Damit will ich jetzt mal die Fragen abschlieĂen, denn natĂŒrlich bleibt dann weiter die Hauptfrage, âWie setze ich das jetzt im Alltag um?â und dort denkt öfters an diese Frage, die Rama den Hanuman gestellt hat, âWer bist du?â und Hanuman hat gesagt, âAuf der physischen Ebene bin ich Dein Diener. Auf der geistigen Ebene bin ich Teil von Dir. Und auf der höchsten Ebene bin ich Du.â oder eins, kann man auch sagen. Und so bleiben auch und gerade fĂŒr den Jnana Yogi alle Yogawege weiter wichtig. Nicht, dass ihr jetzt denkt, âVon heute an keine Asanas und Pranayama mehr, keine Mantras mehr, kein uneigennĂŒtziger Dienst mehr und Yogastunden unterrichte ich auch nicht mehr. Und ich lege mich auf eine Parkbank und sage, Ahambrahmasmi.â
Vielleicht noch eine Geschichte, die Swami Vishnu-devananda an der Stelle gerne erzĂ€hlt hat. Das war die Geschichte von einem Aspiranten. Der war bei einem Lehrer und hat gehört, âAlles ist Brahman, alles ist Bewusstsein, es gibt nur eine Welt, die ganze Welt gehört nur dem kosmischen Bewusstsein und du bist Brahman. Damit gehört die ganze Welt dir.â Der ist dann in ein Restaurant gegangen und hat sich ein fĂŒnf GĂ€nge MenĂŒ in einem fĂŒnf Sterne Hotel bestellt und anschlieĂend ging es dann ans Bezahlen und dann hat er dem Wirt gesagt, âAlles ist Brahman. Es gibt nur eine kosmische Wirklichkeit. Und das ganze Universum mit all seinen Teilen, einschlieĂlich diesem Restaurant, gehört dem unsterblichen Brahman. Daher, mir gehört das Restaurant genauso wie jedem anderen auch und deshalb brauche ich auch nichts zu bezahlen.â Und da die Geschichte noch etwas altertĂŒmlich sein soll, geht dann die Geschichte weiter. Dann nahm der Wirt einen Stock und schlug diesen Aspiranten grĂŒn und blau. Der Aspirant kehrt zurĂŒck zum Lehrer. Humpelnd und schmerzerfĂŒllt, geht er zum Lehrer und sagt, âMeister, deine Philosophie hat nicht geklappt.â Der Meister lĂ€sst sich die Geschichte erzĂ€hlen und lacht und sagt, âWer hat wen geschlagen? Wenn alles Brahman ist, dann hat Brahman sich selbst geschlagen. Warum kĂŒmmert dich das?â Solange wir uns noch identifizieren mit dem Körper, gilt es, wir mĂŒssen uns um den Körper kĂŒmmern. Angenommen, wir identifizieren uns nicht mehr mit dem Körper, dann mag es sein, dass Karma irgendwo ablĂ€uft. Wer sich an die Bhumikas erinnert, von den sieben Bhumikas gibt es ja die sechste Bhumika, Padartha Bhavani, wo der Meister sich nicht mehr um seinen Körper kĂŒmmert, die Meisterin sich um nichts mehr kĂŒmmert, sondern es geschieht von selbst und es wird sich vom Karma um den Körper gekĂŒmmert. Er oder sie selbst spĂŒrt sich mehr oder weniger bestĂ€ndig im Unendlichen. Im Unterschied zu Asamshakti, wo auch schon Nirvikalpa Samadhi ist und der Meister, die Meisterin Doppelbewusstsein hat, zum einen sich sehr wohl um den Körper kĂŒmmern kann und die Pflichten erfĂŒllen kann und dennoch immer wieder die Einheit mit dem Unendlichen erfĂ€hrt. Oder es gibt eine andere Geschichte von Sankaracharya. Sankaracharya war zwar Swami und BegrĂŒnder des Dashanami Orderns, er hat eben auch das Mönchstum systematisiert und man kann sagen, eigentlich zehn Hauptorden begrĂŒndet, die dann in vier Hauptklöstern zusammengefasst wurden, die aber dann doch keine so enge Zusammengehörigkeit haben wie christliche Orden, da ist es sehr viel loser, bis so weit, dass die meisten gar nicht wissen, zu welchem Stammkloster sie eigentlich gehören. Aber Sankara war zwar ein Mönch und die meisten seiner SchĂŒler waren Swamis, aber eben nicht alle. Er hatte auch mal so einen König gehabt und bei dem hat er regelmĂ€Ăig Unterricht gehalten und hat zu dem König gesagt, âDein Palast ist unwirklich und deine Elefanten sind unwirklich, dein Harem ist unwirklich, dein Reich ist unwirklich, hinter allem steckt nur Brahman. Höre auf, stĂ€ndig nach mehr zu streben. Höre auf, Kriege anzuzetteln, um mehr Ruhm zu bekommen. Dein Selbst ist das gleiche Selbst wie das Selbst von allen Königen um dich herum und das gleiche Selbst, wie alle von deinen Untertanen, deshalb höre auf, sie auszupressen mit den Steuern, sondern erkenne, dein Selbst ist eins mit dem Selbst von allen.â Und dann, den König hat das irgendwann gewurmt. UrsprĂŒnglich wollte er ja lernen, aber so geht das halt öfters mit Aspiranten. Erst gehen sie zum Meister und sagen, âMeister, lehre mich.â und danach Ă€rgern sie sich ĂŒber das, was der Meister sagt oder argumentieren und schimpfen mit dem Meister. Und der König hatte gedacht, âJetzt habe ich genug von ihm.â Und Sankara ist so jeden Morgen durch die gleiche StraĂe durchgegangen und zum König hin und so hat der König dort einen Elefanten wild gemacht und hat den Elefanten durch die StraĂe jagen lassen, dass der Sankara zertrampelt wird. Also, war schon nicht so ganz ohne. Gut, und Sankara, der war halt noch jung – ihr erinnert euch, er ist ja mit 32 gestorben, seine Hauptlehrperiode, wo er in die AuĂenwelt gegangen war, war zwischen 24 und 32, er ist viel gewandert – er war auch in guter physischer Konstitution, er ist also vor dem Elefanten weggerannt und dann auf einen Bauch hochgeklettert. Und dieser Baum war irgendwo, die obersten Wipfel waren direkt vor den GemĂ€chern vom König. Und manche sagen, der König hatte das beabsichtigt, der wollte ihn nicht umbringen. Jedenfalls der König sah ihn dort oben und dann fing er an zu lachen und sagte, âOh Sankara, du lehrst, dass alles eins ist. Wieso bist du, der du eins bist mit dem Elefanten, vor dem Elefanten weggerannt?â Dann antwortete Sankara, âOh König, du hast noch nichts verstanden. Wer ist vor wem weggerannt? Und was ist ĂŒberhaupt passiert?â Habt ihr verstanden? Also, in dem Traum ist es so, dass der Sankara weggerannt ist, aber eigentlich ist niemand vor irgendjemandem weggerannt. Aber innerhalb des Traums wird man spielerisch die Regeln des Traums befolgen und das heiĂt dann auch, wenn einen ein Elefant verfolgt, dann rennt man vor ihm weg und weil Mensch langsamer ist als Elefant, ist es klĂŒger einen Baum hoch zu kraxeln, wenn der Baum hoch und stark genug ist.
141. Teil der Niederschrift von VortrĂ€gen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tĂ€gigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. ErklĂ€rungen fĂŒr die Sanskrit AusdrĂŒcke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet fĂŒr Yoga AnfĂ€nger. Er ist vielmehr gedacht fĂŒr Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmĂ€Ăig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga AnfĂ€ngern wird das Yoga AnfĂ€nger-Portal empfohlen. FĂŒr fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.
