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Vedanta im Alltag

Wir kommen zum letzten Teil dieses Seminars, dieser Weiterbildung, der Beschäftigung mit dem Viveka-Chudamani und da ist es noch mal besonders wichtig, dass ihr euch vergegenwärtigt, dass das Studium dieser Schrift und die Behandlung mit diesen großartigen Weisheiten etwas Wichtiges ist. Es mag zwischendurch etwas theoretisch klingen und man mag überlegen manchmal, „Was hat das mit meinem praktischen Leben zu tun?“, aber es hat sehr viel mit dem praktischen Leben zu tun, es hat sehr viel mit dem Alltag zu tun, es hilft uns nämlich, das zu erkennen, was tatsächlich wichtig ist. Auf gewisse Weise ist Jnana Yoga nicht der Aufregendste alle Wege. Es gibt keine Farben der Chakras, es gibt nicht ständig irgendwas Neues und angenommen, ich hätte euch jetzt während dieser Woche mit Sanskrit-Worten bombardiert und euch alles über Jahad Lakshana, Jahad-Ajahad Lakshana und Bhagatyaga Lakshana und die 22 Nyayas und noch mal alle Wiederholungen aller 5 Koshas, wäre sehr theoretisch gewesen. Obgleich ich das vielleicht auch irgendwann mal mache. Aber nicht umsonst habe ich am Anfang relativ viel interpretiert über dieses Mumukshutwa und das gilt es sich wieder bewusst zu machen. Mumukshutwa, der intensive Wunsch nach Befreiung. Manchmal kommen dann natürlich auch verschiedene Prüfungen auf dem Weg. Am Anfang sagt man, „Ja, ich will die Befreiung erreichen.“, aber wehe, es gab nicht genügend Kartoffeln. „Ich bin eins mit dem Unendlichen. Ich bin nicht dieser Körper, nicht diese Gedanken.“ aber wehe, jemand hat mich schräg angeschaut. Man kann ruhig sich ärgern, man kann ruhig schlechter Laune sein, alles o.k. Vom Jnana-Yoga-Standpunkt aus ist das letztlich unerheblich. Auch – erinnert euch – es gibt die Shatsampat 1. Grades und 2. Grades. 1. Grades wäre diese Gleichmut, man wird gar nicht mehr berührt davon. Shatsampat höheren Grades oder einfacheren Grades, könnte man auch sagen, ist, man hat ruhig auch Emotionen, aber man identifiziert sich nicht damit. Denn letztlich sind auch die Emotionen nicht unsere eigenen Emotionen, die laufen irgendwo ab. Geärgert haben sich schon so viele andere Menschen. Glaubt ihr das? Oder glaubt ihr, dass euer persönlicher Ärger der einzige ist in diesem Universum? Mindestens ist er der schlimmste oder der besonderste, oder? Oder, dass euer Wunsch nach irgend etwas so besonders ist? Letztlich laufen kosmische Geschehen in jedem einzelnen ab. Das ist so ähnlich, angenommen, ihr fahrt mit dem Zug von hier nach Kassel-Wilhelmshöhe und dann schaut man dort raus und man sieht, wie wunderschön die Landschaft ist und aus jedem Fenster guckt jemand anderes raus und sieht die gleiche Landschaft. Ist das jetzt meine persönliche Erfahrung? Wie viel Millionen Fahrgäste haben schon die schöne Landschaft dort gesehen. Letztlich läuft Erfahrung ab, aber wir sind nicht diese Erfahrung. Und wenn ihr jetzt die Intensität von Mumukshutwa und die Intensität des Wunsches, die Wahrheit zu erfahren, weiter steigert, dann kann es noch die nächsten Tage besonders tief werden und kann besonders viel bedeuten.

Der Jivanmukta, der Erleuchtete, der Heilige

Und so ist die Erfahrung eines Jivanmuktas, der Jivanmukti erreicht hat. Nirvikalpa Samadhi führt zu Jivanmukti, also lebendige Befreiung. Der lebendig Befreite ist weiter im luziden Traumbewusstsein. Er weiß, dass die Welt, wie er sie wahrnimmt, eine Traumwelt ist, er weiß aber auch, „Ich bin das unsterbliche Selbst. Alle anderen sind auch das unsterbliche Selbst und hinter allen steckt nur Brahman.“ Er kann dort jederzeit rausgehen und in Nirvikalpa Samadhi verharren, er kann aber auch jederzeit wieder in diese Traumwelt hineingehen als Jivanmukta. Dann ist manchmal die Frage, sollte man allen im Traum nicht helfen, aufzuwachen? Könnt ihr mal selbst überlegen. Wenn ihr das nächste Mal träumt und aufgewacht seid, könnt ihr überlegen, „Will ich jetzt aufgewacht bleiben oder noch mal probieren, in meinen Traum heute Nacht hineinzukommen, um dann jedem im Traum zu erzählen, wach doch auf. Und erst, wenn alle in meinem Traum, alle zehn Milliarden Menschen, von denen ich im Traum geträumt hatte, aufgewacht sind, dann komme ich ins normale Leben zurück.“ Dann wärt ihr eine Weile beschäftigt. Glücklicherweise in unserem Traum ist so was gar nicht möglich, das Wachbewusstsein wird uns aus dem Traum irgendwann herausholen. Und so gibt es jenseits der Traumwelt, der Wachtraumwelt, gibt es Brahman, das Unendliche und das Ewige. Und es gilt, dass wir, solange wir im Traum sind, uns dessen bewusst sind, dass wir im Traum sind, dass alles eine Manifestation von Brahman ist, dass jeder, mit dem wir zu tun haben, nichts anderes ist als eine andere Traumgestalt, dass wir aber im Tiefsten eins sind mit dem anderen. So wie ein Traum für den Wachen, für den Menschen aus dem Wachzustand, irgendeine Bedeutung hat, die aber der Traummensch nicht verstehen kann. Die moderne Psychologie gibt ja viele Gründe, weshalb es gut ist, dass man träumt und weshalb es wichtig ist, dass man träumt. Aber die Traumgestalt weiß nicht, warum der, der träumt, träumt, aber er erfüllt seinen Part. So ähnlich, in dieser Wachwelt wissen wir auch nicht Hundertprozent, warum diese Welt so ist und was unsere Aufgaben sind. Wir leben unser Leben in dieser Traumwelt, führen es so gut, wie wir können, aber lassen ganz – letztlich auch irgendwie – los und können das Ganze etwas entspannter angehen. Aber es gilt, unseren Part zu spielen, es gilt, ihn richtig zu spielen, es gilt, uns der Einheit von allen bewusst zu werden, bewusst zu werden, dass wir eins sind mit jedem, mit dem wir es zu tun haben, dem angenehmsten Zeitgenossen und dem unangenehmsten und es gilt auch letztlich, aufzuwachen. Das unterscheidet vielleicht den Wachzustand vom Traumzustand. Aus dem Traumzustand wacht man von selbst auf, aus diesem Wachzustand nicht ganz so. Wir können zwar auch im Traumzustand etwas dafür tun, um aufzuwachen. Wenn man irgendwie eine Ahnung hat, dass man träumt, dann kann es einem im Traum gelingen, aus dem Traum auch herauszukommen. Auch die Erfahrung hatte ich so ab und zu mal gemacht, wo irgendwo ein unangenehmer Traum ist, aber irgendwo weiß ich, „Das kann nicht richtig sein, das ist ein Traum und jetzt wache ich auf.“, dann gelingt es tatsächlich auch, aufzuwachen. Aber meistens wacht man ja einfach so auf. Und so ist es hier. Wenn wir uns bewusst werden, „Ich träume, ich will aufwachen.“ dann können wir uns bemühen, aufzuwachen und wenn die Zeit reif ist, wachen wir auch tatsächlich auf.

Der Geist, die Psyche, im Lichte von Vedanta

„Das Gemüt, das in den Augen und anderen Organen wohnt, leuchtet nur als Widerschein des höchsten Lichtes, weil es den Körper fälschlicherweise für das Ich hält.“ (Viveka-Chudamani, Vers 103)
Ich habe jetzt auch wieder einige Verse übersprungen, wo er über Antarkarana spricht, über das innere Instrument, über unseren Geist und dann sagt er, unser Geist ist eine Widerspiegelung des höchsten Lichtes. Also alles, was wir innerlich dort handeln und tun und unsere beschränkte Bewusstheit, ist eine Widerspiegelung des höchsten Lichtes. Und dann identifizieren wir uns noch dazu mit diesem Körper. Und dann geht es ja noch weiter. Und dann identifizieren wir uns mit unserem Besitz. Und wir identifizieren uns auch noch über unsere Mitmenschen. „Mein Mann, mein Kind, meine Mutter, mein Chef, meine Schüler, mein Lehrer, mein usw.“ Auch hier, ich hatte gerade vorher über Liebe gesprochen, wenn wir uns zu sehr identifizieren, gibt es wieder ein Problem, denn wir identifizieren uns ja noch nicht mal mit der Person, so wie sie ist, sondern wir identifizieren uns mit dem Bild der Person. Z.B. in der Zweierbeziehung gibt es am Anfang eine Wahrnehmungsverschiebung. Es gibt irgendwelche Hormone, die werden ausgeschüttet, die sorgen dafür, dass man sich ähnlicher wahrnimmt, als man ist und dann denkt man noch, „Gut, achtzig Prozent sind wir gleich, zehn Prozent faszinierend anders und das ist auch gut so, und die restlichen zehn Prozent, die krieg ich auch noch hin.“ So in der Vorstellung, „Den anderen werde ich schon noch erziehen.“ Und das denken dann beide. Konsequenz ist – muss nicht gleich Trennung sein. Ich muss erstmal eine Langfristperspektive eröffnen. Aber Konsequenz ist, nach einer Weile ist diese Wahrnehmungsverschiebung vorbei, diese verschiedenen Verliebtheitshormone sind weg, die Pranaverbindung nicht mehr ganz so intensiv, die Erinnerung an frühere Gemeinsamkeiten aus früheren Leben, derer man sich nicht bewusst ist, dass es aus früheren Leben ist, verblasst etwas und beide verändern sich etwas. Und plötzlich ist man stärker anders und der andere weigert sich, allen Erziehungsversuchen zu folgen. Und deshalb, wenn die Identifikation sehr stark ist, gibt es dann Probleme. Oder wenn einer sich nur über den anderen definiert. Es heißt, dass es in früheren Zeiten bei Frauen so war, dass sie sich nur über den Mann identifiziert haben. Andererseits, wenn man Romane aus der Zeit von Goethe und Schiller liest, das hat auch schon damals nicht gestimmt. Aber mindestens denken manche so, dass das mal so gewesen ist. Aber wenn man diese Art von enger Identifikation hat, dann ist es eben Liebe, die zu Leid führen muss. Oder genauso auch bei Kindern, genauso auch bei Eltern, die sind eigenständige Persönlichkeiten. Und wenn man noch  dazu auf einer relativen Ebene sagt, „Jeder, den ich sehe, war schon mal meine Mutter.“ Ich weiß nicht, habt ihr schon mal darüber nachgedacht? Ich habe euch das jetzt schon mehrmals erzählt. Habt ihr schon mal rumgeguckt, „Aha, Mami vom früheren Leben. Papi vom früheren Leben. Sohn, Tochter, Bruder, Schwester.“ Bei Millionen von Leben und wo es noch dazu heißt, dass wir durchaus in ähnlichen Clustern uns wieder inkarnieren. Also jeder, mit dem wir jetzt zu tun haben, war schon mal Mutter oder Vater. Wenn ich euch das so oft erzähle, dann versuche ich euch ja tatsächlich zu animieren, mal zu überlegen, „Ah, Mami, Papi.“ So innerlich. Das hilft dann auch. Verbundenheit und es hilft einen auch etwas, sich von Verhaftungen zu lösen. Natürlich, wer jetzt in diesem Leben tatsächlich Kinder ist, hat man eine besondere Verantwortung. Also, viele Identifikationen sind möglich und wir wollen uns davon lösen.

Glück und Wonne ist deine wahre Natur

Die dritte Eigenschaft des Selbst ist Ananda. Ananda heißt Wonne. Es gibt manche Reinvedantins, die sagen, in den ältesten Upanishaden gibt es nur Sat und Chid. Ananda kommt erst später rein. Denn Ananda, Wonne, klingt schon wieder so emotional. Und dann, „Wir sind alle glücklich.“ oder „Froh zu sein bedarf es wenig.“ oder „Alle Menschen wollen glücklich sein.“ Ich glaube, das könnte gleich zum Schlager werden, wie es Tausende von anderen Schlagern gibt. Aber Ananda ist ein tiefes Konzept, welches aber auch besagt, auch unsere relative Fröhlichkeit ist eine Widerspiegelung von Ananda. Ananda, dieses Glück, ergibt sich auch wieder aus letztlich einer Analyse unserer Erfahrung. Angenommen, wir fühlen uns sehr bei uns selbst. Angenommen, wir fühlen uns verbunden mit anderen Wesen. Angenommen, wir spüren, „Ich bin das Bewusstsein hinter allem.“ Frage, ist das jetzt ein neutrales Gefühl? Ist das irgendwo statuenhaft, „Ich fühle mich halt eins mit allem.“? Nein. Wenn man diese Grenzen von Körper und Emotionen mal transzendiert hat, wenn man sich ausgedehnt fühlt, wenn man irgendwo merkt, „Ja, ich bin das Bewusstsein hinter allem.“, welches sich auf einer relativen Ebene als reine, bedingungslose Liebe manifestiert, dann ist das Ananda, Wonne. Wenn man wirklich bei sich ist, ist es Ananda, Wonne. Und die vedantische Analyse auch vom relativen Glück, besagt ja, auch relatives Glück ist nichts anderes als eine Widerspiegelung unserer Seele. So wie Patanjali sagt, „Yogas Chitta Vritti Nirodha. – Yoga ist das zur Ruhe bringen der Gedanken im Geist. Tada Drastuh Svarupe Vasthanam. – Dann ruht der Sehende in seinem Wesen.“ Immer dann, wenn unser Geist vorübergehend konzentriert ist, ist Wonne da. Also angenommen, ihr macht eine Tätigkeit sehr konzentriert, dann macht die typischerweise Spaß, man freut sich. Angenommen, man ist mit einem Menschen zusammen, man mag ihn sehr und fühlt sich bedingungslos angenommen, Geist ist ruhig, Freude manifestiert sich. Angenommen, man hatte einen Wunsch und der Wunsch wird erfüllt, vorübergehend gibt es keinen anderen Wunsch, dann ist man glücklich. Das Glück stammt nicht von dem anderen Menschen, das Glück stammt nicht von dem Objekt der Wunscherfüllung, das Glück stammt nicht von der Tätigkeit, die man macht, sondern das Glück strahlt von innen. Sowie unser Geist ruhig ist, sowie unser Geist konzentriert ist, kann unsere innere Natur sich manifestieren und die ist Glück. Das übrigens hat eine ganz wichtige, sehr praktische Konsequenz. Angenommen, ihr wollt mal etwas glücklicher sein. Kann ja mal sein, dass ihr im Alltag irgendwie wahrnehmt, „Ich bin nicht glücklich genug.“ Was kann man dann einfach machen? Viele Möglichkeiten. Die eine wäre, einen Moment die Augen schließen, sich bewusstmachen, „Satchidananda Swarupoham.“ Zweite Möglichkeit, eine Tätigkeit machen, wo man ganz konzentriert dabei ist. Eventuell sogar, das klingt jetzt sehr weltlich, sich ein Ziel setzen. Sagen, „Ich will jetzt in soundso viel Minuten Tausend Meter laufen.“ Und dann erreicht man das Ziel und dann ist man vorübergehend glücklich. Vielleicht auch vorübergehend platt, aber die Plattigkeit kann man ja gut verbinden mit Glück. Das eine schließt ja das andere nicht aus. Wir können also spielerisch mit uns selbst umgehen. Also, Satchidananda. Aus dieser Bewusstheit heraus wird das Leben letztlich schön, erfüllend und spielerischer.

Vedanta Tipp: Du bist nicht die Persönlichkeit

„Ich bin auch nicht die Persönlichkeit.“, das wird jetzt vielleicht noch schwieriger. Der westliche Mensch identifiziert sich mit seiner Persönlichkeit. „Ich bin ein Künstler. Ich bin Vata, Pitta. Ich bin ein spiritueller Aspirant. Ich bin eine liebevolle Frau. Ich bin ein No-Nonsense-Mann, der sich nicht von Emotionen…“ Also, Menschen identifizieren sich mit Persönlichkeit. Auch Persönlichkeit kann sich ändern. Angenommen, jemand identifiziert sich über sein unglaublich tolles Gedächtnis. Irgendwann stellt er fest, „Es gibt jemand anderes, der kann besser sich an etwas erinnern als ich.“ Oder angenommen, man identifiziert sich darüber, was für ein wunderbar guter Geigenspieler man ist. Und dann stürzt man und die rechte Hand ist nicht mehr voll funktionsfähig. Also, „All das bin ich nicht.“ All das sind Instrumente, all das sind temporäre Leihgaben und es gilt, wir können es nutzen, wir können es genießen, wir können dankbar dafür sein. Wir haben Aufgaben bekommen und für die Aufgaben haben wir Instrumente bekommen, diese nutzen wir. Nur parallel haben wir eine weitere Aufgabe bekommen, nämlich zu erkennen „Jiva Brahmaiva Naparah. Meine wahre Natur ist Brahman.“ und wir müssen aufhören, uns mit diesem Raumanzug zu identifizieren, mit diesen Instrumenten, den inneren und äußeren, zu identifizieren. Wenn wir das erreicht haben, haben wir eigentlich alles erreicht. Dann geht das Leben immer noch weiter. Wir werden weiter essen und aufs Klo gehen, wir werden weiter mit Menschen zu tun haben, es wird weiter Emotionen geben, aber es sind eben unsere Instrumente, wir können spielerisch damit umgehen und wir werden nicht erschlagen von all dem. Und da möchte ich euch ermutigen, mindestens bis zum 14:00 Uhr Vortrag, euch vielleicht mal ein bisschen bewusst zu werden, vielleicht mindestens ein paar Minuten in der Mittagspause, „Mit was identifiziere ich mich in besonderem Maße?“ Für manche ist es Besitz. Für manche ist es ein Attribut ihres Körpers. Für manche sind es ihre Liebsten. Für manche ist es die Aufgabe, die sie haben, die Pflicht. Für manche ist es ein Charakterzug. Für manche ist es eine bestimmte Art, das Leben zu leben. Könnt ihr schauen, „Womit identifiziere ich mich? Worüber definiere ich mich?“ Und dann werdet ihr euch bewusst, „Ich bin das nicht wirklich. Das ist ein Attribut, das ist ein Instrument, das ist letztlich etwas, was zwar wertvoll ist, aber es kann mir auch jederzeit weggenommen werden und ich bleibe immer noch ich.“ Und wenn ihr das so ein bisschen spürt, gerade gegenüber dem, womit man sich am stärksten identifiziert, dann hat man große Freiheit und aus dieser großen Freiheit kommt dann auch das, was Krishna in der Bhagavad Gita nennt, „Yoga Karmasu Kaushalam. Yoga ist Geschick im Handeln.“ Im Handeln, nicht im, der Welt fliehen. Wer bin ich?

Entwickle Gleichmut gegenüber den Sinneserfahrungen

Sankaracharya schreibt von der Gleichgültigkeit, „gegenüber allen Dingen der Sinneserfahrungen, die vergänglich sind und gesehen, gehört oder sonst wie wahrgenommen werden, vom Körper bis zum Schöpfergott.“ Also, es geht sehr weit. Betrifft nicht nur Dinge der physischen Welt. Auf der einen Ebene gibt es natürlich Dinge, und da nehme ich an, da seid ihr inzwischen etwas losgelöst. Obgleich ich feststelle, so ganz stimmt das auch nicht. Manche Menschen erwarten, dass sie in irgendeiner Form eine Belohnung kriegen oder viele wollen eine Anerkennung haben und hängen daran. Manche hängen an irgendwelchen eben, dass es irgendwo Vergnügen ist und auf eine gewisse Weise, Asanas sind auch ein Vergnügen. Wir können an so vielem hängen. Alles, was Erwartungen sind. Deshalb finde ich das so schön, diese erste Definition, die er dort hatte, nicht an den Früchten der Handlungen hängen. Im Grunde genommen sagt das ja der Krishna an allen möglichen Stellen immer wieder. Und hier eben auch, „Vom Körper bis zum Schöpfergott.“ Da müsst ihr wissen, so im indischen Glauben denkt man, irgendwann, wenn man ausreichend gutes Karma angehäuft hat, muss man sich nicht wieder in diesem physischen Körper inkarnieren, mit all seinen Leiden und Gebrechen. Dann können wir uns inkarnieren als Engelswesen, dann werden wir vielleicht ein Engel. Man braucht nicht krank zu werden. Ein Engel kriegt keine Schlangenbisse. Er kriegt keine Erkältung, keine Grippe, bricht sich nicht die Beine, hat keine Rückenprobleme, keine Ischiasbeschwerden, keine Borreliose, keine Schweinegrippe, kein Rheuma, Arthritis usw., keinen Krebs. Also, es hat schon seine Vorteile, so einen Engelskörper zu haben. Und dann gibt es niedere Engel und es gibt höhere Engel. Und so in der indischen Mythologie heißt es dann, wenn man den großen Wunsch hat, ein Leben zu haben, ohne körperliche Gebrechen und gute Handlungen gemacht hat – also viele uneigennützige Dinge getan hat – aber gleichzeitig den großen Wunsch, ein Leben ohne Krankheit und körperliche Gebrechen zu haben, dann inkarniert man sich als Engelswesen. Wenn man dabei wenig Prana hat, dann ist man ein niederes Engelswesen und wenn man aber viel Pranayama geübt hat, dann inkarniert man sich als höheres Engelswesen. Es gibt sogar Schriften, die beschreiben, wie viel Pranayama man machen muss, um Indra zu werden. Und wie viel Tapas. Oder um ein Manu von einem Zeitalter zu werden usw. Oder sogar, wir können dann in einem neuen Zeitalter Brahma werden, ein Schöpfergott. Vom vedantischen Standpunkt aus ist das alles unerheblich. Wir sollten nicht die spirituellen Praktiken machen, um im nächsten Leben zum Engelswesen zu werden. Um so besser, da vermutlich die Mehrheit von euch nicht an so was glaubt. Oder vielleicht der ein oder andere von euch nicht an so etwas glaubt. Also, spielt keine Rolle, ob ihr daran glaubt oder nicht, es ist nicht Ziel der Yogapraktiken, ein Engel zu werden. Auch nicht, in den Himmel zu kommen, im Sinne von, es gibt ja auch im Christentum dann irgendwo, man kommt in den Himmel und dann spielt man Harfe und lobpreist… Ich weiß, an welchen Film ihr jetzt alle denkt. Ich glaubt, Karl Valentin oder irgendjemand der „Luja sag i“ oder so ähnlich. Ein Bayer im Himmel. Ein Münchner im Himmel. Ich weiß, schon als Kind habe ich mir überlegt, als ich dort irgendwie gelesen habe, wie so der Himmel sein soll oder in der Kirche, der Pfarrer hat durchaus ausgemalt, wie der Himmel ist. Der erste Pfarrer, das war noch einer von der alten Schule, der hat über die Hölle gewettert und den Himmel ausgemalt und wie man dann zu Füßen Gottes sitzt. Da habe ich so überlegt, „Wie viele können dort zu Füßen von Gott gleichzeitig sitzen? Irgendwie muss es doch übervölkert sein inzwischen.“ Oder diese Himmelsausmalungen. Oder selbst auch in Indien, die sind ja nicht besser mit ihren Ausmalungen von den Himmeln, wo dann irgendwo der weiße Elefant ist und dann, als besonders wichtig gilt so ein Sonnenschirm dort. Unser Regenschirm, den wir ja haben, ist ja erfunden worden von den Indern. Aber nicht als Regenschirm, sondern als Sonnenschirm. Dann hat man nur festgestellt, im Monsun sind die auch ganz hilfreich und die Engländer haben dann natürlich festgestellt, in England sind solche Schirme ganz besonders hilfreich und dann sind sie auch nach Deutschland gekommen. Ein solches Leben, wenn man überlegt, wäre letztlich langweilig. Und wie dann die Himmel beschrieben werden, das kann nicht das Ziel der Existenz sein und in Indien heißt es dann ja auch, damit ist es nicht geschafft. Dann heißt es sogar, man muss dann, wenn man Engelswesen war, sich noch mal inkarnieren in einem menschlichen Körper, um dann zum Höchsten zu kommen. Aber ganz so eindeutig sind da die Schriften nicht, es gibt auch solche, die sagen, man kann auch als Engelswesen dann die Verhaftung an den Engelskörper lösen, um dann von dort direkt zu Brahman zu kommen. Aber manche sagen, vom Engelskörper muss man zurück zum menschlichen Körper, um noch mal alles Vergängliche richtig zu spüren und dann zu sagen, „Wieder Engel zu werden und dann wieder zurückzukehren, ist es nicht wert, ich will nur zum Höchsten kommen.“ Daher, volles Vairagya ist der Gleichmut gegenüber alldem.

Engagement ist gut – und besser noch gepaart ohne Anhaften

Engagiert sein, ist gut. Und ein engagiertes Leben ist gut. Intensive Erfahrungen manchen – oder es muss auch nicht intensiv sein – aber Erfahrungen machen ist gut. Patanjali hat ja auch diesen Ansatz, obgleich auch er dann irgendwann von Viveka Khyati spricht, als eine der Mittel zur Befreiung. Aber es geht eben darum, nicht an den Früchten zu hängen. Also z.B., irgendwo sich zu engagieren und seine Partnerschaft zu entwickeln, ist gut. Wenn sie trotzdem in die Brüche geht, dann ist es halt so. Dann hat man eine Weile Liebeskummer, eine Weile Trennungsschmerz und danach geht es dann auch weiter. Diese Erfahrung von dem Leiden in der Trennungsphase war auch eine wichtige Erfahrung. Man soll auch nicht daran hängen, dass es immer nur schön ist. Oder man hat ein Kind und das Kind geht irgendwann aus dem Haus. Ist auch normal, dass man dann vielleicht ein bisschen trauert oder vorübergehend vielleicht froh ist und dann kommt doch die Trauer wieder rein. Gut, manche hoffen, dass der 30-jährige Sohn endlich irgendwann das Haus verlässt. Muss auch gar nicht sein. Mehrgenerationenhaushalte waren durchaus auch in früheren Zeiten sehr üblich. Aber dann anschließend loslassen. Oder Belohnung. Jetzt hat man in diesem Leben so viel Gutes getan und hat sich um sein Kind so gekümmert und jetzt ist man 70, 80 Jahre und undankbare Menschen. Ist nicht einfach für Mütter und Väter. Und diejenigen von euch, die Kinder haben, die wissen, was ihre Eltern für einen gemacht haben, denn man weiß ja, was man selbst für die Kinder gemacht hat und so viele andere Dinge, die man macht. Und eben noch nicht mal daran hängen, dass wir dann mit gutem Karma belohnt werden. Manchmal fragen Menschen, „Warum ich? Ich war in meinem ganzen Leben so freundlich und dann passiert mir so was Schlimmes.“ Noch schlimmer natürlich z.B., ihr habt ein Yogazentrum aufgebaut, ihr habt einen Schüler gehabt, der war hoffnungslos kaputt bei der ersten Yogastunde. Ihr habt viele Stunden auch Einzelberatungen gemacht, so vieles. Ihr habt, weil er wenig Geld hatte, ihm irgendwo die Kursgebühren reduziert und alles ermöglicht und persönlich assistieren lassen, Yogalehrerausbildung vielleicht sogar machen lassen und dann macht ausgerechnet der, zwei Blöcke weiter, ein eigenes Yogazentrum auf. Und kurz vorher spricht er mit allen euren Schülern und versucht, die noch dazu mitzunehmen. Das passiert gar nicht mal so selten. Erwartet keine Dankbarkeit. Undankbarkeit ist der Welten Lohn. Glücklicherweise nicht nur, Dankbarkeit gibt es auch, aber so häufig erlebt man eben auch Undankbarkeit. Und viele sagen dann, „Nie mehr werde ich mich um jemanden kümmern.“ Oder ein bisschen banaler, irgendwann hatte ich so jemanden in der zweijährigen Yogalehrerausbildung. Sie hat gesagt, sie hat kein Geld und außerdem hat sie aber auch nicht die Möglichkeit, mitzuhelfen. Wir haben ja in den Yoga-Vidya-Zentren oft die Möglichkeit, gegen Mithilfe zu begünstigten Kursgebühren. Ich hab mich breitschlagen lassen und irgendwo hat sie es dann für die Hälfte gekriegt und nach einem Jahr hat sie mir dann stolz irgendwo erzählt, jetzt hätte sie sich einen Pelzmantel gegönnt und das wäre sie sich wert gewesen. Mehrere Tausend Euro. Die gleiche Frau, die mir gesagt hat, sie hätte kein Geld. Daneben, dass ich es für unethisch halte, sich einen Pelzmantel zu kaufen. Ich muss zugeben, das hat mich geärgert. Schon ein paar Tage. Und es hat dazu geführt, dass ich niemandem mehr die Yogalehrerausbildung so stark vergünstigt gegeben habe, ohne dass er mindestens mithilft. Aber trotzdem, nicht hängen an allem. Also, das ist Vairagya. Und Vairagya hilft, man kommt auch darüber wieder weg und weiß, so ist halt die Welt. Und wir wollen keine Löhne erwarten für etwas. Wir helfen noch nicht mal anderen, um ein gutes Karma zu bekommen. Könnte man ja auch machen. Aber Krishna sagt das ja in der Bhagavad Gita, „Wer anderen Gutes tut, um deshalb belohnt zu werden, entweder in diesem Leben, im nächsten Leben oder zwischen zwei Leben, der hat seinen Lohn darin.“, aber spirituell wachsen tun wir nicht. So drückt es ja auch Jesus aus, wo er irgendwo sagt, wer irgendwo Spenden gibt und damit groß rumposaunt. Das ist nichts Schlechtes. Besser, man gibt Spenden und posaunt damit rum, anstatt man gibt keine Spenden. Und irgendwo ein gutes Karma kriegt man auch, nur spirituell wachsen tut man nicht übermäßig.

Vairagya, Nichtanhaften, im Jnana Yoga

Vairagya ist der innere Abstand gegenüber den Dingen der Sinneserfahrungen, die vergänglich sind und gesehen, gehört oder sonst wie wahrgenommen werden, vom Körper bis zum Schöpfergott.“ (Viveka Chudamani von Sankaracharya)
Sankara hat ein paar Verse vorher noch mal Vairagya anders definiert, nämlich, „Gleichgültigkeit darüber, ob man in diesem Leben oder im Jenseits in den Genuss der Früchte für Mühen und getaner Arbeit kommt.“ Das halte ich noch mal für eine besonders schöne Definition. Also, nicht an den Früchten hängen, ist Vairagya. Also, wir können ein sehr engagiertes Leben führen und gerade Meister des ganzheitlichen Yogas, wie Swami Sivananda und Swami Vishnu-devanandadevAnanda, haben ja diesen engagierten Yoga auch gelehrt. Und hier wiederum kommt Patanjali ins Spiel, der ja sogar sagt, wir kommen deshalb in dieses Leben, zum einen, um Erfahrungen zu machen und zum anderen, um die Kräfte zu erfahren, also zum einen, verschiedenste Erfahrungen zu machen und zum anderen, die Kräfte zu erfahren, die in uns stecken und in der Prakriti. Patanjali hat ja durchaus so einen modernen Ansatz, es geht darum, sich zu entfalten, mehr zu tun und zu schauen, „Was steckt noch in mir drin?“ und das dort umzusetzen. Also, Patanjali ist das Gegenteil von, sich aus allem zurückziehen, „Ich will nicht diesen Stress im Beruf haben und Stress in der Familie, auch keinen Stress, ein Yogazentrum zu leiten. Ich mache drei Stunden am Tag ein bisschen irgendetwas, ansonsten lebe ich von Sozialhilfe, Erbschaft, von dem, was mein Mann nach Hause transportiert oder wie auch immer.“ Ich habe gestern jemanden mit starker Kaphastörung erlebt. Habt ihr das alles mitgekriegt die drei? Ich glaube, alle konnten irgendwo genial mit Vata-, Pitta- und Kaphaübersteuerung… Also, das ist nicht das, was das ganzheitliche Yoga lehrt, sich aus allem zurückzuziehen. Gut, ein reiner Jnana Yogi könnte das vielleicht auch machen.

Sukha Ananada Viveka – Unterscheidung zwischen vergänglichem und ewigem Glück

Wir hatten bis jetzt behandelt: Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen. Unterscheidung zwischem zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen. Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst. Jetzt fehlt noch eine Unterscheidung. Zwischen dem, was dauerhaft glücklich macht und dem, was nur vorübergehend glücklich macht. Letztlich die Unterscheidung zwischen Sukha und Ananda, wobei die Ausdrücke nicht immer so konsequent getrennt sind. Also wir finden z.B. in der Pratama Sotra „Sat Chit Sukham“ als Ausdruck des Selbst. Also „Sukha“ kann je nach Kontext auch wie „Ananda“ verwendet werden. Aber zwischen Vergnügen und Wonne. Die Wonne ist letztlich unsere wahre Natur, Vergnügen ist gespiegelte Freude und weil es gespiegelt ist und letztlich das Objekt, das es spiegelt vergänglich ist, ist auch die Freude vergänglich. Freude an sich ist eigentlich ein Ausdruck unseres höchsten Wesens. Und angenommen, man schaut eine Rose an und freut sich, die Freude an sich ist einfach eine Widerspiegelung der Freude, die wir selbst haben oder man kann auch sagen, die Freude, die hinter allem ist, auch die Rose. Aber angenommen, man bräuchte bloß eine Rose, um dauerhaft glücklich zu sein, dann müssten wir einfach ein paar Rosen dort hinstellen und eine Rose gibt ein Glücksgefühl, zwei Rosen doppelt soviel Glück und wenn wir dann hundert Rosen hinstellen, dann hundertfaches Glück. Klappt das so? Ihr wisst alle, nein. Vielleicht erinnern sich manche daran, euer Liebster hat euch zum ersten Mal in euerem Leben eine Rose gebracht. Wie war das? Himmlisch. Und angenommen, er bringt dann jeden Tag eine neue Rose und vielleicht sogar jeden Tag eine mehr. Wie ist das? Irgendwie langweilig, er könnte sich auch mal was anderes einfallen lassen. Also, äußere Objekte können vorübergehend einem Freude geben und die vedantische Interpretation von Freude ist ja, dass sie einem vorübergehend Gedankenstille beschert und deshalb strahlt die Freude des Selbst hervor. Also auch die Rose, die man kriegt von seinem Freund. Oder angenommen, euer Mann hat euch seit zwei Jahren keine Rose mehr geschenkt, ihr kommt nächsten Sonntag nach Hause – oder er holt euch sogar hier ab. Er kommt mit dem Auto hierher gefahren und bringt euch zwanzig rote Rosen, dann seid ihr? Es hängt jetzt von der Art der Beziehung ab. Aber jetzt nehmen wir an, ihr habt nicht dieses gesunde oder ungesunde Misstrauen, dann seid ihr erstmal glücklich. Ist jetzt das Glück von den Rosen oder wegen dem Mann oder wegen was ist es? Yogis würden sagen, in dem Moment sind die Gedanken ruhig. Weil die Gedanken ruhig sind, strahlt Ananda, Wonne dort hervor. Und das ist unsere wahre Natur. Wenn man sich Sorgen macht, dann verhüllen die Gedankenwolken das innere Glück. Sind dann vorübergehend die Sorgen weg, dann kann die Freude des Selbst von sich aus ausstrahlen. Und wenn wir das wissen, dann können wir zum einen die Freuden auch genießen. Dann freut man sich über eine Rose, dann freut man sich, wenn einer einem einen Gefallen tut, ein Kompliment macht, wenn ein Wunsch in Erfüllung geht. Aber wir brauchen nicht daran zu hängen, es ist nicht, dass unser Glück jetzt daran hängt. Angenommen, ihr kommt dann am nächsten Sonntag nach Hause, ihr habt erwartet, dass ihr irgendwo freundlich willkommen geheißen werdet und stattdessen steht so ein Zettel auf dem Küchentisch und da steht, „Ich bin heute Abend zu Freunden gegangen. Vorräte findest du im Kühlfach.“ Dann ist man natürlich typischerweise erstens enttäuscht und zweitens vielleicht misstrauisch. Es lag immerhin ein Zettel da und immerhin ist wenigstens im Gefrierfach irgendwas Essbares. Vielleicht nicht das, was einem schmeckt, nachdem man vielleicht neun Tage oder neun Jahre von Frischkost gelebt hat, aber immerhin hat jemand noch gedacht. Auch hier wird man dann weiter Emotionen haben, aber es ist jetzt nicht so, dass man weiß, „Mein Glücksgefühl hängt jetzt dauerhaft daran.“, sondern, „Meine wahre Natur ist Satchidananda. Bleibt wieder, bleibt so.“ Und letztlich, vom Raja Yoga wissen wir dann, es reicht aus, wenn wir unseren Geist konzentrieren auch auf etwas. Wenn wir unseren Geist konzentrieren auf etwas, in dem Moment sind wir glücklich. Und so ist es durchaus auch o.k., auch ein solches vorübergehendes Glück zu haben, wenn einem irgendetwas Spaß macht. Z.B., ihr seht, ich nehme hier ja alles Mögliche auf und ich muss zugeben, irgendwie amüsiert mich das jetzt alles und angenommen, das funktioniert jetzt, dass mit diesem Mikro die Videoaufnahmen endlich mal einen gescheiten Sound haben und dieses Hintergrundrauschen weg ist. Das ärgert mich irgendwo, dass immer noch keine Möglichkeit gefunden worden ist, dass die Videoaufnahmen wirklich einen guten Sound haben. Angenommen, das wird funktionieren und ich stelle das fest, dann bin ich glücklich. Angenommen, ich stelle nachher fest, dass die ganze Aufnahme verhunzt ist, denn das ist jetzt ein neuer Versuch und ich hatte nicht die Zeit, das vorher auszuprobieren, dann bin ich tatsächlich in dem Moment unglücklich. Aber ich weiß, mein Glück hängt jetzt nicht dauerhaft davon ab und ich werde jetzt nicht explodieren. Oder angenommen, ich stelle nachher fest, die Kabelverbindung, die Steckverbindung hat nicht richtig gesessen. Und wenn ich dann die Kopfhörer aufsetze und die linke Seite ist schön und aus dem rechten kommt dieses Rauschen, dann weiß ich, die Katrin hat den Stecker nicht richtig hineingesteckt, dann werde ich mich erstmal ärgern, denn letztlich, wenn eine Aufnahme nicht funktioniert hat, kann ich ja nicht das Ganze irgendwo hineintun und vermutlich dieses werde ich auch nicht ganz öffentlich zur Verfügung stellen können, aber irgendwo so eine ganz Viveka-Chudamani-Reihe auch als Video, wäre doch ganz schön. Oder zur Verbesserung, dass die Audioaufnahmen besser sind für Mantras, habe ich mir eigentlich vor drei Wochen so ein neues MP3-Gerät angeschafft. Ich bin bis heute nicht dazu gekommen, es auszuprobieren. So ein bisschen was ärgert mich das. Und angenommen, in einer Woche werde ich ja nicht mehr ganz so viel unterrichten, da hoffe ich, dass ich die Zeit habe, das auszuprobieren und mich irgendwie dort hinzusetzen. Und angenommen, ich stelle dann fest, es klappt, dann bin ich auch erstmal glücklich. Angenommen, ich stelle fest, es ist ein Fehlkauf, wie irgendein anderes Mirko für eine Videokamera, dann bin ich erstmal vorübergehend unglücklich. Aber das sind alles harmlose Spielereien. Also, nichts von dem macht mich jetzt dauerhaft glücklich oder unglücklich. Ich muss zugeben, angenommen, ein Teamleiter sagt mir, „Ich will Yoga Vidya verlassen.“, das trifft mich etwas stärker. Oder ein langjähriger Mitarbeiter, muss noch nicht mal Teamleiter sein, einen, den ich noch dazu längere Zeit kenne, der mich schon öfters um Rat gefragt hat, der in den ersten Reihen sitzt, wenn ich Vorträge gebe, da entsteht auch eine bisschen stärkere auch emotionale Nähe, das trifft dann schon stärker. Das ist dann nicht eine Spielerei, sondern da kann ich auch ein, zwei Tage oder eine Woche irgendwo ein emotionales Leiden dort spüren. Bei all dem ist dennoch im Hinterkopf, wo ich weiß, das sind Erfahrungen, die kommen und die Erfahrungen gehen. Hinter allem bleibt eines gleich, nämlich Ananda, Wonne. Die bleibt gleich. Satchidananda bleibt. Die anderen Erfahrungen sind auch da. Sie mögen auch kommen und gehen und wir brauchen nicht zu warten, bis wir all unsere Emotionen und Gedanken unter Kontrolle haben, bis wir die Kundalini vollständig erweckt haben und ins Sahasrara Chakra gebracht haben, wir brauchen nicht so lange warten, wir können jetzt diese Unterscheidung üben und diese Unterscheidung kann einem gleich schon eine gewisse Ruhe geben, einen gewissen Gleichmut und letztlich eine gewisse Bewusstheit, Moksha ist jetzt schon da. Wir brauchen nicht die Verwirklichung auf in hundert Leben zu verschieben. Auch nicht, „Wenn ich noch dreißig Jahre ausreichend die Luft anhalte, dann bin ich glücklich. Letztlich kann diese Viveka und das ist das Schöne am Jnana Yoga, letztlich genauso wie im Bhakti, beim Bhakti kann man auch sagen, „Alles ist Gott. Ich bringe alles Gott dar. Gott ist immer da.“ Gestern hat mir auch noch jemand gesagt, „Muss es denn entweder Jnana oder Bhakti sein?“ Antwort, das kann auch beides zusammen sein. Mensch ist ausreichend vielschichtig. Auf der einen Ebene können wir sagen, „Sarvam Kalvidam Brahman. Alles ist wahrhaftig Brahman.“ Und wir können auch sagen, „Neti Neti. Ich bin nicht dieses und ich bin nicht jenes.“ Auf einer anderen Ebene können wir sagen, „Alles ist wahrhaftig Gott. Alles ist für Gott. Alles tue ich für Gott. Ich lasse alles los. Alles, was kommt, ist Gott. Die schönen, wie auch die weniger schönen Dinge sind Gott.“ Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen platt, wenn ich es jetzt so sage, „Gott liebt mich, egal, was ich mache.“

Löse dich von den Fesseln der Sinnesbegierde

„Jene Unvernünftigen, welche mit den starken, äußerst schwer zerreißbaren Fesseln der Begierde an den Sinnesobjekten gebunden sind, kommen und gehen im Kreislauf der Geburten tief hinunter und hoch hinauf, von ihrem Karma mit Macht getrieben.“ ( 75. Vers Viveka Chudamani von Sankaracharya)
Also, es gibt in dieser Welt ab und zu mal Unvernünftige, die an ihren Körper gebunden sind und an ihre Sinnesobjekte gebunden sind. Solange wir uns identifizieren mit diesen Sinnesobjekten und Begierden danach haben, solange werden wir uns immer wieder inkarnieren. Und hier, so ein Grund, warum man sich weiter inkarniert, sind Wünsche. Und ein zweiter Grund, den er dort nennt, ist Karma. Also, bestimmte Handlungen, die wir gemacht haben, erzeugen Karma, dann haben wir Wünsche, Begierden, das sind zwei Gründe, weshalb wir auf diese Welt kommen. Und dann Patanjali erwähnt auch noch zwei andere Aspekte, die letztlich das bestimmen, was wir erfahren. Das eine ist letztlich, wir brauchen die Erfahrungen, die uns helfen, uns aufzuwecken und dann gibt es auch eben die Aufgabe, unsere Talente und Fähigkeiten und Kräfte irgendwo zu entfalten. Und all das zusammen, kann man sagen, bestimmt unser Leben. Wir kommen hierher in diese Welt, um Erfahrungen zu machen. Wir nehmen diesen Raumanzug an, um Erfahrungen zu machen. Wir nehmen diesen Raumanzug an, um Dinge zu tun und auch unsere Kräfte irgendwo zu entfalten und Talente zu entfalten, weshalb übrigens ein faules Leben zu führen nicht ein Weg zur Befreiung ist. Wir kommen auf diese Welt auch, um letztlich unsere Wünsche und Begierden zu befriedigen. Und wir kommen auch auf die Welt, um die Resultate unserer Handlungen zu erfahren. Auf vieles davon haben wir erstmal wenig Einfluss, auf manches haben wir Einfluss. Und eines, worauf man einen gewissen Einfluss hat, sind unsere Wünsche und Begierden und wenn wir eben erkennen, „Ich bin nicht dieser Körper. Ich bin nicht diese Gedanken.“, dann lösen wir uns etwas von diesen Begierden.

Vedanta Analyse des Körpers

„Der grobstoffliche Körper besteht aus sieben Substanzen, nämlich Mark, Knochen, Fett, Fleisch, Blut, Unterhaut und Oberhaut.“ (Sankara im Viveka Chudamani)
Das sind die so genannten sieben Dhatus. Und diejenigen von euch, die Ayurveda etwas tiefer kennen, die kennen die Sanskrit-Ausdrücke, nehme ich an und das hat auch einen bestimmten Einfluss. Manche Krankheiten befinden sich  in einem Körpergewebe, die anderen in anderen und die anderen in noch einem anderen und die werden auch zum Teil anderes übersetzt, als ihr es hier findet. Jetzt, wenn man hört, Mark, Knochen, Fett, Fleisch, Blut, Unterhaut und Oberhaut, jetzt für die medizinisch gebildeten ist es ein bisschen knapp und vielleicht auch ein bisschen naiv, könnte man sagen. Also, hängt euch nicht daran auf. Aber man kann durchaus auch sagen, es gibt zum einen die Knochen, die kann man spüren und das ist eben auch das, was man irgendwo merkt, da ist halt ein Knochen. Ihr könnt alle mal an irgendeinen Knochen fassen. Manche können an allen Stellen an Knochen fassen und manche vielleicht nur an manchen Stellen. Gut, und dann gibt es da irgendwo Mark, das können wir jetzt nicht erfassen, da können wir nicht hinfassen. Aber man sagt manchmal, es geht durch Mark und Bein, also irgendwo ist da noch Mark und damit haben wir schon einen großen Teil der Kilogramms unseres Körpers. Dann gibt es Fett. Da könnt ihr auch mal hin greifen, wo dort irgendwo Fett ist. Manche können egal wo hin greifen und sie finden Fett und manche finden nirgendwo Fett, aber jeder hat irgendwo Fett. Es ist auch wieder ein Unterschied, ob wir sagen, „Oh, ich bin so dick.“ oder sagen, „Eine der sieben Dhatus ist bei mir in außergewöhnlichem Maße vorhanden.“ Ist ein Unterschied, oder? „Ich muss unbedingt abnehmen.“ oder man kann sagen, „Ich will probieren, eines der sieben Dhatus etwas zu reduzieren, dass die anderen etwas stärker wirksam werden.“, Fett. Dann Fleisch, ist natürlich hier gemeint, Muskelmasse. Haben wir auch. Irgendwo ist dort Muskelmasse und da ist auch wieder ein Unterschied, zu sagen, „Oh, mir tut der Rücken so weh.“, als wenn wir sagen, „Die Muskelmasse im Rücken ist vielleicht etwas verkrampft und verspannt und damit zusammenhängende Gewebe vielleicht auch.“ Gut, Blut haben wir auch und da kann man auch wieder sagen, „Oh, ich habe Bluthochdruck und alles nervt mich.“ oder man kann sagen, irgendwo mit Blut hängen natürlich auch die Gefäße zusammen und alles, „Die Arterienwände sind irgendwo etwas entweder verkrampft oder zu und da fließt jetzt das Blut durch, das gibt Bluthochdruck.“, wird man gucken, ob man da was machen kann. Unterhaut und Oberhaut. Oberhaut, die sehen wir. Auch ein Unterschied, ob wir sagen, „Ich bin nicht schön genug.“ oder „Meine Haut hat Falten.“ oder „Ich bin so ausgetrocknet.“ und gerade Menschen beschäftigen sich ja sehr stark mit ihrer Oberhaut. Ist es ein Millimeter? Wenn überhaupt so viel. Und manche beschäftigen sich dort jeden Morgen eine Stunde mit ihrer Oberhaut und den aus der Oberhaut herauskommenden Haaren, die man noch auf die verschiedensten Weisen färbt oder behandelt oder was auch immer man damit anstellt. Und dann gibt es eben noch eine Unterhaut, die eben darunter ist. Also, auch das kann einem manchmal helfen, das einfach zu sehen. Man kann natürlich auch sagen, „Der Körper ist ein großes Wunder und es ist unglaublich, wie er funktioniert.“, aber eben, „Ich bin das nicht.“ „Er hat Glieder und Teile, wie Füße, Beine, Brust, Arme, Rücken und Kopf.“ Muss ich jetzt gerade daran denken, als ich den so genannten ETTC genommen habe, also die Yogalehrerweiterbildung mit Swami Vishnu-devananda. Er hat dort normalerweise praktisch alles gegeben von morgens bis abends, außer der Yogastunde und einmal hat er so einen Physiologievortrag nicht gegeben und da hat er irgendeine beauftragt, sie soll irgendwas uns dort vorlesen. Und das war dann irgendein Anatomiebuch, ich glaube, für Kinder muss es gewesen sein. Und dann wurde irgendwo gesagt, „Der unterste Teil des Körpers nennt sich die Beine. Ganz unten an den Beinen sind die Füße. Die Füße haben zehn Zehen. Oberhalb der Füße sind die Unterschenkel. Zwischen Unterschenkel und Füßen, die Verbindung wird als Fußgelenke bezeichnet. Oberhalb der Unterschenkel sind die Oberschenkel. Die Verbindung zwischen Unter- und Oberschenkel wird als Knie bezeichnet.“ Am Anfang haben wir nur dumm geguckt. Irgendwann fingen wir an, uns zu kringeln vor Lachen und sie hat das dann auch mit der Stimme dann so gesagt. „Am Rumpf befestigt sind die Arme. Der Mensch hat typischerweise zwei Arme. Die Verbindung zwischen Armen und Rumpf wird Schultern genannt.“ So irgendwo eine Stunde ging es so weiter. Das war die lustigste Anatomiestunde meines Lebens. Und die, die das gemacht hat, das war eigentlich eine kluge Frau. Nachher bin ich irgendwo in so eine Art mystischen Zustand gekommen, der vollkommenen Unidentifikation mit dem Körper. Dann wurde es erst irgendwo klar, das ist der Körper, so banal ist er eigentlich und was identifiziert man sich mit diesem wunderbaren Instrument. Bahir Karana, äußeres Instrument.
„Dieser Körper, gekennzeichnet durch das Bewusstsein von „ich“ und „mein„, die Stätte der Verwirrung, wird von den Weisen grobstofflich genannt. Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde bilden die feinstofflichen Elemente.“
Also, dieser Körper. Und dieser Körper, eben das Nicht-Selbst, wird gekennzeichnet durch das Bewusstsein von „ich“ und „mein„. Also, manche Menschen sagen, „Ich bin dieser Körper.“ Z.B., „Ich gehe von hier nach dort.“ oder „Ich sitze hier auf der Bühne.“ Wer sitzt hier auf der Bühne? Nicht ich, sondern der Körper hockt dort auf der Bühne. Ich hocke nicht auf der Bühne, ich bin überall, allgegenwärtig, allmächtig, allwissend, eins, jeder von euch. Auch ihr hockt nicht dort unten und hört zu, sondern ihr seid das allumfassende Bewusstsein. Wer hockt dort? Der Körper. Ein Körper hockt hier und spricht und andere Körper hocken da unten und hören zu.
Dann ist alles eine Halluzination und unsere Wunschvorstellung, das nennt sich Maya. Du hast keine Seele gesehen ohne Körper, ist richtig. Gesehen. Empfunden, das ist eine Frage. Du kannst so ähnlich sagen, „Ich habe keine Bakterie gesehen, ohne Mikroskop.“ Bin ich deshalb das Mikroskop? Als Kind habe ich ein Mikroskop gehabt und das haben mir irgendwann meine Eltern geschenkt, sie wollten so ein bisschen, dass wir uns wissenschaftlich interessieren und dann haben wir – Bakterien vermutlich nicht – aber so Kleinstteile gesehen, ist jetzt schon lange her, könnten sogar Bakterien gewesen sein. Jetzt die Frage. Ich habe noch nie eine Bakterie gesehen, ohne Mikroskop. Frage. Bin ich das Mikroskop? Eine nächste Sache. Ich habe noch nie mit einem Bekannten in Amerika Bekanntschaft aufgenommen, ohne Computer, in den letzten zehn Jahren. Bin ich jetzt der Computer? Oder ich bin ja aktiv in allen möglichen Internetcommunities, wie der ein oder andere von euch mitgekriegt hat. Da gibt es z.B. einen, der nennt sich Amit und den treffe ich manchmal auf Facebook, manchmal auf my.yoga-vidya, manchmal auf ein paar anderen Communities, auf Guru, ist eine andere Communitiy. Also, da treffe ich den ab und zu mal. Und wir unterhalten uns und er hat mir schon einiges erzählt über sich. Ich habe aber noch nie mit ihm Kontakt aufgenommen über ein anderes Medium als über den Computer. Frage, bin ich der Computer? Bin ich das Internet? Nein, natürlich nicht. Auch wenn ich einen Computer brauche, um mit anderen Leuten Kontakt aufzunehmen, bin ich deshalb noch lange nicht mein Computer. Und auch, wenn ich das Internet brauche, bin ich noch lange nicht das Internet. Und auch, wenn ich sage, „Das ist mein Computer.“, ist es noch lange nicht mein Computer. Körper ist ein Instrument, er wird deshalb auch das Instrument genannt. Also, Körper ist das grobstoffliche Instrument, Bahir Karana auch genannt oder auch Sthula Sharira, dieser Körper. Aber wir sagen, „Ich, ich bin dieser Körper.“ Die radikalste Erkenntnis, „Ich bin nicht dieser Körper.“, entspringt, wenn man mal eine so genannte OOB-Erahrung hatte, Out-of-Body-Experience. Das heißt, manchen geht es so, in der Tiefenentspannung verlassen sie den physischen Körper oder auch in der Meditation oder manchmal auch in irgendwelchen extremen Situationen des Alltags und sehen sich von oben. Sogar soweit, dass sie dann Sachen sehen können, die sie vorher nicht gesehen haben, an die sie sich nachher im physischen Körper erinnern können. Soweit, dass es Operationen z.B. gibt, wo Menschen zwar unter Anästhesie sind, aber nachher beschreiben, was der Arzt gemacht hat und aus einer Perspektive, die sie nicht von unten hätten sehen können. Es gibt Menschen, die klinisch tot waren und dann beschrieben haben, was die Verwandten im Nachbarzimmer erzählt haben. Also, es ist Wahrnehmung auch möglich, ohne physischen Körper. So ähnlich wie mit Amit, könnte ich auch Kontakt aufnehmen ohne Computer. Z.B. irgendwann war er auf der Cebit gewesen und da wollte er mich eigentlich treffen, aber da war gerade eine Zeit, wo ich ein paar Tage lang in keiner Sozial-Communitiy war und als ich ihm geantwortet habe, war er wieder in Bombay gewesen oder wo auch immer, er dann gewesen ist. Also, ich hätte ihn sehr wohl physisch treffen können. Auch wenn ich normalerweise den Computer brauche, um mit Amit zu sprechen, kann ich mich auch mit ihm unterhalten ohne Computer. Telefon wäre auch möglich und ich spreche auch mit verschiedenen Computern. Ich nutze letztlich nicht nur einen Computer, mal bin ich unten, mal bin ich oben oder ich könnte auch mit irgendwelchen mobilen Geräten… So eben auch, zwar mag es jetzt momentan sein, dass wir vieles nur wahrnehmen über den physischen Körper, aber es ist auch möglich, Dinge wahrzunehmen ohne physischen Körper. Also, ich bin nicht der physische Körper. Und auch, es ist nicht mein physischer Körper. Wir sagen so schön, „Das ist meine Hand.“ Warum ist es meine Hand? Man kann natürlich fragen, wessen Hand soll es sonst sein? Aber es gehört einem nicht in dem Sinne, dass es ein dauerhafter Besitz ist. Es kann schon sein, dass heute Nachmittag die Hand weg ist. Ich plane z.B., heute Nachmittag mit dem Fahrrad zu fahren. Das ist jetzt kein außergewöhnlicher Entschluss, das mache ich fast jeden Tag. Ich werde jetzt nicht weiter diese Phantasie ausbauen, aber wir wissen nicht, was uns gehört. Also eigentlich ist es nur eine temporäre Leihgabe. Natürlich eine, um die wir uns auch kümmern müssen. Natürlich werde ich auch alle Vorsichtsmaßnahmen treffen und achte auch meine Bremsen und alles. Und nachdem ich vor ein paar Jahren öfters vom Fahrrad gefallen bin, habe ich mindestens in Kurven und mindestens im Herbst meine Geschwindigkeit erheblich gedrosselt. Sturzhelm, ich habe sogar aufgehört, einen Helm zu tragen, denn solange ich Helm getragen habe, bin ich ständig heruntergefallen. Das scheint irgendeine Wirkung zu haben. Aber ich will das jetzt auch nicht weiter ausbauen. Aber genauso wenig bin ich mein Körper, gehört mir mein Körper, wie, es gehört mir mein Fahrrad. Mein Fahrrad gehört mir auch nicht, auch wenn ich sage, es ist mein Fahrrad. Auch das kann einem jeden Moment genommen werden. Und diejenigen, die in Großstädten wohnen, wissen, dass das etwas sehr Realistisches ist. Als ich in Frankfurt war, mir sind nur zwei Fahrräder geklaut worden, der Eva-Maria ist in den fünf Jahren, glaube ich, jedes Jahr irgendein Fahrrad geklaut worden. Das war uns dann aber nicht mehr weiter tragisch, denn man kauft sich in einer Großstadt entweder kein Fahrrad oder Schlösser, die fast so teuer sind wie ein Fahrrad. Und dann, als ich eine Weile im Westerwald war, dort sind mir regelmäßig die Fahrräder kaputtgegangen, weil das sind außergewöhnliche Belastungen dort. Bis ich mir dann irgendwann ein gutes Fahrrad gekauft habe und das habe ich heute noch, weshalb ich da vielleicht eine gewisse Verhaftung dran entwickelt habe. Aber es könnte mir jeden Tag genommen werden. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, ein Fahrrad ist eine temporäre Leihgabe, die ich habe. Selbst wenn ich dafür bezahlt habe, ich habe dort nicht den Besitz am Fahrrad, sondern ich habe eine, man kann sagen, Leasingrate bezahlt, wobei die Verträge unklar sind. Das heißt, wir wissen nicht, für wie lange dieser Vertrag jetzt ist. Es kann heute weg sein, es kann auch noch ein paar Jahre dauern. Und so ist es eben auch mit dem Körper. Der Körper, den haben wir bekommen, vielleicht das wertvollste Geschenk, nicht nur vielleicht, sondern das wertvollste Geschenk, dass wir in diesem physischen Universum haben können. Gut, Geschenk stimmt auch wieder nicht. Die wertvollste Leihgabe, die wir bekommen haben und es gilt, dass wir uns um diese Leihgabe kümmern, dass wir dankbar dafür sind, dass wir alles tun, damit wir mit dieser Leihgabe als äußeres Instrument alles Mögliche tun können, aber wir sind nicht dieser Körper. Eine Analogie, die ich in letzter Zeit gerne wiederhole in diesem Kontext, ist die Analogie eines Raumanzuges. Angenommen, wir wollten als Menschen den Mars besiedeln. Und ich habe vor kurzem mal so eine interessante, flammende Rede gehört, eigentlich war es eine Hörsendung, warum Menschen den Weltraum besiedeln sollten. Da sagt er, es sieht so auch, als ob in dieser Ecke des Weltraums nur auf der Erde intelligentes Leben ist. Aber die Erde ist ein ausgesprochen sensibler Planet. Braucht bloß irgendein Komet darauf zu fall und das machen regelmäßig Kometen, es braucht nur einen größeren Vulkanausbruch zu geben und auch das hat es regelmäßig gegeben. Alle paar Millionen Jahre gab es auf der Erde einen so großen Vulkanausbruch, dass doch ein relativ hoher Anteil von Tierarten ausgestorben ist. Vor fünfzig bis sechzig Millionen Jahren gab es wahrscheinlich einen Meteoriten, der auf die Erde gefallen ist und alle Dinosaurier umgebracht hat. Manche sagen, es war doch ein Vulkanausbruch. Da gab es jedenfalls um eine ähnliche Zeit einen Meteoriteneinschlag und nur wenige hunderttausend Jahre später einen größeren Vulkanausbruch. Also, das Leben hier könnte jederzeit zu Ende gehen und dann wäre es doch eine Verantwortung des Menschen, dafür zu sorgen, dass nicht, wenn eine dieser regelmäßig passierenden kosmischen Ereignisse kommt, das Leben auf der Erde dann auslöscht. Also wäre es klug, dass Mensch verschiedene Planeten besiedelt. Sei jetzt vieles von dem, was dort behauptet wird, dahingestellt, aber eine interessante Aussage. Jetzt angenommen, wir wollen den Mars besiedeln. Dann kann man natürlich auf der einen Seite – und das wird so diskutiert – riesen Glaskuppeln schaffen mit einer künstlichen Schwerkraft und einer künstlichen Atmosphäre und hätte dann solche Art von Kolonien. Wäre eine Möglichkeit. Eine andere Möglichkeit wäre, Mensch bekommt eine spezielle Art von Raumanzug. Und zwar einen Raumanzug, der ganz genial ist. Einer, der zum einen das Temperaturempfinden modifiziert, denn auf dem Mars gibt es sehr viel höhere Temperaturen und sehr viel niedrigere Temperaturen als auf der Erde. Der Unterschied zwischen Tag und Nacht ist sehr viel höher und von einen Teil auf den anderen, also muss das Temperaturspektrum mit dem Raumanzug reduziert werden und natürlich am günstigsten zwischen plus 15 und plus 35 Grad, so hat der Mensch irgendwo ein Temperaturempfinden. Dann ist natürlich am besten, dass man da hindurch tasten kann. Also, wenn jemand anderes über den Raumanzug streichelt, dann spürt man irgendwo diese angenehme Empfindung, denn Mensch braucht Streicheleinheiten. Und des Weiteren, dass die Gerüche, also es braucht irgendeinen Filter. Es gibt eine Atmosphäre auf dem Mars, die nicht so ist wie hier, also muss dort irgendwo ein Filter sein, der dort solche Stoffe beim Ein- und Ausatmen durchlässt und wieder rauslässt, dass das irgendwie funktioniert. Dass die Partikel auf dem Mars so umgewandelt werden, dass, wenn man ein- und ausatmet, man Gerüche wahrnimmt. Dass also unsere Nase irgendwo das riechen kann. Auch der Hörsinn muss irgendwo modifiziert werden und natürlich kann man das noch endlos weiterbauen. So etwas ist theoretisch denkbar. Und diese eine Hörsendung, die ich dort gehört habe, hat gesagt, das wird es in fünfzig bis hundert Jahren auch geben. Und dann, noch genialer wäre es, wir würden den Raumanzug schon bei der Geburt bekommen oder kurz danach und der würde mit uns mitwachsen. Jetzt Preisfrage. Angenommen, wir gehen dann durch die Gegend, was würden wir von diesem Raumanzug annehmen? Das bin ich. Ich bin der Raumanzug. Und es ist mein Raumanzug und ich bin der Raumanzug. Nehmen wir an, der ist dann so sehr mit dem Körper verbunden, der kann auch nicht mehr abgenommen werden, nur durch eine schwere Operation. Oder nehmen wir mal an, die Medizin schreitet so lange weiter, dass wir dann recht alt werden können und nehmen wir an, nach hundert Jahren muss der Raumanzug gewechselt werden, aber man könnte ihn auch noch länger beibehalten. Was denkt ihr, würde die Leute den Raumanzug wechseln oder ihn beibehalten wollen? Können wir jetzt viel spekulieren. Ihr könnt einen Moment darüber nachdenken, was ihr denkt. Und jetzt die große Aussage ist, dieser Körper ist unser Raumanzug. Wir sind ein Wesen, dass keinen Körper hat, aber um auf dieser Welt zu funktionieren, haben wir einen Raumanzug bekommen, diesen Körper. Und dieser Körper gibt alle Sinneserfahrungen auf der physischen Welt so weiter, dass die Sinneswahrnehmungen – und die Yogis behaupten ja, dass die ganzen Indriyas in der Manomaya- oder Pranamaya Kosha sind. Also, dieser Raumanzug Körper wandelt die Impulse so um, dass alles, was Sinneserfahrungen auf der physischen Welt sind, eben mit der Manomaya Kosha verbunden ist und dass die Jnana Indriyas, die Wahrnehmungsorgange, diese Dinge der physischen Welt wahrnehmen können. Und das, was wir mit unserem Astralkörper tun wollen, Karma Indriyas, dass diese Impulse in den physischen Körper reingehen und auf der physischen Ebene wir Dinge tun. Also, physischer Körper wie ein Raumanzug, den wir für diese physische Welt brauchen. Vor dem Hintergrund ist auch übrigens denkbar, dass wir auch auf anderen Planteten leben können. Vielleicht nicht in diesem Sonnensystem, da scheint es mindestens unwahrscheinlich zu sein, dass es dort mindestens größere Lebewesen gibt. Bei Bakterien sind sich die Wissenschaftler uneinig. Man hat irgendwo auf der Antarktis irgendwelche Meteoriten gefunden, wo manche Wissenschaftler behaupten, da sind irgendwelche Bakterien gefunden worden, die es auf der Erde nicht gibt und niemals gegeben habe, andere bezweifeln das. Vor ein paar Jahren wurde das als sicher dargestellt, dass man auf einem Meteoriten Spuren von nicht irdischem Leben gefunden hat. Einige behaupten das auch weiter, andere bezweifeln das. Aber mindestens die Mehrheit der Zukunftsforscher, die ich höre, gehen davon aus, dass es auf dem Mars irgendwelches Leben gibt oder gegeben hat, aber eben keines, dass eine gewisse nennenswerte Größe hat. Aber in irgendeinem anderen Universum, die Leute dort müssen ja nicht zwei Beine und zwei Hände gehabt haben und die gleiche Schwerkraft und irgendwo diese Zusammensetzung der Atmosphäre gebraucht haben, Leben ist auch in anderen Kontexten möglich. Braucht man halt eine andere Art von Körper-Raumanzug. Also, das ist hier der grobstoffliche Körper. Da könnt ihr mal so ein bisschen vielleicht heute darüber nachdenken und mal so zu überlegen, angenommen, der physische Körper wäre ein Raumanzug. Dann könnt ihr einfach mal so gucken, das könnt ihr auch jetzt machen. Nehmt mal durch euren Raumanzug ein paar bewusste Atemzüge. Hebt mal irgendwo den rechten Arm eures Raumanzuges hoch oder den linken oder was ihr jetzt gerade wollt, aber macht irgendwas. Da könnt ihr tatsächlich merken, „Ja, irgendwo, ich gebe einen Impuls und das hebe ich hoch.“ Aber ihr wisst, es geht nicht alles. Z.B. jetzt, hebt mal euren Raumanzug als Ganzes einen Meter hoch. Wäre jetzt schön, wenn das einer machen würde. Also, der Raumanzug hat seine Grenzen oder Begrenzungen. Natürlich ist das eine Analogie. Das ist jetzt eine moderne Analogie, die selbstverständlich ihre Grenzen hat. Also, der besteht aus dem Grobstofflichen. Und dann heißt es noch, dieser grobstoffliche Körper, der besteht dann aus Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Das entspricht vielleicht heute nicht so ganz unserer modernen Wissenschaft, ist ein anderes Körperverständnis. Ich lese es trotzdem mal vor.

Karma und Demenz

Frage: Kann ein Demenzkranker neues Karma schaffen?
Grundsätzlich gilt beim Gesetz des Karmas: jetzt neues Karma zu schaffen, tut man dann, wenn man selbstbestimmt handelt. Also mal angenommen, ein dreijähriges Kind kommt in eine kleine Prügelei und dabei stößt es jemand anders vielleicht vom Balkon runter oder es stolpert jemand anderes. Er schafft sich dadurch kein neues Karma. Auch ein Dreijähriger hat schon ein Schuldgefühl. Er muss damit leben, dass er vielleicht seinem Spielkameraden dauerhaften Schaden zugefügt hat. Aber das ist mehr sein Karma, durch das er wachsen muss, aber er schafft sich dadurch kein neues Karma. Genauso angenommen, jemand ist durch eine Krankheit nicht mehr im Besitz seiner geistigen Fähigkeiten. Was er dann in diesem Zustand macht, schafft kein neues Karma, sondern das, was er jetzt erlebt mit einem irgendwo eingeschränkt funktionierenden Geist, ist auch eine wertvolle menschliche Erfahrung, durch die er oder sie wachsen kann.