Was ist Moksha? Was ist Selbstverwirklichung?

An einer späteren Stelle wird Sankara auch sprechen über die höchste Befreiung. Aber Selbstverwirklichung, Gottverwirklichung heißt wirklich Moksha und Selbstverwirklichung. Dann ist die Frage, was heißt Moksha? Was heißt Selbstverwirklichung? Ist dort wirklich jeder Anschein einer eigenartigen Gewohnheit vorbei? So kann man es nicht sehen. Der Körper hat seine Grenzen, das Hirn hat seine Grenzen, die Psyche hat ihre Grenzen. Wir dürfen nicht denken, dass Vollkommenheit heißt, dass man auf irgendeiner physischen, emotionalen und geistigen Ebene eine wie auch immer geartete Vollkommenheit erreicht hat. Es heißt, wir sind aufgewacht. Es heißt, wir wissen: Ich bin das unsterbliche Selbst. Ich bin der Atman. Man ist so weit aufgewacht, dass man sich nicht mehr inkarnieren muss. Es ist die Befreiung oder Nirvikalpa Samadhi oder Selbstverwirklichung. Gottverwirklichung heißt: Ich weiß, ich bin Satchidananda. Ich bin Sein, Wissen und Glückseligkeit. Aham Brahmasmi, ich bin Brahman. Ayam Atma Brahman, dieses Selbst ist Brahman. Wir wissen das und es ist ein dauerhaftes Wissen, es verlässt uns auch niemals mehr. Egal, was passiert, Harahalame Almasta Sat Chid Ananda Hum. Was auch immer passiert, ich weiß das.

Ich bin deshalb auch nicht gebunden von irgendwelchen Problemen oder Neurosen, einem Trauma und so weiter. Das löst sich damit auf. Deshalb heißt es in Nirvikalpa Samadhi werden eine Menge von Samskaras verbrannt. Es wird deshalb auch als Nirbija Samadhi bezeichnet, es werden also Bijas verbrannt. Und alles Karma, das nicht begonnen hat, Früchte zu tragen, wird auch verbrannt. Also Sanchita Karma, Agami Karma wird verbrannt. Wir brauchen nicht noch mal wiedergeboren zu werden. Wir sind auch nicht mehr in der Lage, egoistische Handlungen zu führen. Das klingt jetzt so ein bisschen negativ: Aber wir sind nicht mehr in der Lage, egoistische Handlungen auszuführen, die dann zu neuem Karma führen würden. Sondern wir fühlen: Ich bin das Bewusstsein hinter allem, auch wenn ich noch durch diesen Körper hindurch wirke, auch wenn ich dort weiter Karma habe.

Was weiter bleibt, ist das Temperament. Selbstverwirklichte Heilige, auch die, die volles Nirvikalpa Samadhi erreicht haben, sind keine wandelnden Statuen. Sie haben ein Temperament, sie haben eine Persönlichkeit, sie haben Gewohnheiten, sie haben sogar Lieblingsgerichte. Es gab bestimmte Dinge, die hat Swami Sivananda lieber gegessen als andere. Es wird auch irgendwo geschrieben über Sankara, in der Dhyana Shloka, dass er irgendeine Frucht auch besonders gemocht zu haben scheint. Aber natürlich hat es Swami Sivananda oder auch Sankara auch nichts ausgemacht, wenn sie das nicht bekommen haben, was sie gerne hätten. Sie würden deshalb also nicht wild werden oder böse werden.

42. Teil der Niederschrift von Vorträgen im Rahmen eines Yogalehrer Ausbildungs-Seminars mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses 9-tägigen Vedanta-Seminars war “Viveka Chudamani von Sankaracharya”. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen.

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