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Karma Yoga und Vedanta

Ein nächster wichtiger Yogaweg ist Karmayoga. Und in seinem Kapitel „Vedanta“ aus dem Buch „Göttliche Erkenntnis“ betont Swami Sivananda den Karmayogaaspekt sogar am allermeisten vom Vedanta und da sagt er auch, „Ich glaube an praktischen Vedanta. Wenn man nur Texte liest und zitiert und Vorträge hält, das ist nur intellektuelle Gymnastik oder Lingual Diarrhoea, Sprechdurchfall.“ Dann sagt er auch, „Zu viele Worte, die steigen dir zu Kopf.“ Müsst ihr natürlich wissen, das ist so eine indische Tradition, wo Vedantalehrer sind, die müssen gute Vorträge geben können, die werden dann in hoher Ehrerbietung gehalten, aber wehe nachher, das Essen hat nicht die richtige Temperatur. Also, Karmayoga heißt dann hier, handeln daraus, liebe deinen Nächsten wie dich selbst, liebe deinen Nächsten als dein Selbst. Und diene anderen, weil es hilft, das individuelle Bewusstsein zu überwinden. Und indem wir anderen dienen, ist das dann auch nicht arrogant, wo wir sagen, „Ah, ich großartiger Mensch, ich diene dir kleinem Hilfsbedürftigen.“, sondern im Gegenteil ist es so, wir danken dem anderen für die Gelegenheit, ihnen zu dienen, denn, indem wir anderen dienen, weiten wir unser Bewusstsein aus. Eine der einfachsten Weisen, sich mit anderen verbunden zu fühlen, ist, ihnen zu dienen, anderen zu helfen. Und wer wirklich sein Leben dem Dienst anderer geweiht hat, hat das sicher schon gespürt diese Verbundenheit. Gut, manchmal fühlt man sich dann vielleicht auch ausgenutzt und manchmal fühlt man Undankbarkeit oder manchmal fühlt man die Ohnmacht, so viel Leid in dieser Welt, so wenig, was man tun kann. Aber gerade dann braucht man auch wieder Vedanta. Indem man erkennt, auch das Leiden der Welt dient einem Zweck, nämlich dem Zweck aufzuwachen, Erfahrungen zu machen, zu wachsen und wir können dort nur demütig sein, wir können das Leid mildern, was wir mildern können, wir können auch nur Diener sein in den Händen Gottes und wir können auch wissen, auch wenn jemand offensichtlich leidet, tief im Hintergrund bleibt er immer Satchidananda. Auch im größten Leiden bleibt Satchidananda. Das ist ein bisschen komplex, aber Vedanta und Karma Yoga gehören irgendwie zusammen. Karma Yoga bedarf entweder Jnana Yoga oder Bhakti Yoga. Karma Yoga allein lässt einen verzweifeln, sowohl vor der Unendlichkeit des Leidens, vor der Ohnmacht, das ausreichend zu ändern, wie auch der Undankbarkeit der Welt. Das können wir entweder als Diener tun oder wir können es aus dem Jnana Yoga heraus machen und so können wir wirklich dienen. Und Dienen heißt dann natürlich auch, wir müssen auch mal Rollen spielen. Z.B. eine Mutter muss auch mal das Kind schimpfen, muss auch mal so tun, als ob sie ärgerlich ist. Auch ein spiritueller Lehrer muss auch mal streng mit seinen Schülern sein. Je nach Temperament ist das vielleicht stärker, ist es vielleicht schwächer. Swami Vishnu-devananda und Swami Krishnananda haben vielleicht ihre Lektionen an ihren Schülern etwas burschikoser gesagt. Ein Swami Chidananda war da vielleicht etwas subtiler, aber Lektionen waren da. Auch ein Swami Sivananda konnte Menschen gegenüber auch streng sein. Er hat auch Menschen aus dem Ashram verwiesen, hat sie nach Hause geschickt, hat sie versetzt, hat ihnen gesagt, „So geht es nicht.“, hat irgendwo gesagt, „Du praktizierst wie ein Egoist, tu mal was Nützliches.“, also, all das hat er auch gesagt. Aber er hat es gesagt, während er mit ihnen gefühlt hat und gewusst hat, „Wir sind alle eins. Jetzt ist aber das Karmaspiel Lehrer-Schüler. Dort habe ich als Lehrer bestimmte Aufgaben und ich muss dort meinem Schüler bestimmte Lektionen dort sagen.“

Bhakti Yoga und Vedanta

Bhakti Yoga. Ein Yogaweg, den Sankara ja an verschiedenen Stellen des Viveka-Chudamani lobt. Letztlich auch der Krishna. Diejenigen, die sich mit der Bhagavad Gita beschäftigt haben, fast immer, wenn Krishna über Jnana Yoga schreibt oder spricht, kommt am Ende des Kapitels vorübergehend dann wieder ein Bhakti Vers. Wo er dann spricht über Brahman und das Ewige und das Unendliche und das Absolute und dann sagt er noch, „Und wer dieses Brahman erkennt, der wird befreit vom Kreislauf von Geburt und Tod, der ist erlöst.“ Und danach sagt er, „Und wer Brahman einfach verehrt und an Brahman glaubt und aus diesem Glauben heraus lebt, der erreicht die Verwirklichung auch.“ Also, wir können diese höhere Wahrheit auch verwirklichen, indem wir sie verehren. Letztlich heißt es auch, das, was wir verehren, mit dem verschmelzen wir irgendwann. Und für viele ist es leichter, Brahman zu verehren, als über die Einheit von Brahman nachzudenken. Und gerade im Alltag ist das dann oft leichter. Wir sind auch ausreichend komplex, dass man zum einen sagen kann, „Ahambrahmasmi“, dann können wir sagen, „Die Ganze Welt ist Manifestation Brahmans und hinter der ganzen Welt ist Ishwara und Ishwara will ich verehren.“ Ishwara ist dann der Träumer und die Gesetze im Universum und die ganze Welt entwickelt sich und ich will irgendwo meinen Part tun und deshalb sage ich, „Dein Wille geschehe. Dein Reich komme. Wie im Himmel, so auch hier auf der Erde. Möge ich das erfahren.“ Und wenn wir so Brahman verehren und Brahman dienen, dann erfahren wir die Verschmelzung mit Brahman. Und dann die ganzen Bhakti-Praktiken, wie die Puja, die wir heute Abend machen werden oder wie Mantrasingen, Arati, sich verneigen und so vieles andere, all das hilft, dass unser Herz sich öffnet, das Herz sich weitet und wir Einheit spüren und erfahren.

Raja Yoga und Vedanta

Raja Yoga. Patanjali, in seinem Yoga Sutra, ist eigentlich nicht ein reiner Raja Yogi. Es werden manchmal künstliche Grenzen aufgebaut. Eigentlich, jeder dieser klassischen Yogawege enthält alle Yogawege auch in sich. Patanjali sagt ganz zu Anfang, „Yogas Chitta Vritti Nirodhah, Tada Drastuh Svarupe Vasthanam. Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist, dann ruht der Sehende in seinem wahren Wesen.“, fertig. Und in einer der Interpretationen des Yoga Sutras, der Interpretation von Swami Krishnananda, der sich auch noch auf ältere Interpretatoren bezieht, sagt, das ist so die Lehre für die Top Class Aspirantes oder auch die First Class Aspirantes, für die Aspiranten der ersten Klasse. Man hält den Geist an, keine Gedanken, Nirvikalpa Samadhi, dann sind wir verwirklicht, fertig, brauchen wir nichts weiter zu machen. Und dann haben wir auch Jnana Yoga erreicht. „Swarupoham Tada Drastuh Svarupe Vasthanam, dann ruht der Sehende in seinem wahren Wesen.“ Wir brauchen nur den Geist zur Ruhe zu bringen. Und dann gibt Patanjali für die nicht First Class Aspirantes noch weitere verschiedene Methoden. Auch im weiteren ersten Kapitel erwähnt er noch verschiedene Weisen, wie wir zur höchsten Wahrheit kommen können, das ist jetzt kein Raja Yoga Weg. Im zweiten Kapitel sagt er dann noch, Kriya Yoga. Tapas, Swadhyaya, Ishwara Pranidhana Kriyayogah, damit überwinden wir die Kleshas und dann sind wir in der Verwirklichung. Das heißt, das ist so der Weg des Raja Yoga, um diese Identifikation zu überwinden. Wir überwinden Schritt für Schritt. Als erstes überwinden wir die Ängste. Wie überwinden wir die Ängste? Wir machen das, wovor wir Angst haben. Also, wenn ihr irgendwas habt, wovor ihr Angst habt, dann nehmt euch vor, „Ich mache es.“ Und dann das nächste, womit wir gebunden sind, sind Raga und Dwesha, Mögen und Nichtmögen. Wie überwindet man Mögen und Nichtmögen? Indem ich das tue, was ich nicht mag. Das ist jetzt alles so der Tapasaspekt. Und ich mache nicht das, was ich mag und ich mache das, was ich nicht mag. Ist eine sehr machtvolle Sache. Das ist aber noch für die Sekond Class Aspirantes. Und wenn wir das ausreichend machen, dann fallen die nächsten Schritte leicht, denn ohne Ängste und ohne Mögen und Nichtmögen wird das Ego sehr dünn. Dann wird es leicht, über das Ego hinauszugehen, über Avidya hinauszugehen, dann erfahren wir, wer wir wirklich sind. Aber außer Tapas gibt es auch noch Swadhyaya und es gibt auch noch Ishwara Pranidhana, als drei Methoden des Kriya Yoga. Ishwara Pranidhana ist Hingabe an Gott. Wir verehren Gott. Damit sind wir im Bhakti Yoga, wo ich gleich noch mal hinkommen. Wir verehren Gott und durch die Verehrung Gottes kommen wir auch jenseits dieser Kleshas. Eine dritte Weise wäre Swadhyaya. Swadhyaya kann man psychologisch interpretieren. Swadhyaya kann man aber auch vedantisch interpretieren. Swadhyaya ist Selbststudium. Also, wir können unsere Psyche studieren und können lernen, mit unserer Psyche umzugehen und dann können wir noch sehr viel detaillierter daran arbeiten, als einfach mit Tapas, im Sinne von, all unsere Ängste angehen und unser Raga und Dwesha systematisch angehen. Oder wir können eben Swadhyaya nehmen vom Standpunkt des Jnana Yoga. Selbststudium im Sinne von Viveka. Und im Laufe des zweiten Kapitels sagt dann Patanjali, Viveka Khyati ist der Weg zur Befreiung. Also dauernde Unterscheidung und da ist er wieder wie der Sankara im Viveka-Chudamani, Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst, Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen, Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen, Unterscheidung zwischen Ananda und Sukha oder Wonne und letztlich auch Leiden. Und danach sagt dann Patanjali, „Und um in den Zustand von Viveka Khyati zu kommen, sollte der Yogi die sieben Stufen praktizieren. Also, wenn es uns nicht gelingt, dauerhaft unseren Geist zu einer Unterscheidungskraft zu führen, dann gelten Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana, dann können wir Viveka üben und in Samadhi fallen. Also, hier kommt Patanjali zu einem ähnlichen Schluss wie auch Sankara in den einleitenden Versen, wo er auch von den Shatsampats spricht, den sechs edlen Tugenden, die es zu entwickeln gilt und wo er auch spricht über andere Yogawege, die helfen, dass der Geist so zur Ruhe gebracht wird, dass wir auch wirklich Viveka üben können. Und so, wenn man jetzt Raja Yoga als Hilfspraxis für Jnana Yoga übt, wissen wir auch, wir brauchen nicht unseren Geist vollständig unter Kontrolle zu bringen. Wir müssen ihn nur ausreichend unter Kontrolle bringen, dass die Viveka ausreichend stark wird und dann können wir aus dieser Verhaftung mit diesem Körper-Geist-Komplex rauskommen. Das ist ein wichtiger Gedanke dort. Also, um zu Nirvikalpa Samadhi zu kommen, müssen wir nicht abwarten, bis wir alle unsere geistigen und psychischen Probleme aufgearbeitet haben. Schon allein, was wir in den ersten Jahren unseres Lebens an psychischen Problemen angesammelt haben, da gibt es manche Menschen, die verbringen dann die restlichen 60 Jahre, diese aufzuarbeiten. Und wenn man noch bedenkt, dann gibt es noch Probleme aus so vielen verschiedenen anderen Inkarnationen. Also eine gewisse Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana, dann kommt die Unterscheidungskraft und damit können wir auch alle Begrenztheiten transzendieren.

Vedanta und Jnana, Raja, Bhakti, Karma, Hatha und Kundalini Yoga

Jetzt die sechs Yogawege vom Standpunkt vom Vedanta. Jnana Yoga, Raja Yoga, Bhakti Yoga, Karma Yoga, Hatha Yoga und Kundalini Yoga. Jnana Yoga kann man als seinen Hauptyogaweg wählen oder man kann auch sagen, es ist der Hintergrundsyoga. Und von den praktischen Zwecken her folgen wir einem anderen Yogaweg, aber wir wissen tief im Hinterkopf, wir wollen nirgendwo hängen bleiben und das ist vielleicht das Wichtigste am Jnana Yoga, dass wir nicht irgendwo uns in Lichterfahrungen verlieren und in irgendwelchen Pranaerfahrungen suhlen oder auch nicht, dass wir irgendwo verzweifeln an der Unfähigkeit, unseren Geist ganz unter Kontrolle zu bringen. Denn, den Geist ganz unter Kontrolle zu bringen, ist nicht so einfach, wie wir ja öfters schon so gesagt haben. Also Jnana Yoga so als Hintergrundsweg oder wir können sagen, „Jnana Yoga ist mein Hauptweg. Ich werde mich jeden Tag immer wieder fragen, wer bin ich? Ich werde mir immer wieder sagen, Ahambrahmasmi. Ich werde immer wieder bewusst spüren, Satchidananda Swarupoham. Ich werde mich immer wieder, nicht nur in der Meditation, sondern auch am Tag zwischendurch, besinnen, ich bin das Bewusstsein hinter allem. Und ich werde immer wieder lernen, nicht aus Identifikation heraus zu handeln, sondern aus Einheitsbewusstsein heraus zu handeln.“

Bewusstsein ist unendlich – Brahman kenn keine Grenzen

Frage: „Warum ist Bewusstsein notgedrungen unendlich?“
Antwort: Angenommen, es gäbe etwas Endliches, dann wäre das Endliche wahrnehmbar. Und dann gibt es jemanden, der das Endliche wahrnimmt. Und das, was wahrgenommen wird, ist damit nicht das Bewusstsein. Angenommen, es gäbe eine Grenze des Bewusstseins. Dann müsste es jemanden geben, der die Grenze des Bewusstseins wahrnimmt. Und der, der die Grenze des Bewusstseins wahrnimmt, kann nicht identisch sein mit der Grenze. Daher muss Bewusstsein unendlich sein. Deshalb, aus gutem Grund gibt es in keiner mir bekannten Sprache ein Plural von Bewusstsein.
Jede Nacht kommt das Thema Tiefschlaf, sogar mehrmals. Aber ich bin darauf jetzt nur kurz eingegangen. Ich bin mehr auf Wachen und Träumen eingegangen. Als nächstes, der Tiefschlaf, da gibt es einfach keine Welt. Also, wir schwanken zwischen Wachwelt, ständig neuen Traumwelten und Tiefschlaf, wo es keine Welt gibt. Dann gibt es aber noch den vierten Bewusstseinszustand und das ist Samadhi, wo wir auch keine Welt wahrnehmen, aber dabei voll bewusst sind. Deshalb heißt es, Nirvikalpa Samadhi ist wie Tiefschlaf bei vollem Bewusstsein.

Das Böse in der Welt

Frage. „Wenn alles die großartige, allumfassende Seele ist, wenn Gott allmächtig, allgegenwärtig, allwissend ist, warum gibt es so Böses in dieser Welt, warum gibt es so viele letztlich dämonische Geschichten, warum gibt es so viel in uns, was uns daran hindert, zum Höchsten zu kommen? Und auch, wenn wir uns bewusst sind, „Ich bin das unsterbliche Selbst.“, warum mache ich all diese Dummheiten weiterhin?“ Das ist letztlich alles auch ein Teil dieses Lilas und dieses kosmischen Spiels. Letztlich ist es ein Teil der Entwicklung und der Evolution des Lebens. Was in einem Kontext früher mal gut war, ist jetzt vielleicht in einem anderen Kontext nicht gut. Z.B. Angst ist ja nichts Schlechtes. Wenn man jetzt so sieht, Leben entwickelt sich und dann gab es irgendwann Pflanzen und dann Tiere. Und Tierreich hat sich entwickelt, Bewusstsein kann sich weiter ausdrücken und dann war natürlich die Angst wichtig. Angenommen, z.B. auch unsere Vorfahren hätten keine Angst gehabt. Die sehen dort einen schönen Tiger vor sich, „Ah, schau diesen Tiger an. Diese schönen Farben, dieses gelb oder dieses orange, schwarz, weiß. Faszinierend.“ Was ist mit dem passiert? Er konnte sein Erbgut nicht weitergeben. Nein, er musste sich neu inkarnieren. Währenddessen der, der zusammengezuckt ist und Angst gekriegt hat, der hat überlebt. Und angenommen, so in der Horde, da gibt es den einen, zum Abendessen haben die anderen ihm nichts abgegeben und er hat irgendwo gedacht, „Ja, ist doch nett, dass die anderen was zu Essen haben. Ich esse nichts. Und ich bin zwar auch Teil der Gemeinschaft, aber dass mir niemand was gibt, ist ja auch ganz o.k.“ Dann wäre der verhungert. Er konnte sein Erbgut auch nicht weitergeben. Dagegen der, der dann geschimpft hat, schon als Bub oder als Mädchen, „Ich will auch was haben.“ und dann die Mütter geben ihm auch was und wenn er nicht genügend gekriegt hat, dann schreit er lauter. Und eine der großen Bestrebungen von Müttern ist Ruhe, ihren Balg dazu zu bringen, die Klappe zu halten. Sehr unromantisch jetzt. Natürlich haben sie sehr viele andere Wünsche auch. Sie wollen das Beste und das Liebevollste usw. Aber es war im Überleben in der Horde und schon letztlich früher einfach hilfreich, wenn jemand sich geärgert hat, wenn jemand Ängste hat, wenn jemand sich gewehrt hat und es war sicherlich auch von Vorteil, wenn der eine Stamm den anderen erschlagen hat. Das ist jetzt nicht sehr positiv ausgedrückt, aber all dieses Erbe ist da. Also das, was in frühren Zeiten die Evolution des Lebens irgendwie ermöglicht hat, was in früheren Zeiten das Überleben gesichert hat, das ist jetzt in unserer Zeit das, was uns in dieser Welt gefesselt hält. Deshalb sollten wir nicht sagen, das sind dämonische Kräfte oder das ist das Böse. In früheren Zeiten hat man von dem Teuflischen, dem Satan gesprochen. Da gab es Gott und da gab es den Teufel. Wer war eigentlich stärker, wenn man sich die Welt manchmal anschaut, vor allem wenn man sich die Nachrichten anschaut? Es scheint oft der Teufel stärker zu sein als Gott. Aber so kann es ja nicht sein, vor allem, wenn man vom Vedanta ausgeht. Da gibt es keinen Teufel. Da gibt es jetzt nicht jemand, das Böse, sondern es gibt eben auch das Gesetz der Entfaltung des Lebens und bei der Entfaltung des Lebens, wo sich langsam Brahman immer mehr ausdrückt und Bewusstsein sich seiner immer mehr bewusst wird, auf diesem Weg sind halt auch verschiedene Überlebensmechanismen und Instinkte usw. entstanden. Da hat sich eine Pranamaya Kosha und eine Manomaya Kosha entwickelt und alle menschlichen Emotionen hatten dort irgendwo einen Sinn. Aber das, was früher mal einen Sinn hatte, hat heute eben nicht unbedingt einen Sinn. Und letztlich genauso, angenommen ein Kind wächst auf, dann ist es irgendwann mal hilfreich, dass das Kind vielleicht mit einer Puppe spielen lernt oder mit irgendwelchen Autos, Spielzeugautos Rollenspiele macht usw. Angenommen, eine 16-jährige spielt weiter Puppe und will jeden Abend die Puppe irgendwo ins Puppenhaus bringen und will nicht einschlafen, bevor sie die Puppe irgendwo gefüttert hat, dann würden wahrscheinlich die Eltern sich Sorgen machen und sie zum Kinderpsychologen schicken. Hoffentlich vor dem 16. Lebensjahr. Und so, wenn wir weiter wachsen wollen auf der Evolution, dann müssen wir manche Gewohnheiten, die als Kind hilfreich waren, langsam abgeben. So können wir wachsen. Oder als Erstklässler hat man – ich weiß nicht, ob das heute noch so ist – gab es bestimmtes Linienpapier. Ich weiß nicht, wie viel Linien sind es? Drei Linien, damit man den Mittelbauch und unten und oben richtig malt. Angenommen, ich würde jetzt darauf bestehen, dass ich weiter Linienpapier habe, wäre auch nicht angemessen.

Verwirklichte Gurus und Reinkarnation

Frage: “Werden verwirklichte Gurus, Erleuchtete, große Meister, wiedergeboren? Wie ist die Erfahrung von Jivanmuktas?” Da bin ich eigentlich schon mal darauf eingegangen. Ich merke jetzt irgendwo, ich wiederhole mich, aber das ist auch nichts Falsches. Krishna wiederholt sich in der Bhagavad Gita auch ständig und Arjuna stellt in jedem halben Kapitel die gleiche Frage und da auch Krishna nicht müde ist, die gleiche Frage auch mit der gleichen Antwort zu versehen, dann werde ich als kleiner Yogi das auch machen können. Also, bei den großen Meistern, auf der einen Ebene sind sie eins mit dem Unendlichen geworden und sie inkarnieren sich nicht wieder. Sie existieren nicht mehr als Einzelseele. Auf der anderen Seite hinterlassen die großen Meister eben starke Gedankenformen. Und sie existieren nicht mehr als Ego, aber letztlich Gott wirkt dann durch diese Gestalten der Meister hindurch. Und so kann man zu Swami Sivananda beten und Visionen von ihm haben und geführt werden und Berufungserlebnisse haben und von ihm geführt werden. Aber er ist nicht mehr eine Einzelseele mit egoistischen Wünschen, sondern Sivananda ist irgendwo verschmolzen mit dem Absoluten und daher, wenn man an Sivananda denkt, dann denkt man letztlich an das Absolute. Man könnte es in der Ausdrucksweise von Sheldrake sagen, es wird so wie ein morphisches Feld, durch das dann Gott letztlich hindurchwirkt..

Aufgestiegene Meister

Frage: “Kommen die aufgestiegenen Meister wieder?” Da m üsstest du die fragen, die von den aufgestiegenen Meistern sprechen. Ich spreche nicht von aufgestiegenen Meistern, die wiederkommen. Also die Frage war, „Wie ist das mit der Reinkarnation, mit dem Karma.“ und eigentlich war es keine Frage, sie hat nur eine Feststellung gemacht und hat so mehr oder weniger… Solange wir uns identifizieren mit einer Einzelseele, dann kann der Körper ruhig sterben, dann gehen wir in die Astralwelt und wir inkarnieren uns wieder und wieder und wieder, bis wir irgendwann erkennen, „Aham Brahmasmi“ und bis dahin inkarnieren wir uns wieder und wieder. Wenn wir aber jetzt die Verwirklichung erreicht haben, dann inkarnieren wir uns ja nicht wieder. Dann ist die Frage, „Wie ist es dann mit den aufgestiegenen Meistern, von denen es heißt, dass sie wieder kommen?“ Da ist meine Antwort, kann ich nichts dazu sagen, müsste sie die fragen, die über aufgestiegene Meister sprechen. Im Yoga spricht man nicht über aufgestiegene Meister, die wiederkommen.

Ist Verwirklichung, Erleuchtung dauerhaft?

Die Frage ist, „Wenn ich die Welle sehe, da kommen immer wieder Wellen nach?“ Es ist ein unendliches Spiel, ja. Das ist so, wie angenommen, wenn wir jetzt ein Beispiel nehmen, du gehst in die Schule und du schaust dir an, Erstklässler. Wie viele Erstklässler gibt es? Zehn Jahre später kommst du wieder hin, eigentlich müssten doch längst die alle das Abitur haben. Und du stellst fest, sind wieder Erstklässler da. Du kommst zehn Jahre später, wieder Erstklässler da. Du kommst zwanzig Jahre später, wieder Erstklässler da. Vielleicht gibt es mal ein paar mehr und ein paar weniger, aber immer wieder kommen Erstklässler nach.
Sitzen bleiben ist nicht unbedingt schlecht. Buddha hat ja gesagt, „Ich bleibe jetzt sitzen, bis ich Nirwana erreicht habe.“ Er hat sich nicht bewegt, „Ich werde mich nicht bewegen, bis ich Nirwana verwirklicht habe.“
Dann gibt es irgendwann die Nacht Brahmas, denn irgendwann hat auch Brahma genug, zu träumen und was dann wir als „Nacht Brahmas“ bezeichnen, ist eigentlich, Brahma wacht mal vorübergehend auf. Das heißt, Brahmas Traum hört auf. Und das ist irgendwo, wenn ich es richtig im Kopf habe, insgesamt 432 Trillionen Jahre träumt Brahma, das ist ein Schöpfungszyklus von Brahma. Und dann kommt der nächste. Aber das ist jetzt, auf der relativen Ebene sieht es so aus, als ob eine Welt geschaffen wird und sich wieder auflöst. Auf einer anderen Ebene wird nie eine Welt geschaffen und sie löst sich deshalb auch nie auf. Es gibt immer nur Brahman.

Jnana Yoga Übungen und Vedanta

KrishnanandaSwamiJnana Yoga ist der Yoga des Wissens. Jnana heißt Wissen, Yoga heißt Vereinigung, Verbindung, Einheit. Yoga heißt auch spirituelle Praxis. Jnana Yoga ist die spirituelle Praxis, um durch rechte Erkenntnis zur Einheit zu finden. Jnana Yoga beruht auf der Vedanta Philosophie. Vedanta ist die Philosophie des Absoluten, die Philosophie der Einheit. Jnana Yoga ist die spirituelle Praxis, welche aus Vedanta gelebter Erfahrung macht. Was heißt Jnana Yoga genau? Darum geht es in diesem Jnana Yoga Blog. Ich hoffe, du bekommst viele Anregungen für deine eigene Praxis. Du findest Jnana Yoga Übungen, die dir zu tiefen Erkenntnissen verhelfen. Besuche diesen Jnana Yoga Blog regelmäßig – es lohnt sich. Denn was gibt es lohnenderes, als deine wahre Natur zu erkennen? Und um die Erkenntnis deiner wahren Natur geht es hier in diesem Jnana Yoga Blog.

Der Atman, das wahre Ich, ist nicht der Handelnde

„Gib unverzüglich die fixe Idee auf, das Ich und der Täter zu sein. Diese, mit einem schwachen Widerschein der Seele verbundene Denkweise beraubt dich der Verwurzelung im Selbst. Aus der Verwechslung des begrenzten Ichs mit dem Selbst, widerfährt dir als Verkörperung des Glücks und des inneren Bewusstseins, die Seelenwanderung mit viel Leid, Geburt, Alter und Tod. (Sankaracharya im Viveka Chudamani “Kronjuwel der Unterscheidung”, Vers 305)

Hinduismus, Yoga und Vedanta

Die Frage ist, um es für alle noch mal zu wiederholen, „Wie steht Vedanta in Beziehung zum Hinduismus?“ Und das ist eine äußerst schwierige, eine äußerst komplexe, denn Hinduismus ist nicht so einfach zu definieren. Manche Religionswissenschaftler bezweifeln, dass man überhaupt eine Religion namens Hinduismus postulieren kann. Ein anderer hat mal gesagt, Hinduismus ist der Sammelname aller nichtdoktrinären Religionen Indiens. Doktrinär sind Religionen, die einer Doktrin folgen, die man klar definieren kann. Also z.B. Buddhismus, Jainismus, Sikhismus, Zoroastrismus, um einige der alten zu nennen. Gut, Sikhismus ist nicht so alt, nur 500 Jahre alt. Die haben alle einen Gründer, die haben relativ überschaubare Schriften und da gibt es ein Philosophiesystem, vielleicht eine Anzahl von unterschiedlichen Richtungen, aber dennoch definierbar. Währendessen, Hinduismus ist äußerst schwierig zu definieren. Es gibt im Hinduismus theistische Richtungen, die einen Schöpfergott postulieren. Es gibt atheistische Richtungen, die sagen, es gibt überhaupt keinen Gott im Universum. Es gibt die https://wiki.yoga-vidya.de/Adwaita Richtung, eben wie https://wiki.yoga-vidya.de/Adwaita Vedanta. Es gibt Hindutraditionen, die an Reinkarnation glauben. Es gibt Hindutraditionen, die nicht an Reinkarnation glauben. Es gibt die sechs Schulen der Philosophie, wozu Vedanta dazugehört, das sind die orthodoxen. Es gibt eine Anzahl von nicht-orthodoxen. Es gibt Teile des Hinduismus, die gehen vom Kastensystem als gottgegeben aus. Es gibt andere, die sagen, Kastensystem ist nicht gottgegeben und hat es in dieser Region Indiens auch nicht gegeben. Also, es ist ein sehr großes Sammelsurium und ich habe gerade vor kurzem so eine Vortragsreihe gehört von der Oxford Universitiy for Hindu Studies. Und da wird in langer Breite ausgeführt, was ist überhaupt Hinduismus? Und der Schluss nach vielen Vorlesungen ist, man weiß es nicht. Und dann sagen manche, Hinduismus ist erst im 12./13. Jahrhundert entstanden, wie wir es heute kennen. Andere sagen, nein, die Veden sind konstituierend für den Hinduismus. Aber dann gibt es Strömungen im Hinduismus, die halten von den Veden herzlich wenig. Die sagen, das sind nur irgendwelche Vorschriften. Und auf all dieser Basis ist es jetzt schwierig, zu sprechen über Beziehung von Vedanta und Hinduismus, weil „Hinduismus“ eher ein Konzept der westlichen Orientalisten war und nicht ein Konzept der Inder selbst. Der Name „Hinduismus“ – habe ich es in diesem Seminar auch schon gesagt, wo der herkommt? Es gab einen Fluss namens Sindu und alle, die um den Fluss Sindus und dort hinter gewohnt haben, wurden als die Inder bezeichnet und die Religionen von all den Leuten, die dort wohnten hießen Hindus. Als die Griechen das gehört haben, haben sie auch die Buddhisten und die Jains auch alles zu Hindus gezählt. Also alle Religionen, die die Menschen um den Sindu und dort hinter hatten, das waren eben die hinduistischen Religionen. Und so kann man jetzt nicht sagen, dass Vedanta die Philosophie des Hinduismus ist, man kann nur sagen, Vedanta ist eine der großen Philosophierichtungen in Indien. Es wird als eine der sechs Philosophiesysteme bezeichnet. Wenn ihr mal die Weiterbildung A wählt, dann werdet ihr die anderen fünf lernen und systematisch dort lernen. Oder das Buch von Heinrich Zimmer „Religionen und Philosophien Indiens“, da wird das auch genauer beschrieben. Vedanta ist vielleicht im modernen Indien die populärste Philosophie. Aber in diesem Sinne ist Vedanta Philosophie und keine Religion. Allerdings ist Vedanta eng verknüpft mit Jnana Yoga und damit ist es ein spirituelles Übungssystem. Aber eine Religion, im westlichen Sinne, ist es auch wieder nicht. Im westlichen Sinne ist eine Religionsgemeinschaft etwas, wo man eine eindeutige Zugehörigkeit hat. Man kann nicht gleichzeitig Christ und Moslem sein. Wenn man Christ werden will, dann ist man kein Moslem mehr und wenn man zum Islam sich bekehren will, muss man dem Christentum abschwören. Also, für ein klassisches Verständnis von einer Religion gibt es ein Eintrittsritual, was typischerweise den Austritt aus anderen Religionen beinhaltet, mindestens aus dem Verständnis der meisten Religionen. Man kann eintreten, man kann austreten. Wenn man drin ist, muss man bestimmte Pflichten beachten und es gibt – mindestens im westlichen Verständnis – wieder irgendeine Organisation, irgendeine Gemeinde, Gemeinschaft, es gibt alle möglichen Dinge, die dort zu tun sind und all das gibt es im Vedanta nicht. Und dann kommt eben noch dazu, Vedanta ist eben nicht an Hinduismus gebunden. Wir hatten vorher die Unterschiede zu Buddhismus oder eigentlich die Gemeinsamkeiten besprochen. Es gibt manche große Vedanta-Meister, die waren gleichzeitig Buddhisten und Vedanta-Meister. Und manche werden als Sufi-Meister und als Vedantins bezeichnet. Also es ist, Vedanta ist eben auch wieder religionsübergreifend.