Manchmal schauen Vedanta Ăbende etwas herab auf die Hatha Yoga Ăbenden und denken, dass Hatha Yoga nur fĂŒr die Gesundheit des Körpers sein. Und natĂŒrlich gilt: Der Körper ist sterblich und vergĂ€nglich. Selbst wenn es gelingt, den Körper etwas lĂ€nger gesund zu halten, ist das eben nur „etwas lĂ€nger“. Wichtiger als alt zu werden, ist die Unsterblichkeit zu erreichen. Darum ist aber Vedanta nicht besser als Hatha Yoga. Denn auch im Hatha Yoga geht es darum, die Unsterblichkeit zu erreichen. Und wie erreicht man im Hatha Yoga die Unsterblichkeit? DarĂŒber sprechen die klassischen Yoga Texte Gheranda Samhita und Hatha Yoga Pradipika. Durch das Reinigen des Körpers, des Pranas, der Psyche und des Geistes. Hatha Yoga wirkt auf den Körper. Ăber den Körper wird das Prana, die Lebensenergie aktiviert, verfeinert und in die höheren Chakras gebracht. Ist das Prana in den höheren Chakras, wird der Geist ruhig. Ist der Geist ruhig, kann der Yogi seine wahre Natur erfahren – und diese ist unsterblich.
Autorenarchiv: Vedantin
Das Selbst, der Atman, ist der Wissende
âDer alles weiĂ, was im Wach-, Taum- und Tiefschlaf-Zustand geschieht. Der das GemĂŒt sowie dessen vorhandene oder fehlende Regungen und das Ego kennt. Das ist Dieser. Der selber alles sieht, den aber niemand sieht. Der das GemĂŒt erleuchtet, den das GemĂŒt aber nicht erleuchtet. Das ist Dieser.â (Viveka Chudamani von Sankaracharya).
Das sind jetzt so Verse, die immer einen Refrain haben. Ich will gerade noch mal gucken, wie der auf Sanskrit heiĂt. âIti Ayam. Das ist Dieser.â âIti – dasâ Jedenfalls, dieses âIti Ayam.â muss da sein, âDas ist Dieser.â So wie âAyam Atman Brahman. – Dieses Selbst ist Brahman.â Also der, der all das beobachtet, sich dessen bewusst ist, das ist Dieser. Der alles sieht, den aber niemand sieht. Der das GemĂŒt erleuchtet, den das GemĂŒt aber nicht erleuchtet, das ist Dieser. Also, wir nehmen hier alles wahr und wer das wahrnimmt, das ist Dieser, dieses Selbst. Aber das Selbst kann nicht gesehen werden. Wir können das Selbst nicht sehen, wir können es nicht hören, wir können es nicht riechen, wir können es nicht schmecken, wir können es noch nicht mal fĂŒhlen, noch nicht mal in unserem Herzen. Wir können die Reflexion fĂŒhlen, dann sind wir in Anandamaya Kosha. Aber wir können das Selbst nur sein. In dem Moment, wo wir uns nichts anderem bewusst sind, sondern nur sind, in dem Moment ist das Selbst. Aber wir können nicht sagen, dass das Selbst sich selbst wahrnimmt. So Ă€hnlich, wie wir jetzt unseren Hinterkopf nicht sehen können. Können wir mal probieren. Schaut mal euren Hinterkopf an. Geht nicht. Oder schaut mal eure Augen an. Die von eurem Nachbarn, das geht, aber schaut mal eure eigenen Augen an. Geht nicht. Ihr könnt einen Spiegel nehmen, dann sehen wir die Reflexion der Augen im Spiegel. Oder manche schauen gerade in ihre Brille rein, also ich kann da meine Augen nicht sehen, ich weiĂ nicht, ob du das siehst? Auch nicht. Aber wir können ins Fenster gucken und da kann man die Augen sehen. Wir sehen die Augen in der Reflexion und vielleicht an diesem Fenster könnt ihr sie sehen, aber nicht sehr deutlich. Man kann sagen, wenn das Upadhi reiner ist, dann kann man die Reflexion klarer sehen. Ist das Upadhi unreiner, dann kann man die Reflexion weniger sehen. So wie, eine der Fensterscheiben ist etwas getrĂŒbt, dann sieht man es noch weniger. âDas, was das GemĂŒt erleuchtet, den das GemĂŒt aber nicht erleuchtet, das ist Dieser.â Also GemĂŒt, im Sinne von Manas und auch im Sinne unseres Geistes. Also, ohne Bewusstsein macht unser GemĂŒt gar nichts. Angenommen, euer Bewusstsein ist weg, wie sind eure Emotionen in dem Moment? Nehmen wir an, ihr seid in Ohnmacht gefallen, Bewusstsein ist weg, welche emotionalen ZustĂ€nde habt ihr dort, wie viele Gedanken sind in dem Moment da? Oder ist euch schon mal passiert, euer Bewusstsein war woanders und als ihr zurĂŒckgekommen seid mit eurem Bewusstsein, habt ihr erlebt, was fĂŒr ein unglaubliches emotionales Chaos dort ist, wĂ€hrend ihr mit eurem Bewusstsein wo anders wart? Ist euch das schon mal passiert? Nein. In dem Moment, wo das Bewusstsein weg ist, in dem Moment gibt es auch kein emotionales Chaos. Darauf beruht ja auch das Prinzip der Ablenkung. Wenn wir unser Bewusstsein mit etwas anderem beschĂ€ftigen, dann ist erstmal Ruhe. NatĂŒrlich, mag sein, dass da im Unterbewusstsein noch irgendetwas arbeitet und schmort und wenn man sich nicht damit beschĂ€ftigt, dann kommt es nachher doppelt und dreifach. Manchmal, aber auch nicht immer. TatsĂ€chlich hat sich fĂŒr viele Situationen die Ablenkung als ein gutes Manöver dort gezeigt. Angenommen, man hat eine schlechte Angewohnheit, man hat irgendwo vielleicht verstanden, warum man sie sich angewöhnt hat, man ist darauf irgendwie eingegangen, man hat sie mit etwas KlĂŒgerem ersetzt. Man hat sich etwas vorgenommen, dann kommt wieder der Wunsch, was macht man dann? Ablenkungsmanöver. Nicht darĂŒber nachdenken, nicht schon wieder sagen, nicht eine BegrĂŒndung geben, sich nicht ĂŒber sich selbst Ă€rgern, warum das wieder da ist, nicht wieder FĂŒr und Wider abwĂ€gen, sondern sagen, âIch habe mich entschieden. Danke, liebes Unterbewusstsein, dass du mir treu bist und den gleichen Wunsch und die gleiche Handlungstendenz wieder vorschlĂ€gst. Ich danke dir, ich habe mich anders entschieden und jetzt beschĂ€ftige ich mich mit etwas anderem.â Also, die ganzen Emotionen, alles ist da, solange Bewusstsein da ist. Deshalb, Bewusstsein erleuchtet das GemĂŒt, aber das GemĂŒt kann nicht das Bewusstsein erleuchten. Es ist nicht möglich, wirklich das Bewusstsein irgendwo zu erspĂŒren und zu erfĂŒhlen. âIch erfĂŒhle jetzt das Bewusstsein.â Mit wem identifizieren wir uns jetzt? Mit den GefĂŒhlen. So wie manche sagen, âIch habe eine Seele.â und âIch habe ein Bewusstsein.â, genauso, âIch habe ein gelbes Hemd an.â Erstens habe ich ein Bewusstsein, zweitens habe ich eine Seele und drittens habe ich ein Hemd an. Ich habe also drei Attribute. Und viertens habe ich noch eine Brille. Das könnte ich noch endlos fortsetzen. Aber die ersten beiden Aussagen sind unsinnig. Nicht, âIch habe eine Seele.â, nicht, âIch habe ein Bewusstsein.â, sondern Bewusstsein manifestiert sich als ich. Und dann, wenn dieses Ich, Ahamkara, dann da ist, dann identifiziert es sich mit allem Möglichen anderen und denkt, es hat alles Mögliche. Aber ich habe kein Bewusstsein, ich bin Bewusstsein. Nicht ich habe eine Seele, sondern das wahre Ich ist die Seele. Und diese Seele kann nicht wahrgenommen, nicht gesehen, nicht erspĂŒrt, ertastet und sonst was werden. Nur dann, wenn die Seele sich mit nichts anderem beschĂ€ftigt, in dem Moment ist sie selbst strahlend und in dem Moment ist sie da. Aber sie kann reflektiert werden und deshalb kann man doch sagen, wir können Gott erspĂŒren und wir können uns selbst erfahren und erfĂŒhlen im Herzen. Aber in Wahrheit fĂŒhlen wir nicht uns, sondern die Reflexion und das ist dann Anandamaya Kosha.
Teil 114 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€Ăig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen.
Was ist die Höchste Seele? Was ist Atman?
âDas Selbst, die höchste Seele.â Hier werden es sehr schöne Verse, von denen man sich ergreifen lassen kann. âNun verkĂŒnde ich dir das Wesen der höchsten Seele. Wenn der Mensch Das erkennt, wird er frei von Bindungen und erlangt den höchsten Zustand der Erlösung.â (Viveka Chudamani Vers 124, von Sankara, dem groĂen Jnana Yoga Meister des Vedanta)
Hier sagt er nochmals, darum geht es letztlich. Das suchen wir bewusst oder unbewusst. Erst dann werden wir dauerhaft glĂŒcklich sein.
âEs existiert jemand, etwas, das unabhĂ€ngig und ewig ist. Die Grundlage des Ichbewusstseins, Beobachter der drei BewusstseinszustĂ€nde, Wachen, TrĂ€umen, Schlafen, verschieden von den fĂŒnf HĂŒllen der Seele.â
Also, es existiert jemand. Aber jemand, wird man vielleicht sagen, ist das jetzt mĂ€nnlich oder weiblich? Es ist weder mĂ€nnlich noch weiblich, es ist Bewusstsein. Deshalb schiebt er noch hinterher, etwas. Und das ist unabhĂ€ngig von allem, was passiert. UnabhĂ€ngig von Wachen, TrĂ€umen, Schlafen. UnabhĂ€ngig von schön und nicht schön. UnabhĂ€ngig von, ob wir jetzt trĂ€umen, schlafen oder wachen. Im Wachzustand leben wir in einer Welt. Im Traumzustand leben wir in einer anderen Welt. Im Tiefschlafzustand gibt es keine Welt, derer wir uns bewusst sind. Aber jemand bleibt gleich. Wenn im Tiefschlaf nicht jemand da wĂ€re, dann wĂŒrden wir uns am nĂ€chsten Tag nicht erinnern, dass wir geschlafen haben. Verschieden von den fĂŒnf HĂŒllen der Seele. Erinnert euch, die Annamaya Kosha, die NahrungshĂŒlle, Pranamaya Kosha, die EnergiehĂŒlle, Manomaya Kosha, die geistig-emotionale HĂŒlle, Vijnanamaya Kosha, die wird als intellektuelle HĂŒlle bezeichnet, wo Ego und Buddhi, also Vernunft ist, Anandamaya Kosha, die WonnehĂŒlle, wo wir uns identifizieren mit der ersten Avidya, die noch wonnevoll ist. Mal identifizieren wir uns mehr mit diesem Körper und spĂŒren die Knie und den RĂŒcken oder genieĂen die Schönheit der Nase. Mal identifizieren wir uns mehr mit der Pranamaya Kosha und spĂŒren so, wie die WirbelsĂ€ule warm wird, das Herz irgendwo vibriert, das dritte Auge leuchtet und die ganze Welt in ein Strahlen gehĂŒllt ist. Oder umgekehrt, wenn wir uns ohne Energie fĂŒhlen und bedauern, dass es nicht so ist, wie vor zwei Wochen. Mal identifizieren wir uns mit unserer Manomaya Kosha. âKeiner mag mich.â oder âIch brauche das unbedingt.â oder âDem zeige ich es.â, Manomaya Kosha. Da habe ich jetzt rajasige und tamasige Emotionen genommen. Es gibt auch sattvige. Mal identifizieren wir uns mit unserer Vijnanamaya Kosha, unseren intellektuellen FĂ€higkeiten, unserer klaren Vernunft. âDie anderen sind alle so emotional. Ich dagegen, ich bin ĂŒber all das hinaus.â Identifikation Vijnanamaya Kosha. Mal identifizieren wir uns mit der Anandamaya Kosha. âIch gehe in tiefe Meditation. Ich habe immer wieder diese ĂŒberbewussten, ausgedehnten BewusstseinszustĂ€nde. Gott ist mir erschienen. Er ist aber mir erschienen, nicht jemand anderes. Ich identifiziere mich mit dieser Anandamaya Kosha, mit diesen auĂergewöhnlichen Körper- und Geist erstmal transzendierenden BewusstseinszustĂ€nden, die so wonnevoll sind.â, wo wir doch so viel besser dann sind als andere. Aber Hochmut kommt vor dem Fall. Auf dieses so genannte spirituelle Ego folgt irgendwann der spirituelle Absturz. So identifizieren wir uns vielleicht mal mehr mit dem einen und mehr mit dem anderen und die meisten von euch identifizieren sich nicht nur mit einem davon, sondern eben mit allen Koshas. Und wer bleibt jetzt gleich, wenn man sich mal mit der einen, mal mit der anderen Kosha identifiziert? âJemand bleibt gleich.â, sagt er hier. âVerschieden von den fĂŒnf HĂŒllen der Seele.â Alle der fĂŒnf HĂŒllen der Seele sind Instrumente, Karanas, inneres Antarkarana, Ă€uĂeres Bahirkarana, sind eigentlich unsere Instrumente. Wir nutzen diese Instrumente. Sie werden auch Fahrzeuge genannt. Wir sind derjenige, der das Fahrzeug fĂ€hrt und nicht das Auto.
Teil 113 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€Ăig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. <
Wie kann Maya ĂŒberwunden werden? Wie ist die Welt entstanden?
âMaya kann durch Erkenntnis der reinen nichtdualen, absoluten Wirklichkeit ĂŒberwunden werden. So wie der Irrtum, es handle sich um eine Schlange, durch das Erkennen des Seils aufgehoben wird. Die bekannten Grundeigenschaften von Maya sind Rajas, Tamas und Sattwa mit ihren entsprechenden Wirkungen.â
Es ist ja oft die Frage, âWie ist diese Welt entstanden?â Wenn ihr das jetzt hört, was Sankara sagt ĂŒber Maya und wie ist die Welt entstanden, letztlich, wir wissen es nicht. Er sagt ja, Maya ist weder existent, noch nicht existent. Sie besteht weder aus Teilen, noch ist sie ungeteilt. Sie ist jenseits von Zeit und Raum, schafft aber letztlich Zeit und Raum. Und den Weisen ist sie an ihren Wirkungen erkennbar. Wir können also erkennen, was dort draus geworden ist. Es ist letztlich, man kann auch sagen, wenn der TrĂ€umende anfĂ€ngt zu trĂ€umen, dann, in dem Moment, wird die Welt geschaffen. Wenn man jetzt aber beobachten will, âWas veranlasst den TrĂ€umenden in diesem Moment zu trĂ€umen?â
Plötzlich ist die Frage, âWas ist dieses unsterbliche Selbst?â Alle sind von dieser Frage sehr intensiv ergriffen und wollen sich nicht mit Maya beschĂ€ftigen.
So Ă€hnlich die Frage, ich glaube, Narayani hat irgendwann mal euch die Aufgabe gegeben, âĂberlegt, ob ihr beim Einatmen oder beim Ausatmen einschlaft.â Wer ist beim Einatmen eingeschlafen? Wer ist beim Ausatmen eingeschlafen? Wie ist dieser Prozess des Einschlafens? Habt ihr den schon mal genau beobachtet?
Es ist jetzt nicht so, dass du erst eingeschlafen bist und dann ĂŒberlegst, âHabe ich gerade ein- oder ausgeatmet?â Oder so Ă€hnlich auch wie die Frage, âSchlĂ€ft man auf der linken Seite oder auf der rechten Seite ein?â Gut, wer die ganze Zeit auf einer Seite liegt, der weiĂ es, aber die meisten Menschen liegen nicht auf einer Seite und dann weiĂ man nicht, auf welcher Seite liegend man eingeschlafen ist. Genauso die Frage, âWie ist diese Maya passiert?â, ist nicht in Worte fassbar. Brahma hat plötzlich getrĂ€umt. Deshalb, die Maya bleibt stets und bestĂ€ndig unergrĂŒndbar. Gehen wir zum Vers 124. (nĂ€chstes Mal)
Teil 112 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€Ăig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. <
Maya, was ist das?
âVon Maya kann man weder sagen, sie sei existent, noch, sie sei nicht existent, noch sei sie beides zugleich. Sie ist weder vielheitlich, noch einheitlich, noch beides zugleich. Sie besteht weder aus Teilen, noch ist sie ein ungeteiltes Ganzes, noch beides zugleich. Sie ist höchst wunderbar, ihr Wesen ist unbeschreiblich.â (109. Vers des Viveka Chudamani von Sankaracharya)
Teil 111 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€Ăig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen.
Was ist Maya?
Das ist ein besonders wichtiger Vers.
âMaya, die Welt des Scheins und deren Ursache ist die Macht der höchsten Gottheit mit dem Namen âdie Unoffenbarteâ (Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, vom groĂen Jnana Yoga und Vedanta Meister Sankaracharya geschrieben um ca. 810 n.Chr, 108. Vers.).
Die Maya ist anfanglose Unwissenheit, besteht aus den drei Grundeigenschaften der Natur, Sattwa, Rajas und Tamas, ist jenseits von Raum und Zeit und nur von Weisen an ihren Wirkungen erkennbar. Durch sie wird das ganze Universum erschaffen.
Teil 1 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€Ăig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. <
Sat Chid und Ananda – Atman, das Selbst im Vedanta
âWie komme ich von Chid und Sat auf Ananda?â Chid ist erstmal klar, ist Bewusstsein, Traum muss Bewusstsein sein. Sat ist auch klar, es muss etwas geben, sonst gĂ€be es nichts, was man darĂŒberprojizieren kann. Und irgendwas muss da sein, sonst könnte auch Bewusstsein nicht sein. Auch im Bewusstsein ist ja irgendwo Sein drin. Deshalb, Sat und Chid hĂ€ngen zusammen. Ananda ist jetzt das Ganze, man kann es letztlich auch wieder von seiner eigenen Bewusstheit aus nehmen. Es ist nicht einfach irgendein neutrales Universum, das einfach nur ist und bewusst ist. Es ist nicht so ein lebloses Universum. Es ist jetzt kein reines Sein mit einer Bewusstheit dabei, sondern da steckt etwas dahinter und das ist Ananda. Man kann auch verschiedene Analogien bringen. Letztlich ist es die Erfahrung eines Selbstverwirklichten. Und nicht nur eines Selbstverwirklichten. Wer von euch in der Meditation schon mal dieses GefĂŒhl hatte von Verbundenheit, von Ausdehnung. Wer die Erfahrung gemacht hat, jenseits des physischen Körpers und jenseits der Persönlichkeit. Ist die Erfahrung einfach eine neutrale, auf einer GlĂŒckskala 0, weder minus 5, noch plus 5, sondern einfach 0? Wer schon einmal so einen Meditationszustand andeutungsweise erfahren hat, GlĂŒckszustand ist höher als alles, was man in einem physischen Universum beschreiben kann. In dem Moment, wo man sich der Verbundenheit mit allem bewusst ist, ist Ananda da. In dem Moment, wo wir uns getrennt fĂŒhlen von anderen, ist das Gegenteil da. Und wenn wir uns ganz einsam fĂŒhlen, ist es am allerschlimmsten. Wenn man sich fĂŒhlt, âIch bin anders als alle, keiner mag mich und ich bin ganz getrennt von allem.â
Also, auf den relativen Ebenen kann man es so erklĂ€ren. NatĂŒrlich, auf der absoluten Ebene gibt es kein GefĂŒhl. Nein, die Welt ist nicht vom Herzen, die Welt ist Sein, Wissen und GlĂŒckseligkeit. Herz ist letztlich in der TĂ€uschung.
Dann lese ich noch mal ein paar Verse. ZunĂ€chst nochmals drei Verse, die ĂŒber Maya gehen.
110. Teil der Niederschrift von VortrĂ€gen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmĂ€Ăig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. FĂŒr fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.
Hari Om – Advaita und Dvaita
Ein bekannter GruĂ, der gerade in Vedanta Kreisen populĂ€r ist, ist Hari Om . Warum sagt man Hari Om? Om ist dir hoffentlich bekannt. Om ist der Klang des Absoluten. OM steht fĂŒr das Unendliche, das Ewige, das Kosmische. Om steht fĂŒr alle Dreiheiten: Sat – Chid – Ananda . Om steht fĂŒr die Dreiheiten und das was darĂŒber hinaus geht: Brahma – Vishnu – Shiva. Physische, astrale und kausale Welt. Gottvater, Gottsohn und Gott Heiliger Geist.
Und wer oder was ist Hari? Hari ist ein Name fĂŒr Vishnu und fĂŒr Krishna. Hari heiĂt unter anderem „der die Herzen aller zu sich zieht“. Hari steht fĂŒr Liebe und Freude. Indem man Hari Om sagt, ist damit Liebe und das Unendliche zusammen angerufen.
Liebe, Vedanta und Jnana Yoga
Frage: âWenn Liebe die Grundemotion ist, wie können die anderen GefĂŒhle dort entstehen?â
Wenn sich das universelle Bewusstsein spiegelt in Einzelupadhis, dann wird das, was kosmisch ist, nachher im Kleineren gespiegelt. Also, wenn wir das universelle Sein sind und das Sein spiegelt sich in diesem Körper, dann denke ich, âIch bin der Körper und der Körper ist beschrĂ€nkt. Wenn ich das universelle Ananda bin und dann spiegelt sich dieses Ananda in diesem Körper-Geist und dann habe ich kleine Freuden.â Angenommen, ich bin das kosmische Bewusstsein, welches allwissend ist, eben, es weiĂ alles, es wird sich widerspiegeln in diesem Upadhi, dann habe ich ein beschrĂ€nktes Wissen. Und angenommen, diese kosmische, universelle Liebe spiegelt sich wider in diesem kleinen Individuum, dann wird das zur kleinen Liebe. Und auf jeder dieser Ebenen wissen wir, das ist nicht ausreichend. Irgendwo ist man sich bewusst, âDiese BeschrĂ€nkung, die mein Körper hat und mein Geist hat, das ist nicht o.k.â Eigentlich mĂŒsste ich mehr haben. Deshalb ist der Mensch nie mit irgendwas zufrieden. Er will immer mehr haben. Er kann diesen Drang irgendwo abtöten, er kann ihn ertrĂ€nken, er kann mit Vernunft sagen, âVerhalte dich doch vernĂŒnftig und strebe nicht nach immer mehr.â und es kann sich dann irgendwo auf bestimmten Ebenen manifestieren, dann will man immer mehr Geld oder immer mehr Anerkennung oder immer mehr Spielzeuglokomotiven. Menschen haben verschiedenste Weisen irgendwo diesem GefĂŒhl, âEs reicht nicht aus.â zu entgehen, weil sie wissen, âEigentlich bin ich universell kosmisch.â Genauso auch, wir haben ein bisschen Wissen. Was wir wissen, reicht nie aus. Deshalb ist der Mensch immer wieder neugierig, will etwas Neues wissen. Aber egal, wie viel ĂuĂeres wir wissen, es wird uns nicht ausreichen. Genauso auch, wir haben so kleine Freuden, gutes Kharoupdessert. Vielleicht habt ihr einen schönen Nachmittag gehabt. Vielleicht diese und jene kleine VergnĂŒgen – es reicht nicht aus, wir wollen mehr haben. Genauso auch, kleine Liebe. Wir mögen diesen Menschen und wir mögen jenen Menschen – es reicht nicht aus. Wir wollen kosmische, universelle Liebe haben und dann ist da ein Mensch. Und ein Mensch ist auch nur beschrĂ€nkte Liebe. Kein Mensch kann uns die Liebe geben und wiedergeben, die wir eigentlich wollen. Folglich Ă€rgern wir uns, denn wir wollen immer mehr haben. Das ist eine Interpretation. NatĂŒrlich kann man das auch noch ergĂ€nzen mit der Evolutionsbiologie und der Traum ist ja auch so aufgebaut, dass er irgendwo sich selbst erhĂ€lt und fortpflanzt. Es wĂ€re ja schlimm, wenn Brahma jede Einzelheit sich ausdenken mĂŒsste. In unserem Traum muss man ja auch nicht jede Sache bewusst ausdenken, da gibt es GesetzmĂ€Ăigkeiten und die laufen und da haben dann natĂŒrlich auf einer beschrĂ€nkten Ebene auch Ărger und Angst und all das andere auch ihren evolutionsmĂ€Ăigen Sinn. Aber von einem höheren Philosophischen ist das einfach ein Ausdruck dessen, dass wir wissen, diese BeschrĂ€nktheit ist nicht ausreichend und ist nicht o.k. Jetzt können wir uns mit allen Menschen streiten, die unserem Anspruch von kosmischer, bedingungsloser Liebe nicht entsprechen oder wir können aufhören, im BeschrĂ€nkten nach so etwas zu suchen und geben uns im BeschrĂ€nkten mit beschrĂ€nkten Manifestationen der Liebe zufrieden und erkennen letztlich, dass auch scheinbar grausame Handlungen oft aus einem BedĂŒrfnis nach Liebe entspringen. Narayani hat irgendwann mal so gesagt, man sollte mal davon ausgehen, von der Arbeitshypothese, dass alle Handlungen, die ein Mensch macht, entweder aus dem Wunsch, Liebe zu geben oder Liebe zu erfahren oder zu erhalten, gemacht werden. Diese beiden Grundmotivationen. Wenn man da so ein bisschen guckt, wird man das tatsĂ€chlich sehen können. Da machen die Leute die verquersten Sachen, aber wenn man ehrlich ist, man macht ja manchmal auch verquere Sachen. Oder habt ihr noch nie eine verquere Sache gemacht? Andere machen verquere Sachen, man selbst macht verquere Sachen, so hĂ€lt sich die Maya aufrecht.
Teil 109 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€Ăig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. <
Quantenphysik und Vedanta
Das ist ĂŒbrigens auch eine der vielen philosophischen Interpretationen der Quantenphysik. Auch dort gibt es solche, die sagen, alles im Universum kann man noch in weitere Teilchen aufteilen. Nichts ist aber dauerhaft wirklich. Letztlich, wenn man in die ganz kleinen Dinge kommt, gibt es nur noch Wahrscheinlichkeitswolken und die Wahrscheinlichkeitswolken werden beeinflusst von dem, der sich dieser Sachen bewusst ist. Das ist ja die Heisenbergsche UnschĂ€rferelation, mindestens den Namen habt ihr alle schon mal gehört, manche haben sich sogar damit beschĂ€ftigt. Ich habe mich auch mal damit beschĂ€ftigt, muss aber zugeben, inzwischen weiĂ ich es nicht mehr so genau und vermutlich habe ich es nie so ganz kapiert, denn es ist mehr oder weniger nur von so ein paar BĂŒchern, aber nicht vom Physik-UniversitĂ€tsunterricht. Im Wesentlichen sagt es, man kann von einem Teilchen entweder den Ort oder die Richtung und Geschwindigkeit feststellen. Nicht beides. Wenn man die Geschwindigkeit feststellt, weiĂ man nicht, wo der Ort ist und wenn man den Ort feststellt, weiĂ man nicht, wo die Geschwindigkeit ist. Und in dem Moment, wo man den Ort misst, dann beeinflusst man das Teilchen. Es gibt nicht so was wie eine objektive Wirklichkeit, welches der Beobachter neutral wahrnimmt, sondern der Beobachter an sich legt mit der Art der Beobachtung fest, wie sich die Wirklichkeit tatsĂ€chlich darstellt. Das, was letztlich das Universum schafft, erhĂ€lt, zerstört, auflöst und beeinflusst und letztlich bestimmt, ist Bewusstsein. Da gibt es sogar moderne Philosophen, die sich auf die Erkenntnisse der Quantenphysik berufen. Es ist jetzt nicht die momentan vorherrschende Theorie, vor dreiĂig Jahren war die noch mal etwas mehr vorherrschend und dann gibt es andere, aber sie wird weiterhin ernsthaft diskutiert. So Ă€hnlich wie die andere Theorie, die ich euch ja mal vorgestellt hatte, dass jemand sagt, die Welt verhĂ€lt sich wie eine Computeranimation. So ein kĂŒnstliches Leben, wo irgendjemand das geschaffen hat, denn, es gibt so viele ZufĂ€lle, damit es Leben auf dieser Erde gibt und dass das Leben weiter existiert, trotz aller möglichen kosmischen Katastrophen, da muss irgendjemand dort eingreifen, dass das so funktioniert. Ob wir den jetzt als Computerprogrammierer bezeichnen, ob wir den als Brahma, den Schöpfer, bezeichnen, ob wir ihn als Schöpfergott oder Göttin bezeichnen oder Ishwara oder universelle Intelligenz, ist letztlich egal. Also besteht diese Welt aus Bewusstsein und damit haben wir wieder Chid. Die Welt besteht aber nicht nur aus Bewusstsein, sondern da existiert auch etwas. Und deshalb kommen wir auch wieder nicht nur auf Chid, sondern es existiert etwas und das nennt sich dann Sat, auf gut Sanskrit. Also, etwas existiert, damit diese Projektion der Welt entstehen kann, irgendetwas muss da sein, was projiziert. Angenommen, ihr wolltet jetzt einen Kinofilm schaffen, irgendwas muss da sein. Da muss eine Leinwand da sein, da muss Licht da sein, da muss dieser Film da sein. Gut, heute digital produzierte Filme und projizierte Filme brauchen jetzt nicht mehr so einen Film, der ablĂ€uft, aber irgendwas muss da sein. Illusion entsteht, aber damit eine Illusion entstehen kann, muss etwas da sein. Deshalb, diese Welt ist Bewusstsein. Und jetzt kommt auch noch etwas dazu. Jetzt kommt logischerweise das dritte und das ist Ananda. Ananda ist letztlich auch wieder Wonne und Freude ist hinter dem Ganzen. Und in Ananda steckt irgendwo auch ein ZusammengehörigkeitsgefĂŒhl. Und deshalb, auch in der projizierten Schöpfung gibt es auch etwas, was sich dann eben manifestiert, es manifestieren sich kleine Freuden, es manifestiert sich aber auch Liebe. Und auch dort habe ich mal so eine interessante auch wieder philosophische Interpretation von Astrophysik gelesen. Und da wurde so beschrieben, das Universum verhĂ€lt sich so, als ob die Sterne sich lieben und man könnte eigentlich das Verhalten der Schwerkraft verstehen als Kraft der Liebe und das wĂŒrde sich irgendwie anziehen. Das ist jetzt nicht Vedanta, aber es wĂŒrde sich damit durchaus auch vertragen. Also, ganzes Universum, es gibt ein kosmisches Sein, es besteht aus Bewusstheit und letztlich ist es Freude und Liebe und alle Einzelgestalten werden irgendwo getrĂ€umt und jetzt sind wir irgendwo in diesem kosmischen Traum drin und damit sind wir im ganzen Schlamassel. Man kann natĂŒrlich sagen, âIch bin nicht im Schlamassel, mir geht es gut.â Das können wir so gut sagen. Aber wenn ich z.B. dieses âOm Tryambakamâ wieder sehe und irgendwie, es vergeht keine Woche, ohne dass wir fĂŒr irgendjemanden âOm Tryambakamâ singen, der Krebs hat. Also, Leiden ist da und dort zu verstehen, âIch bin nicht der Körper, ich bin nicht die Gedanken, nicht die Emotionen, all das ist ein Traum, der ablĂ€uft. Innerhalb des Traumes spiele ich meine Rolle, aber ich kann auch mir bewusst werden, ich bin Bewusstsein und ich kann mir bewusst werden, alles, war mir widerfĂ€hrt, ist eigentlich auch nur Bewusstsein.â
Teil 108 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€Ăig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. <
Die Welt ist unwirklich – Adhyaropa im Vedanta
Das klassische Beispiel, das ich noch mal erwĂ€hnen will fĂŒr die Unwirklichkeit der Welt, ist welches? Schlange und Seil. Also angenommen, wir treten ĂŒber ein Seil und denken, es ist eine Schlange, dann haben wir Angst. Ist das Seil jemals zur Schlange geworden? Nein. Ist aber fĂŒr denjenigen, der die Schlange gesehen hat, war die Schlange fĂŒr ihn wirklich? Ja. Dennoch ist das Seil niemals zur Schlange geworden und die Schlange nicht zum Seil. Da gibt es einen bekannten Ausdruck dafĂŒr, das nennt sich Adhyaropa, super imposition, wird es auf Englisch ĂŒbersetzt. In deutscher Terminologie wird es manchmal als Projektion bezeichnet oder auch als DarĂŒberstĂŒlpung, man stĂŒlpt eine Bedeutung ĂŒber etwas, was es nicht hat. Oder die zweite Analogie ist Stein und Hund. Angenommen, ein Mensch geht spĂ€t abends⊠Das Beispiel gibt es in verschiedener Form. Angenommen, es gibt einen Landstreicher. Der geht so an der Mauer von einem groĂen Anwesen vorbei und er sieht dort wunderschöne MangobĂ€ume. Und da sind reife Mangos und sie duften. Dann denkt er, âAch, da könnte ich mir doch ein paar nehmen.â Und gerade als er dabei ist, sich ĂŒber die Mauer drĂŒber zu schwingen, dort sieht er einen Hund. Einen groĂen Hund, zĂ€hnefletschend, eine Pfoten gehoben und sofort springt er wieder runter. Dann geht er ein bisschen weiter und ein bisschen weiter ist keine Mauer, sondern ein Gitter und da sieht er immer noch diesen Hund. ZĂ€hnefletschend, schreckerregend, Pfote oben, bereit zu springen. Dachte er, âDas ist jetzt aber komisch, der sitzt da jetzt schon eine ganze Weile.â Er schaut noch ein bisschen nĂ€her und dann stellt er fest, das ist kein Hund, sondern eine Statue. Und als er das sieht, dass da eine Statue ist, dann verliert er alle Angst, er klettert drĂŒber und genieĂt diese wunderbare Mango. Ăhnliche Analogie in diesem Leben. Wir haben vor allem Möglichen Ăngste, weil wir alles Mögliche auf diese Welt drauf projizieren. Wenn wir aber erkennen, dass diese ganze Welt Brahman ist, dann brauchen wir keine Ăngste zu haben. Eine nĂ€chste Analogie ist eine modernere Analogie, die aber von diversen Jnana-Yogameistern verwendet wird. Es ist die Analogie vom Kinofilm. Angenommen, wir gehen in einen Kinofilm. Und dann setzen wir uns hin und dann sehen wir ein ganzes Drama ablaufen. Was ist in dem ganzen Kinofilm wahr geblieben? Was bleibt da die ganze Zeit? Die Leinwand bleibt. Alles andere ist nicht real. Tut sich irgendwas auf der Leinwand? Gibt es dort irgendeinen groĂen Helden, der dort kĂ€mpft mit den bösen Verbrechern, der den Mörder findet? Nichts davon. Es bleibt immer Leinwand. Aber wenn Menschen in diesen Film reinkommen, dann weinen sie, sie lachen, sie erschrecken, sie freuen sich und – mindestens wenn es ein Hollywood-Film ist – gibt es irgendwie zum Schluss ein Happy End und alle gehen dann freudig beschwingt aus dem Kino. Aber was ist die ganze Zeit auf der Leinwand passiert? Nichts. So Ă€hnlich, die Leinwand ist wie Brahman, auch das Licht ist wie Brahman. Maya ist dann wie dieser Film. Maya scheint dieses Licht teilweise wegzunehmen und dann manifestieren sich all diese Formen. Und letztlich der Filmdirektor, der das Ganze entwickelt hat, ist wie Ishwara und wir, die wir dort gefangen sind in diesem Film und dazu geht man ja in den Film, dass man alles andere vergisst und nach Möglichkeit sich auch identifiziert, wir werden kleine Jiva. Typischerweise identifiziert man sich mit einer Person in dem Film. Mit wem typischerweise? Mit der Hauptperson. Und zwar letztlich egal, ob die Hauptperson wirklich ein Held ist oder ein Verbrecher. Manche von euch haben sich vielleicht beschĂ€ftigt mit der Theatertheorie von Berthold Brecht. Er wollte das ja gerade umgekehrt machen. Er wollte vermeiden, dass die Zuschauer sich mit einem Menschen identifizieren und den toll finden. Wenn ihr âMutter Courageâ z.B. gesehen habt. Er hat alle möglichen Elemente eingebaut, denn eigentlich âMutter Courageâ ist ja mehr gedacht, so soll man nicht sich verhalten wie Mutter Courage. Das ist genauso, wie ein Mensch sich nicht verhalten soll. Das wollte er sehr genau damit zeigen. Aber was macht man als Zuschauer, wenn man Mutter Courage anschaut? Man fĂŒhlt mit dieser Frau, man versteht sie und irgendwo bangt man mit ihr. Letztlich, Mensch hat eine Neigung, sich zu identifizieren. Wenn wir in ein Schauspiel gehen, mit irgendjemand mĂŒssen wir uns identifizieren, ansonsten wĂŒrde es langweilig. Und genauso, wir sind jetzt in diesem Schauspiel der Welt, muss man sich halt mit irgendjemandem identifizieren, am nahe liegendsten ist, mit diesem Körper und diesem Geist. Man könnte sich auch mit einem anderen Körper und einem anderen Geist identifizieren. Machen wir auch, wir machen es nĂ€mlich, indem der nebenan ist, aber gleichzeitig mit dem. Die beste Analogie ist meiner Ansicht nach allerdings immer noch Traum. Wir sind in einem Traum. Aus dieser Traumanalogie können wir auch noch mal schlieĂen, was ist die Welt wirklich? In einem Traum, gibt es dort – jetzt vom Wachzustand aus gesehen – Materie? Hat es im Traum Materie gegeben? Nein. Hat es dort Bausteine gegeben? Ziegelsteine oder Beton, aus den die GebĂ€ude bestehen? Nein. HaarfĂ€rbemittel? Auch nicht. Woraus besteht all das? Letztlich besteht alles aus der Einbildung des TrĂ€umenden. Das einzige, was wirklich ist und aus dem ist alles gemacht, das ist die Einbildung des TrĂ€umenden. Und letztlich kann man sagen und wie lange existiert der Traum und die Traumwelt? Solange sich da jemand des Traumes bewusst ist. In dem Moment, wo man sich des Traumes nicht mehr bewusst wird, was passiert mit all der Materie des Traumes, mit all den Millionen von BĂ€umen und Planeten und Sternen? Mit einem Schlag alle weg. Man kann sich natĂŒrlich noch fragen, was passiert dort tatsĂ€chlich? Vielleicht leben die weiter. Ist auch so die Frage, angenommen, ihr habt irgendwo ein Computerspiel gespielt und ihr schaltet den Computer ab. Was passiert mit den anderen Figuren? Angenommen, es gibt ja diese virtuelle RealitĂ€t namens Sekond Life. Angenommen, die Firma, die das betreibt, eines Tages stellt sie alles ab. Was passiert mit diesen Zigmillionen von Avataren, wie sie heiĂen, also kĂŒnstlich geschaffenen Individuen. Was passiert mit denen? Mit einem Schlag alle weg. Also, im Traum ist eigentlich nur das Bewusstsein da. Und so können wir als Analogie hier
auch nehmen, diese Welt, die ganze Materie der Welt besteht aus was? Aus Bewusstsein. Man kann auch sagen, sie besteht aus der Vorstellungskraft von Brahman. Und so wird manchmal auch gesagt, aus Brahman entsteht Brahma, der Schöpfer und der Schöpfer trĂ€umt dieses Universum und wir sind Traumgestalten des Schöpfers. Und hier wĂŒrde man eben auch sagen, nicht wir als Individuum trĂ€umen die Welt, sondern Brahma, der Schöpfer trĂ€umt die Welt. Aber jetzt mĂŒssen wir wieder aufpassen. Wer ist Brahma und wer sind wir? Ein und derselbe. Wenn Brahma uns trĂ€umt, dann gibt es jetzt nicht mehrere Bewusstseine. Da gibt es nicht zum einen Brahma, der trĂ€umt, und wir sind Traumgestalten von Brahma und da gibt es Brahma und da gibt es uns und dann trĂ€umt Brahma und wir sind auch da. Nein, unser Bewusstsein ist Teil dann vom Bewusstsein Brahmans. Und da ein Bewusstsein nicht Teil eines anderen Bewusstseins sein kann – man kann ja nicht sagen, wie viel Prozent – ist unser Bewusstsein das Bewusstsein von Brahman und die ganze Welt besteht letztlich aus Bewusstsein.
Teil 107 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmĂ€Ăig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. <
Was ist Wahrheit? Was ist das Selbst?
Ich hatte heute Morgen ĂŒber die Unwirklichkeit der Welt gesprochen, von verschiedenen Gesichtspunkten her. Und es gibt eine Menge von Vergleichen, die uns zeigen, dass diese Welt unwirklich ist. Ich will da noch ein paar klassische Analogien gebrauchen und danach ein paar Worte sagen, âWas ist ĂŒberhaupt die Welt?â Und dann gehen wir noch durch einige weitere Verse des Viveka-Chudamani, wo Sankara ganz besonders klar uns macht, âWas ist Wahrheit? Was ist Selbst?â und auch immer wieder natĂŒrlich, was das Selbst nicht ist. Wobei ich jetzt so ein paar Verse herausgeschrieben habe und ich will ein bisschen mehr auf die Verse eingehen, die beschreiben, wer man wirklich ist und was wirklich Wahrheit ist, denn ĂŒber das, was wir nicht sind und das, was die Welt nicht ist, da habe ich relativ ausfĂŒhrlich gesprochen, vielleicht in etwas modernerer Ausdrucksweise als Sankara. Allerdings, wenn er ĂŒber das Selbst spricht, da gibt es weder modern noch alt, denn das Selbst ist immer gleich geblieben. Unsere Erfahrung der Welt ist auf der einen Seite gleich, aber auf der anderen Seite auch unterschiedlich. Die Hungersnöte, die zu Sankaras Zeit allgegenwĂ€rtig waren, die Schlangenbisse, die allgegenwĂ€rtig waren, die Skorpionbisse und die Seuchen und Trockenheiten und Ăberschwemmungen und auch letztlich Kriege, die zu seiner Zeit in Indien in den Regionen, wo Sankara gelebt hat, immer wieder waren, die es auch heute auf der Erde gibt, aber das ist fĂŒr uns hier, in unserer Insel der Seligen, nicht so ganz gegenwĂ€rtig. Deshalb gebraucht Sankara oft diese Beispiele, die seine Mitmenschen drastisch vor Augen gehabt haben. Auch, wie unsicher diese Welt ist und wie leidvoll die Welt sein kann.
106. Teil der Niederschrift von VortrĂ€gen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmĂ€Ăig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. FĂŒr fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.
