Die Drei Schätze des Menschen

Sankaracharya beginnt ganz am Anfang zu sagen, „Manushyatam Mumukshutvam Mahapurusha Samshrayaha.“ Drei Dinge sind wertvoll auf dieser Welt, drei große Schätze. Das erste ist Manushyatam, ein menschenwürdiges Dasein. Was zuerst mal beinhaltet, einen menschlichen Körper zu haben. Zweitens, dass man das hat, was man zum physischen Überleben braucht, also was zu essen, Dach über dem Kopf und nicht eine Angst, dass man am gleichen Tag marodierenden Banden zum Opfer fällt. Und das ist der erste der großen Schätze, die wir als Mensch haben in diesen Breiten, wo wir geboren sind. Das zweite ist Mumukshutvam, der intensive Wunsch nach Befreiung. Dieser Wunsch nach Befreiung ist bewusst oder unbewusst in jedem Menschen angelegt. Bei manchen ist er stärker, bei manchen ist er schwächer. Und bei denen, bei denen dieser Wunsch besonders stark angelegt ist, ist es manchmal auch nicht nur angenehm, denn sie sind anders als Otto Normalverbraucher oder als Ottonin Normalverbraucherin oder Ottilie Normalverbraucherin. Sehr viele Menschen haben Manushyatam. Mumukshutvam haben viele nicht. Und wenn sie es haben und man nicht weiß, wohin das führen kann, dann ist man auch nicht unbedingt glücklich, wenn man nicht wertschätzt, „Ja, das ist etwas Wertvolles.“ Mumukshutvam, der intensive Wunsch, die Wahrheit zu erfahren. Nicht zufrieden sein mit dem Relativen, was die Welt uns so anbietet. Zu Mumukshutvam gehört auch dazu, intensive Sehnsucht nach Gott, intensive Sehnsucht nach Wahrheit. Und das dritte wichtige ist Mahapurusha Samshrayaha, also die liebevolle Fürsorge durch einen selbstverwirklichten Meister, was heißen kann, eine Tradition zu finden, in der ein großer Meister – auch wenn er nicht mehr im physischen Körper ist – einen weiter leitet, wo man Praktiken hat, die man üben kann, Lehren hat, denen man folgen kann und vielleicht auch – wenn auch nicht ganz selbstverwirklichte Meister – Menschen hat, die einem auch praktisch die Dinge beibringen können. Das sind die drei wertvollsten Schätze im Universum. Wertvoller als jeder Lotteriegewinn. Wertvoller als das beste Auto. Sogar wertvoller als das schönste Haus und die tollste, was auch immer sonst. Das gilt es, sich dessen bewusst zu sein und immer wieder auch bewusst zu sein, danach gilt es zu streben und das gilt es zu nutzen.

148. Teil der Niederschrift von Vorträgen und Workshops aus einem Yogalehrer Ausbildungs-Seminar mit Sukadev Bretz bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Thema dieses besonderen 9-tägigen Vedanta-Seminars aus dem Jahr 2008 war „Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung, von Sankaracharya“. Erklärungen für die Sanskrit Ausdrücke findest du im Yoga Sanskrit Glossar. Dieser Blog ist nicht geeignet für Yoga Anfänger. Er ist vielmehr gedacht für Menschen, die sich in Yoga Philosophie, insbesondere Jnana Yoga, auskennen und regelmäßig Meditation praktizieren, sich als spirituelle Aspiranten verstehen. Yoga Anfängern wird das Yoga Anfänger-Portal empfohlen. Für fortgeschrittenere Aspiranten und Kenner der Materie gibt es hier Einsichten und Weisheiten der besonderen Art.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.