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Die vier Mittel der Befreiung – Sadhana Chatushthaya

Sankara fährt dann fort. „Wenn man zu einem Lehrer geht, braucht man vier Eigenschaften, Viveka, Vairagya, Mumukshutva und Shatsampat.“ Also, man sollte schon eine gewisse Viveka haben. Die Viveka führt letztlich zur höchsten Befreiung, aber schon Viveka am Anfang ist wichtig. Schon am Anfang sollte man sich einer gewissen Sache bewusst werden, eben „Ich bin nicht dieser Körper. Ich werde nicht glücklich sein durch die eine oder andere Wunscherfüllung. Und diese Welt, so wie sie sich mir darstellt, kann nicht wirklich wirklich sein.“ Das ist schon etwas, was man als Schüler vom Jnana Yoga schon von Anfang an irgendwo mindestens angedeutet haben sollte. Als zweites, Vairagya. Viveka, kann man sagen, ist mehr intellektuell und vernunftmäßig und Vairagya ist herzensmäßig. Vom Inneren heraus fühlen, „Wunscherfüllung allein und ein materiell gelebtes Leben oder das so genannte normale Leben, macht mich nicht dauerhaft glücklich.“ Das ist ein essentielles Wissen, „Auch wenn jetzt der Weihnachtsmann kommen würde und mir alle Wünsche erfüllen würde oder wenn jetzt eine Fee kommen würde und sagen würde, du hast drei Wünsche frei, wir wissen, äußere Wünsche machen mich nicht glücklich.“, Vairagya. Dritte, Shatsampat, die edlen Tugenden der Gleichmut. Wir sind sie alle durchgegangen, von einem praktischen Standpunkt aus, wie auch von dem höheren Standpunkt aus, den Sankara dort entwickelt. Letztlich auch aus der Überzeugung, dass nichts Äußeres einen glücklich macht, kommt auch eine gewisse Shatsampat, dann kann man auch gleichmütig sein gegenüber all diesem Äußeren. Wobei es die Gleichmut 1. Grades und 2. Grades gibt. Die erste ist, die Emotionen werden einen gar nicht erst unruhig machen und das zweite ist, man weiß, „Ich bin nicht die Emotionen und ich behalte die höhere Gleichmut, selbst wenn ich zwischendurch explodiere.“ Schließlich Mumukshutva, darüber habe ich gesprochen. Er erwähnt Mumukshutva immer wieder. Wenn wir uns so ausgestattet haben mit diesen vier Eigenschaften, dann gilt es, gerade die Viveka immer weiter zu entwickeln und uns immer wieder bewusst zu machen, „Ich bin nicht der Körper. Ich bin nicht die Wünsche. Ich bin nicht die Psyche. Ich bin nicht das Prana. Ich bin nicht die Emotionen. Ich bin nicht die Persönlichkeit. Sondern meine wahre Natur ist Brahman.“
So kommen wir über Viveka zu den vier Mahavakyas: Tat Tam Asi. – Das bist du. Das, das wir nicht beschreiben können. Ahambrahmasmi. – Ich bin Brahman. Ayam Atma Brahman. – Dieses Selbst ist Brahman. Und Prajnanam Brahman. Was ist Brahman? Brahman ist Bewusstsein. Dieses Bewusstsein kann man auch nennen, Satchidananda, Sein, Wissen und Glückseligkeit.
Aus dieser Bewusstheit heraus kann man dann leben. Es gilt, das auch in den Alltag umzusetzen und ich kann euch da durchaus empfehlen, noch mal das Kapitel „Vedanta“ aus Swami Sivanandas Buch „Göttliche Erkenntnis“ durchzulesen, da beschreibt er das auch noch mal sehr ausführlich von einem praktischen Standpunkt aus, wo er klar sagt, Vedanta darf nicht nur einfach intellektuelle Gymnastik sein. Es darf nicht Ligual Diarrhoea sein, also Sprechdurchfall, sondern aus dieser Vedanta kommen auch praktische Konsequenzen. Es gilt, es umzusetzen im Alltag und diese Umsetzung, die steht jetzt für euch wieder bevor. Zu arbeiten an Viveka, Vairagya, Shatsampat, Mumukshutva. Uneigennützig dienen im Sinne von, das Selbst aller Wesen ist gleich, inmitten aller Veränderungen des Lebens, das eine kosmische Selbst zu erfahren, sein Karma abzuarbeiten, damit wir letztlich auch auf beschränkte Weise unsere Mission im Leben erfüllen. Wenn wir nicht immer uns der höchsten Wirklichkeit bewusst sein können, dann gilt es, sie zu verehren. Das ist das, was Krishna ja in der Bhagavad Gita in jedem Kapitel macht, wo er über Jnana Yoga schreibt oder spricht. Jedes Mal, wenn Krishna über Jnana Yoga spricht, sagt er zum Schluss, „Und wenn es dir nicht gelingt, dir ständig deines Selbst bewusst zu sein, dann verehre Gott. Und wenn du nicht immer die eine Seele hinter allem wahrnehmen, erkennen, fühlen kannst, dann verehre sie halt. Und wenn du all das nicht so ganz kapierst, dann habe einfach Vertrauen und verehre es.“ Und so gilt es, diese verschiedenen Standpunkte zu integrieren. Und ich bin immer wieder darauf eingegangen, auf diese Sätze von Hanuman. Als Rama ihn gefragt hatte, „Wer bist du?“, hat Hanuman geantwortet, „Auf der physischen Ebene bin ich Dein Diener. Auf einer geistigen Ebene bin ich ein Teil von Dir. Auf der höchsten Ebene bin ich Du.“ Der Mensch ist äußerst komplex und so gilt es, auf all diesen Ebenen zu wirken. Wenn wir nur eine dieser Ebenen berücksichtigen, ist es letztlich unvollständig. Und gerade für jemanden, der im aktiven Leben steht, gilt es aus allen drei Ebenen heraus zu handeln. Angenommen, ihr wärt Wandermönch, dann könntet ihr vielleicht nur aus dem dritten heraus handeln. Aber vom Karmischen her ist das, glaube ich, keiner von euch und die meisten von euch, vermutlich alle, sind irgendwo auch im Alltag beschäftigt und so gilt es, die Handlungen Gott zu widmen, sich als Gottes Diener zu empfinden, als Diener die Dinge tun, so gut, wie man kann, auch seine Fähigkeiten zu entwickeln. Auf einer anderen Ebene zu erkennen, „Ich bin Teil Gottes. Alles, was ich tue, ist letztlich Teil des kosmischen Ganzen. Gott möge durch mich hindurch wirken.“ Auf der höchsten Ebene sind wir eins. Auf die wir uns immer wieder zurückbesinnen können, sowohl in der Meditation, als auch zwischendurch im Alltag, woraus dann eine heitere Einstellung zum Leben geschieht.

Vedanta und Jnana Yoga im Alltag

Damit will ich jetzt mal die Fragen abschließen, denn natürlich bleibt dann weiter die Hauptfrage, „Wie setze ich das jetzt im Alltag um?“ und dort denkt öfters an diese Frage, die Rama den Hanuman gestellt hat, „Wer bist du?“ und Hanuman hat gesagt, „Auf der physischen Ebene bin ich Dein Diener. Auf der geistigen Ebene bin ich Teil von Dir. Und auf der höchsten Ebene bin ich Du.“ oder eins, kann man auch sagen. Und so bleiben auch und gerade für den Jnana Yogi alle Yogawege weiter wichtig. Nicht, dass ihr jetzt denkt, „Von heute an keine Asanas und Pranayama mehr, keine Mantras mehr, kein uneigennütziger Dienst mehr und Yogastunden unterrichte ich auch nicht mehr. Und ich lege mich auf eine Parkbank und sage, Ahambrahmasmi.“
Vielleicht noch eine Geschichte, die Swami Vishnu-devananda an der Stelle gerne erzählt hat. Das war die Geschichte von einem Aspiranten. Der war bei einem Lehrer und hat gehört, „Alles ist Brahman, alles ist Bewusstsein, es gibt nur eine Welt, die ganze Welt gehört nur dem kosmischen Bewusstsein und du bist Brahman. Damit gehört die ganze Welt dir.“ Der ist dann in ein Restaurant gegangen und hat sich ein fünf Gänge Menü in einem fünf Sterne Hotel bestellt und anschließend ging es dann ans Bezahlen und dann hat er dem Wirt gesagt, „Alles ist Brahman. Es gibt nur eine kosmische Wirklichkeit. Und das ganze Universum mit all seinen Teilen, einschließlich diesem Restaurant, gehört dem unsterblichen Brahman. Daher, mir gehört das Restaurant genauso wie jedem anderen auch und deshalb brauche ich auch nichts zu bezahlen.“ Und da die Geschichte noch etwas altertümlich sein soll, geht dann die Geschichte weiter. Dann nahm der Wirt einen Stock und schlug diesen Aspiranten grün und blau. Der Aspirant kehrt zurück zum Lehrer. Humpelnd und schmerzerfüllt, geht er zum Lehrer und sagt, „Meister, deine Philosophie hat nicht geklappt.“ Der Meister lässt sich die Geschichte erzählen und lacht und sagt, „Wer hat wen geschlagen? Wenn alles Brahman ist, dann hat Brahman sich selbst geschlagen. Warum kümmert dich das?“ Solange wir uns noch identifizieren mit dem Körper, gilt es, wir müssen uns um den Körper kümmern. Angenommen, wir identifizieren uns nicht mehr mit dem Körper, dann mag es sein, dass Karma irgendwo abläuft. Wer sich an die Bhumikas erinnert, von den sieben Bhumikas gibt es ja die sechste Bhumika, Padartha Bhavani, wo der Meister sich nicht mehr um seinen Körper kümmert, die Meisterin sich um nichts mehr kümmert, sondern es geschieht von selbst und es wird sich vom Karma um den Körper gekümmert. Er oder sie selbst spürt sich mehr oder weniger beständig im Unendlichen. Im Unterschied zu Asamshakti, wo auch schon Nirvikalpa Samadhi ist und der Meister, die Meisterin Doppelbewusstsein hat, zum einen sich sehr wohl um den Körper kümmern kann und die Pflichten erfüllen kann und dennoch immer wieder die Einheit mit dem Unendlichen erfährt. Oder es gibt eine andere Geschichte von Sankaracharya. Sankaracharya war zwar Swami und Begründer des Dashanami Orderns, er hat eben auch das Mönchstum systematisiert und man kann sagen, eigentlich zehn Hauptorden begründet, die dann in vier Hauptklöstern zusammengefasst wurden, die aber dann doch keine so enge Zusammengehörigkeit haben wie christliche Orden, da ist es sehr viel loser, bis so weit, dass die meisten gar nicht wissen, zu welchem Stammkloster sie eigentlich gehören. Aber Sankara war zwar ein Mönch und die meisten seiner Schüler waren Swamis, aber eben nicht alle. Er hatte auch mal so einen König gehabt und bei dem hat er regelmäßig Unterricht gehalten und hat zu dem König gesagt, „Dein Palast ist unwirklich und deine Elefanten sind unwirklich, dein Harem ist unwirklich, dein Reich ist unwirklich, hinter allem steckt nur Brahman. Höre auf, ständig nach mehr zu streben. Höre auf, Kriege anzuzetteln, um mehr Ruhm zu bekommen. Dein Selbst ist das gleiche Selbst wie das Selbst von allen Königen um dich herum und das gleiche Selbst, wie alle von deinen Untertanen, deshalb höre auf, sie auszupressen mit den Steuern, sondern erkenne, dein Selbst ist eins mit dem Selbst von allen.“ Und dann, den König hat das irgendwann gewurmt. Ursprünglich wollte er ja lernen, aber so geht das halt öfters mit Aspiranten. Erst gehen sie zum Meister und sagen, „Meister, lehre mich.“ und danach ärgern sie sich über das, was der Meister sagt oder argumentieren und schimpfen mit dem Meister. Und der König hatte gedacht, „Jetzt habe ich genug von ihm.“ Und Sankara ist so jeden Morgen durch die gleiche Straße durchgegangen und zum König hin und so hat der König dort einen Elefanten wild gemacht und hat den Elefanten durch die Straße jagen lassen, dass der Sankara zertrampelt wird. Also, war schon nicht so ganz ohne. Gut, und Sankara, der war halt noch jung – ihr erinnert euch, er ist ja mit 32 gestorben, seine Hauptlehrperiode, wo er in die Außenwelt gegangen war, war zwischen 24 und 32, er ist viel gewandert – er war auch in guter physischer Konstitution, er ist also vor dem Elefanten weggerannt und dann auf einen Bauch hochgeklettert. Und dieser Baum war irgendwo, die obersten Wipfel waren direkt vor den Gemächern vom König. Und manche sagen, der König hatte das beabsichtigt, der wollte ihn nicht umbringen. Jedenfalls der König sah ihn dort oben und dann fing er an zu lachen und sagte, „Oh Sankara, du lehrst, dass alles eins ist. Wieso bist du, der du eins bist mit dem Elefanten, vor dem Elefanten weggerannt?“ Dann antwortete Sankara, „Oh König, du hast noch nichts verstanden. Wer ist vor wem weggerannt? Und was ist überhaupt passiert?“ Habt ihr verstanden? Also, in dem Traum ist es so, dass der Sankara weggerannt ist, aber eigentlich ist niemand vor irgendjemandem weggerannt. Aber innerhalb des Traums wird man spielerisch die Regeln des Traums befolgen und das heißt dann auch, wenn einen ein Elefant verfolgt, dann rennt man vor ihm weg und weil Mensch langsamer ist als Elefant, ist es klüger einen Baum hoch zu kraxeln, wenn der Baum hoch und stark genug ist.

Wie kann Maya überwunden werden? Wie ist die Welt entstanden?

„Maya kann durch Erkenntnis der reinen nichtdualen, absoluten Wirklichkeit überwunden werden. So wie der Irrtum, es handle sich um eine Schlange, durch das Erkennen des Seils aufgehoben wird. Die bekannten Grundeigenschaften von Maya sind Rajas, Tamas und Sattwa mit ihren entsprechenden Wirkungen.“
Es ist ja oft die Frage, „Wie ist diese Welt entstanden?“ Wenn ihr das jetzt hört, was Sankara sagt über Maya und wie ist die Welt entstanden, letztlich, wir wissen es nicht. Er sagt ja, Maya ist weder existent, noch nicht existent. Sie besteht weder aus Teilen, noch ist sie ungeteilt. Sie ist jenseits von Zeit und Raum, schafft aber letztlich Zeit und Raum. Und den Weisen ist sie an ihren Wirkungen erkennbar. Wir können also erkennen, was dort draus geworden ist. Es ist letztlich, man kann auch sagen, wenn der Träumende anfängt zu träumen, dann, in dem Moment, wird die Welt geschaffen. Wenn man jetzt aber beobachten will, „Was veranlasst den Träumenden in diesem Moment zu träumen?“
Plötzlich ist die Frage, „Was ist dieses unsterbliche Selbst?“ Alle sind von dieser Frage sehr intensiv ergriffen und wollen sich nicht mit Maya beschäftigen.
So ähnlich die Frage, ich glaube, Narayani hat irgendwann mal euch die Aufgabe gegeben, „Überlegt, ob ihr beim Einatmen oder beim Ausatmen einschlaft.“ Wer ist beim Einatmen eingeschlafen? Wer ist beim Ausatmen eingeschlafen? Wie ist dieser Prozess des Einschlafens? Habt ihr den schon mal genau beobachtet?
Es ist jetzt nicht so, dass du erst eingeschlafen bist und dann überlegst, „Habe ich gerade ein- oder ausgeatmet?“ Oder so ähnlich auch wie die Frage, „Schläft man auf der linken Seite oder auf der rechten Seite ein?“ Gut, wer die ganze Zeit auf einer Seite liegt, der weiß es, aber die meisten Menschen liegen nicht auf einer Seite und dann weiß man nicht, auf welcher Seite liegend man eingeschlafen ist. Genauso die Frage, „Wie ist diese Maya passiert?“, ist nicht in Worte fassbar. Brahma hat plötzlich geträumt. Deshalb, die Maya bleibt stets und beständig unergründbar. Gehen wir zum Vers 124. (nächstes Mal)

Was ist Wahrheit? Was ist das Selbst?

Ich hatte heute Morgen über die Unwirklichkeit der Welt gesprochen, von verschiedenen Gesichtspunkten her. Und es gibt eine Menge von Vergleichen, die uns zeigen, dass diese Welt unwirklich ist. Ich will da noch ein paar klassische Analogien gebrauchen und danach ein paar Worte sagen, „Was ist überhaupt die Welt?“ Und dann gehen wir noch durch einige weitere Verse des Viveka-Chudamani, wo Sankara ganz besonders klar uns macht, „Was ist Wahrheit? Was ist Selbst?“ und auch immer wieder natürlich, was das Selbst nicht ist. Wobei ich jetzt so ein paar Verse herausgeschrieben habe und ich will ein bisschen mehr auf die Verse eingehen, die beschreiben, wer man wirklich ist und was wirklich Wahrheit ist, denn über das, was wir nicht sind und das, was die Welt nicht ist, da habe ich relativ ausführlich gesprochen, vielleicht in etwas modernerer Ausdrucksweise als Sankara. Allerdings, wenn er über das Selbst spricht, da gibt es weder modern noch alt, denn das Selbst ist immer gleich geblieben. Unsere Erfahrung der Welt ist auf der einen Seite gleich, aber auf der anderen Seite auch unterschiedlich. Die Hungersnöte, die zu Sankaras Zeit allgegenwärtig waren, die Schlangenbisse, die allgegenwärtig waren, die Skorpionbisse und die Seuchen und Trockenheiten und Überschwemmungen und auch letztlich Kriege, die zu seiner Zeit in Indien in den Regionen, wo Sankara gelebt hat, immer wieder waren, die es auch heute auf der Erde gibt, aber das ist für uns hier, in unserer Insel der Seligen, nicht so ganz gegenwärtig. Deshalb gebraucht Sankara oft diese Beispiele, die seine Mitmenschen drastisch vor Augen gehabt haben. Auch, wie unsicher diese Welt ist und wie leidvoll die Welt sein kann.

Swarupa, deine wesenseigene Form

„Swarupa“ heißt „meine wahre Form“. „Aham“ heißt „Ich bin“. „Swarupa“ ist ein vielschichtiger Ausdruck im Sanskrit. Swarupa wird in der Bhagavad Gita sehr häufig genutzt als Persönlichkeit, Talente, Fähigkeiten. Also durchaus dem, man könnte sagen, dem Selbstbegriff der humanistischen Psychologie, wenn die dort von Selbstverwirklichung sprechen. Also Krishna sagt, man soll seiner Swarupa gemäß handeln. Und das heißt, angenommen, jemand ist ein Pitta-Typ, dann soll der ruhig sich mal durchsetzen. Oder angenommen, jemand ist ein Vata-Typ, dann soll er seine Neugier für gute Sachen benutzen. Natürlich, wenn jetzt Vata übersteuert ist, dann würde man ein bisschen reduzieren. Man muss aber aufpassen, manchmal liest man in oberflächlichen Ayurveda-Büchern, ein Vata-Typ wird am besten Buchhalter. Der wird todunglücklich dort, das gelingt ihm nicht. Oder er wird neue kreative Weisen finden, wie man Buchführung macht, was dann nicht immer die Steuerbehörden interessiert oder manchmal interessiert es dann sehr. Aber jedenfalls, Krishna sagt, wir müssen unserer Natur gemäß handeln und wir müssen unsere Pflicht so erfüllen, wie wir es mit unserer Natur machen. Aber das führt dann manchmal zu einer Verliebtheit mit der eigenen Natur. An einer anderen Stelle schreibt auch Krishna, unsere wahre wahre Natur, das ist Satchidananda. Und Sankaracharya hat den Ausdruck „Swarupa“ – es gibt ja diesen einen Nirvanashtakams, „Satchidananda Rupah Shivoham Shivoham.“ Also dort sagt er, „Meine wahre Natur ist Sein, Wissen und Glückseligkeit.“ Auch Sankaracharya musste sich damit auseinandersetzen, dass die Aspiranten seiner Zeit und seine Schüler sich mit ihrer relativen Natur so sehr identifiziert haben und vermutlich ihm immer wieder gesagt haben, „So bin ich halt und das ist meine Natur und deshalb brauche ich dies und deshalb brauche ich jenes. Und meiner Natur gemäß muss ich das machen.“ Und dann sagt er, „Satchidananda Swarupoham. Deine wahre Natur ist Sein, Wissen und Glückseligkeit. Identifiziere dich nicht mit deiner Persönlichkeit, deinem Charakter, deinen Talenten, deinen Fähigkeiten, deinen Wünschen, noch nicht mal deinen Herzenswünschen.“ Auch wenn Krishna irgendwo betont, dass im Alltag das natürlich eine Rolle spielt. Nur, wir dürfen uns nicht damit zu sehr identifizieren.

Liebe, was ist das?

„Was ist Liebe? Ist es die Illusion einer Emotion oder verbinden wir uns mit dem Bewusstsein?“ Du sprichst jetzt davon, auf der einen Seite gibt es mich, auf der anderen Seite gibt es das Bewusstsein. Jetzt verbinde ich mich mit dem Bewusstsein. Nein, so ist es nicht, sondern, ich bin Bewusstsein. Man kann sagen, auf der einen Seite, Liebe ist eine Widerspiegelung. Und damit könnte man sagen, sie ist illusorisch. Aber auf einer anderen Ebene ist es eben die Widerspiegelung der Verbundenheit auf eine relative Weise. Man kann auch sagen, wenn man Liebe spürt, dann ist das Verbundenheit, dann leuchtet vorübergehend die Einheit auf. Die kann man dann nachher fehl interpretieren und reine physiologische Bedingungen dort setzen und manches beruht ja schlicht darauf, irgendwelche physiologischen Mechanismen ermöglichen es dem Bewusstsein, sich etwas weiter zu fühlen und irgendwo nicht nur mit diesem Körper sondern mit einem oder zwei oder drei Körpern, je nach Größe der Familie, sich zu identifizieren. Aber es ist auch die kleine Liebe, gegen die zwar Sankaracharya relativ vehement wettert, insbesondere in ein paar Versen, die ich euch verheimlicht habe, die müsst ihr dann selbst lesen, könnt euch dann alleine darüber ärgern, die sollen uns Vairagya geben. Aber von einem anderen Standpunkt und das wiederum sagt er ja in anderen Versen – ich widerspreche ja jetzt Sankaracharya nicht, sondern man kann zu Vedanta hingehen über Neti Neti, nicht dies, nicht dies oder über Iti Iti, dies und dies. Wir können also zum einen sagen, Liebe zwischen zwei Menschen ist Verhaftung oder wir können sagen, es ist ein begrenztes Aufblitzen der Verbundenheit der Seele. Beide Ausdrücke wären korrekt. Kannst es dir jetzt aussuchen, was für dich besser passt. Vielleicht bei frisch Verliebten passt besser die eine und bei solchen, bei denen gerade Beziehungsprobleme da sind, passt besser die andere Interpretation. Sind beide korrekt. Solange es uns eben dazu führt, uns nicht darauf zu beschränken und zu glauben, in diesem Kleinen und Begrenzten dort ist jetzt alles da.

Die 4 Mahavakyas im Vedanta

Ich möchte heute Morgen zunächst ein paar grundlegende Aussagen von Sankaracharya noch mal systematisieren, bevor wir im Viveka-Chudamani fortfahren. Die drei wichtigen Sätze von Sankaracharya, die die ganze Vedantaphilosophie zusammenfassen sind wie? Das sind die vier Mahavakyas. Wir können ja anfangen, erstmal die vier Mahavakyas. Das sind die großen Aussagen, die in den Upanishaden gefunden wurden. „Maha – großartige, Vakyas – Aussprüche“ Wie heißen die noch mal? „Tat Tvam Asi. – Das bist du. Aham Brahmasmi. – Dieses Selbst ist Brahman oder Ich bin (Aham) Ich bin Asmi dieses Brahman.“ Das dritte ist, „Prajnanam Brahman. – Bewusstsein ist Brahman.“ Und das vierte ist, „Ayam Atman Brahma. – Dieses Selbst ist Brahman.“ Da steht meistens „Brahma“. Die Orientalisten und auch die Yogameister haben irgendwann bei der Transkription ins Englische einen Unterschied gemacht zwischen Brahma und Brahman. Brahma ist der Brahma, das ist der Schöpfer, und wenn es im Sanskrti Neutrum ist, „das Brahma“, was aus dem Kontext hervorgeht, dann wurde das eben als Brahman übersetzt. Also, was ihr z.B. in der Yogalehrerausbildung gelernt habt, Brahma ist der Schöpfer und Brahman ist das Absolute, ist eigentlich so eine gewisse Konvention, die man gemacht hat, damit solche, die nicht den ganzen Kontext kennen, wissen, wovon man spricht. Die Mahavakyas sind keine Mantras, die Mantracharakter haben. Man nutzt sie als Denkstütze, aber natürlich, dann würde man sagen, „Ayam Atman Brahma“, kann man auch sagen oder „Prajnanam Brahma“. Das sind also die vier Mahavakyas. Noch mal zusammen. „Tat Tvam Asi. – Das bist du.“ Und dann, „Aham Brahmasmi. – Ich bin dieses Brahman. Prajnanam Brahma. – Bewusstsein ist Brahman.“ und „Ayam Atma Brahman. – Dieses Selbst ist Brahman.“

Die vier Vivekas im Vedanta Jnana Yoga

Also noch mal zusammenfassend die vier wichtigen Vivekas. Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen. Das ist vielleicht die schwierigste und die betont Sankara hier zunächst mal als erstes. Aber die zweite, vielleicht noch wichtigere, die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen, die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst, die Unterscheidung zwischen Vergnügen und wahrer Wonne. Letztlich sind alle Unterscheidungen verschiedene Unterscheidungen des Gleichen. Ewig und vergänglich, Ananda und Sukha, Selbst und Nicht-Selbst, ist ja letztlich alles das Gleiche. Das, was ewig ist, ist das Selbst, ist das, was Ananda ist und das ist die Wahrheit. Also, im Grunde genommen sind es eigentlich vier Weisen, wie man die gleiche Sache unterscheiden kann. Und ihr könnt das selbst überlegen, was euch am meisten liegt. Glücklicherweise muss man nicht alle vier machen. Und es gibt manche Menschen, die irgendwo einen Zugang besser zu einem haben, aber zu dem anderen haben sie keinen Zugang. Da wäre mein Tipp, entwickelt vor allem diese Viveka, zu der ihr am leichtesten Zugang habt, denn es bleibt, wie du eben gesagt hast, das Ewige ist letztlich das Wirkliche, ist Ananda und ist das Selbst. Manchen liegt eine Unterscheidung besonders zu machen und andere nutzen verschiedene Formen der Unterscheidung je nach Lebensumständen.
Wir sind jetzt beim 21. Vers von über 500. Aber ich meine, es ist gut, sich an diesen Teilen etwas aufzuhalten, wir werden dann nachher irgendwann ein bisschen beschleunigen und letztlich gilt es, dass ihr die Viveka-Chudamani auch dann selbst lest und nutzt. Aber wenn ihr diese Grundlagen habt, fällt der Rest leicht. Auf einer gewissen Weise kann man ja auch sagen, ihr habt ja auch schon alle Grundlagen. Vermutlich habe ich euch bis jetzt nichts Neues erzählt. Das ist der Nachteil beim Jnana Yoga. Eigentlich heißt es, „In drei Sätzen sei es verkündet, was man in Tausend Büchern findet, Brahman ist wirklich, die Welt ist Schein, das Selbst ist nichts als Brahman allein.“ Alles andere ist Zugabe. Aber um in der Viveka sich zu vertiefen, dazu ist es notwendig, von allen möglichen anderen Gesichtspunkten, das immer wieder zu hören.

Sei weise und entwickle die Eigenschaften eines Yogi

„Weise und inspiriert ist ein Mensch, der geschickt im Abwägen von Pro und Kontra ist. Wer die genannten Eigenschaften besitzt, der erfüllt die Voraussetzungen zur Selbsterkenntnis.“ (Viveka Chudamani von Sankara, Vers 16)
Der 17. Vers wiederum gilt als besonders wichtig, da beschreibt er die Sadhana-Chatushtaya, die vier Eigenschaften – Chatushtaya, die Vierheit – für den spirituellen Weg, Sadhana.
Sankara schreibt:
„Als geeignet für die Suche nach der absoluten Wirklichkeit gilt, wer zwischen Wirklichem und Unwirklichem unterscheiden kann (Viveka), wer Losgelöstheit besitzt (Vairagya), wer die sechs Tugenden der Gleichmut besitzt, das ist Shatsampat oder hier Samadhi Shadkam genannt und wer sich nach Erlösung sehnt (Mumukshutwa).“ (Viveka Chudamani, Vers 17)
Also Viveka. Viveka, die Unterscheidungskraft. Vairagya, ein sehr schwer zu übersetzendes Wort. Der Sankara wird es gleich definieren, aber es wird meistens als Losgelöstheit bezeichnet oder Entsagung oder Nichtanhaften oder Verhaftungslosigkeit. Shatsampat, die sechs edlen Tugenden der Gleichmut. Und Mumukshutwa, der intensive Wunsch nach Befreiung. Swami Vishnu-devananda hat gerne gesagt, wenn man überprüfen will, ob man auf dem spirituellen Weg Fortschritte macht, dann sollte man schauen, ist man in diesen vier Eigenschaften gewachsen. Es ist nicht, wie fortgeschritten man in den Asanas ist. Also, ob man jetzt den Skorpion beherrscht oder nicht, das besagt nicht, ob man auf dem spirituellen vorangeschritten ist. Auch nicht, wie viel Minuten man die Luft anhalten kann in Kapalabhati, wie viel Stunden man meditieren kann, auch nicht, welchen Teil der Wirbelsäule man spürt, auch nicht, wie viele Bilder man in der Meditation sieht, auch nicht, wie laut die inneren Anahata-Klänge sind. All das besagt nicht, wie weit wir auf dem spirituellen Weg sind. Aber wir können sehen, sind wir in diesen vieren gewachsen. Und das kann man sich öfters fragen. So vielleicht alle halbe Jahre kann man mal schauen, „Wie ist es mit meinem Viveka? Wie ist es mit meinem Vairagya? Wie ist es mit meinem Shatsampat? Wie ist es mit meinem Mumukshutwa? Habe ich dort Fortschritte gemacht oder Rückschritte oder bin ich gleich geblieben?“ Shatsampat, die sechs edlen Tugenden der Gleichmut.

Wahrheit wird erlangt durch intensives Nachdenken

„Sicherheit in Bezug auf Wahrheit erlangt man durch intensives Nachdenken und aus den Lehren des Meisters, nicht durch Baden in heiligen Wassern, nicht durch Almosen geben und nicht durch Hunderte von Pranayamas.“ (Viveka Chudamani von Sankaracharya Vers 13)
Also hier der Jnana-Yoga-Ansatz, der Ansatz, der sagt, wir kommen zur höchsten Wahrheit durch intensives Nachdenken, Analyse, eben durch Viveka. Es ist ja Viveka-Chudamani der Text. Und nicht irgendwie nachdenken, sondern wir lesen die Schriften und wir hören die Interpretationen eines Meisters, wir denken darüber nach und es wird mehr als zu einer intellektuellen Beschäftigung, es kommt zu einer tiefen Verwirklichung. Und nicht durch Rituale allein. Gut, Baden in heiligen Flüssen, ich vermute, das ist jetzt weniger das, was ihr typischerweise macht. Wir haben zwar hier nebendran die Werre und letztlich Ricky, das ist der Hund von mir, der versucht da auch öfters drin zu baden, meistens kommt er sehr schlammig dann raus, aber damit hat er bisher noch nicht die Selbstverwirklichung erreicht. Und selbst diejenigen, die nach Rishikesh fahren und dann im Ganges ihr Bad nehmen, auch dadurch wird man nicht selbstverwirklicht. Oder ich habe einen Bruder, der ist um den Berg Kailash herumgegangen. Er sagt, das war sicher seine intensivste Kopfweherfahrung und zwischendurch gab es auch sehr erhabene Momente, aber es würde nicht auf die Idee kommen, es nochmals zu machen und die Wahrheit ist ihm dort auch nicht sehr viel näher gekommen. Aber es ist natürlich eine Grenzerfahrung. Eine Grenzerfahrung kann einen manchmal aus seinem Normalen herausbringen und dann kann man überlegen, „Wer bin ich?“ Ebenso natürlich Asana, Pranayama, Pujas, Homas, Mantrasingen, Kirtan und all das, ist nicht etwas, was an sich einen zur Verwirklichung bringt. All das bereitet einen vor. Vom Kundalini-Yoga-Standpunkt würde man sagen, es hebt das Prana in die höheren Chakras. Ist das Prana in den höheren Chakras, dann fällt es leichter, zu fragen, „Wer bin ich?“ Ihr wisst alle, wenn ihr eine Weile weniger geübt habt – ich weiß nicht, ob ihr es alle wisst, vielleicht der ein oder andere von euch hat noch nie weniger geübt, sondern immer mindestens viel – aber jetzt für die unter euch, die vielleicht nicht regelmäßig zwei, drei Stunden täglich üben, sondern vielleicht ab und zu mal weniger, wissen, wenn man weniger übt, sinkt das Prana, die Lebensenergie und dann fällt es auch schwerer, erhabener zu denken. Dann plötzlich scheint das alles so weit weg, „Wer bin ich? Ich muss mich jetzt um Beruf kümmern. Ich muss mich um meinen Freund kümmern. Ich muss mich vielleicht darum kümmern, dass ich überhaupt noch einen Freund habe oder wieder einen bekomme.“ All das ist natürlich wichtig, aber es kann sein, dass das nur noch wichtig ist. Wenn das Prana erhöht ist, dann fällt es leichter, die Frage zu stellen, „Wer bin ich?“ Das ist eben auch wichtig, dass wir das so verstehen. Swami Vishnu-devananda hat gerne fortgeschritteneren Aspiranten gesagt, „Verwechselt nicht Mittel und Zweck.“ Zweck ist die Erfahrung des höchsten Selbst. Mittel ist Asana, Pranayama usw.

Introspektion als Erkenntnisweg des Jnana Yoga

Also, das nochmals als Anregung für den restlichen Tag. Wann immer euer Geist nicht ganz beschäftigt ist, werdet euch einfach bewusst, dass das, was in eurer Psyche abläuft, ihr nicht wirklich seid. Und dass Gedanken, die kommen, aus alten Samskaras kommen können, dass Gedanken, die kommen, aus Sinneswahrnehmungen entstanden sein können, dass Wünsche und daraus etwas zu tun, letztlich von Samskaras kommen, dass ihr die Möglichkeit habt, mit Buddhi dort einzugreifen, dass ihr mit Buddhi die Möglichkeit habt, Dinge zu verändern und ihr könnt euch auch bewusst sein, womit identifiziert ihr euch ganz besonders stark. Und das kann man lächelnd sich bewusst werden. Also nicht jetzt, „Oh, was bin ich doch für ein dummer Aspirant.“ oder „Was bin ich doch für ein Nichtsnutz.“ oder „Ich bin überhaupt kein guter Aspirant.“ Manche identifizieren sich damit. Sondern sich bewusst werden, „Aha, so und so ist es.“ und danach kann man lernen, sich nicht damit zu identifizieren, zu lösen.

Der Menchliche Geist aus der Sicht von Vedanta und Jnana Yoga

„Die Gesamtheit der geistig-seelischen Kräfte des Antarkarana wird je nach ihrer Funktion, Denken, Manas, Vernunft, Buddhi, Ichgefühl, Ahamkara oder Gedächtnis, Unterbewusstsein, Chitta, genannt.“ (Sankara im Viveka Chudamani, Kleinod der Unterscheidung)
Ich gehe jetzt davon aus, ihr habt das alle schon viel gehört und ihr wisst, was es ist. Aber zur Wiederholung, Ahamkara, Buddhi, Manas und Chitta, hier verstanden Chitta im engeren Sinne. Im weiteren Sinne ist ja Chitta, so wie es Patanjali z.B. versteht, der ganze Geist. Also das, was Sankara als Antarkarana, also inneres Instrument, bezeichnet, das ist bei Patanjali das Chitta und bei Sankara ist Chitta das Unterbewusstsein bzw. das Gedächtnis. Und auch das ist wiederum hilfreich und ich will es jetzt hier nicht weiter ausbauen. Wenn ihr die Raja-Yoga-9-Tages-Weiterbildung mitmacht, da wird da etwas mehr darüber gesprochen, da lernt ihr etwas mehr darüber. Aber es hilft auch wieder, sich davon etwas zu lösen, sich nicht so viel zu identifizieren.
Also zunächst, Manas ist das, was so abläuft an nahezu automatischen Gedankenprozessen. Und am stärksten sind dort Worte, Bilder und Gefühle. Angenommen, ich habe so in die Hände geklatscht, da habt ihr etwas gehört. Vielleicht habt ihr gesagt, „Was ist dieser Knall?“, vielleicht habt ihr irgendwas gesehen, manche haben ja in eine andere Richtung vorher geguckt, haben dann ein Bild gehabt, was das ist. Als erfahrene Meditierende seid ihr nicht so stark zusammengezuckt wie andere. Es gab ja irgendwann so eine Studie, die hat gezeigt, dass der Startle Reflex bei erfahrenen Meditierenden weniger stark entwickelt ist, als bei anderen. Das heißt, man erschrickt nicht so schnell. Und das hat auch einen Einfluss auf die Stressresistenz. Nichtsdestotrotz, ein Gefühl war trotzdem auch irgendwo dabei. Also, Worte, Bilder, Gefühle, das ist so im Manas da und das ist natürlich auch eng verbunden mit dem Unterbewusstsein, also mit dem Gedächtnis und auch Neigungen und im Unterbewusstsein sind ja auch VAsanas, Wünsche, dort sind Samskaras, Eindrücke, all das ist da. Und dann kommt irgendwann auch noch die Buddhi, die versucht aus dem Ganzen einen Sinn zu machen, sie benutzt die Vernunft und dann kommt Ahamkara und identifiziert sich damit. Ich werde noch ein ganz klassisches Beispiel gebrauchen. Was ist das, was ich in der Hand habe? „Eine elektromagnetische Welle.“, „Ein Atom.“, „Brahman.“, „Ein Fussel.“ Also, da ist tatsächlich ein Fussel und außerdem ist dort noch zusammen mit dem Fussel etwas von einem Buchweizen, denn da ist Buchweizenstreu drin. Was war das Ganze jetzt? Also, ihr habt zuerst hingeguckt und habt etwas gesehen, also ist durch eure Jnana Indriyas irgendeine Information hingegangen. Die meisten von euch haben im Wesentlichen nur gesehen, da ist irgendeine Hand und da guckt er hin und außerdem habt ihr was gehört, Jnana Indriyas. Dann kam es ins Manas. Also, da habt ihr etwas gehört und etwas gesehen und dann habt ihr überlegt, „Was könnte das sein?“, geht also ins Chitta herunter und habt dort irgendwelche Informationen abgerufen und manche haben innerlich irgendwo vielleicht etwas gedacht, „Das könnte es sein.“, dann kommt irgendwann die Buddhi ins Spiel und sagt, „Ja, das kann es sein, das kann es nicht sein.“ und bei der Mehrheit von euch hat die Buddhi gesagt, „Nicht entscheidbar, zu wenig Informationen.“ Und dann kommt Ahamkara und sagt, „Ich weiß es.“ oder „Ich weiß es nicht.“ Aber dann kommt noch eine zweite Entscheidung, nämlich, sagt man jetzt etwas oder nicht. Ich habe ja die Frage an euch alle gestellt und nur etwas mehr als eine Handvoll von euch hat irgendwas gesagt. Von Atom, über Brahman. Auch das wiederum ist etwas, was im inneren Instrument dort geht. Gut, ich habe eine Frage gestellt, normalerweise, was macht man, wenn man eine Frage hört? Antworten. Aber wenn eine Frage an viele gestellt wird, dann antworten typischerweise nicht alle. Aber wer antwortet typischerweise, wenn eine Frage an viele gestellt wird? Derjenige antwortet, der es gewohnt ist, in einer solchen Situation zu antworten. Das hängt schlicht und ergreifend von den Samskaras ab. Und ich bin überzeugt, diejenigen, die jetzt auf solche rhetorischen Fragen öfters antworten, in anderen Kontexten antworten die auch. Und vermutlich haben sie schon in der Schule früher geantwortet. Also, um überhaupt etwas zu antworten, gibt es die Samskaras im Chitta, aber dann geht es noch weiter. Und dann kann aber Buddhi, die Vernunft, sagen, „Ja, antworte.“ und lässt den Impuls durch oder sie sagt, „Nein, jetzt sage ich mal nichts.“ Oder die Buddhi kann auch sagen, „Ja, ich habe mir ja vorgenommen, Schüchternheit zu überwinden und ich mache das jetzt, indem ich jetzt was sage.“ Auch wenn ich nicht weiß, ob es sinnvoll ist oder nicht, kann die Buddhi sagen, „Jetzt sage ich was, ob ich will oder nicht.“ und die Buddhi kann auch sagen, „Ich halte jetzt den Mund, auch wenn ich da sonst immer etwas spreche.“ Und dann kommt noch Ahamkara und identifiziert sich. Und z.B., wie hat sich der Madava gefühlt, als ich gesagt habe, „Ja, es ist ein Fussel.“? Also, er hat ein bisschen Glücksgefühl empfunden. Ich war ja froh, dass einer etwas erraten hatte. Also, es ist anders, als wenn ich jetzt einen Computer gehabt hätte und dem dort eine Analyse gegeben hätte und der hätte gesagt, „Mit 99,83 Prozent Wahrscheinlichkeit ist das ein Teppichfussel von einem reinen Schurwollteppich.“ Und dann gebe ich dem Computer ein „richtig“ und wie wird er antworten? Er wird gar nichts damit anfangen können. Ein Mensch hat ein bisschen Identifikation und deshalb sucht er dort Bestätigung. Auch einige von euch, die vielleicht gedacht haben, „Es muss ein Teppichfussel sein.“, selbst die, die nichts gesagt haben, die haben sich dennoch irgendwo bestätigt und gut gefühlt. Vielleicht haben sie sogar gedacht, „Hätte ich das doch gesagt.“ Also, das ist das Spiel unseres Geistes. Aber so sind die Kategorien unseres Geistes letztlich. Wir nehmen Sachen wahr. Das, was wir wahrnehmen, wird irgendwo an der Oberfläche unseres Geistes widergespiegelt. Denn z.B., wenn ihr jetzt hier dort hinguckt und einen schwarzen Stift seht, ich glaube, auch ganz hinten könnt ihr noch einen schwarzen Stift sehen, mindestens wenn ihr, nicht so wie ich, wenn ich da hinten wäre, ohne Brille würde ich nichts sehen, aber ihr seht entweder besser oder habt eine Brille auf. Also ihr wisst, schwarzer Stift. Aber dieses Schwarz ist ja nicht eine Farbe, die hier ist, sondern dass dort Schwarz entsteht, ist Manas. Also das, was dort entsteht auf der Oberfläche unseres Geistes, das ist eben Manas. Und das wird dann eben verglichen mit dem, was im Unterbewusstsein drin ist und dann kann Buddhi sagen, „Ja, es ist ein Stift.“ Und dann kann Ahamkara sagen, „Ich weiß.“ Und dann, mit einem Stift können auch verschiedene Samskaras verbunden sein und dann denkt man vielleicht an irgendetwas, dann werden Erinnerungen wachgerufen, dann können da sogar Gefühle mit verbunden sein usw.
Das Ganze dient jetzt dazu, dass wir uns lösen können von diesen Identifikationen. Das ist jetzt ein Unterschied, z.B. wenn Patanjali über diese Prinzipien spricht, dann will er uns damit helfen, dass wir dieses innere Instrument auch gut nutzen können. Wie können wir unseren Geist positiver machen? Wenn Sankara im Viveka Chudamaini darüber schreibt, dann deshalb, damit wir uns davon lösen. Und dann könnt ihr z.B. den nächsten halben Tag, wenn ihr zwischendurch bemerkt, „Ja, da sind die Gedanken.“, könnt ihr sagen, „Aha, da sind Gedanken in meinem Geist. Das ist erstmal Manas, das heißt, einfache Worte, Bilder, Gefühle, aber ohne dass ich nachdenke.“ Und das wird geprägt durch Eindrücke aus dem Unterbewusstsein. „Aha, ich reagiere jetzt deshalb etwas stärker, wegen dem Eindruck aus dem Unterbewusstsein. Aha, da identifiziere ich mich ganz besonders stark.“, denn wir identifizieren uns ja mit manchem stärker und mit manchem etwas weniger stark, „Wo geht das Ahamkara hin?“ Und dann können wir auch mal schauen, „Ja, ich kann auch meine Buddhi bewusst verwenden. Ich muss nicht einfach dem folgen, was in meinem Manas von selbst hineinkommt.“ Das ist übrigens das, was man annimmt, was Menschen von Tieren unterscheidet, Buddhi und Ahamkara. Der Mensch hat sehr viel mehr dieses Gefühl eines eigenständigen, getrennten Selbst, dieses Selbstbewusstsein, wie es in der Biologie bezeichnet wird und Psychologie. Das ist beim Menschen stärker ausgeprägt. Man nimmt heute an, dass höhere Tiere – was auch immer „höher“ heißen soll – auch ein gewisses Selbstbewusstsein haben. Ursprünglich hat man dort nur die Affen dazugezählt, heute nimmt man an, auch Hunde haben ein gewisses Selbstbewusstsein, auch Papageien, auch Wale, auch Delphine, alle paar Jahre wird eine Tierart dazugefügt, die auch fähig ist, Selbstbewusstsein zu haben. Aber sehr viel weniger als der Mensch. Auch wie die Vernunft dort etwas bewirken kann, wird auch wieder klar. Z.B. normale Tiere sind Reizreaktionsmustern sehr stark unterworfen. Der Mensch dagegen ist auch Reizreaktionsmustern unterworfen, er kann aber auch mal innehalten und sagen, „Warum mache ich das eigentlich? Will ich nicht mehr. Ich lasse es sein.“ Oder angenommen, jemand liebt Schokolade und jetzt stellt er fest, „Das ist irgendwo für meinen Körper nicht so gut.“, dann kann er sagen, „Ich lasse es.“ Ein Hund kommt jetzt nicht auf die Idee und sagt jetzt, „Diese besonderen Hirsekringel, die ich besonders mag, die esse ich jetzt einfach nicht mehr. Ich will einfach mal eine Weile keine Hirsekringel essen. Nicht deshalb, weil sie mir nicht schmecken, sondern einfach deshalb, weil ich zeigen will, ich bin nicht Sklave meiner Sinnesorgane.“ Ein Hund kommt dort nicht auf die Idee, aber ein Mensch kann auf die Idee kommen. Ricky ist ein vegetarischer Hund. Man kann Hunde sehr gesund und gut vegetarisch ernähren. Er lebt jetzt seit dreieinhalb Jahren vegetarisch und es ist kein Problem.