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Nächstenliebe und Vedanta Jnana Yoga

Liebe deinen nächsten wie dich selbst.“ So heißt es in der Bibel. So ist die Lehre fast aller Religionen. Das heißt, man sollte auch sich selbst lieben. Nicht selbstverliebt sein.. Aber auch der eigene Charakter ist irgendwo liebenswert und verstehbar. Da hat ja die moderne psychologische Forschung und die Evolutionsbiologie und die Paläontopsychologie uns auch einiges geholfen. Wisst ihr, was Paläontopsychologie ist? Paläonto ist die Steinzeit, Paläontopsychologie wird jetzt momentan in der Populärpsychologie relativ populär. Da wird so alles erklärt aus der Steinzeit heraus. Also z.B. angenommen, man hat sich in der Steinzeit irgendwo gefreut und es ist alles toll und man hat das Leben genossen und hat die Schönheit der Natur gesehen und den Himmel und es war alles so meditativ, voller Vertrauen dort und dann kam ein Säbelzahntiger und man fand den auch ganz toll und dann wurde man gefressen und konnte seine Gene nicht weitergeben. Dagegen jemand, der hat was Schönes gesehen und er hat gedacht, „Das mag jetzt schön sein, aber wo ist der Säbelzahntiger?“, der hat überlebt. Und deshalb hat heute die Mehrheit der Menschen, wenn irgendwas schön ist, können wir es kurz genießen und dann schauen wir, wo ist der Haken dort hinter. Und wenn irgendwo alles gut ist, irgendwie werden wir in Sicherheit gewiegt, da muss irgendwas Schlimmes noch kommen. Oder angenommen, man hat ein kleines Geräusch gehört. Der eine, der sich gedacht hat, „Geräusche hin oder her, ist nicht weiter tragisch. Ich bleibe jetzt ruhig und genieße weiter meinen Atem oder die Schönheit der Rose vor mir.“ Gut, normale Rosen gab es damals nicht, aber es gab auch schöne Blumen. Und dann kam der Bär und hat einen gefressen. Währenddessen der andere, der hat irgendwas gesehen, ist zusammengezuckt, „Was ist da los irgendwo im Wald?“ und der hat überlebt. Deshalb, diejenige, die sich wegen Kleinigkeiten aufregen, hatten in früheren Zeiten einen Überlebensvorteil. Wenn ihr also merkt, dass ihr euch öfters über Kleinigkeiten aufregt, jetzt wisst ihr, warum. Und noch dazu, in einer Horde von Menschen ist es eigentlich durchaus gut, wenn es ein paar gibt, die so ein bisschen gleichmütiger sind, aber es muss ein paar geben, die sich wegen jeder Kleinigkeit sofort aufregen und erschrecken. Wenn dort nämlich eine Horde von zehn bis dreißig Menschen ist – was man annimmt, so groß waren so die Horden, mit denen die Menschen durch die Gegend gelaufen sind – und da reicht es ja aus, wenn da eins, zwei oder drei so hochschrecken. Dann können sie die anderen warnen. Und deshalb, wenn ihr also feststellt, ihr gehört zu denen – früher hat man, glaube ich, HB-Männchen oder so ähnlich gesagt – die wegen jeder Kleinigkeit an die Decke springen, dann wisst ihr, „Ja, in früheren Zeiten war mein Temperament überlebensnotwendig für meinen Stamm.“ Ist vielleicht heute nicht mehr ganz angemessen, aber durchaus menschlich verständlich. Oder auch, zu jeder Horde braucht es ein paar Unkonventionelle, die immer alles von einem anderen Blickwinkel aus gesehen haben und mit denen die anderen nichts anfangen konnten. Aber die haben dann die verrückten Erfindungen gemacht. Deshalb sind wir heute nicht mehr in der Steinzeit, weil irgendjemand mal auf die verrückte Idee gekommen ist, statt vor dem Feuer wegzurennen, sich das mal anzugucken und zu schauen, könnte das vielleicht für irgendwas nützlich sein. Vollkommen verrückte Idee. Wenn ihr also Menschen seid, die öfters verrückte Ideen haben und deshalb bei anderen immer wieder anecken, dann wisst ihr, ist irgendwo überlebensnotwendig gewesen. Und das wisst ihr nicht nur für euch selbst, sondern ihr könnt auch sagen, das gilt auch für eure Mitmenschen. Da gibt es dort jemanden vielleicht in eurem Team oder in eurer Familie, der sich wegen jeder Kleinigkeit immer furchtbar aufregt , da wisst ihr, „Aha, Frühwarnsystem.“ Ab und zu mal kann da ja auch was dran sein. Oder jemand reagiert immer über oder irgendjemand hat diese verrückten Ideen und kann bei nichts bleiben, dann wisst ihr, hat auch irgendwo seine Funktion. Und nicht nur, es hatte seine Funktion, es hat auch häufig heute seine Funktion.

Teil 27 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.

Die edlen Tugenden des Vedanta als Grundlage des Jnana Yoga

Wir sind im Viveka-Chudamani, Kleinod der Unterscheidung, Vers 22. Sankara spricht jetzt über die Shatsampat, die sechs edlen Tugenden. Er spricht gerade über Sadhana Chatushtaya, die vier Hauptgrundlagen oder die vier Eigenschaften, die ein Aspirant braucht, um die höchste Wahrheit erfassen zu können. Wenn wir das so genau anschauen, wie er das so alles definiert, ist das eigentlich schon so hoch definiert, dass man sagen kann, da wird man sein ganzes Leben daran arbeiten. Und so ist es letztlich auch. Und es heißt ja auch, je weiter wir auf dem spirituellen Weg sind, umso weiter schreiten wir fort in diesen Sadhana Chatushtayas. Und das ist auch das, was man sich regelmäßig fragen kann, „Bin ich in diesen Sadhana Chatushtayas, schreite ich dort voran oder eben nicht?“ Und wenn man dort feststellt, dass man nicht dort voranschreitet, dann gilt es wieder, die Perspektive im Leben richtig zu setzen. Es ist letztlich auch, die Sadhana Chatushtaya läuft letztlich auf Grundwerte hinaus. Was ist wirklich wichtig im Leben? Und um dahin zu kommen, braucht es eine Viveka, eine Unterscheidungskraft, dort gibt es die Vairagya und es gibt Mumukshutwa, der intensive Wunsch nach Befreiung, den er ja eigentlich ganz am Anfang erwähnt hat, als er von den drei großen Schätzen spricht, die es im Universum gibt. Und er schreibt das nochmals als Teil der Sadhana Chatushtaya, der Vierheit. Die sechs edlen Tugenden, also Shatsampat, Shat heißt sechs, Sampati ist eigentlich auch wieder Reichtümer. Das ist auch das, was wieder besonders wertvoll ist. Das sind auch wieder die sechs Kostbarkeiten, kann man auch sagen. Aber es wird eben auch gesagt, die sechs Eigenschaften, die kostbaren Eigenschaften, die man entwickeln kann. Sie werden auch gerne genannt, die sechs Eigenschaften der Gelassenheit oder die sechs Eigenschaften der Gleichmut. Das ist Sama, Dama, Uparati, Titiksha, Shraddha und Samadhana. Und wir finden in verschiedenen Schriften und verschiedenen Kommentaren diese sechs Eigenschaften auf unterschiedliche Weise definiert. Wir werden gleich hören, was Sankara dazu sagt. Zunächst mal, eine einfache, praktische Weise wäre die folgende Interpretation, die Swami Krishnananda gerne gebraucht hat und die dann auch Shri Kartikeyan, wenn er hier gesprochen hat über die sechs Eigenschaften, so gerne verwendet hat. Das ist dann relativ praktikabel. Sankara gebraucht es auf einem sehr hohen Niveau, er gibt uns immer sehr hohe Ideale, die oft so hoch sind, dass man denkt, das ist ein bisschen weit weg. Wenn man aber weiß, er kommt aus Südindien und die Südinder haben eine gewisse Neigung zur Übertreibung und dann wisst, man darf das nicht gleich wörtlich nehmen, sonst ist man eher entmutigt. Man muss natürlich sagen, der Selbstverwirklichte hat das so vollständig, wie es der Sankara dort schreibt. Aber es sind ja eigentlich die Eigenschaften für einen Neuaspiranten, der zum Lehrer gehen will, um etwas zu lernen. Und jetzt von einem einfacheren Standpunkt aus heißt Sama, Gleichmut bewahren. Dama heißt, die Sinne zu beherrschen. Uparati heißt, den Ort zu meiden. Titiksha heißt, etwas aushalten können. Shraddha heißt Vertrauen und Samadhana ist die tiefe Gelassenheit. So, jetzt hat keiner das mitschreiben können. Alle haben einen gewissen Gesichtsausdruck. Aber es macht nichts, ich kann es ja noch mal langsam sagen. Also Sama heißt, Ruhe bewahren. Das ist jetzt einfach formuliert. Dama heißt, Sinne kontrollieren. Uparati heißt meiden. Das klingt komisch, aber in dieser einfachen Erläuterung. Titiksha heißt, etwas aushalten können. Shraddha heißt Vertrauen und Samadhana, kann man sagen, ist Gelassenheit. Und das ist erstmal auch so wie eine vereinfachende Leiter. Also angenommen, irgendetwas passiert, was nicht so angenehm ist. Am besten wäre es, man ist Sama, man bleibt geistig ruhig. Also angenommen z.B., ihr freut euch auf einen wunderschönen Spaziergang in der Mittagspause und dann regnet es und nicht nur ein bisschen. Und dann kann man eben sagen, Sama, „Macht nichts. Dann werde ich halt nass. Oder dann gehe ich halt irgendwo durch die Hallen hier, ist auch genug Platz.“ Oder nehmen wir noch ein anderes Beispiel. Irgendjemand macht etwas, was man nicht gerne hat. Sama ist, man bleibt ruhig. Aber wenn man das nicht kann, angenommen, man bleibt nicht ruhig, man hat jetzt den intensiven Impuls, den anderen anzubrüllen oder noch schlimmer, ihm eine zu boxen, dann tritt mindestens Dama in Kraft und Dama heißt Sinnesbeherrschung, wobei dort vor allem die Karma Indriyas gemeint sind, also die Handlungssinne, Handlungsorgane. Also, wenigstens brüllt man nicht los und wenigstens schlägt man den anderen nicht in Ohnmacht. Also Dama, man beherrscht seine Sinne. Wenn man weiß, das wird einem nicht zu lange gelingen, denn der andere erzählt weiter Unsinn, dann gilt Uparati. Dann findet man eine halbwegs freundliche Entschuldigung, den Ort des Geschehens zu verlassen, ehe man sich und andere in Probleme bringt. Und Titiksha heißt dann hier, mit dieser Niederlage, weil man ja als spiritueller Aspirant das Gefühl hat, „Jetzt habe ich schon wieder…“ oder vielleicht hat man sogar trotzdem losgebrüllt. Titiksha, man muss auch das aushalten können, dass man nicht so perfekt ist, wie man eigentlich gehofft hat, dass man ist und dass es einem schon wieder nicht gelungen ist, seine Vorsätze in die Tat umzusetzen. Da muss man auch mit leben können, muss man auch aushalten können, Titiksha. Und dann kommt aber auch Shraddha und Shraddha heißt, das Vertrauen, „Irgendwann wird es mir schon gelingen.“ Es ist eine Frage der Übung und es gilt immer wieder, daran zu bleiben, wieder von vorne zu beginnen und nicht gleich alles in Zweifel stellen, „Oh, jetzt habe ich gerade eine Stunde Pranayama gemacht und trotzdem, als mein Chef irgendwo mir was gesagt hat, dann habe ich es anschließend an meinem Mitarbeiter ausgelassen und habe ihn dafür leiden lassen, dass mein Chef mir vorher irgendwas Dummes gesagt hat.“ Also, da gilt es, man muss das aushalten können, hat aber Vertrauen, irgendwann wird es besser sein. Und hinter allem steckt irgendwo jetzt Samadhana. Jetzt, wenn wir Anfangsstadien nehmen. Samadhana, die Gleichmut, die daraus kommt, letztlich aus der Viveka, „Letztlich, auch wenn ich meinen Gleichmut verloren habe, tief im Inneren bleibe ich immer Brahman. Ich werde nicht deshalb zu einem sündigen, verdammten Menschen, weil es mir jetzt nicht gelingt, so zu sein, wie Krishna das in der Bhagavad Gita beschreibt oder wie Sankara das in den nächsten Versen noch mit höherem Anspruch beschreibt.“ In dieser Interpretation ist Samadhana wie die Gleichmut 2. Grades. Ihr erinnert euch an gestern, ich habe vom 1. Grad gesprochen, wo wir gar nicht unruhig werden und wo unser Geist irgendwo in dieser ewigen Unendlichkeit ruht und deshalb Vairagya höheren Grades auch hat und Viveka. Oder wir wissen, „Auch inmitten von all meiner Unruhe und den Emotionen und was sonst noch alles da ist, ich bleibe Satchidananda. Auch, wenn ich verärgert bin. Auch, wenn ich wieder eine Dummheit gemacht habe.“, tief im Hintergrund, „Nicht ich habe die gemacht“, sondern wer hat die gemacht? Dieser Körper in Verbindung mit diesen Emotionen und Samskaras und VAsanas und dieses Chitta, wer diese Ausdrücke kennt. Manchmal hilft es nämlich, Ausdrücke in einer Sprache zu nehmen, mit der man sich nicht so identifiziert. Wenn man sagt, „Oh, ich war wieder so ärgerlich.“, ist eine Sache. Zu sagen, „Mein Chitta war wieder so rajasig und da ist ein Krodha in seiner tamasigen Form zum Vorschein gekommen, mit einer relativ großen Shakti verbunden. Das ist nicht so tragisch wie, „Ich habe mich wieder so total geärgert und bin so ein schlimmer Mensch.“ Versteht ihr das? Also, Samadhana. Und das ist wie eine schöne Jnana-Yoga-Weise wie man mit seinem Geist umgehen kann. Natürlich, am besten ist, uns ärgert es nicht, wenn jemand uns beschimpft. Oder was ich oft merke, was in Yogakreisen Menschen noch mehr ärgert, ist, wenn sie hören, dass jemand anderes gesagt hätte, er hätte gehört, dass jemand viertes gesprochen hätte, dass man sich falsch verhalten hätte. Oder irgendwo, gestern habe ich eine Email gehabt von jemanden, der hat gesagt, er hätte gehört, dass in manchen Kreisen man schlecht über mich sprechen würde. Ist schlimm, oder? Was auch immer das heißen mag. Er hat gehört, dass jemand anderes gesagt hätte, dass usw. Also, irgendwo scheint das spirituelle Menschen fast noch mehr zu berühren. „Wenn er mir das wenigstens gesagt hätte.“ Aber Menschen sind so, wie sie sind. Also angenommen, jemand spricht zu einem direkt positiv und dann hört man, hinterrücks hätte er nicht so positiv gesprochen. Ist das wirklich ein Heuchler? Nicht wirklich. Menschen sind komplex genug und manchmal brauchen sie jemanden, mit dem sie irgendwie mal etwas besprechen müssen. Nichtsdestotrotz, ihr selbst solltet das natürlich nicht machen, über andere hinterrücks negativ sprechen, während ihr nach vorne positiv sprecht. Aber zunächst mal Ruhe bewahren und irgendwo erkennen, jeder Mensch lebt in seiner eigenen Maya und seinem eigenen Universum und in seiner eigenen Illusion und irgendwo wird jeder auch seine Gründe haben, so zu handeln und zu denken, wie er es tut. Und ich handle eben so, wie es notwendig ist, aus dieser Sama, dieser inneren Gelassenheit. Wenn das nicht möglich ist, dann vermeidet man wenigstens, „Dem werde ich es zeigen.“ und dann hinterrücks, vielleicht noch dazu anonym, irgendwelche Tipps dort geben, was das für ein schlimmer Mensch ist, sondern das vermeidet man. Im Alten Testament wird es relativ brutal ausgedrückt, „Mein ist die Rache, spricht der Herr.“ Das soll im Wesentlichen heißen, Karma erledigt die Aufgaben selbst. Es liegt nicht an uns, anderen die Lektionen zu erteilen. Versteht ihr das? Es gibt vielleicht die Ausnahme. Angenommen, ihr habt eine Verantwortung für einen Menschen, z.B. für eure Kinder. Oder z.B. ihr habt Mitarbeiter. Gut, dann gilt es schon, auch Feedback zu geben und man muss schon dann das tun, was nötig ist. Aber nicht jetzt einfach, um eine Lektion zu geben, „Dem werde ich es zeigen.“, Rachegedanken und aus einem falsch verstandenen Gerechtigkeitssinn. Und notfalls muss man eben Dama beherrschen oder notfalls den Ort des Geschehens verlassen, Uparati, eine Weile Abstand gewinnen, eine Nacht darüber schlafen, ein paar Gläser kaltes Wasser trinken.
Hier widerspreche ich jetzt, aber auch vom Ayurveda her, wer ein Pitta-Temperament hat, ist kaltes Wasser durchaus gut, mindestens hier in unseren Breiten. In Indien war kaltes Wasser früher nie gut. Warum? Keimbelastung, Infektionsgefahr. Einer der Gründe für die Warmwasserempfehlung im Ayurveda, das ist eine wichtige Gesundheitsempfehlung. Wasser muss abgekocht sein in Indien. Und auch, im Zweifelsfall gegen Amöben hilft noch nicht mal kurzes Abkochen, sondern es muss ein bisschen länger abgekocht werden. Es gibt manche Keime, die überleben ein kurzes Abkochen. Also, längeres Abkochen. Hier im Westen muss man das nicht ganz so sehen, obgleich auch im Westen Kapha- und Vata-Temperament vermutlich von warmen Wasser irgendwo profitieren, aber ein Pitta-Mensch kann im Westen kaltes Wasser trinken. Und in den meisten Fällen, der banalste Ratschlag zum Umgang mit Ärger ist, eine Nacht darüber schlafen, bevor man reagiert, wenn man etwas hört, was einem nicht passt. Man kann auch sagen, zehn Atemzüge atmen, ist auch schon gut bei kleinerem Ärger, aber manchmal ist ein Tag darüber schlafen gut, Uparati. Und wenn es einem mal nicht gelungen ist, so zu reagieren, dann ist das jetzt auch kein Drama. Wir müssen uns nicht ein dauerhaft schlechtes Gewissen machen. Letztlich, Titiksha, man muss auch damit leben können, dass wir nicht ganz so unseren hohen Idealen dort folgen können. Das muss man auch aushalten können und letztlich heißt es ja auch

Teil 26 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.

Erkenne die Höchste Wahrheit durch Jnana Yoga, nicht durch Karma

„Werke dienen der Läuterung des Herzens, führen aber nicht zur Erkenntnis der Weisheit. Wahrheit erschließt sich durch kritisch unterscheidendes Nachdenken und Abwägen, Vichara, und nicht im Geringsten durch Millionen von Werken.“ So schreibt es Sankara im Werk „Viveka Chudamani“ im 11. Vers. Also, was wir machen an Karma, das sind jetzt Werke, und das sind sowohl wohltätige Werke, das sind Rituale, es sind aber auch Praktiken wie Asanas, Pranayama, Mantrarezitation, das allein führt nicht zur Verwirklichung, aber es führt zur Läuterung des Herzens. Was Ähnliches übrigens sagt auch Patanjali im Yoga Sutra. Im Yoga Sutra spricht Patanjali im 2. Kapitel davon, wie man Avidya, Unwissenheit, überwinden kann, nämlich mit Viveka Khyati. Viveka Khyati, beständige Unterscheidung. Und dann schreibt er danach, „Und um den Geist zu Viveka Khyati zu führen, praktizieren die Yogis sieben Stufen.“ Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana, diese sieben praktizieren wir und das hilft, dass der Geist bereit ist zu Viveka Khyati und dann kommen wir zu Samadhi. Und das finden wir letztlich in allen Yogawegen. Natürlich, der Sankaracharya spricht jetzt von Jnana Yoga und legt großen Wert auf die Viveka, die Unterscheidungskraft. Er sagt, alles andere bereitet einen vor, dass wir Viveka üben, die Unterscheidungskraft. Bhakti Yoga würde es jetzt nicht ganz so sehen. Also, es gibt ja das Bhakti Sutra von Narada und dort wehrt sich sogar der Narada gegen – man könnte sagen – die Vereinnahmung durch die Jnana Yogis. Da heißt es nämlich, manche sagen, dass Bhakti ein Hilfsmittel ist für Jnana. Andere sagen, dass Jnana ein Hilfsmittel ist für Bhakti. Und Narada sagt dann, Bhakti allein ist sich selbst genug und durch Bhakti und Bhakti allein erreicht der Weise die Selbstverwirklichung. Also, er setzt dort etwas anderes hin und sagt, über Bhakti Yoga können wir die Verwirklichung erreichen. Aber Narada würde nicht sagen, wenn wir ausreichend viele Stunden Puja geübt haben, dann haben wir die Selbstverwirklichung erreicht. Und er würde auch nicht sagen, „Wenn du ausreichend Japa geübt hast, erreichst du die Selbstverwirklichung.“ Und auch nicht, „Wenn du soundso viele Stunden Mantras gesungen hast, erreicht zu die Selbstverwirklichung.“ Auch nicht, „Wenn du soviel Quadratmeter deiner Wand mit Götterbildern voll hängst, erreichst du die Selbstverwirklichung.“ Sondern, die Verwirklichung kommt durch Liebe, im Bhakti-Sinn. Alles andere ist Hilfsmittel. Alles andere hilft natürlich. Natürlich, Mantrasingen hilft, Liebe im Herzen zu erzeugen. Wer Pujas macht, kann diese Liebe spüren. In der Homa können wir Liebe spüren. Aber es ist die Liebe letztlich, die im Bhakti zur Verwirklichung führt. Die Liebe, und wenn sie dann zur Verwirklichung führt, wird es als Gnade erfahren. Und dort würden wir nicht sagen, „Ah, ich habe Gott ausreichend verehrt, deshalb habe ich ihn verwirklicht.“ Ich kenne keine Biographie eines Meisters, wo der Meister sagt, „Ja, ich habe Gott stark verehrt und wegen meiner starken Verehrung habe ich ihn verwirklicht.“ Es gibt Meister, die sagen, „Ja, ich habe ihn verwirklicht und du kannst ihn auch verwirklichen. Aber letztlich ist es durch Gnade gekommen.“ Insgesamt wird man sagen können, im Höchsten kommt die Verwirklichung entweder durch Bhakti oder durch Jnana. Ihr lernt hier zwar sechs Yogawege. Was gibt es außer Bhakti und Jnana noch? Raja Yoga, Karma Yoga, Hatha Yoga und Kundalini Yoga. Man kann es auch noch anders einteilen. VivekAnanda hat es nur in vier eingeteilt und Patanjali sagt an einer anderen Stelle, „Yogas Chitta Vritti Nirodha. Yoga ist das Zur-Ruhekommen der Gedanken im Geist. Tada Drashtuh Swarupe Vasthanam. Dann ruht der Sehende in seinem wahren Wesen.“ Ich muss allerdings sagen, mir ist jetzt kein Yogameister der letzten paar hundert Jahre bekannt, der die Selbstverwirklichung dadurch erreicht hatte, dass er seinen Geist hundertprozentig zur Ruhe gebracht hat über systematische Beherrschung des Geistes. Oder im Kundalini Yoga würde man sagen, Kundalini erwecken, ins höchste Chakra. Ist Kundalini im Sahasrara Chakra, ist Shiva und Shakti eins und dann – Selbstverwirklichung. Wiederum kann ich dort sagen, mir ist jetzt keiner bekannt, der die höchste Verwirklichung erreicht hat durch intensive Kudalinipraktiken. Letztlich sind das alles Vorbereitungen und Hilfen. Letztlich, alle großen Meister, wie VivekAnanda, Rama Krishna, wie Sivananda, Ramana Maharshi, Shir Oru Bindu oder auch Papa Ramdas und viele andere, Mutter Krishnabai, Anandamayama, letztlich ist es entweder über Jnana Yoga oder Bhakti Yoga und meistens beides. Der Mensch ist so kompliziert und so komplex, im Raja Yoga müsste man sagen, man muss alle seine Marotten überwinden und dann hat man die Selbstverwirklichung. Den Geist vollständig beherrschen. Jetzt aus euerer Erfahrung, diejenigen, die länger als zehn Jahre praktizieren. Was denkt ihr, zu wie viel Prozent habt ihr euren Geist unter Kontrolle? Wie viel Prozent Fortschritt habt ihr gemacht die letzten zehn Jahre? Also, keiner traut sich jetzt. Nachdem ich so angefangen habe, selbst diejenigen, die jetzt sagen würden, zwanzig Prozent… Ich kann euch aber hier einen Trost geben. Der Trost ist, ihr müsst eueren Geist gar nicht mal so vollständig beherrschen. Oder diejenigen von euch, die intensiv Pranayama üben. Was denkt ihr, wie viel Prozent der notwendigen Kundalinierweckung habt ihr inzwischen erreicht? Wie viel Prozent des Weges ist noch vor euch? „Kann morgen kommen. Vielleicht sind es schon 99 Prozent.“ Und außerdem, wenn wir die ganzen 8.400.000 Inkarnationen dort einsetzen, wenn es noch zehn Inkarnationen sind, habt ihr nur noch ein Millionstel vielleicht noch zu machen. Aber ich will damit eben auch nur sagen, es ist gut, an seinem Geist zu arbeiten, es ist gut, sein Prana zu erhöhen, es ist gut auch, uneigennützigen Dienst zu machen, aber all das sind letztlich Vorbereitungen. Und dann geht es darum, entweder Gott sich ganz hinzugeben und alles, was man macht, Gott darzubringen, einschließlich von all diesen großen Eigenschaften, die man in sich kultiviert hat, einschließlich allem Prana und Kundalinierweckung, einschließlich aller Fehler und Probleme und Neurosen und sonstigen Geschichten, all das bringen wir Gott dar. Und dann kommt die Gottnähe und sie kann klein da sein, sie kann groß da sein. Wir müssen noch nicht mal die volle Verwirklichung haben, um Gott ganz zu spüren. Wir müssen noch nicht mal halbwegs vollkommen sein, um Gottes Gegenwart zu spüren – das ist jetzt Bhakti Yoga – wir können es auch so schon spüren. Und Swami Vishnu-devananda hat uns das gerne auch immer wieder so gesagt. Er hat gesagt, „Auf der einen Ebene, arbeitet an euch selbst und dient anderen. Auf der anderen Ebene letztlich, Gott mag euch, so wie ihr seid. Daher könnt ihr euch auch so darbringen, wie ihr seid, mit allem, was ihr habt.“ Und genauso auch mit Jnana Yoga. Auf der einen Seite ist auch wieder gut, an sich zu arbeiten, aber dann gilt es, sich zu lösen vom Vergänglichen. Wir werden nicht mehr oder weniger, dadurch, dass wir an uns arbeiten. Das hilft, uns zu reinigen, das hilft, uns zu lösen, das hilft uns, Viveka Khyati zu entwickeln, aber letztlich geht es darum, unsere wahre Natur zu erfahren. Und das wiederum kann vielleicht noch heute passieren oder vielleicht nächsten Sonntag, also Sonntag in acht Tagen. Aber vielleicht auch schon jetzt. Und im Kleineren, nehme ich an, habt ihr das alle schon mal erahnt, sonst hättet ihr euch nicht ausgerechnet zu diesem Viveka… Ich weiß ja nicht. Vielleicht seid ihr nur deshalb gekommen, weil Narayani Asanas unterrichtet und jetzt nehmt ihr das auf euch. Oder um das 2-Jahres-Zertifikat zu kriegen, dass die Krankenkassen vielleicht euch eure Kurse bezahlen und dann lasst ihr jetzt diese eigenartige Wortschwelle über euch ergehen. Menschen machen ja vieles, aber ich nehme eigentlich an, ihr seid interessiert an diesem höchsten Wissen und deshalb seid ihr auch hier und ihr habt es auch schon irgendwann mal erahnt. Und diese Aussagen, „Aham Brahmasmi“, haben euch irgendwann schon mal berührt und vielleicht einige von euch so tief berührt, dass sie wissen, „Was auch immer sonst geschieht, so erheblich ist es nicht.“ So wie Swami Sivananda gerne gesungen hat, „Hara Hala Me Almasta Satchidananda Hum. Was auch immer geschieht, ich bleibe immer Sein, Wissen und Glückseligkeit.“ Dieses Bewusstsein ist letztlich die höchste Entspannung. Ähnlich auch wie Bhakti Yoga, wissen, „Gott allein ist und Gott liebt mich so, wie ich bin. Egal, was ich tue, Gott liebt mich trotzdem.“ Auch höchste Entspannung und das, was Bhakti und Jnana letztlich einem gibt. Es gibt einen – obgleich sie beide darauf bestehen auf Mumukshutva – dennoch ein tiefes Gefühl von Entspannung und nimmt uns jegliche Form von Leistungsdruck. Das sollte uns nicht zu trägen Menschen machen, wir sollten weiter Asana, Pranayama, Meditation, Mantrasingen praktizieren, aber wissend, das wirkt auf unsere Koshas. Das, worum es geht, das ist unabhängig davon. „Hara Hala Me Almasta Satchidananda Hum. Was auch immer geschieht, meine wahre Natur ist Sein, Wissen und Glückseligkeit.“

25. Teil der Niederschrift von Vorträgen im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.

Befreie dich von den Fesseln der Seelenwanderung

Krishna sagt in der Bhagavad Gita : „Um sich von den Fesseln der Seelenwanderung zu befreien, müssen die Weisen, die fest Entschlossenen und dazu Bereiten ständig nach Selbstbesinnung streben und den Früchten aller Arbeit entsagen.“
Es geht noch eine Weile weiter. Später geht es tatsächlich auch um das Selbst an sich, aber das sind jetzt erstmal vorbereitende Verse. Also, fest entschlossen sein. Dazu will er uns immer wieder ermutigen, denn es ist so einfach, sich auf Abwege führen zu lassen. So einfach ist es, immer wieder sich mit dem Relativen zu beschäftigen. Dazu, ständig nach Selbstbesinnung streben, immer wieder. Es ist natürlich nicht, dass man jeden Moment daran denken muss, man muss auch irgendwann seinen Lebensunterhalt verdienen, da kann man nicht ständig nur daran denken, aber ständig heißt, jeden Tag. Und es heißt mindestens, bevor man meditiert, während man meditiert, nachdem man meditiert hat. Mindestens zu Anfang der Yogapraxis, am Ende der Yogapraxis, sich bewusst werden, „Wer bin ich? Was will ich damit erreichen? Worum geht es?“ Und dann, „den Früchten aller Arbeit entsagen“, das ist ja das, was Krishna in der Bhagavad Gita immer wieder sagt. Es heißt, es ist schon wichtig zu arbeiten, aber man soll nicht an den Früchten hängen.

24. Teil der Niederschrift von Vorträgen im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.

Seele, was ist das?

Es gibt im Deutschen immer so eine Schwierigkeit, was ist Seele? Normalerweise, wenn wir im Yogakontext das Wort „Seele“ haben, ist damit Atman gemeint. Und wenn man die Psyche und den Geist nimmt, dann ist damit irgendwo eben Chitta gemeint, also die Persönlichkeit, Gedanken, Emotionen, Gefühle, Unterbewusstsein, es wird oft als der Geist bezeichnet. Was man hier als versunkene Seele bezeichnet, dass ist das, was sonst eben als Geist bezeichnet wird. Also, fest gegründet im Yoga. Also schon eine regelmäßige Praxis, das ist auch dort notwendig. Manche nehmen die vorigen Verse so als Ausrede, nichts zu praktizieren. „Ich will alleine das höchste Selbst erkennen, durch Werke ist nichts zu erreichen.“, da macht man sich irgendwie etwas vor. Und es gibt ja auch eine so genannte Neo-https://wiki.yoga-vidya.de/Adwaita-Bewegung. Habt ihr von der schon mal gehört? https://wiki.yoga-vidya.de/Adwaita heißt Nicht-Zweiheit. Und irgendwo sind sie begründet auf Ramana Maharshi, der hat ja im Wesentlichen gesagt, „Erkenne dich selbst. Frage, wer bin ich?“ Und Swami Sivananda hat es so gesagt, „Frage, wer bin ich, erkenne dein Selbst und sei frei.“ Und so diese Neo-https://wiki.yoga-vidya.de/Adwaita-Bewegung hat so einige Lehrer hervorgebracht, die nicht dieses systematische Vedantastudium haben, sich nicht auf Schriften beziehen, nicht die Vorübungen und die Reinigungstechniken und die Praktiken haben, sondern alleine sagen, „Du bist jetzt schon befreit. Du bist jetzt schon eins. Es gibt nichts, was zu tun ist, es sind keine Praktiken nötig, keine Yogaübungen, keine Meditation, gar nichts. Höre einfach auf, dich zu identifizieren mit deinem Körper, deiner Psyche, deinen Emotionen, deiner Persönlichkeit und dann bist du frei.“ Klingt gut, oder? Endlich mal jemand, der uns den Stress wegnimmt. Was ist das Problem dabei? Es hört sich gut an, aber auf die Dauer funktioniert es doch nicht. Und ich habe jetzt auch so einiges beobachtet, ich habe einige dieser Lehrer – ich will jetzt keine Namen nennen – beobachtet. Als die begonnen haben zu lehren, haben sie immer alles einfach dargestellt. Als zweites kam so der Schritt, sie haben festgestellt, so einfach erreichen es die Schüler nicht, dann haben sie längere Retreats gemacht und haben gesagt, „Ihr müsst bei mir sein und ich werde euch in diese höchste Verwirklichung hineinführen.“ Nach ein paar Jahren fangen sie dann an zu sagen, man muss regelmäßig meditieren. Ein paar Jahre weiter empfehlen sie auch sonstige spirituelle Praktiken und einen reinen Lebensstil, uneigennütziges Dienen und irgendwann kommen dann auch noch spirituelle Lieder und Gesänge dazu und wo landen sie irgendwann? Bei einem ganzheitlichen Yogaweg. Und ich halte das für eine positive Entwicklung. Eine ganze Reihe von denen, die längere Zeit dabei sind. Es gibt aber auch andere, die irgendwann vor lauter Frust aufhören, zu unterrichten. Oft sind es solche, die irgendwo versehentlich über die Verwirklichung gestolpert sind. Manchmal verheimlichen sie aber, dass sie schon zehn Jahre vorher lang praktiziert haben. Aber dann plötzlich, aus heiterem Himmel, nachdem sie schon gar nicht mehr gedacht haben, sie können die Verwirklichung erreichen, plötzlich, aus heiterem Himmel, sie tatsächlich erreicht haben. Daher denkt nicht, es gibt diesen ganz einfachen Weg, wo man nichts zu machen braucht, einfach gemütlich leben kann und nur fragen, „Wer bin ich?“, sein Selbst erkennen und frei ist. Letztlich ist es doch ein Weg von tiefer Konsequenz, den man auch gehen muss. Daher sagt schon Sankaracharya, „Fest begründet im Yoga, verwurzelt in der vollendeten Einsicht“, also nicht vollständig drin, sondern verwurzelt. Man weiß, „Ja, es gibt etwas Höheres.“ und dann soll die im Geburtenkreislauf versunkene Seele mit dem reinen Selbst auch emporgehoben werden. So wie Krishna in der Bhagavad Gita sagt, man erhebe sein Selbst mit dem Selbst, man erniedrige nicht sein Selbst mit dem Selbst. „Im Ozean des Geburtenkreislaufs versunken“ Wir sind immer wieder versunken. Versunken, in den Problemen des Alltags, versunken, in den Problemen in der Familie, versunken, in den Problemen im Beruf, versunken, in den Problemen des Yogazentrums, versunken in den Problemen des Selbstmitleids. Ihr könnt euch noch weiter überlegen, wo eure Seele versunken sein kann. Aber wir können sie emporheben und das ist auch letztlich etwas praxisnah. Vedanta ist auch etwas praxisnah, es hat auch eine Wirkung und zwar eine sofortige Wirkung. Wir brauchen nicht wirklich all unsere Probleme dauerhaft aufzuarbeiten. Wir müssen nicht alle Störungen unserer Psyche, die wir in diesem Leben und in hundert anderen Leben angesammelt haben, lösen. Das ist auch manchmal, der westliche Mensch sammelt die ersten 18 Jahre seines Lebens Probleme und die nächsten 70 Jahre reflektiert er darüber. Wir kommen nur so nicht dauerhaft weiter. Es mag mal vorübergehend hilfreich sein, es kann auch manchmal neue Erkenntnisse geben und manchmal auch hilfreich sein, darüber nachzudenken, aber wir sollten dort nicht den größten Teil unseres Lebens damit verbrauchen, die ersten 12 Jahre unseres Lebens auszuarbeiten. Es gibt letztlich keine Kindheit ohne Probleme. Angenommen, die Eltern waren streng, dann gibt es Probleme. Angenommen, die Eltern waren sehr konsequent, dann gibt es Probleme. Angenommen, die Eltern hatten einen Laissez-faire-Erziehungsstil, dann gibt es erst recht Probleme. Und angenommen, die Eltern waren eigentlich sehr liebevoll und deshalb inkonsequent, dann gibt es auch Probleme. Und angenommen, die Eltern waren teilweise konsequent, teilweise inkonsequent, teilweise laissez-faire und teilweise streng, was gibt es dann? Alle Probleme. 95 Prozent aller Eltern bemühen sich, ihren Kindern das Beste zu geben, was sie geben können. Und 95 Prozent der Kinder haben im späteren Alter das Gefühl, dass ihre Eltern ihnen so viele Probleme geschaffen haben. Jeder, der jemals eine Psychoanalyse mitgemacht hat, wird sicher auf massig Probleme kommen, die die Eltern guten Glaubens einem mitgegeben haben. Also, ich will jetzt nicht nur meckern darüber, es kann auch hilfreich sein, manche Handlungstendenzen zu erkennen, die aus der Kindheit begründet sind, dann kann man sich manchmal leichter davon lösen, man kann vielleicht über sich ein bisschen mehr lächeln und ein bisschen mitfühlender mit sich sein, dafür ist es irgendwo gut. Aber wirklich unsere versunkene und im Schlamm steckengebliebene Seele können wir erheben mit dem reinen Selbst, indem wir uns nicht mit dem Vergänglichen identifizieren, sondern wissen, hinter allem ist das unendliche Selbst.

Teil 23 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.

Strebe nach Erleuchtung

Im 8. Vers Viveka Chudamani sagt Sankara, der große Meister von Yoga und Vedanta.
„So möge der Weise nach Erlösung streben, indem er dem Wunsch nach Glück aus äußerlichen Dingen entsagt, einen wahren geistigen Lehrer aufsucht und sich auf die von ihm verkündeten Lehren konzentriert.“
Also, weise. Wer ist weise? In diesem Sinne, wie es Sankara hier versteht, ihr alle. Ihr schaut jetzt ungläubig. Also, der Weise, der die vorigen Sachen irgendwo kapiert hat. Das Wertvollste ist, die Verwirklichung zu erreichen. Wertvolle Vorbedingungen haben wir irgendwo. Glück erreichen wir nicht durch Geld und Reichtum, Unsterblichkeit auch nicht und Werke allein machen auch nicht dauerhaft glücklich. Wenn ihr das erkannt habt, dann seid ihr in diesem Sinne weise. Und dann könnt ihr euch mal auf die Schultern klopfen, mindestens geistig, und sagen, „Ja, etwas habe ich verstanden.“ Wenn ihr das habt, dann noch mal, Wunsch nach Glück aus äußeren Dingen entsagen. Er sagt jetzt nicht, dass man allen äußeren Dingen entsagen soll, nur dass man dem Wunsch nach Glück aus äußeren Dingen entsagt. Es spricht nichts dagegen, kleine Dinge zu tun, um glücklich zu sein, logisch. Ein paar Asanas machen, macht glücklich. Ein paar Pranayamas machen, macht glücklich. Als ich euch gesagt habe, wir beginnen den Vortrag mit einer Viertelstunde Tiefenentspannung – euere Gesichter sahen so glücklich aus. Und ich hoffe, wenn ihr mit eurem Partner, eurer Partnerin zusammen seid, gibt es mindestens ab und zu mal kleinere und intensivere Glücksmomente. Wenn ihr mit euren Kindern zusammen seid oder wenn ihr euren Beruf macht oder wenn ihr in eurem Haus seid oder wenn ihr in der Natur spazieren geht oder wenn ihr vielleicht in eurem Auto fahrt oder mit dem Fahrrad fahrt oder was auch immer, irgendwo, man kann kleineres Glück dort haben und nach kleinerem Glück auch streben. Man muss übrigens nicht. Es gibt auch den melancholischen Aspiranten, der immer die Hohlheit hinter allem sieht, aber weiß, „Irgendwann erreiche ich die Selbstverwirklichung. Nicht in dieser Welt macht mich glücklich, alles ist hohl. Jedes Auto verpestet die Luft und in jedem Fahrrad ist potenziell der Unfall vorprogrammiert. Jeder Mensch, der heute freundlich ist, morgen schimpft er. Alle Kunden, die freundlich sind, wollen nur bessere Konditionen. Alle Geschäftsleute, die freundlich sind, wollen nur das eigene Geld. Der Chef ist nur freundlich, dass man mehr arbeitet und eigentlich ist er die Mehrheit der Zeit unfreundlich. Und alles Leben ist Leiden.“ Wenn ihr diese Einstellung habt, ist auch o.k., ist die melancholische Grundeinstellung, aber man muss sie nicht haben. Man kann sich auch an kleineren und größeren Dingen erfreuen und man kann auch nach dem kleinen Glück streben, als vorübergehendes Glück so im Hintergrund, „Wenn ich erstmal so dieses gewisse Glück habe, dann kann ich nach dem größeren und dauerhaften Glück leichter streben. Aber ich nehme nicht an – und das ist eben wichtig – dass äußere Dinge mich dauerhaft glücklich machen.“ Also, wenn man dann z.B. irgendwo gedacht hat – nennt mir mal irgendwas, wo ihr euch vorstellt, da könnte man denken, dass einem das großes und dauerhaftes Glück schenken könnte. Also nicht ewig dauernd, aber schon ein bisschen länger als ein paar Minuten. „Tiefschneefahren in Kanada“ Und dann setzt man alles daran, nach Kanada zum Tiefschneefahren zu kommen und dann landet man dort und ausgerechnet in diesem Winter hat es entweder keinen Schnee oder irgendwo gab es eine kleine Temperaturschwankung und es ist eher ein Eisgemisch als ein Schnee. Oder es gibt einen Blizzard, die sind in Kanada gar nicht so selten und eine Woche lang kommt man nicht raus. Das hatte ich mal in Kanada erlebt eine Woche lang. Nachher lagen drei Meter Schnee dort und das heißt, im Erdgeschoss konnte man gar nichts mehr sehen, nur zwischendurch mussten wir immer wieder aufs Dach. In Kanada bauen sie interessanterweise immer Flachdächer, deshalb muss man dort ständig Schnee runterschippen. Und angenommen, man ist jetzt in der Woche gekommen, dann kann man sagen, „O.k., es war eine schöne Idee, aber sollte nicht sein. War zu kurz.“ Oder man fährt den Schneehang runter und bricht sich ein Bein. Also, „Oh, jetzt habe ich zwei Jahre dafür geopfert, allen Plänen nach dem perfekten Tiefschneefahrurlaub und jetzt ist alles nichts geworden.“ Als Yogi kann man das mit Gelassenheit nehmen. Man kann sagen, „Gut, auch wieder was gelernt.“ Es kann sein, dass man tatsächlich dann im Tiefschnee fährt und es ist wirklich toll. Jeden Morgen fährt man hin und jeden Abend. Und was stellt man nach zwei Wochen fest? Irgendwie wird es auch langweilig. Und dann stellt man fest, die, die dort im Ort alle wohnen, die fahren dort gar nicht so viel Tiefschnee. Also, man kann es machen, man kann es genießen, aber man ist nicht besessen davon und weil man nicht davon besessen ist, wird man auch nicht so unglücklich, wenn es zum einen nicht möglich ist, zum anderen, wenn es einem weggenommen wird, zum anderen, wenn es doch nicht so großartig war, wie man es gedacht hat.
Also, man möge nach Erlösung streben, man möge dem Wunsch nach Glück aus äußeren Dingen entsagen, einen geistigen Meister aufsuchen und sich auf die von ihm verkündeten Lehren konzentrieren.
So seid ihr jetzt in der Tradition Sankaracharyas und Swami Sivananda. Ihr seid in dieser Tradition und ihr bemüht euch, diese Lehren zu verstehen, euch darauf zu konzentrieren, um zum Höheren zu kommen.
„Fest gegründet im Yoga, verwurzelt in der vollendeten Einsicht, soll er die im Ozean des Geburtenkreislaufs versunkene Seele mit dem reinen Selbst emporheben.“

22. Teil der Niederschrift von Vorträgen im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.

Erkenntnis führt zur Befreiung – die Essenz des Jnana Yoga

„Man sollte die heiligen Schriften rezitieren, den Göttern opfern, Rituale feiern, den Gottheiten huldigen. Doch ohne Erkenntnis der Einheit von Seele und absoluter Wirklichkeit, gibt es auch in Hunderten von Zeitaltern keine Erlösung.“
Hier sagt er also, das sind jetzt so die im alten Indien üblichen Dinge für jemanden, der irgendwo ein spiritueller Mensch war. Also, man rezitiert die heiligen Schriften. Man macht Opferrituale. Hier gibt es am Ende die Verse auf Sanskrit. Leider am Ende, so kann ich nicht immer ständig direkt gucken, was da eigentlich steht. Also Yajnas, also Feuerzeremonien kann man machen. Dann Kurvani Karmani und Bhajantudevata. Kurvani Karmani hat zwei verschiedene Bedeutungen. Man kann sagen, es ist Rituale feiern, aber es heißt auch Karmani, das kann man auch interpretieren, anderen zu helfen, Karma Yoga machen. Und dann schließlich auch noch Pujas ausführen, sich vor Gott verneigen. Also man kann auch sagen, rituelle Handlungen machen, religiöse Handlungen machen, anderen helfen und dienen, das ist alles gut, sagt er hier. Nur wir sollten uns nicht darauf allein beschränken, denn ohne Erkenntnis der Wahrheit kommt keine Erlösung.
Dann gibt es einen weiteren Vers:
„Es gibt keine Hoffnung auf Unsterblichkeit mit Hilfe von Macht und Ruhm, verkündet die heilige Schrift.“
Es gibt dort auch einen Vers aus einer Upanishade, die manche von euch im Kontext der Geschichte von Chudula und Shikidwaja gehört haben, die oft am Ende von Pujas rezitiert wird. „Om na karmana na prajaya dhanena tyagenaike amritatwa manusuh.“ Das heißt, „Nicht durch irgendwelche Werke, nicht durch irgendwelche Praktiken, nicht durch irgendwelche Rituale und auch nicht durch das Rezitieren von Schriften wird die Verwirklichung erreicht.“ Das wird klassischerweise rezitiert am Ende von einer Puja, am Ende der Rezitation von Schriften, die in der Puja drin sind. Dort erinnert man sich, nicht das Ritual selbst gibt die Erlösung. Noch nicht mal die Kraft der Mantras an sich gibt die Erlösung. All das ist etwas, was natürlich reinigend ist, all das ist etwas, was das Herz öffnet, aber letztlich geht es darum, die höchste Wahrheit zu erfahren. Natürlich noch weniger erreicht man Unsterblichkeit mit Hilfe von Macht und Reichtum. Das klingt für euch alle ganz selbstverständlich. Aber warum wollen Menschen erstmal Hunderttausende von Euros, dann Millionen von Euros, wenn man Millionen hat, dann wollen die Leute Dutzende und dann Hunderte und dann wollen sie eine Milliarde, dann Milliarden. Und wie heißt eigentlich jetzt der reichste Mann der Welt? Ist es noch oder wieder Bill Gates? Zwischendurch war es jemand anderes. Also irgendwo die letzten Jahre wurde Bill Gates mehrmals überholt. Einmal vom Besitzer von IKEA und einmal von diesem Mexikaner. In Mexiko gibt es dort irgendeinen, ich glaube, Immobilienhai, würde man ihn hier nennen und Firmenheuschrecke. Also, der nicht selbst Firmen aufgebaut hat, sondern irgendwo Firmen übernimmt und irgendwelche Manager einsetzt und dann steigern die den Wert und dann verkauft er sie wieder. Gut, also vorübergehend mal der eine und mal der andere. Warum machen Menschen das? Es gibt viele Gründe und ich weiß jetzt nicht warum. Der Bill Gates ist ja jetzt auch derjenige, der die größten Spenden macht und viel Gutes auch bewirkt und da wird vielleicht auch eine gemischte Motivation drin sein, aber auch gemischte Motivationen sind gut, wenn damit Gutes bewirkt wird. Sicherlich, er will auch was Gutes tun und zum anderen will er nicht, dass seine Kinder alle dekadent werden. Irgendwie, mehr als 10 Millionen soll keiner kriegen. Ich glaube, damit kann man auch dekadent werden. Und vielleicht auch, er will damit unsterblich werden. Die Bill und Melinda Gates Foundation. Und da hofft er, dass die noch lange übersteht. Oder der Nobel hat ja den Nobelpreis gegründet und hofft auch auf Unsterblichkeit. Der Name, aber er selbst ist nicht mehr da. Mindestens nicht im physischen Körper. Letztlich, auch mit Ruhm und mit Reichtum erreichen wir nicht die Unsterblichkeit. Auch wenn der Name ein bisschen länger ist, die Seele hat davon gar nichts. Also, wir bekommen nicht über Macht und Reichtum die Unsterblichkeit. Und Werke können auch nicht die Ursache der Erlösung sein. Das ist auch interessant. Das ist ja so eine ähnliche Diskussion, wie sie zwischen Luther war und damals vorherrschender katholischer Doktrin. Da gab es nämlich die so genannte Werkgerechtigkeit. Vielleicht habt ihr schon mal gehört, es gab den Streit der Rechtfertigungslehre. Habt ihr davon schon mal gehört? Die meisten wissen es nicht. Es ist nämlich was anderes, als wenn wir uns rechtfertigen. Die Gerechtigkeit Gottes, wenn dort in der Bibel so übersetzt wird, ist damit auch nicht gemeint die Justizia, wo es gerecht ist, sondern die Gerechtigkeit, wenn Jesus sagt, „Strebe zuerst nach der Gerechtigkeit Gottes, dann wird euch alles andere selbst zufallen.“ dann ist Gerechtigkeit die Selbstverwirklichung. Die Rechtfertigungslehre heißt, wie kann der Mensch Erlösung erreichen? Und da gab es früher eben diesen großen Unterschied. Die Katholiken haben gemeint, wenn man ausreichend gute Werke tut, dann kommt man in den Himmel. Und Luther hat gesagt, so geht es nicht. Man kommt in den Himmel sola gratia, allein durch die Gnade. Und wie kommen wir dorthin? Sola fide, allein durch den Glauben. Und wie kriegen wir den Glauben? Sola scriptura, allein durch die Schrift. Aber nichts, was wir tun, wird uns an sich die Erlösung bringen, sondern die Erlösung kommt durch einen Gnadenakt Gottes. Und für Jahrhunderte haben die Katholiken und die Protestanten sich unter anderem deswegen die Köpfe eingeschlagen. Steht allerdings auch nirgendwo in der Bibel, dass man durch das Töten von Andersgläubigen in den Himmel kommt. Aber das wurde durchaus den Soldaten in Aussicht gestellt. Wenn der Gustaf Adolf in die Schlacht gezogen ist, hat er gesagt, „Ihr kommt alle in den Himmel, wenn ihr in der Schlacht getötet werdet.“ und umgekehrt, die Soldaten von Wallenstein, die hatten dann auch ihre Priester, die ihren Soldaten das Gleiche erzählt haben. Aber eben diese grundlegende Sache, wie kommen wir hin? Wenn wir genügend Asanas üben, erreichen wir dann die Selbstverwirklichung? Genügend Pranayama? Genügend lange die Luft anhalten? Ich bin jetzt durchaus jemand, der gerne praktiziert und ich bin auch einer, der durchaus sehr intensiv praktiziert hatte und wenn ich sage intensiv, dann meine ich auch intensiv und das ist nicht eine Stunde Pranayama oder zwei oder drei. Also, diese Praktiken an sich können einen nicht zur Verwirklichung führen. Auch nicht, wenn man sein ganzes Geld als Spenden gibt. Auch nicht, wenn man 18 Stunden Karma Yoga am Tag übt. All das hilft, wie auch der Sankaracharya vorher davon erzählt hat. All das hilft. Es hilft, unser Herz zu öffnen. Es hilft, das Prana zu erhöhen. Es hilft, uns zu reinigen. Es hilft, unseren Geist vorzubereiten. Aber die Werke an sich sind nicht Ursache der Erlösung, das wäre einfach. Angenommen, ich könnte euch sagen, ihr braucht nur jeden Tag 12 Stunden Pranayama zu machen und das über 6 Monate und dann werdet ihr die Selbstverwirklichung erreichen, da würde man das doch machen, oder? Ich könnt dann vielleicht auch sagen, „Ich habe das schon zehnmal gemacht mit Menschen, jeweils eine Gruppe von zwanzig, die haben alle die Selbstverwirklichung erreicht und das seht ihr auch daran, sie sind immer glücklich und zufrieden, sie sind voller Energie und – schaut sie euch an – voller Ausstrahlung.“ Dann sagt man, o.k., wenn das für die klappt, dann macht man das und wenn man durch die Hölle durchgehen muss, auch o.k. Wenn man in einem halben Jahr die Selbstverwirklichung erreichen kann oder in zwei Jahren, wäre man doch bereit, alles dafür zu tun. Menschen sind ja auch bereit, jeden Tag 12 Stunden zu lernen, nur um die Medizinprüfung zu bestehen. Nur um euch das in Perspektive zu setzen. Manchmal gibt es nämlich Leute, die sagen, „Warum soll man so intensiv praktizieren? Ist das nicht verrückt, jeden Tag viel zu praktizieren?“ Das sind die gleichen Menschen, die keine Hemmungen haben, nur um einen Job zu kriegen, wahnsinnig viel zu lernen. Weder das eine noch das andere ist schlecht. Es ist sicherlich gut, viel Pranayama zu üben. Nur darf man nicht denken, dass das Üben von Pranayama allein einen zur Verwirklichung bringt. Es hilft, aber es sind nicht die Werke an sich und deshalb kann man auch nicht sagen, wie viele Stunden Pranayama muss man machen, um die Verwirklichung zu erreichen? Wie viele Stunden muss man meditieren, um die Verwirklichung zu erreichen? Also, es ist etwas komplizierter.
Da ist praktisch die Einleitung erstmal vorbei und jetzt beschreibt er, was sollte man tun? Vorher hat er uns praktisch gesagt, „Was ist wertvoll auf dieser Welt?“, um uns in die richtige Perspektive zu bringen. Dann hat er gesagt, „Was ist ungeeignet dorthin zu kommen?“

21. Teil der Niederschrift von Vorträgen im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.

Viveka Chudamani Vers 4 – Verpasse keine wertvolle Chance und praktiziere Yoga Vedanta

„Wem die schwer erhältliche menschliche Geburt irgendwie zuteil geworden ist und dazu noch eine mannhafte Natur, wer den tiefen Sinn der heiligen Schriften kennt, verblendeten Geistes aber nicht nach Erlösung seiner Seele strebt, der tötet letztlich seine Seele, der richtet sich zugrunde, er hält am Unwirklichen fest.“
Im Kommentar heißt es, jetzt nimmt Sankaracharya den Vorschlaghammer zur Hand. Irgendwo will er uns ein bisschen durchrütteln. Er will die Dinge in die richtige Perspektive setzen. Jetzt haben wir menschliche Geburt und ihr habt auch alle, was hier übersetzt wird als mannhafte Natur, also eine mutige Natur. Ihr seid auch fähig, etwas in die Hand zu nehmen und etwas zu bewegen. Ihr seid nicht einfach nur deprimierte, ängstliche Menschen. Ihr habt schon mal was von den Schriften gehört. Ihr habt alle eine Yogalehrerausbildung gemacht und wenn ihr jetzt nicht nach der Erlösung strebt, dann richtet ihr eigentlich das Tiefste, was in euch ist, zugrunde und haltet euch fest an dem Unwirklichen.
„Wer aber ist so töricht, dass er das eigene Interesse missachtet, nachdem er den schwer erlangbaren menschlichen Körper erhalten hat.“
Das eigene Interesse ist eigentlich welches Interesse? Selbstverwirklichung. Wenn wir das schon haben, einen menschlichen Körper, außerdem die Natur, die nach dem Höchsten strebt oder streben könnte und auch die Fähigkeit dazu, weil man irgendwo Kraft dazu hat, wäre doch töricht, jetzt nicht danach zu streben und es wäre töricht, sich immer wieder ablenken zu lassen. So viele Dinge macht man, um sich abzulenken. Und ich erlebe das so häufig unter spirituellen Aspiranten. Manchmal ist das auch so ein kleines Problem sogar hier im Haus. Wir bieten diese vielen Seminare an. Eigentlich sind sie so gedacht, dass zum einen Menschen aus allen verschiedenen Interessenlagen hierher kommen. Zum anderen, dass Menschen ein breites Arsenal bekommen, um anderen zu helfen. Auch, dass Menschen in verschiedenen Interessenlagen dorthin kommen. Dann erlebe ich es oft, Menschen haben eine Aspiration, haben ein spirituelles Interesse und dann plötzlich sind sie nur noch interessiert, wie man Pranaheilung macht und wie man Magen-Darm-Krankheiten heilt und wie man mit psychischen Beschwerden umgeht usw. Und vergessen, worum geht es? Verwirklichung. Oder dann stellt man plötzlich fest, da gibt es noch eine andere Energietechnik und eine andere Meditationstechnik, dann gibt es noch diese Sache und jene Sache und natürlich gibt es auch außerhalb von Yoga Vidya noch weitere spirituelle Schlaraffenländer, wo man alles so findet. Und wenn man das alles in Perspektive sieht, ist es ja gut. Man kann von verschiedener Warte aus immer wieder nach dem Höchsten streben. Und es ist gut, Verschiedenes zu kennen, um anderen helfen und dienen zu können, deshalb bieten wir es ja auch an. Ich will ja jetzt nicht über unser Programm schimpfen, das ich ja letztlich zu verantworten habe. Ich könnte ja sagen, das wird nicht mehr gemacht. Wir machen nur noch Anfängerkurs, Mittelkurs, Fortgeschrittenenkurs, Yogalehrerausbildung und ab da nur noch Streben nach dem Höchsten. Alle anderen Kurse, Seminare, Ausbildungen sind Ablenkungen, werden abgesetzt, dann wäre wir vielleicht kleiner, aber dafür feiner. Aber so ist es ja nicht. Die haben ja alle ihren Sinn und es ist gut, auf viele Weisen Menschen helfen zu können und Yoga in verschiedensten Kontexten unterrichten zu können. Wir müssen nur aufpassen, dass es uns nicht ablenkt von dem, worum es wirklich geht.

20. Teil der Niederschrift von Vorträgen im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.

Der Yoga Guru – wertvoller Schatz

Und das letzte der 3 wertvollen Schätze ist Mahapurusha Samshrayaha. Samshrayaha ist die liebevolle Fürsorge und Mahapurusha, von einer großen Seele. Also letztlich einen spirituellen Meister, eine spirituelle Meisterin zu haben, ist der dritte der drei großen Schätze. Meister gibt es in verschiedenster Form. Es gibt eben die Meister, die nicht mehr im physischen Körper sind, wie Swami Sivananda, Swami Vishnu-devanandadevAnanda, Sharkaracharya. Zu ihnen kann man eine intensive Beziehung aufbauen und fühlt sich von ihnen geleitet. Swami Sivananda habe ich persönlich nie gesehen. Er hat seinen Körper verlassen im gleichen Jahr, wo ich diesen Körper hier angenommen habe. Aber meine Beziehung zu Swami Sivananda ist sehr, sehr eng. Und ich fühle mich wirklich von ihm ständig geführt und gehe davon aus, dass alle Herausforderungen, die kommen, irgendwo auch Aufgaben von ihm sind und dass ich daran wachse. Und das ist vielleicht das Wertvollste, was ich mir vorstellen kann, diese Erfahrung zu haben. Ich hatte natürlich noch den großen Vorteil, mit einem Meister zusammen sein zu können, der auch im physischen Körper war, der Swami Vishnu-devanandadevAnanda. Bei ihm war ich ja auch einige Jahre. Ich sage immer, ich war zwölf Jahre bei ihm, aber nicht zwölf Jahre physisch bei ihm, sondern zwölf Jahre in seinen Zentren, wo er ja auch sehr gegenwärtig war. Ich habe ihn jedes Jahr zwei- oder dreimal gesehen und war ja auch eine ganze Weile sein persönlicher Assistent. Auch etwas sehr, sehr Wertvolles. Aber hier ist es auch oft so, viele, die bei einem Meister leben, die schätzen ihn gar nicht so. Die suchen dann immer noch bessere Meister woanders. Ich hatte das große Glück, dass ich der Überzeugung war, Swami Vishnu-devananda ist ein großer Meister und führt mich.
Ich lese jetzt einfach noch mal diesen Vers. Eigentlich ist es eine ganze Strophe.
„Für die einzelnen Seelen ist eine menschliche Geburt schwer zu erlangen. Noch schwerer zu erreichen ist eine mannhafte Natur.“ Was auch immer das sein mag. „Schwieriger noch ist die Gabe der Weisheit. Noch schwieriger die Berufung für den Weg der vedischen Gesetze. Höher als dies ist das Verstehen dieser Gesetze. Unerreichbar ohne gute Werke in hunderten von Millionen Geburten ist die Fähigkeit, zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst zu unterscheiden, richtige Erkenntnis, das Verweilen im Wesen der absoluten Wirklichkeit und endgültige Erlösung.“
Das ist eine recht freie Übersetzung. In dem dritten Vers fasst er das noch mal zusammen. Es ist nicht so frei. Sein dritter Vers ist das, was ich eigentlich kommentiert habe.
Im dritten Vers sagt er:
„Eine Geburt als Mensch, Manushyatam, Sehnsucht nach Befreiung, Mumukshutvam und Zuflucht zu einer großen Seele, Mahapurusha Samshrayaha, diese drei Dinge sind schwer und nur durch die Gnade Gottes zu erlangen.“
Also, das sind die drei Wertvollsten. Im Vers vorher hat er noch sehr viel mehr genannt. Also, es ist schon mal schwierig, eine menschliche Geburt zu erlangen. Dann sagt er, „eine mannhafte Natur“. Da nehmen wir mal an, jemand, der mutig ist, der auch bereit ist, was in die Hand zu nehmen, etwas zu tun. So viele Menschen sind das Gegenteil. „Schwieriger ist die Gabe der Weisheit. Noch schwieriger die Berufung für den Weg der vedischen Gesetze. Höher als dies ist das Verstehen der Gesetze. Und unerreichbar ohne gute Werke, in hunderten von Millionen Geburten, ist die Fähigkeit, zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst zu unterscheiden, richtige Erkenntnis und das Verweilen im Wesen der absoluten Wirklichkeit und die endgültige Erlösung.“ Da bringt er das in Perspektive. Die meisten Menschen denken, wertvoll ist es, viel Geld zu haben, ein schönes Haus, ein dickes Auto, ein gutes i-Phone, das ist irgendein vornehmes Handy, eine schöne Frau, schönen Mann, gute Kinder. Was braucht es eigentlich noch? Ich glaube, guter Fernseher noch, schöne Kleidung, den richtigen Schönheitschirurgen. Was kann man sich noch einfallen lassen? Er sieht es anders. Das, was er beschreibt, sind die wertvollen Dinge.

19. Teil der Niederschrift von Vorträgen im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.

Mumukshutwam – Ein Juwel für den Yoga Aspiranten

So weit sind wir noch gar nicht. Ich bin immer noch bei Manushyatam und eigentlich bin ich schon über Manushyatam zu Mumukshutvam. Mumukshutvam, der intensive Wunsch nach Befreiung. Den zu haben, gilt auch wieder als etwas sehr Wertvolles. Also, intensiver Wunsch nach Befreiung. Die Mehrheit der Menschen hat das nämlich nicht. Wenn ihr beispielsweise mal mit eurer Familie sprecht oder Großvater oder Väter, Mütter, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen, „Wie wichtig wäre es dir, Gott zu erfahren? Wie wichtig wäre es, dein wahres Selbst zu erfahren? Wie wichtig wäre es dir, dein reines Bewusstsein jenseits von Körper und Persönlichkeit zu erfahren?“ Was erntet ihr dann? Im besten Falle ein müdes Lächeln, im anderen Fall werdet ihr angeschaut wie jemand von einem anderen Planeten und im nächsten Fall in eine bestimmte Ecke gesteckt. Mumukshutvam gilt aber als etwas Wertvolles. Und weil Mumukshutvam etwas Wertvolles ist, kann man auch überlegen, „Wie bin ich zu Mumukshutva gekommen?“ Das hilft einem manchmal, mit seinem Leben irgendwo besser ins Reine zu kommen. Denn manche Menschen kommen über Krankheit zu Mumukshutva. Manche kommen über einen Unfall zu Mumukshutva. Manche Menschen haben als Kind ganz schlimme Sachen erlebt. Man hatte eine Kindheit, die man nicht als Manushyatam bezeichnen kann. Also, es gibt Missbrauch und vieles andere, wo dieses Manushyatam in keinster Weise erfüllt ist. Und manche Menschen hat es dazu gebracht, dass sie nicht ein normales Leben geführt haben und sich immer wieder gefragt haben und alles Mögliche in Frage gestellt haben und auf diese Weise ist Mumukshutva erwacht. Und da Mumukshutva als etwas sehr Wertvolles gilt, kann man manchmal auch sagen, „Ja, ich bin dankbar für all die, die so bösartig zu mir waren. Sie haben mich dazu gebracht, dass ich eine der wertvollsten Dinge, eine der drei Schätze habe, nämlich Mumukshutvam, den Wunsch nach Befreiung.“ Man kann auch etwas tun. Man kann etwas tun für Manushyatam und man kann etwas tun für Mumukshutvam. Für Manushyatam kann man grundsätzlich etwas tun. Zum einen, man kann auch so ein bisschen für die Zukunft vorsorgen. Aber zum anderen können wir auch etwas tun für positives Karma, indem wir uns um andere kümmern, anderen Gutes tun. Wenn man gesegnet ist mit bestimmten Mitteln, ob das finanzielle oder andere sind, teilt man die mit anderen oder man bringt einen Teil seiner Arbeitszeit seine Talente und Fähigkeiten zum Wohl anderer und dann heißt es, das hilft auch, dass wir längere Zeit selbst in Manushyatam sind. Ich sage das so ein bisschen mit halbem Herzen, denn eigentlich sollte man anderen Gutes tun, nicht deshalb, damit man nachher auch künftig, vielleicht im nächsten Leben, ein schönes Leben hat, sondern eigentlich sollte man anderen helfen, um anderen zu helfen, ohne irgendwas dafür haben zu wollen, einfach aus Nächstenliebe. Vom Jnana-Yoga-Standpunkt sowieso. Wir sind alle eins, wir sind alle das gleiche Selbst und eine der effektivsten Weisen, diese Einheit zu spüren, ist, für andere etwas Gutes zu tun. Und letztlich, es sollte auch kommen einfach von selbst, von Liebe aus. Aber auf einer anderen Ebene, ganz so erheblich ist es auch nicht, aus welchem Grund man etwas Gutes tut, es ist wichtig, dass etwas Gutes getan wird. Manchmal hören Menschen auf, etwas Gutes zu tun, weil sie denken, ich bilde mir was darauf ein, dass ich was Gutes tue, deshalb mache ich lieber gar nichts Gutes. Und dann, um ihr eigenes Ego nicht zu füttern, lassen sie andere Menschen kaputtgehen. Auch eine Logik, aber keine sehr mitfühlende Logik. Aber noch wichtiger, für Mumukshutva können wir etwas tun und um Mumukshutva zu entwickeln, kann man eben zum einen nachdenken, „Wie wäre es, verwirklicht zu sein?“ Wir können die Biographien großer Meister lesen. Heutzutage brauchen wir auch nicht nur zu lesen, wir können uns auch Filme anschauen. Es gibt auf DVDs verschiedenste Videos über die großen Meister. Es geht sogar noch kostenlos. Im Internet gucken, inzwischen gibt es so viele Videoportale, wo man inspirierende Videos haben kann. Schriften lesen, die von dem Höchsten sprechen. Ein Aspekt. Ein zweiter Aspekt ist, auch zu schauen, was in dieser Welt nicht so positiv ist. Da wird Sharkaracharya noch mal an einer anderen Stelle darüber sprechen, denn er spricht jetzt hier über Mumukshutvam als Teil dieser drei Schätze. An einer anderen Stelle spricht er über Mumukshutva als Teil von Sadhana Chatustaya.

18. Teil der Niederschrift von Vorträgen im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.

Viveka Chudamani Vers 2 – Fortsetzung: Was heißt es Mensch zu sein?

Ich hatte heute Morgen begonnen, über den 2. Vers auch zu sprechen. Der 2. Vers ist einer der bekanntesten, häufig rezitierten. Auch als Swami Yoga SwarupAnanda da war, hat er ihn mal rezitiert. Als Swami MuktAnanda da war, hat er ihn rezitiert. Es ist so wie die Grundlage.
Drei Dinge sind schwer zu erreichen. Manushyatam, Mumukshutvam, Mahapurusha Samshrayaha. Manushyatam heißt, eine menschliche Geburt. Es heißt auch, ein menschenwürdiges Dasein. Und es gibt dort ganz unterschiedliche Interpretationen von diesem Vers. Swami Vishnu-devananda hat es insbesondere als menschenwürdiges Dasein bezeichnet. Man kann auch sagen, es ist erstmal etwas Gutes, überhaupt als Mensch geboren zu werden. Da ist die Frage, „Warum, ein Hund hat es doch auch ganz gut?“ Manchmal denke ich so, ich habe ja auch einen Hund, bzw. meine Frau hat einen Hund, damit habe ich auch einen Hund und der ist eigentlich recht zufrieden. Vermutlich ist der zufriedener als der Durchschnittsmensch. Der schläft seine 16 Stunden am Tag, dann kriegt er was zu fressen, braucht sich dort nicht zu kümmern. Wenn er will, holt er sich seine Streicheleinheiten ab, wenn nicht, verzieht er sich irgendwo. Und dann kommt er mehrmals am Tag raus und irgendwo, warum soll es ein Mensch besser haben als so ein Hund? Natürlich kann man sagen, er hat auch keine einfache Kindheit gehabt, war aus dem Tierheim und als wir ihn gekriegt haben, hat er einige Verhaltensauffälligkeiten gehabt, die darauf geschlossen haben, in welche schwierige Mensch-Hund-Probleme er vermutlich hineingekommen ist. Aber ein Hund scheint das leichter zu verkraften und zu verarbeiten als ein Mensch. Also, warum soll es gut sein, Mensch zu sein? Oder als Ameise, ist vielleicht noch besser. Und da ist natürlich die große Aussage, der Mensch kann nach dem Höchsten streben, der Mensch hat Viveka, mindestens die Fähigkeit dazu, was eine Fähigkeit von Buddhi ist, der Unterscheidungskraft. Der Mensch kann sich fragen, „Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?“ Das kann ein Tier nicht, nehmen wir mindestens an. Und ein Tier hat nicht diese Fähigkeit zur Selbstreflexion. Natürlich, die Fähigkeit zur Selbstreflexion ist ja auch eine wunderbare Weise, sich unglücklich zu machen. Viele Menschen denken ständig, „Was denkt er über mich? Was denkt sie über mich? Was kann passieren, wenn…? Was wird noch alles geschehen?“ Das ist ja auch eine besondere Fähigkeit des Menschen, die auch sein Überleben irgendwo gefördert hat. Und so in der modernen Psychologie geht man sehr viel von Evolutionspsychologie aus, auch als Paläontopsychologie bezeichnet. Also, man nimmt an, vieles, was der Mensch heute macht, hat die Begründung in der Steinzeit. Und z.B. angenommen, es gab in der Steinzeit so ein paar Menschen, die haben gedacht, „Ah, die Natur ist schön. Die Gänseblümchen sind schön. Lass mich dort irgendwo auf der Wiese diese Schönheit genießen.“, dann kam der Säbelzahntiger und hat ihn gefressen. Und dann gab es jemand anderes in der Höhle, der hat überlegt, „Wer weiß, was da passiert? Ich bleibe besser mal da und warte ab und dann gucke ich mal, was diesem glücklichen Menschen passiert und wenn der Säbelzahntiger vollgefressen ist, dann gehe ich raus.“ Also, immer das Schlimmste anzunehmen, war vielleicht irgendwann mal eine gute Überlebensstrategie. Also, wenn ihr euch irgendwann mal entdeckt, ich weiß nicht, ob irgendjemand von euch dazu neigt, wie ihr irgendwo mal negative Dinge erwartet und feststellt, ihr habt dort eine negativere Zukunftserwartung als objektiv gerechtfertigt wäre, dann wisst ihr, das war mal früher eine geeignete Überlebensstrategie. Die Deutschen sind da ja ganz besondere Genies drin. Bei der Wirtschaftskrise, was haben alle erwartet? Es geht alles kaputt. Die ganze Wirtschaft bricht zusammen. 1929 kommt wieder. Und wer weiß, alles geht kaputt. Oder es gibt ein bisschen Erwärmung und dann Klimakatastrophe. Nach dem Mayakalender geht 2012 ein Zyklus zu Ende, was passiert logischerweise? Die Welt geht unter, ganz klar in drei Jahren. Wir brauchen also nur noch drei Jahre zu denken. Das ist übrigens dann schon lange. Irgendwann für das Jahrtausend gab es Endzeitprophezeiungen. Die Italiener, Franzosen und Spanier haben sich da nicht so sehr darum gekümmert, aber die deutsche Kirche ist reich geworden, die katholische. Alle Möglichen haben große Schenkungen an die Klöster gemacht, in der Hoffnung, sich so freizukaufen für die Sünden. Oder wisst ihr, welche Nation die meisten Ablässe gekauft hat? Das waren die Deutschen. Ein Italiener wäre nie auf die Idee gekommen. Die Deutschen haben alle angenommen, sie kommen alle in die Hölle und ihre Vorfahren sowieso, also muss man die freikaufen. Die Italiener haben das anders gesehen, „Wir sind hier öfters in den Gottesdienst gegangen und haben zu Jesus gebetet, er wird uns schon in den Himmel bringen.“ Nur die Deutschen haben alle panische Angst gehabt, dass sie jederzeit in die Hölle kommen könnten. Eine Fähigkeit unseres Intellektes ist, die Zukunft in negativen Tönen auszumalen und das Schlimmste immer zu erwarten. Positiv ausgedrückt hilft es einem ja auch, irgendwie aktiv zu werden, wenn man das auf geschickte Weisen macht. Aber manchmal wird man dann in dem, was man aktiv macht, reagiert man über und schafft dann überhaupt die Probleme. So hat der Mensch diese Fähigkeit, er kann sie nutzen zum Überleben, er kann sie nutzen, um sich Sorgen und unglücklich zu machen, er kann sie aber auch nutzen, um zu fragen, „Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?“ Und es heißt, unter den verkörperten Wesen kann nur der Mensch die Selbstverwirklichung erreichen. Deshalb ist, in einem menschlichen Körper zu sein, etwas Großartiges. Das klingt jetzt erstmal komisch, denn was haben wir gemacht, um in diesen Körper zu kommen? Vom heutigen Standpunkt aus erstmal nichts. Es ist wie ein Geschenk gekommen. Nur, die alten Inder haben ja noch eine andere Theorie. Es fing nicht in diesem Leben an, sondern so viele Leben schon und wir sind durch 8.400.000 Tierinkarnationen durchgegangen, bevor wir erstmals zum Mensch werden. Es heißt, durch jede Tierart, die es gab, sind wir schon mal durchgegangen. Das muss man nicht unbedingt wörtlich nehmen. Ich finde es nur interessant, dass die heutigen Biologen so annehmen, es gibt zwischen 5.000.000 und 20.000.000 Tierarten und die Inder sind von 8.400.000 ausgegangen. Aristoteles hat übrigens nur von ein paar Hundert gesprochen, zur Zeit, als die Inder von 8.400.000 gesprochen haben. Also schon durchaus eine Weite, die in der Kategorie gar nicht mal so falsch zu liegen scheint. Und dann, das schockiert westliche Menschen auch, aber im indischen Verständnis ist es auch möglich, dass wir im nächsten Leben nicht als Mensch geboren werden. Wir können im nächsten Leben auch als Tier geboren werden. Die meisten Westler hören das nicht gerne, weil für einen Westler ist der Unterschied zwischen Mensch und Tier kulturhistorisch ein riesengroßer. Z.B. für die Kirche – nach offizieller Theologie – haben Tiere keine Seele. Übrigens im 16. Jahrhundert hatten auch Schwarze und Indianer keine Seele, deshalb konnte man die ja auch so versklaven und misshandeln und das waren zum Teil sehr fromme Menschen, die haben überhaupt keine Hemmungen dort gehabt, denn die hatten keine Seele. Irgendwann haben sie gedacht, wenn man sie bekehrt, vielleicht kriegen sie dann mit der Taufe eine Seele. Gut, aber inzwischen, irgendwann sind auch die Christen dazu gekommen, dass sie sich auf ihr Evangelium besonnen haben und dass es für Jesus keinen Unterschied machte, welche Nation jemand war. Und gerade einige der Gleichnisse mit Samaritern und Zöllnern zeigt ja eben, dass er gesagt hat, er ging jenseits dieser Grenzen. Aber historisch, dann blieb es immer noch lange Zeit und ich glaube sogar bis heute, Tiere haben keine Seele. Deshalb kann man auch, ohne irgendeinen Gewissensbissen, Tierversuche machen und Fleisch essen, also Tiere umbringen, damit man essen kann, obgleich es nicht notwendig ist, in unseren Breiten könnte man genauso gut vegetarisch leben. Und dann auch Descartes. Descartes hat gesagt, ein Tier empfindet noch nicht mal Schmerzen. Wenn ein Hund jault, dann ist das nur wie das Kreischen von einem Uhrwerk. Tier hat kein Bewusstsein. Also von beiden Seiten her denken wir, Mensch ist was grundlegend anderes. Das wiederum haben die Inder nicht gesagt. Der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist, dass der Mensch eine stärker entwickelte Buddhi und Ahamkara hat und die Übergänge sind fließend, deshalb ist es auch denkbar, dass man sich auch mal ins Tierreich wieder zurück inkarnieren kann. Und mindestens die Konsequenz daraus könnte sein, dass man liebevoller mit den Tieren umgeht. Und die moderne Evolutionsbiologie unterstützt diesen Standpunkt, dass es keinen so grundlegenden Unterschied gibt. Die intelligentesten Affen und sogar die intelligentesten Hunde sind intelligenter als die dümmsten Menschen. Die können sogar ein Selbstbewusstsein haben. Es gibt Gorillas und Schimpansen, die die Blindensprache können und die haben sogar Humor, die können sogar Witze machen, die können sich über etwas amüsieren, die können über etwas schimpfen, die können freundlich sein, die können auch betrügen, die können lügen, die können Allianzen erzeugen usw. Also, die Unterschiede sind eher graduell und nicht grundsätzlich. Trotzdem ist es etwas Wertvolles, im Menschen geboren zu werden, der kann nämlich dann nach der Verwirklichung streben. Ob vielleicht manche Delphine, Gorillas und Schimpansen das auch können, weiß ich nicht. Im alten Indien gab es keine Schimpansen, Gorillas und auch keine Delphine, die sind in anderen Teilen der Welt. Aber noch wichtiger als menschliche Geburt, hat Swami Vishnu-devananda gehalten, auch menschenwürdige Geburt. Und menschenwürdig heißt, wir haben was zu essen, wir haben was zu trinken, wir haben ein Dach über dem Kopf und wir müssen nicht mit einer großen Wahrscheinlichkeit befürchten, dass morgen eine Bombe auf unser Haus fällt oder dass alles kaputtgeht oder dass wir in einem halben Jahr nichts mehr zu essen haben. Ich weiß, Menschen befürchten das auch in unseren Breiten und es kann ja auch passieren, dass heute noch ein Flugzeug hier in die Sivananda-Halle hineinfällt und wir alle tot sind. Auch Erdbeben sind denkbar. Vor gar nicht mal so vielen Jahrtausenden gab es ja in der Eifel Vulkanausbrüche und dann, wenn dort die Vulkane ausgebrochen sind, dann ist der Ascheregen hier runter gegangen. Also, könnte auch morgen passieren, ist aber unwahrscheinlich. Nicht alle Menschen auf dieser Welt haben ein menschenwürdiges Dasein. Es gibt sogar viele hundert Millionen Menschen, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder satt kriegen sollen heute und morgen. Wir wissen, es gibt viele Regionen, wo Menschen nicht wissen, ob heute Abend marodierende Banden kommen und alle im Dort umbringen werden. Das ist kein menschenwürdiges Dasein. Und es ist etwas sehr Wertvolles, dass wir das haben. Umso wichtiger natürlich, dass man auch Mitgefühl hat gegenüber denen, die es nicht haben und dass man, wenn man irgendwo Geld hat, etwas dafür gibt, dass andere vielleicht auch irgendwo ein menschenwürdiges Dasein haben und es gibt manche, die dann ja ihre Lebensmission darin finden, dort Unterstützungen zu geben. Ein anderer Aspekt ist aber auch, wenn wir jetzt schon dieses menschenwürdige Dasein haben, dann sollten wir es auch wirklich zum Guten benutzen. Swami Vishnu-devananda hat so gesagt, auf dem spirituellen Weg ist es wichtig, geduldig zu sein, aber noch wichtiger ist es, ungeduldig zu sein. Zum einen, Fortschritt geschieht nicht von heute auf morgen und wir werden auch nicht von heute auf morgen die Selbstverwirklichung erreichen. Und ich nehme an, dessen sind die meisten von euch sich sehr bewusst. Wer von euch ist schon länger als fünf Jahre auf dem spirituellen Weg? In einem solchen Seminar sind doch viele, die schon länger dabei sind. Man kann ja so verschiedene Stadien der spirituellen Entwicklung sehen. Am Anfang ist für viele erstmal Widerstände und Überlegungen und Zweifel und dann irgendwann gibt es das, was man als spirituelle Flitterwochen bezeichnet. Man hat jetzt den Sinn des Lebens gefunden und ist so begeistert und spürt diese Wonne und diese Freude und die Verbundenheit und denkt, „Ja, jetzt muss es nur noch so ein bisschen weitergehen, dann sind alle Probleme verschwunden.“ und dann rutscht man vielleicht irgendwann in ein Loch und irgendwann stellt man fest, manchmal sogar ohne die spirituellen Flitterwochen, es schien nur irgendwo verlockend, dort hin zu gehen, dann stellt man fest, so schnell klappt es nicht und dann irgendwann werden dann viele Menschen träge und sagen, „Ja, Verwirklichung ist ja ganz nett, aber ich sorge dafür, dass ich einigermaßen gesund lebe, einigermaßen freundlich mit mir und meinen Mitmenschen umgehe und lerne, ein bisschen gut Yoga zu unterrichten. Aber Verwirklichung und Einheit, vielleicht in zehn Leben oder so.“ Also, es gibt viele Menschen, die so in ihrem spirituellen Streben nachlassen. Und dann natürlich sich neue Interessen finden. Dann muss doch ein neues Haus her, dann lernt man eine neue Heiltechnik, die man kennen lernen will oder man ist plötzlich fasziniert, mit allen Problemen seiner Kindheit und sich damit beschäftigen. Oder man findet noch verschiedenste andere Beschäftigungen und die haben ja auch alle ihren Sinn und die mögen alle gut sein, nur die wichtigste Beschäftigung versinkt dann oft. Und die wichtigste Beschäftigung ist Gott, Streben nach dem Höchsten, Streben nach der Verwirklichung.
Als nächstes dort kommt Mumukshutva. Und Swami Vishnu-devananda war jetzt keiner, der uns Angst gemacht hat. Im Gegenteil, er hat mehr probiert, uns mit positiven Dingen dort zu inspirieren. Aber er hat auch gesagt im engeren Kreis, „Ihr habt keine Garantie, dass ihr im nächsten Leben wieder Manushyatam habt.“ Wir denken alle, im nächsten Leben würden wir wieder in der westlichen Zivilisation inkarnieren und irgendwo wird die Erde o.k. sein. Wissen wir nicht. Wir können genauso gut in einem Kriegsgebiet inkarnieren. Wir können genauso gut in einer Zeit der Klimakatastrophe inkarnieren. Und wir brauchen auch gar nicht so lange warten. Auch wenn ich jetzt mir selbst regelmäßig widerspreche, kann auch in zehn Jahren tatsächlich die Klimakatastrophe sein. Es kann auch im einzelnen Menschen sein, dass er morgen Krebsdiagnose bekommt. Zwar senkt die Praxis von Yoga und vegetarischem Leben tatsächlich die Wahrscheinlichkeit für viele Krankheiten, aber wie ich sage, es senkt die Wahrscheinlichkeit. Das heißt, gerade vor ein paar Wochen habe ich von drei oder vier Frauen, die Yogalehrerinnen sind, gehört, die Brustkrebs diagnostiziert bekommen haben. Oder auch letzte oder vorletzte Woche was jemand, die sogar in einem Zentrum unterrichtet hat und die ist an Krebs gestorben. Also, das Leben kann schnell zu Ende sein. Oder ein Unfall und dann querschnittsgelähmt oder auch bewusstseinsgetrübt, all das ist möglich. Daher, solange wir Manushyatam haben, dann sollten wir…

17. Teil der Niederschrift von Vorträgen im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.

Viveka Chudamani – 2. Vers dieses Jnana Yoga Vedanta Textes

Der zweite Vers ist einer der bekannten Verse, der letztlich auch ein Kommentar ist zu einer Manu Smriti. Sri Kartikeyan hat, als er hier regelmäßig war, keine Vortragsreihe ausgelassen, ohne darüber zu sprechen. Er sagte, es gibt drei wertvolle Dinge in dieser Welt: manushyatam mumukshutyam mahapurusha samshreya. Das Werk heißt ja Viveka Chudamani und Chudamani heißt Kleinod. Und jetzt sagt er eben gleich: Was sind die drei wertvollsten Dinge in diesem Universum?

Manushyatam: man kann es übersetzen als menschenwürdiges Dasein.
Mumukshutyam: der Wunsch nach Befreiung
Mahapurusha samshreya: die liebevolle Fürsorge durch ein Maha Purusha, in diesem Kontext heißt es, durch eine großartige Seele, also die liebevolle Fürsorge von jemandem, der einen auf dem spirituellen Weg begleitet. Was das genau bedeutet, darüber schreibt er in den nächsten Versen.

Teil 16 der Niederschrift eines Vortrags im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war „Viveka Chudamani von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.