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Wer erreicht Vollkommenheit im Yoga?

„Vollendung kann nur erhoffen, wer die Voraussetzungen im Wesentlichen erfüllt. Ort und Zeit sind lediglich Begleitumstände.“ (Viveka Chudamani Vers 14, von Sankara)
Also, wenn wir zum Höchsten kommen wollen, dann brauchen wir bestimmte Voraussetzungen. So ähnlich, wenn ihr diese 9-tägige-Weiterbildung mitmachen wolltet, brauchtet ihr auch eine Voraussetzung. Welche nämlich? Abgeschlossene Yogalehrerausbildung. Natürlich, es braucht noch mehr. Ihr braucht einen menschlichen Körper. Eigentlich nicht. Wir wissen ja nicht, wie viele hier noch zuhören, ohne im menschlichen Körper zu sein. In einem anderen Seminar wird gerade über Karma und Reinkarnation gesprochen. Aber es gibt noch andere Voraussetzungen. Aber ähnlich auch, um die Wahrheit zu erfahren, braucht es auch bestimmte Voraussetzungen. Ort und Zeit ist jetzt nicht ganz so erheblich.
„Wer das Wesen des Selbst zu erkennen wünscht, muss deshalb nachdenken, forschen und abwägen, nachdem er einen von Barmherzigkeit erfüllten Meister aufgesucht hat, den Höchsten unter den Kennern der absoluten Wirklichkeit.“

Wahrheit wird erlangt durch intensives Nachdenken

„Sicherheit in Bezug auf Wahrheit erlangt man durch intensives Nachdenken und aus den Lehren des Meisters, nicht durch Baden in heiligen Wassern, nicht durch Almosen geben und nicht durch Hunderte von Pranayamas.“ (Viveka Chudamani von Sankaracharya Vers 13)
Also hier der Jnana-Yoga-Ansatz, der Ansatz, der sagt, wir kommen zur höchsten Wahrheit durch intensives Nachdenken, Analyse, eben durch Viveka. Es ist ja Viveka-Chudamani der Text. Und nicht irgendwie nachdenken, sondern wir lesen die Schriften und wir hören die Interpretationen eines Meisters, wir denken darüber nach und es wird mehr als zu einer intellektuellen Beschäftigung, es kommt zu einer tiefen Verwirklichung. Und nicht durch Rituale allein. Gut, Baden in heiligen Flüssen, ich vermute, das ist jetzt weniger das, was ihr typischerweise macht. Wir haben zwar hier nebendran die Werre und letztlich Ricky, das ist der Hund von mir, der versucht da auch öfters drin zu baden, meistens kommt er sehr schlammig dann raus, aber damit hat er bisher noch nicht die Selbstverwirklichung erreicht. Und selbst diejenigen, die nach Rishikesh fahren und dann im Ganges ihr Bad nehmen, auch dadurch wird man nicht selbstverwirklicht. Oder ich habe einen Bruder, der ist um den Berg Kailash herumgegangen. Er sagt, das war sicher seine intensivste Kopfweherfahrung und zwischendurch gab es auch sehr erhabene Momente, aber es würde nicht auf die Idee kommen, es nochmals zu machen und die Wahrheit ist ihm dort auch nicht sehr viel näher gekommen. Aber es ist natürlich eine Grenzerfahrung. Eine Grenzerfahrung kann einen manchmal aus seinem Normalen herausbringen und dann kann man überlegen, „Wer bin ich?“ Ebenso natürlich Asana, Pranayama, Pujas, Homas, Mantrasingen, Kirtan und all das, ist nicht etwas, was an sich einen zur Verwirklichung bringt. All das bereitet einen vor. Vom Kundalini-Yoga-Standpunkt würde man sagen, es hebt das Prana in die höheren Chakras. Ist das Prana in den höheren Chakras, dann fällt es leichter, zu fragen, „Wer bin ich?“ Ihr wisst alle, wenn ihr eine Weile weniger geübt habt – ich weiß nicht, ob ihr es alle wisst, vielleicht der ein oder andere von euch hat noch nie weniger geübt, sondern immer mindestens viel – aber jetzt für die unter euch, die vielleicht nicht regelmäßig zwei, drei Stunden täglich üben, sondern vielleicht ab und zu mal weniger, wissen, wenn man weniger übt, sinkt das Prana, die Lebensenergie und dann fällt es auch schwerer, erhabener zu denken. Dann plötzlich scheint das alles so weit weg, „Wer bin ich? Ich muss mich jetzt um Beruf kümmern. Ich muss mich um meinen Freund kümmern. Ich muss mich vielleicht darum kümmern, dass ich überhaupt noch einen Freund habe oder wieder einen bekomme.“ All das ist natürlich wichtig, aber es kann sein, dass das nur noch wichtig ist. Wenn das Prana erhöht ist, dann fällt es leichter, die Frage zu stellen, „Wer bin ich?“ Das ist eben auch wichtig, dass wir das so verstehen. Swami Vishnu-devananda hat gerne fortgeschritteneren Aspiranten gesagt, „Verwechselt nicht Mittel und Zweck.“ Zweck ist die Erfahrung des höchsten Selbst. Mittel ist Asana, Pranayama usw.

Introspektion als Erkenntnisweg des Jnana Yoga

Also, das nochmals als Anregung für den restlichen Tag. Wann immer euer Geist nicht ganz beschäftigt ist, werdet euch einfach bewusst, dass das, was in eurer Psyche abläuft, ihr nicht wirklich seid. Und dass Gedanken, die kommen, aus alten Samskaras kommen können, dass Gedanken, die kommen, aus Sinneswahrnehmungen entstanden sein können, dass Wünsche und daraus etwas zu tun, letztlich von Samskaras kommen, dass ihr die Möglichkeit habt, mit Buddhi dort einzugreifen, dass ihr mit Buddhi die Möglichkeit habt, Dinge zu verändern und ihr könnt euch auch bewusst sein, womit identifiziert ihr euch ganz besonders stark. Und das kann man lächelnd sich bewusst werden. Also nicht jetzt, „Oh, was bin ich doch für ein dummer Aspirant.“ oder „Was bin ich doch für ein Nichtsnutz.“ oder „Ich bin überhaupt kein guter Aspirant.“ Manche identifizieren sich damit. Sondern sich bewusst werden, „Aha, so und so ist es.“ und danach kann man lernen, sich nicht damit zu identifizieren, zu lösen.

Sinnesorgane aus der Sicht von Vedanta

„Ohren, Haut, Augen, Nase und Zunge sind die Sinnesorgane, weil sie Sinnesobjekte wahrnehmen. Die Stimme, Hände und Füße, Anus und Genitalien sind Tatorgane, weil sie für die Tätigkeiten gebraucht werden.“
Also, wie heißen die Sinnesorgane auf gut Sanskrit? Jnana Indriyas oder kurz Jnanendriyas. Jnana Indriyas, Organe des Wissens, der Erkenntnis, aber jetzt hier der relativen Erkenntnis und Jnana Indriyas, sagen die Meister so ein bisschen, damit die westlichen Aspiranten und auch indische Aspiranten, die Sanskrit nicht so gut kennen, das schneller wissen können. Eigentlich wird das zusammengeschrieben und dann wird aus „a“ und „i“ wird „e“ und deshalb Jnanendriyas und Karmendriyas. Aber um es zu vereinfachen wird meistens jetzt in den Büchern gesagt, Karma Indriyas und Jnana Indriyas. Und diese Sinne, die prägen, wie wir die Welt wahrnehmen. Das ist auch noch mal wichtig, gerade wenn wir auch überlegen, „Was ist wirklich, was ist unwirklich?“, wo Sankaracharya später nochmals darauf eingeht. Erst geht er hier auf AnAtmaAtmaViveka ein, die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst. Aber so, wie wir die Welt wahrnehmen, so ist sie ja nicht. Selbst vom physikalischen Standpunkt aus ist alles Schwingung und ein bestimmtes Spektrum vom Schwingung können wir sehen als Farben. Ein bestimmtes Spektrum von Schwingungen der Luft hören wir als Klänge. Bestimmte Partikel in der Luft – nicht alle Partikel, bestimmte Partikel – nehmen wir als Geruch wahr. Jetzt der Geschmack ist noch eine ganz lustige Geschichte. Geschmack ist so eine Verbindung, wird auf der Zunge wahrgenommen. Aber auf der Zunge werden nur wie viele Geschmäcker wahrgenommen? Man kann süß, salzig, sauer, bitter und, das hat man jetzt in letzter Zeit entdeckt, scharf wahrnehmen. In der Schule haben wir nur vier gelernt, aber man hat festgestellt, die deutschen Biologen haben ja nichts Scharfes gehabt früher, deshalb wusste man auch nicht, es gibt noch einen Sinn für Scharfes, aber das sind die fünf Geschmäcker, die die Zunge wahrnehmen kann. Und dann der Rest, was z.B. eine Kartoffel von einem Kohlrabi unterscheidet, ist nicht diese, sondern das riechen wir. Und dann zusätzlich noch die Textur hat auch noch Einfluss. Und dann aus diesem, was die Zunge gibt an Wahrnehmungen von diesen fünf plus die Textur, was dann Zunge und Gaumen und Wangen geben plus der Geruchssinn, das zusammen verschmilzt dann im Hirn als Geschmack. Schon eine komische Geschichte. Oder genauso auch Fühlen. Wir können heiß und kalt fühlen, wir können natürlich Berührung empfinden und wir können Schmerzen empfinden. Ich glaube, das sind im Wesentlichen die Empfindungen des Fühlsinns, der über die ganze Haut verteilt ist. Und so nehmen wir die Welt wahr in diesen fünf, man kann sagen, Dimensionen. Was anderes nehmen wir nicht wahr. Man kann zwar dann äußere Instrumente dort nehmen und mit denen können wir dann auch Dinge wahrnehmen, die außerhalb von unserem Spektrum liegen. Also, man kann Schwingungen, die wir nicht sehen können, können wir dann auf einem Computerbildschirm sichtbar machen oder man kann diese in Zahlen ausdrücken und dann irgendwo erfahrbar machen. Aber letztlich, diese Sinnesorgane, die sind das, was uns die Welt erfahren lässt. Wir können die Sinnesorgane verbessern, z.B. mit einer Brille. Man kann sie ausdehnen, z.B. mit einem Telefonhörer. Man kann sie täuschen, mit verschiedensten optischen Täuschungen und sie werden ja auch immer wieder getäuscht und die Sinne sind ja auch nicht zuverlässig, aber so nehmen wir die Welt wahr. Das kann uns auch wieder helfen, uns davon zu lösen. Unsere Sinnesorgane sind letztlich wie, angenommen, wir hätten ein Raumschiff, mit dem wir durch die Welt fliegen und dann gibt es irgendwo so ein paar Gucklöcher und da kann man die Welt irgendwie wahrnehmen und ein paar Instrumente und damit sieht man, was da draußen vorgeht. So sind wir hier mit unserem Weltraumschiff und nehmen so ein bisschen was wahr. Das ist das eine, das Wahrnehmen.

Das Physische Universum existiert im Wachbewusstsein

„Der Zustand, in dem die grobstofflichen Dinge erlebt werden, ist das Wachbewusstsein der Seele.“ (Sankaracharya im Kronjuwel der Unterscheidung, Viveka Chudamani). Also, im Wachbewusstsein können wir diesen Körper hier erfahren. Wenn wir träumen, dann erfahren wir nicht diesen Körper. Da wird er noch darauf eingehen.
„Die einzelne Seele genießt durch diesen Körper mit den äußeren Sinnesorganen grobstoffliche Objekte in vielerlei Gestalt, wie Blumenkränze, Sandelholz, Frauen, Männer, deshalb wird dieser Körper im Wachzustand verherrlicht.“ Gut, vielleicht mag das jetzt für euch, Blumenkränze und Sandelholz, Parfüm, nicht unbedingt das sein, was euch in besonderem Maße genießen lässt, aber ich glaube, ihr könntet dort andere Dinge ergänzen.
„Wisse, dass dieser grobstoffliche Körper, von dem der Umgang mit der ganzen Außenwelt abhängt, für den Menschen wie das Haus für den Hausherrn ist.“ Also, hier mäßigt er die Ausdrucksweise etwas, denn Haus ist auch etwas Gutes, wir wohnen in diesem Haus. Man kann auch sagen, es ist wie ein Schneckenhaus. Schnecken haben auch ein Haus, das sie herumtragen und das sie irgendwie brauchen.

Bindung führt zum Leiden – strebe mit Yoga nach Befreiung

„Gebunden an die fünf Sinnesobjekte, wie Töne und Laute, gehen das Reh, der Elefant, die Motte, der Fisch und die Biene diese fünf nur wegen ihres eigenen Sinnesobjektes in den Tod. Und was wird mit dem Menschen, der allen fünf Sinnesobjekten unterworfen ist.“ (Viveka Chudamani von Sankaracharya, das Kleinod der Unterscheidung 76. Vers).
Da gibt es jeweils so Geschichten, die der Leser von Sankaras Zeit im Kopf hat, die z.B. in der Avadhuta Gita beschrieben werden. Da gibt es das Reh. Also, für das Reh ist es der Ton, es fällt auf den melodiösen Lockruf des Jägers herein. Das war im alten Indien so eine Weise, wie Jäger gejagt haben. Sie haben den Ruf eines Rehs dort wiederholt. Die konnten sowohl den Ruf eines weiblichen Rehs, als auch eines männlichen Rehs wiederholen und dann sind die gegengeschlechtlichen Rehe dann hingekommen und dann wurde das Reh mit Pfeil und Bogen erledigt. Also, Verhaftung an den Hörsinn kann ins Verderben führen. Dann der Elefant sucht Berührung mit dem Weibchen, dass an einem Baum angebunden ist. Also, so wurden Elefanten im alten Indien gejagt. Da wurde ein Elefant genommen und dieser wurde dann angebunden und dann kam der andere Elefant, der hat es zuerst gesehen, aber nachher wollte er dann das Elefantenweibchen oder das Weibchen das Männchen auch berühren und wenn die dann so in liebevoller Berührung waren, kamen dann die Menschen und haben Ketten an die Beine angelegt. War keine ungefährliche Weise, aber so wurden anscheinend früher Elefanten gejagt. Oder Motten sehen Licht und fliegen geradewegs in die Flamme hinein, also Sehsinn. Das erleben wir hier auch manchmal im Sivananda-Saal, da haben wir ja diese Lampen und wenn ihr ab und zu mal was riecht, dann wisst ihr, da ist wieder eine Motte oder eine Fliege in eine dieser Lampen hineingegangen. Der Fisch ist der Geschmackssinn. Sie wollen unbedingt den Regenwurm fressen und landen am Angelhaken. Und die Bienen sammeln Honig, vom Blütenduft angelockt und werden dann vom Züchter oder vom Imker beraubt. Oder eigentlich bezieht es sich auf etwas anderes, denn in der Avadhuta Gita, eine Biene, spät am Abend, will eigentlich zurück in den Bienenstock fliegen und dann riecht sie noch eine ganz besonders gute Blüte. Sie geht dort hin und die Blüte verschließt sich, wie es ja manche Blüten machen. Die Biene ist also gefangen in der Blüte, ein Elefant kommt und zertritt die Blüte und mit der Blüte die Biene gleich mit. Also, in der Avadhuta Gita erzählt der Dattatreya von seinen 24 Gurus und fünf davon greift Sankaracharya hier auf. Also, Tiere haften an einem Sinn und der Mensch haftet an allen fünf Sinnen. Und jeder der fünf Sinne kann uns ins Verderben führen. Natürlich, jeder dieser fünf Sinne kann einen auch an Gott erinnern, aber jeder der fünf Sinne, wenn wir daran verhaftet sind, kann einen auch ins Verderben führen. Die Sinnesobjekte zu genießen und dankbar dafür zu sein, ist eine Sache. Daran verhaftet zu sein und uns von diesem Sinnesobjekt dann ins Verderben führen zu lassen, ist eine andere Weise.
„Die Biene macht ihre Arbeit.“ Natürlich, alle Tiere brauchen ihre Sinne und der Mensch braucht auch alle fünf Sinne. Deshalb haben wir sie ja, sonst hätten wir ja nicht diese Sinnesorgane bekommen. Das Problem ist nur, wenn man daran verhaftet ist. Natürlich, die Tiere haben keine Wahl. Aber eine Biene, angenommen, sie wäre mit Vernunft ausgestattet, dann hätte vielleicht gerade diese Biene gesagt, „Ja, es wird langsam dunkel. Ich weiß, diese Art von Blüte wird abends wieder zugehen und deshalb sollte ich jetzt nicht mich in Gefahr begeben und dann dort in diese Blüte hineingehen. Besser, ich komme morgen wieder.“ Aber Menschen sind vernunftmäßig ausgestattet und man macht das trotzdem. Könnt ihr euch mal überlegen, vielleicht seid ihr alle mit großer Vernunft ausgestattet und macht so was niemals. Aber der ein oder andere weiß, wenn er das und das isst, dann wird es die und die Wirkung haben und isst es trotzdem. Ich weiß nicht, ob ihr das noch nachvollziehen könnt oder ob ihr an jemanden denken könnt, bei dem es so geht. Oder man hört etwas, z.B. eine Kritik, man weiß, eigentlich wäre es klüger, nichts zu machen, trotzdem reagiert man auf das, was man hört.

Löse dich von den Fesseln der Sinnesbegierde

„Jene Unvernünftigen, welche mit den starken, äußerst schwer zerreißbaren Fesseln der Begierde an den Sinnesobjekten gebunden sind, kommen und gehen im Kreislauf der Geburten tief hinunter und hoch hinauf, von ihrem Karma mit Macht getrieben.“ ( 75. Vers Viveka Chudamani von Sankaracharya)
Also, es gibt in dieser Welt ab und zu mal Unvernünftige, die an ihren Körper gebunden sind und an ihre Sinnesobjekte gebunden sind. Solange wir uns identifizieren mit diesen Sinnesobjekten und Begierden danach haben, solange werden wir uns immer wieder inkarnieren. Und hier, so ein Grund, warum man sich weiter inkarniert, sind Wünsche. Und ein zweiter Grund, den er dort nennt, ist Karma. Also, bestimmte Handlungen, die wir gemacht haben, erzeugen Karma, dann haben wir Wünsche, Begierden, das sind zwei Gründe, weshalb wir auf diese Welt kommen. Und dann Patanjali erwähnt auch noch zwei andere Aspekte, die letztlich das bestimmen, was wir erfahren. Das eine ist letztlich, wir brauchen die Erfahrungen, die uns helfen, uns aufzuwecken und dann gibt es auch eben die Aufgabe, unsere Talente und Fähigkeiten und Kräfte irgendwo zu entfalten. Und all das zusammen, kann man sagen, bestimmt unser Leben. Wir kommen hierher in diese Welt, um Erfahrungen zu machen. Wir nehmen diesen Raumanzug an, um Erfahrungen zu machen. Wir nehmen diesen Raumanzug an, um Dinge zu tun und auch unsere Kräfte irgendwo zu entfalten und Talente zu entfalten, weshalb übrigens ein faules Leben zu führen nicht ein Weg zur Befreiung ist. Wir kommen auf diese Welt auch, um letztlich unsere Wünsche und Begierden zu befriedigen. Und wir kommen auch auf die Welt, um die Resultate unserer Handlungen zu erfahren. Auf vieles davon haben wir erstmal wenig Einfluss, auf manches haben wir Einfluss. Und eines, worauf man einen gewissen Einfluss hat, sind unsere Wünsche und Begierden und wenn wir eben erkennen, „Ich bin nicht dieser Körper. Ich bin nicht diese Gedanken.“, dann lösen wir uns etwas von diesen Begierden.

Vedanta Analyse des Körpers

„Der grobstoffliche Körper besteht aus sieben Substanzen, nämlich Mark, Knochen, Fett, Fleisch, Blut, Unterhaut und Oberhaut.“ (Sankara im Viveka Chudamani)
Das sind die so genannten sieben Dhatus. Und diejenigen von euch, die Ayurveda etwas tiefer kennen, die kennen die Sanskrit-Ausdrücke, nehme ich an und das hat auch einen bestimmten Einfluss. Manche Krankheiten befinden sich  in einem Körpergewebe, die anderen in anderen und die anderen in noch einem anderen und die werden auch zum Teil anderes übersetzt, als ihr es hier findet. Jetzt, wenn man hört, Mark, Knochen, Fett, Fleisch, Blut, Unterhaut und Oberhaut, jetzt für die medizinisch gebildeten ist es ein bisschen knapp und vielleicht auch ein bisschen naiv, könnte man sagen. Also, hängt euch nicht daran auf. Aber man kann durchaus auch sagen, es gibt zum einen die Knochen, die kann man spüren und das ist eben auch das, was man irgendwo merkt, da ist halt ein Knochen. Ihr könnt alle mal an irgendeinen Knochen fassen. Manche können an allen Stellen an Knochen fassen und manche vielleicht nur an manchen Stellen. Gut, und dann gibt es da irgendwo Mark, das können wir jetzt nicht erfassen, da können wir nicht hinfassen. Aber man sagt manchmal, es geht durch Mark und Bein, also irgendwo ist da noch Mark und damit haben wir schon einen großen Teil der Kilogramms unseres Körpers. Dann gibt es Fett. Da könnt ihr auch mal hin greifen, wo dort irgendwo Fett ist. Manche können egal wo hin greifen und sie finden Fett und manche finden nirgendwo Fett, aber jeder hat irgendwo Fett. Es ist auch wieder ein Unterschied, ob wir sagen, „Oh, ich bin so dick.“ oder sagen, „Eine der sieben Dhatus ist bei mir in außergewöhnlichem Maße vorhanden.“ Ist ein Unterschied, oder? „Ich muss unbedingt abnehmen.“ oder man kann sagen, „Ich will probieren, eines der sieben Dhatus etwas zu reduzieren, dass die anderen etwas stärker wirksam werden.“, Fett. Dann Fleisch, ist natürlich hier gemeint, Muskelmasse. Haben wir auch. Irgendwo ist dort Muskelmasse und da ist auch wieder ein Unterschied, zu sagen, „Oh, mir tut der Rücken so weh.“, als wenn wir sagen, „Die Muskelmasse im Rücken ist vielleicht etwas verkrampft und verspannt und damit zusammenhängende Gewebe vielleicht auch.“ Gut, Blut haben wir auch und da kann man auch wieder sagen, „Oh, ich habe Bluthochdruck und alles nervt mich.“ oder man kann sagen, irgendwo mit Blut hängen natürlich auch die Gefäße zusammen und alles, „Die Arterienwände sind irgendwo etwas entweder verkrampft oder zu und da fließt jetzt das Blut durch, das gibt Bluthochdruck.“, wird man gucken, ob man da was machen kann. Unterhaut und Oberhaut. Oberhaut, die sehen wir. Auch ein Unterschied, ob wir sagen, „Ich bin nicht schön genug.“ oder „Meine Haut hat Falten.“ oder „Ich bin so ausgetrocknet.“ und gerade Menschen beschäftigen sich ja sehr stark mit ihrer Oberhaut. Ist es ein Millimeter? Wenn überhaupt so viel. Und manche beschäftigen sich dort jeden Morgen eine Stunde mit ihrer Oberhaut und den aus der Oberhaut herauskommenden Haaren, die man noch auf die verschiedensten Weisen färbt oder behandelt oder was auch immer man damit anstellt. Und dann gibt es eben noch eine Unterhaut, die eben darunter ist. Also, auch das kann einem manchmal helfen, das einfach zu sehen. Man kann natürlich auch sagen, „Der Körper ist ein großes Wunder und es ist unglaublich, wie er funktioniert.“, aber eben, „Ich bin das nicht.“ „Er hat Glieder und Teile, wie Füße, Beine, Brust, Arme, Rücken und Kopf.“ Muss ich jetzt gerade daran denken, als ich den so genannten ETTC genommen habe, also die Yogalehrerweiterbildung mit Swami Vishnu-devananda. Er hat dort normalerweise praktisch alles gegeben von morgens bis abends, außer der Yogastunde und einmal hat er so einen Physiologievortrag nicht gegeben und da hat er irgendeine beauftragt, sie soll irgendwas uns dort vorlesen. Und das war dann irgendein Anatomiebuch, ich glaube, für Kinder muss es gewesen sein. Und dann wurde irgendwo gesagt, „Der unterste Teil des Körpers nennt sich die Beine. Ganz unten an den Beinen sind die Füße. Die Füße haben zehn Zehen. Oberhalb der Füße sind die Unterschenkel. Zwischen Unterschenkel und Füßen, die Verbindung wird als Fußgelenke bezeichnet. Oberhalb der Unterschenkel sind die Oberschenkel. Die Verbindung zwischen Unter- und Oberschenkel wird als Knie bezeichnet.“ Am Anfang haben wir nur dumm geguckt. Irgendwann fingen wir an, uns zu kringeln vor Lachen und sie hat das dann auch mit der Stimme dann so gesagt. „Am Rumpf befestigt sind die Arme. Der Mensch hat typischerweise zwei Arme. Die Verbindung zwischen Armen und Rumpf wird Schultern genannt.“ So irgendwo eine Stunde ging es so weiter. Das war die lustigste Anatomiestunde meines Lebens. Und die, die das gemacht hat, das war eigentlich eine kluge Frau. Nachher bin ich irgendwo in so eine Art mystischen Zustand gekommen, der vollkommenen Unidentifikation mit dem Körper. Dann wurde es erst irgendwo klar, das ist der Körper, so banal ist er eigentlich und was identifiziert man sich mit diesem wunderbaren Instrument. Bahir Karana, äußeres Instrument.
„Dieser Körper, gekennzeichnet durch das Bewusstsein von „ich“ und „mein„, die Stätte der Verwirrung, wird von den Weisen grobstofflich genannt. Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde bilden die feinstofflichen Elemente.“
Also, dieser Körper. Und dieser Körper, eben das Nicht-Selbst, wird gekennzeichnet durch das Bewusstsein von „ich“ und „mein„. Also, manche Menschen sagen, „Ich bin dieser Körper.“ Z.B., „Ich gehe von hier nach dort.“ oder „Ich sitze hier auf der Bühne.“ Wer sitzt hier auf der Bühne? Nicht ich, sondern der Körper hockt dort auf der Bühne. Ich hocke nicht auf der Bühne, ich bin überall, allgegenwärtig, allmächtig, allwissend, eins, jeder von euch. Auch ihr hockt nicht dort unten und hört zu, sondern ihr seid das allumfassende Bewusstsein. Wer hockt dort? Der Körper. Ein Körper hockt hier und spricht und andere Körper hocken da unten und hören zu.
Dann ist alles eine Halluzination und unsere Wunschvorstellung, das nennt sich Maya. Du hast keine Seele gesehen ohne Körper, ist richtig. Gesehen. Empfunden, das ist eine Frage. Du kannst so ähnlich sagen, „Ich habe keine Bakterie gesehen, ohne Mikroskop.“ Bin ich deshalb das Mikroskop? Als Kind habe ich ein Mikroskop gehabt und das haben mir irgendwann meine Eltern geschenkt, sie wollten so ein bisschen, dass wir uns wissenschaftlich interessieren und dann haben wir – Bakterien vermutlich nicht – aber so Kleinstteile gesehen, ist jetzt schon lange her, könnten sogar Bakterien gewesen sein. Jetzt die Frage. Ich habe noch nie eine Bakterie gesehen, ohne Mikroskop. Frage. Bin ich das Mikroskop? Eine nächste Sache. Ich habe noch nie mit einem Bekannten in Amerika Bekanntschaft aufgenommen, ohne Computer, in den letzten zehn Jahren. Bin ich jetzt der Computer? Oder ich bin ja aktiv in allen möglichen Internetcommunities, wie der ein oder andere von euch mitgekriegt hat. Da gibt es z.B. einen, der nennt sich Amit und den treffe ich manchmal auf Facebook, manchmal auf my.yoga-vidya, manchmal auf ein paar anderen Communities, auf Guru, ist eine andere Communitiy. Also, da treffe ich den ab und zu mal. Und wir unterhalten uns und er hat mir schon einiges erzählt über sich. Ich habe aber noch nie mit ihm Kontakt aufgenommen über ein anderes Medium als über den Computer. Frage, bin ich der Computer? Bin ich das Internet? Nein, natürlich nicht. Auch wenn ich einen Computer brauche, um mit anderen Leuten Kontakt aufzunehmen, bin ich deshalb noch lange nicht mein Computer. Und auch, wenn ich das Internet brauche, bin ich noch lange nicht das Internet. Und auch, wenn ich sage, „Das ist mein Computer.“, ist es noch lange nicht mein Computer. Körper ist ein Instrument, er wird deshalb auch das Instrument genannt. Also, Körper ist das grobstoffliche Instrument, Bahir Karana auch genannt oder auch Sthula Sharira, dieser Körper. Aber wir sagen, „Ich, ich bin dieser Körper.“ Die radikalste Erkenntnis, „Ich bin nicht dieser Körper.“, entspringt, wenn man mal eine so genannte OOB-Erahrung hatte, Out-of-Body-Experience. Das heißt, manchen geht es so, in der Tiefenentspannung verlassen sie den physischen Körper oder auch in der Meditation oder manchmal auch in irgendwelchen extremen Situationen des Alltags und sehen sich von oben. Sogar soweit, dass sie dann Sachen sehen können, die sie vorher nicht gesehen haben, an die sie sich nachher im physischen Körper erinnern können. Soweit, dass es Operationen z.B. gibt, wo Menschen zwar unter Anästhesie sind, aber nachher beschreiben, was der Arzt gemacht hat und aus einer Perspektive, die sie nicht von unten hätten sehen können. Es gibt Menschen, die klinisch tot waren und dann beschrieben haben, was die Verwandten im Nachbarzimmer erzählt haben. Also, es ist Wahrnehmung auch möglich, ohne physischen Körper. So ähnlich wie mit Amit, könnte ich auch Kontakt aufnehmen ohne Computer. Z.B. irgendwann war er auf der Cebit gewesen und da wollte er mich eigentlich treffen, aber da war gerade eine Zeit, wo ich ein paar Tage lang in keiner Sozial-Communitiy war und als ich ihm geantwortet habe, war er wieder in Bombay gewesen oder wo auch immer, er dann gewesen ist. Also, ich hätte ihn sehr wohl physisch treffen können. Auch wenn ich normalerweise den Computer brauche, um mit Amit zu sprechen, kann ich mich auch mit ihm unterhalten ohne Computer. Telefon wäre auch möglich und ich spreche auch mit verschiedenen Computern. Ich nutze letztlich nicht nur einen Computer, mal bin ich unten, mal bin ich oben oder ich könnte auch mit irgendwelchen mobilen Geräten… So eben auch, zwar mag es jetzt momentan sein, dass wir vieles nur wahrnehmen über den physischen Körper, aber es ist auch möglich, Dinge wahrzunehmen ohne physischen Körper. Also, ich bin nicht der physische Körper. Und auch, es ist nicht mein physischer Körper. Wir sagen so schön, „Das ist meine Hand.“ Warum ist es meine Hand? Man kann natürlich fragen, wessen Hand soll es sonst sein? Aber es gehört einem nicht in dem Sinne, dass es ein dauerhafter Besitz ist. Es kann schon sein, dass heute Nachmittag die Hand weg ist. Ich plane z.B., heute Nachmittag mit dem Fahrrad zu fahren. Das ist jetzt kein außergewöhnlicher Entschluss, das mache ich fast jeden Tag. Ich werde jetzt nicht weiter diese Phantasie ausbauen, aber wir wissen nicht, was uns gehört. Also eigentlich ist es nur eine temporäre Leihgabe. Natürlich eine, um die wir uns auch kümmern müssen. Natürlich werde ich auch alle Vorsichtsmaßnahmen treffen und achte auch meine Bremsen und alles. Und nachdem ich vor ein paar Jahren öfters vom Fahrrad gefallen bin, habe ich mindestens in Kurven und mindestens im Herbst meine Geschwindigkeit erheblich gedrosselt. Sturzhelm, ich habe sogar aufgehört, einen Helm zu tragen, denn solange ich Helm getragen habe, bin ich ständig heruntergefallen. Das scheint irgendeine Wirkung zu haben. Aber ich will das jetzt auch nicht weiter ausbauen. Aber genauso wenig bin ich mein Körper, gehört mir mein Körper, wie, es gehört mir mein Fahrrad. Mein Fahrrad gehört mir auch nicht, auch wenn ich sage, es ist mein Fahrrad. Auch das kann einem jeden Moment genommen werden. Und diejenigen, die in Großstädten wohnen, wissen, dass das etwas sehr Realistisches ist. Als ich in Frankfurt war, mir sind nur zwei Fahrräder geklaut worden, der Eva-Maria ist in den fünf Jahren, glaube ich, jedes Jahr irgendein Fahrrad geklaut worden. Das war uns dann aber nicht mehr weiter tragisch, denn man kauft sich in einer Großstadt entweder kein Fahrrad oder Schlösser, die fast so teuer sind wie ein Fahrrad. Und dann, als ich eine Weile im Westerwald war, dort sind mir regelmäßig die Fahrräder kaputtgegangen, weil das sind außergewöhnliche Belastungen dort. Bis ich mir dann irgendwann ein gutes Fahrrad gekauft habe und das habe ich heute noch, weshalb ich da vielleicht eine gewisse Verhaftung dran entwickelt habe. Aber es könnte mir jeden Tag genommen werden. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, ein Fahrrad ist eine temporäre Leihgabe, die ich habe. Selbst wenn ich dafür bezahlt habe, ich habe dort nicht den Besitz am Fahrrad, sondern ich habe eine, man kann sagen, Leasingrate bezahlt, wobei die Verträge unklar sind. Das heißt, wir wissen nicht, für wie lange dieser Vertrag jetzt ist. Es kann heute weg sein, es kann auch noch ein paar Jahre dauern. Und so ist es eben auch mit dem Körper. Der Körper, den haben wir bekommen, vielleicht das wertvollste Geschenk, nicht nur vielleicht, sondern das wertvollste Geschenk, dass wir in diesem physischen Universum haben können. Gut, Geschenk stimmt auch wieder nicht. Die wertvollste Leihgabe, die wir bekommen haben und es gilt, dass wir uns um diese Leihgabe kümmern, dass wir dankbar dafür sind, dass wir alles tun, damit wir mit dieser Leihgabe als äußeres Instrument alles Mögliche tun können, aber wir sind nicht dieser Körper. Eine Analogie, die ich in letzter Zeit gerne wiederhole in diesem Kontext, ist die Analogie eines Raumanzuges. Angenommen, wir wollten als Menschen den Mars besiedeln. Und ich habe vor kurzem mal so eine interessante, flammende Rede gehört, eigentlich war es eine Hörsendung, warum Menschen den Weltraum besiedeln sollten. Da sagt er, es sieht so auch, als ob in dieser Ecke des Weltraums nur auf der Erde intelligentes Leben ist. Aber die Erde ist ein ausgesprochen sensibler Planet. Braucht bloß irgendein Komet darauf zu fall und das machen regelmäßig Kometen, es braucht nur einen größeren Vulkanausbruch zu geben und auch das hat es regelmäßig gegeben. Alle paar Millionen Jahre gab es auf der Erde einen so großen Vulkanausbruch, dass doch ein relativ hoher Anteil von Tierarten ausgestorben ist. Vor fünfzig bis sechzig Millionen Jahren gab es wahrscheinlich einen Meteoriten, der auf die Erde gefallen ist und alle Dinosaurier umgebracht hat. Manche sagen, es war doch ein Vulkanausbruch. Da gab es jedenfalls um eine ähnliche Zeit einen Meteoriteneinschlag und nur wenige hunderttausend Jahre später einen größeren Vulkanausbruch. Also, das Leben hier könnte jederzeit zu Ende gehen und dann wäre es doch eine Verantwortung des Menschen, dafür zu sorgen, dass nicht, wenn eine dieser regelmäßig passierenden kosmischen Ereignisse kommt, das Leben auf der Erde dann auslöscht. Also wäre es klug, dass Mensch verschiedene Planeten besiedelt. Sei jetzt vieles von dem, was dort behauptet wird, dahingestellt, aber eine interessante Aussage. Jetzt angenommen, wir wollen den Mars besiedeln. Dann kann man natürlich auf der einen Seite – und das wird so diskutiert – riesen Glaskuppeln schaffen mit einer künstlichen Schwerkraft und einer künstlichen Atmosphäre und hätte dann solche Art von Kolonien. Wäre eine Möglichkeit. Eine andere Möglichkeit wäre, Mensch bekommt eine spezielle Art von Raumanzug. Und zwar einen Raumanzug, der ganz genial ist. Einer, der zum einen das Temperaturempfinden modifiziert, denn auf dem Mars gibt es sehr viel höhere Temperaturen und sehr viel niedrigere Temperaturen als auf der Erde. Der Unterschied zwischen Tag und Nacht ist sehr viel höher und von einen Teil auf den anderen, also muss das Temperaturspektrum mit dem Raumanzug reduziert werden und natürlich am günstigsten zwischen plus 15 und plus 35 Grad, so hat der Mensch irgendwo ein Temperaturempfinden. Dann ist natürlich am besten, dass man da hindurch tasten kann. Also, wenn jemand anderes über den Raumanzug streichelt, dann spürt man irgendwo diese angenehme Empfindung, denn Mensch braucht Streicheleinheiten. Und des Weiteren, dass die Gerüche, also es braucht irgendeinen Filter. Es gibt eine Atmosphäre auf dem Mars, die nicht so ist wie hier, also muss dort irgendwo ein Filter sein, der dort solche Stoffe beim Ein- und Ausatmen durchlässt und wieder rauslässt, dass das irgendwie funktioniert. Dass die Partikel auf dem Mars so umgewandelt werden, dass, wenn man ein- und ausatmet, man Gerüche wahrnimmt. Dass also unsere Nase irgendwo das riechen kann. Auch der Hörsinn muss irgendwo modifiziert werden und natürlich kann man das noch endlos weiterbauen. So etwas ist theoretisch denkbar. Und diese eine Hörsendung, die ich dort gehört habe, hat gesagt, das wird es in fünfzig bis hundert Jahren auch geben. Und dann, noch genialer wäre es, wir würden den Raumanzug schon bei der Geburt bekommen oder kurz danach und der würde mit uns mitwachsen. Jetzt Preisfrage. Angenommen, wir gehen dann durch die Gegend, was würden wir von diesem Raumanzug annehmen? Das bin ich. Ich bin der Raumanzug. Und es ist mein Raumanzug und ich bin der Raumanzug. Nehmen wir an, der ist dann so sehr mit dem Körper verbunden, der kann auch nicht mehr abgenommen werden, nur durch eine schwere Operation. Oder nehmen wir mal an, die Medizin schreitet so lange weiter, dass wir dann recht alt werden können und nehmen wir an, nach hundert Jahren muss der Raumanzug gewechselt werden, aber man könnte ihn auch noch länger beibehalten. Was denkt ihr, würde die Leute den Raumanzug wechseln oder ihn beibehalten wollen? Können wir jetzt viel spekulieren. Ihr könnt einen Moment darüber nachdenken, was ihr denkt. Und jetzt die große Aussage ist, dieser Körper ist unser Raumanzug. Wir sind ein Wesen, dass keinen Körper hat, aber um auf dieser Welt zu funktionieren, haben wir einen Raumanzug bekommen, diesen Körper. Und dieser Körper gibt alle Sinneserfahrungen auf der physischen Welt so weiter, dass die Sinneswahrnehmungen – und die Yogis behaupten ja, dass die ganzen Indriyas in der Manomaya- oder Pranamaya Kosha sind. Also, dieser Raumanzug Körper wandelt die Impulse so um, dass alles, was Sinneserfahrungen auf der physischen Welt sind, eben mit der Manomaya Kosha verbunden ist und dass die Jnana Indriyas, die Wahrnehmungsorgange, diese Dinge der physischen Welt wahrnehmen können. Und das, was wir mit unserem Astralkörper tun wollen, Karma Indriyas, dass diese Impulse in den physischen Körper reingehen und auf der physischen Ebene wir Dinge tun. Also, physischer Körper wie ein Raumanzug, den wir für diese physische Welt brauchen. Vor dem Hintergrund ist auch übrigens denkbar, dass wir auch auf anderen Planteten leben können. Vielleicht nicht in diesem Sonnensystem, da scheint es mindestens unwahrscheinlich zu sein, dass es dort mindestens größere Lebewesen gibt. Bei Bakterien sind sich die Wissenschaftler uneinig. Man hat irgendwo auf der Antarktis irgendwelche Meteoriten gefunden, wo manche Wissenschaftler behaupten, da sind irgendwelche Bakterien gefunden worden, die es auf der Erde nicht gibt und niemals gegeben habe, andere bezweifeln das. Vor ein paar Jahren wurde das als sicher dargestellt, dass man auf einem Meteoriten Spuren von nicht irdischem Leben gefunden hat. Einige behaupten das auch weiter, andere bezweifeln das. Aber mindestens die Mehrheit der Zukunftsforscher, die ich höre, gehen davon aus, dass es auf dem Mars irgendwelches Leben gibt oder gegeben hat, aber eben keines, dass eine gewisse nennenswerte Größe hat. Aber in irgendeinem anderen Universum, die Leute dort müssen ja nicht zwei Beine und zwei Hände gehabt haben und die gleiche Schwerkraft und irgendwo diese Zusammensetzung der Atmosphäre gebraucht haben, Leben ist auch in anderen Kontexten möglich. Braucht man halt eine andere Art von Körper-Raumanzug. Also, das ist hier der grobstoffliche Körper. Da könnt ihr mal so ein bisschen vielleicht heute darüber nachdenken und mal so zu überlegen, angenommen, der physische Körper wäre ein Raumanzug. Dann könnt ihr einfach mal so gucken, das könnt ihr auch jetzt machen. Nehmt mal durch euren Raumanzug ein paar bewusste Atemzüge. Hebt mal irgendwo den rechten Arm eures Raumanzuges hoch oder den linken oder was ihr jetzt gerade wollt, aber macht irgendwas. Da könnt ihr tatsächlich merken, „Ja, irgendwo, ich gebe einen Impuls und das hebe ich hoch.“ Aber ihr wisst, es geht nicht alles. Z.B. jetzt, hebt mal euren Raumanzug als Ganzes einen Meter hoch. Wäre jetzt schön, wenn das einer machen würde. Also, der Raumanzug hat seine Grenzen oder Begrenzungen. Natürlich ist das eine Analogie. Das ist jetzt eine moderne Analogie, die selbstverständlich ihre Grenzen hat. Also, der besteht aus dem Grobstofflichen. Und dann heißt es noch, dieser grobstoffliche Körper, der besteht dann aus Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Das entspricht vielleicht heute nicht so ganz unserer modernen Wissenschaft, ist ein anderes Körperverständnis. Ich lese es trotzdem mal vor.

Spiritualität, Jnana und Yoga helfen der ganzen Familie

” Der erhabene Meister spricht: Du bist gesegnet. Du hast deine Pflichten erfüllt. Deine Familie wird durch dich geheiligt, indem du dich von den Fesseln der Unwissenheit befreist und zur absoluten Wirklichkeit werden willst. Dein Vater hat Söhne oder andere, die seine Schulden bezahlen können, aber kein anderer als er selber vermag ihn von den Fesseln des Geburtenkreislaufs zu befreien.” (Viveka Chudamani 50. Vers)

Hier sagt Sankara, auch schon im Vers vorher: Es ist etwas Wichtiges, wenn man als spiritueller Aspirant spirituelle Praktiken macht. Manche Menschen lassen sich davon abhalten aus einem Gefühl von Verpflichtung, sagen zum Beispiel: solange meine Eltern pflegebedürftig sind, verzichte ich auf eigene Yogapraxis, kümmere mich einfach um sie. Oder: solange ich noch Kinder habe und mein Mann noch am Leben ist und solange noch dieses und jenes, werde ich nicht praktizieren. Oder die Verwandten werden da natürlich auch die richtigen Knöpfe drücken können: Du bist egoistisch. Jeden Tag nimmst du dir eine Stunde oder zwei Stunden und ich muss dafür alle Arbeit tun.

Karma und Demenz

Frage: Kann ein Demenzkranker neues Karma schaffen?
Grundsätzlich gilt beim Gesetz des Karmas: jetzt neues Karma zu schaffen, tut man dann, wenn man selbstbestimmt handelt. Also mal angenommen, ein dreijähriges Kind kommt in eine kleine Prügelei und dabei stößt es jemand anders vielleicht vom Balkon runter oder es stolpert jemand anderes. Er schafft sich dadurch kein neues Karma. Auch ein Dreijähriger hat schon ein Schuldgefühl. Er muss damit leben, dass er vielleicht seinem Spielkameraden dauerhaften Schaden zugefügt hat. Aber das ist mehr sein Karma, durch das er wachsen muss, aber er schafft sich dadurch kein neues Karma. Genauso angenommen, jemand ist durch eine Krankheit nicht mehr im Besitz seiner geistigen Fähigkeiten. Was er dann in diesem Zustand macht, schafft kein neues Karma, sondern das, was er jetzt erlebt mit einem irgendwo eingeschränkt funktionierenden Geist, ist auch eine wertvolle menschliche Erfahrung, durch die er oder sie wachsen kann.

Selbstverwirklichung, Yoga, Erleuchtung und Demenz

Frage: “Was passiert mit einem selbstverwirklichten Weisen, der dement wird?”
Das ist eine interessante Frage. Dazu muss ich euch sagen, ich habe noch keinen großen Yogi gesehen, der dement geworden ist. Das halte ich übrigens für ein interessantes Phänomen, denn ich kenne sehr wohl Weise, die 80, 90 oder sogar über 90 waren und auch solche, die dauerhaft bettlägerig und weitestgehend zum Pflegefall geworden sind. Ein dementer Yogi ist mir aber nicht bekannt. Aber vom Standpunkt des Vedanta würde selbst das keine Rolle spielen. Bei Swami Vishnu zum Beispiel: er war zwar in keiner Weise dement, aber er hatte einen Schlaganfall gehabt und hatte dann durchaus Phasen, wo er Halluzinationen hatte. Trotzdem hat er weiter dieses Prana gehabt und diese Energie gehabt. Letztlich ist ja die ganze Welt eh eine Halluzination. Ich hoffe, ihr seid euch dessen inzwischen ein bisschen bewusst. Und ob man jetzt diese Halluzination hat oder eine andere Halluzination hat – von so erheblicher Bedeutung ist das jetzt nicht. Ihr braucht jetzt keine Angst zu haben, dass ihr, wenn ihr Yoga macht, halluziniert. Das ist jetzt nicht durch Yogapraxis gekommen, sondern es war in seinem Karma, dass er irgendwann um die sechzig oder etwas über fünfzig einen Autounfall hatte, innere Blutungen, die Bauchspeicheldrüse war kaputt und dann in der Folge hatte er eine unfallbedingte Diabetes entwickelt und die ist dann nur notdürftig mit Insulin unter Kontrolle gebracht worden. Jeder der sich mit Diabetes beschäftigt hat, so genau ist das nicht dosierbar. Dann hat er irgendwann einen diabetesbedingten Schlaganfall gehabt. Das war letztlich sein Karma und das hat verschiedene Auswirkungen gehabt. Eine Weile konnte er kaum sprechen und nach dem Schlaganfall gab es nur noch ein halbes Dutzend Menschen, die ihn wirklich verstanden haben, wenn er gesprochen hat. Und manchmal war ich mir nicht sicher, ob sie ihn wirklich verstehen oder uns nur irgendetwas erzählen. Aber er war voll da, das konnte man wirklich merken und manchmal, wenn jemand etwas gesagt hat, was er nicht gemeint hat, hat er den Kopf gedreht. Aber er was sich des Selbst weiter bewusst und er hatte weiter Hingabe an Gott und er hat weiter gedient, auch damit. Also selbst wenn es einen dementen Selbstverwirklichten gäbe, selbst wenn er sich an nichts mehr erinnern könnte und selbst wenn er viele Fähigkeiten verlieren würde: sein Bewusstsein würde immer noch in Brahman ruhen. Aber wie gesagt, mir ist kein großer Yogi bekannt, der dement geworden ist und Swami Vishnu-devananda hatte nach dem Schlaganfall nach einer Weile auch wieder mehr geistige Fähigkeiten zurück bekommen und er war sehr klar bis zum Ende.

Ist Selbverwirklichung egoistisch?

Frage: “Ist es nicht egoistisch, aus dem Kreislauf von Geburt und Tod austreten zu wollen und die anderen im Leid schmoren zu lassen?”
Nicht wirklich. Denn sie könnten sich wieder inkarnieren, wenn sie das wollten zum Wohl anderer. Das ist so eine Frage. Mal angenommen, du bist aus deinem Traum aufgewacht. Könntest du dich jetzt wieder in den Traum inkarnieren, um den anderen im Traum zu helfen? Du könntest dich natürlich hinein versetzen, dich hinlegen und genau die Traumbilder von der Nacht vorher dir vergegenwärtigen. Dann würdest du vielleicht in den gleichen Traum hineinschlafen, triffst vielleicht die gleichen Leute und könntest ihnen helfen. Aber wäre das sinnvoll? Wenn du weißt, alle Menschen im Traum sind nur Traumgestalten des einen Bewusstseins und wenn ich aufgewacht bin, dann sind die anderen damit eigentlich auch aufgewacht.