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Hatha Yoga, Kundalini Yoga und Vedanta

Bleibt noch Hatha und Kundalini Yoga. Natürlich, Hatha Yoga kann man auch sagen, Körper ist irgendwo gut, wenn der halbwegs gesund und ein bisschen entspannt ist, dann hat man irgendwo mehr Zeit, um die Selbstverwirklichung zu erreichen. Jetzt haben wir einen physischen Körper und wir haben irgendwo ein menschenwürdiges Dasein, wo wir uns keine Gedanken machen müssen, ob wir morgen noch leben. Wir leben in einer spirituellen Tradition, wir haben einen Meister. Es könnte doch nichts Besseres geben, als in diesem Leben ein bisschen länger zu bleiben, wer weiß, wie es im nächsten Leben ist. Also besser, wir gehen sorgsam mit dem Körper um, dass wir noch in diesem Leben uns verwirklichen. Und auch, wenn es jetzt nach verschiedenen empirischen Studien nur irgendwas zwischen 6 und 12 Jahren ist, was man mittels Yogapraxis in seinen verschiedenen Aspekten an gesunden Jahren seinem Leben hinzufügen kann, sind es 6 bis 12 Jahre. Das ist doch schon mal etwas. Wenn man bedenkt, normalerweise Durchschnittslebenserwartung ist 80. Die ersten 18 Jahre ist man irgendwo Kind und Jugendlicher. Gut, es gibt solche, die kommen früher auf den Weg, manche etwas später. Dann verschläft man die Hälfte des Lebens. Dann ist man so viel beschäftigt mit Essen und Trinken und Broterwerb und dann hat man noch die und die Krankheiten und dann macht man noch all diese komischen Reisen und irgendwann wird man vielleicht auch zum Pflegefall und wenn man dann das Ganze zusammenrechnet, wie viele Minuten haben wir tatsächlich, um nach dem Höchsten bewusst zu streben. Und dann könnte man sagen, die zusätzlichen 6 bis 12 Jahre könnten sogar in einer Inkarnation die Minutenzahl, in denen wir wirklich ernsthaft nach dem Höchsten streben, verdoppeln und dann ist das nicht mehr nur noch unser Leben um zehn Prozent verlängern, sondern die Chancen zur Verwirklichung zu verdoppeln. Aber Hatha Yoga, auch als Aspekt vom Kundalini Yoga, dient ja eben nicht hauptsächlich um gesünder zu sein und länger zu leben, es dient hauptsächlich um das Prana in die höheren Chakras zu bringen. Ist das Prana in den höheren Chakras, dann fällt es leichter, zu überlegen und zu fragen, „Wer bin ich?“, dann fällt es leichter, zu spüren, „Satchidananda Swarupoham“. Am Ende von einer Yogastunde, wenn das Prana ausgedehnt ist und weit ist und wenn man überlegt, „Wer bin ich?“, ist es leichter zu sagen, „Aham Brahmasmi“, als am Ende von einer Disco oder irgendwas anderem. Also, Hatha, Kundalini Yoga hebt die Schwingungsebene, sodass der Geist klarer wird und aus diesem Grund hat ja Sankaracharya auch ein Werk über Pranayama geschrieben und an einigen Stellen im Viveka-Chudamani schreibt er darüber. Er schreibt eben zum einen, Pranayama hilft, den Geist zur Harmonie zu bringen und zu erheben, dass er für das Studium von Vedanta geeignet erscheint, dann sagt er aber auch, allein durch egal wie viel Pranayamas, wird die Selbstverwirklichung nicht erreicht. Letztlich muss man sich immer wieder fragen, „Wer bin ich? Was ist wirklich?“ und zur Erkenntnis kommen, „Aham Brahmasmi. Ayam Atman Brahman. Prajnanam Brahman. Satchidananda Swarupoham.“

Karma Yoga und Vedanta

Ein nächster wichtiger Yogaweg ist Karmayoga. Und in seinem Kapitel „Vedanta“ aus dem Buch „Göttliche Erkenntnis“ betont Swami Sivananda den Karmayogaaspekt sogar am allermeisten vom Vedanta und da sagt er auch, „Ich glaube an praktischen Vedanta. Wenn man nur Texte liest und zitiert und Vorträge hält, das ist nur intellektuelle Gymnastik oder Lingual Diarrhoea, Sprechdurchfall.“ Dann sagt er auch, „Zu viele Worte, die steigen dir zu Kopf.“ Müsst ihr natürlich wissen, das ist so eine indische Tradition, wo Vedantalehrer sind, die müssen gute Vorträge geben können, die werden dann in hoher Ehrerbietung gehalten, aber wehe nachher, das Essen hat nicht die richtige Temperatur. Also, Karmayoga heißt dann hier, handeln daraus, liebe deinen Nächsten wie dich selbst, liebe deinen Nächsten als dein Selbst. Und diene anderen, weil es hilft, das individuelle Bewusstsein zu überwinden. Und indem wir anderen dienen, ist das dann auch nicht arrogant, wo wir sagen, „Ah, ich großartiger Mensch, ich diene dir kleinem Hilfsbedürftigen.“, sondern im Gegenteil ist es so, wir danken dem anderen für die Gelegenheit, ihnen zu dienen, denn, indem wir anderen dienen, weiten wir unser Bewusstsein aus. Eine der einfachsten Weisen, sich mit anderen verbunden zu fühlen, ist, ihnen zu dienen, anderen zu helfen. Und wer wirklich sein Leben dem Dienst anderer geweiht hat, hat das sicher schon gespürt diese Verbundenheit. Gut, manchmal fühlt man sich dann vielleicht auch ausgenutzt und manchmal fühlt man Undankbarkeit oder manchmal fühlt man die Ohnmacht, so viel Leid in dieser Welt, so wenig, was man tun kann. Aber gerade dann braucht man auch wieder Vedanta. Indem man erkennt, auch das Leiden der Welt dient einem Zweck, nämlich dem Zweck aufzuwachen, Erfahrungen zu machen, zu wachsen und wir können dort nur demütig sein, wir können das Leid mildern, was wir mildern können, wir können auch nur Diener sein in den Händen Gottes und wir können auch wissen, auch wenn jemand offensichtlich leidet, tief im Hintergrund bleibt er immer Satchidananda. Auch im größten Leiden bleibt Satchidananda. Das ist ein bisschen komplex, aber Vedanta und Karma Yoga gehören irgendwie zusammen. Karma Yoga bedarf entweder Jnana Yoga oder Bhakti Yoga. Karma Yoga allein lässt einen verzweifeln, sowohl vor der Unendlichkeit des Leidens, vor der Ohnmacht, das ausreichend zu ändern, wie auch der Undankbarkeit der Welt. Das können wir entweder als Diener tun oder wir können es aus dem Jnana Yoga heraus machen und so können wir wirklich dienen. Und Dienen heißt dann natürlich auch, wir müssen auch mal Rollen spielen. Z.B. eine Mutter muss auch mal das Kind schimpfen, muss auch mal so tun, als ob sie ärgerlich ist. Auch ein spiritueller Lehrer muss auch mal streng mit seinen Schülern sein. Je nach Temperament ist das vielleicht stärker, ist es vielleicht schwächer. Swami Vishnu-devananda und Swami Krishnananda haben vielleicht ihre Lektionen an ihren Schülern etwas burschikoser gesagt. Ein Swami Chidananda war da vielleicht etwas subtiler, aber Lektionen waren da. Auch ein Swami Sivananda konnte Menschen gegenüber auch streng sein. Er hat auch Menschen aus dem Ashram verwiesen, hat sie nach Hause geschickt, hat sie versetzt, hat ihnen gesagt, „So geht es nicht.“, hat irgendwo gesagt, „Du praktizierst wie ein Egoist, tu mal was Nützliches.“, also, all das hat er auch gesagt. Aber er hat es gesagt, während er mit ihnen gefühlt hat und gewusst hat, „Wir sind alle eins. Jetzt ist aber das Karmaspiel Lehrer-Schüler. Dort habe ich als Lehrer bestimmte Aufgaben und ich muss dort meinem Schüler bestimmte Lektionen dort sagen.“

Bhakti Yoga und Vedanta

Bhakti Yoga. Ein Yogaweg, den Sankara ja an verschiedenen Stellen des Viveka-Chudamani lobt. Letztlich auch der Krishna. Diejenigen, die sich mit der Bhagavad Gita beschäftigt haben, fast immer, wenn Krishna über Jnana Yoga schreibt oder spricht, kommt am Ende des Kapitels vorübergehend dann wieder ein Bhakti Vers. Wo er dann spricht über Brahman und das Ewige und das Unendliche und das Absolute und dann sagt er noch, „Und wer dieses Brahman erkennt, der wird befreit vom Kreislauf von Geburt und Tod, der ist erlöst.“ Und danach sagt er, „Und wer Brahman einfach verehrt und an Brahman glaubt und aus diesem Glauben heraus lebt, der erreicht die Verwirklichung auch.“ Also, wir können diese höhere Wahrheit auch verwirklichen, indem wir sie verehren. Letztlich heißt es auch, das, was wir verehren, mit dem verschmelzen wir irgendwann. Und für viele ist es leichter, Brahman zu verehren, als über die Einheit von Brahman nachzudenken. Und gerade im Alltag ist das dann oft leichter. Wir sind auch ausreichend komplex, dass man zum einen sagen kann, „Ahambrahmasmi“, dann können wir sagen, „Die Ganze Welt ist Manifestation Brahmans und hinter der ganzen Welt ist Ishwara und Ishwara will ich verehren.“ Ishwara ist dann der Träumer und die Gesetze im Universum und die ganze Welt entwickelt sich und ich will irgendwo meinen Part tun und deshalb sage ich, „Dein Wille geschehe. Dein Reich komme. Wie im Himmel, so auch hier auf der Erde. Möge ich das erfahren.“ Und wenn wir so Brahman verehren und Brahman dienen, dann erfahren wir die Verschmelzung mit Brahman. Und dann die ganzen Bhakti-Praktiken, wie die Puja, die wir heute Abend machen werden oder wie Mantrasingen, Arati, sich verneigen und so vieles andere, all das hilft, dass unser Herz sich öffnet, das Herz sich weitet und wir Einheit spüren und erfahren.

Raja Yoga und Vedanta

Raja Yoga. Patanjali, in seinem Yoga Sutra, ist eigentlich nicht ein reiner Raja Yogi. Es werden manchmal künstliche Grenzen aufgebaut. Eigentlich, jeder dieser klassischen Yogawege enthält alle Yogawege auch in sich. Patanjali sagt ganz zu Anfang, „Yogas Chitta Vritti Nirodhah, Tada Drastuh Svarupe Vasthanam. Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist, dann ruht der Sehende in seinem wahren Wesen.“, fertig. Und in einer der Interpretationen des Yoga Sutras, der Interpretation von Swami Krishnananda, der sich auch noch auf ältere Interpretatoren bezieht, sagt, das ist so die Lehre für die Top Class Aspirantes oder auch die First Class Aspirantes, für die Aspiranten der ersten Klasse. Man hält den Geist an, keine Gedanken, Nirvikalpa Samadhi, dann sind wir verwirklicht, fertig, brauchen wir nichts weiter zu machen. Und dann haben wir auch Jnana Yoga erreicht. „Swarupoham Tada Drastuh Svarupe Vasthanam, dann ruht der Sehende in seinem wahren Wesen.“ Wir brauchen nur den Geist zur Ruhe zu bringen. Und dann gibt Patanjali für die nicht First Class Aspirantes noch weitere verschiedene Methoden. Auch im weiteren ersten Kapitel erwähnt er noch verschiedene Weisen, wie wir zur höchsten Wahrheit kommen können, das ist jetzt kein Raja Yoga Weg. Im zweiten Kapitel sagt er dann noch, Kriya Yoga. Tapas, Swadhyaya, Ishwara Pranidhana Kriyayogah, damit überwinden wir die Kleshas und dann sind wir in der Verwirklichung. Das heißt, das ist so der Weg des Raja Yoga, um diese Identifikation zu überwinden. Wir überwinden Schritt für Schritt. Als erstes überwinden wir die Ängste. Wie überwinden wir die Ängste? Wir machen das, wovor wir Angst haben. Also, wenn ihr irgendwas habt, wovor ihr Angst habt, dann nehmt euch vor, „Ich mache es.“ Und dann das nächste, womit wir gebunden sind, sind Raga und Dwesha, Mögen und Nichtmögen. Wie überwindet man Mögen und Nichtmögen? Indem ich das tue, was ich nicht mag. Das ist jetzt alles so der Tapasaspekt. Und ich mache nicht das, was ich mag und ich mache das, was ich nicht mag. Ist eine sehr machtvolle Sache. Das ist aber noch für die Sekond Class Aspirantes. Und wenn wir das ausreichend machen, dann fallen die nächsten Schritte leicht, denn ohne Ängste und ohne Mögen und Nichtmögen wird das Ego sehr dünn. Dann wird es leicht, über das Ego hinauszugehen, über Avidya hinauszugehen, dann erfahren wir, wer wir wirklich sind. Aber außer Tapas gibt es auch noch Swadhyaya und es gibt auch noch Ishwara Pranidhana, als drei Methoden des Kriya Yoga. Ishwara Pranidhana ist Hingabe an Gott. Wir verehren Gott. Damit sind wir im Bhakti Yoga, wo ich gleich noch mal hinkommen. Wir verehren Gott und durch die Verehrung Gottes kommen wir auch jenseits dieser Kleshas. Eine dritte Weise wäre Swadhyaya. Swadhyaya kann man psychologisch interpretieren. Swadhyaya kann man aber auch vedantisch interpretieren. Swadhyaya ist Selbststudium. Also, wir können unsere Psyche studieren und können lernen, mit unserer Psyche umzugehen und dann können wir noch sehr viel detaillierter daran arbeiten, als einfach mit Tapas, im Sinne von, all unsere Ängste angehen und unser Raga und Dwesha systematisch angehen. Oder wir können eben Swadhyaya nehmen vom Standpunkt des Jnana Yoga. Selbststudium im Sinne von Viveka. Und im Laufe des zweiten Kapitels sagt dann Patanjali, Viveka Khyati ist der Weg zur Befreiung. Also dauernde Unterscheidung und da ist er wieder wie der Sankara im Viveka-Chudamani, Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst, Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen, Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen, Unterscheidung zwischen Ananda und Sukha oder Wonne und letztlich auch Leiden. Und danach sagt dann Patanjali, „Und um in den Zustand von Viveka Khyati zu kommen, sollte der Yogi die sieben Stufen praktizieren. Also, wenn es uns nicht gelingt, dauerhaft unseren Geist zu einer Unterscheidungskraft zu führen, dann gelten Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana, dann können wir Viveka üben und in Samadhi fallen. Also, hier kommt Patanjali zu einem ähnlichen Schluss wie auch Sankara in den einleitenden Versen, wo er auch von den Shatsampats spricht, den sechs edlen Tugenden, die es zu entwickeln gilt und wo er auch spricht über andere Yogawege, die helfen, dass der Geist so zur Ruhe gebracht wird, dass wir auch wirklich Viveka üben können. Und so, wenn man jetzt Raja Yoga als Hilfspraxis für Jnana Yoga übt, wissen wir auch, wir brauchen nicht unseren Geist vollständig unter Kontrolle zu bringen. Wir müssen ihn nur ausreichend unter Kontrolle bringen, dass die Viveka ausreichend stark wird und dann können wir aus dieser Verhaftung mit diesem Körper-Geist-Komplex rauskommen. Das ist ein wichtiger Gedanke dort. Also, um zu Nirvikalpa Samadhi zu kommen, müssen wir nicht abwarten, bis wir alle unsere geistigen und psychischen Probleme aufgearbeitet haben. Schon allein, was wir in den ersten Jahren unseres Lebens an psychischen Problemen angesammelt haben, da gibt es manche Menschen, die verbringen dann die restlichen 60 Jahre, diese aufzuarbeiten. Und wenn man noch bedenkt, dann gibt es noch Probleme aus so vielen verschiedenen anderen Inkarnationen. Also eine gewisse Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana, dann kommt die Unterscheidungskraft und damit können wir auch alle Begrenztheiten transzendieren.

Vedanta und Jnana, Raja, Bhakti, Karma, Hatha und Kundalini Yoga

Jetzt die sechs Yogawege vom Standpunkt vom Vedanta. Jnana Yoga, Raja Yoga, Bhakti Yoga, Karma Yoga, Hatha Yoga und Kundalini Yoga. Jnana Yoga kann man als seinen Hauptyogaweg wählen oder man kann auch sagen, es ist der Hintergrundsyoga. Und von den praktischen Zwecken her folgen wir einem anderen Yogaweg, aber wir wissen tief im Hinterkopf, wir wollen nirgendwo hängen bleiben und das ist vielleicht das Wichtigste am Jnana Yoga, dass wir nicht irgendwo uns in Lichterfahrungen verlieren und in irgendwelchen Pranaerfahrungen suhlen oder auch nicht, dass wir irgendwo verzweifeln an der Unfähigkeit, unseren Geist ganz unter Kontrolle zu bringen. Denn, den Geist ganz unter Kontrolle zu bringen, ist nicht so einfach, wie wir ja öfters schon so gesagt haben. Also Jnana Yoga so als Hintergrundsweg oder wir können sagen, „Jnana Yoga ist mein Hauptweg. Ich werde mich jeden Tag immer wieder fragen, wer bin ich? Ich werde mir immer wieder sagen, Ahambrahmasmi. Ich werde immer wieder bewusst spüren, Satchidananda Swarupoham. Ich werde mich immer wieder, nicht nur in der Meditation, sondern auch am Tag zwischendurch, besinnen, ich bin das Bewusstsein hinter allem. Und ich werde immer wieder lernen, nicht aus Identifikation heraus zu handeln, sondern aus Einheitsbewusstsein heraus zu handeln.“

Vedanta und Jnana Yoga im Alltag

Damit will ich jetzt mal die Fragen abschließen, denn natürlich bleibt dann weiter die Hauptfrage, „Wie setze ich das jetzt im Alltag um?“ und dort denkt öfters an diese Frage, die Rama den Hanuman gestellt hat, „Wer bist du?“ und Hanuman hat gesagt, „Auf der physischen Ebene bin ich Dein Diener. Auf der geistigen Ebene bin ich Teil von Dir. Und auf der höchsten Ebene bin ich Du.“ oder eins, kann man auch sagen. Und so bleiben auch und gerade für den Jnana Yogi alle Yogawege weiter wichtig. Nicht, dass ihr jetzt denkt, „Von heute an keine Asanas und Pranayama mehr, keine Mantras mehr, kein uneigennütziger Dienst mehr und Yogastunden unterrichte ich auch nicht mehr. Und ich lege mich auf eine Parkbank und sage, Ahambrahmasmi.“
Vielleicht noch eine Geschichte, die Swami Vishnu-devananda an der Stelle gerne erzählt hat. Das war die Geschichte von einem Aspiranten. Der war bei einem Lehrer und hat gehört, „Alles ist Brahman, alles ist Bewusstsein, es gibt nur eine Welt, die ganze Welt gehört nur dem kosmischen Bewusstsein und du bist Brahman. Damit gehört die ganze Welt dir.“ Der ist dann in ein Restaurant gegangen und hat sich ein fünf Gänge Menü in einem fünf Sterne Hotel bestellt und anschließend ging es dann ans Bezahlen und dann hat er dem Wirt gesagt, „Alles ist Brahman. Es gibt nur eine kosmische Wirklichkeit. Und das ganze Universum mit all seinen Teilen, einschließlich diesem Restaurant, gehört dem unsterblichen Brahman. Daher, mir gehört das Restaurant genauso wie jedem anderen auch und deshalb brauche ich auch nichts zu bezahlen.“ Und da die Geschichte noch etwas altertümlich sein soll, geht dann die Geschichte weiter. Dann nahm der Wirt einen Stock und schlug diesen Aspiranten grün und blau. Der Aspirant kehrt zurück zum Lehrer. Humpelnd und schmerzerfüllt, geht er zum Lehrer und sagt, „Meister, deine Philosophie hat nicht geklappt.“ Der Meister lässt sich die Geschichte erzählen und lacht und sagt, „Wer hat wen geschlagen? Wenn alles Brahman ist, dann hat Brahman sich selbst geschlagen. Warum kümmert dich das?“ Solange wir uns noch identifizieren mit dem Körper, gilt es, wir müssen uns um den Körper kümmern. Angenommen, wir identifizieren uns nicht mehr mit dem Körper, dann mag es sein, dass Karma irgendwo abläuft. Wer sich an die Bhumikas erinnert, von den sieben Bhumikas gibt es ja die sechste Bhumika, Padartha Bhavani, wo der Meister sich nicht mehr um seinen Körper kümmert, die Meisterin sich um nichts mehr kümmert, sondern es geschieht von selbst und es wird sich vom Karma um den Körper gekümmert. Er oder sie selbst spürt sich mehr oder weniger beständig im Unendlichen. Im Unterschied zu Asamshakti, wo auch schon Nirvikalpa Samadhi ist und der Meister, die Meisterin Doppelbewusstsein hat, zum einen sich sehr wohl um den Körper kümmern kann und die Pflichten erfüllen kann und dennoch immer wieder die Einheit mit dem Unendlichen erfährt. Oder es gibt eine andere Geschichte von Sankaracharya. Sankaracharya war zwar Swami und Begründer des Dashanami Orderns, er hat eben auch das Mönchstum systematisiert und man kann sagen, eigentlich zehn Hauptorden begründet, die dann in vier Hauptklöstern zusammengefasst wurden, die aber dann doch keine so enge Zusammengehörigkeit haben wie christliche Orden, da ist es sehr viel loser, bis so weit, dass die meisten gar nicht wissen, zu welchem Stammkloster sie eigentlich gehören. Aber Sankara war zwar ein Mönch und die meisten seiner Schüler waren Swamis, aber eben nicht alle. Er hatte auch mal so einen König gehabt und bei dem hat er regelmäßig Unterricht gehalten und hat zu dem König gesagt, „Dein Palast ist unwirklich und deine Elefanten sind unwirklich, dein Harem ist unwirklich, dein Reich ist unwirklich, hinter allem steckt nur Brahman. Höre auf, ständig nach mehr zu streben. Höre auf, Kriege anzuzetteln, um mehr Ruhm zu bekommen. Dein Selbst ist das gleiche Selbst wie das Selbst von allen Königen um dich herum und das gleiche Selbst, wie alle von deinen Untertanen, deshalb höre auf, sie auszupressen mit den Steuern, sondern erkenne, dein Selbst ist eins mit dem Selbst von allen.“ Und dann, den König hat das irgendwann gewurmt. Ursprünglich wollte er ja lernen, aber so geht das halt öfters mit Aspiranten. Erst gehen sie zum Meister und sagen, „Meister, lehre mich.“ und danach ärgern sie sich über das, was der Meister sagt oder argumentieren und schimpfen mit dem Meister. Und der König hatte gedacht, „Jetzt habe ich genug von ihm.“ Und Sankara ist so jeden Morgen durch die gleiche Straße durchgegangen und zum König hin und so hat der König dort einen Elefanten wild gemacht und hat den Elefanten durch die Straße jagen lassen, dass der Sankara zertrampelt wird. Also, war schon nicht so ganz ohne. Gut, und Sankara, der war halt noch jung – ihr erinnert euch, er ist ja mit 32 gestorben, seine Hauptlehrperiode, wo er in die Außenwelt gegangen war, war zwischen 24 und 32, er ist viel gewandert – er war auch in guter physischer Konstitution, er ist also vor dem Elefanten weggerannt und dann auf einen Bauch hochgeklettert. Und dieser Baum war irgendwo, die obersten Wipfel waren direkt vor den Gemächern vom König. Und manche sagen, der König hatte das beabsichtigt, der wollte ihn nicht umbringen. Jedenfalls der König sah ihn dort oben und dann fing er an zu lachen und sagte, „Oh Sankara, du lehrst, dass alles eins ist. Wieso bist du, der du eins bist mit dem Elefanten, vor dem Elefanten weggerannt?“ Dann antwortete Sankara, „Oh König, du hast noch nichts verstanden. Wer ist vor wem weggerannt? Und was ist überhaupt passiert?“ Habt ihr verstanden? Also, in dem Traum ist es so, dass der Sankara weggerannt ist, aber eigentlich ist niemand vor irgendjemandem weggerannt. Aber innerhalb des Traums wird man spielerisch die Regeln des Traums befolgen und das heißt dann auch, wenn einen ein Elefant verfolgt, dann rennt man vor ihm weg und weil Mensch langsamer ist als Elefant, ist es klüger einen Baum hoch zu kraxeln, wenn der Baum hoch und stark genug ist.

Bewusstsein – wo und was ist das?

Frage: „Wo ist mein Bewusstsein?“
Antwort: Mein Bewusstsein, dein Bewusstsein, Bewusstsein ist für uns alle da. Aber die Frage ist natürlich, „Wo ist meine Begrenztheit? Wo ist meine Individualität im Tiefschlaf?“ Und das ist eben das Interessante, im Tiefschlaf gibt es keine Individualität. Und so wird häufig, und das habe ich jetzt während diesem Seminar etwas weniger gemacht, vielleicht deshalb, weil die letzten Jnana Yogis, die hier im Ashram waren, diese Tiefschlafanalogie in epischer Breite gebraucht haben, habe ich das jetzt diesmal weniger gebraucht. Aber die Analogie des Tiefschlafs ist tatsächlich eine Analogie, die auch Sankara in einigen Versen vom Viveka-Chudamani behandelt und wo ihr in beiden Kommentaren, sowohl in diesem Kommentar, wie auch im Kommentar von Raphael dort, viel noch dazu hört. Also, im Tiefschlaf ist die Erfahrung nicht unterschiedlich. Angenommen, Narendra fällt in den Tiefschlaf, er hatte einen wunderbaren Tag. Angenommen, Sharada, sie hatte einen noch wunderbareren Tag. Und angenommen, Klaus-Dieter, der jetzt nicht hier ist, und ich meine jetzt auch keinen Konkreten, ich will jetzt keinen Konkreten nennen, der hat eine ganz schlimme Erfahrung gehabt, er wurde heute entlassen, die Frau hat sich von ihm getrennt und der Vermieter hat ihn rausgeworfen und der Kredit wurde gekündigt und er hat erfahren, dass er Blutkrebs hat. Alles an einem Tag. Jetzt angenommen, all das ist vorgestern passiert und er hatte schon eine schlaflose Nacht, aber heute Nacht schläft er. Frage, wer fühlt sich besser im Tiefschlaf, Sharada oder Hans-Dieter? Im Tiefschlaf fühlen sie sich beide gleich. Nur dann, wenn sie wieder aufwachen ist die Erfahrung schon ziemlich extrem anders. Aber vielleicht träumt dann Hans-Dieter, dass er König von Ägypten ist und alles wunderbar ist. Oder dass er auf einer einsamen Insel ist, wo er alles hat, was er braucht und genauso, wie er gerne sein will. Von niemandem gestört, wunderbare, was weiß ich. Dann ist letztlich die Frage. Und nehmen wir an, Sharada hat stattdessen irgendeinen Albtraum. Jetzt, wer ist insgesamt glücklicher? Hans-Dieter, er hat den schönen Tiefschlaf gehabt, nachdem er eine Nacht nicht schlafen konnte. Er hat einen schönen Traum gehabt und dann kommt er ins normale Wachbewusstsein und fühlt sich ganz elendig. Oder jemand anderes, tolle Wacherfahrung, aber Albtraum. Wessen Leben ist besser? Antwort, Ahambrahmasmi. In Wahrheit bleibt alles Brahman.

Bewusstsein ist unendlich – Brahman kenn keine Grenzen

Frage: „Warum ist Bewusstsein notgedrungen unendlich?“
Antwort: Angenommen, es gäbe etwas Endliches, dann wäre das Endliche wahrnehmbar. Und dann gibt es jemanden, der das Endliche wahrnimmt. Und das, was wahrgenommen wird, ist damit nicht das Bewusstsein. Angenommen, es gäbe eine Grenze des Bewusstseins. Dann müsste es jemanden geben, der die Grenze des Bewusstseins wahrnimmt. Und der, der die Grenze des Bewusstseins wahrnimmt, kann nicht identisch sein mit der Grenze. Daher muss Bewusstsein unendlich sein. Deshalb, aus gutem Grund gibt es in keiner mir bekannten Sprache ein Plural von Bewusstsein.
Jede Nacht kommt das Thema Tiefschlaf, sogar mehrmals. Aber ich bin darauf jetzt nur kurz eingegangen. Ich bin mehr auf Wachen und Träumen eingegangen. Als nächstes, der Tiefschlaf, da gibt es einfach keine Welt. Also, wir schwanken zwischen Wachwelt, ständig neuen Traumwelten und Tiefschlaf, wo es keine Welt gibt. Dann gibt es aber noch den vierten Bewusstseinszustand und das ist Samadhi, wo wir auch keine Welt wahrnehmen, aber dabei voll bewusst sind. Deshalb heißt es, Nirvikalpa Samadhi ist wie Tiefschlaf bei vollem Bewusstsein.

Brahman ist das Ziel der Evolution

Die Richtung und Ziel von Evolution ist, dass Brahman Brahman verwirklicht – Brahman verwirklicht Brahman – aufhört zu träumen oder sich bewusst sein, „Ich bin das unsterbliche Selbst. Selbst wenn ich noch im Traum bin, Brahman bleibt Brahman.“
Immerhin, es hat jetzt acht Tage gedauert, bis diese Frage gekommen ist, obgleich ich sie an mehreren Stellen schon beantwortet hatte. „Warum gibt es diese Welt? Warum hat Brahman die Welt geschaffen?“ Da gibt es jetzt verschiedene Antworten. Die beste Antwort ist, Brahman hat keine Welt geschaffen. Die Welt existiert nicht. Deshalb zu fragen, „Warum hat Brahman die Welt geschaffen?“, ist so ähnlich wie zu fragen, „Warum hat eine Krähe Zähne?“ Warum hat eine Krähe Zähne? Eine Krähe hat keine Zähne. Oder ein anderes Beispiel. Ich weiß nicht, wie man das auf Deutsch korrekt übersetzt. Why does a barren woman have children? Warum hat eine unfruchtbare Frau Kinder? Antwort, unfruchtbare Frau hat keine Kinder. Warum hat Brahman die Welt geschaffen? Es gibt keine Welt. Deshalb zu fragen, „Warum hat Brahman die Welt geschaffen?“ ist genauso sinnvoll wie zu fragen, „Warum hat eine Krähe Zähne?“ Dann gibt es eine andere Antwort und das ist jetzt im Bhakti Yoga Lila. Gott hat irgendwo gedacht, „Wäre doch schön eine Welt zu schaffen.“ Und dann hat Gott die Welt geträumt und das Ganze ist dann ein kosmisches Spiel und wir sind alle Teil in diesem kosmischen Spiel, in diesem kosmischen Traum. Kann man natürlich sagen, was ist das jetzt für ein Verständnis von Brahman? Wenn Brahman sich langweilt, dann ist er nicht Brahman. Brahman kann per Definitionem sich nicht langweilen. Deshalb diese Aussage, Gott spielt, macht  irgendwo keinen Sinn. Eine zweite, genauso gute Antwort wie die erste ist, es ist eine transzendente Frage, auf die es im Relativen keine Antwort gibt. Dann, wenn du verwirklicht bist, weißt du es, kannst es aber nicht in Worten ausdrücken. Und solange du nicht verwirklicht bist, kannst du es auch nicht erfassen. Oder Buddha hat mal so geantwortet, „Solche Fragen sollten nicht gestellt werden und wenn sie gestellt werden, sollte man sie nicht beantworten.“ Patanjali hat dort eine Antwort gegeben, auch wenn sie genauso wenig logisch ist wie die Antwort der Bhaktas. Da wird auch gefragt, „Warum hat sich Purusha mit Prakriti verbunden, um so dieses Universum zu schaffen?“ Dort heißt es, „Der Grund der Vereinigung oder der Verbindung von Prakriti mit Purusha ist, dass Purusha Kenntnis seiner wahren Natur erlangt und die Kräfte erkennt, die in ihm und in der Prakriti stecken.“ Also, man könnte dort sagen, es gab diesen unendlichen Purusha, Satchidananda, Sein, Wissen, Glückseligkeit. Und dann wollte er irgendwo bewusst erkennen, „Wer bin ich?“ und dazu musste er sich erst widerspiegeln in der Prakriti und sich dann verfangen in der Prakriti und dann in diesem ganzen Prozess des Zurückkehrens weiß dann Purusha nachher, wer er ist. Und außerdem wollte er dann auch erfahren, welche Kräfte in ihm und in der Prakriti stecken. Und so sind wir auch hier in diesem Universum, um die Kräfte zu erfahren, die in uns und in der Prakritit drinstecken. Und die Welt ist dann dazu geschaffen, dass sie uns Bhoga und Aparivarga gibt, also Vergnügen und Erfahrungen gibt und auch die Erfahrungen, die nötig sind, dass wir wieder herauskommen. Man könnte sagen, irgendwo das unsterbliche Selbst wollte sich mal spiegeln, aber um zu verhindern, dass es sich in der Spiegelung verliert, hat es veranlasst, dass ihm die Prakritit die Erfahrungen gibt, die ihn auch wieder herausholen. Ähnliche Analogie wie, Indra, der König der Götter wollte sich als Keiler inkarnieren. Er hat aber dann seine Adjutanten gebeten, sie mögen ihn dort wieder rausholen, falls er sich darin verliert. Und er hat sich dann verloren. Erinnert ihr euch noch an die Geschichte? Das ist eine der drastischen Geschichten, die euch in Erinnerung bleiben. Aber ich muss ehrlich zugeben, einen wirklich überzeugenden Grund für diese Welt habe ich noch nicht gefunden. Auch wenn diese Bhakti und Raja Yoga Erklärungen vielleicht irgendwo den Emotionen ein bisschen helfen, so ganz umsonst ist es jetzt nicht. Im Raja Yoga, Patanjali würde sagen, dass wir so einen Schöpfungszyklus durchlaufen, letztlich ist es für irgendwas gut. Das tröstet einen. Und der Bhakta würde sagen, es ist Spiel Gottes und mit Gott können wir gerne spielen und schauen, dass wir mit Gott spielen und das erfreut das Herz des Bhaktas. Die Antworten des Jnana Yogis, die Antworten eins und drei, die befriedigen uns emotionell nicht, was nicht heißt, dass sie deshalb schlechter wären. Nicht immer ist das, was uns emotionell mehr befriedigt, das Bessere.

Das Böse in der Welt

Frage. „Wenn alles die großartige, allumfassende Seele ist, wenn Gott allmächtig, allgegenwärtig, allwissend ist, warum gibt es so Böses in dieser Welt, warum gibt es so viele letztlich dämonische Geschichten, warum gibt es so viel in uns, was uns daran hindert, zum Höchsten zu kommen? Und auch, wenn wir uns bewusst sind, „Ich bin das unsterbliche Selbst.“, warum mache ich all diese Dummheiten weiterhin?“ Das ist letztlich alles auch ein Teil dieses Lilas und dieses kosmischen Spiels. Letztlich ist es ein Teil der Entwicklung und der Evolution des Lebens. Was in einem Kontext früher mal gut war, ist jetzt vielleicht in einem anderen Kontext nicht gut. Z.B. Angst ist ja nichts Schlechtes. Wenn man jetzt so sieht, Leben entwickelt sich und dann gab es irgendwann Pflanzen und dann Tiere. Und Tierreich hat sich entwickelt, Bewusstsein kann sich weiter ausdrücken und dann war natürlich die Angst wichtig. Angenommen, z.B. auch unsere Vorfahren hätten keine Angst gehabt. Die sehen dort einen schönen Tiger vor sich, „Ah, schau diesen Tiger an. Diese schönen Farben, dieses gelb oder dieses orange, schwarz, weiß. Faszinierend.“ Was ist mit dem passiert? Er konnte sein Erbgut nicht weitergeben. Nein, er musste sich neu inkarnieren. Währenddessen der, der zusammengezuckt ist und Angst gekriegt hat, der hat überlebt. Und angenommen, so in der Horde, da gibt es den einen, zum Abendessen haben die anderen ihm nichts abgegeben und er hat irgendwo gedacht, „Ja, ist doch nett, dass die anderen was zu Essen haben. Ich esse nichts. Und ich bin zwar auch Teil der Gemeinschaft, aber dass mir niemand was gibt, ist ja auch ganz o.k.“ Dann wäre der verhungert. Er konnte sein Erbgut auch nicht weitergeben. Dagegen der, der dann geschimpft hat, schon als Bub oder als Mädchen, „Ich will auch was haben.“ und dann die Mütter geben ihm auch was und wenn er nicht genügend gekriegt hat, dann schreit er lauter. Und eine der großen Bestrebungen von Müttern ist Ruhe, ihren Balg dazu zu bringen, die Klappe zu halten. Sehr unromantisch jetzt. Natürlich haben sie sehr viele andere Wünsche auch. Sie wollen das Beste und das Liebevollste usw. Aber es war im Überleben in der Horde und schon letztlich früher einfach hilfreich, wenn jemand sich geärgert hat, wenn jemand Ängste hat, wenn jemand sich gewehrt hat und es war sicherlich auch von Vorteil, wenn der eine Stamm den anderen erschlagen hat. Das ist jetzt nicht sehr positiv ausgedrückt, aber all dieses Erbe ist da. Also das, was in frühren Zeiten die Evolution des Lebens irgendwie ermöglicht hat, was in früheren Zeiten das Überleben gesichert hat, das ist jetzt in unserer Zeit das, was uns in dieser Welt gefesselt hält. Deshalb sollten wir nicht sagen, das sind dämonische Kräfte oder das ist das Böse. In früheren Zeiten hat man von dem Teuflischen, dem Satan gesprochen. Da gab es Gott und da gab es den Teufel. Wer war eigentlich stärker, wenn man sich die Welt manchmal anschaut, vor allem wenn man sich die Nachrichten anschaut? Es scheint oft der Teufel stärker zu sein als Gott. Aber so kann es ja nicht sein, vor allem, wenn man vom Vedanta ausgeht. Da gibt es keinen Teufel. Da gibt es jetzt nicht jemand, das Böse, sondern es gibt eben auch das Gesetz der Entfaltung des Lebens und bei der Entfaltung des Lebens, wo sich langsam Brahman immer mehr ausdrückt und Bewusstsein sich seiner immer mehr bewusst wird, auf diesem Weg sind halt auch verschiedene Überlebensmechanismen und Instinkte usw. entstanden. Da hat sich eine Pranamaya Kosha und eine Manomaya Kosha entwickelt und alle menschlichen Emotionen hatten dort irgendwo einen Sinn. Aber das, was früher mal einen Sinn hatte, hat heute eben nicht unbedingt einen Sinn. Und letztlich genauso, angenommen ein Kind wächst auf, dann ist es irgendwann mal hilfreich, dass das Kind vielleicht mit einer Puppe spielen lernt oder mit irgendwelchen Autos, Spielzeugautos Rollenspiele macht usw. Angenommen, eine 16-jährige spielt weiter Puppe und will jeden Abend die Puppe irgendwo ins Puppenhaus bringen und will nicht einschlafen, bevor sie die Puppe irgendwo gefüttert hat, dann würden wahrscheinlich die Eltern sich Sorgen machen und sie zum Kinderpsychologen schicken. Hoffentlich vor dem 16. Lebensjahr. Und so, wenn wir weiter wachsen wollen auf der Evolution, dann müssen wir manche Gewohnheiten, die als Kind hilfreich waren, langsam abgeben. So können wir wachsen. Oder als Erstklässler hat man – ich weiß nicht, ob das heute noch so ist – gab es bestimmtes Linienpapier. Ich weiß nicht, wie viel Linien sind es? Drei Linien, damit man den Mittelbauch und unten und oben richtig malt. Angenommen, ich würde jetzt darauf bestehen, dass ich weiter Linienpapier habe, wäre auch nicht angemessen.

Meister und Schüler – Guru und Chela

Frage: „Wenn Brahman das Bewusstsein aller Wesen ist, dann gibt es keinen Unterschied zwischen Guru und Chela, zwischen Guru und Schüler. Dann lehren doch letztlich die Meister sich selbst.“ Antwort: Ja, sie wirken durch sich selbst und sie lehren sich selbst, wenn wir jetzt vom Vedanta ausgehen

136. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Verwirklichte Gurus und Reinkarnation

Frage: „Werden verwirklichte Gurus, Erleuchtete, große Meister, wiedergeboren? Wie ist die Erfahrung von Jivanmuktas?“ Da bin ich eigentlich schon mal darauf eingegangen. Ich merke jetzt irgendwo, ich wiederhole mich, aber das ist auch nichts Falsches. Krishna wiederholt sich in der Bhagavad Gita auch ständig und Arjuna stellt in jedem halben Kapitel die gleiche Frage und da auch Krishna nicht müde ist, die gleiche Frage auch mit der gleichen Antwort zu versehen, dann werde ich als kleiner Yogi das auch machen können. Also, bei den großen Meistern, auf der einen Ebene sind sie eins mit dem Unendlichen geworden und sie inkarnieren sich nicht wieder. Sie existieren nicht mehr als Einzelseele. Auf der anderen Seite hinterlassen die großen Meister eben starke Gedankenformen. Und sie existieren nicht mehr als Ego, aber letztlich Gott wirkt dann durch diese Gestalten der Meister hindurch. Und so kann man zu Swami Sivananda beten und Visionen von ihm haben und geführt werden und Berufungserlebnisse haben und von ihm geführt werden. Aber er ist nicht mehr eine Einzelseele mit egoistischen Wünschen, sondern Sivananda ist irgendwo verschmolzen mit dem Absoluten und daher, wenn man an Sivananda denkt, dann denkt man letztlich an das Absolute. Man könnte es in der Ausdrucksweise von Sheldrake sagen, es wird so wie ein morphisches Feld, durch das dann Gott letztlich hindurchwirkt..