das deckt sich wieder mit der Erfahrung in Nirvikalpa Samadhi. In Nirvikalpa Samadhi nehmen wir uns selbst wahr, als das Bewusstsein hinter allem. Im Kleinen haben wir alle eine Verbindung. Wir können uns gegenseitig irgendwo erspüren. Natürlich, wie bei allem kann das auch mit Täuschung verbunden sein. Die moderne Neurobiologie postuliert dort das Konzept der Spiegelneuronen. Wir können uns in andere hineinversetzen, aber vom Standpunkt des Yogas muss das nicht unbedingt mit Spiegelneuronen zu tun haben – obgleich das eine Konzept das andere auch nicht ausschließt – sondern es ist das gleiche Bewusstsein in jedem. Und wenn Liebe besonders stark ist, dann strahlt diese Verbundenheit des Bewusstseins einen Moment lang aus. Und die großen Heiligen, Weisen und Propheten, die spüren diese Einheit auch im Alltag. So wie Jesus dann sagt, „Liebe deinen Nächsten wie dich Selbst.“ Und was dort in der griechischen Urfassung der Bibel steht, wobei Jesus natürlich Aramäisch gesprochen hat, aber es gibt keine aramäische Urschrift der Bibel. Das kann man auch übersetzen, „Liebe deinen Nächsten als dein Selbst.“ Oder, „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“, hat ja auch nicht Jesus erfunden, das steht ja auch schon im Alten Testament. Und auch was dort im Hebräischen steht, kann man auch übersetzen als, „Liebe deinen Nächsten als dein Selbst.“ Und damit sind wir schon sehr vedantisch. Also wir sind und wir sind unendlich, wir sind bewusst, wir sind nicht einfach irgendwas. Angenommen, wir wären nur irgendwie und wären uns nicht bewusst, dann würden wir nicht merken, dass es uns gibt. Wäre jetzt auch kein Sinn, hier überhaupt zu sein, Chit.
„Ich bin ein Kristallisationskern von Bewusstsein in Raum und Zeit.“ Man würde eher sagen, „Ich bin das unendliche Bewusstsein, dass sich widerspiegelt in einem Körper-Geist-Kontinuum und deshalb scheinbar in Raum und Zeit existiert.“

Befreiung und Erfolg im Yoga, höchste Erkenntnis, geschieht durch eigene Anstrengung – und Gnade

Sankara sagt: Kein anderer vermag einen von den Fesseln des Geburtenkreislaufs zu befreien. Man kann ein Pferd an die Tränke führen, aber man kann nicht für das Pferd trinken. Und ein Pferd kann man noch zur Tränke hinführen, andere Tiere kann man nirgendwo hinführen. So gibt es Menschen, die kann man irgendwo hinführen und andere weigern sich, irgendwo hingeführt zu werden. Man kann selbst praktizieren, man kann selbst Liebe ausstrahlen, man kann selbst Weisheit ausstrahlen. Von der Qual einer Last auf dem Kopf kann einer von anderen erlöst werden. In Indien wurde ja viel auf dem Kopf getragen und ich kann jemandem die Sachen abnehmen. Aber kein anderer als man selber kann einen von der Qual von Hunger und Durst erlösen. Ein Kranker wird wieder gesund, indem er Diät lebt und Medizin einnimmt und nicht dadurch, dass andere es für ihn tun. Mal angenommen, jemand anderes hat Magen-Darm-Probleme, dann nützt es nichts, wenn ihr Schonkost einnehmt.